Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Alle Legenden sind wahr…noch immer

von Mindy
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 Slash
Alexander "Alec" Lightwood Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane
06.07.2020
16.08.2020
10
43.490
22
Alle Kapitel
45 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
01.08.2020 5.962
 
Hallo meine Lieben!
Eigentlich ist die Woche noch lange nicht um, aber nach den super lieben Kommis war ich so ergriffen, dass ich dachte, ich poste ausnahmsweise ein zweites Kapitel diese Woche XD Zudem wachsen die 4 Folge-FFs so rasant, dass ich es gar nicht abwarten kann, die ebenfalls online zu stellen. Tja, wenn die Ferien rum sind, muss ich das wohl einschränken, sonst komme ich gar nicht mehr zur Arbeit XD

Dann sehen wir mal, was unsere Freunde tun, um Alec zu finden und was Asmodeus im Schilde führt und was bei Jace und Clary abgeht muss ich auch mal wieder in Erinnerung rufen.

Viel Vergnügen.
___________________________________________________________________

~*~


„Jace, du machst es aber spannend. Worum geht es denn jetzt, dass ich so dringend kommen sollte?“, fragte Simon, der gelinde gesagt überrascht war, als Jace ihn um ein Treffen gebeten hatte. Sie trainierten zwar zusammen und verstanden sich im Institut gut, aber privat pflegten sie noch immer eher wenig Kontakt.
Nun hatte Jace ihn sogar in seine Wohnung zum Abendessen eingeladen! Wobei die Wohnung wohl nicht wirklich Jace gehörte, sondern eine von vielen war, welche die Shadowhunter besaßen, um sich in Notfällen verstecken zu können. Jace lebte ja im Institut…wörtlich und, weil er außer arbeiten nichts tat.

„Okay“, sagte Jace, der ziemlich nervös war. Er hatte die letzten Tage mit Clary verbracht und sie hatten viel geredet, doch trotz seiner Mahnung, es langsam angehen zu lassen, drängte Clary darauf, noch mehr von ihrer Vergangenheit zu erfahren. Zudem schien die Rothaarige immer wieder Flashbacks zu haben, die sie nicht recht einzuordnen wusste.
Jace hatte daher beschlossen, noch jemandem zum heutigen Abendessen einzuladen, jemand, an den Clary sich vielleicht ebenfalls erinnerte und ihrem Gedächtnis so auf die Sprünge helfen konnte. Bei der gedanklichen Auswahl war seine Wahl klar auf Luke oder Simon gefallen. Beide kannte Clary sehr lange, doch Luke war mit Maryse in Ägypten unterwegs, also hatte Jace sich eben für Simon entschieden.

Jace hob mahnend den Zeigefinger. „Was ich dir gleich erzähle, ist ziemlich brisant, daher musst du versprechen, dass du nicht unkontrolliert redest, keine Fragen stellst und vor allem versicherst, niemandem davon zu erzählen, bis ich es dir erlaube. Klar?“
„Okay…“, sagte Simon gedehnt und runzelte die Stirn. Das klang sehr mysteriös…und hoffentlich kam jetzt nichts Schräges, wie, dass Jace gerne Frauenkleidung trug, denn es würde Simon verdammt schwerfallen, das unkommentiert zu lassen. „Worum geht es?“
Jace holte tief Luft. „Vor ein paar Tagen, als ich Clary besucht habe…nein, ich war unsichtbar, schau nicht so! Jedenfalls…sie hat mich gesehen. Sie konnte durch die Unsichtbarkeitsrune sehen und wir haben uns unterhalten. Sie hat mich erkannt und sich an mich erinnert.“
„Was?!“ Simon öffnete erstaunt den Mund und strahlte unkontrolliert. „Ist das dein Ernst?! Das kann nicht wahr sein, sie hat dich erkannt? Das ist großartig! Dann ist die Strafe der Engel endlich zu Ende? Warum hast du noch nichts zu den anderen gesagt? Wieso hast du sie nicht direkt ins Institut gebracht? Oh Jace, wir müssen es allen erzählen, vor allem Luke und Izzy!“
„…“ Jace starrte Simon an. „Schön, dass du so gut zuhörst, wenn ich etwas sage.“ Er griff nach Simons Kragen und zog ihn etwas zu sich, um seinen Enthusiasmus zu stoppen. „Sie erinnert sich nur an mich und Bruchstücke, von Dämonen, Vampiren und so hat sie noch keine Ahnung. Ich will sie nicht überfordern, also lassen wir es langsam angehen. Du kommst jetzt mit und wenn sie dich erkennt, kannst du bleiben. Sonst verziehst du dich wieder. Und kein Wort über Blut und spitze Eckzähne oder so etwas, klar?“
„Au! Was…ach so…na schön, na schön…“ Das ergab ja sogar Sinn, obwohl es Simon gar nicht passen würde, dass Clary sich an Jace erinnerte, aber nicht an ihn.
Jace ließ ihn los. „Gut. Und halte dich dieses Mal an die Anweisungen, sonst pfähle ich dich gleich heute Nacht, verlass dich drauf.“ Jace richtete kurz sein Haar und zog seine Lederjacke zurecht, ehe er Simon zwei Zimmer weiter führte.

