Play the guitar, my love

OneshotRomanze / P16 Slash
Kasamatsu Yukio Kise Ryōta
07.07.2020
07.07.2020
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Geneigter Leser!
Vielen Dank, dass Du Dich für diese Geschichte entschieden hast. Möge sie Dich unterhalten und zu Fanfictions, Fan-Arts und Tagträumen inspirieren.
Ich begrüße besonders herzlich all jene Leser, denen meine anderen Geschichten bereits gefallen haben. Vielen Dank für den regen Zuspruch!
Natürlich seien auch alle Neueinsteiger aufs Herzlichste begrüßt!

Hinweis:
Die auftretenden Charaktere gehören nicht mir, sondern Fujimaki Tadatoshi, ich habe sie mir nur ausgeliehen und für meine Zwecke missbraucht. Ich verdiene mit dieser Fanfiction kein Geld.
Ähnlichkeiten zu sonstigen realen sowie fiktiven Personen oder Vorkommnissen sind zufällig. Das Kopieren und Verbreiten dieser Fanfiction ohne Genehmigung des Autors ist untersagt.
Es handelt sich bei dieser Geschichte um reine Fantasie, deshalb sind einige Fakten aus dem Original abgeändert worden. Die Namen der auftretenden Charaktere richten sich nach der japanischen Reihenfolge, beginnend mit dem Familiennamen und gefolgt vom Eigennamen. Teile der Geschichte können auf Anfrage gern weiter verwendet werden.

Meine Anime-Empfehlung:
Ich möchte den Anime „Gakuen Heaven“ empfehlen. Einzuordnen in das Genre Shounen Ai und Harem handelt dieser Anime auf Grundlage des gleichnamigen Games von Itou Keita, der überraschend an einer Elite-Schule aufgenommen wird und sich in das soziale Gefüge der Schüler einzuordnen versucht.
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Wer sich für die teils romantischen Verwicklungen eines Jungen-Harem interessiert und sich für eine differenzierte Version von Chibi-Charakteren begeistern kann, ist bei „Gakuen Heaven“ genau richtig.



Play the guitar, my love


Kaijou High hatte mal wieder ein Spiel verloren. Kasamatsu wusste nicht, wie lange er es noch aushielt, gegen Touou Gakuen zu verlieren, ohne durchzudrehen. Zur Krönung seiner Laune hatte Kise seine Fangirls eingeladen und schäkerte nun mit ihnen vor dem Stadion. Das Kreischen war unerträglich… Am liebsten hätte Kasamatsu sich die Ohren zugehalten. Mit Mädchen konnte er nicht reden, da war er gehemmt. Diesmal hatte es aber noch andere Gründe.
Moriyama flirtete mit vier Mädchen gleichzeitig, die offenbar erfolgreich Kises Strahlen widerstanden. Sie alle grinsten wie irre – und dann beugte Moriyama sich vor und küsste einem der Mädchen die Hand. Das Gequietsche war bei Weitem nicht so tödlich wie der Stich in Kasamatsus Brust. Er konnte kaum atmen…
„Hoi, Moriyama-senpai, das hab ich genau gesehen!“, schrie Kise aufgebracht.
Die anderen lachten nur. Kasamatsu hingegen wollte so schnell wie möglich das Thema und den Ort wechseln. Vielleicht verloren sie die Mädchen auf dem Weg…
„Gehen wir was essen?“, schlug der Kapitän vor und wedelte mit ein paar Yen-Scheinen. „Die Rechnung geht auf mich und meine Tante, die mal wieder meinen Geburtstag vergessen hat.“
Natürlich schlossen sich da sofort alle an.
Das kleine Restaurant, in dem Kise und Kasamatsu vor rund einem Jahr schon einmal gegessen hatten und rein zufällig auf Midorima, Takao und das Team von der Seirin High gestoßen waren, platzte fast aus allen Nähten, denn nach dem Spiel waren wohl nicht nur die Spieler mit knurrendem Magen gesegnet. Trotzdem fand sich ein Tisch für elf Leute und sie verteilten sich darum herum. Bei ihnen ging es sehr laut und fröhlich zu, aber das störte niemanden.
Kasamatsu war irgendwie nicht ganz der Alte, jedenfalls schwieg er die meiste Zeit, sparte jedoch nicht mit vorwurfsvollen Blicken Richtung Kise, der sich fast ausschließlich mit seinen Fans unterhielt, die sie nicht hatten abschütteln können. Oder vielmehr hatte Kise es sicher darauf angelegt, sie mitzuschleifen.
„Kapitän, ist alles in Ordnung?“, fragte Moriyama leise, als ungefähr zwei Drittel der Meute sich über die Speisekarte beugte, um sich einen Nachschlag auszusuchen.
Kasamatsu zuckte wie ertappt zusammen und vergaß völlig, dass er seine Stäbchen im Mund hatte.
„Gnaghnnnh... Äh, ich meine, nein, oder ja, also es ist nichts“, stammelte er und lief feuerrot an, während er seine Stäbchen ablegte.
Moriyama lächelte ihn flüchtig an und drehte den Kopf in die andere Richtung, denn die Mädchen langweilten sich und wollten sich unterhalten.
Es war NICHT alles in Ordnung, aber das konnte Moriyama natürlich nicht wissen. Zuallererst ging es Kasamatsu mächtig gegen den Strich, dass Moriyama sich so gut mit den Mädchen verstand, die ihnen wie treue Hunde hinterhergedackelt waren. Zweitens: Nicht genug damit, dass Moriyama Kise in der Schule dauernd darum anflehte, ihm Mädchen vorzustellen, nein, er musste sie auch noch (auf die Hand) KÜSSEN! Was ging hier bloß vor? Was lief da zwischen den beiden für ein merkwürdiger Handel ab? Das interessierte Kasamatsu mächtig.
Doch noch viel schlimmer fand er es, dass Moriyama mit diesem flüchtigen (Hand-) Kuss irgendetwas bei Kise zu provozieren versuchte – wie es schien. Stand er etwa auf ihn? Dabei redete Moriyama ständig davon, dass er sich ausschließlich um all die hübschen Mädchen dieser Welt kümmerte, dass er einzig und allein für sie spielte, meistens für eins, das er gerade im Auge hatte... Kasamatsu hatte das schon immer gehasst. Dass Moriyama nie für das Team, sondern immer nur für seine derzeitige „Freundin“ oder eher Schwärmerei spielte. Macho? Vielleicht, aber so wie Kasamatsu ihn kennengelernt hatte, war Moriyama eher nicht der Draufgänger-Typ, sondern vorsichtig und zuvorkommend. Und er hatte nicht immer solche Sprüche gebracht. Wann hatte es angefangen? Hm, wenn Kasamatsu sich richtig erinnerte, dann hatte das alles begonnen, als Kise zu ihnen in die Mannschaft gekommen war.
Kise Ryouta, so ein arrogantes Früchtchen! Den musste Kasamatsu am ersten Tag der Clubneulinge erstmal gehörig zurechtstutzen, damit er seinen Platz als Kohai kapierte! Kise sah die Hierarchiestruktur recht schnell ein und betitelte seit Kasamatsus beeindruckender Ansprache alle älteren Schüler grundsätzlich nur noch mit „Senpai“. Es schien ganz so, als machte es ihm Spaß. Vielleicht lag es aber auch in Kises Natur, sich überall beliebt machen zu wollen, obwohl er das längst war. Sein Ruf als Basketballspieler und Model eilte ihm weit voraus...
Moriyama hatte der Zurechtstutz-Szene damals beigewohnt, aber ob er Kise irgendwie besonders angesehen oder behandelt hatte, daran konnte Kasamatsu sich nicht erinnern, denn er war in dem Moment viel zu sehr mit dem Ärger über Kise beschäftigt gewesen.
Danach musste es gewesen sein. Kise hatte eine Date-Runde veranstaltet und Moriyama und ein paar andere aus dem Basketballclub mitgeschleift und Moriyama war begeistert davon gewesen. Immer wieder, wenn er nicht von allein eine neue Schwärmerei fand, bat er Kise darum, ihm Mädchen vorzustellen. Hübsche Mädchen, selbstverständlich. So auch jetzt, als die Mädchen geschlossen aufs Klo watschelten.
„Kise, du musst mir unbedingt wieder ein paar Mädchen vorstellen. Aber wehe, du tauchst bei den Treffen auch mit auf! Ich möchte schließlich mal eine abHABEN und nicht ständig nur abGEBEN“, verlangte Moriyama.
Gegenüber einem Senpai konnte ein Kohai schlecht ungehorsam sein.
„Von mir aus“, sagte Kise desinteressiert. „Wie viele?“
„Hm...“, Moriyama legte nachdenklich seinen Zeigefinger ans Kinn. „Zwei. Der Kapitän wird mich begleiten.“
Kasamatsu fielen erst die Stäbchen aus der Hand, dann verschluckte er sich unglücklich und hustete heftig. Reihum schlugen ihm seine Sitznachbarn auf den Rücken, bis er endlich genug Luft bekam, um sie anzufauchen, dass sie das gefälligst sein lassen sollten! Super, er durfte sich darüber freuen, mal wieder den ganzen Tisch unterhalten zu haben mit seiner Einlage. Wütend, verärgert und gleichzeitig beschämt wackelten seine Augen verdächtig, aber das fiel dem giggelnden Haufen überhaupt nicht auf.
„Gute Idee“, meinte Kise und nickte. „Wird langsam mal Zeit für Kasamatsu-senpai.“
Kise, dieser…! Wofür hielt der sich eigentlich?!
„Wieso soll ich da mit hingehen?“, wetterte Kasamatsu gegen Kise quer über den Tisch. „Lasst mich da gefälligst raus! Ich brauche kein Mädchen.“
Wieder lachte die Mannschaft beherzt auf unter so sinnlosen Mitteilungen wie „Jeder Mann braucht irgendwann eine Frau“ und „Hach, hast du denn gar keinen Druck? Du bist echt zu beneiden, Kapitän...“. Sehr witzig. Ging es denen vielleicht zu gut, dass sie jetzt auch noch sein Liebes- und Sexleben in aller Öffentlichkeit breittreten mussten? Rauchend vor Zorn schwor Kasamatsu, die Jungs am Montag Runden laufen zu lassen, bis sie auf dem Zahnfleisch daherkrochen!

