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Immortal Army of Justice

GeschichteFantasy, Übernatürlich / P16
Haytham Kenway OC (Own Character) Reginald Birch
08.07.2020
15.11.2020
23
40.137
4
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21.10.2020 2.164
 


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William ging zwei Schritte zurück und starrte den Mann vor sich an.
„Ich... das ist doch nichts besonderes, weswegen man mich beschützen muss!“ ungläubig sah er nun auch mich an und plötzlich sah ich, dass seine Augen ein leichtes Leuchten aufwiesen.
Ich hatte immer gedacht, es wäre der Lichtschein der Kerzen, wenn sie diesen Schimmer annahmen.
„Master William...“ meinte ich leise und starrte ihn weiter an. „Euer Blick...“
Und jetzt dämmerte es mir, was mich an ihm oft irritiert hatte, dieser Blick wenn er meine Gedanken lesen konnte!
Du meine Güte, hatte er... in diesem Moment lief ich nur noch knallrot an. Wie oft hatte ich in seiner Gegenwart über ihn nachgedacht?, fragte ich mich nun.
„Oft, Miss Alberts, aber auch mir wird das jetzt erst bewusst und... es tut mir leid...“ stammelte er leise und ich sah in seinem Gesicht das schlechte Gewissen.

„Miss Alberts, auch ihr werdet nicht ohne Grund beschützt. Doch ich sehe schon, ihr wisst ebenfalls nichts von euren Möglichkeiten und Fähigkeiten.“ seufzte er tief, so als wäre er genervt.
„Wovon sprecht ihr bitte?“ maulte ich ihn an, ich wollte Antworten haben.
„Schaut an eure Arme und Hände, seht ihr noch die Schnitte der Schwerter auf eurer Haut? Oder tut der Kiefer von dem Schlag noch weh?“ er hob eine Augenbraue und sah mich ebenfalls musternd an.
Es stimmte, ich sah den zerrissenen Stoff meines Nachthemdes – welches ich immer noch trug und in Gesellschaft von zwei Herren im Freien stand! - mit den Blutflecken, doch meine Haut war glatt und unverletzt.
Vorsichtig griff ich an meinen Kiefer und bewegte ihn hin und her, keine Schmerzen durchfuhren mich!

„Was hat das zu bedeuten?“ fragte ich leise und ungläubig!
„In euch ruht eine Kraft, welche euch selbst und auch andere heilen lässt. Ihr seid in der Lage, andere genesen zu lassen und seid im Umkehrschluss nahezu unverwundbar! Ich möchte den Begriff „unsterblich“ nicht nutzen, da ihr das nicht wirklich seid. Und aus diesen Gründen müssen wir euch beide schützen, da ihr eine Aufgabe habt. Darüber brauche ich euch nicht aufklären! Habe ich Recht, Master William, Miss Alberts?“ jetzt sah er uns lächelnd an und wir verstanden, wenn auch noch nicht ganz, aber langsam kam die Erkenntnis.

„Dann... war das Zusammentreffen mit Master William eine geplante Sache unserer Eltern?“ meine Stimme klang entrüstet, auch wenn ich das nicht wollte.
Im Grunde gefiel mir Williams Gesellschaft, wenn ich darüber nachdachte.
Aber ich hasst es, wenn man mich vor vollendete Tatsachen stellte und mich nicht einweihte!
„Miss Alberts, auch ich genieße eure Gesellschaft und ich muss sagen, unsere Eltern hätten uns wirklich von Anfang an reinen Wein einschenken sollen!“ meldete sich meine Reisebegleitung nun zu Wort, nachdem er anscheinend wieder in meinen Gedanken gestöbert hatte.
„Das hätten sie...“ sprach ich leise und wurde wieder rot.

„Aber ich schlage vor, das Gespräch etwas zu verschieben, wir haben noch ein paar Tage auf dem Weg nach Rom und entsprechend Zeit dafür!“ kam es jetzt entschuldigend von Nicodemo und ich sah, dass er seine Müdigkeit kaum noch unterdrücken konnte.
Trotzdem stellte sich die Frage, warum man uns überfallen hatte und wer dahinter steckte. Im Schankraum hatte man die Verletzten versorgt und die Toten waren hinter das Haus geschafft worden. Man hatte bereits nach den entsprechenden Herren geschickt, die sich um solche „Angelegenheiten“ kümmerten.