Clary saß dort am Esstisch und zeichnete mit Bleistift auf einer Serviette herum.
„Clary“, räusperte Jace sich. „Ich möchte dir jemanden vorstellen.“ Er schob Simon etwas grob ein Stück nach vorne.
Warum musste Jace ihn eigentlich immer rumschubsen?!
Clary sah auf und musterte ihn, was Simon dazu brachte, sich nervös durchs Haar zu fahren. „Hi Clary“, sagte er und hob unbeholfen die Hand. Seine geliebte Freundin endlich wieder zu sehen, ihr gegenüber zu stehen und mit ihr zu reden…es war ein überwältigendes Gefühl.
„Hi“, sagte Clary und legte leicht den Kopf schräg, während sie ihn musterte.
„Erkennst du ihn vielleicht?“, fragte Jace nach einem kurzen Moment des Wartens.
Clary antwortete nicht, sondern musterte ihn weiter.
Simon sah keinen Ausdruck des Wiedererkennens in ihrem Gesicht. Sein Inneres verkrampfte sich enttäuscht. „Oh ja, das war ja klar“, sagte Simon resigniert und machte eine wegwerfende Handbewegung gegen Jace. „Du erkennst den durchtrainierten, blondierten Schönling, an ihn erinnerst du dich, aber nicht an den Nerd, der…“
„…der Gitarre spielt, wunderbar singt und sich mit mir verlobt hat, als wir acht Jahre alt waren“, vollendete Clary den Satz und erhob sich eilig. „Simon…natürlich…natürlich erinnere ich mich.“
Ihre Augen weiteten sich, als all die Bilder ihrer Kindheit und Jugend vor ihrem inneren Auge wie im Strudel auf und ab wirbelten. Leichte Kopfschmerzen begleiteten diese Bilder, aber es hielt sich in Grenzen.
„Wirklich?! Ja, muss ja so sein, du hast meinen Namen gesagt!“ Strahlend eilte Simon auf seine Freundin zu und schloss sie in die Arme, was Clary lächelnd erwiderte.
„Oh Simon, es tut so gut dich wiederzusehen. Es tut mir so leid, dass ich dich vergessen habe, ich…ich kann mir das nicht erklären. Jace sagte, es war ein Unfall…“
„Ja…ein Unfall…“ So konnte man das wohl nennen. „Aber das macht nichts, ich hätte auch noch zehn, fünfzig Jahre darauf gewartet, bis du mich wiedererkennst“, versicherte er ihr und drückte sie noch etwas mehr. Das war der beste Tag seit langem.
Es dauerte, bis er sich löste und Clary liebevoll ansah. „Was…genau weißt du denn noch alles?“, fragte er nun. Er wollte alles wissen, schon, damit er sich nicht verplapperte und Jace seine Drohung wahr machte. Zuzutrauen wäre es ihm…
„Das ist eine Menge und gleichzeitig alles so unstrukturiert“, gab Clary zu und setzte sich mit Simon an den Tisch. „Da sind Dinge, die keinen Sinn ergeben und Teile, die fehlen…“

