Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Immortal Army of Justice

GeschichteFantasy, Übernatürlich / P16
Haytham Kenway OC (Own Character) Reginald Birch
08.07.2020
15.11.2020
23
40.137
4
Alle Kapitel
21 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.07.2020 2.003
 
Immortal Army of Justice


Prolog



England, Bristol

April 1754



Schweren Herzens verließ ich England und meine Freundin.
„Wir werden uns schreiben, Isabelle! Und vielleicht darf ich dich auch einmal besuchen, wenn Vater es erlaubt!“ meinte sie noch beim Abschied!
„Du reist ja nicht wirklich in die Fremde, du kommst UNS besuchen!“ lächelte ich Michelle zuversichtlich an. Ihr Vater war mitunter etwas schwierig und meiner Meinung nach viel zu streng.
Aber meine Verpflichtungen gegenüber dem Orden konnte ich nicht vernachlässigen.
Eigentlich war ich sehr gespannt auf die Kolonien und die Menschen, die sich dort niedergelassen hatten.
Ich komme aus einem kleinen Dorf in Preußen und bin bisher nur in England, genauer gesagt London, gewesen. Viel gesehen hatte ich also noch nicht von der Welt.
Aber ich war ja auch erst 21 Jahre alt, ich hatte noch mein Leben vor mir und würde sicherlich noch ein paar Reisen antreten, eigentlich hoffte ich darauf!

Also bestieg ich am 18. April 1754 die „Providence“ um nach Boston aufzubrechen.
Der Brief meines Großmeisters sprach von einer hohen Dringlichkeit und die Aufgabe duldete keinen Aufschub.
Doch es gab eine Verzögerung, einer der Mitreisenden, würde erst morgen früh an Bord kommen!
Ärgerlich, ich hätte noch einen Tag im Kreise meiner Freunde verbringen können. Wer auch immer dafür verantwortlich war, würde von mir noch einen passenden Satz dazu hören.

Ich verließ noch einmal das Schiff und schlenderte durch die Gassen von Bristol. In einem kleinen Buchladen kaufte ich mir noch zwei Bücher, damit die Überfahrt nicht ganz so von Langeweile geprägt sei.
Gegen Abend aß ich in einer Taverne noch eine Kleinigkeit und ging dann wieder an Bord. Dort verkündete man, dass wir im Morgengrauen endlich ablegen würden.
Ich unterhielt mich noch eine Weile mit dem Kapitän und konnte seinen Unmut regelrecht sehen. Er hatte ein paar Aufträge durch diese Verzögerung verloren und der Herr der noch mitsegeln würde, wäre angeblich so ein typischer reicher Schnösel.
Gut zu wissen, dann würde ich mich lieber nicht mit ihm auseinandersetzen, denn diese Sparte der Gesellschaft war mir zuwider.

In meinem hielt es mich aber nicht lange, obwohl es mittlerweile weit nach Mitternacht war. An Schlaf war für mich nicht zu denken, ich war, auch wenn ich es nicht unbedingt zugeben mag, ziemlich nervös. Es wäre meine erste größere Aufgabe, welche ich zu erledigen hätte.
Also stand ich jetzt an der Reling und sah auf den Hafen hinunter.
Hier herrschte irgendwie immer reger Betrieb, obwohl es jetzt einige Trunkenbolde waren, welche sich stark schwankend und laut singend hier rumtrieben.

Dann sah ich eine Kutsche vor der Anlegestelle anhalten und ein Mann stieg aus. Sein Kutscher nahm sich eine der Reisetruhen und folgte ihm.
Das muss der Herr sein, weswegen wir bis zum Morgengrauen warten mussten. Am liebsten hätte ich ihm gleich etwas dazu gesagt, aber das gehörte sich nun wirklich nicht. Die nächsten Tage gäbe es bestimmt genügend Gelegenheiten dazu.
Sein Blick glitt über das Schiff und blieb dann fragend an mir hängen, doch er ging ohne Worte weiter.

Ich streckte mich noch einmal und nahm die frische Luft auf, ging dann aber hinunter zu meiner Kabine, um vielleicht doch ein wenig schlafen zu können.
„Ich danke euch, Holden. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, was meine Arbeit angeht. Ich hoffe, ihr werdet das selbe tun.“ hörte ich nebenan leise Stimmen.
„Aber sicher doch, Master Kenway. Ihr könnt euch auf mich verlassen!“ und dann entfernten sich Schritte und eine Tür wurde geschlossen.

Kenway? DER Haytham Kenway?
Ich kannte ihn nur vom Hören-Sagen und war ihm noch nie vorher persönlich begegnet. Ihm eilte der Ruf voraus, sein Handwerk bis zur Perfektion ausgebaut zu haben, nämlich das Töten.
Er gehörte, wenn ich richtig lag, dem britischen Ritus an, doch was wollte er bitte in den Kolonien?
Ich hoffte, unsere Interessen würden sich nicht überschneiden, dann hätte ich nämlich ein Problem!
Doch das konnte jetzt auch für ein paar Stunden warten, mich überkam endlich die Müdigkeit und ich legte mich in meine Koje. Nicht besonders bequem, aber es musste halt auch mal so gehen.