Ich trat auf eine der Verletzten zu, eine junge Frau ungefähr in meinem Alter, mit einer Wunde im Oberschenkel.
Doch bevor ich etwas sagen konnte, pöbelte sie mich auf italienisch an und spukte mir vor die Füße. Nicht gerade die feine Art, wenn man mich fragte!
Master Bruno kam mir zu Hilfe und maßregelte die Dame vor mir, dann fing er mit der Befragung an.
Leider war sie die Verschwiegenheit in Person, wollte weder ihren Namen noch ihre Zugehörigkeit kundtun. Livio musste sich arg zusammenreißen wie es aussah und wiederholte seine Fragen immer und immer wieder.
Langsam wich jedoch jede Farbe aus dem Gesicht der Gefangenen und dann verdrehte sie die Augen und war bewusstlos. Verdammt!

Resigniert stöhnte ich nur auf.
„Ich befürchte, so kommen wir nicht weiter. Lasst sie alle bewachen und ruft einen Arzt, damit dieser die Wunden versorgen kann!“ befahl nun Master Capon und ging dann langsam die Treppe zu seiner Kammer hoch.
Man könnte meinen, er sei ein sehr alter Mann, wenn man diese schleppenden Bewegungen sah und ich schüttelte mitleidig meinen Kopf.
„Ich werde mich auch zurück ziehen und dann werden wir morgen weitersehen, Master William, Master Bruno!“ ich nickte in die entsprechende Richtung und ging ebenfalls hinauf.
Vor meiner Tür klopfte ich und als Sarah sich überzeugt hatte, dass wirklich ICH es bin, ließ sie mich ein.

Entsetzt sah sie die Blutflecken und den kaputten Stoff meines Nachthemdes. Sofort fing sie an, mich hin und her zudrehen, damit sie sich überzeugen konnte, dass mir nichts fehlte.
„Miss Alberts, jagt mir nie wieder so einen Schrecken ein. Es sieht fast so aus, als wäret ihr kurz vor dem Verbluten gewesen bei dem ganzen Blut!“ dann half sie mir in ein sauberes Nachthemd und ich konnte endlich ins Bett.
Zumindest war dieses sauber und einigermaßen bequem, doch der Schlaf wollte mich nicht richtig abholen.
Mir gingen diese neuen Erkenntnisse im Kopf herum. Warum ich? Warum William? Woher kamen diese Fähigkeiten?


*** 19. März 1755 ***

Rom


Endlich waren wir an unserem Ziel angekommen und im ersten Moment war ich enttäuscht.
Ich hatte gedacht, es sei eine malerische Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und imposanten alten Bauten.
Mir bot sich ein klägliches Bild von herunter gekommenen Häusern, dreckigen Straßen und nicht wenigen verwahrlosten Menschen, darunter auch viele Kleinkinder.
Ich weiß, man kann nie allen helfen, aber ich würde es gerne. Bei diesem Anblick brach mein Herz und es war kaum auszuhalten.
„Miss Alberts, wir sind gerade in dem ärmsten Viertel der Stadt. Die Menschen hier haben keine Möglichkeit ihren Lebensunterhalt selber zu verdienen und Hilfe bekommen sie nicht. Viele haben schon versucht die Obrigkeit darauf aufmerksam zu machen, doch vergebens!“ entschuldigte sich Master Capon nun bei mir.

„Es ist ein grausames Schicksal, gerade bei den Kleinsten!“ ich musste mich konzentrieren, um nicht zu weinen!
„Wir haben euch im Norden der Stadt untergebracht, Miss Alberts, Master William. Von dort ist es einfacher die Forschungen anzugehen! Die Kutsche wird euch weiterhin zur Verfügung stehen, ebenso werden die Wachen Tag und Nacht an eurer Seite bleiben!“ dieser Themenwechsel kam eher befehlend, nicht wie ein netter Vorschlag von Nicodemo.
„Wenn ihr meint, Master Capon!“ auch William war nicht begeistert davon, doch leider hatten wir kein Mitspracherecht in dieser Sache.