Kise war schnell und organisierte für den nächsten Freitagabend ein Date mit zwei hübschen Mädchen in Moriyamas und Kasamatsus Alter in einer lauschigen Bar. Kasamatsu sträubte sich mit allen Mitteln dagegen, dieser Date-Runde beizuwohnen, da er es schlicht für einen Scherz und schließlich für unmöglich hielt. Mit Mädchen konnte er noch nie gut umgehen. Wenn er schwieg, konnte er nichts Dummes sagen, allerdings gesellte sich ab und an eine schrecklich peinliche Gesichtsröte dazu und aus war es mit den Mädchen. So war es schon im Kindergarten und in der Grundschule gewesen und das hatte sich in der Oberschule nicht gebessert. Vielleicht waren seine Mittelschultage auf der reinen Jungenschule dafür verantwortlich, aber eigentlich war es Kasamatsu ziemlich egal, was das weibliche Geschlecht von ihm dachte oder wollte oder auch nicht.
Doch es ärgerte ihn, dass das Thema Frauen andere Mannschaftsmitglieder zunehmend beschäftigte. Zum Beispiel Moriyama, der die ganze Woche, seit er vom Date wusste, darüber sinnierte, was er anziehen sollte. Kasamatsu konnte es einfach nicht nachvollziehen, weshalb er sich so viele Gedanken darüber machte. Die Richtige kam schon noch irgendwann... Man musste es doch nicht überstürzen!
Schlussendlich war Kasamatsu dazu gezwungen, Moriyama zu begleiten – wie vereinbart, denn sein Klassenkamerad holte ihn direkt von zu Hause ab. Den ganzen Weg über, selbst in der Bahn und vor der Bar, wo sie auf die Mädchen warteten, kam Kasamatsu kein einziges Wort über die Lippen, obwohl Moriyama ihn tausend Dinge fragte. Es war, als knebelte allein der Gedanke, gleich einem Wesen des anderen Geschlechts gegenüber zu stehen, Kasamatsus Denken, von seinem Körper mal ganz zu schweigen. Moriyama kommentierte seinen Zustand mit „verkrampft“ und er sollte sich doch nicht so anstellen, schließlich wären die von Kise handverlesenen Mädchen allererste Sahneschnitten! Das konnte Kasamatsu nicht weniger interessieren; wenn er „Sahneschnitte“ hörte, wurde ihm speiübel. Klar, das war nicht mehr normal, aber er konnte nichts dagegen tun. In normalem Zustand hätte er wohl auch bemerkt, wie besorgt und unwohl Moriyama aus der Wäsche schaute.
Moriyama sah unglaublich gut aus. Das fanden nicht nur die vielen Leute auf der Straße, die an den beiden wartenden Jungs vorbeimarschierten, sondern auch die beiden Mädchen, die schließlich sehr pünktlich aufkreuzten und sofort ihre Blicke wandern ließen. Sie betraten das Etablissement, wobei Moriyama sich wie ein vollendeter Gentleman benahm und Kasamatsu wie ein kaputter Roboter.
Während der Kapitän die ganze Zeit über zitternd und schweigend am Tisch saß, stürzten sich die Mädchen entgegen aller möglicher vorheriger Absprachen in den Kampf um Moriyamas Aufmerksamkeit. Er verhielt sich wie ein echter Profi und schien gut damit klarzukommen, gleich zwei Frauen um den Finger zu wickeln. Dafür musste er aber wirklich nicht viel tun.
Nachdem klar war, dass von Kasamatsu nichts mehr zu erwarten war, und dieser sich allmählich entspannte, weil die Gefahr halbwegs gebannt zu sein schien, widmeten sich die Mädchen mehr denn je seinem hübschen Teamkollegen und zogen alle Karten dabei, um ihn für sich zu gewinnen. Das bot Kasamatsu die Gelegenheit, selbst einen Blick zu riskieren, und was er sah, gefiel ihm mehr, als er zugeben wollte. Diese aufrechte Sitzhaltung, die eleganten Handbewegungen, diese funkelnden Augen und die schimmernden Lippen... Moment! Wo schaute er da denn hin? Ertappt wandte Kasamatsu den Kopf in die andere Richtung. Diese Bewegung sorgte für ein kurzes Innehalten bei dem Dreiergrüppchen.
„Äh... Wir gehen mal eben in den Waschraum“, sagten die beiden Mädchen und schwirrten ab.
Moriyama lächelte und wandte sich dann seinem Kapitän zu.
„Sumimasen, Kapitän. Wie es scheint, war es keine gute Idee, dich mit hierher zu nehmen. Tut mir wirklich leid“, sagte Moriyama ziemlich nah an Kasamatsus Ohr, das augenblicklich Feuer fing und rot wurde.
„Sch-schon gut, nicht deine Schuld“, stieß Kasamatsu gepresst hervor und mied immer noch Moriyamas Blick.
Wenn der ihn weiterhin so anstarrte, machte er sich noch mehr zum Trottel...
„Naja, irgendwie ist es schon meine Schuld“, fuhr Moriyama fort und bemühte sich, Blickkontakt herzustellen – erfolglos. „Ich wollte nur, dass du dich auch mal amüsierst.“
Urplötzlich sprang Kasamatsu auf. Wut pulsierte durch seine Adern, Wut und Verwirrung und… Angst, aber das würde er niemals zugeben!
„Ich amüsiere mich mehr als genug, dafür brauche ich keine Weiber, die außer Oberflächlichkeiten sowieso nichts im Sinn haben!“, schrie Kasamatsu gut hörbar durch die ganze Bar und zog damit einige neugierige Blicke auf sich.
Keuchend holte er Luft, dann raste er zur Tür hinaus, gerade als Moriyama im Begriff war, die Hand nach ihm auszustrecken und seinen Namen zu sagen. Stürmisch klingelnd schepperte die Tür hinter Kasamatsu zu.

*


Moriyama musste diesen fluchtartigen Abgang den beiden Mädchen erklären, die gerade wieder auf der Bildfläche auftauchten. Jetzt hatte er auch keine Lust mehr auf dieses Date. Er seufzte ungehört. Das war ja wohl mal wieder gründlich in die Hose gegangen – wie mit allem, was er unternommen hatte, um Kasamatsus Aufmerksamkeit zu erregen. Moriyama erinnerte sich noch ganz genau an seine erste Begegnung mit Kasamatsu, damals, als sie in derselben Klasse saßen, an derselben Oberschule. Göttlich hatte es um ihn herum gefunkelt und gestrahlt und offenbar war Moriyama der einzige gewesen, der es gesehen hatte. Wie wunderschön Kasamatsu in diesem Leuchten aussah, als er ins Klassenzimmer trat… Von Anfang an konnte Moriyama seine Gedanken lesen, die sich immer in kleinen Gesten und in seiner Mimik widerspiegelten. So winzig und unscheinbar seine Äußerungen waren: Moriyama sah sie alle ganz genau. Damals, am ersten Schultag an der Kaijou High, hatte Kasamatsu sich mit einem bangen Blick, gleichzeitig mit einer entschlossenen Miene im Klassenraum umgesehen auf der Suche nach einem Sitzplatz. Er hatte also Angst, war scheu und offensichtlich ein lieber Kerl, aber er schien sich auch etwas beweisen zu wollen. Das war das Bild, das Moriyama von ihm hatte. Deshalb ging er auf ihn zu. Deshalb und weil Kasamatsu so göttlich aussah.
„Hallo. Ich bin Moriyama Yoshitaka. Freut mich, dich kennenzulernen.“
Kasamatsu hatte ihn skeptisch angeschaut und Moriyama konnte in seinem Gesicht wie in einem Buch lesen: wie er Moriyama von unten bis oben abschätzte, versuchte, der freundlichen Miene versteckte böse Absichten anzudichten, und schließlich misstrauisch nickte. Hier musste wohl jemand langwierig überzeugt werden! Aber das machte Moriyama nichts aus, im Gegenteil. Es bedeutete für ihn, mehr Zeit mit Kasamatsu zu verbringen, und das war genau nach seinem Geschmack!
Mit der Zeit lernten sie sich immer besser kennen und Kasamatsu taute auf. Wie Moriyama erfuhr, hatte Kasamatsu eine Zeit lang eine Jungenschule besucht. Ob da etwas vorgefallen war? Jedenfalls stellte sich ziemlich schnell heraus, dass er mit Mädchen nicht umgehen konnte. Wenn sie ihn auch nur ansahen, verwandelte er sich in einen steinernen Wasserspeier mit Vibrationsfunktion. Im Vergleich dazu kam er mit den anderen Jungs nach anfänglichem, tiefem Misstrauen recht schnell gut klar. Moriyama wurde bewusst, dass er nicht der einzige war, der Kasamatsus edlen Charakter mochte.
Dann kam Kise Ryouta ins Team und brachte alles zum Einstürzen, was Moriyama bis dahin an Beziehung zu Kasamatsu aufgebaut hatte, denn Kise und Kasamatsu... Die schienen sich sehr zu mögen. Wieder war Moriyama nicht der einzige, dem diese besondere Beziehung der beiden auffiel. Es behagte ihm nicht und er wünschte sich, nicht so nutzlos zu sein. In diesem Moment, da Moriyama seine Chance auf etwas anderes als Klassenkameradschaft mit Kasamatsu schwinden sah, fasste er den Entschluss, Kasamatsu mit jemandem zu verkuppeln. Nicht nur zu Kasamatsus Wohl, sondern vor allem zu Moriyamas eigenem, obwohl er sich das auszureden versuchte. Er wollte damit erreichen, dass er Kasamatsu aufgab, wenn der sich erst in festen Händen befand. Was war er nur für ein Egoist!
Man musste Kise gar nicht großartig in irgendwelche absurden Pläne einweihen; für ihn schien es das oberste aller Ziele zu sein, Kasamatsu an ein hübsches Mädchen zu verschachern – quasi ein Freundschaftsdienst. Allerdings war es schwierig, den Kapitän zu einem der vielen Treffen mitzuschleifen. Wie verbissen sie es versucht hatten… Doch aufzugeben kam weder für Moriyama noch für Kise infrage, denn vielleicht wurde Kasamatsu irgendwann weich unter der konstanten Bearbeitung der größten Nervensägen aller Zeiten!
Der heutige Abend hatte Moriyama plötzlich verdeutlicht, dass Kasamatsu niemals eine Freundin haben würde. Genauso klar war ihm aber auch, dass er jetzt Kise alles zuspielen musste. Wenn die beiden sich so sehr mochten, aneinander hingen, vielleicht sogar liebten, dann... dann sollten sie doch.
Niedergeschlagen zückte Moriyama sein Handy und tippte für Kise eine Nachricht, die beschrieb, was vorgefallen war und dass das Model sich um Kasamatsu kümmern sollte. Anschließend wandte Moriyama sich wieder den zwei geschminkten Hühnern vor ihm zu; eine halbe Stunde verstreichen zu lassen und dann erst zu gehen gebot die Höflichkeit.

*


Verflixt! Jetzt hatte er nicht nur sich, sondern im höchsten Maße Moriyama blamiert und zwar mehr als damals, als der Kaijou-Basketballclub die Inter-High verloren hatte dank Kasamatsus Schusseligkeit. Das machte ihm immer noch zu schaffen, fast genauso sehr wie sein völlig verqueres Verhältnis zu seinem Klassenkameraden. Er hatte Moriyama nun allein zurückgelassen bei diesen Hyänen von Mädchen, die ohne Aufsicht sicherlich gierig über ihn herfielen... Erzürnt ballte Kasamatsu beim Rennen seine Hände zu Fäusten. Doch umdrehen kam für ihn nicht infrage, dazu war er nicht mutig genug. Warum konnte er im „echten“ Leben nicht genauso mutig und beherzt für einen Treffer kämpfen wie auf dem Basketballfeld? Vor allem weil er nicht wusste, wofür er da eigentlich kämpfen sollte. In jedem Fall endete die Geschichte wohl noch peinlicher als jetzt. Morgen würde er sich bei Moriyama aufrichtig entschuldigen und ihn gegebenenfalls – falls dieser seinen Kapitän jemals wieder bei einem solchen Date dabei haben wollte, was Kasamatsu stark bezweifelte – daran erinnern, was für ein nutzloser Schwachkopf er, Kasamatsu, war.
Er hastete die dunklen Straßen entlang und war froh darüber, dass er so weit laufen musste bis zum nächsten Bahnhof, das beruhigte ihn. Was ihn aber noch viel mehr beruhigte, das wartete zu Hause in seinem Zimmer auf ihn: seine Gitarre. Musik war sein großes Hobby und er klimperte immer gern auf dem Instrument herum, meistens dann, wenn er nervös oder schlecht gelaunt war. Hier steckte all die Erlösung, die er brauchte, um mal richtig zu entspannen, denn so richtig zeigen, wer er wirklich war, konnte er aufgrund des Erwartungsdrucks als Teamkapitän und erfolgreicher Bald-Abiturient kaum.
Er feuerte den Zug an, sich zu beeilen, denn er verspürte gerade einen unwiderstehlichen Drang, in die Saiten zu hauen und ordentlich Lärm zu machen. Sicherlich zog er sich damit mal wieder den Ärger seiner Nachbarn zu, aber das war ihm im Moment egal. Deshalb erschallten, nachdem er in seine Wohnung gestürzt war und sich die Gitarre geschnappt hatte, heftige Rock-Riffs unter seinen Fingern, die den Fußboden vibrieren ließen. Ah, das fühlte sich gut an! Erleichterung durchströmte ihn und er schien erst jetzt wieder richtig atmen zu können, was nicht ausschließlich an dem schnellen Sprint auf dem Weg hierher gelegen hatte. Mit der Beruhigung ließ auch das Zittern seiner Beine und Finger nach. Letztere strichen sanft über die Saiten. Die Melodie veränderte sich und einen Moment später fiel Kasamatsu auf, dass er einen Schmusesong spielte. Dann überkam ihn wieder so ein angenehmes Gefühl der Leichtigkeit, das so weit reichte, dass er sogar lapidar einen Text darüber legte, der ihm einfiel, während er an Moriyama dachte.
„... I fell in love, please help me, please save me. I fell in love, what do I do now, I don’t know how it happened…”
Mit einem klagenden Ton ließ Kasamatsu die Gitarre verstummen und sank auf seinem Bett zusammen. Scheiße. Da war doch tatsächlich das Eingeständnis, dass er mehr für Moriyama fühlte, direkt aus seinem Mund geschlüpft. Verdammte Scheiße.
Es klingelte an der Tür. Missmutig öffnete Kasamatsu – und bereute es eine Sekunde später. Kise stand mit einem irren Gesichtsausdruck vor ihm: Offenbar freute er sich begeistert über irgendwas, gleichzeitig schien er mächtig sauer zu sein. Heraus kam eine skurrile Mischung zwischen schiefem Grinsen und Zähneknirschen.
„Kise? Wa-“
„Der Wahnsinn, Senpai, der absolute Wahnsinn!“, legte Kise enthusiastisch los und stürmte ungefragt in Kasamatsus Wohnung. „Du spielst ja echt klasse! Hör mal, ich hab da was... Sag mal, was fällt dir eigentlich ein, Moriyama-senpai so zurück zu lassen? Von den Mädchen mal ganz zu schweigen, aber die werden wir vertrösten können, wenn du mitspielst...“
„Kise, ruhig. Komm mal wieder runter!“, sagte Kasamatsu und seine Faust landete auf Kises Kopf.
Zwar nicht so nachdrücklich und fest wie sonst, aber immer noch wirkungsvoll.
„Autsch! Wofür war das denn? Da komm ich extra her...“, maulte Kise.
„Um was? Um mir Vorwürfe zu machen?“, fauchte Kasamatsu zurück. „Vielen Dank, aber das mach ich schon selbst! Was willst du so spät eigentlich noch hier?“
„Ugh, eigentlich wollte ich dich wirklich plattmachen mit einer gepfefferten Ansprache, aber dann habe ich dein Lied gehört...“, gestand Kise und rieb sich den Kopf.
Kasamatsu erstarrte. WELCHES Lied hatte er gehört?
„Du spielst ja wirklich ganz fantastisch! Und wie der Zufall es will, könnte ich am Montag ganz gut bei einem Job musikalische Untermalung gebrauchen. Wie sieht’s aus, machst du mit?“
Konfus starrte Kasamatsu seinen Kohai an. Was passierte hier gerade? Und wie sollte er mit diesen erneut durch Kises Anklagen aufgewühlten Gedanken irgendeine klare Entscheidung treffen? Fakt war, dass er nicht ewig Musik für sein Zimmer machen wollte, aber hatte er denn etwas zu bieten? Nach Kises Ansicht wohl schon, sonst hätte er ihn nicht gefragt und darüber hinaus sein eigentliches Anliegen vergessen. Als die Vorstellung, dass fremde Leute seine Musik hören und sich an ihr erfreuen könnten, in Kasamatsu Formen annahm, geriet das ganze verpatzte Date mit allem Drum und Dran ins Hintertreffen.
„Okay, warum nicht?“, antwortete er mit leuchtenden Augen, worüber Kise schmunzeln musste.
„Du wartest schon lange auf so einen Moment, nicht wahr, Senpai?“, stellte der Blonde sanft fest. „Ich gebe dir die Gelegenheit dazu, aber dafür musst du mir eine Sache versprechen: Wenn ein Mädchen auf dich zukommt und dich für dein Spiel bewundert, dann bitte lass es zu, dass ihr euch wenigstens näher kennenlernt. Bitte, Senpai.“
Er klang verzweifelt, aber Kasamatsu verstand nicht weshalb. Ihm ging es doch gut so, wie alles war! Warum machten sich so viele Leute so unnötige Gedanken über sein Liebesleben? Er wollte das nicht, weder die Besorgnis noch ein Liebesleben. Jedenfalls nicht mit einem Mädchen. Bei dieser Erkenntnis und weil er plötzlich das Bild von jemand Bestimmtem vor Augen hatte, lief er rot an. Nun, es war doch eher unwahrscheinlich, dass irgendein Mädchen sich für Kasamatsus Musik interessierte, solange Kise in der Nähe war! Also sah er keine Gefahr darin und sagte zu. Kise grinste, als hätte er ein üppiges Geburtstagsgeschenk erhalten.

*


„Kasamatsu, warte bitte, ich muss mit dir reden“, sagte Moriyama nach der letzten Unterrichtsstunde.
Den ganzen Tag über hatte er keine Gelegenheit gehabt, mit seinem Mannschaftskapitän über den Abend von vor drei Tagen zu sprechen, und es bedrückte Moriyama, obwohl er nicht wusste, warum eigentlich, schließlich wäre es eher an Kasamatsu, sich bei Moriyama zu entschuldigen. Doch das war Moriyama im Grunde egal. Er wollte nur endlich irgendwie mal richtig mit Kasamatsu reden, da er das Gefühl nicht loswurde, ihn seit Kises Eintritt in den Basketballclub kaum noch zu Gesicht zu bekommen, von einer ausführlichen Unterhaltung mal ganz abgesehen. Kasamatsu war immer schwer beschäftigt: Motivation des Teams, Kise erziehen, Training, Schule, Kise erziehen, Flucht vor Mädchen, Kise erziehen, Schule, Training, Spiel, mit Kise essen gehen, mit Kise Zeit verbringen, mit Kise... Wieso zum Teufel immer nur Kise? Moriyama hatte die Schnauze voll und stand mit einem ziemlich verzweifelt-traurigen Gesicht hinter Kasamatsu, der sich kurz vorm Verlassen des Klassenraums beim Klang seines Namens noch mal umgedreht hatte.
„Tut mir leid, bin mit Kise verabredet. Vielleicht kommen wir etwas später zum Training... Seid fleißig und arbeitet hart, auch wenn wir nicht da sind, um euch anzutreiben!“, sagte Kasamatsu, vor allem in den letzten Teil legte er Strenge und Unnachgiebigkeit – wie einen erhobenen Zeigefinger. „Bis dann!“
Und weg war er. Moriyama sackten die Schultern herab und er hatte große Lust dazu, irgendwo reinzuschlagen. Am liebsten in Kises hübsches, lachendes Gesicht...

Kasamatsu zeigte sich weniger vom Set des Foto-Shootings fasziniert als vielmehr von der Anlage, die er benutzen durfte: eine echte E-Gitarre! Der Wahnsinn! Es kribbelte in seinen Fingern, die er sofort in die stählernen Saiten hauen wollte, ein paar Riffs machen... Urgh, er träumte schon wieder viel zu viel. Gelegentlich sah er sich selbst als berühmten Gitarristen auf internationalen Bühnen stehen, aber das würde auf ewig sein kleiner geheimer Traum bleiben. Da lag zu viel seines Herzens in der Musik und in seinem Gitarrenspiel, das er der Welt vorenthalten wollte. Etwas Schmerzliches, Kummervolles... Sein tief vergrabenes, schwaches, ängstliches Ich. Und das würde herausbrechen, wenn er nur ein bisschen erfolgreich wäre und seine eigenen Texte schriebe. Nein, nein, er konnte nicht zulassen, dass er sich selbst diese Blöße gab!
Die Gitarre fühlte sich verdammt gut an in seinen Händen, so glatt und warm und entsprechend schwer. Ein Wahnsinnsgefühl, so ein teures Instrument zu halten und gleich spielen zu dürfen. Probeweise schlug er auf das Zeichen des Technikers hin ein paar Töne an. Wow, was für ein Klang! Sofort stellten sich auf seinem gesamten Körper feine Härchen auf, als pulsierten elektrische Schläge durch sein Blut, das in seinen Ohren zu rauschen begann. Er musste sich heftig zusammenreißen, um sich auf die Anweisungen zu konzentrieren. Dann endlich durfte er zeigen, was er draufhatte. Zuerst fuhr er sanft mit seinem rechten Daumen über die mittlere Saite und erzeugte einen hellen Ton, dann nahm er das Plektrum zu Hilfe und schlug die Saiten für einen wilden Rock-Song an.

Während die Techniker an ihren Pulten herumexperimentierten, beobachtete Kise seinen Kapitän und guten Freund von der Ecke der Maske aus, in der er gerade saß und vorbereitet wurde. Der absolute Wahnsinn, dieser Kasamatsu! Was in ihm steckte, sollte er ruhig zeigen dürfen, oder nicht? Eigentlich sollte Kise das ganze Team dazu holen, aber vielleicht fühlte Kasamatsu sich dabei nicht ganz wohl, schließlich hätte er es kaum geheim gehalten, wenn nicht irgendetwas dahinterstecken würde.
Kise war nicht dumm. Er hatte am Freitagabend nicht nur Kasamatsus harte, wilde Seite kennengelernt, sondern auch seine sanfte, verängstigte. Und er wusste, wem das Liebeslied gegolten hatte, war sich hundertprozentig sicher. Diesem Jemand musste er definitiv eine Nachricht zukommen lassen, denn sonst würde aus den beiden niemals ein Paar werden, bevor sie die Schule verließen... Und Kise wollte sie doch so gern mal glücklich sehen! Nicht immer nur schwer beherrscht wie ein kühner Kapitän und hinter einer überschwänglichen Maske versteckt wie ein Möchtegern-Frauenschwarm.
Kise tippte und Kasamatsu spielte mit Feuereifer, vergaß alles um sich herum, spürte das Summen der Bässe und legte sich in das Meer aus Tönen, das ihn zärtlich umfing, ihn beruhigte, ihn streichelte und ihm Sicherheit gab. Ja, das fühlte sich gut an! Rauf und runter glitt er mit seiner linken Hand am Steg, verzerrte und verlängerte die Melodie und spürte sein eigenes Herzklopfen, das ihn warm durchströmte. Die kreischende Meute, die in quietschende Laute ausbrach, als Kise das Set betrat, bemerkte er nicht. Es war ihm sowieso alles egal in diesem Moment, da er in der Musik gefangen war und hoch über den Wolken schwebte... Er würde einfach nie wieder damit aufhören, für immer hier oben bleiben, wo es keine Sorgen gab, keine Ängste, keinen Moriyama...
Schreiend würgte er die E-Gitarre ab und die Zuschauer hielten sich mit bitterbösen Blicken die Ohren zu. Was hatte er da eben gedacht? „Keinen Moriyama“? Was zur Hölle sollte das denn?! Seufzend bat er um Verzeihung und richtete sich nun ein, um das Lied zu spielen, das Kise gern hören wollte. Kasamatsu hatte unglaublich viel Spaß und Kise schien sich über die musikalische Begleitung zu freuen. So verging der aufregende Tag am Set im Nu; an Basketballtraining war nicht mehr zu denken.

„Ano, sumimasen. Mir hat dein Gitarrenspiel unheimlich gut gefallen“, sagte das dunkelhaarige Mädchen mit einem ziemlich entschlossenen Blick, den es fest auf Kasamatsu gerichtet hielt. „Ich bin Mitsuhashi Airi und würde gern mehr von dir hören. Wir treffen uns morgen im Park um 17 Uhr. Komm nicht zu spät!“
Sprach’s und verschwand.
„Wow, dein erstes Date, das sich ganz von allein klargemacht hat“, gratulierte Kise mit großer Bewunderung in der Stimme. „Und sie hat dich nicht mal sprechen lassen! Eine tolle Frau. Mir scheint, die hat dich sofort durchschaut!“
Kasamatsu saß immer noch unbeweglich da und starrte auf die Stelle, an der Airis Gesicht verschwunden war. Er kam nicht umhin, dasselbe wie Kise zu denken, und irgendwie missfiel ihm das keineswegs.
Das Shooting verlief sehr erfolgreich und das gesamte Team um Kise herum bedankte sich für Kasamatsus tolle Unterhaltung. Dann rauschten die Fans an, die zum Glück überwiegend an Kise hingen und um Autogramme bettelten. Kasamatsu hatte so viel Spaß gehabt, dass er grinsen musste, obwohl so viele Mädchen um ihn herumwuselten. Und dann tauchte diese Airi auf. Sie wirkte einfach nur cool und schien tatsächlich auf einen Blick Kasamatsus gesamtes Wesen zu erfassen. Sie hatte keine Fragen gestellt... So ein Mädchen, nein, so ein MENSCH war ihm noch nie unter die Nase gekommen! Außer... Ja, am Anfang hatte Moriyama auch keine Fragen gestellt. So als wüsste er, was Kasamatsu gerade dachte. Das hatte dem Teamkapitän mächtig imponiert. Gleichzeitig hatte Kasamatsu ihn für einen oberflächlichen Macho gehalten, der nicht im Geringsten an Kasamatsu interessiert zu sein schien. Doch mit der ersten Frage änderte sich Kasamatsus Meinung und seine Welt kreiste fortan nur noch um ihn, auch wenn sich das inzwischen ein bisschen verändert hatte, schließlich war ihm erst vor wenigen Tagen klar geworden, dass er in Moriyama verliebt war. Moriyamas Frage war:
„Du magst Musik, nicht wahr? Wie wichtig ist sie für dich?“
Und Kasamatsu hätte nicht mit Worten beschreiben können, wie wichtig sie an diesem Tag für ihn geworden war, als plötzlich Millionen Gefühle und Gedanken auf ihn einstürzten und die Musik sie wieder in Ordnung gebracht hatte. Moriyama wusste es. Aber er hatte Kasamatsu nie wieder darauf angesprochen... Warum? War er beleidigt gewesen, weil Kasamatsu vor lauter Begeisterung nichts dazu sagen konnte? Aber er hatte doch wissend gelächelt...

*


Verdammt, sein Spiel hatte so gut getan! Moriyama war auf Kises Nachricht hin schleunigst ans Set gekommen, nachdem er sich hektisch vom Training verabschiedet hatte, wenngleich der Coach mürrisch darauf reagierte. Offensichtlich war er wegen Kises und Kasamatsus Ausfall bereits mehr als verärgert und wedelte deshalb bloß ungeduldig mit der Hand auf Moriyamas Ausflüchte hin.
Am Set nun hörte Moriyama Kasamatsu Gitarre spielen. Er hatte es gewusst, hatte es schon geahnt, bevor er ihn damals fragte. Er hatte gewusst, dass Kasamatsu die Musik mehr als alles andere liebte, sogar noch mehr als Basketball. Seine begeisterte Miene ließ keinen Zweifel zu und Moriyama zog sich brav zurück. Gegen Musik hatte er keine Chance.
Gegen Kise vermutlich auch nicht, der anscheinend der erste war, der in den Genuss der Klänge gekommen war, die Kasamatsu mit diesem schwierigen und begehrten Instrument erzeugte. Beim Zuhören hatten sich bei Moriyama sämtliche Härchen aufgestellt und eine Gänsehaut nach der anderen rauschte ihm über den Körper. Und oh Gott, dann fing der Kapitän auch noch leidenschaftlich zu singen an! Diese Stimme brachte Moriyama zum Beben und berührte seine Seele, sein Herz. Ah, es fühlte sich so gut an! Als umarmte Kasamatsu ihn gerade und säuselte liebevolle Worte in sein Ohr... So heiß war Moriyama schon lange nicht mehr gewesen.
Dann versammelten sich allerlei Menschen um ihn herum und Moriyama verlor Kasamatsu aus den Augen. Es nützte wohl nichts, er würde ihn heute nicht mehr sehen. Egal. Sein Gitarrenspiel war Entschädigung für alles, wirklich alles.

*


Am Dienstag durften Kise und Kasamatsu sich erst einmal vom Coach etwas anhören, weil sie dem Training ferngeblieben waren. Dann tauchte jemand nach der letzten Unterrichtsstunde in Kasamatsus und Moriyamas Klassenzimmer auf und vermeldete, dass am Schultor jemand auf Kasamatsu wartete. Der Kapitän versteinerte aus Gewohnheit, als er aber den Namen Airi vernahm, ging ein Ruck durch seinen Körper und er hastete hinunter. Moriyama sah ihm mit perplexem Blick nach, dann drückte er sich ans Fenster, um den Schulhof und vor allem den Eingangsbereich dort einsehen zu können.
Was war passiert, dass Kasamatsu plötzlich lebendig wurde, obwohl es um ein Mädchen ging? Mit Entsetzen beobachtete Moriyama, wie Kasamatsu unten auf dem Hof verlegen durch sein Haar fuhr, während er mit besagtem Mädchen redete. Tatsächlich, er redete mit einem Mädchen! Von Übelkeit geschüttelt wich Moriyama langsam vom Fenster zurück und fiel auf den nächstbesten Stuhl. Sein Gehirn arbeitete, aber nichts drang zu ihm durch, dabei reihten sich alle Erkenntnisse fein säuberlich vor ihm auf.
Nicht Moriyama, sondern Kise war es gelungen, Kasamatsu zu einem mit Mädchen redenden Menschen zu machen. Dieses Mädchen musste darüber hinaus etwas ganz Besonderes sein, wenn Kasamatsu sich so verhielt. Mehr wollte Moriyama nicht wissen, deshalb stopfte er die restlichen Erkenntnisse in eine Schublade zurück und versuchte stattdessen die Erinnerung ans Atmen hervorzuzerren. Erfolgreich.
Dann betrat Kise das Klassenzimmer.
„Hoi, Moriyama-senpai! Lass uns zum Training gehen“, sagte er.
Seine Stimme hallte laut wider, denn es war niemand mehr im Raum. Moriyama reagierte trotzdem nicht.
„Senpaaaaaai!“, rief Kise und wedelte mit der Hand vor Moriyamas Gesicht herum. „Schläfst du mit offenen Augen?“
„Nein, verdammt!“, fauchte Moriyama plötzlich. „Wieso...?“
„Wieso was?“
„Wieso... hat er sich plötzlich geändert? Warum redet er mit ihr?“, dachte er laut nach.
„Oh, du meinst Airi-chan? Hmhm, die habe ich ganz persönlich für Kasamatsu-senpai ausgesucht“, sagte das Model und reckte selbstherrlich die Nase in die Höhe. „Sie hat es bisher bei jedem geschafft, ihn zum Reden zu bringen, selbst den Kapitän! Jetzt ist er geheilt.“
„Er war doch nie krank!“, fuhr Moriyama Kise an und stand auf. „Was ist schon schlimm daran, wenn er nicht mit Mädchen reden kann, huh? Wen kümmert das? Also mich nicht! Wenn er glücklich ist, dann soll mir alles recht sein! Er soll nicht unglücklich sein!“
Kise zuckte überrascht zurück, doch im selben Moment stahl sich ein hinterhältiges Lächeln auf sein Gesicht.
„So sehr bist du um Kasamatsu-senpais Glück besorgt? Wie niedlich!“, spottete Kise. „Am Ende bist du noch in ihn verliebt?“
Moriyama hielt ertappt inne und sank schließlich niedergeschlagen auf den Stuhl zurück.
„Ja...“, hauchte er leise. „Ja, ich liebe ihn. Ich liebe ihn sehr.“

*


„Ich liebe ihn. Ich liebe ihn sehr.“
Kasamatsu presste sich mit rasendem Herzen an die Wand und lauschte. Er war zurückgekehrt, weil er dummerweise ohne seine Habseligkeiten losgerannt war, dabei hatte er Airi nur erklären wollen, dass er noch Basketballtraining hatte. Und nun das? Moriyama und Kise... Sie führten ein vertrauliches Gespräch und Moriyama gestand gerade, dass er IHN liebte. Aber wer war ER? In wen war Moriyama so sehr verliebt? Etwa in Kise? Aber dann hätte er doch einfach „Du“ sagen können...
„Und was willst du nun machen?“, fragte Kise und schien seine Arme vor der Brust zu verschränken, den Geräuschen nach zu urteilen. „Willst du einfach nichts machen und abwarten, bis er für dich auf ewig unerreichbar sein wird?“
„Das ist er doch längst“, wisperte Moriyama.
Oje, das klang ja geradezu deprimiert, aber irgendwie... irgendwie machte Kasamatsu das glücklich. Vielleicht... vielleicht bestand ja doch eine klitzekleine Hoffnung darauf, dass zwischen ihm und Moriyama ein bisschen mehr entstand? Mehr als Freundschaft. Seit Kasamatsu bemerkt hatte, dass er in seinen Klassenkameraden verliebt war, dachte er darüber nach. Etwas mehr als Freundschaft... Das liefe definitiv in die sexuelle Richtung! Wollte er das?
Seufzend lehnte Kise sich ans Fensterbrett.
„Du hast ihn doch spielen gehört, oder nicht?“, sagte das Model leicht genervt. „Keine Ahnung, woran er gedacht hat, aber urplötzlich ist ihm der Ton abhandengekommen. Ich bin nicht so gut darin wie du, ihn zu lesen, aber er hat ganz sicher etwas bemerkt. Irgendetwas Merkwürdiges... Was ist, wenn er sich plötzlich klar geworden ist über seine eigenen Gefühle für dich?“
„Pah, Gefühle für mich?“, Moriyama lachte bitter auf. „Von wegen. Wenn er welche hätte, dann... dann wäre mir das aufgefallen, mit Sicherheit!“
Kasamatsu hörte nicht mehr zu. Gespielt? Ton abhandengekommen? Gefühle bemerkt? Wieso zum Teufel passte das alles so gut auf Kasamatsu?
„Hört, hört“, sagte Kise spöttisch. „Hast du dich nicht gewundert, warum Kasamatsu-senpai in letzter Zeit so wenig mit dir spricht?“
Kise ließ seine Worte wirken, während draußen auf dem Flur ein glühend heißer Stein in Kasamatsus Inneres fiel. Er hatte sich nicht verhört, ganz sicher nicht. Kise hatte seinen, Kasamatsus, Namen gesagt!
„Das... Aber das...“, stammelte Moriyama. „Aber das tut er doch schon nicht mehr, seit DU hier aufgetaucht bist!“
„Moment mal! Jetzt soll also ICH schuld daran sein, dass IHR nicht mehr mit eurem Gefühlsleben klarkommt?“, ereiferte sich Kise.
Kasamatsu ballte die Hände zu Fäusten. Zeit einzuschreiten, wenngleich er große Angst davor hatte, was gleich passieren könnte. Aber zu oft war er geflohen, hatte Moriyama zurückgelassen. Und außerdem durfte niemand außer ihm selbst Kise eine verpassen! Er holte tief Luft und betrat dann das Klassenzimmer.

Diesen Blick würde Kasamatsu wohl nie vergessen. Kise blickte ihm ganz gefasst entgegen, immer noch verärgert und ein wenig verdutzt, denn mit Publikum hatte er wohl nicht gerechnet. Moriyama allerdings, der mit dem Rücken zur Tür saß, musste sich erst einmal umdrehen und dann, als er Kasamatsu erkannte, stand ihm das pure Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Er schimmerte fast grün, so blass wurde er. Kasamatsu sah, wie peinlich ihm die ganze Situation hier gerade war und dass ausgerechnet Kasamatsu Zeuge dessen geworden war.
„WER kommt hier nicht mit seinem Gefühlsleben klar?“, bellte Kasamatsu kalt in Kises Richtung. „Du doch wohl, wenn du Zeit hast, dich um das von anderen zu kümmern! Sieh zu, dass du deinen Hintern zum Training schwingst!“
Kise begehrte nicht dagegen auf und gehorchte wortlos. Beim Hinausgehen legte er seinem Teamkapitän eine Hand auf die Schulter, als wollte er sagen: „Viel Glück“. Als hinter Kise die Tür ins Schloss gefallen war, lieferten sich Moriyama und Kasamatsu ein stummes Duell.
„Ich weiß nicht, ob ich das jetzt richtig mitgeschnitten habe, aber... du bist in mich verliebt?“, fragte Kasamatsu mit weicher Stimme und wurde ein bisschen rot.
Seine Sorge um Moriyama, dass dieser hoffentlich nicht gleich bewusstlos aus den Latschen kippte, war berechtigt, denn blasser konnte nur noch ein Toter werden. Er erwiderte nichts. Offensichtlich schnürte ihm irgendetwas die Kehle zu, so wirkte er jedenfalls. Kasamatsu fuhr sich verlegen über den Nacken.
„Falls... Falls das stimmt, dann muss ich dir auch etwas sagen: Ich bin in dich verliebt, Moriyama. Wahrscheinlich... seit unserem ersten Treffen. Erinnerst du dich daran? Du warst der erste und der einzige in der Klasse, der auf mich zugekommen ist und mit mir geredet hat. Ich wäre heute wohl immer noch nicht da, wo ich jetzt bin, wenn du nicht gewesen wärst. Sicher, ich bin dir dankbar dafür, aber inzwischen... empfinde ich mehr als nur Dankbarkeit und Kameradschaft. Ständig muss ich an dich denken und-“
Moriyama hob seine rechte Hand, um Kasamatsu in seinem Redefluss Einhalt zu gebieten. Auf seinem Gesicht rührte sich wieder das Leben, vor allem als er aufstand und näher an Kasamatsu herantrat. Zwei Schritte lagen zwischen ihnen.
„Verzeih mir, aber ich bin unheimlich froh, dass du dir rein gar nichts aus Frauen machst“, begann Moriyama heiser und ruhig zu erklären. „Diese Dates, die Kise für mich arrangiert hat... Nun, das war eigentlich alles nur, um einen Vorwand zu haben, mit dir irgendwohin zu gehen. Oder um mich selbst von meinen Gefühlen abzulenken. Oder um deine Aufmerksamkeit damit zu erregen. Egal aus welchem Grund: Es hat dich nie getroffen. Und dann dachte ich, das alles interessiert dich nicht wegen Kise.“
Er wartete auf eine Reaktion, die prompt folgte.
„Kise? Wieso? Hä?“
„In welcher Beziehung stehst du zu Kise?“, wollte Moriyama mit misstrauischem Blick wissen.
Kasamatsu wurde rot. Beziehung? So hatte er seine Freundschaft mit Kise nie betrachtet...
„Wir sind doch nur gute Freunde!“, verteidigte er sich.
Moriyama musterte ihn eine Weile gründlich, bevor er den Blick abwandte und seufzte.
„Ich mag dich unheimlich gern, Kasamatsu“, sagte er leise mit roten Ohren, wie Kasamatsu deutlich erkannte. „Ich will dieses Versteckspiel nicht mehr, sondern am liebsten herausschreien, dass ich dich liebe! Aber... aber ich wusste ja nicht, wie du dazu stehst...“
Kasamatsu atmete schneller und spürte seinen beschleunigten Puls in seinem gesamten Körper pochen. Sollte er es sagen oder kam das dann irgendwie blöd rüber? Er beschloss es zu versuchen, schließlich konnte es kaum peinlicher werden!
„M-meinst du in sexueller Hinsicht?“, hakte er nach.
Moriyama schaute ihn unergründlich an – und nickte. Eine fröstelnde Gänsehaut schwang sich über Kasamatsus Rücken.
Kise, der draußen auf dem Flur dem Gespräch lauschte, grinste zufrieden, kritzelte eilig einen Zettel und pinnte diesen an die Tür.
/Bitte nicht stören. Reinigungskräfte am Werk./
Hoffentlich hielt diese Notiz unliebsame Besucher fern...
Dann machte er sich ganz brav auf den Weg zum Training, das heute bestimmt einmal mehr flapsig ablaufen würde, schließlich fehlten zwei der besten Spieler, einer davon in der Rolle eines Motivationstrainers, der Angst und Schrecken verbreitete...

Basketballtraining? Airi? Scheißegal. Das einzige, was Kasamatsu jetzt noch wollte, war Moriyama zu spüren. Und wie! Mit heißen Blicken hatten sie einander angezogen, die letzte Entfernung zwischen ihnen überwunden und ihre nach Berührung lechzenden Lippen aufeinander gelegt. Kribbelnd schoss ihnen das Blut durch den Körper, während Kasamatsu vordrang und seine Zunge in Moriyamas Mund gleiten ließ. Ah, er war so heiß und feucht und er keuchte Kasamatsu ins Gesicht, den es davon immer wieder heiß und kalt überlief. Moriyama legte seine Arme um Kasamatsu und drängte ihn rückwärts, bis sie an ein Pult stießen, auf das Moriyama seinen Kapitän niederdrückte. Der hechelte plötzlich, als ihm einfiel, wo sie sich befanden.
„Mori...hnnnh... nicht... Schule... hmmmhn...“, keuchte er, konnte gleichzeitig nicht genug von Moriyamas süßen Lippen bekommen und vergrub seine Hände in dessen Haar.
Moriyama schaute sich rasch um.
„Niemand mehr da und keiner hat seine Sachen vergessen“, flüsterte er Kasamatsu ins Ohr und begann ihn zu streicheln. „Wir haben Zeit...“
Irgendwie war Kasamatsu diese Tatsache letztlich egal, er wollte nur endlich Moriyama haben! Hastig zerrte er ihm die Klamotten vom Leib und erstarrte, als er die fremde nackte Haut berührte.
Die Gitarre fühlte sich verdammt gut an in seinen Händen, so glatt und warm und entsprechend schwer.
Wie bitte?
Ein Wahnsinnsgefühl, so ein teures Instrument zu halten und gleich spielen zu dürfen.
Ach so! Moriyama bescherte ihm das gleiche erhebende Gefühl wie seine Gitarre oder wie diese verdammt tolle E-Gitarre auf dem Set bei Kises Modeljob. Er grinste und wusste von nun an, was er tun musste.
Probeweise schlug er auf das Zeichen des Technikers ein paar Töne an.
Kasamatsu fuhr mit seinen Händen über Moriyamas Seiten, ganz sacht, mehr mit den Fingernägeln... Moriyama zuckte leicht zusammen und stieß keuchend Luft aus, presste sich aber sofort wieder auf Kasamatsus fordernden Mund.
Wow, was für ein Klang! Sofort stellten sich auf seinem gesamten Körper feine Härchen auf, als pulsierten elektrische Schläge durch sein Blut, das in seinen Ohren zu rauschen begann. Er musste sich heftig zusammenreißen, um sich auf die Anweisungen zu konzentrieren.
Moriyama schien es zu genießen, denn er rieb langsam seinen Körper an Kasamatsus. Der Kapitän zog Moriyama mehr auf sich und fummelte Moriyamas Hose herunter, der dasselbe bei Kasamatsu tat. Ihre Erregungen streiften aneinander vorbei und sie stöhnten gleichzeitig auf. Moriyama begann, Kasamatsus Körper zu küssen und zu lecken, nachdem er seine Schuluniform hochgeschoben hatte. Dabei schnippte er ab und an über Kasamatsus Brustwarzen hinweg, die sich verhärtet aufstellten und nach mehr Zuwendung schrien. Der Kapitän krallte seine Finger in Moriyamas weichen Rücken, der so glatt war wie das Gehäuse einer Gitarre. Ein paar Riffs darauf zu spielen, das konnte er sich einfach nicht verkneifen. Verdammt, wenn er jemals wieder eine Gitarre in den Händen hielt, müsste er auf ewig an diesen Moment hier denken, da er mit dem Rücken auf einem harten Schulpult lag, über sich seinen Geliebten, der an ihm herumnestelte und mit jeder Berührung seinen Körper in Ekstase versetzte. Kasamatsu griff in Moriyamas dunkles Haar und drückte dessen Mund auf seine eigenen Lippen herunter.
Gleich durfte Moriyama sich Kasamatsus unterer Hälfte widmen, aber vorher übernahm der Kapitän es bei ihm. Ruckzuck drehte er sie beide um, sodass Kasamatsu nun oben lag und sich auf Moriyamas Körper verewigte und austobte. Das Gestöhne, das Moriyama dabei produzierte, machte ihn an und er wandte sich schnell der steilen Erektion zu, die ihm entgegenragte. Um sie kümmerte er sich nur kurz; drückte ein bisschen, streichelte ein bisschen, küsste und leckte ein bisschen, aber er nahm sie nicht in den Mund. Moriyama fand das vermutlich gemein, immerhin stand er knapp vorm Höhepunkt.
Stattdessen führte Kasamatsu langsam seine Finger in Moriyama ein, um ihn zu dehnen und auf die Vereinigung vorzubereiten. Moriyamas Atem ging stoßweise und er hatte die Augen halb geschlossen. Sein Gesicht zerfloss vor lauter Lust und sein Körper wand sich vor Verlangen. Bald hielt Kasamatsu den Zeitpunkt für gekommen, als ihm etwas Wichtiges einfiel. Als er innehielt und sich suchend umsah, in der Hoffnung, das Gewünschte spränge ihm von selbst in die Arme, wachte Moriyama aus seinem Paradies-Traum auf und deutete Kasamatsus Gesichtsausdruck.
„Gummis sind in meiner Tasche ganz unten“, keuchte er.
Kasamatsu warf ihm einen überraschten Blick zu, den Moriyama mit einem breiten Grinsen quittierte, und wühlte dann vorsichtig in Moriyamas Sachen herum, bis er die Kondome fand.
„Ich frage jetzt besser nicht nach, warum du so viele Packungen mit dir rumschleppst, ne?“, kommentierte Kasamatsu die Sachlage, woraufhin Moriyama in Gelächter ausbrach angesichts Kasamatsus ernster Miene bei diesen Worten.
„Du machst mich fertig“, sagte Moriyama und wischte sich Lachtränen aus den Augenwinkeln.
Dann zog er Kasamatsu zu sich heran und küsste ihn liebevoll.
„Ich liebe dich, Kasamatsu.“
Kasamatsu stockte, aber seine Erregung gewiss nicht, denn sein Unterleib zog sich zusammen und baute Druck in ihm auf. Schnell rollte er sich das Kondom über und richtete Moriyama mit angewinkelten Beinen aus. Die Tischplatte, auf der Moriyama keuchend, zitternd und sabbernd lag, befand sich auf einer idealen Höhe für den körperlich eher kleinen Kapitän, sodass er in einem perfekten Winkel zustoßen konnte. Es ging ganz leicht und Kasamatsu verlor nicht nur bei Moriyamas Anblick die Selbstkontrolle...
Kasamatsu spielte mit Feuereifer, vergaß alles um sich herum, spürte das Summen der Bässe und legte sich in das Meer aus Tönen, das ihn sanft umfing, ihn beruhigte, ihn streichelte und ihm Sicherheit gab. Ja, das fühlte sich gut an! Rauf und runter glitt er mit seiner linken Hand am Steg, verzerrte und verlängerte die Melodie und spürte sein eigenes Herzklopfen, das ihn warm durchströmte. Die kreischende Meute, die in quietschende Laute ausbrach, als Kise das Set betrat, bemerkte er nicht; es war ihm sowieso alles egal in diesem Moment, da er in der Musik gefangen war und hoch über den Wolken schwebte... Er würde einfach nie wieder damit aufhören, für immer hier oben bleiben, wo es keine Sorgen gab, keine Ängste, keinen Moriyama...
Doch der war jetzt hier, bei ihm, genau jetzt, da er wieder diesen Höhenflug verspürte wie an jenem Tag, als er die E-Gitarre voller Elan zum Klingen brachte. Nein, noch viel besser! Hier schrie Moriyama sich die Seele aus dem Leib, als er kam, und klammerte sich an Kasamatsu, der ihn in seinen Armen hielt und sanft mit Küssen bedeckte.
„Erinnerst du dich, dass du mich mal gefragt hast, wie wichtig mir die Musik ist?“, wiederholte Kasamatsu leise Moriyamas allererste Frage an ihn. „Sie ist mir das Wichtigste auf der Welt. Dennoch ist sie mir nur halb so wichtig wie du, Moriyama.“
Kasamatsu lächelte, als er spürte, wie Moriyama in seinen Armen zuckte.
„Ich liebe dich, Moriyama.“

Nach diesem kleinen Vorfall lagen die beiden Basketballspieler angezogen nebeneinander auf dem Tisch, hielten sich in den Armen und genossen den Moment, da sie ihren Atem miteinander teilten. Moriyama verschlang seine Finger mit Kasamatsus und legte seinen Kopf auf dessen Brust. Er hörte Kasamatsus hopsendes Herz und lächelte.
„Lass uns zu dir gehen und du spielst mir etwas auf deiner Gitarre vor“, schlug Moriyama vor.
Kasamatsu brummte unwillig.
„Hey“, wechselte Moriyama dann plötzlich das Thema. „Was ist mit diesem Mädchen?“
„Hm? Oh, du meinst Airi-san? Ach, das war nur wieder einer von Kises dummen Scherzen“, tat Kasamatsu diese Bekanntschaft ab. „Das erste Mädchen, das mich für mein Gitarrenspiel bewundert, sollte ich nicht verstoßen, sondern kennenlernen. Das war Kises Bedingung. Nun, Airi-san war das erste Mädchen.“
„Tse, mag sein“, rümpfte Moriyama die Nase. „Aber ich habe es dir noch vor ihr angesehen, was du draufhast. Und war ich nicht der erste, der dich zu deiner musikalischen Leidenschaft befragt hat?“
„Hm, in der Tat. Gehört hast du mich ja nicht als erster, aber... das kann man ja ändern!“, grinste Kasamatsu und erhob sich. „Komm, wir gehen zu mir und ich spiel dir etwas Besonderes auf meiner Gitarre vor.“
‚Warum nicht gleich so?‘, dachte Moriyama und schüttelte liebevoll den Kopf.
„Was ist?“, fragte Kasamatsu verwundert.
„Ach, ich dachte nur gerade, wie süß du bist und dass ich dich liebe“, antwortete Moriyama verschmitzt.
Kasamatsu wurde rot.
‚Er muss mein Herz gehört haben‘, dachte Kasamatsu. ‚Das ängstliche gefangene Herz, das in meiner Gitarre und in der Musik steckt... Komm mit und befreie es!‘


Vielen Dank fürs Lesen!

Wenn Dir, geneigter Leser, diese Geschichte gefallen hat, dann schaue doch gern auch bei meinen anderen Geschichten vorbei. Die nächste Fanfiction von mir findest Du Anfang August 2020 unter dem Titel „Alles nur für ihn“, die im Free-Universum spielt. Ich würde mich sehr über Deinen Besuch freuen.
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