Jace beobachtete alles wachsam, dennoch verbuchte er es als großen Erfolg, dass Clary einen weiteren Teil ihrer Erinnerungen zurückerhalten hatte. Vielleicht würde es jetzt immer so weiter gehen, je mehr bekannte Gesichter und Orte er ihr zeigte.
Plötzlich klingelte sein Telefon.
Erst wollte er es ignorieren, doch das Shadowhuntersymbol auf dem Display sagte ihm, dass es wichtig sein musste. Er ging in das Zimmer nebenan und ging ran. Es war Izzy.
//Jace! Ein Glück, dass ich dich trotz Urlaub erreiche.//
„Was ist denn los?“ Izzy klang aufgeregt, was sehr selten der Fall war. Etwas Schlimmes musste passiert sein.
//Es geht um Alec…ein Dämon hat ihn entführt. Du musst sofort kommen.//
Jace‘ Augen weiteten sich. „Entführt?!“ Das konnte nicht sein…wieso sollte ein Dämon Alec entführen? „Wie konnte das passieren?!“ Alec war noch nie entführt worden, er war es immer, der sie rettete und aus dem Mist befreite, den sie sich auf den Missionen einbrockten.
//Komm her so schnell du kannst, wir bringen dich auf den neusten Stand. Ich muss Magnus anrufen…//
„Okay, ich bin sofort da.“ Jace legte auf und ging zu Clary und Simon zurück. „Ich habe einen Notfall auf der Arbeit, ich muss gehen“, sagte er, was Simon zum Aufstehen bewog.
Clary schaute ebenfalls betroffen, doch er hatte ihr nicht gesagt, worin seine Arbeit bestand.
„Notfall? Was…?“
„Es geht um meinen Bruder, ich muss mich darum kümmern. Bleib du hier bei Clary“, bat Jace, der sie ungern alleine ließ. Allerdings ging es um seinen Parabatai, er musste Alec zu Hilfe kommen. „Bitte Simon“, wiederholte er, weil Simon im Gegensatz zu Clary natürlich wusste, um wen es ging und sicher sofort auch an Izzy dachte.
Simon nickte langsam. „Gut, mache ich…bitte informiere mich aber, falls ihr Hilfe braucht.“
„Viel Glück, ich hoffe, es kommt alles in Ordnung“, sagte Clary mitfühlend. Sie spürte, dass etwas sehr Schlimmes passiert sein musste, denn Jace schaute sehr besorgt. ,Sein Bruder…‘ Sie fühlte sich, als müsse sie wissen, um wen es ging, aber kein Bild erschien in ihrem Kopf.
„Ich komme wieder, sobald ich kann“, versicherte Jace und ging noch einmal zu Clary, um sie sanft zu küssen. Es dauerte vielleicht, bis er wieder kam.
Mit einem letzten Blick auf sie machte Jace sich auf den Weg. Er hoffte, dass sich Clarys Wunsch erfüllte, und alles in Ordnung kam.

~*~


Als Magnus‘ Handy klingelte, war es schon später Nachmittag und er war gerade Zuhause angekommen. Alexander war noch nicht da, was an sich aber nicht ungewöhnlich war. Er würde immerhin erst wieder von New York nach Alicante reisen müssen, wenn er dort fertig war. Magnus wollte die Zeit nutzen, sich ein wenig Mut anzutrinken und das Gespräch über die Unsterblichkeitsrune vorzubereiten, das sie zwangsläufig noch würden führen müssen.

Als er sein Handy zur Hand nahm, war es allerdings nicht wie erhofft Alec, sondern Izzy. „Isabelle“, meldete er sich verwundert. Zwar pflegten sie ein sehr gutes Verhältnis, aber sie telefonierten nur selten miteinander, vor allem, seit er in Alicante wohnte und andere Hexenmeister für das New Yorker Institut die Arbeit machten. „Was kann ich für dich tun?“
//Du musst zu uns kommen, es geht um Alec//, sagte sie und Magnus‘ Inneres verkrampfte sich, weil er deutlich Sorge aus ihrer Stimme heraushörte. Er fürchtete kurz, es könnte dieser Anruf sein…der Anruf, vor dem er sich insgeheim immer fürchtete, wenn Alec auf Mission war.
Was Isabelle allerdings dann sagte, war fast genauso schlimm.
//Ich kenne noch nicht alle Details, aber irgendwie konnte Asmodeus aus dem Limbus entkommen. Er hat Alec entführt.//