Ich hatte zwischenzeitlich einen Brief an meinen Vater schicken lassen, in welchem ich ihm meine Enttäuschung über sein Verhalten kundtat.
Es glich schon fast einem Vertrauensbruch mir gegenüber!
Ich habe immer zu meinem Vater und Großmeister aufgesehen, doch mich über meine Zukunft und mein Leben so im Unklaren zu lassen, konnte ich nicht einfach so hinnehmen.

In den letzten Tagen hatten wir dann auch noch erfahren, dass auch Nicodemo nicht einfach ER ist.
„Ich weiß, ich sehe aus wie ein ungefähr 50jähriger Mann. In Wahrheit bin ich aber schon viel älter, 112 Jahre um genau zu sein!“ meinte er stolz und lächelte uns an.
„Die Vorläufer gaben uns Kräfte, Mächte und Fähigkeiten. Genau wie euch beiden, Miss Alberts, Master Williams. Doch wir mussten warten, bis ihr selber erkennen würdet, worauf man euch vorbereitet hat. Leider muss ich nun feststellen, dass ihr völlig unbedarft auf diese Reise gegangen seid.“ auch er schien nicht ganz begeistert von dem Verhalten unserer Eltern zu sein.

Stellte sich immer noch die Frage, wer uns Böses wollte, wer uns verfolgen könnte und warum das ganze!
Aus den Überlebenden hatte man nichts heraus bekommen, sie alle schwiegen, als hätte man ihnen die Zungen herausgeschnitten!

Die Herberge, in welcher wir nun die nächste Zeit bleiben würde, war ein recht großes Haus mit verputzten weißen Wänden, grünen Fensterläden und einem kleinen Vorgarten. Daneben lagen die Ställe und ein kleines Gebäude, bei welchem ich nicht wusste, welchen Zweck es erfüllen sollte.
William war die ganzen Tage über sehr schweigsam gewesen, hatte kaum ein Wort mit mir oder unseren Begleitern gewechselt und ich sah, auch er grübelte darüber nach, WARUM wir, warum jetzt?

Unsere Zimmer waren geräumig, hell und mit einer Durchgangstür verbunden.
„Master William, wie findet ihr unsere Unterbringung?“ fragte ich leise, weil ich es vermisste mich mit ihm zu unterhalten.
„Sehr nett, wenn ihr mich fragt.“ kam es als kurze Antwort und er verschwand in seinem Reich!
Nun gut, dann werde ich mit Sarah meine Sachen auspacken. Ihre Kammer lag am Ende des Korridors, neben ihrer lag auch die Unterkunft von Sebastian, Williams Kammerdiener!
Es dauerte nicht lange, bis alles Wichtige verräumt war und dann saß ich unschlüssig auf meinem Bett.
„Miss Alberts, kann ich noch etwas für euch tun?“ fragte Sarah leise und ich sah sie erstaunt an.
„Nein... nein, im Moment brauche ich euch nicht.“ und damit ging sie, ich blieb etwas verloren hier sitzen und starrte auf meine Hände.

Bevor ich jedoch Trübsal anfing zu blasen, nahm ich mir meine Schreibutensilien und fing an, mein Tagebuch weiterzuführen.
Aus Erfahrung wusste ich, dass es mich beruhigte und meine Gedanken strukturierter wurden!
Ein Klopfen riss mich dann aus meiner Arbeit und ein zögerliches „Miss Alberts, habt ihr einen Moment Zeit?“ von William war zu hören.
Auf mein „Herein!“ öffnete sich vorsichtig die Tür und er betrat mein Zimmer.
Man könnte meinen, er hätte Angst alleine in meiner Nähe sein zu müssen.
„Master William, ist alles in Ordnung?“ fragte ich besorgt, als ich seinen grüblerischen Ausdruck im Gesicht wahrnahm.

