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Im Nebel der Gaukelei

von Calmacil
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
08.07.2020
18.11.2020
18
58.697
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08.07.2020 1.752
 
Seit die Schlacht vor den Toren des Erebors zu Gunsten der Zwerge entschieden wurde waren fast zwei volle Monate vergangen. Smaug war nun nur noch ein Name. Genau wie Azog und dessen Brut. Der Drache und dir Orks waren erschlagen, der Berg wieder in der Hand der Zwerge und Thal in der der Menschen. Es galt nun die Verwüstung des Drachens zu reparieren und beide Reiche wiederaufzubauen. Dies ging leider nur äußerst langsam vonstatten. Nicht zuletzt, weil die Zwerge aus Durins Linie an der Schwelle des Todes gestanden hatten. Mehr als einmal hatten die Heiler befürchtet, sie würden ihnen entgleiten. Herkömmliche Heilkünste hätten nichts mehr ausrichten können. Es war den Elben zu verdanken, dass sie noch lebten.

Während Thorins Leben am seidenen Faden hing hatte Dain Eisenfuß den Berg vor allem und jedem verteidigt. Bis sein Vetter nicht unter die Lebenden zurückkehrte oder, was er nicht hoffen wollte, an seinen Wunden starb, weigerte der Zwerg sich auch nur eine Entscheidung im Hinblick auf den Berg und seine Schätze zu treffen. Ob es dem arroganten Elben passte oder nicht, solange er atmete war Thorin Eichenschild der rechtmäßige König unter dem Berge und ihm allein standen Entscheidungen in den Verhandlungen zu. Und dann wären vor ihm auch noch die Beiden Neffen des Königs gewesen, die ebenfalls hart um ihr Leben gekämpft hatten. Dain hatte sich dazu bereit erklärt den Menschen der Stadt zu helfen. Mit Nahrung, Decken und Unterschlupf im Berg. Doch er rückte nicht eine einzelne Goldmünze heraus. Das hätte er sich bei all seinem Stolz nicht verzeihen können, wenn auch nur das kleinste Bisschen des Zwergengoldes auf unlauterem Weg den Berg verließe.

Die Erleichterung einen noch sichtlich geschwächten Thorin nach drei Wochen durch die Hallen des Erebors schreiten zu sehen war so groß gewesen, dass selbst die Menschen aus Thal sich davon anstecken ließen und feierten. Denn das hieß, sie konnten endlich beginnen ihre Stadt aufzubauen. Azog hatte den Zwerg schwer verwundet, doch wie durch ein Wunder hatte er sein Herz verfehlt. Die Klinge hatte sich knapp unterhalb seiner Schulter durch seinen Körper gebohrt und es würde noch eine Weile dauern, bis er wieder ein Schwert schwingen könnte. Doch er war am Leben. Seine Neffen waren noch schlimmer zugerichtet worden. Zwei weitere Wochen hatte es gedauert, bis die Beiden Zwerge wieder auf eigenen Beinen gesehen wurden. Zuvor hatte man ihnen untersagt das Bett zu verlassen und sie hatten sich zu elend gefühlt, um es überhaupt zu versuchen. Auch sie müssten noch mehre Monde ruhen, bis sie zu voller Stärke zurückkehren würden. Doch die anderen Zwerge der Gemeinschaft standen ihnen bei, ebenso die Männer Dains.

Durch all diese Verzögerungen, die geschwächten Nerven Thorins und den Starrsinn aller beteiligten war es nun so weit, dass immer noch keine endgültige Einigung getroffen wurde. Während Thorin sich mit Bard langsam, aber sicher verständigen konnte, schienen er und Thranduil sich nicht einmal im selben Raum aufhalten zu können, ohne in Drohgebärden und Beleidigungen zu verfallen. Während der Genesung der Zwerge war der König des Waldlandes vorerst in sein eigenes Reich zurückgekehrt. Offiziell um den Dain Bedenkzeit zu geben nicht doch in Thorins Namen zu handeln, doch auch er musste sich um Angelegenheiten in seinem eigenen Reich kümmern. Bis die Stadt und der Berg also ihren alten Glanz zurückgewonnen, würde wohl noch einiges an Zeit verstreichen.





