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Die französische Revolution

von Jasmin13
OneshotAllgemein / P12
Frankreich
07.07.2020
07.07.2020
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•1661

,,Ah Francis, gut dass ich Sie antreffe!", rief der junge Mann und schritt stolz auf mich zu. Leicht verneigte ich mich. ,,Bonjour eure Majestät. Ihre Minister sind bereits im Raum.", sagte ich lächelnd. Er nickte und nebeneinander betraten wir den Raum. ,,Sie wollten uns alle sprechen, eure Majestät?", sprach einer der Minister.

,,Genau, ich verlange, dass absofort nichts mehr in diesem Land ohne meinen Willen geschieht, nur ich alleine werde in Zukunft die Befehle erteilen. Es ist eure Aufgabe und die der Beamten, meine Befehle auszuführen. Ist das klar?", erklärte er deutlich.

Ein ungutes Gefühl beschlich mich. Ein absuluter Herrscher? Konnte das gutgehen?

Aber ich hatte nicht das Recht, meinen König zu hinterfragen. Das hatte ich auf grausame Weise vor ein paar Jahrhunderten gelernt.

,,Ja, es ist klar.", verkündeten die Minister. ,,Ihnen auch, Francis?", wandte der König sich an mich. ,,Aber natürlich, eure Majestät.", neigte ich respektvoll den Kopf. ,,Wunderbar. Komm Francis, es wird Zeit zu Abend zu essen.", sprach Ludwig XIV. und zu zweit verließen wir den Raum. ,,Ich frage mich ja schon ein paar Jahre, wieso Sie auch meinem Vater nie wiedersprochen haben..", sagte er zu mir.

,,Ach wissen Sie, ich bin nur das Land, Sie können mich um Rat und Hilfe fragen, aber Ihre Entscheidungen muss ich respektieren.", erwiederte ich ruhig.

,,Nun, dass wird denke ich nicht nötig sein.", sprach der König zu mir. ,,Und wieso denken Sie das?", fragte ich interessiert nach. Bisher hatte jeder König meine Hilfe angenommen und mich durch meine Lebenserfahrung immer wieder um Rat gefragt. ,,Weil ich der Staat bin!"

•1689

,,Versailles ist wirklich schön geworden.", lächelte ich, während ich aus dem Fenster in den riesigen Garten sah, ehe ich einen Schluck von meinem Wein nahm. ,,Ja, dass ist es in der Tat, Francis. Das perfekte Schloss für einen Sonnenkönig!", erwiederte mein König glücklich.

,,In der Tat.", stimmte ich zu. ,,Wir feiern ein großes Fest mit befreundeten Königreichen Europas und dem Adel!", entschied der König spontan. ,,Und wer soll dass bezahlen?", fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen.

,,Ich erhöhe einfach die Steuern, dann habe ich genug Geld für eine gute Feier.", erklärte der König. ,,Ihr wollt die Steuern erneut erhöhen? Habt Ihr das nicht erst vor zwei Jahren, damit der Ausbau des Jagtschlosses eures Vaters beendet werden kann?", fragte ich zweifelnd. ,,Ja, wieso nicht?", meinte Ludwig XIV. und verließ den großen Raum.

Ich seufzte und nahm einen erneuten Schluck von meinem Wein.

Na das versprach interessant zu werden.

•1682-1751

Hofprediger Ludwigs XIV., Bossuet, 1682:

... Die Meschen werden allesamt als Untertanen geboren. ... Der Fürst blickt von seinem höherem Standpunkt aus. man darf darauf vertrauen, dass er weiter sieht als wir. Deshalb muss man ihm ohne Murren gehorchen. ... Derjenige, der dem Fürsten den Gehorsam verweigert, wird als Feind der menschlichen Gesellschaft zu Tode verurteilt. ...

---

Unruhe brach in dem Volk aus, ich spürte es. Sie fingen an, an der Weltordnung zu zweifeln. Wieso? Was war so falsch an unserer Ordnung? Es war schon immer so, seid ich denken kann, wurde ich von Königen regiert und das Volk musste die Befehle und Entscheidungen akzeptiren. Also was war plötzlich los?

