Immortal Army of Justice

GeschichteFantasy, Übernatürlich / P16
Haytham Kenway OC (Own Character) Reginald Birch
08.07.2020
30.09.2020
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16.09.2020 1.805
 


Kapitel 6

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Man hatte in seinem Studierzimmer einen Kamin angeheizt, weil es für einen August Abend doch recht kühl geworden ist.
In diesem Raum fühlte ich mich postwendend wohl und ich strich, wie sollte es anders sein, über die in Leder gebundenen Bücher und Einbände.
Viele waren mit Gold verziert und sahen schon uralt aus.
Als hätte er meine Gedanken gelesen, erzählte er mir etwas über diese Sammlung.
„Miss Alberts, ihr habt ein Auge für diese alten Schriften wie ich sehe. Das ist nur ein kleiner Teil, wenn ihr mögt, zeige ich euch später die offizielle Bibliothek meiner Familie.“
Offizielle Bibliothek? Gab es etwa noch eine andere? Die würde ich natürlich dann auch zu gerne sehen!
„Hier lagert wirklich sehr altes Wissen, Master William. Das muss ja Jahrhunderte gedauert haben, alles zusammen zutragen.“ meinte ich jetzt aber etwas geistesabwesend.
„Meine Familie hat eine Sammelleidenschaft dafür entwickelt im Laufe der Zeit.“ lachte er leise und sah mich mit schräggestellten Kopf grinsend an.
„Nehmt euch eines der Bücher und ich hole derweil die Unterlagen.“ damit ging er zu seinem Schreibtisch und schloss eine der Schubladen auf.

Ich hingegen hatte ein Exemplar eines deutschen Lexikons gegriffen und schlug es auf.
Es war von Christoph-Ernst Steinbach und war gespickt mit kleineren handschriftlichen Randnotizen.
Für einen Moment war ich völlig vertieft, denn der Autor war soweit ich das sehen konnte, ein Arzt und das konnte man deutlich herauslesen.
„Ihr besitzt sogar Bücher, welche in der deutschen Sprache verfasst sind? Wie viele Sprachen sprecht ihr eigentlich, Master William?“ fragte ich jetzt etwas geistesabwesend und erntete ein Lachen.
„Miss Alberts, ich spreche nur englisch, französisch und lateinisch. Leider nur ein kleines bisschen deutsch, wenn ihr mir die Ehre erweist, mir mehr beizubringen?“
Wäre ich eine gute Lehrerin?
„Ich weiß nicht Recht, Master William. Aber wir können es gerne einmal versuchen.“ lächelte ich zuversichtlicher als ich eigentlich war.

Nun stand er mit einem Stapel an Papieren vor mir und reichte sie mir, im Gegenzug überließ ich ihm das Lexikon.
Ich setzte mich auf eines der Sofas und begann die Unterlagen zu studieren.
Es waren unter anderem Reiseberichte, kleinere bebilderte Beschreibungen von Gegenständen, welche dem Urgroßonkel wichtig erschienen waren und so weiter.
Mir fiel auf, dass dieser Herr einen angenehmen Schreibstil hatte, man fühlte sich bei seinen Reiseschilderungen als sei man dabei, es war sehr bildlich erzählt.
Er sprach von der Überfahrt nach Italien und seine Überlandodyssee Richtung Rom.
Das Ganze war schon sehr abenteuerlich, man hatte unter anderem versucht ihn im Schlaf auszurauben.
Oder er musste sich gegen einen Haufen Assassinen verteidigen, welche sich und ihr Vorhaben bedroht sahen.

William hatte aber Recht, leider hatte sein Onkel keinen festen Anhaltspunkt finden können, der auf den Verbleib dieses Edenapfels hindeutete.
Er sprach vom Kolosseum und Vermutungen, dass unterhalb dieser Ruine sicherlich unentdeckte Katakomben seien.
Er beschrieb, wie er einen Zugang gesucht hatte, jedoch immer wieder auf verschüttete Eingänge stieß, wo kein Durchkommen war. Leider wurde sein Vorhaben auch immer wieder von Einheimischen oder eben der Bruderschaft erschwert.
Seine Reisen führten ihn auch unter anderem nach Frankreich, wo er auf der Suche nach einem weiteren Vorläuferartefakt war.
Hierbei handelte es sich um einen Schild, welches zu einer uralten Templerrüstung gehören sollte.
Das Bild zeigte ein einfaches Schild mit einem roten Tatzenkreuz darauf und im ersten Moment recht unscheinbar. Es war aus Metall und soll recht schwer gewesen sein. Laut der Überlieferungen beschützt es angeblich seinen Träger und seine Verbündeten in der Nähe.

„Dieser Schild ist in unserer Bibliothek, Miss Alberts. Vielleicht sollte ich sie euch zeigen?“ fragte er mich nun und riss mich aus meinen Gedanken.
„Das würde mich freuen, Master William.“ mit den Unterlagen auf dem Arm, führte er mich nun hinaus und nach unten in das Kellergewölbe unter dem Anwesen.
Mich fröstelte es etwas, es wurde von Stufe zu Stufe kühler, je weiter wir nach unten gingen!
Unten angekommen, öffnete William eine große Flügeltür und zum Vorschein kam ein riesiger runder Raum, welcher durch kleine Fenster in Deckenhöhe noch etwas beleuchtet wurde.
Mein Gastgeber fing an die Fackeln an den Wänden zu entzünden und ich stand im Eingang mit offenem Mund.

Riesige Bücherregale erstreckten sich entlang der Wände und verliefen teilweise Sternenförmig in die Mitte des Raumes.
Es gab Vitrinen, in welchen seltsame Gegenstände lagerten, oder auch ganze Rüstungen, Schwerter und in einer waren sogar Schmuckstücke ausgestellt.
Auch fand ich viele Truhen, die neben und unter den Tischen im Raum aufgereiht standen. Langsam ging ich die wenigen Stufen hinunter und sah mich immer noch staunend um!
„Das ist einfach unglaublich, Master William!“
Hatte ich gedacht, dass meine Familie eine Sammelleidenschaft hatte, so wurde ich hier noch einmal eines besseren belehrt! Ich hörte ein leises Lachen aus seiner Richtung, als er langsam wieder auf mich zuschritt.

William hielt mir seinen Arm hin und ich hakte mich unter. So führte er mich in Richtung der Vitrinen und ich konnte einen näheren Blick auf die Fundstücke werfen.
Der Schild war tatsächlich wie in den Aufzeichnungen beschrieben aus Metall und sah hier aus wie neu! In diesem Moment spürte ich eine unglaubliche Energie durch den Raum fließen, sie schien mich mit sich zu reißen.
„Ihr habt es also auch bemerkt, Miss Alberts.“ sprach er nun leise und ich sah etwas verwirrt von dem Schild zu ihm.
„Ja, es fühlt sich... seltsam an. Was ist das?“
Vorsichtig sah ich mich um, es fühlte sich an, als wären wir hier nicht mehr alleine.
„Die Vorläufer, Miss Alberts. Sie hinterlassen eine Art Energie in diesen Gegenständen, welche wir wahrnehmen können und sie uns zunutze machen können.“

Ich sah ihn fragend an, wie sollte das möglich sein? Ich wusste, es gab Amulette welche leuchteten oder einen vor tödlichen Kugeln bewahren konnten!
Andere Gegenstände konnten zum Beispiel die Gedanken kontrollieren, hatte mir mein Vater unter anderem berichtet.
„Und wie würde das bei diesem Schild zum Beispiel aussehen?“ Wollte ich jetzt einfach wissen.
„Es errichtet eine unsichtbare Wand, welche die Mitstreiter und den Träger schützt. Aber nur solange der eigentliche Träger am Leben ist und dieser muss der echte Erbe dieses Artefaktes sein. Ohne dessen Blut funktioniert diese Kraft nicht!“ erklärte er mir nun ganz sachlich und führte mich zu einem anderen Ausstellungsstück, einer Krone!

Sie sah wunderschön aus! Die Krone Diese grünen Smaragde, welche in Gold gefasst und umringt von Diamanten waren, strahlten solch eine Wärme aus und das ganze Schmuckstück war unglaublich imposant.
„Sie gehörte Maria II. von England.“  Maria II.
Ich konnte die Dame förmlich vor mir sehen, diese Krone ist einer Königin würdig.
„Sie trug sie bei offiziellen Anlässen, Bällen und ähnlichem. Es heißt, durch dieses Artefakt wurde sie vor Attentaten beschützt. Noch konnten wir aber nicht heraus finden, WIE das funktionierte!“ kam es enttäuscht von dem jungen Mann.
„Ich gehe davon aus, dass ihr es schon noch erforschen werdet und zu einer baldigen Erkenntnis kommen werdet!“ meinte ich jetzt zuversichtlich und lächelte William an, welcher neben mir stand und auf die Vitrine starrte.
„Ihr seid sehr zuversichtlich, Miss Alberts. Ich hoffe, ihr behaltet Recht. Vielleicht... könntet ihr mir bei … meinen Forschungen behilflich sein? Natürlich nur, wenn es eure Zeit erlaubt...!“

Bei diesen leicht gestotterten Worten konnte ich mir ein undamenhaftes Kichern nicht verkneifen!
„Das würde ich sehr gerne, Master William. Ihr wisst ja, ich selber bin ebenfalls auf der Suche nach einigen Artefakten und kann ebenso jede Hilfe gebrauchen.“
Sein Blick drückte Dankbarkeit aus.
„Dann freue ich mich auf eine Zusammenarbeit, Miss Alberts.“ seine Hand umschlang die meine und seine Lippen berührten meinen Handrücken.
Wieder einmal irritierte mich diese kühle seiner Haut, doch sein Mund war alles andere als kalt! Langsam entzog ich ihm meine Hand und seine bernsteinfarbene Augen musterten mich einen Moment, was mir eine leichte Röte ins Gesicht trieb.

Schüchtern meinte ich dann nur leise, dass wir vielleicht wieder hinauf gehen sollten. Man würde uns bestimmt schon vermissen!
„Ihr habt sicherlich Recht, Miss Alberts.“ hörte ich da eine leichte Enttäuschung in seiner Stimme?
Aber ich mochte mich auch irren! Also führte mich William wieder in die obere Etage und versprach mir, dass er mich morgen dann abholen würde, damit wir weitere Nachforschungen anstellen konnten.
Auch er brenne darauf, zu erfahren, was es mit dem Edenapfel auf sich hat!
Im Salon sah man uns schon fragend an, als wir den Raum betraten und mein Vater lächelte mich zufrieden an. Ich wusste genau, was er gerade dachte!

„Da seid ihr beiden ja wieder. Ich hoffe unsere Bibliothek ist nicht allzu schäbig, Miss Alberts?“ fragte mich nun Williams Mutter.
„Nein, Mistress Clarkson, im Gegenteil. Ich bin beeindruckt und ich glaube, ich werde dort bald noch mehr Zeit verbringen, wenn ihr erlaubt!“ meinte ich mit einem leichten Knicks.
„Ihr seid hier immer willkommen, Miss Alberts! William wird sich dann sicherlich um euch kümmern!“ kam es mit einem verschmitzten Blick auf ihren Sohn.
„Isabelle, aber es ist schon spät. Wir sollten aufbrechen. Morgen ist ein langer Tag und wir werden deine Garderobe noch aufstocken müssen!“ meinte nun meine Tante und ich wusste, sie war einfach nur müde und wollte in ihr Bett.
„Natürlich, Tante Maria.“ und damit verabschiedeten wir uns, jedoch nicht ohne einen langen Handkuss von William und für einen Moment versank ich in seinen leuchtenden Augen!
„Ich freue mich, euch dann bald wieder zusehen, Miss Alberts!“ sprach er leise und lächelte mich an.
„Ich freue mich auch, Master William!“

Zuhause angekommen ging ich direkt nach oben und wünschte meiner Tante und meinem Vater noch eine gute Nacht.
Sarah half mir aus meinem Kleid und machte meine Haare noch für die Nacht, dann entließ ich sie für heute und war dankbar, als ich endlich alleine war.

Ich lag auf meinem Bett und starrte hinauf zum Baldachin. Diese Augen, diese kühle Haut... diese langen dunklen Haare... diese einzelnen Bilder waberten vor meinem geistigen Auge herum und trieben mich in einen unruhigen Schlaf.

„Isabelle, versucht einfach euch fallen zulassen. Es kann nichts passieren. Wir sind alle bei euch! Lasst es zu und geht weiter. Schritt für Schritt!“ hörte ich diese weiche warme Stimme, welche von einer Frau kam, die ich nicht kannte.
„Aber wenn ich weitergehe, dann stürze ich in den Abgrund!“ kam es mit großer Angst von mir.
„Nein, hab Vertrauen! Geh!“ und ich spürte, wie man mich nach vorne schob, auf diese Schlucht zu... zum ersten Male sah ich mich um. Felsen... mit Moos bewachsene Steine... Klippen ähnliche Gebilde... es war kalt, windig und es regnete...

Dann stand ich an der Kante und sah hinunter!
Dort war nur das tosende Meer, Wellen die sich an den Felsen unter mir brachen!
„Sieh nach vorne! Nicht hinunter!“ die Stimme wurde lauter und ungehaltener!
Wieder spürte ich diesen Schub, welcher mich über die Kante schreiten ließ … doch ich fiel nicht...

Vor mir erschien eine Brücke aus tausenden von kleinen Lichtern. Sie pulsierten eigenartig und schienen sich im Wind zu bewegen!
„Geh weiter! Am anderen Ende wirst du...“