*********


Geweckt wurde ich, weil es schaukelte und das Holz laut knartschte. Die Providence hatte also abgelegt.
Langsam erhob ich mich und sah, dass es schon hell war, die Sonne schien und es war angenehm warm.
Der Kapitän hatte mir angeboten, die Mahlzeiten bei ihm einzunehmen, damit ich nicht so alleine sei. Er war ein etwas mürrischer Mann, doch im Grunde mir gegenüber freundlich. Mehr musste es auch nicht sein, ich wollte ihn ja nicht heiraten.

Also ging ich hinauf, nachdem ich mich gewaschen hatte und in meine etwas einfachere Garderobe gestiegen war.
An Deck herrschte rege Betriebsamkeit und es war wie ein gut durchdachter Ameisenbau. Wir waren schon aus dem Hafenbereich hinaus und als ich mich umsah, fand ich auch den Kapitän, welcher sich gerade mit diesem Kenway unterhielt. Dann war er tatsächlich der schnöselige Mitreisende, von dem Mr. Smythe gestern gesprochen hatte.

Ich ging auf die beiden zu und vernahm nur „Ihr Neureichen seid doch alle gleich!“ maulig aus dem Mund des Kapitäns.
Als er mich sah, erhellte sich sein Blick und er begrüßte mich höflich mit Handkuss. „Mistress Alberts, wie ich sehe, habt ihr die erste Nacht heile überstanden.“
„Danke, Mr. Smythe. Sie war etwas unruhig, weil dies meine erste größere Reise ist und dann auch noch alleine.“ lächelte ich ihn an.
„Keine Sorge, Mistress Alberts, wir werden schon auf euch Acht geben.“ gab er mit einer solchen Inbrunst von sich, dass man ihm das sofort abkaufen musste.

Er bat mich, ihm zu folgen und ich erhielt ein kleines, aber sehr leckeres Frühstück.
Das Gespräch bei Tisch war ein seichtes Geplänkel, bei welchem ich kundtat, dass ich schon jetzt meine Heimat vermissen würde und so weiter.
Er hörte mir so aufmerksam zu wie nur möglich und erwiderte hin und wieder, dass er mich durchaus verstehen würde.

Danach ging ich wieder an Deck und traf auf diesen Schnösel, welcher mit einem säuerlich Ausdruck auf dem Gesicht vor sich hinstarrte. Ich konnte seine Laune etwas verstehen, wer lässt sich schon gerne beleidigen, doch auch mich hatte er verärgert.
Als er mich sah, konnte ich sehen, wie er in eine ganz andere Art umschlug, als hätte man ihn einer Gehirnwäsche unterzogen.

„Mistress Alberts, nehme ich an?“ fragte er höflich mit einer sehr angenehmen, tiefen Stimme.
„Ja, die bin ich. Und ihr seid, wenn ich richtig informiert bin, Master Kenway?“ und reichte ihm meine Hand, welche einen Handkuss von ihm bekam.
„Was macht eine junge Frau alleine auf einem Handelsschiff Richtung Boston?“ kam es jetzt etwas zu neugierig für meinen Geschmack von ihm.
„Ich besuche Freunde meiner Eltern, nachdem ich in London bereits meine Freundin besucht hatte.“ erzählte ich nicht ganz die Wahrheit, aber mehr musste dieser Mann nicht wissen. Nicht, solange ich seine Absichten nicht kannte, welche er in den Kolonien hat. „Ihr plant doch nicht etwa, ebenfalls auszuwandern, Mistress Alberts?“ ein höfliches Lächeln trat auf sein Gesicht und eine leichte Gänsehaut lief mir über den Rücken. Für einen Moment hatten sich seine Augen verändern, die Farbe eher. Es war, als läge für einen kurzen Augenblick ein Schleier darüber.

„Nein, das hatte ich eigentlich nicht vor. Aber wer weiß, wenn es mir dort gefällt, warum sollte ich nicht dort einen Neuanfang versuchen, Master Kenway?“ ich versuchte meine Verwirrtheit im Zaum zu halten und hoffte, dass er es nicht bemerkt hatte.
„Da habt ihr sicherlich Recht, doch so einfach die Zelte in seiner Heimat abbrechen, ist kein leichtes Unterfangen. Ich hoffe, ihr macht es aus freien Stücken und nicht, weil es euch aufgezwungen wird.“ meinte er mit einem wissenden Unterton.
Er dachte vermutlich, ich wurde dorthin geschickt, um zu heiraten.
„Falls ihr damit meint, dass ich dorthin segle, weil ich jemandem versprochen bin, dann kann ich nur sagen, dem ist nicht so. Ich reise aus freien Stücken, Master Kenway.“ antwortete ich ehrlich und entweder täuschte ich mich, oder war er etwas erleichtert über meine Aussage?
Doch ich konnte mich auch täuschen.
Je länger ich mich mit ihm unterhielt, desto weniger hatte ich den Eindruck, er sei einer dieser schnöseligen Neureichen!
Er machte einen sehr eloquenten Eindruck, er war gebildet und, nunja, er sah nicht schlecht aus.
Sein Erscheinungsbild hatte eine gewisse Präsenz, bei der man sich am liebsten nichts zuschulden kommen lassen will, nur um jeglichen Ärger zu vermeiden!