---

Philosoph Denis Diderot, 1751:

... Kein Mensch hat von der Natur das Recht erhalten, über andere zu herrschen. Die Freiheit ist ein Geschenk des Himmels, und jedes Mitglied des Menschengeschlechts hat das Recht, sie zu genießen, sobald es Vernunft besitzt. ...

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Sie denken, ihre Freiheit sei bedroht. Ich vergrub mein Gesicht in den Händen. Warum sollte ihre Freiheit bedroht werden, wenn Ludwig XIV. doch ein guter König ist, wenn auch ein absoluter Herrscher über alles? Wieso verstand ich die Gedanken des Volkes nicht?

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Philosoph Charles de Montesquieu, 1748, Buch ,,Vom Geist der Gesetze":

... In jedem Staat gibt es drei Arten von Gewalten: die gesetzgebende, die ausführende und die richterliche Gewalt. ... Wenn die gesetzgebende Gewalt mit der ausführenden Gewalt vereinigt ist, dann gibt es keine Freiheit. Es gibt keine Freiheit, wenn die richterliche Gewalt nicht von der gesetzgebenden und ausführenden Gewalt getrennt ist. ...

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Sie denken, Vernunft und Einsicht das Denken und Handeln der Meschen eher bestimmen sollen als Glaube und Überlieferung. Es ist nicht dumm, so zu denken, sondern klingt für mich auch noch plausibel. Ich habe die selbe Meinung wie mein Volk, bin aber nicht berechtigt meinem König zu wiedersprechen. Allerdings erzähle ich ihm auch nicht, was das Volk denkt und fühlt...

•1774

Viele Jahre waren nach Ludwig XIV. vergangen, nun kam ein neuer König an die Macht, Ludwig XVI.

Das Volk hoffte auf einen einsichteigen König, ich aber auch. Ich hatte so viele Schulden, ich wusste nicht, was ich noch machen sollte.

,,Bei allem Respekt eure Majestät, aber sie sollten nicht so viel mit dem Geld herum schmeißen.", sprach ich. ,,Ach Francis, ich schätze Sie wirklich sehr, immerhin kenne ich Sie mein Leben lang, aber ich sehe kein Problem darin Kriege zu führen und Feierlichkeiten zu veranstahlten.", antwortete mir mein König.

Ich seufzte und sah lächelnd zu Österreich. Dieser zog eine Augenbraue hoch, hatte er wohl noch nie erlebt, dass ein König die Meinung seines Landes so zurückweißt.

•1789

Mit einem starkem Schwächegefühl schritt ich die Gänge des Schlosses entlang. Wie schlimm müssen die Schulden denn geworden sein, wenn ich mich so krank fühle?

Mit starken Kopfschmerzen betrat ich den Essenssaal, in dem sich schon Ludwig XVI., seine Frau Marie Antoniette(?) und deren Kinder befanden. Ich lächelte den Kindern zu. Die eine Tochter Sophie Hèlène de Bourbon lief direkt auf mich zu und schloss mich in ihre Arme. Mit einem sanften Lächeln nahm ich sie auf meinen Arm. ,,Einen wunderschönen guten Morgen.", meinte ich und ging mit ihr auf dem Arm zum großen Tisch. Ludwig XVI. nickte mir nur kurz zu und Marie schenkte mir ein Lächeln.

,,Francis? Warum siehst du so krank aus?", fragte Ludwig XVII., der älteste Sohn, mich. ,,Ach, mir geht's bestens.", meinte ich, setzte Sophie wieder an ihren Platz und nahm selbst Platz. Marie musterte mich. ,,So viele Schulden werden immer mehr und eine Hungersnot ist im Volk ausgebrochen.", erklärte sie mir leise.

Merde...

•05. Mai 1789

,,Francis, ich überlegte, die Generalstände einzuberufen.", meinte Ludwig XVI. zu mir. Ich lächelte.

Endlich eine vernünftige Entscheidung!

,,Das ist eine wunderbare Idee. Was möchtet Ihr denn zusammen mit den Generalständen beschließen?", fragte ich ihn. ,,Ich brauche neue Steuern. Die möchte ich zusammen mit den Generalständen beschließen.", erklärte mir der König freudig.

Und zu früh gefreut...