~*~


„Wie fühlst du dich?“ Lorenzo stand neben Andrews Krankenliege und sah ihn besorgt an.
Nachdem Alec und Asmodeus verschwunden waren, hatte Lorenzo Andrew und sich in das Institut portalliert, damit Andrews Wunden versorgt werden konnten. Die Heilrune zeigte allerdings wenig Wirkung bei der starken dämonischen Kraft, mit der Asmodeus ihn verletzt hatte. Natürlich hatten sie sofort Isabelle über die Geschehnisse informiert, die alles in Bewegung setzte, um ihren Bruder zu finden.
„War schon mal besser“, gab Andrew zu. Er war blass und die Wunde schmerzte. Vorhin glaubte er sogar einen Stück Knochen gesehen zu haben…
„Shadowhunter-Heilmagie“, schnaubte Lorenzo abfällig. Einfach unzuverlässig. „Lass mich mal.“ Er hob die Hände, von denen sanfte Wellen goldener Magie ausgingen. Vorsichtig bewegte Lorenzo sie über die Wunde, die unter einem weißen Verband steckte.
Tatsächlich ließen die Schmerzen deutlich nach, was Andrew lächeln ließ. „Danke.“ Er setzte sich aufrecht hin und schwang die Beine über die Kante der Liege. „Schon viel besser…vielleicht erlaubt Isabelle, dass ich bei der Suche helfe.“
„Das halte ich für keine gute Idee“, sagte Lorenzo streng. „Asmodeus ist einer der mächtigsten Dämonen, die wir kennen und du bist verletzt. Nicht einmal gesund hättest du eine Chance.“
Das war nicht besonders nett, aber wohl die Wahrheit. Dennoch wollte Andrew etwas tun, denn er fühlte sich verantwortlich…er war dabei gewesen, um Alec zu beschützen, doch er hatte zugelassen, dass man ihn mitnahm.
Er senkte den Blick.
„Es war nicht deine Schuld“, sagte Lorenzo nun sachte und legte eine Hand an Andrews Wange, weil er ahnte, was in dem Blonden vorging. Shadowhunter und ihr unendliches Pflichtgefühl. „Hättest du versucht, Asmodeus weiter anzugreifen, wärst du nur umgekommen. Das hätte ich nicht ertragen.“ Lorenzo hätte es aber vermutlich nicht verhindern können, wie er sich eingestehen musste. Kein Wesen alleine war Asmodeus gewachsen.
Andrew hob den Kopf und lächelte. Trotz oder vielleicht wegen dieser schlimmen Ereignisse, fühlte er sich Lorenzo plötzlich wieder näher. „Danke, dass du mich beschützt hast, sonst wäre ich wohl schon tot. Es tut mir aufrichtig leid, dass ich dir nichts von diesem blöden Kuss erzählt habe…ich war nicht deswegen bei Alec, ich dachte, er kann mir helfen, mich besser anzustellen in der Beziehung, damit du glücklicher mit mir bist…“
Lorenzo lächelte matt, weil er aus ähnlichen Gründen bei Magnus gewesen war. Daher verstand er Andrews Beweggründe. „Vergessen wir das. Ich bin es wohl, der sich mehr Mühe geben muss…denn offenbar habe ich dir nicht vermittelt, dass ich bereits sehr glücklich mit dir bin.“ Das sagte und zeigte Lorenzo wohl nicht oft genug.
Nun schien Andrew es jedoch zu spüren, denn er beugte sich vor und küsste den Hexenmeister. „Ich…ich liebe dich.“
Lorenzos Herz schlug schneller. „Du kannst dich geehrt fühlen…ich liebe dich auch…“

