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Immortal Army of Justice

GeschichteFantasy, Übernatürlich / P16
Haytham Kenway OC (Own Character) Reginald Birch
08.07.2020
15.11.2020
23
40.137
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23.09.2020 2.197
 

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Mit einem Aufschrei, weil ich fiel und das Wasser unter mir näher kommen sah, schreckte ich auf.
Zitternd lag ich aber nicht auf dem Meeresgrund oder mit zersplitterten Knochen auf den Felsen, sondern in meinem Bett und starrte immer noch auf den Betthimmel!
Langsam richtete ich mich auf und versuchte herauszufinden, was gerade passiert war!
Es war ein Traum, ein schrecklicher Albtraum!
Ich schwang die Beine aus dem Bett und ging hinüber zur Kommode mit der Waschschüssel und benetzte mein Gesicht mit Wasser. Die Kühle half mir dabei, etwas klarer zu denken und ich entzündete die Kerzen auf meinem Schreibtisch, setzte mich daran um mein Tagebuch weiterzuführen.
Ich musste diese Eindrücke loswerden.
Also schrieb ich von dem Abend, von dem Traum... von diesem Mann!
Eine Gänsehaut überzog meine Arme, als ich ihn erwähnte und ich hatte das Gefühl, als würde er wissen, dass ich gerade in diesem Moment an ihn dachte. Diesen Gedanken schüttelte ich jedoch sofort ab, es gehörte sich nicht, so über einen fremden Mann nachzudenken.

Nachdem ich einige Seiten verfasst hatte, fühlte ich mich beruhigter und wohler.
Wieder im Bett liegend glitt ich nun in einen traumlosen Schlaf, welcher aber erholsam war...


*** 27. September 1754 ***

Die Bibliothek und spontane Reisepläne



Der Tag nach dem Dinner war geprägt von Einkäufen!
Meine Tante zerrte mich kreuz und quer durch die Stadt und ließ mich Kleider anprobieren, bestellte Unterkleider und Strümpfe für mich... sie war im Kaufrausch und genoss es augenscheinlich.
Ich selber ließ es einfach über mich ergehen, auch wenn ich sagen muss, dass die ausgewählten Kleider wirklich wunderschön waren.
Dennoch fragte ich mich, wann ich diese bitte alle tragen sollte? Für den Alltag hatte ich eine Auswahl und drei oder vier „gute“ Stücke, welche für Bälle und Empfänge waren. Am Ende des Tages hatte ich dann 10 noble Kleider für eben diese großen Anlässe und dazu noch diversen Haarschmuck!

Was meinen Halsschmuck und ähnliches anging, besaß ich jetzt den Schmuck meiner Mutter und meiner Großmutter.
Diesen hütete ich natürlich wie meinen Augapfel, diese Stücke waren teilweise ein Vermögen wert.
Als Maria und ich dann zum Abendessen wieder im Anwesen eintrafen, kam mir mein Vater erleichtert entgegen.
„Isabelle, Maria... ihr seid wieder daheim. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht!“ meinte er freudig!
„Thomas, Isabelle benötigt eine angemessene Auswahl an Kleidern, das weißt du doch. So etwas kann dann eben etwas dauern. Wundere dich also nicht, wenn in den nächsten Tagen einige Lieferungen hier eintreffen!“ lachte meinte Tante nur und ging ins Esszimmer, wo schon alles vorbereitet war.

Heute endlich erschien Master William und bat darum, dass ich ihn begleite. Meinem Vater war es natürlich mehr als Recht und auch meine Tante nickte nur wohlwollend.
„Ich werde Isabelle wohlbehalten wieder nach Hause bringen, Master Alberts!“ kam es mit einer tiefen Verbeugung von William.
„Darauf verlasse ich mich, Master William. Und ich will keine Klagen über euer Betragen hören!“ diese Worte sprach mein Vater mit einem sehr harten Unterton aus, welcher mich aufhorchen ließ.
Mein Begleiter würde sicherlich nicht übergrifflich werden, er hatte mehr als eine Gelegenheit und hat sie nicht genutzt. Also brauchte er sich keine Sorgen zu machen, doch das sagte ich nicht laut.

