Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

What if...

von 1896
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / FemSlash
Chiara Nadolny Ina Ziegler
10.07.2020
13.03.2021
20
51.222
16
Alle Kapitel
58 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
10.07.2020 1.739
 
SPOILER – Folge vom 16.07.2020 – Chiara wartet nach der Verhandlung von Maximilian vor Inas Tür.

„Willst du mit reinkommen?“, fragte Ina während sie den Anruf von Jessy ignorierte und ihr Handy wieder wegsteckte. Ihr Timing war wirklich unfassbar, als könnte sie spüren, dass Chiara in ihrer Nähe war. Doch das war Ina jetzt egal. Als sie in Chiaras traurige Augen schaute, zählte nur das, nur sie.

Chiara sah sie hoffnungsvoll an, antwortete dann aber doch anders als Ina erwartete: „Ach, nein, Quatsch. Ich… ich schaff das schon.“

„Das hab ich nicht gefragt. Komm schon, Chiara. Du sitzt hier vor meiner Tür, wartest auf mich und wenn ich da bin, willst du direkt wieder gehen? Komm mit rein.“

Chiara zögerte, wehrte sich fast gegen ihren eigenen Fluchtinstinkt. Sie sah Ina noch einmal tief in ihre dunklen Augen, bevor sie dann doch ein leises „Okay.“ hauchte und mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern langsam auf Ina zutrat. Während sie an Ina vorbei durch die Wohnungstür ging, strich diese ihr fast beiläufig, aber mitfühlend über den Rücken. Die kleine Geste ließ Chiara sofort erschaudern.

„Mach’s dir bequem. Die Couch kennst du ja schon.“, sagte Ina mit einem Lächeln. „Trinkst du ein Glas Wein mit mir?“

„Gerne.“, entgegnete Chiara, deren Blick direkt zur Couch gewandert war. Vor ihrem inneren Auge blitzten die Erinnerungen auf, die allesamt mit dieser Couch verbunden waren: an ihre Party-Nacht im A40, ihren Mädelsabend, Inas Pulli und ihren Traum. Langsam setzte sie sich und zog ihren Blazer aus als Ina mit zwei Gläsern Weißwein zu ihr kam.

„Lucie ist mit Jessy auf der Eröffnungsfeier des A40. Ich wollte eigentlich nachkommen, aber eigentlich ist mir gar nicht nach feiern.“, sagte sie und stieß mit Chiara an.

„Du musst meinetwegen wirklich nicht hierbleiben, Ina. Wirklich, geh ruhig! Ich möchte deine Pläne nicht durcheinanderbringen.“

„Tust du nicht. So ist mir das ehrlicherweise ganz recht. Am Imbiss war heute die Hölle los. Da tut mir ein entspannter Abend mit dir sicher gut. Außerdem möchte ich für dich da sein. Dafür sind Freunde doch da.“

„Freunde…“, wiederholte Chiara kaum hörbar und blickte dabei traurig auf ihre Hände.

„Sind wir doch, oder?“, wollte Ina, irritiert durch Chiaras Reaktion, wissen. Auch wenn sie einmal gehofft hatte, dass mehr zwischen ihnen entstehen könnte, wollte sie Chiara doch auf keinen Fall verlieren, zu wichtig war sie ihr mittlerweile geworden.

„Ina…“, Chiara rang nach Worten, war zu unsicher, um aufblicken, geschweige denn Ina anzusehen. „Ich vermisse dich.“

„Ich bin doch hier, Chiara, ich bin für dich da. Du bist nicht allein, okay? Ich bin hier.“ Ina rückte reflexartig näher an Chiara heran und wollte sie gerade in ihre Arme ziehen als Chiara sie unterbrach.