---

Am 15. Mai waren alle Vertreter der drei Stände in Versailles angekommen.

-300 Abgeordnete des ersten Standes (120 000 Geistliche)

-300 Abgeordnete des zweiten Standes (350 000 Adlige)

-600 Abgeordnete des dritten Standes (24 Millionen Bürger und Bauern)

Mein Bauchgefühl sagte mir, dass es nicht gut weiter gehen wird....

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,,Wir haben uns hier versammelt, um neue Steuern zu beschließen!", rief der König und sah in die Versammlung. Ich verschränkte meine Arme hinter meinem Rücken und seufzte. Nein, dass würde nicht gut gehen, ich spürte es.

,,Sie alle sollen sich getrennt über die neuen Steuern beraten und abstimmen, jeder Stand besitzt eine Stimme.", sprach der König, nachdem er lange Zeit über die neuen Steuern gesprochen hatte.

,,Aber eure Majestät, wieso können wir nicht nach Köpfen wählen?", traute sich einer aus dem dritten Stand zu fragen. ,,Ja, wieso...", murmelte ich.

Ich wusste, dass der erste und zweite Stand den Steuern zustimmen werden, da es sie sowieso nicht betreffen würde, aber noch mehr Steuern könnte das Volk nie und nimmer tragen. Ich habe die Beschwerdebriefe gelesen und mein ganzes Herz hatte sich vor Schmerz verkrampft.

,,Da es so schon immer war, dass jeder Stand eine Stimme besitzt.", antwortete Ludwig XVI. ruhig. Ich seufzte, aber er hatte recht. So war es schon immer.. auch wenn man das von meiner Seite aus ruhig ändern könne.

Der erste und zweite Stand stimmte dem König zu.

•Juni 1789

Geistlicher Emmanuel Joseph Graf Sieyes, 17. Juni 1789:

... Wir sind die Vertreter von 24 Millionen Franzosen. Wir sind die einzigen und wahren Vertreter des französischen Volkes. Deshalb geben wir unserer Versammlung den Namen ,,Nationalversammlung". Wir werden Frankreich eine Verfassung geben, die allen Franzosen die gleichen Rechte garantiert. ...

---

Ich lächelte, als der Beamte dem König erklärte, die ,,Nationalversammlung" hätte gesagt:,,Die versammelte Nation empfängt keine Befehle."

Ich war wirklich gespannt, wie sich das alles noch entwickelte...

•14. Juli. 1789

Ich wurde nervös, wütend und schreckhaft, wusste aber nicht wieso. ,,Eure Majestät, habt Ihr irgendetwas hinter meinem Rücken beschlossen?", fragte ich schließlich nach. ,,Nur Truppen aus 20 000 Mann um Paris zusammengezogen. Ich hab ein ungutes Gefühl bei diesen Leuten.", erwiederte der König ruhig.

Ich schluckte. ,,Sie sollten die Truppen besser wieder zurückziehen.", meinte ich besorgt. Österreich, welcher mit seinem Kaiser zu besuch war, stimmte mir leise zu. Doch der König tat mal wieder nicht das, was ich ihm riet.

Nur zwei Tage später fühlte ich mich, als würde man mich hunderte Mal erschissen und auch das Nutzen meiner linken Hand fiel deutlich schmerzhafter aus.

Am Nachmittag, ich befand mich mit Österreich, Marie, dem Kaiser und Ludwig XVI. in einem der vielen Aufenthaltsräume mit einem Glas Weißwein in der Hand, als der Herrzog des Königs hereinkam und sich verneigte. ,,Eure Majestät, bitte entschuldigen Sie die Störung, aber die Pariser Bevölkerung hat die Bastille erobert und den Kommandanten hingeichtet.", erklärte er dem König.

Mir wäre beinahe das Weinglas aus der Hand gefallen und ich musste schnell ein paar Schlucke nehmen, um meine Nerven zu beruhigen. ,,Das ist ja eine Revolte!", meinte Ludwig XVI. empört. ,,Nein, Majestät", erwiederte der Herrzog, ,,das ist eine Revulotion."

,,Lasst die Truppen abziehen.", erwiederte der König nach kurzem Zögern. Der Herrzog nickte und verließ den Raum mit schnellem Schritt wieder.