Gar nicht allzu weit entfernt von diesen Landen lagen die goldenen Wälder. Auch bekannt als Lothlórien. Lenneths Tag hatte begonnen wie jeder andere in Caras Galadhon, der Stadt im Zentrum des Waldes. Bis die Sonne ihren höchsten Punkt erreichte lernte sie unter den geduldigen Augen ihres elbischen Lehrers. Bis die Sterne sich dann am Himmel zeigten widmete sie eigenen Studien, Büchern, dem Training mit dem Bogen oder ihrer lieben Mutter. Langsam machte sich das Alter bemerkbar doch trotz des grauen Haaransatzes ließ sie es sich nicht nehmen ihren Tag ebenso erfüllt zu verbringen wie ihre Tochter. Die Elben hatten einige Zeit gebraucht, um sich an zwei Menschen in ihrer Mitte zu gewöhnen, doch nun gehörten sie dazu wie ein jeder andere und ließen sie an ihrer Kultur und ihrem Wissen teilhaben. Und dort gab es viel zu lernen, denn die Bewohner des goldenen Waldes liebten die Kunst in jeder Form. Und obgleich ihnen die spitzen Ohren fehlten, Loth Lorien war ihre Heimat geworden. Sie wohnten wie die Elben in einem Flat, dass die Galadhrim für sie gebaut hatten. Es war etwas leichter zu erreichen als die anderen und auch wenn sie es nicht hören wollte, sie würden für ihre Mutter auch etwas auf dem Waldboden herrichten, sollte sie eines Tages nicht mehr die Bäume hinaufklettern wollen.

An diesem Abend fand Lenneth nach einem spielerischen Wettkampf im Bogenschießen, den sie natürlich verloren hatte, Dinge in ihrem Teil des Flats, die ihr nicht gehörten. Zumindest glaubte sie das. Denn neben den Dingen, die man für eine Reise benötigte, war noch jemand dort. „Frau Galadriel…was bedeutet all dies?“ Dies, war ein fein gewebter Mantel aus nachtblauem Stoff, der extra für sie mit Pelz besetzt worden war. Im Gegensatz zu den Elben fror sie deutlich schneller. Er würde auch in kälteren Gefilden genug Wärme spenden. Allein dieses Kleidungsstück wäre einem hoch angesehen Krieger würdig, wenn nicht sogar einem König. Daneben lag ein neu geschnitzter und kunstvoll verzierter Köcher aus dunklem Walnussholz, gefüllt mit Pfeilen. Auch ihr Bogen lag bereit, nutzten sie zum Üben andere Bogen, um ihre Liebsten nicht abzunutzen. In zwei kleinen Bündeln lag dort noch etwas, dass verdächtig nach frischem Lembas duftete und in dem anderen vermutete sie eine weitere Garnitur Kleidung. Es war gerade so viel Gepäck, dass es auf einer Reise nicht stören würde.

„Setzt euch einen Moment zu mir, ja?“ Ihr freundliches Lächeln wirkte so beruhigend wie entwaffnend. Lenneth traute ihr mehr als jedem anderen in diesem Wald, abgesehen von ihrer Mutter natürlich. Doch die Herrin selbst hatte sie in einigen Dingen unterrichtet und sie vor vielen Jahren im Wald aufgenommen. Ganz ohne Prunk oder Glanz saßen sie zu zweit auf dem einfachen Bett, von dem sie sich wohl für eine Weile verabschieden müsste. „Du weißt um meine Gaben, Len. Um meinen Spiegel.“ Sie nickte und lauschte gespannt. „Ich sah einen Fetzen Dunkelheit. Nur kurz, nicht ganz deutlich und wohlmöglich nicht mehr als ein irrender Schatten.“ Doch sie hatten vor wenigen Wochen durch Zögern beinahe Gandalf verloren. So ein Fehler durfte nicht noch einmal geschehen. „Ihr wollt, dass ich dem nachgehe?“

Mit einem beinahe mütterlichen Lächeln strich ihr die Elbin eine der losen Haarsträhnen aus dem Gesicht. Sie und ihre Mutter fielen dank ihrer langen braunen Haare in Lorien sehr auf, waren hier doch so gut wie alle Elben blond. „Vertraue mehr in dich, mein Kind. Doch wenn es dich beruhigt, Celdir wird dich begleiten. Und erst zu uns zurückkehren, wenn du ihn fortschickst.“ Das beruhigte sie tatsächlich. Der Soldat war ihr kein Fremder und einen Vertrauten dabeizuhaben, wohin auch immer diese Reise gehen würde, war ein großer Trost. Sie verließ den Wald zwar ab und an. Doch wusste sie immer, wann sie zurück sein würde. „Würde ich an deinen Fähigkeiten zweifeln, würde ich dich nicht fortschicken. Doch ich glaube, dass du auf dieser Reise mehr finden kannst, als du ahnst.“ An die rätselhaften Aussagen gewöhnte man sich tatsächlich im Laufe der Zeit. Was sie damit meinte würde sie also früh genug erfahren.

