Im Nebel der Gaukelei

von Calmacil
GeschichteDrama, Romanze / P18
08.07.2020
19.10.2020
14
43.766
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08.07.2020 536
 
Disclaimer:    
Alle genannten Figuren, außer meinen OCs, sind Eigentum von J.R.R. Tolkien bzw. Peter Jackson.

Genre: Romantik, Drama, Abenteuer, Trost, Freundschaft




Er würde alles verpassen. All diese wundervollen Momente. Ihren ersten Ritt, den er ihr doch schon so lange versprochen hatte. Den Tag, an dem sie alt genug wäre ein Schwert oder einen Bogen zu führen. Wie sie von einem Kind zur Frau heranwachsenden würde. Sie würde ohne ihn aufwachsen müssen. Nie wieder würden sie einander in die Arme schließen können. Nie würde er sehen, wie sie über Büchern brütete und darin versank. Es gab so vieles, was er ihr hatte sagen wollen, was er ihr beibringen wollte. Wie man ein Pferd sattelte, wie man jagte oder einfach, wie stolz er auf sie war. Wie lieb er sie hatte. Doch das müsste nun jemand anderes tun. Jemand anderes müsste sie beschützen. Und auch seine Liebste würde ohne ihn alt werden. Sir würden nun ohne ihn auskommen müssen. Hatte er ihr an diesem Tag gesagt, dass er sie liebt? Er konnte sich nicht erinnern, dabei hatte er es ihr doch all die Jahre bisher jeden Morgen verschlafen zugeflüstert. Doch nun war es zu spät. Er würde keinen weiteren Morgen erleben.

Um ihn herum brannte in diesem Moment die Welt. Grausiges rot in einer Nacht, di dunkler erschien als sonst. Gebrüll und das Knistern von Flammen vermischten sich zu undefinierbarem Lärm. Aber da, endlich, war etwas anderes. Ein Wiehern aus der Ferne. Es gab ihm Kraft zu einem erneuten gewaltigen Hieb und einem bärengleichen Gebrüll, obwohl seine Arme bereits taub von all den dumpfen Schlägen waren und der Rauch seine Lunge belegte. Er hatte es geschafft. Wenigstens das hatte er für sie tun können. Sie würden leben, hatte er ihnen doch genug Zeit erkauft. Eine Weile noch vermochte er sich zur Wehr zu setzen, jede noch so kleine Sekunde war für sie mehr wert als tausende Goldmünzen. Diese Monster würden sie nicht mehr einholen können. Zu schnell war das Pferd, zu verworren die Pfade, die sie wählen würden. Doch am Ende verließ ihn die Kraft. Es war unausweichlich gewesen.

Das Getöse war nun sehr leise in seinem Ohr. Die Hitze des Feuers spürte er kaum noch. Die grollenden Schreie, die befahlen ihn endlich niederzustrecken, das Donnern des kleinen Hauses, dass unter dem Feuer nun in sich zusammenfiel, all das hörte er kaum. Seine Sinne und sein Körper waren wie taub. Wie in einem Traum nahm er wahr, dass seine Knie nachgaben und er zu Boden fiel. All das war weit weg. Denn er wusste sie waren sicher. Dank ihm. Alles andere erschien plötzlich so unwichtig. Er bereute es keine Sekunde. Seine Augen schlossen sich bereits, noch bevor der tödliche Hieb ihn traf. Er lächelte. Denn in dieser Dunkelheit hatte er sich ein Bild bewahrt. Das Schönste, was er jemals hatte erblicken dürfen. Und niemand, nicht einmal die, konnten es ihm nehmen. Seine kleine Tochter, die mit einem freudigen Auflachen von der Seite seiner Liebsten wich, nur um ihm in die Arme zu fallen. Vater. Wie süß hatten diese Worte doch geklungen. Der Schmerz durchfuhr ihn nur kurz, aber dieses Bild blieb. Eisern klammerte er sich daran fest. Sie würde leben. Seine kleine Len.
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