Alle Legenden sind wahr…noch immer

von Mindy
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 Slash
Alexander "Alec" Lightwood Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane
06.07.2020
16.08.2020
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07.08.2020 4.322
 
Eine weitere Woche neigt sich dem Ende zu und da ist es wieder soweit *Trommelwirbel* Ein neues Kapitel!
Vielen Dank an alle Reviewschreiber und jetzt, ohne lange Vorrede, viel Vergnügen^^
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~*~


Irgendwann war Alec vor Schmerzen bewusstlos geworden, was einer Erlösung gleichgekommen war. Er hatte schon einige Schmerzen in seinem Shadowhunter-Dasein ertragen müssen, doch was immer Asmodeus da mit ihm gemacht hatte, hatte ihn förmlich um die Ohnmacht betteln lassen. Schweiß und Blut hatten sich auf Alecs Gesicht vermischt.
Er blinzelte mehrfach und hob den Kopf.
„Wieder wach“, stellte Asmodeus fest. Er saß auf der vordersten Sitzbank, wie Alec nun erkennen konnte, und schien ihn anzustarren.
Lauernd, wie ein Raubtier seine Beute.
„Sie haben länger durchgehalten, als ich gedacht hätte. Einer der vielen Vorteile, wenn man dämonische Kräfte hat; wir können euch Sterblichen beträchtliche Schmerzen zufügen, ohne euch wirklich zu verwunden. Ich hatte schon Opfer, die bis zu drei Tage durchgehalten haben. Magnus war diesbezüglich als Kind ebenfalls sehr gelehrsam, aber er war meist zu gnädig und hat die Versuchsobjekte schneller erlöst.“
„Sie sind…ein widerliches Geschöpf“, brachte Alec voller Verachtung hervor. Wozu dieses Wesen Magnus als Kind getrieben und verführt haben musste…Magnus hatte ihm nur Bruchstücke davon erzählt und Alec hatte nie nach Details gefragt. Immerhin litt Magnus nach all den Jahrhunderten noch an den Erinnerungen daran, dabei war er ein Kind gewesen, manipuliert von diesem Dämon, der sich selbst Vater schimpfte. „Sie sind doch Magnus‘ Vater…Sie sollten das Beste für ihn wollen…“
„Das tue ich“, sagte Asmodeus scharf und jeder Ausdruck von Belustigung war aus seinem Gesicht verschwunden. „Und ein Nephilim ist mit Sicherheit nicht das Beste für ihn. Er gehört an meine Seite, nach Occid, Gula vielleicht sogar Duduael oder ein anderes Reich der Hölle, wo er ein König sein könnte, nicht das Schoßhündchen von Alicante!“ Asmodeus trat erneut vor Alec und musterte ihn voller Ekel. „Sieh dich doch an, schwach, hilflos, gefangen…du bist meines Sohnes nicht würdig, das wirst du niemals sein.“
Alec stieß ein bitteres Lachen aus. „Sie haben…keine Ahnung, was Liebe ist…“
Es stimmte, dass er Magnus in vielerlei Hinsicht nicht das Wasser reichen konnte, doch sie liebten einander und das war alles, was wichtig war. Das würde ein Dämon jedoch wohl nie begreifen können.
„Liebe ist vergänglich“, tat Asmodeus Alecs Einwand ab. „Und sie macht verletzlich. Besäßen Sie nicht die Liebe meines Sohnes, wären Sie nicht in dieser unvorteilhaften Lage. Zudem würde Magnus dann nicht so leiden bei dem Gedanken daran, wie groß Ihre Qualen sind.“
„Das ist es wert“, beharrte Alec. Er würde noch mehr ertragen, um bei Magnus sein zu können…das war ein erschreckender und gleichzeitig überwältigender Gedanke, der ihn neue Kraft schöpfen ließ.
Das Lächeln kehrte auf Asmodeus‘ Gesicht zurück. „Wir werden sehen.“

Er hob die Hand und drehte sie mehrfach im Kreis. Energie sammelte sich darin, bis eine kleine Kugel aus goldener Energie entstanden war.
Alec fand, sie sah viel zu schön aus für etwas, was aus den Händen dieses Ungeheuers kam. Langsam schwebte die Kugel in die Luft und blieb nicht weit entfernt über ihnen stehen. Fast schien es, als beobachte sie ihr Tun.
„Was ist das?“, fragte Alec misstrauisch. Es konnte nichts Gutes sein.
„Das wird mir helfen, meinem Sohn eine Botschaft zu überbringen. Ich spüre, dass er mich sucht und ziemlich nahe dran ist…guter Versuch übrigens, das mit dem Manschettenknopf, meinen Respekt.“ Dieser Shadowhunter war nicht nur widerstandsfähiger, sondern auch gerissener, als Asmodeus es vermutete hätte.
Alec zuckte die Schultern, so gut es in seiner Position eben ging, und lächelte bitter. „Man tut was man kann.“ Zumindest schien seine Familie den Knopf gefunden zu haben.
„Ich werde bald zulassen, dass Magnus uns findet. Zuvor möchte ich ihm aber noch eine Lektion erteilen. Er hat die Verbindung zu Ihrem Parabatai abgemildert, wirklich schade, denn ich bin sicher, es hat auch ihm gefallen, kurz in Ihrer Haut zu stecken. Aber ich kenne zum Glück noch andere Methoden.“ Asmodeus hob die Hand.
Seine Fingernägel schienen sich um einige Zentimeter verlängert zu haben, zudem waren sie schwarz angelaufen.
Obwohl Alec wusste, dass es sinnlos war, riss er an seinen Fesseln und versuchte seinen Körper außer Reichweite zu bringen. Natürlich hatte er keine Chance. Asmodeus trat vor ihn, den gleichen schadenfrohen Ausdruck im Gesicht wie zuvor. „Ich würde ja sagen, ich tue das nur, weil ich es tun muss und nicht, weil es mir Freude bereitet…“, sagte er und rammte die scharfen Nägel in Alecs Fleisch, was diesem einen Schrei entlockte. „…doch warum sollte ich lügen?“

~*~


Da die Vorfälle in der Halle noch nicht lange her waren, hatte Lorenzo Izzy und sich in Tildas Appartement portalliert, doch dort war sie schon nicht mehr gewesen. Sie versteckte sich vermutlich, doch Lorenzo nutzte seine Kräfte, um in der ganzen Stadt nach ihr zu suchen.
„Sie kann sich nicht ewig verstecken“, sagte Izzy und lief unruhig in der modern eingerichteten Wohnung hin und her. Die Absätze ihrer schwarzen Stiefel klackerten auf dem Parkett. Sie war durch ihre Funktion als Institutsleitung länger nicht auf Mission gewesen, doch keinesfalls würde sie einfach im Institut abwarten, ob sich etwas tat. Sie wollte mithelfen, ihren Bruder zu retten.

Während Lorenzo mit Hilfe eines von Tildas Kleidungsstücken nach ihr suchte, rief Izzy bei Simon an.
//Izzy//, meldete er sich fast sofort. //Alles okay?//
„Ja. Hallo.“ Sie lächelte. Es tat einfach gut, Simons Stimme zu hören. „Ich bin auf einer Mission…Alec wird vermisst, ein Dämon hat ihn entführt.“ Es fiel ihr sehr schwer, dies laut auszusprechen, als würde es dadurch noch realer werden.
//Was? Das ist ja grauenhaft…//, sagte Simon betroffen.
„Wir suchen nach ihm. Ich mache mir große Sorgen und…ich denke, ich wollte dich einfach nur kurz hören, da fühle ich mich immer besser.“ Angst und Sorge um Alec raubten Izzy fast die Luft zum Atmen, sobald sie Zeit hatte, sich auszumalen, wie ihr Bruder gerade leiden musste. Es half, sich mit Aktivität abzulenken. „Bis er in Sicherheit ist, müssen wir alle Treffen verschieben.“
//Natürlich, das versteht sich.// Wie immer war Simon sehr verständnisvoll.
Izzy hatte teilweise wirklich immens lange gearbeitet, aber er hatte sie stets unterstützt und jede freie Minute genutzt, um Zeit mit ihr zu verbringen.
„Wo bist du denn gerade?“, fragte Izzy und lief ein Bücherregal im Zimmer ab.
//Ich…also, da hat sich kurzfristig was ergeben und ich bin nicht in der Stadt. Ich würde euch so gerne helfen, hätte ich das gewusst…//
„Das ist nicht schlimm, du kannst sowieso nichts tun“, beruhigte Izzy ihren Freund. „Ich halte dich auf dem Laufenden. Pass einfach auf dich auf.“
//Du auf dich auch. Und tritt diesem Dämon dann gehörig in den Arsch.//
Izzy lächelte. „Darauf kannst du dich verlassen. Ich liebe dich.“

~*~


„Ich liebe dich auch“, verabschiedete Simon sich und legte auf. Bedrückt starrte er sein Handy an. Er fühlte sich furchtbar, weil er Izzy belogen hatte, das hatte er noch nie getan, seit sie ein Paar waren.
Jetzt war sie voller Sorge um Alec und brauchte ihn, doch er hing gemütlich mit einer anderen Frau in einer Wohnung ab und redete mit ihr über ihre Kindheit und was sie so an der Kunsthochschule trieb…sie waren zwar nur Freunde, aber er war immerhin mal in Clary verliebt gewesen, sogar ziemlich lange. Es fühlte sich jedenfalls nicht richtig an, Izzy deswegen anzulügen.
Allerdings hatte er Jace versprochen, dass er niemandem von Clary erzählte und sie außerdem nicht alleine ließ. Das war eine Zwickmühle.
„Simon“, erklang Clarys Stimme in diesem Moment. „Alles in Ordnung?“
Eilig steckte Simon sein Handy weg und besann sich. Er musste sich jetzt auf seine Aufgabe konzentrieren und die war hier, bei Clary, um sie zu unterstützen, sich wieder an sie alle zu erinnern. Je besser dies funktionierte, desto eher konnte sie wieder in die Schattenwelt eintreten und damit wieder Teil von Izzys Welt werden, die so traurig über Clarys Verschwinden gewesen war.
„Ja, alles bestens.“ Tief durchatmend kehrte Simon zu Clary zurück.

~*~


„Das ist merkwürdig“, murmelte Lorenzo, nachdem er eine Weile mit geschlossenen Augen Tildas Bluse in den Händen gehalten hatte – ein geschmackloses Teil, wie er Izzy zuvor versichert hatte. „Sie…müsste noch hier sein.“
Alarmiert sah Izzy sich um. „Sind Sie sicher?“
„Absolut.“ Lorenzo legte die Bluse weg und begann sich genauer umzusehen. „Vielleicht gibt es hier einen geheimen Raum oder sie verbirgt sich mit einem Zauber…es gibt da geschickte Mechanismen“, führte er aus, während Izzy in das angrenzende Schlafzimmer ging und das Bett betrachtete, auf dem Kleidungsstücke und Bücher verstreut lagen. Wachsam glitt ihr Blick weiter und blieb an einem großen Kleiderschrank hängen.
„Ich habe schon Hexer gesehen, die sich kurzzeitig in eine Pflanze verwandelt haben oder mit dem Zimmer verschmolzen sind. Möglich ist auch…“
Izzy umfasste den Griff ihrer Peitsche fester und öffnete mit weit ausgestrecktem Arm den Kleiderschrank.

Eine erschrockene junge Frau mit braunen Haaren starrte sie daraus an.

„…dass wir sie überrascht haben und sie sich im Kleiderschrank versteckt“, vollendete Izzy Lorenzos Satz.
Tilda kreischte und schoss eine Salve Energie auf Izzy.
Keuchend wurde die Schwarzhaarige nach hinten geschleudert und landete auf dem Bett, während Tilda aus dem Zimmer stürmte. „Hey! Sonst gehen die Leute erst mit mir essen, ehe sie mich ins Bett zerren!“, rief Izzy und sprang wieder auf die Füße. Sie rannte hinter Tilda her, die den völlig verdatterten Lorenzo mit einer weiteren Attacke in ein Regal mit irgendwelchen dekorativen Tellern befördert hatte, was ganz schön Krach machte.

Als Izzy das Wohnzimmer erreichte, öffnete Tilda gerade ein Portal. Vermutlich wollte sie sich aus der Stadt oder gleich aus dem Land verdrücken. Das konnte sie sich abschminken.
„Hier geblieben!“ Izzy holte mit ihrer Peitsche aus und schlug nach der Hexenmeisterin. Die Peitsche wickelte sich um Tildas Knöchel, just in den Moment, als sie durch das Portal springen wollte. Izzy zog die Peitsche heftig zurück, wodurch Tilda von den Füßen gerissen wurde und bäuchlings auf dem Boden aufschlug.
„Unerhört!“, keifte Lorenzo, der inzwischen wieder stand und mit einer kräftigen Handbewegung das Portal schloss, während er sich den Staub von seinem Anzug klopfte. „Sie werden sich vor mir verantworten müssen, vor dem Rat, vor…!“
Izzy zog ihre Peitsche ein Stück zu sich, wodurch auch Tilda zu ihr gezogen wurde.
Die Hexerin stöhnte, offenbar war sie recht unsanft gelandet.
Gut so.
Langsam schritt Izzy näher und zog ihre Seraphklinge aus der Gesäßtasche. „So, Tilda Hill.“ Sie stieg mit ihren Stiefeln über die Hexerin hinweg, ging in die Hocke und rammte die Klinge nur Millimeter neben ihrer Wange in den Boden.
Tilda zuckte zusammen.
„Du wirst mir jetzt genau sagen, was du für Drago getan hast und ich hoffe für dich, dass es mir dabei hilft, meinen Bruder zu finden“, sagte Izzy mit leiser, eisig kalter Stimme. „Ansonsten wirst du dich zuallererst vor mir verantworten und das…“ Ihre dunklen Augen fixierten Tilda gnadenlos. „…wird dich beten lassen, Asmodeus hätte dich getötet.“

Tilda benötigte keine weitere Aufforderung.

Lorenzo hatte ihr Fesseln aus roter Energie um die Handgelenke gebunden und sie auf die Couch bugsiert. Dort erzählte sie, fast ohne Luft zu holen, wie Drago sie angeworben und für seine Pläne benutzt hatte. Man hätte Magnus die Beschwörung seines Vaters angehängt, ihn und Alec damit in Verruf gebracht und dem Rat so die Chance gegeben, Alec daraus zu entfernen, alles in der Hoffnung, die neue Politik zu beenden und dafür zu sorgen, dass Schattenjäger und Unterweltler wieder Feinde waren, statt Verbündete.
Die Hexe schien zudem ganz eigene Motive gehabt zu haben.„Ich wollte mehr Respekt unter den Hexern, dort regieren die gleichen alten Männer seit Jahrhunderten“, schniefte Tilda aufgelöst. „Ich dachte, wenn Bane in Verruf gerät, dann auch Lorenzo, dann wäre sein Posten wieder frei. Zudem hätte ich mich beweisen können, weil ich einen so mächtigen Dämon kontrolliere…aber es hat nicht funktioniert, er hat all meine Zauber mit Leichtigkeit durchbrochen…“
„Natürlich hat er das, er war der Herrscher Edoms“, schnaubte Lorenzo und schüttelte den Kopf. Wie konnte man nur so mächtig und doch so dumm sein? Eine derartige Selbstüberschätzung hatte schon viele Hexenmeister den Kopf gekostet.
Möglich, dass er früher hätte merken müssen, wie unzufrieden Tilda gewesen war, aber er konnte sich kaum um die Befindlichkeiten jedes einzelnen Hexers sorgen.
„Wie war es dir überhaupt möglich, Asmodeus im Limbus aufzuspüren?“, fragte Izzy, die mit übereinander geschlagenen Beinen auf dem Sessel Tilda gegenüber saß. „Es heißt immer, es ist unmöglich, jemanden dort zu finden.“
Tilda blickte auf ihre Hände. „Einer der Kerle, Pietro, hat in dem Restaurant gearbeitet, in dem Bane mit seinem Mann oft zu Abend isst. Jemand hat wohl einen Streit provoziert, es gab eine Prügelei und Pietro konnte etwas von Banes Blut an sich bringen. Darüber konnte ich den Radius im Limbus eingrenzen und Asmodeus beschwören.“
Izzy fiel ein, wie Alec ihr von dem Vorfall erzählt hatte. Sie presste die Lippen zusammen. Lloyd hatte Recht gehabt, das alles war sehr viel größer gewesen, als sie geahnt hatten.
„Klug. Hinterlistig, aber klug“, musste Lorenzo zustimmen. Blut war für Hexer ein mächtiges Instrument, das zeigte sich immer wieder.
„Ich wollte nicht, dass das passiert“, versicherte Tilda nun mit vor Verzweiflung bebender Stimme. „Ich dachte, ich kann ihn kontrollieren…aber ich will helfen, ich…“
„Sie werden gar nichts mehr tun, außer ewig für Ihre Verbrechen büßen“, sagte Lorenzo scharf.
Auch Isabelle erhob sich.

Sie hatte kein Mitleid mit der weinenden Hexe. Sie mochte noch recht jung sein und naiv gehandelt haben, aber letztlich war es ihr nur um Macht und Anerkennung gegangen. Dafür war sie bereit gewesen, einen so mächtigen Dämon auf die Welt der Mundie loszulassen und nicht zuletzt das Leben von Alec und Magnus zu gefährden. „Ich öffne Ihnen ein Portal zurück zum Institut“, sagte Lorenzo zu Izzy. „Danach kümmere ich mich um diese…Person. Ich wäre dankbar, wenn wir das unter uns Hexern klären können.“
„Sie hat gegen das Abkommen verstoßen, der Rat wird davon erfahren“, stellte Izzy klar. „Einstweilen können Sie sie jedoch mitnehmen.“ Izzy würde dem Rat jetzt ohnehin Meldung über die neusten Vorkommnisse erstatten müssen; man hatte sich dort sehr bestürzt gezeigt, dass der Inquisitor entführt worden war. Vermutlich war Idris jetzt erst einmal abgesperrt.
„Gut.“ Lorenzo packte Tilda und zog sie hoch.

Izzy freute sich zwar, dass sie eine weitere Schuldige geschnappt hatten, aber bei der Suche nach Alec waren sie keinen Schritt weiter. ,Ich hoffe, Jace und Magnus haben mehr Erfolg.‘

~*~

„Magnus…“, sagte Jace zum wiederholten Male mit ungeduldiger Stimme und lief die dunkle Gasse ab. „Hier ist er nicht.“
„Das sehe ich selbst.“
„Und wieso ist er es nicht?“
„Weil mein Vater meinen Suchzauber austrickst“, begründete Magnus gereizt. Auch das hatte er dem blonden Shadowhunter schon mehrfach gesagt. „Er spielt mit uns.“

Magnus hatte sich und Jace inzwischen an sechs verschiedene Orte portalliert und das rund um den Globus; erst in eine alte russische Kirche, in einen Park in Paris, eine alte Burg in Deutschland…
Gerade befanden sie sich in einer verlassenen Straße Londons. Alles Orte, an denen Asmodeus sich zweifellos schon einmal aufgehalten hatte, doch weder Alec noch er waren dort zu finden gewesen.

„Wie kann das sein? Ich dachte, diese Suchzauber von euch Hexern sind so überlegen.“ Verärgert blickte Jace hinter einen Mülleimer. Sie waren schon die halbe Nacht unterwegs und kamen Alec kein Stück näher.
„Es ist, wie wenn man versucht ein Handy zu orten“, versuchte Magnus zu erklären. „Wenn das Signal geschickt blockiert wird, springt die Anzeige auf verschiedene Sendemasten in der ganzen Stadt, sogar auf der ganzen Welt, ohne, dass man genau sagen kann, wo sich der Anrufer wirklich befindet. Würde man alle angewählten Standorte absuchen, würde man den Anrufer früher oder später finden, aber das kostet Zeit.“ So spielte Asmodeus gerade mit ihnen, denn wie sehr Magnus sich auch konzentrierte, in seinem Inneren blinkten dutzende Orte auf, zu denen der Manschettenknopf ihn zu führen schien, alle gleich realistisch und doch konnte nur einer davon der Ort sein, an dem Asmodeus sich wirklich aufhielt.
„Und wenn du versuchst, nur Alec zu orten?“, fragte Jace, ebenfalls erneut.
„Blockiert, wie auch die Verbindung durch eure Parabatairune.“
Jace entfuhr ein frustrierter Schrei „…dann sag mir, was wir tun können, verdammt!“ Zornig trat er die Mülltonne um, was ein lautes Scheppern zur Folge hatte, das in der nebelgetränkten Gasse laut widerhallte. „Wir verschwenden nur unsere Zeit und dieser Dämon amüsiert sich, während er Alec sonst was antut!“
„Glaubst du, das weiß ich nicht?!“, schnauzte Magnus, der sich wirklich Mühe gab, ruhig zu bleiben. Wenn er seinen Gefühlen freien Lauf ließ, konnte er sich nicht konzentrieren, und wenn dem so war, konnte er weder Alec noch seinen Vater finden.
Jace schien mit seinem Ausbruch allerdings noch nicht fertig. „Er ist dein Vater, du musst doch wissen, wo er sich verstecken würde!“ Der Blonde stapfte auf Magnus zu und sah ihn wütend an. „Denk gefälligst nach!“ Am liebsten würde er Magnus kräftig schütteln. Alec brauchte ihre Hilfe und sie tingelten sinnlos durch die Welt!
„Das tue ich! Sich zu verhalten wie ein zorniges Kind, wird Alec auch nicht helfen!“
„Wenigstens zeige ich, dass ich mir Sorgen um ihn mache!“, brauste Jace auf. „Du benimmst dich, als wäre dir das alles völlig egal…ich meine, er ist dein Ehemann und er wird gefoltert, und wir sind…“

Magnus brachte Jace zum Schweigen, indem er ihn mit einer heftigen Welle roter Funken gegen die nächste Wand schleuderte.
Seine Katzenaugen loderten vor Zorn. Zur Hölle mit der Selbstbeherrschung.
„Glaubst du, dass ich das nicht weiß?!“, zischte er und trat näher, während Jace noch damit beschäftigt war, sich wieder aufzurappeln. „Ich bin schuld daran, dass Alexander leidet, ich alleine! Asmodeus tut ihm nur meinetwegen all das an und das auch noch, nachdem wir heute Morgen so schlimm auseinander sind! Ich habe ihm nicht einmal mehr gesagt, dass ich ihn mehr liebe, als sonst etwas auf dieser Welt! Unsere vielleicht letzte Begegnung und es lagen nur Enttäuschung und Schmerz in seinen Augen…“ Während Magnus redete, lief er hin und her. Tränen traten in seine Augen, seine Stimme ging immer mehr in die Brüche, weil ihm etwas klar wurde:

Es könnte passieren. Er würde Alec vielleicht wirklich nie wieder sehen…

Jace erkannte, dass er sich hatte gehen lassen. Er hasste es, hilflos zu sein, doch Beschuldigungen halfen ihnen nicht weiter. Natürlich litt Magnus…ebenso wie er. Langsam kam Jace näher und hielt Magnus am Arm fest, damit er stehen blieb. „Hey.“ Seine Stimme war wieder ruhig.„Es tut mir leid. Alec weiß, dass du ihn liebst und er liebt dich, egal, ob ihr gestritten habt oder nicht. Glaub mir, wenn das jemand weiß, dann ich.“
Magnus sah in Jace‘ Gesicht und wollte nichts mehr, als dessen Worte glauben. „Ich kann ihn nicht verlieren“, sagte der Hexenmeister leise und schluckte die erneut aufkommenden Tränen hinunter. „Schon gar nicht so…“
Es war wie damals, als Alec mit ihm Schluss gemacht hatte, nur schlimmer. Er wusste, dass Alec lebte, hoffte und auf ihn wartete, damit er ihn endlich befreite, doch Magnus schaffte es einfach nicht, seinem Geliebten diesen Wunsch zu erfüllen.
„Wir werden Alec nicht verlieren“, sagte Jace mit Nachdruck. „Niemals.“ Er hatte schon seine Eltern und Großeltern verloren, seinen Ziehvater und sogar Clary, mehrfach. Er würde seinen Parabatai nicht auch noch verlieren, gleichgültig, mit welchem Dämon er es dafür aufnehmen musste.

Ihr Gespräch wurde unterbrochen, als ein heller Lichtstrahl durch den Nebel schoss. Jace zog seine Waffe und auch Magnus hob die Hände, doch es war kein Angriff; das Licht gehörte zu einer faustgroßen goldenen Kugel, die beständig leuchtete und mit gleichbleibender Geschwindigkeit zu ihnen schwebte.
„Was ist das?“ Jace runzelte die Stirn, als die Kugel einen guten Meter auf ihrer Augenhöhe in der Luft stehen blieb.
Magnus erkannte es. „Das…ist eine Übertragungsblase. Sie funktioniert ähnlich wie eine Feuernachricht, man kann sie aber nicht zurückverfolgen. Sie überträgt jedoch Bild und Ton…als würde man mit dem Handy ein Video verschicken.“ Sie war auf Magnus ausgerichtet.
„Ist die von Asmodeus?“, fragte Jace. Er hatte ein ungutes Gefühl.
„Das lässt sich herausfinden.“ Magnus trat an die Blase heran und berührte sie mit einem Finger.
Die Kugel leuchtete etwas heller, was den Hexer wieder zurücktreten ließ. In dem weißen Licht erschienen nun tatsächlich Bilder, wobei es ein wenig wirkte, als lägen sie im Nebel.
„Da ist Alec!“, entfuhr es Jace aufgeregt, als tatsächlich Alec in dem Bildernebel zu erkennen war. Viel war verschwommen, dennoch sah man, dass Alec an irgendetwas gefesselt war. Zudem klebte Blut in seinem Gesicht…und er war nicht alleine. Asmodeus stand dicht vor ihm.
„Wo ist das? Erkennst du es wieder?“, fragte Jace aufgewühlt und versuchte, an den zwei gezeigten Männern vorbei die Umgebung zu erkennen.
„Ich versuche es.“ Magnus suchte nach Teilen des Gebäudes oder etwas Ähnlichem, allerdings wurde kaum mehr von der Blase gezeigt als Asmodeus und Alec, der Rest lag fast vollständig in der Dunkelheit.

//Das? Das ist eine Nachricht, die ich meinem Sohn schicke//, sprach Asmodeus plötzlich so klar, als stünde er vor ihnen, obwohl er sich mit Alec unterhalten hatte. //Damit er sieht, was passiert, wenn man mich verrät.//

Jace zuckte heftig zusammen, als der Dämon seine Klauen in Alecs Bauch rammte. Alec presste die Lippen zusammen, dennoch entkam ihm ein gequälter Schrei. Asmodeus‘ Hand schnellte wieder zurück, Blut sah Jace allerdings kaum.
„Er blutet nicht…wie…?“
„Dämonen können viel Schmerz bereiten, ohne Wunden zuzufügen, wenn sie wollen“, sagte Magnus erschüttert, konnte die Augen nicht von der Szenerie abwenden.

//Willst du Magnus nicht auch etwas sagen? Los, sag seinen Namen. Ruf nach ihm.//
Alec schüttelte den Kopf, doch sein ganzer Körper bebte vor Schmerz, als Asmodeus erneut die Klauen in ihm versenkte.
Nach dem dritten Mal schrie Alec so laut, dass Magnus die Tränen in die Augen schossen. Er musste sie kurz schließen, um sich zu sammeln, sonst würde er wohl den ganzen Häuserblock in Schutt und Asche legen.
„Magnus…ist…ist das live? Passiert das jetzt?“, fragte Jace mit brüchiger Stimme und wandte den Blick von den Bildern ab. Er bekam kaum Luft, weil er sich daran erinnert fühlte, wie er unter Liliths Einfluss gegen Alec gekämpft und ihn so schwer verletzt hatte. Damals hatte Alec ebenso vor Schmerz geschrien und Jace hatte ebenso hilflos zusehen müssen.
„Nein…das ist eine Übertragung von etwas, das geschehen ist, ehe Asmodeus die Blase losgeschickt hat.“ Magnus hörte seine eigene Stimme wie durch Watte. Er wusste, dass sein Vater grausam sein konnte, aber das…es sollte ihn nicht überraschen, denn Terroristen machten Videos davon, wie sie Unschuldige vor den Augen ihrer Familien folterten und töteten, stellten das dann ins Internet oder verschickten es, um Angst und Schrecken zu verbreiten.
Sein Vater bediente sich der gleichen Methoden.
Dennoch war Magnus fassungslos, dass sein Vater wirklich so weit ging, dass er Alec so große Schmerzen bereitete, nur, um Magnus zu bestrafen. Er blickte auf Alecs Hand mit dem Ehering, der Ring, der Schuld war, dass er nun diese Qualen zu erdulden hatte, weil er Magnus erwählt hatte, als ihm etwas auffiel.
Obwohl Asmodeus ihn so malträtierte, schlug Alec immer wieder mit dem Ring gegen den Stein hinter sich, als wolle er auf etwas zeigen.
Magnus kniff die Augen zusammen und betrachtete ihn genauer. ,Das ist kein Stein…das ist eine Tafel mit einer Inschrift...‘, dachte der Hexer. Seine Augen weiteten sich. ,Das ist Indonesisch.‘

Jace hatte genug. Er konnte sich das nicht länger ansehen und anhören. Er holte mit seiner Seraphklinge aus und stieß sie wutentbrannt in die goldene Kugel. Die Bilder von Alecs Folterung verschwanden und die Kugel explodierte mit einem gleißenden Lichtstrahl. Magnus hatte ihn nicht aufgehalten.
„Magnus, lass uns weiter suchen“, sagte Jace gepresst. „Lass uns zu den anderen Orten reisen.“
„Ich…“ Magnus holte tief Luft. „Lass uns zuerst kurz in das Institut zurückkehren. Ich will meine Kräfte neu sammeln und versuchen, den Radius weiter einzugrenzen.“
Eigentlich wollte Jace keine Verzögerungen, jetzt erst recht nicht, aber er sah ein, dass Magnus von den Bildern noch mehr mitgenommen sein musste als er, also hielt er sich mit seiner Ungeduld zurück und nickte. „Na gut. Vielleicht sind Izzy und Lorenzo schon zurück und haben was herausfinden können.“

Keiner von ihnen würde aufgeben, bis sie Alec gefunden hatten.

~*~


Als sie Jace sah, war Izzy erst voller Hoffnung, weil sie dachte, Magnus und er hätten vielleicht mehr Erfolg gehabt als Lorenzo und sie, doch schon ihr erster genauerer Anblick zerstörte diese Hoffnung.
Jace‘ Gesicht waren so von Kummer zerfurcht, dass Izzys Herz sich angstvoll zusammenzog.
„Was ist passiert?“ Ihr Blick schnellte zu Jace‘ Hüfte. War die Rune etwa verschwunden…?
„Nichts“, sagte Jace nach einem kurzen Moment. Er beschloss, Izzy nichts von dieser schrecklichen Übertragung zu erzählen. Warum sollte sie den gleichen Schmerz durchmachen müssen wie er und Magnus? „Magnus wollte nur kurz herkommen und Kräfte sammeln. Dieser Dämon führt uns an der Nase herum, er lenkt Magnus‘ Zauber ständig an allerlei Orte, aber der richtige war noch nicht dabei.“
„…verstehe.“ Izzy senkte den Blick. „Wir haben Hill gefunden, Lorenzo kümmert sich um sie, aber weiterhelfen konnte sie uns nicht.“ Das alles hatte eine furchtbare Eigendynamik entwickelt. „Ich habe ein wenig recherchiert, aber in keiner unserer Datenbanken ist eine Schwachstelle von Asmodeus vermerkt…weiß Magnus da mehr?“
„Er hat nichts gesagt, ich vermute, er will improvisieren, wenn es soweit ist“, schätzte Jace. Das war jedenfalls sein Plan, sobald er dem Dämon gegenüberstand. Mal sehen, ob Asmodeus ohne Kopf immer noch so schadenfreudig grinsen konnte.

Ungeduldig blickte Jace auf die Uhr. Magnus ließ sich Zeit. „Ich sehe mal nach ihm“, sagte Jace schließlich und ging zu Izzys Büro, wo sie sich getrennt hatten. Er klopfte, aber niemand antwortete, also trat er ein. „Magnus, was denkst du, wie lange…“ Jace hielt inne.
Das Büro war leer, aber eine Notiz auf dem Schreibtisch fiel Jace ins Auge. Fragend nahm er sie hoch und las. „Was…verdammt, Magnus!“

~*~


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So, im nächstne Kapitel kommts dann zum großen Finale...bei einem Drama würde man sagen, das hier war das verzögernde Moment vor der Lösung/ Katastrophe im letzten Akt XD
Hoffe, ihr hattet dennoch ein wenig Freude.
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