In der Bibliothek angekommen, fingen wir an, uns durch die Bücherliste zu lesen.
Wir suchten nach Schriften, welche sich mit dem Kolosseum, Rom und dortigen unterirdischen Katakomben beschäftigen.
Es dauerte nicht lange, da hatten wir insgesamt vier wirklich große Wälzer ausfindig gemacht und holten sie aus den Regalen.
Allesamt waren sie alt und bereits sehr abgegriffen, wir konnten also davon ausgehen, dass man oft und viel in ihnen gelesen hatte. Jedes einzelne war von einem anderen Verfasser oder Autor.
Angefangen bei dem ältesten, welches um 1300 verfasst wurde bis zum neuesten, an welchem unter anderem auch Williams Urgroßonkel mit geschrieben hatte, lagen sie aufgereiht vor uns.
Wir begannen mit der Lektüre und ich vertiefte mich in das älteste...

Das Kolosseum

Diese Erzählungen glichen teilweise Ammenmärchen, aber auch aus ihnen konnten Albträume erwachsen!
Ich stellte mir vor, wie die Männer dort an die Löwen verfüttert wurden, nur zum Gaudium der Leute! So etwas ist doch grausam!
Beim weiteren Durchstöbern dieses Buches fand ich Zeichnungen, welche sich mit dem Unterbau der Arena befassten.
Es gab tatsächlich einen Untergrund, eine Art Kellergewölbe, in welchem die Kämpfer, die Sklaven und auch die Tiere auf ihre Kämpfe warteten. Sie reichten sehr weit in die Tiefe, wenn ich das richtig interpretierte.
Leider gab es aber keine weiteren Details, keine Anhaltspunkte auf einen versteckten Vorläuferschatz oder ähnliches.

Mit einem Male hörte ich ein lautes, frustriertes Stöhnen von William.
„Master William, seid ihr auch nicht fündig geworden?“ fragte ich leise und ebenfalls leicht desillusioniert!
„Nein, auch in diesen Schriften ist nichts zu finden! Verdammt... oh, verzeiht, Miss Alberts.“ entschuldigte er sich sogleich.
„Nein, ich kann euch sehr gut verstehen. Es ist sehr unbefriedigend, wenn man nichts schlüssiges findet, Master William.“
In mir keimte der Gedanke, dass ich wirklich direkt nach Rom reisen sollte, um mir dort ein eigenes Bild zu machen.
Sollte ich den jungen Clarkson deshalb fragen, ob er mich begleitet? Aber es wäre zu vermessen, wenn ich es äußern würde.

„Miss Alberts, ich befürchte, so werden wir mit der Suche nicht weiterkommen. Weder diese Bücher noch die in eurer Familie vorzufindenden Schriften helfen uns anscheinend weiter. Was schlagt ihr stattdessen vor?“ in seinem Blick lag eine gewisse Abenteuerlust, welche mich umgehend ansteckte.
Ich hatte es ja schon erwähnt, dass es am sinnvollsten wäre direkt in Rom, am Ort des Geschehens sozusagen, zu forschen. Genau das tat ich nun kund und erntete einen anerkennenden Blick.
„Ihr seid eine Frau mit Tatendrang und ihr wollt Resultate sehen, wie ich annehme. Dann sollten wir darüber beraten, wie wir nach Italien reisen und vor allem auch wann wir dorthin segeln werden. Ich hoffe nur, unsere Eltern werden damit einverstanden sein!“ darin lag urplötzlich eine Unsicherheit, welche ich ihm nicht zugetraut hätte.

„Master William, ich gehe davon aus, dass niemand Einwände haben wird. Es geht hier um Forschungsarbeiten, welche uns voranbringen werden.“ meinte ich in meiner zuversichtlichen Art.
„Wir sollten keine Zeit verlieren, Miss Alberts. Ich brenne darauf endlich Fortschritte zu machen!“ in seinen Augen sah ich, er freute sich wirklich darauf und so verließen wir die Bibliothek.
Im Salon angekommen, erwartete uns Williams Mutter bereits und ließ den Tee servieren. Als dann auch Master Clarkson erschien, sah mich William fragend an und ich nickte nur leicht.
Meiner Tante und meinem Vater würde ich dann später davon berichten.