„Hey“, erklang plötzlich eine schneidende Stimme.
Jace betrat mit entschlossenen Schritten das Zimmer, dicht gefolgt von Izzy und Magnus. Allen stand die Anspannung ins Gesicht geschrieben.
„Hört auf zu turteln und bleibt bei der Sache“, wies Jace die beiden Männer zurecht und blieb vor ihnen stehen. „Ich will jetzt ganz genau wissen, wie ihr es zulassen konntet, dass einer der mächtigsten Dämonen, den wir kennen, Alec entführt.“ Er warf Andrew einen vernichtenden Blick zu, als hätte er den Schuldigen bereits gefunden.
„Es war mit Sicherheit nicht seine Schuld“, sprang Lorenzo seinem Partner bei und erwiderte Jace‘ Blick scharf. „Wir waren auf der Suche nach diesen Verschwörern, die offenbar hauptsächlich aus diesem Institut stammten. Wenn jemand Schuld an dem Schlamassel trägt, dann wohl einmal wieder Abtrünnige der Shadowhunter, wie schon in der Vergangenheit.“
„Was war das? Sie kommen uns jetzt allen Ernstes so?“, fragte Jace zornig und ballte die Hand zur Faust. Sie tauschten wütende Blicke aus, wobei Jace die Wahrscheinlichkeit abwog, Lorenzo mit einem Schlag auszuknocken.
Wenn er traf, mindestens 85%.
„Wie konnte Asmodeus aus dem Limbus entkommen, ich dachte, das ist unmöglich“, mischte Izzy sich ein und kaute auf ihrer Unterlippe. Ein Hahnenkampf zwischen den Männern um die größte Potenz war jetzt wirklich nicht zielführend.
Tatsächlich löste Lorenzo den giftigen Blick von Jace und sah zu Magnus. „Sie hatten einen Hexenmeister, eindeutig. Ich spürte fremde Magie. Er hat ihnen geholfen und irgendwie geschafft, Asmodeus im Limbus aufzuspüren und dann zu beschwören. Offenbar wurde seine Macht jedoch unterschätzt.“ Es musste sich also um einen sehr jungen und dummen Hexer handeln. „Soweit ich das beurteilen kann, hatte Asmodeus es vor allem auf dich abgesehen. Er war nicht glücklich darüber, wie das mit euch geendet hat.“
„Natürlich geht es um mich, er wird mich nie in Ruhe lassen“, sagte Magnus düster.
„Ich fürchte, es stimmt“, sagte Andrew leise. „Er hat uns gefragt, wo er dich finden kann…Alec wollte es ihm nicht sagen, also tat ich es, weil ich fürchtete, er würde Alec sonst töten. Als er erfuhr, dass du in Alicante bist, nahezu unerreichbar, hat er Alec mitgenommen…“
Jace biss die Zähne zusammen. „Dann hat er Alec entführt, um an Magnus heranzukommen. Also lebt er noch.“ Alles andere würde Jace ohnehin spüren, dennoch fraß die Sorge sich durch sein Herz und seinen Verstand wie ein Geschwür.
„Dann…müssen wir warten, bis er sich meldet?“, fragte Izzy. Das gefiel ihr gar nicht.
„Er wird sich Zeit lassen, um mich zu quälen“, vermutete Magnus mit belegter Stimme. Sein Vater liebte diese Spielchen, wie er bei ihrem letzten Aufeinandertreffen bewiesen hatte. „Zudem ist Edom nicht mehr, er wird erst Kräfte aus einem anderen dämonischen Reich sammeln müssen. Seinen Aufenthaltsort wird er unterdrücken. Ich werde dennoch versuchen ihn und Alec aufzuspüren.“
„Gut, mach das…am besten suchen wir auch diesen Hexenmeister. Wenn er nicht unter den Toten war, ist er vielleicht entkommen und ganz uns weitere Informationen darüber geben, warum diese Leute ausgerechnet Asmodeus beschworen haben“, sagte Izzy. Sie kämpfte ihre Angst langsam nieder und fand in ihre alte Tatkräftigkeit zurück. „Magnus komm mit mir, hier kannst du in Ruhe versuchen, deinen Vater aufzuspüren. Jace und Lorenzo gehen am besten in die Halle zurück; seht, ob ihr Hinweise auf den Hexer oder Alecs Aufenthaltsort findet. Ich schicke Truppen aus, sie sollen auf Unregelmäßigkeiten achten. Außerdem müssen wir herausfinden, wie wir Asmodeus besiegen können, sobald wir ihn gefunden haben.“
„Ich dämpfe Ihren Tatendrang ja nur ungern, meine Teuerste, aber ich bin der hohe Hexenmeister von Brooklyn und keiner Ihrer kleinen Soldaten, den Sie nach Belieben herumkommandieren können“, wies Lorenzo Izzy selbstgefällig zurecht. „Dies ist keine Angelegenheit der Hexenmeister, sondern eine persönliche Fehde, also…“
Jetzt trafen Lorenzo drei Paar wütende Blicke.
„Sie wollen uns Ihre Hilfe verweigern, im Ernst?!“, rief Izzy entrüstet und trat zwei Schritte auf Lorenzo zu, während Jace aussah, als wolle er Lorenzo an Ort und Stelle niederstrecken. „Mein Bruder ist in Lebensgefahr und, wie Sie berichtet haben, weil er euch beide vor Asmodeus hat beschützen wollen! Es ist mir also egal, von was Sie der hohe Hexenmeister sind, Sie werden uns helfen, Alec zu finden, oder ich benutze die Absätze meiner Schuhe und schiebe Sie Ihnen in…“
„Isabelle“, sagte Magnus und hob beschwichtigend die Hand, weil er merkte, dass Izzy kurz davor war unflätig zu werden. Das half jedoch kaum dabei, Lorenzos Hilfsbereitschaft zu wecken, wie er selbst nur zu gut wusste.

„Lorenzo“, sagte Underhill plötzlich und sah den Hexer flehend an. „Bitte. Alec ist ein wirklich guter Mensch und er braucht unsere Hilfe. Wir brauchen dich und deine überwältigenden Fähigkeiten mehr denn je. Ohne dich schaffen wir es nicht.“
Jace‘ Augenbrauen ruckten nach oben. „Überw…“
Izzy schlug ihm schnell gegen die Seite, was Jace keuchen ließ. Sie durchblickte sofort, was Underhill da tat.
„Hm…es stimmt, meine Kräfte sind wahrlich überwältigend“, stimmte Lorenzo bedächtig nickend zu, ehe er tief seufzte. „Na schön, ich will nicht so sein und erweise euch gnädigerweise meine Hilfe. Erneut.“ Er hob die Hand. „Aber ich möchte eine entsprechende Gegenleistung dafür und verlasst euch drauf, das wird das Institut einiges kosten.“
„…“ Das Einzige, was an diesem Kerl überwältigend war, war sein Ego. „Dann lasst uns keine Zeit verlieren, bring uns zu der Halle“, sagte Jace zu Lorenzo. „Keine Sorge, Alec ist stark“, wandte er sich an Magnus, während Lorenzo sich mit einem Kuss von Underhill verabschiedete. „Wir werden ihn finden und Asmodeus in die Hölle zurückschicken.“

Magnus brachte mit Mühe ein zaghaftes Lächeln zustande, zu groß war seine Sorge um Alec. Er wusste nicht, was sein Vater mit seinem Ehemann vorhatte, aber die schlimmsten Befürchtungen krochen durch seinen Körper und machten es ihm schwer, sich überhaupt auf irgendetwas zu konzentrieren. Es war allein seine Schuld, dass Alec in dieser Gefahr schwebte…Asmodeus war sein Vater, sein Blut, und er hatte ihn mit seiner Bitte damals wieder in sein Leben gebracht. „Ja, Alexander ist stark“, stimmte Magnus nun zu. Er nickte Jace zu und folgte Izzy in die Kommandohalle, während Jace und Lorenzo sich hinter seinem Rücken aus dem Raum portallierten.

~*~


„Was eine Sauerei“, brummte Jace und betrachtete die Leichen sowie die Zerstörungsspuren in der Lagerhalle.
Er hatte Izzy bereits Bescheid gegeben, dass sie jemanden zum Aufräumen schicken musste, damit die Mundies das hier nicht irgendwann fanden und Fragen stellten. Er musterte die toten Shadowhunter mit einer Mischung aus Abscheu und Mitleid, denn auch, wenn sie offenbar heimlich für eine andere Sache gekämpft hatten, mit dem Plan, die Beziehungen zwischen Shadowhuntern und Unterweltlern zu sabotieren, hatte er Enno zum Beispiel lange gekannt und einige Missionen mit ihm gehabt.
Sein Blick fiel auf Drago. Er war einer ihrer stärksten Kämpfer gewesen. Jace schickte Izzy die Namen, vielleicht fand man so ein Muster oder weitere Verräter.
„Hm, ich kenne diesen Stil“, sagte Lorenzo, der sich neben das Pentagramm gebückt hatte. Er nahm etwas von der schwarzen Substanz auf die Fingerspitzen, mit der das Zeichen auf den Boden gemalt worden war. „Ich glaube, ich weiß, welche Hexe hier hinter meinem Rücken herumgepfuscht hat.“ Er verengte die Augen zu Schlitzen. Wenn sich sein Verdacht bestätigte, würde er diesem hinterhältigen Biest das Hexenmal eigenhändig vom Körper reißen.  