•17. Juli 1789

Die Kutsche hielt vor dem Pariser Rathaus und der Kutscher ließ mich und meinen König aussteigen. Ich nickte ihm lächelnd zu und schritt neben Ludwig XVI. ins Rathaus. Dort warteten schon die Revolutionäre. Der König grüßte sie höflich und auch ich begrüßte mein Volk respektvoll.

,,Nun, als Zeichen des ewigen Bundes zwischen dem Volk und mir, werden ich nun dieses Abzeichen tragen.", verkündete Ludwig XVI. und machte sich das Abzeichen der Revolutionäre an die teure Kleidung. Auch ich trug eins, nah am Herzen.

Mit einem strahlendem Lächeln sah ich zu dem Abzeichen auf meiner Brust. Es gefiel mir wirklich gut. Konnte ich die Farbenkombie blau-weiß-rot zu meiner neuen Flagge machen? Das musste ich mal mit dem König absprechen.

,,Das Abzeichen sieht gut aus, oder?", sprach mich ein junger Mann neben mir an. ,,Wirklich schön, ja.", erwiederte ich lächelnd. Der ältere Mann neben ihm lächelte wissend, als wisse er genau, wer ich bin.

•Ende Juli/Anfang August 1789

Die Bauern stürmten nun die Schlösser ihrer Grundherren.

Ein Graf 1789 zur Nationalversammlung:

... Am 29. Juli 1789 tauchten ein Haufen fremder Straßenräuber zusammen mit den mir unterstellten Bauern in meinem Schloss auf. Es waren fast 200 Mann. Sie brachen die Schlösser der Schränke auf, in denen die Urkunden aufbewart wurden, in denen meine Rechte und ihre Pflichten verzeichnet sind, nahmen sie mit und verbrannten sie im Walde neben meinem Schloss. ... Ich rufe Ihre Klugheit an, damit von der Nationalversammlung irgendein Mittel ausfindig gemacht wird, mir meinen Verlust zu ersetzen. ...

---

Nun gelten vier neue Beschlüsse, die gar nicht so schlecht sind und ihren Zweck, die Bauern zu beruhigen, erfüllte.

-Die Leibeigenschaft und die Fronarbeit sollte abgeschafft werden,

-die Grundherren sollten nicht mehr Richter sein,

-der Zehnte sollte duch eine einmalige Geldzahlung abgelöst werden,

-alle Bürger sollten zu allen Ämtern in Staat und Heer zugelassen werden.

•Ende August-Anfang Oktober 1789

Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, 26. August 1789:

... 1. Die Meschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es. ...

2. Der Zweck jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unantastbaren Menschenrechte. Diese sind das Recht auf Freiheit, das Recht auf Eigentum, das Recht auf Sicherheit und das Recht auf Wiederstand gegen Unterdrückung.

3. Der Ursprung jeder Souveränität liegt ihrem Wesen nach beim Volk. Keine Körperschaft, kein Einzelner kann eine Gewalt ausüben, die nicht ausdrücklich von ihm ausgeht.

4. Die Freiheit besteht darin, alles tun zu dürfen, was einem anderem nicht schadet. ...

5. ... Da alle Bürger vor ihm (dem Gesetz) gleich sind, sind sie alle ... zu allen öffentlichen Würden, Ämtern und Stellungen zugelassen.

10. Niemand soll wegen seiner Anschauungen, selbst religiöser Art, belangt werden, solange deren Äußerung nicht die durch das Gesetz begründete Ordnung stößt.

11. Die freie Äußerung von Meinung ist eines der kostbarsten Menschenrechte. ...


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Ein strahlendes Lächeln legte sich auf meine Lippen. ,,Das gefällt mir! Es bringt Fairness.", meinte ich freudig, nahm eine Feder, tunkte sie in die Tinte und setzte sauber meine Unterschrift unter die Menschenrechte.

Francis Bonnefoy

Ein freudiges Jubeln ging durch die Nationalversammlung. ,,Jetzt muss nur noch der König unterschreiben.", meinte Marquis de Lafayette, ein Revolutionär. Außerdem war er im Jahre 1777 mit mir zusammen nach Amerika gefahren, um Alfred bei seinem Unabhänigkeitskrieg zu unterstützen.

