Drachenblut - Das Geständnis (Band 4) [Leseprobe]

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
10.07.2020
26.09.2020
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10.07.2020 1.671
 
Geschichte war online von: 10.07.2020-30.09.2020
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Kapitel 1


Der wundervolle Flug, mit dem Rei Quinn zum Strahlen gebracht hatte, war schon eine Woche her. Noch immer musste Quinn schmunzeln, wenn sie daran dachte, doch Rei war heute gar nicht zum Schmunzeln.

Die junge Frau war wieder ganz gesund und auch Reis Wunden, die sein Vater ihm zugefügt hatte, als dieser Quinn verteidigen wollte, waren verheilt.

Das hätte ihn eigentlich freuen sollen, doch es hieß leider auch, dass Quinn nun mit der Wandlung weiter machen wollte.

Es gab noch keinen Druck von oben und so konnte Rei selbst entscheiden, wie viel er ihr gab und in welchem Abstand. Das beruhigte ihn jedoch kaum.

Die Dosis war jedoch vorgeschrieben, nur die Zeiten dazwischen konnte er wählen. Und das würde er tun. Rei wollte ihr Zeit lassen, sich zwischen den einzelnen Dosen zu erholen.

Der Wächter war in der Nacht, in der er etwas geschlafen hatte, verschwunden. Dabei war er so leise gewesen, dass Quinn das nicht mitbekommen hatte. Elgatos passte wie immer auf sie auf, doch da sie meistens in der Nacht schlief, hatte er fast keine Arbeit damit. Auch er wusste, dass es an der Zeit für die erste Dosis war und er machte sich, genau wie Rei, Sorgen.

Quinn war ebenfalls aufgeregt, was dafür sorgte, dass sie in der Nacht sehr unruhig schlief. Sie hatte vorher sogar nach einem beruhigenden Tee gefragt und das war mittlerweile sehr ungewöhnlich.

Elgatos blickte auf die junge Frau, die sich im Bett etwas wand, aber schlief.

Hinter ihr an der Wand stand der kleine Webstuhl und darauf war schon ein Teil eines Wandteppichs zu sehen. Sie hatte ab und an daran gearbeitet.

Gerade dann, wenn sie nicht lernte oder Rei bei der Arbeit nicht gestört werden wollte.

Leise schlüpfte der Wächter zurück in das Zimmer und stellte Gläser und Wasser auf den Tisch. Das Messer zog er aus dem Stiefelschaft und legte es ebenfalls hin. Beinahe tonlos unterhielt er sich mit dem älteren Drachen, den er gebeten hatte, ein wachsames Auge auf Quinn zu haben. Gerade wenn sie und er schliefen.

Dabei war Elgatos aufgefallen, wie unruhig Quinn jedes Mal wurde, wenn Rei nicht im Zimmer war. Als würde sie es spüren und davon Albträume bekommen.

Quinn drehte sich um und zog die Decke über ihren Kopf. Ein Zeichen, dass sie langsam wach wurde, aber gern weiter schlafen wollte.

Was sie eigentlich auch konnte. Es war noch mitten in der Nacht, doch Rei hatte die Dinge bereits besorgt und versucht, sich selbst zu beruhigen. Diesen Schritt tat er nicht gerne und am liebsten wäre es ihm, dass alles vorbei wäre.

Doch so schnell würde es nicht gehen. Niemand wusste, ob Quinn die Phasen überstehen würde.

Unruhig spielte er mit seinem Stift und Widerstand dem Drang, mit diesem auf dem Tisch zu klopfen.

Quinn setzte sich irgendwann auf und rieb sich die Augen. "Ist es schon morgen?", fragte sie verschlafen. Es war noch dunkel im Zimmer, doch Rei war wach. Das war für sie eigentlich immer ein Zeichen, dass es bereits Zeit war, aufzustehen.

Nur der Feuerschein erhellte das Zimmer, denn Rei machte stets das Licht aus, damit er besser schlafen konnte. Elgatos störte sich nicht daran.