Jace‘ Augen glitten wachsam über den schmutzigen Hallenboden, als ihm etwas auffiel. Er lief einige Meter nach links und ging in die Hocke. Vorsichtig hob er einen Manschettenknopf auf. Er sah kostbar aus, als stamme er von einem teuren Anzug oder Hemd. Er passte weder zu diesem Ort noch zu dem Stil der Toten, die hier verstreut waren.
„Rey“, sagte Jace und drehte den silbernen Knopf mit den feinen Linien zwischen den Fingern. „Sehen Sie mal.“
Lorenzo kam zu ihm und betrachtete den Knopf, den Jace ihm hinhielt. Er zuckte zusammen. „Er gehörte Asmodeus.“
„Das dachte ich mir fast.“ Jace erhob sich. „Er muss von seiner Kleidung abgefallen sein.“
„Nein…ich erinnere mich. Als er Alec gepackt hat, hat dieser an seiner Kleidung gezerrt…er muss ihn abgerissen haben“, fiel es Lorenzo ein.
„Verstehe. Natürlich.“ Das passte zu Alec. „Wenn das hier Asmodeus gehört, können wir ihn damit finden, zu unseren Bedingungen. Alec hat uns etwas hinterlassen, damit wir ihn aufspüren können, selbst wenn Asmodeus Alecs Präsenz unterdrückt.“ Vielleicht konnte Jace mit ihrer Parabataiverbindung zusätzlich helfen. Er würde alles tun, was nötig war.
Seit Alecs Verschwinden waren schon fast zwei Stunden vergangen und jede Minute schien Jace wie eine Ewigkeit der Ungewissheit. „Gehen wir zurück und informieren die anderen.“

~*~


Ein leises Stöhnen kam über Alecs Lippen, als er zu sich kam und langsam die Augen öffnete. Irgendwann, nachdem Asmodeus mit ihm durch das Portal gegangen war, musste er das Bewusstsein verloren haben. Er war nur einen kurzen Moment verwirrt bis ihm einfiel, warum er nicht in seinem Bett aufwachte, sondern an einem fremden Ort, der seines ersten Eindrucks nach wie ein Kloster wirkte, das schon lange verlassen war. Er stand aufrecht und stellte fest, dass seine Hände links und rechts neben seinem Kopf mit rot pulsierenden Fesseln aus Energie fixiert waren. Probehalber zog er daran, doch sie saßen so fest, dass seine Handgelenke sich nicht einmal wirklich drehen ließen. Hinter sich spürte er eine Art Mauer im Rücken, doch ein Blick nach oben sagte ihm, dass diese nur wenige Meter höher war als er. Es war wohl eher eine Steintafel mit Inschriften darauf, denn er spürte Unebenheiten am Rücken. Er trug seine Jacke nicht mehr, was hieß, dass eine Stele ebenso weg war wie sein Handy. Wieder ließ er den Blick schweifen.

Sein erster Eindruck verfestigte sich, dass er sich in einer Art Klosterkirche zu befinden schien; die Decke war weitläufig und an den Säulen konnte er beeindruckende Ornamente und Figuren erkennen, die wohl mit dem Mundie-Glauben zu tun hatten. Einige der hohen Fenster waren kaputt, daher sah er, dass es bereits dunkel war. Mehrere Fackeln an den Wänden erhellten den Raum, so konnte Alec verstaubte hölzerne Sitzbänke sehen. Der Zustand der schmutzigen Kalksteinmauern und Deckenbögen sagte Alec, dass dieses Kloster lange nicht besucht worden war. Zu seiner Rechten befand sich ein halb zerstörter und verstaubter Altar. Er sollte wohl froh sein, dass er nicht daran festgebunden war.