Die ersten Tage verbrachte ich also mit Master Kenway und Mr. Smythe. Das Essen war nicht üppig, aber lecker, doch ich war nie alleine bei den Mahlzeiten.
Die Mannschaft schien jedoch mit Kenway ein Problem zu haben, oder sie hatten einfach nur Langeweile.
Auf jeden Fall trat er, es war ungefähr am 4. Tag, an Deck und einer der Matrosen pöbelte ihn an, mit den Worten, er solle sich lieber wieder verziehen, an Deck hätte er nichts zu suchen.
Mit dieser Schlagfertig hatte ich jedoch nicht gerechnet, er konterte mit den Worten
„Und trotzdem seid IHR hier!“ und dann kam es zu den ersten Handgreiflichkeiten. Fasziniert stand ich daneben und sah den Kontrahenten dabei zu, wie sie sich provozierten und belauerten.
Doch man merkte schnell, dass Haytham gut trainiert war und die Taktik seines Gegenübers schnell einschätzen konnte. Der Pöbler hatte keine Chance gegen die Schnelligkeit und Kraft der Schläge von Master Kenway.

Doch ein weiterer Mann meinte ihn herausfordern zu müssen, dieses mal mit einem Messer.
Auch das war für den Templer kein Problem und im Handumdrehen, im wahrsten Sinne des Wortes, hatte er dem Angreifer die Waffe abgenommen.
Wie es sich aber oft verhält, genau in diesem Moment erschien Mr. Smythe und war alles andere als begeistert von dieser Art des Zeitvertreibs.
Nach einem etwas hitzigen Wortwechsel, bat der Kapitän Master Kenway, ihm zu folgen. Er hätte etwas zu besprechen.
Als die beiden an mir vorbeigingen, lächelte mich Haytham zufrieden an und ich erwiderte es.
Ich würde jetzt aber zu gerne wissen, was die beiden zu bereden hatten. Als sich die Tür zur Kapitänskajüte geschlossen hatte, ging ich langsam darauf zu und stellte mich an die Treppe, welche zur Brücke führte.
Ich tat, als würde ich die dort herumstehenden Kisten in Augenschein nehmen.

Aus dem Inneren vernahm ich dann auch einige Wortfetzen.
Mr. Smythe befürchtete eine Meuterei und bat Kenway, sich umzuhören, bevor es wirklich dazu kommen konnte.
Jedoch tat er es nicht höflich bittend, sondern er forderte es einfach von seinem Passagier.
Diesem passte dieser Ton aber mal gar nicht und in einem wahnsinnig kalten Ton hörte ich, wie Haytham sagte
„Solltet ihr mich noch einmal bedrohen oder beleidigen, dann werde ich nicht davor zurückschrecken, euch einen Kopf kürzer zumachen, eigenhändig!“
Ich hörte Schritte auf die Tür zu kommen und eilte zur Reling, gerade noch rechtzeitig, wie ich hoffte.
Dann spürte ich ihn im Rücken.
„Ich hoffe, ihr konntet eure Neugierde befriedigen, Mistress Alberts!“ kam es wieder in diesem kalten Ton und ich erschauerte.
Ich sah stur auf das Meer und erwiderte zitternd „Ja, das konnte ich, Master Kenway!“ doch er blieb noch einen Moment so hinter mir stehen und ich hörte, wie er tief durch atmete, vermutlich um sich selber zu beruhigen.

Als er weg war, klammerte ich mich an das Holz und hatte schon Angst, dass ich gleich umfalle.
Denn diese Art von ihm war mehr als unheimlich und diese Nähe gerade verwirrte mich noch mehr!
Auch ich atmete langsam und konzentriert, um mich wieder zu beruhigen.
Ich beschloss, in meine Kabine zu gehen und mir eines meiner Bücher vorzunehmen, ich brauchte Ablenkung!
Auf dem kleinen Gang sah ich gerade noch, wie Kenway aus meinem Quartier kam und vorsichtig die Tür schloss.
Er hatte mich nicht bemerkt, dachte ich zumindest!
Ich ging davon aus, dass er in dieser kurzen Zeit wohl kaum meine gesicherte Truhe aufbekommen hatte, somit hätte er auch keinerlei Anhaltspunkte finden können über mich. Ich wartete noch, bis er verschwunden war und eilte dann in mein Reich.
Es war alles so, wie ich es verlassen hatte, anscheinend war er geübt, was das Durchsuchen anging. Nur meine abgeschlossene Kiste stand anders. Also hatte er versucht, sie zu öffnen, aber dabei schien es geblieben zu sein.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast