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Immortal Army of Justice

GeschichteFantasy, Übernatürlich / P16
Haytham Kenway OC (Own Character) Reginald Birch
08.07.2020
15.11.2020
23
40.137
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02.09.2020 1.902
 

*** 3. September 1754 ***


New York und seine Artefakte




Eine Woche nach dem Empfang reisten wir nach New York.
Im Gepäck waren die Kammerdiener und -zofen, sowie unser Butler, Mr. Burns. Sie alle schienen sich auf diese Reise und die Abwechslung zu freuen, ich dagegen wäre gerne noch in Boston geblieben. Ich hatte mich gerade erst ein wenig eingelebt.
Kenways Hemd war dann der Wäsche zum Opfer gefallen, was mich aber nicht mehr traurig stimmte. Aber auch nicht glücklich machte, wenn ich ehrlich bin.

Auf dem Weg zu unserer New Yorker Villa, machten Vater und ich im Grenzland noch einen Abstecher und gingen einer Spur nach, welche besagte, dass eines der Artefakte in der Nähe eines kleinen Flusses in einer Höhle versteckt sei.
Dieses Wissen hatte Vater aus einem uralten Buch, welches meine Familie hütete wie einen Augapfel. Es war in verschiedenen Sprachen geschrieben und man ahnte, dass es über viele Generationen weitergeführt worden war.

Wir ritten entlang dieses kleinen Flusses, stundenlang, tagelang... doch wir fanden keine Höhle oder einen Eingang zu einer solchen.
„Vater, bist du dir sicher mit der Beschreibung? Kann es nicht sein, dass etwas anderes gemeint war mit Höhle oder dass der Fluss doch ein anderer ist?“ fragte ich etwas genervt, denn die Temperaturen waren gestiegen und ich war durchgeschwitzt und seit Tagen sah ich nichts anderes als diesen Wald um uns herum!
„Ich bin mir sicher, Isabelle!“ kam es wütend von meinem Vater.

Dann kamen wir an einem kleinen Lager vorbei, wo eine Gruppe von Rotröcken um ein Feuer saß und sich betrank.
Als wir näher kamen, reagierte einer der Herren, stand auf und stellte sich uns in den Weg.
„Halt, wo wollt ihr hin und was habt ihr hier zu suchen?“ lallte er und schwankte bedrohlich hin und her.
„Sir, wir sind nur auf der Durchreise und wollten ebenso wie ihr, ein Lager aufschlagen für die Nacht!“ meinte mein Vater neben mir.
„Wenn das so ist, Mister. Setzt euch mit eurer Frau einfach zu uns!“ sein Blick glitt über mich und er grinste breit mit einer Reihe nicht vorhandener Zähne!

Seine Kumpane stimmten ihm zu und gerade als ich etwas erwidern wollte, sagte mein Vater „Wir nehmen euer Angebot gerne an, mit dem Schutz von königlichen Soldaten sollten wir in Sicherheit sein vor Plünderern.“ und in seinem Blick lag ein „Mach einfach Isabelle, ich beschütze dich schon!“ ich hingegen war mir nicht sicher, ob ich hierbleiben wollte, doch Vater sah ich an, dass er müde war und dringend Schlaf brauchte.
Ich gab also klein bei und wir gesellten uns zu den britischen Soldaten, auch wenn ich mich etwas abseits hielt. Ich trug meine Templermontur und kein Kleid, was mir schon die ganze Zeit seltsame Blicke einbrachte.

Nachdem unser provisorisches Nachtlager errichtet war, saßen wir mit den Herren am Feuer und ich muss sagen, es war doch noch sehr angenehm.
Auch wenn sie alle schon angetrunken waren und des öfteren mehr als anzügliche und zweideutige Bemerkungen und Witze machten.
Man reichte mir immer wieder einen Becher mit Whiskey, welcher stark verdünnt mit Wasser war. Ich nippte immer höflich daran, denn diese Art des Alkohols lag mir fern, ich trank lieber Perlwein oder eben Champagner, ich weiß, sehr dekadent. Aber zur Not tat es auch Wein... doch ich schweife ab.

Irgendwann waren die Herren Soldaten alle, bis auf die Wache, eingeschlafen und auch mein Vater hatte sich bereits zurückgezogen.
So saß ich noch einen Moment an dem herunter brennenden Feuer und starrte in die Glut, als ich ein Geräusch hinter mir wahrnahm.
Langsam zog ich das Messer aus meinen Stiefeln und lauschte auf die Geräusche von knackenden Ästen, raschelndem Laubes, welches näher kam.
Gerade als ich das Gefühl hatte, der Angreifer wäre in meiner Nähe, sprang ich auf und... vor meinen Füßen hockte ein verängstigter Hase! Verdammt nochmal!
Nun war es mit meiner Müdigkeit vorbei, sie war verflogen und mein Herz schlug mir bis zum Hals!

Plötzlich legte sich eine Hand auf meine Schulter und ich reagierte instinktiv, so wie ich es in meinem Training gelernt hatte.
Ich griff nach dieser Hand, zog den Körper mit einem großen Schwung über die Seite und er landete unter mir.
Ich selber hockte darauf und starrte in die ängstlichen Augen eines Soldaten.
„Verzeihung Mrs. Alberts, aber... ich... wollte euch nicht erschrecken... ich hatte... nur bemerkt... wie.... ihr aufgesprungen seid und... dachte...“ seine Stimme klang mehr als Angsterfüllt, er realisierte nämlich, dass ich mein Handwerk verstand und mich im Notfall wunderbar verteidigen konnte.

Ich ließ von ihm ab und er erhob sich langsam, strich sich den Schmutz von seinen Kleidern.
„Verzeiht mir...“ leider war mir sein Name entfallen.
„Lance Corporal Warwick, Mrs. Alberts, zu euren Diensten.“ meinte er nun etwas verlegen und sah mich auch so an.
„Ihr solltet euch lieber nicht so heranschleichen, Corporal Warwick.“ meinte ich grinsend und auch er entspannte sich nun.
Sein Blick glitt zu dem kleinen Hasen zu meinen Füßen, welcher immer noch dort hockte, vermutlich vor Schreck erstarrt.
„Das wäre eine äußerst geschmackvolle Mittagsspeise, denkt ihr nicht, Mrs. Alberts?“ ich sah ihn geschockt an.
„Ihr wollt... nein, ich denke nicht. Lasst ihn laufen, mir zuliebe!“ ich legte einen Augenaufschlag hin, welcher ihn von seinem Anliegen abbringen sollte.
„Wenn ihr es wünscht!“ eine Verbeugung und er verabschiedete sich für die Nacht.

Ich zog mich auch zurück und war alsbald eingeschlafen.
Mein Traum driftete aber zu ermordeten gehäuteten Hasen ab, welche mich mit finsteren rotglühenden Augen strafend ansahen...

Am nächsten Morgen befragten wir die Soldaten, ob sie hier in der Nähe eine Höhle oder ähnliches gesehen hätten und hörten erfreut, dass sich hier ganz in der Nähe eine ziemlich große sogar befinden würde.
Nach dem kargen Frühstück brachte man uns dorthin und ich staunte, als wir in diesen Raum eintraten, es war keine natürliche Ausbuchtung. Es muss menschengemacht sein, dachte ich nur.
Es gab eine Reihe von Kacheln ringsum, welche alle seltsame Zeichen inne hatten. Einige Bereiche waren wie von Hand mit roter Farbe gezeichnet zu sein, sie zeigten seltsame Wesen mit erhobenen Armen und ähnlichem.

„Hier ist aber nichts, Vater. Diese Einkerbung in der Wand dort drüben ist alles, hier kommen wir nicht weiter.“ resigniert atmete mein Vater tief durch und gab mir im Grunde recht.
„Dann war der ganze Ritt hierher völlig sinnlos! Verdammt!“ und seine Faust schlug auf den Felsen ein! Als wenn das etwas verändern würde!
„Wir werden sicherlich noch etwas finden, wir müssen nur weitersuchen!“
Doch plötzlich sah er mich so seltsam an.
„Isabelle, wir haben nicht so viel Zeit, wir können nicht einfach Monate und Jahre nutzlos verstreichen lassen! Wir brauchen Resultate. Es wird bald einen Krieg geben und dann müssen wir vorbereitet sein, dafür aber brauchen wir diese Artefakte!“ zum ersten Mal erzählte er mir davon.

„Und das sagst du mir jetzt erst? Ich wusste ja, dass wir auf der Suche sind um das Geschick der Menschheit lenken zu können. Doch warum hast du nie etwas gesagt, Vater? Wie lange? Sag mir WIE LANGE haben wir Zeit?“ in meiner Stimme schwang Panik und auch Wut mit, ich ließ mich nicht gerne unter Druck setzen!
„In ungefähr 10 Jahren müssen wir die Gegenstände beisammen haben. Unsere Familie hat seit... Jahrhunderten diese Aufgabe... Isabelle, bitte verzeih mir, ich hätte dich schon früher einweihen müssen. Doch ich dachte, wir hätten ein leichtes Spiel, sobald wir hier in den Kolonien sind. Die Bücher waren so eindeutig!“ enttäuscht ließ mein Vater die Schultern hängen und sah zu Boden.

„Dann weiß ich jetzt Bescheid und werde dich unterstützen und dir helfen, wo ich nur kann. Aber bitte, Vater, sei in Zukunft ehrlicher zu mir. Ich bin schon alt genug und kann damit umgehen, doch lasst mich nicht immer alle im Unklaren!“ ich ging auf ihn zu und umarmte ihn einfach.
„Ich weiß, mein Schatz, ich weiß! Lass uns nun weiter nach New York reisen. Dort haben wir auch noch den Zugriff auf ein größeres Wissen in der Bibliothek deiner Großeltern!“
Er ging schon hinaus und für einen Moment stand ich hier in diesem Raum. Mich überkam eine Gänsehaut und ich sah zwei Personen, welche sich vor dieser gekachelten Wand in den Armen lagen.
Der Uniform nach ein britischer Soldat und... eine Indianerin? Ich schüttelte mich um diese Bilder loszuwerden, das waren sicher nur irgendwelche Hirngespinste!

Unsere Pferde waren schon ungeduldig, als wir aus der kleinen Höhle herauskamen und wir saßen sofort auf.
Es waren noch ungefähr 6 Tage bis New York. Die Diener waren schon alle dort wenn wir ankamen und so hatten wir eine leicht „unzivilisierte“ Zeit hier in den Wäldern.
Hier und da kamen uns Reiter entgegen, im Zivil oder auch auch einige Soldaten oder eben Offiziere. Man behelligte uns aber nicht großartig, sondern nickte uns nur im vorüber Reiten zu.
Bis mir jedoch ein Herr, kurz bevor wir unser Reiseziel erreichten, entgegenkam.
Seine fast schwarzen Haare in diesem Kontrast zu den stachelbeergrünen hellen Augen war frappierend.
Sein Blick blieb an mir hängen und es sah fast so aus, als lauere er auf irgend etwas!
Für einen Moment hatte ich den Mann vor Augen, welcher Haytham im Hafen von Boston begrüßte.... ich schüttelte mich schnell... ich wollte und durfte nicht an ihn denken!

New York... ich hatte mir eine große lebendige Stadt vorgestellt... doch ich fand eine von britischen Soldaten besetzte Gegend vor! Überall waren sie präsent, auch wenn es viele Auswanderer gab mit den vielen verschiedenen Sprachen.
Es schien, als poche man auf das britische englisch, als gäbe es nichts besseres! Wer dem nicht mächtig war, hatte keine Chance. So mein erster Eindruck und ich hoffte, dass ich mich irrte!

Vater und ich ritten Richtung unseres Anwesens und ich hatte zum ersten Mal ein schlechtes Gewissen gegenüber der armen Bevölkerungsschicht.
Wir hatten es gut, wir hatten ein Einkommen, wir betrieben Geschäfte und mussten uns keine Gedanken über die Zukunft machen. Noch nicht!

Die Villa war... beeindruckend und ich sah mit offenem Mund darauf.
„Isabelle, es ist nicht viel größer als in Boston oder in Hannover. Es ist lediglich anders aufgeteilt, Tochter!“ versuchte mein Vater nun eine Erklärung.
Er vergaß aber mal wieder, dass ich nicht in dem Anwesen in Hannover, sondern auf einem kleinen Dorf in einem kleinen Haus aufgewachsen bin. Auch wenn es dort ebenfalls Angestellte und Diener gab, so war es einfach kleiner gewesen!

Man ließ uns ein und führte uns in den Salon, wo meine Tante bereits wartete und wie es schien, hatten wir schon Gäste!
„Ah, da seid ihr ja endlich, ihr beiden!“ begrüßte Maria uns fröhlich und kam auf uns zu, um uns in Empfang zu nehmen. Ging aber einen Schritt zurück und wedelte mit ihrer Hand vor der Nase herum! „Ich glaube, ihr könntet ein Bad gebrauchen. Silvy?“ praktisch wie sie war, rief sie nach einem der Mädchen und ordnete an, das Bad bereit zumachen.
Vorher stellte sie mich aber noch dem Besuch vor.

„Das ist meine Nichte, Isabelle Alberts, sie ist vor wenigen Wochen aus Europa hier eingetroffen um die Familiengeschicke zu unterstützen, Master Walters!“ und sie deutete auf mich. „Meinen Bruder kennt ihr ja bereits.“ meinte sie lächelnd und besagter Master Walters begrüßte mich freundlich.
„Es freut mich, euch nun persönlich kennenzulernen, Miss Alberts. Ich hoffe, die Überfahrt war nicht zu beschwerlich?“ wahrheitsgemäß antwortete ich, dass es schon recht turbulent war, so aber die Zeit schneller vergangen ist.
„Da habt ihr vermutlich recht, ein Schiff ist ja keine Großstadt und viel zu sehen gibt es dort nicht.“ lachte er und setzte sich nun wieder.
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