Dennoch fand er diesen Ort recht ungewöhnlich, um jemanden gefangen zu halten…offenbar hatte Asmodeus einen Hang für Dramatik. ,Irgendwoher muss Magnus es ja haben‘, dachte Alec, verbot sich diesen Gedanken aber gleich wieder. Sein Mann hatte nichts, rein gar nichts, mit diesem Dämon gemeinsam, ob sie das gleiche Blut teilten oder nicht.
„Ah, Mr. Lightwood. Endlich wach?“ Asmodeus kam den in Schatten getauchte Mittelgang entlang, seinen Gehstock elegant hin und her schwingend. „Nun, Sie haben nichts verpasst, ich habe mich ein wenig häuslich eingerichtet.“
„In einem Kloster“, stellte Alec desinteressiert fest.
„Sie haben ein gutes Auge. Es stimmt, das hier war einmal ein Kloster, fernab von jeglicher Zivilisation und in den reinen Felsen eines Berges gehauen. Fast ein Jahrhundert hat der Bau gedauert, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ein wirklich beeindruckender Anblick, der schon von weitem zu sehen ist und doch den meisten Augen verborgen bleibt, wenn man nicht an der richtigen Stelle steht.“ Asmodeus war zum Altar geschritten und strich fast schon liebkosend darüber. „Ursprünglich sollte hier wohl der Engel und Gott gedacht werden, aber es bildete sich ein weitaus weiserer Orden heraus, der sich irgendwann entschied, sich der Unterwelt zu verschreiben. Ich hatte hier viele Diener und mir wurden sehr viele Opfer dargebracht.“ Er schloss kurz die Augen, als schwelge er in Erinnerungen an gute alte Zeiten.
„Ich weiß nicht, was das alles soll“, sagte Alec mit fester Stimme. „Aber was immer Sie vorhaben, man wird Sie aufhalten.“
„Aufhalten? Sicher, darin seid ihr Shadowhunter ja so begabt.“ Asmodeus‘ Stimme triefte vor Spott, während er sich umdrehte und auf Alec zuging. „Zuerst einmal will ich etwas tun, das ich schon immer einmal ausprobieren wollte…es ist so…irdisch, aber scheint den Mundie ein tiefes Bedürfnis zu erfüllen.“ Asmodeus hob die rechte Hand und betrachtete sie eingehend, ballte sie zur Faust und schlug Alec ohne Vorwarnung ins Gesicht.
Sein Kopf wurde nach hinten geschleudert und kollidierte unsanft mit dem Stein. Blut schoss aus seiner Nase und beschmutzte seinen Hals und sein schwarzes Shirt.
„Ja, brachiale Gewalt hat wirklich seinen Reiz“, sagte Asmodeus und schüttelte die gerötete Faust. „Das hatten Sie verdient, denn Sie haben mich betrogen. Wir hatten einen Deal.“
„Ich habe mich an diesen Deal gehalten!“, stellte Alec zornig klar und ignorierte das Pochen in seinem Gesicht. „Ich habe damals mit Magnus Schluss gemacht, ich habe ihm das Herz gebrochen und ihn alleine gelassen, damit er seine Magie zurückerhält. Ich habe ihm nichts verraten!“

Es hatte Alec förmlich zerrissen, als er Magnus in dieser Nacht im Buchladen seiner Mutter mit so harschen Worten hatte stehen lassen. Er hatte ihn kaum ansehen können, sonst hätte er die herzlose Fassade nicht aufrecht erhalten können, obwohl er überzeugt gewesen war, das Richtige zu tun. Als er den Laden verlassen hatte, hatte Alec es kaum zwei Straßen weiter geschafft, ehe er in Tränen ausgebrochen war und sich in einer Gasse hatte setzen müssen, um sich einigermaßen zu beruhigen.
„Falls Sie das erneut erwarten, muss ich Sie enttäuschen“, fuhr Alec widerspenstig fort. „Ich werde Magnus nie wieder so verletzen.“ Niemals würde er sich von ihm trennen.
Obwohl sie heute Morgen so gestritten hatten und es immer noch Dinge gab, in denen sie sich uneins waren, hatte sich an Alecs Gefühlen rein gar nichts geändert; er liebte Magnus über alles, er war seine ganze Welt und er würde alles aufgeben, um bei ihm sein zu können, selbst, wenn dies nicht auf Gegenseitigkeit beruhen sollte.
„Ich habe kein Interesse an irgendeiner Art Geschäft mit Ihnen“, sagte Asmodeus gelangweilt und trat näher an Alec heran. Grob umfasste er sein Gesicht mit einer Hand, damit Alec ihn ansehen musste. „Alles, was ich will, ist meinen Sohn bei mir zu haben. Ich habe es mit Hilfe und Unterstützung versucht, jetzt werde ich andere Saiten aufziehen.“ Langsam verlor Asmodeus die Geduld. Zudem wäre es wesentlich leichter, sich in einem der anderen Dämonenreiche die Herrschaft zu sichern, wenn Magnus mit seiner Macht an seiner Seite kämpfte. „Sie sind lediglich dazu da, mir dabei zu helfen, meinen Sohn zur Besinnung zu bringen. Liebe mag ihn nicht in meine Arme getrieben haben, aber vielleicht werden Schmerz und Hass es tun.“
Der Shadowhunter erwiderte Asmodeus‘ Blick voller Trotz. Alec wusste, er konnte sich nicht wehren und war nicht in der Position, zu verhandeln oder Forderungen zu stellen, doch das kümmerte ihn herzlich wenig. „Sie sind ein Monster. Ich werde Ihnen niemals helfen, