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Wandel des Schicksaals

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Erik - das Phantom der Oper OC (Own Character)
08.07.2020
26.07.2020
6
30.359
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08.07.2020 1.794
 
Paris 1872 - Sommer


Ein und halb Jahre waren vergangen seit dem dramatischen Vorfall an der Pariser Oper. Nach dem fürchterlichen Brand, welcher den Bühnensaal und auch einige weitere Räume so gut wie zerstört hatte, hatte es eine ganze Weile gedauert, bis alles wieder repariert und auf neuen Glanz gebracht war. Anfangs hatten die Operndirektoren Sorge wegen der Finanzierung, aber nicht nur Staatsgelder flossen sondern auch allerhand Spenden. Dennoch war die erste Zeit danach alles andere als einfach und schön. Die Menschen hatten Angst die Oper zu besuchen und somit vielen die Verkaufszahlen mehr als kümmerlich aus. Nachdem Carlotta für ungewisse Zeit die Oper verlassen hatte, gab es keine Prima Donna mehr und auch der Posten des Managers fehlte nun, da Raoul diesen aufgab. Und trotz all dem, waren die Direktoren noch relativ entspannt, denn sie glaubten nach einer Weile felsenfest, dass sie Erik, das Phantom, ein für alle Male los seien. Immerhin hatte man nichts mehr gehört oder gesehen. Und auch die Polizei hatte den Fall als teilweise gelöst geschlossen. Doch wie falsch lagen André und Firmin, denn Erik war alles andere als tot. Verlassen hatte er die Oper auch nicht. Er versteckte sich lediglich. Mehr als jemals zuvor. Zerbrochen und erfüllt von Schmerz. Sein Herz war in tausend Teile zerbrochen, wie die Glasscherben der zerschlagenen Spiegel um ihn.

Nachdem der Tumult sich gelegt hatte, war Madame Giry alleine hinunter zu Eriks Versteck geeilt um sicher zu stellen, dass er ok war. Er musste es sein, denn sie liebte ihn. Sie liebte ihn wie einen Sohn und das war es auch was er für sie war. Sie hatte ganz genau gewusst, wo Erik sich versteckt hatte. Sie sprach mit ihm doch es war alles andere als einfach gewesen. Letztendliche aber hatte Erik auf die Madame gehört und ihre Hilfe angenommen. Gemeinsam bauten sie sein Zuhause wieder auf. Besser als jemals zuvor, doch es war hart, kompliziert und es dauerte lange. Am längsten hatte die Erneuerung des Labyrinths gedauert, welches kreuz und quer durch die Oper führte. Es war sowohl körperlich als auch geistlich anstrengend für Erik aber er musste es erneuern, sodass niemand mehr außer Madame Giry sein Versteck finden würde.

Doch selbst nachdem das Labyrinth und sein geheimes Zuhause wieder ganz und erneuert waren, war Erik es nicht. Natürlich war er es nicht. Es gab ohnehin schon genug, das er ertragen musste und der Herzbruch hatte seinen Teil dazu beigetragen. Es hatte Monate gedauert, bis Erik wieder aus seiner Schale kam. Madame Giry war anfangs die Einzige, die er sehen wollte aber nach einer Weile akzeptierte auch Meg, da sie Antoinettes Tochter war. Und Meg kannte Erik. Nicht so gut wie ihre Mutter, aber gut genug. Erik schwor sich niemals mehr jemand anderem außer den Beiden zu vertrauen. Er würde niemals mehr jemanden so nahe an sich ran lassen. An sein Herz. Er schwor Liebe ab, aber Liebe war nun mal ein Kraft, die niemals kontrolliert werden würde.