„Das meine ich nicht. Ich meine…ich weiß, und ich bin dir sehr dankbar dafür, aber… ich vermisse es… dir nah zu sein…ich vermisse…uns.“

„Chiara, ich…“

„Schon okay, ich hab’s verstanden und es tut mir leid, dass ich wieder damit anfange. Du hast mit mir Schluss gemacht. Und ich verstehe es sogar. Ich würde auch nicht mit jemandem wie mir zusammen sein wollen. Ich war furchtbar zu dir, immer wieder. … Aber Ina, so sehr ich es auch versuche… dir aus dem Weg zu gehen, meine Gefühle abzustellen…ich schaffe es einfach nicht. Ich hab versucht mich dagegen zu wehren, von Anfang an…und trotzdem wusste ich schon nach unserer ersten Nacht im A40, dass du mir den Kopf verdreht hast. Als wir uns zum ersten Mal geküsst haben, war es mir dann sofort klar, auch wenn ich es immer noch nicht wahrhaben wollte. Unsere Nacht im Loft war die schönste, die ich je erlebt habe…in deinem Arm einzuschlafen, dich in der Nacht sanft atmen zu hören, dich zu berühren, dir beim Aufwachen zuzuschauen…ich hatte so sehr gehofft, dass es ab jetzt jeden Tag so sein würde. Du und ich. … Und dann kam alles anders. Und ich war gefangen zwischen Sorge und Wut, zwischen Hass und Liebe für meinen Vater, zwischen Hoffnung und Angst. Ich wusste nicht, wohin mit mir und meinen Gefühlen und ich habe alles falsch gemacht. Ich hab dich von mir gestoßen als ich dich am meisten gebraucht habe. Ich war so dumm… und du warst wunderbar, du warst liebevoll und verständnisvoll und immer für mich da. Es tut mir leid… ich hab alles kaputt gemacht…“

Chiara war kaum zu bremsen. Auch wenn Ina sie gerne unterbrochen hätte, hatte sie doch den Eindruck, dass Chiara einmal alles rauslassen musste. Dass sie sich ihren ganzen Schmerz von der Seele reden musste. Dass sie endlich bereit war sich zu öffnen. Ina ließ das Gesagte für einen Moment sacken, griff dann aber nach Chiaras Händen in ihrem Schoß, die sie immer noch mit ihrem Blick fixierte. Sie zog Chiara in eine feste Umarmung, unsicher auf was sie zuerst reagieren sollte. Sie spürte wie Chiara sich nach einer Weile in ihrem Arm entspannte, tief ausatmete und sich noch enger an sie schmiegte. Ina löste sich aus der Umarmung und suchte Chiaras Blick. Erst jetzt sah sie die Tränen, die Chiaras Wangen benetzten.

„Chiara, ich habe nicht mit dir Schluss gemacht, weil ich nicht mit dir zusammen sein wollte…sondern weil ich dich nicht überfordern wollte. Ich wollte nicht, dass du dich vielleicht in eine Beziehung stürzt, in der du gar nicht sein willst. Ich wollte so sehr einfach nur für dich da sein, dir deinen Schmerz nehmen. Dass du das nicht zulassen konntest, hat mich verletzt, aber ich hab es auch verstanden. Ich wollte das nicht, aber ich habe die Entscheidung dennoch getroffen…und es ist seitdem kein Tag vergangen, an dem ich es nicht bereut habe. Ich muss pausenlos daran denken, was wäre wenn… und ich versuche mir einzureden, dass es so besser ist wie es ist und dass es richtig war…für dich, für mich…für uns. Vielleicht würden wir irgendwann noch einmal unsere Chance kriegen…“

Das Klingeln von Inas Handy unterbrach sie in ihrer Erklärung.

„Und dann kam Jessy…“ seufzte Chiara fast und blickte dabei zu Inas Handy auf dem Tisch, auf dessen Display Jessys Name aufblinkte.

„Sie spielt dabei keine Rolle.“

„Ihr seid nicht zusammen?“

„Wir… ich… ich weiß nicht. Wir sind uns nah gekommen, ja… aber das ist was anderes, Chiara. Sie ist nicht du.“

Die Vorstellung von Ina und Jessy versetze Chiaras Herz einen Stich. „Ich sollte besser gehen.“

„Nein, Chiara, warte bitte!“, Ina griff nach Chiaras Handgelenk als diese bereits von der Couch aufgestanden war und bereit war zu gehen. „Ich vermisse dich auch. Jeden Tag, jede Sekunde. Immer wenn ich dich sehe, wünschte ich, ich könnte die Zeit zurückdrehen… zu diesem Morgen im Loft, als ich die Augen aufmachte und dich sah. Es war auch für mich die schönste Nacht überhaupt. … Und es war ein Fehler dich gehen zu lassen und mich von dir wegstoßen zu lassen und mich von Jessy trösten zu lassen… weil ich doch die ganze Zeit nur dich wollte… will. Chiara, ich will dich. Ich will mit dir zusammen sein. Ich will für dich da sein. Ich will jeden Tag neben dir aufwachen. Ich will einfach bei dir sein. Bitte geh nicht… lass uns dieses Mal drüber sprechen und diesen Fehler nicht noch mal machen.“