„Vater, Mutter, ich oder besser gesagt wir haben gerade einen Entschluss gefasst...“ und ich konnte in Mistress Clarksons Augen sehen, dass sie die freudige Nachricht einer Verlobungsankündigung erwartete.
Mit unserer geplanten Reise rechnete sie natürlich nicht und als William erklärte, dass wir planten nach Italien zu reisen, schlich sich Enttäuschung auf ihr Gesicht.
„Oh... ja... das sind ja... interessante Neuigkeiten. Und wann hattet ihr gedacht aufzubrechen, William?“ kam es scharf von seinem Vater, auch er war für einen Augenblick überrumpelt und versuchte seine Enttäuschung ebenfalls im Zaum zu halten!

„Nach Möglichkeit würden wir noch dieses Jahr aufbrechen, wenn es möglich ist. Das hängt natürlich von der Witterung ab und ob wir eine passende Passage buchen können.“
William war sichtlich nervös geworden, da auch er die Reaktion seiner Eltern bemerkt hatte!
„Ihr beide könnt sicherlich auf einem der Handelsschiffe unterkommen, welche regelmäßig über den Atlantik segeln. Ich werde mich gleich morgen nach etwas passendem umschauen, William. Miss Alberts, habt ihr eurem Vater und eurer Tante bereits diesen Plan mitgeteilt?“ fragte mich der Hausherr nun mit einer hochgezogenen Augenbraue.

„Nein, Master Clarkson, wir haben es gerade eben erst beschlossen. Ich werde aber umgehend beide darüber informieren.“ lächelte ich mein Gegenüber an.
„So sei es, Miss Alberts. Ich würde mich freuen, wenn ihr zum Abendessen noch unser Gast wäret!“ lud mich nun Master Clarkson noch ein und ich nahm es dankend an.
Bis jedoch das Essen soweit war, führte mich William ein wenig über das Grundstück und zeigte mir die Ställe und den wunderschönen Garten hier.

Auch seine Familie hatte einen Nutzgarten für den Eigenbedarf angelegt, welchen ich nun bestaunte.
„Unser Gärtner leistet wirklich vortreffliche Arbeit. Mein Großvater hatte ihn noch eingestellt und hielt immer große Stücke auf ihn!“ das sah man tatsächlich.
Als wir langsam zum Haus zurück gingen, sah ich aus den Augenwinkeln eine dunkle Gestalt über das Grundstück huschen. Ich stieß William an und deutete mit einem Kopfnicken in die Richtung, doch auch er hatte diesen Schatten bemerkt!
Dummerweise waren wir beide aber unbewaffnet und ich stand in einem Kleid hier, was das Ganze noch um einiges schwerer machte.

Wir schlichen trotzdem leise hinterher, nur um zu sehen, wohin sich der Eindringling bewegte.
Dieser schritt nun auf ein Rosenspalier zu, welches an der hinteren Wand des Herrenhauses angebracht war und machte sich daran, hinauf zu klettern.
„Isabelle, bitte geht zu meinem Vater und gebt ihm Bescheid, ich werde dieser Person oben auflauern!“
Wir eilten hinein und William verschwand schnell die Treppe hinauf.
Im Salon flüsterte ich nur, dass jemand versuchte hier einzubrechen und Master Clarkson war in Windeseile ebenso die Stufen hinaufgeeilt.
Hatte aber noch seiner Frau und mir strickte Anweisungen gegeben, hier unten zu bleiben.

Wir gingen zur Tür und lauschten auf Kampfgeräusche, doch noch tat sich nichts.
„Meine Männer sind gute Kämpfer, Miss Alberts. Macht euch keine Sorgen!“ meinte Williams Mutter im Flüsterton, aber ich hörte, dass sie sich Sorgen machte.
Wir wussten ja nicht, WER sich hier Zutritt verschaffen wollte!
Der Kleidung nach kein kleiner Einbrecher, sondern Assassine, ein sehr schlecht vorbereiteter Meuchelmörder, möchte ich behaupten.
Er hatte uns überhaupt nicht bemerkt und es war noch hell!
Vater hatte mir von diesen teils sehr unbedachten Personen erzählt, ihm waren schon so einige wegen ihrer Unachtsamkeit ins Messer gelaufen.

Und dann hörten wir einen lauten Aufschrei und Stahl klirrte auf Stahl.
Da es aber ja zwei gegen einen stand, vermutete ich, dass es nicht lange dauern würde und so war es dann auch. Kurz darauf kamen William und sein Vater die Treppe hinunter, im Schlepptau den bewusstlosen Assassinen!
„Wir werden ihn jetzt den Behörden übergeben, am besten ist dieser Abschaum im Fort George aufgehoben. Miss Alberts, verzeiht diese Unannehmlichkeiten, doch wir werden das Essen auf einen anderen Tag verschieben müssen.“ entschuldigte sich Master Clarkson, aber ich verstand ja, dass man diesen Mann noch befragen musste.
Ich bat darum, mitkommen zu dürfen.
„Miss Alberts, ich glaube kaum, dass das ein geeigneter Ort für...“
William hielt inne, als er meine hochgezogene Augenbraue sah.
„Wenn ihr wünscht, Isabelle.“ mit einer einladenden Bewegung seiner Hand bat er mich, ihm und seinem Vater zur Kutsche zu folgen.

Die beiden schubsten den Bewusstlosen hinein, neben ihm nahm Master Clarkson Platz und ich saß ihnen gegenüber mit William.
Jetzt konnte ich einen Blick auf diesen Herren werfen und ich muss sagen, ich war mehr als erstaunt.
Dieser Mann war kein Mann, sondern ein Junge, höchsten 15 Jahre alt, mit hellen rotblonden, schulterlangen Haaren und einem blassen Hautton, fast schon durchschimmernd.
Seine Kleidung war tatsächlich die eines Assassinen, aber nur der Novizen-Ornat, diese waren nur schlicht verarbeitet und dienten lediglich zur Bekleidung.
Verstohlen ließ ich meinen Blick zu seinen Handgelenken wandern, ich wollte zu gerne wissen, ob er diese versteckten Klingen wirklich bei sich trug.

„Wir haben sie ihm abgenommen, Miss Alberts.“ lachte nun Master Clarkson, weil er sah, wohin meine Augen schauten und ich wurde rot.
Manchmal konnte man mich ganz einfach durchschauen, daran musste ich dringend arbeiten!
„Habt ihr sie bei euch, Master Clarkson? Könnte ich sie vielleicht einmal sehen?“ fragte ich etwas aufgeregt, es war aber William, welcher mir diese Waffen nun reichte.
Sie waren eigentlich nicht mehr als Messer an Lederbändern, wie ich enttäuscht feststellen musste. Nur der Mechanismus, welcher sie hervorschnellen ließ, machte sie zu etwas Besonderem.
„Ich hatte mir das Ganze ja doch beeindruckender vorgestellt...“ sprach ich leise und eher zu mir selber.

„Miss Alberts, dass sind die einfachen Klingen der Novizen, es gibt weitaus besser gearbeitete. Auch gibt es sie mit vielen Erweiterungen, ich sah schon welche mit einem Haken, um sich auf Dächer ziehen zu können zum Beispiel!“ erklärte er mir nun und man spürte, er war wirklich von dieser Technik beeindruckt!
„Ihr meint, so ein Haken an einem Seil? Aber... wie soll das gehen?“ und meine Frage meinte ich ernst, ich wollte wissen, wie man so etwas bauen konnte!
„Vielleicht werden wir ja irgendwann diese Gelegenheit bekommen und sie auseinander bauen können. Unsere Handwerker wären sicherlich auch neugierig mehr darüber zu erfahren!“ hörte ich William nun ebenso aufgeregt sprechen.

Dann hielt die Kutsche und ich hörte, wie man fragte, wer wir seien und was wir wollten. Wir waren also beim Fort George angekommen und man ließ uns, nachdem der Soldat einen Blick ins Innere unseres Gefährts geworfen hatte, passieren.
In der Garnison selber herrschte reger Betrieb, es lag aber etwas in der Luft, eine Art Vibrieren, so als würde noch etwas passieren.
Die Soldaten gingen ihrer Arbeiten nach und beachteten uns nicht weiter.
Man brachte den Gefangenen und uns zum Kommandanten in den hinteren Bereich des Komplexes, wo man den Assassinen an einen Stuhl band. Mittlerweile war er wieder wach und ansprechbar, hatte aber noch keinen Ton von sich gegeben, sondern nur grimmig von einem zum anderen gesehen.
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