„Schlaf weiter“, hörte sie die sanfte, aber unruhige Stimme des Wächters.

"Ist alles in Ordnung?", fragte sie und drehte sich etwas, um zu sehen, was los war.

„Schlaf und ruh dich noch aus“, sagte Rei ernst. Er wollte sich nicht vorstellen, was die erste Dosis alles mit ihr anrichten würde.

Quinn murmelte etwas und legte sich dann wieder hin.

Wenn es nach ihm ginge, würde er den Zeitpunkt so viel wie möglich schieben. Er wollte die Wandlung einfach nicht und setzte alles daran, wenigstens noch ein paar Stunden zu haben.

Doch das führte nur dazu, dass er sich noch mehr Sorgen machte. Leise unterhielt er sich mit Elgatos darüber.

"Vielleicht wäre es am einfachsten es jetzt gleich zu machen", schlug dieser flüsternd vor. "So kann sie dann noch etwas schlafen."

„Was, wenn es sofort einsetzt? Ich möchte, dass sie noch so viel Ruhe wie möglich hat“, erwiderte Rei unschlüssig. Laut seufzte er und stand dann auf, um das Licht anzuschalten. Dazu legte er seine Hand auf den magischen Stein an der Wand, der dafür sorgte, dass der oben an der Decke zu leuchten begann.

Dann ging er auf das Bett zu und setzte sich an die Bettkante. „Quinn, möchtest du gleich anfangen oder noch ein paar Stunden schlafen?“, fragte er nicht begeistert. Doch die Entscheidung würde er ihr überlassen.

Die junge Frau, die sowieso nicht hatte weiterschlafen können, setzte sich auf. Dann blickte sie unschlüssig von Rei zu Elgatos und wieder zurück.

Sie wusste, dass es dem Eisdrachen nicht gefiel, doch sie wollte es so. Daher nickte sie leicht. "Wir können anfangen", sagte sie und klang entschlossen.

Im Gegensatz zu ihm. Widerwillig stand er auf, ging zum Tisch und zog den Plan für die Wandlung heraus. Wie schon oft davor las er diesen durch und seufzte, bevor er das Messer and seine Pulsadern legte und Blut in das Glas fließen ließ.

Quinn beobachtete ihn dabei sehr genau und wartete geduldig ab, weil sie ihn nicht drängen wollte. Sie wusste sehr genau, wie wenig ihm das gefiel.

Sein Gesicht war verzogen, als er sein Handgelenk mit seinem Atem vereiste und anschließend Wasser in das Glas mischte. Quinn konnte sehen, dass es mehr war als bei der Gewöhnung.

Vorsichtig schwenkte er das Glas hin und her, bevor er auf sie zukam und es ihr reichte.

Quinn nahm es entgegen und blickte es für einen Moment an, bevor sie es an ihre Lippen setzte und trank.

Genau wie damals bei der Gewöhnung knirschte der Wächter mit den Zähnen und wartete, bis sie fertig war.

Nur kurz verzog Quinn etwas das Gesicht, bevor das Glas leer war und reichte es dann an Rei zurück.

Dieser nahm es entgegen und ging zurück zum Tisch, an dem er sich niederließ und Quinn anschließend anstarrte.

Es wirkte, als würde er warten, was passierte und ob es ihr gut ging.

Die junge Frau saß einfach nur da und spürte lediglich, wie ihr kälter wurde.

Rei wirkte genauso kalt wie zuvor. Dabei hatten sie sich in der einen Woche sehr gut verstanden. Außerdem hatte er ihr das Versprechen abgenommen, dass sie gleich sagte, wie sie sich fühlte. Dann konnten Elgatos und er wenigstens eingreifen.

Die Spannung in der Luft erdrückte ihn beinahe, denn die Ungewissheit machte ihn beinahe wahnsinnig.

"Mir geht es soweit gut", versicherte sie. "Aber mir wird kalt."

„Setz dich vor das Feuer“, schlug Elgatos vor.