„Ich möchte, dass ihr euch zum Erebor aufmacht. Mich erreichte die Kunde, dass die Zwerge sich immer noch nicht mit den Elben und Menschen einig wurden.“ Zwerge klangen eigentlich recht interessant. Sie ließ die Elben ihre Vorbehalte haben. Sie bildete sich über einen jeden lieber selbst eine Meinung. Bisher hatte sie nur sehr wenige und äußerst freundliche Zwergenhändler getroffen. Das mochte allerdings an ihrem prall gefüllten Geldbeutel gelegen haben. Ob sie in Wahrheit in ihren eigenen Hallen so schrecklich waren wie die Elben behaupteten würde sie sehr bald feststellen können. „Ich werde dir eine Schriftrolle mitgeben. Sie sollte euch ohne Schwierigkeiten bis zu Thranduil bringen. Soweit wir wissen, ist er bereits wieder auf den Weg zum Erebor, um erneut mit Thorin Eichenschild und dem Drachentöter zu verhandeln.“ Dieses Wissen verdankte sie niemand anderem als Gandalf, der diese Informationen wiederum von Radagast erhalten hatte.

„Alles was Thranduil und die anderen wissen müssen steht dort drin. Offiziell sende ich dich zu ihnen, damit du ihnen hilfst diese Streitigkeiten endlich beizulegen. Verrate ihnen vorerst nichts über das was ich gesehen habe.“ Der offizielle Teil dieser Reise dürfte nicht allzu gefährlich werden. Ein wenig Gebrüll konnte sie schon ertragen. „Ich fürchte ohne Beweise werden die Zwerge unsere Warnungen ignorieren und auch Thranduil wird allmählich taub für die Stimme der Vernunft.“ Sie nickte und würde die Worte der Elbin beherzigen, doch ihre blauen Augen entlockten ihr, ohne laut zu fragen den wahren Grund dieser Reise. „Dieser Schatten kann nichts weiter sein als ein Schatten. Oder aber etwas Böses, dass nur wieder darauf wartet empor zu kriechen. Sollte etwas nicht stimmen dürfte es dir nicht schwer fallen es zu bemerken. Ich habe auch Celdir gebeten ein wachsames Auge auf eure Umgebung zu haben. Sende ihn zu mir, falls euch etwas ungewöhnliches auffällt.“ Ihr Blick wurde wieder etwas sanfter und ein kleines Lachen klang durch das Flat. „Ansonsten fürchte ich, werde ich dich den zu Weilen recht stürmischen Launen der Zwerge und Thranduils aussetzen müssen.“ Das brachte die Frau ebenfalls zum Lachen. Das wäre ihr lieber, als dass diese Vorahnung sich bewahrheitet. „Ich werde tun, was ich kann, um euch nicht zu enttäuschen.“ Zufrieden nickte die Herrin des Waldes und erhob sich.

„Und sorge dich nicht um deine Mutter. Ich werde selbst nach ihr sehen. Und sie ist noch weit davon entfernt dich zu verlassen.“ Galadriel kannte sie gut und nahm ihr einen weiteren großen Teil ihrer Sorgen. „Ruht euch nun etwas aus. Ihr brecht morgen früh auf. Ich habe mir erlaubt eure Reise vorzubereiten, damit ihr den Abend noch gemeinsam verbringen könnt. Verlasst euch auf eure Sinne und ihr werdet nicht scheitern.“ So ermutigend das Vertrauen der Elbin in sie auch wahr, so beunruhigend war es. Die Herrin der Galadhrim irrte sich nie. Zumindest war es ihr noch nicht zu Ohren gekommen. Das hieß, sie musste unter einem Haufen misstrauischer Zwerge und neugieriger Menschen etwas finden, dass ihr merkwürdig erschien. Das versprach ein regelrechtes Abenteuer zu werden. Aber immerhin könnte sie endlich feststellen, ob Zwerge wahrlich so schlimm waren, oder die Elben einfach ein wenig übertrieben. Doch darüber könnte sie sich den Kopf zerbrechen, sobald sie den Wald verlassen hatte. Nun wollte sie die letzten Stunden des Abends mit ihrer Mutter verbringen.
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