In den ersten Wochen hatte Erik oft mit dem Gedanken gespielt sich umzubringen aber er tat es dann doch nie. Madame Giry war krank vor Sorge um ihm. Nach all den langen Monaten, litt Erik immer noch fürchterlich und manchmal, wenn seine Depression so schlimm waren, dass Erik nur noch apathisch und als Häufchen Elend in seinem Bett lag, fürchtete die Madame, dass es der seelische Zustand war, der ihn bald umbringen würde. In dieser Zeit kämpfte Antoinette mehr denn je um ihren Schützling bis es ihm wieder besser ging. Die Liebe zu Christiné verging schließlich aber sie hinterließ eine tiefe Wunde. Jedes Mal, wenn Madame Giry zu Erik runter kam, versuchte er seine Emotionen zu verstecken aber sie kannte ihn viel zu gut. Er hatte sich Hals über Kopf verliebt, Christiné aber verliebte sich in Raoul, ihren besten Freund aus Kindheitstagen. Erik konnte es nicht verstehen. Wie denn auch? Er hatte nie gelernt, wie sich wahre Liebe anfühlte und auch nicht, wie man mit Gefühlen umging. Und genau das war der Grund für seine blinden Wutausbrüche in denen er völlig die Kontrolle über sich verlor und grausame Taten begann, die er später bereuen würde. Christiné hatte ihm unbewusst Hoffnungen gemacht und sie am Ende alle zerschlagen. Von allen schlechten Dingen, die zwischen ihm und ihr passiert waren, war Christiné auch teilweise schuldig. Aber natürlich gab Erik nur sich selbst die Schuld. Er war nun umso mehr verletzlich, schneller reizbar und distanziert. Selbst Madame Giry gegenüber. Er versprach ihr niemals wieder zu töten und er wollte es selber. Er selbst wollte besser werden. Er versuchte besser zu werden.

Zeit verstrich und Erik fand sich bereit, sich seine Oper zurück zuholen. So kam es, dass er nach einem halben Jahr den Operndirektoren mehr als klar, deutlich machte, dass er immer noch da war und sein Theater gewiss nicht aufgeben würde. Nicht jetzt und auch nicht später. Und er gab es nicht auf. Er hatte es in Kontrolle. Besser als jemals zuvor. Wenn ihm etwas nicht passte, musste er nur ein paar Briefe schreiben und die Operndirektoren gehorchten wie gut trainierte Hunde, denn sie fürchteten sich vor einem weiteren Unglück. Erik hatte sie damals auch ausdrücklich davor gewarnt, die Polizei erneut einzuschalten, denn es war nicht seine Absicht ihnen weh zu tun. Im Gegenteil, Erik wollte Frieden und im Gegentausch, würde die Oper unter seiner Führung im Hintergrund aufs best mögliche laufen. Und so gingen die Direktoren einen Deal mit Erik ein der genau dies befolgte. Frieden im Gegenzug zu seiner Führung. Er würde keine Bedrohung mehr darstellen und solange alles nach seinen Prinzipien lief, wäre alles in bester Ordnung.

Um auf das Prima Donna Problem zurück zu kommen. Carlotta hatte die Oper für eine ungewisse Zeit verlassen. Sie musste sich von allem erholen. Irgendwie wollte sie die Oper ein für alle Male verlassen aber sie konnte es schlussendlich auch nicht. Es war der Ort, der die meisten Erinnerungen hielt. Gute aber auch Schlechte. So teilte sie den Operndirektoren mit, dass sie früher oder später zurück kommen würde. Bis dahin, sollten sie sicher stellen, das der Operngeist tot sei. Während Carlottas Abwesenheit, mussten die Direktoren natürlich für einen Ersatz sorgen und hiermit waren sie gleich beim nächsten Problem. Egal wie viele Sängerinnen sie an die Oper einluden zum Vorsingen und egal wie gut sie waren oder wie hart Gilles und Richard versuchten es Erik recht zu machen, er war nie zufrieden. Nach zehn Sängerinnen wurden sie unruhig. Nach zwanzig verloren sie, inklusive Monsieur Reyer, beinahe die Nerven. Und nach dreißig Sängerinnen gaben sie die Hoffnung auf. Dann gab es eben keine Prima Donna bis Carlotta wieder käme und auch das gefiel Erik nicht. Aber es war eine Option mit der er fast besser auskam als mit all den möchtegern Sängerinnen, die es, in seinen Augen, nicht wert waren an seinem Theater zu singen. Madame Giry aber wusste, dass es Eriks Frust darüber war, dass keine von ihnen Christiné war. Und keine von ihnen Christiné nahe kam. Aber Christiné war fort. Sie hatte mittlerweile Raoul geheiratet und Paris lange schon verlassen. Sie hatte Erik nie geliebt. Madame Giry hätte sich gewünscht, dass die Dinge einen weniger schmerzhaft und chaotischen Ausgang genommen hätten, aber sie waren nun mal so passiert und sie war mehr als froh, dass sie Erik wieder aufhelfen konnte.