Wieder klingelte Inas Handy. „Mann, ey.“, rief Ina wütend über die erneute Unterbrechung. Sie griff nach dem Handy und nahm den Anruf an. „Jessy, ich kann jetzt nicht und ich komme auch nicht mehr zur Party, okay?“, ohne ihre Reaktion abzuwarten, legte sie auf und warf das Handy auf die Couch. Während sie sprach, hatte sie Chiaras Blick fixiert, sodass sie keine Chance hatte, die Wohnung zu verlassen oder Ina ansonsten sofort hätte reagieren können.

„Sie bedeutet mir nichts mehr. Es ist nicht mehr so wie früher. Als du mir gesagt hast, dass wir Spaß hatten und es nicht mehr als das war, war ich so verletzt. Ich hab die Hoffnung aufgegeben, dass das mit uns noch etwas werden würde. Und sie war da… aber es hat mir nichts bedeutet, Chiara. Es fühlt sich nicht so an wie mit dir. Ich muss nicht pausenlos an sie denken, so wie an dich. Ich empfinde nichts mehr für sie. Ich hatte Angst meine Gefühle für dich zuzulassen, weil ich nicht wieder verletzt werden wollte. Aber ich habe nicht gecheckt, dass es schon längst zu spät war, dass ich mich längst in dich verliebt hatte…“

„Du hast dich…verliebt? In mich?“, stotterte Chiara, die immer noch bereit war zu gehen, plötzlich als sie verstand, was Ina da gerade gesagt hatte.

„Natürlich habe ich das. Mann, Chiara, ich bin verrückt nach dir. Ich hab einfach nur eine scheiß Angst, dass mir wieder das Herz gebrochen wird.“

„Und Jessy bedeutet dir wirklich nichts mehr?“, fragte Chiara während sie den Blick auf ihre Hand sinken ließ, die sich mittlerweile mit Inas verflochten hatte.

„Nein, sie ist nur noch eine Freundin, eine Ex-Freundin. Aber sie ist nicht die Frau, mit der ich zusammen sein will.“ Ina schob ihren Finger unter Chiaras Kinn und zwang sie mit leichtem Druck ihren Blick nach oben zu wenden und ihr in die Augen zu schauen. „Das bist nämlich du…und keine andere.“

Die Unsicherheit in Chiaras Gesicht wandelte sich zu einem kleinen Lächeln. Das Strahlen kehrte in die Augen zurück als sie sich langsam immer näher zu Ina lehnte bis sich ihre Lippen endlich trafen. Inas freie Hand streifte sanft über Chiaras Wange, während ihr Kuss immer intensiver wurde. Vor der Couch stehend, hielten sie einander fest, vergaßen die Zeit und alles um sich herum und genossen einfach nur den Moment zusammen.

„Was machen wir jetzt? Ich meine…Lucie und sie werden irgendwann nach Hause kommen. Willst du, dass ich gehe?“, fragte Chiara unsicher, ohne sich aus Inas Umarmung lösen zu wollen.

„Ich will, dass du nie wieder gehst. … Aber ich werde mit ihr reden müssen. Allein. Du vertraust mir doch, oder?“

„Ich hab noch nie jemandem so sehr vertraut, Ina. Ich habe einfach nur Angst, dich wieder zu verlieren.“

„Das wirst du nicht. Das verspreche ich dir. Lass mich nur kurz mit ihr reden und ihr alles erklären. Das bin ich ihr schuldig. Du schläfst immer noch im Gästezimmer der Steinkamps, oder? Wenn es für dich okay ist, versuche ich Jessy jetzt auf der Party zu finden, rede mit ihr und komme danach in die Villa zu dir. Okay?“

„Okay.“, sagte Chiara lächelnd und gab Ina einen Kuss. „Und Ina, nur fürs Protokoll, ich hab mich auch in dich verliebt.“
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast