101 Shinoa x Shoto Momente

GeschichteAllgemein / P12
OC (Own Charakter) Shoto Todoroki
08.07.2020
09.08.2020
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01.08.2020 1.530
 
Sie hatte sich nichts zuzuschreiben. Wütend auf sich selbst und die Welt stapfte Ruki die Straße entlang.

Das Café vor dem sie schließlich stehen blieb, hob ihre Laune nicht gerade.

Eine furchtbar verhunzte Jingle Bells-Version tönte ihr entgegen und die Kellnerinnen waren als Weihnachtsengel verkleidet.

Drinnen saßen – natürlich – nur Pärchen und strategisch günstig waren Mistelzweige platziert.

Sie hasste diesen Kitsch.

Blinkende Lichter hier, möchtegernoriginelle Weihnachtsgeschenke da, hässliche Weihnachtsmützen dort, am besten blinkend, Engelchen, handliche Weihnachtsbäume mit passendem, hässlichen Schmuck, alles untermalt von dieser furchtbaren Musik.

Für ein Land, in dem Christen klar in der Minderheit waren, wurde hier ein ganz schönes Theater darum gemacht.

Selbst ihre Mutter hatte sich anstecken lassen. Gut, das war wiederrum nicht wirklich schwer, Rumiko nahm jeden noch so miesen Grund shoppen zu gehen, gerne an.

Das wäre alles weniger schlimm, hätte Rumiko nicht beschlossen, Ruki und Seiko zu Weihnachten ins Theater schleifen zu wollen.

A Christmal Carol.


Zwinkernd hatte
Shoto verkündet, dass Shinoa da vielleicht noch etwas lernen könnte.

Pah! Als ob!

Als Shinoa da noch recht ruhig abgelehnt hatte, hatte Shoto aber allen Ernstes gefragt, ob sie mit Lynn  verabredet wäre.

Schließlich sei Weihnachten das Fest der Liebe.

Nein.

War sie nicht.

Was ihre Mutter natürlich nicht geglaubt hatte.

Nur weil Shoto fürs Studium nach Tokyo gekommen war, nahmen irgendwie alle an, sie wären zusammen, was kaum lächerlicher sein könnte.

Sie trafen sich hin und wieder, ja.

Weil Shoto einer der wenigen in ihrem direkten Umfeld waren, die nicht komplett infantil waren.

Das konnte auch daran liegen, dass er älter als sie war... aber Fakt war leider.

Er war ein nerviger Sunnyboy, aber dennoch leichter zu ertragen als Deku, Toga oder Dabi.

Tsuyu  war eigentlich die Einzige, die halbwegs erträglich war.

Neben Mina natürlich.

Normalerweise.

Leider war dieses Jahr auch Dabi angesteckt worden und wollte Weihnachten mit Lynn  verbringen.

„Du hättest ruhig schon reingehen können“, meinte Shoto hinter ihr und sie drehte sich um.

Mit dem ungläubigen Blick brauchte sie sich nicht viel Mühe zu geben.

„Hast du da schon mal reingeguckt? Im Leben gehe ich da nicht rein!“

Mit einem nachdenklichen Geräusch musterte Shoto das Innenlebendes Cafés und zuckte mit den Schultern.

Klar.

Er hatte bestimmt zehn Weiber an jedem Finger die sich darum gerissen hätten, mitzukommen.

„Dann gehen wir eben woanders hin. Es wird ja wohl kaum überall so schlimm sein.“

Shinoa schnaubte und verschränkte die Arme.

„Auf dem Weg hierher sah es aber nicht so aus.“

„Ach, du solltest die Dinge mal weniger negativ sehen. Und sonst müssen wir eben den Mistelzweigen ausweichen.“

„Das will ich dir auch raten.“

Shoto grinste nur, was sie beinahe noch mehr auf die Palme brachte.

„Ach komm schon. So schlimm ist es doch gar nicht. Valentinstag ist schlimmer.“

Das stimmte allerdings.

„Wenn du meinst“, murrte sie aber nur, nicht bereit ihm diesen Punkt zu überlassen.

Zu seinem Glück kommentierte er seinen Teilsieg nicht weiter und verzichtete auch darauf, sich bei ihr einzuhaken oder ähnlichen Mist, als sie weitergingen.

„Und? Was für eine Laus ist dir diesmal über die Leber gelaufen?“

Natürlich hatte er irgendwann nachfragen müssen.

Merkwürdigerweise gehörte Shoto inzwischen aber zu den Wenigen, bei denen sie keine großen Probleme mehr hatte, Klartext zu reden.

Was daran liegen konnte, dass ihr Waffenstillstand langsam zu einer merkwürdigen Art... Freundschaft geworden war.

Das hatte nur sekundär etwas mit der Digimon-Geschichte zu tun.

Toga und Deku konnte sie immer noch nicht ausstehen.

Aber Shoto war... anders. Aufdringlich unaufdringlich.

Oder wenigstens war er mit der Zeit so geworden.

Hatte ihre Eigenarten einfach hingenommen und nur hin und wieder mit der einen oder anderen scharfsinnigen Bemerkung ein Umdenken angeregt ohne sie komplett umkrempeln zu wollen.

Ja, sie mochte ihn.

Wie das passiert war, wer wusste das schon.

„Meine Mutter. Sie will Weihnachten ins Theater.“

Mehr Anhaltspunkte brauchte es für Shinoa gar nicht erst.

Jeder der sie kannte, konnte sich denken, wie sie darauf reagiert hatte.

„Lass mich raten: Du hast das auf deine charmante Art ausgeschlagen.“

„Ich habe ihr gesagt, dass ich keine Lust habe.“

Und dabei war sie noch richtig nett gewesen.

Auch wenn sie zugeben musste, ihre  „nette“ Art kam beim durchschnittlichen Japaner auch noch sehr schlecht an.

„Und wo ist dann das Problem?“

„Sie denkt, ich verbringe Weihnachten mit dir.“

Erst etwas verspätet fiel ihr ein, dass es eine richtig miese Idee gewesen war, ausgerechnet Shoto das zu sagen.

Sonst kam der am Ende noch auf dumme Gedanken. Dümmere als sonst.

Erstmal aber lachte er nur.

Sie verstand nicht warum, aber er schien ehrlich amüsiert zu sein.

„Und du bist ausgerastet?“

Natürlich war sie das.

Aber sie sagte lieber gar nichts.

Es würde ja doch gegen sie verwendet werden.

„Rastest du auch aus, wenn ich dich frage, ob du Weihnachten etwas mit mir unternimmst?“

Shinoa war heilfroh, dass sie ein Café erreicht hatten, in dem man nicht von Weihnachtskitsch erschlagen wurde.

Und Shoto sollte auch froh darüber sein, es hielt sie nämlich davon ab, ihn hier und jetzt umzubringen.

Oder ihn auszulachen, wäre das ihre Art.


Wieso sollte ausgerechnet Shoto Weihnachten mit ihr verbringen wollen? Nur weil sie sich gelegentlich trafen hieß, das schließlich nicht, dass sie ein Paar oder so waren.

Als ob er an ihr interessiert sein könnte.

Sie war nicht wie die anderen Mädchen, die ihm hinterhergeierten.

Eigentlich war sie überhaupt kein richtiges Mädchen, wenn man den Maßstäben folgte, die hier galten.

Kicherte nicht dumm bei jeder Gelegenheit, hasste Kleider, Kitsch und alles was irgendwie niedlich war, und hatte eindeutig Besseres zu tun als über irgendwelche Typen zu schwärmen.

Aber vielleicht war ihre Sichtweise auch verzerrt, immerhin besuchte sie eine Mädchenschule und war nur von solchen Weibern umgeben.

Shoto vorerst am Leben lassend ging sie in das Café, in dem natürlich auch viele Paare saßen.

Wenigstens vermutete sie das.

Shoto folgte ihr und hatte anscheinend kapiert, dass es gesünder wäre, erstmal die Klappe zu halten.

Eine Kellnerin, die sich ein blinkendes Geweih auf den Kopf gesetzt hatte, kam angehopst und fragte mit dieser albern übertriebenen Quietschstimme, ob sie nur zu zweit wären.

„Ja“, murrte Shinoa und machte einen Schritt zur Seite, als Shoto sich bei ihr unterhaken wollte.

Der sollte besser nicht auf dumme Ideen kommen! Noch dümmere.

Die Kellnerin tat, als hätte sie es nicht bemerkt und bat sie, ihr zur folgen.

Trippelnd brachte sie sie zu einem Tisch der leider nicht abgelegen genug für einen Mord war, aber wenigstens auch nicht in unmittelbarer Nähe einer Gruppe Schülerinnen, die kichernd miteinander tuschelten.

„Also?“, fragte Shinoa, als sie endlich allein gelassen worden waren und sah sie an, als müsste er sich das Lachen verkneifen.

Shoto schoss einen warnenden Blick auf ihn ab, der natürlich keine Wirkung zeigte.

„Was denn? Es war eine ganz normale Frage und ich denke, sie wird momentan oft genug gestellt.“

„Wieso solltest du ausgerechnet mich fragen?“

Jetzt hatte sie ihn überrascht.

Jedenfalls wusste shinoa für ein paar wunderbare Sekunden nicht, was er sagen sollte.

Aber er hatte sich natürlich schnell wieder im Griff.

„Jetzt sag nicht, du weißt das wirklich nicht.“

„Raus mit der Sprache!“

„Lynn hatte wirklich Recht, du hast keine Ahnung...“ Shoto wusste nicht, ob Shinoa den Satz eher zu sich selbst sagte oder doch zu ihr.

Sie sagte jedenfalls nichts dazu, sie hatte wohl klar genug gemacht, dass sie eine Antwort haben wollte.

Erstmal schien Shinoa aber nicht mit der Sprache herausrücken zu wollen.

„Ist das wirklich so schwer zu begreifen?“

„Ja!“ Oder? Konnte es wirklich sein, dass er sie nicht nur als eine Freundin sah?

„Ich mag dich einfach, okay? Und zwar... sehr.“

Für jemanden, der eigentlich erwachsen sein sollte, war er mit einem Mal ganz schön verlegen.

Aber vielleicht hatte er auch einfach nur Angst, sie würde ihm wirklich den Kopf abreißen, wenn er ihr ein Liebesgeständnis machte.

„Das wird jetzt keine dumme Liebeserklärung, oder?“

Die Wortwahl war vielleicht nicht ganz gelungen, aber das war es, was Shoto als erstes in den Sinn kam.

„Naja...“ Nun eindeutig verlegen kratzte Shinoa sich am Hinterkopf.

„Wenn ich noch deutlicher werden müsste...“

Nein.

Das war wohl nicht nötig.

Shoto schwieg.

Lange genug dass die dumme Kellnerin wieder aufkreuzte um sie zu fragen, was sie bestellen wollten.

Und Shoto hatte noch nicht einmal in die Karte geschaut. „Kaffee.“

„Wir haben auch sehr leckeren Kuchen...“

„Würde ich Kuchen wollen, hätte ich welchen bestellt, oder?“

Shinoa gab ein Geräusch von sich das entweder ein Husten, ein Lachen oder das Röcheln eines Erstickenden sein könnte und bestellte sich dann ebenfalls einen Kaffee.

„Also wirklich, es bestand kein Grund, die Ärmste so anzufauchen.“

Was tadelnd hätte klingen können verlor durch das breite Grinsen eindeutig jede Wirkung.

„Sie geht mir auf die Nerven.“

Er lachte auf. „Ach, Shinoa... dir ist nicht zu helfen.“

Sie wusste nicht mal so genau warum, aber dieses Lachen löste ihre Anspannung die seit seiner dämlichen Frage in ihr entstanden war.

„Okay.“

„Okay was?“

„Weihnachten.“

Sie musste vollkommen verrückt geworden sein.

„Aber nur, wenn wir um Mistelzweige und ähnlich dämliches einen Bogen machen.“

Er strahlte.

„Super! Und was den Mistelzweig angeht...“

Er deutete nach oben.

Erst jetzt bemerkte Shinoa, dass sie direkt unter einem saßen.

Ein schneller Blick durch das Café zeigte, dass nur einige Tische einen hatten.

Diese verdammte Kellnerin!

„Vergiss es!“
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