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,,Nie werde ich einwilligen, meine Geistlichen und meinen Adel zu berauben.", sprach Ludwig XVI. abschätzend und betrachtete die Menschenrechte in seinen Händen. ,,Und wie konntet Ihr nur unterschreiben, Francis?"

,,Ich halte sie für fair.. so oft sind Unschuldige in der Vergangenheit hingerichtete worden und ich kann nicht mehr zusehen.", erwiederte ich ruhig. ,,Ich bleibe bei nein.", erwiederte mein König nur.

Einen Tag später betrat ich das Pariser Rathaus erneut. ,,Und?", fragte Lafayette mich. ,,Er meinte, er würde niemals einwilligen, seinen Adel und seine Geistlichen zu berauben.", seufzte ich. Entsetzt sahen sich die Versammelten an. ,,Und du hast nichts gesagt?", fragte Lafayette mich. ,,Ich meine, du bist Frankreich!" Ich sah ihm direkt in die Augen.

,,Ich habe aber nicht das Recht, mich dem König zu wiedersetzen. Das hab ich vor ein paar Jahrhunderten, während des Jahrhundertkrieges gegen England auf schmerzvolle Weise lernen müssen.", erwiederte ich mit ruhiger Stimme, obwohl sich mein Herz schmerzvoll zusammenzog bei der Erinnerung an das Feuer, an den Schmerz in ihren Augen, an die Tränen und an das Geschrei meines damaligen Königs, dass sowas eben passieren würde, wenn man gegen das erstgesprochene Wort des Königs appelierte.

Neugierig musterte mich Lafayette, fragte aber nicht nach, wofür ich ihm unendlich dankbar war, denn das letzte was ich wollte, war über ihren Tod zu reden.

,,Wir Frauen holen ihn nach Paris, dann muss er die Menschen- und Bürgerrechte unterschreiben!", rief eine Frau in der Masse und sofort stimmten viele zu. Anfang Oktober machten sie sich schließlich auf nach Versailles und trafen am Abend des darauffolgendem Tag wieder hier an. ,,Wir bringen den Bäcker, die Bäckerin und den Bäckerjungen!", riefen sie.  

Nun unterschrieb Ludwig XVI. die Rechte tatsächlich.

Meinen größten Respekt an die Frauen meiner Hauptstadt.

•1791

Die Verfassung, 1791:

-Wahlberechtigt waren alle Männer ab 25 Jahre, die Steuern im Wert von mindestens drei Arbeitstagen leisteten (Zensuswahlrecht).

-Die gesetzgebende Gewalt lag allein bei der Nationalversammlung.

-Die ausführende Gewalt, die Exekutive, lag beim König.

-Die Richter sollten völlig unabhängig sein.


---

Ich blätterte durch die Pariser Zeitung, mittlerweile verbrachte ich mehr Zeit mit den Revolutionären als mit meinem König, wodurch ich einfach mit einem Glas Wein im Rathaus saß und die Tatsache genoss, nicht nur für ein kurzes Meeting in Paris zu sein und durch die Zeitung blätterte.

Da sprang mir ein Artiker zu der neuen Verfassung ins Auge.

>... Aber was meint ihr eigentlich mit dme so oft gebrauchtem Wort ,,Aktivbürger"? Die aktiven Bürger, dass sind die Eroberer der Bastille, das sind die, welche den Acker bestellen, während die Nichtstuer im Klerus und bei Hofe trotz ihrer Riesenbesitzungen nichts weiter sind als kümmerliche Pflanzen. ...<

Ich nahm einen Schluck meines Weines. Ja, an den Sturm auf die Bastille erinnerte ich mich. Ich hatte mit jedem Totem mitgefühlt, mir wurde wieder mal klar gemacht, wie sehr ich an mein Volk gebunden war.

•20. Juni 1791

Die Nationalversammlung wurde mittlerweile von den Jacobinern geführt. Das war ein politischer Club, dessen Mitglieder sich im Kloster St. Jacob trafen. Einer der führenden, Maximilien Robesdpierre, saß dort vorne zusammen mit Layatte und sprach mit diesem. Ich blätterte in aller Ruhe durch die Pariser Zeitung und trank nebenher meinen Weißwein, natürlich war dieser französischer Art.

Schließlich stürmte einer der Diener meines Königs in das Rathaus direkt auf mich zu. ,,Mosour(?) Bonnefoy!", rief er. Ich sah von meiner Zeitung auf und hob eine Augenbraue. ,,Was gibt es?", fragte ich ruhig. Auch die Aufmerksamkeit von Layatte und Robespierre lag auf dem Diener. ,,Der König ist verschwunden! Mit der gesamten Familie! Auch eine der Kutschen und zwei Pferde fehlen.", erklärte er außer sich vor Entsetzen. Ich spuckte den Schluck Wein wieder ins Glas. ,,D-der König ist geflohen?", fragte ich fassungslos nach. ,,Ja..", meinte der junge Mann vorsichtig, meine Reaktion abartend.

Wie konnte dieser Feigling mich so verraten?!

Ich legte die Zeitung ab, stellte das Glas ordentlich hin und meinte:,,Ich geh ein bisschen durch Paris." Überrascht nickte der Diener des Königs. ,,Wie konnte dieser Feigling mich so verraten?", murmelte ich wütend, während ich aus dem Raum schritt.

---

Ein paar Wochen später, stand Ludwig wieder vor dem Pariser Schloss. Nur keiner empfing ihn mit Freude, so auch ich nicht. Ich stand mit verschränkten Armen neben Robespierre und sah den König mit entäuschtem und verhasstem Blick an. ,,Francis, Sie kennen mich mein Leben lang! Ich hab das für Sie getan!", meinte Ludwig, mir dabei in die Augen sehend. Ich schnaubte. ,,Für mich?! Ihr habt mich verraten!", meinte ich sauer. ,,So einen König brauche ich nicht!",,Mosour Francis, bei allem Respekt, Ihr werdet Probleme mit den anderen Nationen bekommen.", meinte Marie.

,,Das könnte mir nicht egaler sein. Es wäre nicht der erste Krieg den ich führe.", erwiederte ich kühl, dabei an so viele Kriege zurückgendend, dass ich schon aufgehört hatte sie zu zählen.

•Sommer/Dezember 1792-21.Januar 1793

,,Francis, Preußen und Österreich greifen an.", wurde ich von Robespierre benachrichtigt. Ich nickte leicht. ,,Dann auf zur Grenze.", meinte ich, steckte ein paar Waffen ein und ritt mit einem Heer Soldaten zur Grenze.

,,Gilbert!", rief ich wütend. ,,Was willst du denn?"

,,Stopp diese Revolution! Gott wird dich dafür bestrafen! Kehre zur Monarchie zurück!", rief dieser mir zu. Ich stieg von meinem Pferd, ging auf ihn zu und blieb etwa drei Meter von meinem eigentlich bestem Freund stehen. ,,Nein, diese Revolution ist das Beste, was mir hätte passieren können! Die alte Monarchie bringt mir nur Probleme.", erwiederte ich. ,,Zieh deine Streitkräfte zurück!"

---

Nur kurz darauf wurde der König für abgesetzt erklärt und ich kehrte zurück nach Paris. Denn sie wollten sich über das Schicksal des Königs beraten.

Robespierre sagte:,,... Was mich angeht, so verabscheue ich die Todesstrafe, und für Ludwig habe ich weder Hass noch Liebe, nur seine Missetaten verabscheue ich. Aber ein König dessen Name allein schon für unsere Nation den Krieg bedeutet, stellt für das öffentliche Wohl eine Gefahr dar. Mit Schmerz spreche ich die verhängnissvolle Wahrheit aus: Es ist besser, dass Ludwig stirbt, als dass 100 000 tugendhafte Bürger umkommen: Ludwig muss sterben, weil das Vaterland leben muss. ..."

Die Rede klang verlockend und stimmte viele nachdenklich, so auch mich.

Am 17 Januar entscheidet die Nationalversammlung, die sich nun Nationalkonvent nennt, mit 387 zu 334 Stimmen, dass Ludwig sterben muss. Nur vier Tage später wird er hingerichtet. Ich stand in der wütenden Menge, die Ludwig beschimpften, spürte eine böse Vorahnung, verdrängte diese allerdings und ließ zu, dass mein König enthauptet wurde.