Quinn nickte und erhob sich, bevor sie sich vor den Kamin setzte.

Dabei wurde sie von Rei aufmerksam beobachtet. Auf Schritt und Tritt hatte er seine Augen auf sie, um zu sehen, ob auch wirklich alles in Ordnung war.

Sie spürte, dass es ihr immer kälter wurde und sie zu zittern begann. Ihre Hände fuhren über ihre Arme, um sich etwas zu wärmen.

„Lass dich von Elgatos wärmen. Er ist die Wärmequelle schlechthin“, schlug Rei vor, denn der Feuerdrache strahlte trotz des Lederkäfigs eine Wärme aus.

Quinn nickte leicht und deutete Elgatos an, dass sie durchaus eine Umarmung haben wollte, wenn er denn wollte.

Dieser stand sogar sofort auf und kam zu ihr, bevor er sich hinter ihr niederließ und sie in die Arme schloss.

Quinn schmiegte sich etwas an ihn, spürte aber keine zusätzliche Wärme. Genau wie beim Feuer.

Bei ihr war der ältere Drache immer sehr vorsichtig. Niemals berührte er sie unsittlich, sondern umarmte sie nur, wenn sie es wollte.

Rei beobachtete die Situation vom Tisch aus und überlegte, was er tun konnte. Vielleicht halfen ihr mehr Decken und warmer Tee.

Er konnte ihr ansehen, dass ihre Lippen blass und langsam blau wurden.

Erfrieren würde sie nicht, sonst wäre das bereits bei der Gewöhnung geschehen. Aber ihr Körper musste sich nach langer Zeit wieder an ihn gewöhnen, nachdem sie so lange krank gewesen und sie gewartet hatten.

„Soll ich dir noch Decken bringen?“, fragte Rei frostig.

Quinn nickte leicht. "Das wäre lieb", sagte sie.

Er kam ihrem Wunsch nach und nahm alle Decken, die er finden konnte. Diese brachte er zu Quinn und Elgatos und breitete sie über der jungen Frau aus.

Diese kuschelte sich darunter und Rei konnte sehen, wie ihre Lippen langsam wieder normaler wurden. Die Wärme schien ihr gut zu tun, auch wenn sie noch immer zitterte.

Damit würde sie noch lange zu kämpfen haben, denn das war bei einer Wandlung von einem Eisdrachen normal.

Sobald sie unter den Decken steckte, holte er Tee, den er mitgebracht hatte und reichte ihr diesen.

Mit zittrigen Händen nahm Quinn ihn entgegen und dabei schwappte einiges über den Rand.

Ohne zu schimpfen nickte der Wächter Elgatos zu, der ihr die Tasse aus der Hand nahm und ihr diese an die Lippen hielt, damit sie trinken konnte.

Gehorsam nahm Quinn einen Schluck, zögerte dann jedoch. Das letzte Mal war ihr der Tee in der Kehle gefroren und sie wollte warten, was geschah.

Gespannt sah der Wächter zu ihr und wartete. Jedoch wurde er wirklich ungeduldig, da es ihm nicht lag, auf etwas Unbekanntes zu warten.

Das konnte Quinn daran erkennen, dass er seine Hände knetete.

Sie nahm noch einen Schluck, wollte es aber nicht übertreiben. "Es geht", versicherte sie leise. Schmerzen hatte sie keine und bis auf die Kälte war auch alles in Ordnung.

Trotzdem blieben die Männer in ihrer Nähe. Rei zog sogar den Stuhl heran, während die beiden auf dem Boden saßen. „Ist dir nur kalt, oder noch etwas anderes?“, fragte er kühl.

"Nur kalt", versicherte sie, wobei sie Angst hatte, dass sich wieder irgendwas in ihrer Kehle bildete, während sie trank. Aber im Moment spürte sie davon nichts.

Auch war das geborgene Gefühl weg, das Rei ihr sonst vermittelte. Mit seiner kalten Art gab er ihr das Gefühl irgendwas falsch gemacht zu haben.
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