Gerade befand sich die Madame in ihrem Zimmer. In ihren Händen hielt sie einen Brief. Diesmal, keinen von Erik. Der Brief war von ihrem älteren Bruder Vincent Giry. Er hatte den neuen Job als Manager der Oper bekommen und nahm somit Raouls Platz ein. Eigentlich sollte sie glücklich darüber sein, aber Antoinette sah auch ein potentielles Problem herbeieilen. Ihre Nichte. Sophié. Leicht zittrig las sie den Brief.

Liebste Schwester,

Mit großer Freude schreibe ich dir, dass ich den Job als neuen Manager an der Oper Populaire erhalten habe. Ist das nicht wunderbar? Wir werden endlich wieder zusammen sein. Als Familie!

Ich hoffe dir und Meg geht es gut. Natürlich haben wir von dem Vorfall vor ein und halb Jahren gehört. Ich finde die Gerüchte über dieses sogenannte Phantom absolut lächerlich. Für mich hört sich das eher nach einer albernen Gruselgeschichte an. Aber du weißt ja wie die Leute sind. Sie lieben es Geschichten zu erfinden damit die Presse läuft und das Geld fließt. Aber deshalb schreibe ich ja nicht. Zum Glück wurde wieder alles erneuert. Es wäre auch eine Schande gewesen wenn nicht.

Wie auch immer. Ein frischer Wind wird in die Oper wehen, wenn ich erst einmal angekommen bin. Ich habe große Pläne. Bevor ich es vergesse. Sophié ist hervorragend gewachsen. Du erinnerst dich sicher noch an die Zeit als sie noch ein Kind war. Jetzt ist sie eine feine junge Dame. So schön wie ein Engel und ihre Stimme ebenbürtig. Sie ist ein großes Talent. Und immerhin ist die Oper das Haus der Kunst und der Musik nicht war? Ich möchte, dass sie dort singt. Ich habe keine Zweifel, dass die Operndirektoren fasziniert sein werden. Sie wird mit Leichtigkeit die neue Hauptsängerin. Warte es nur ab.

Meine Frau und ich freuen uns schon sehr auf unsere Ankunft. Bis dahin,

Liebste Grüße,

Dein Bruder Vincent


Mit einem großen Seufzer, ließ sich Madame Giry auf ihren Sessel nieder. Das war eine schöne Bescherung. Es war nicht so, dass sie sich nicht freute ihre Familie wieder zu sehen. Aber das Problem lag an Vincents Einstellung gegenüber Erik und nach dreißig Sängerinnen, hatte Madame Giry Zweifel, dass Erik bei Sophie plötzlich seine Meinung ändern würde. Er akzeptierte noch keine neue Besetzung für Carlottas Platz und wenn Vincent dann darauf bestehen würde, würde das Erik ganz und gar nicht gefallen. Unterm Strich, es würde mehr Stress verursachen als notwendig. Also müsste sie alles dran setzen um mögliche Probleme zu verhindern.

Ein Klopfen an der Tür ließ die Madame aus ihren Gedanken hoch schrecken. ,,Maman"? rief Meg von draußen. ,,Ja"? Madame Giry stand auf. Meg öffnete die Tür und kam freudestrahlend herein. ,,Sie sind hier! Onkel Vincent, Tante Eva und Sophié"! Antoinette fühlte wie ihr Herz in ihren Magen rutschte. Jetzt war es eh zu spät. Mit einem leicht unwohlem Gefühl, folgte sie ihrer Tochter hinaus in die Lobby.

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Hallo lieber Leser :)

Als erstes, möchte ich mich bedanken, dass du dich dazu entschieden hast, in meine Geschichte rein zu schauen. Wie du vielleicht schon aus dem Klappentext entnommen hast, ist diese Gesichte die überarbeitete und verbesserte Version meiner damaligen, die ich aber abgebrochen hatte. Ich hoffe ich konnte bis hierhin schon dein Interesse wecken. Sollte dir meine Geschichte weiterhin gefallen, würde ich mich über ein kleines Review sehr freuen. Konstruktive Kritik nehme ich auch sehr gerne an. Wir hören schließlich nie auf zu lernen und können uns immer verbessern und weiterentwickeln :)

~ das war's soweit von mir ~
Viel Spaß beim Weiterlesen <3 Kitty
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