•1793

Nun, da der König tot war, litt ich Not. Ständig gab es Hungersnöte, Preußen, Österreich und England belagerten mit Truppen meine Grenzen und die Unzufreidenheit steigt. Als ich mich schließlich übergeben musste, und Layatte kurz darauf festgestellt hatte, dass sich mein ganzer Rücken aufgerissen hat, haben sie mich schließlich zur Bettruhe gezwungen.

,,Aber wieso hat sich dein Rücken aufgerissen?", fragte Layatte mich, als er die Verbände wechselte. ,,Wahrscheinlich durch die Hinrichtung Ludwigs. Das wird eine Narbe geben, oder?", fragte ich. ,,Ja, es wird ganz sicher eine Narbe geben.", antwortete er ruhig. ,,Kann ich dann wieder aus der Bettruhe entlassen werden. Es geht schon wieder besser.", meinte ich. ,,Du hast gestern Blut gehustet, also nein.", meinte Layatte ruhig. Ich seufzte.

,,Was ist denn überhaupt los?", fragte ich schließlich. ,,Die Jacobiner haben die Macht an sich gerissen und Robespierre lässt jeden durch die Guillotine hinrichten, der nicht mit ganzem Herzen für die Revolution ist. Aber Preußen und Österreich haben sich zurückgezogen.", erklärte mir Layatte ruhig. Ich vergrub mein Gesicht in den Händen.

Was war mit den Menschen- und Bürgerrechten?

•1794

Nach einem Jahr konnten endlich alle Gegner der französischen Revolution getötet werden und Robespierre musste niemanden mehr hinrichten lassen. Ein Glück.

Layatte hatte sich die ganze Zeit, trotz seiner politischen Aufgaben um mich gekümmert, wofür ich wirklich dankbar war.

Preußen war gerade mit Klein-Deutschland Ludwig zu besuch, weshalb ich dem Kleinen Paris zeigte. ,,Und das ist-. Ludwig?" Wo war das Kind hin? Ich sah mich auf dem Pariser Concorde Platz um und bekam fast einen Herzinfakt, als ich das Kind bei der Guillotine sah. Schnellen Schrittes ging ich auf Ludwig zu und nahm ihm hoch. ,,Mensch, du kannst doch nicht einfach so verschwieden!", schimpfte ich leise. ,,Tut mir leid, aber Francis?", meinte der Kleine und sah mich mit großen blauen Augen an, dass ich einfach nicht böse sein konnte.

,,Ja, Ludwig?", fragte ich ihn. ,,Was ist das?", fragte er und zeigte auf die Guillotine. Ich schluckte. Was sollte ich denn jetzt antworten? ,,Ähm.., das ist nichts für Kinder. Ich erkläre es dir, sobald du etwas älter bist, ja?", meinte ich schließlich ausweichend. ,,Geht klar.", sagte der Kleine und zusammen gingen wir los zurück zum Rathaus und zurück zu Ludwigs großem Bruder. ,,Gil, Paris ist voll schön! Können wir öfter herkommen? Ich hab voll viel Unbekanntes gesehen!", rief Ludwig und sprang seinem Bruder freudig in die Arme. ,,Ähm, klar.", antwortete dieser überfordert. ,,Wenn es für Francis kein Problem darstellt.",,Natürlich nicht.", lächelte ich. Auch Layatte konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. ,,Ja!", schrie das Kind fröhlich.

,,Francis, Robespierre wird zusammen mit seinen 21 Anhängern hingerichtet. Sie sollen die letzten Opfer der Guillotine werden. Damit wäre die Schreckensherrschaft vorbei.", meinte Layatte zu mir. Ich nickte. ,,Ein Glück."

,,Wie soll ich dich jetzt rufen, Francis?", spaßte Gilbert. ,,Die Republik Frankreich oder französische Republik.", sagte ich mit einem stolzen Lächeln und sah zu der blau-weiß-roten Flagge oben am Fahnenmast hinauf.

Ja, ich war stolz auf diese Revolution.

Jean, bist du auch stolz auf mich?
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