„Um ehrlich zu sein, nein. Nichts ist mehr in Ordnung, weil ich überhaupt nicht weiß, wo ich ansetzen soll. Miss Alberts, es ist mir unangenehm, dass ich eure Gedanken ohne zu fragen gelesen habe. Aber ich habe mir nie etwas dabei gedacht, das müsst ihr mir glauben!“
Diese Worte kamen mit einem sehr schlechten Gewissen, dass er mein Vertrauen missbraucht hatte.
„Macht euch darüber keine Sorgen, wir wussten beide nichts von unseren Fähigkeiten. Aber wenn ich das fragen darf, wie meinte Master Capon das, als er sagte, ihr könnt sehen, wo etwas ist?“ meine Neugierde kannte manchmal kein Halten!

Zum ersten Mal seit Tagen zeigte sich ein Lächeln auf Williams Gesicht.
„Ich kann ein Schimmern wahrnehmen, so als brächen sich Sonnenstrahlen in einer Glasscheibe! Manche Gegenstände, oder auch Personen umgibt so ein Schleier. Auch ihr seid von so einem umgeben.“ in seine Augen trat dieses Leuchten und seine Gesichtszüge entspannten sich plötzlich.
„Ihr leuchtet in einem feinen Weißgold, Isabelle!“ zum ersten Mal seit Antritt unserer Reise, benutzte er wieder meinen Vornamen.
Ich saß an meinem Schreibtisch und sah ihn, welcher auf meinem Bett saß, einfach an. Mich umgab dieses Licht?
„Wie ist das möglich?“ fragte ich, doch wusste ich natürlich, dass auch William keine Antwort darauf hatte.

„Vielleicht sollten wir uns noch einmal mit Master Capon zusammen setzen und Antworten verlangen!“ in seiner Stimme lag eine solche Bestimmtheit, die ich länger nicht mehr von ihm wahrgenommen hatte.
„Das sollten wir tun, William. Ich würde ebenso gerne mehr erfahren. Doch genauso brenne ich darauf, den Spuren eures Urgroßonkels zu folgen!“ merkte ich meine Gedanken an.
„Ihr habt Recht, vielleicht sollten wir erst einmal unser Vorhaben voranbringen und wer weiß, vielleicht ergeben sich ja auch dadurch einige Sachen von ganz alleine!“ da war sie wieder, seine Euphorie und sein Entdeckerdrang, welcher mich ansteckte.

Mit neuem Schwung stand er auf und zog mich ebenfalls mit hoch.
„Dann lasst uns keine Zeit verlieren, Isabelle!“ William zog mich einfach mit sich, die Treppe hinunter und hinaus ins Freie.
Auf dem Weg durch die Stadt zur Herberge hatten wir einen kleinen Überblick erhalten und wussten ungefähr in welcher Richtung das Kolosseum lag. Wir nahmen die Pferde, welche uns zur Verfügung gestellt worden waren und ritten in Richtung dieses alten Bauwerkes.
Ich war schon gespannt, ob es wie auf den Zeichnungen in den Büchern aussah, oder ob man es gar nicht mehr erkennen würde.

Nach ungefähr anderthalb Stunden kamen wir bei diesem riesigen runden Bau an und ich staunte nicht schlecht. Die Aufzeichnungen hatten nicht gelogen, es war zwar sehr verfallen, aber noch gut erhalten.
Hier tummelten sich ein paar Menschen, die meisten jedoch nur, um die umliegenden Felder weiter zu bewirtschaften. Unsere Pferde banden wir an einem Mauerstück an und machten uns daran, die eigentliche Arena zu betreten.

Es war beeindruckend und sehr imposant.
Ich ertappte mich dabei, wie ich mir die Gladiatoren vorstellte bei den Kämpfen oder auch wie das Publikum auf den Rängen ihnen zujubelten!
„Isabelle, ihr müsstet euer aufgeregtes Gesicht gerade sehen. Und... ich kann es mir auch vorstellen, wie es hier einmal zugegangen ist. Verzeiht, aber ich... kann es nicht richtig kontrollieren!“ entschuldigend sah er mich an und seltsamerweise war ich ihm nicht böse, im Gegenteil.
Es fühlte sich angenehm an, das warum konnte ich nur nicht erklären! Ein anderer Gedanke kam mir.
„Vielleicht können wir gemeinsam dieses Gedankenlesen steuern und ich helfe euch, es zu kontrollieren? Ihr dürft gerne in meinen lesen, William!“ hatte ich das jetzt wirklich gesagt?
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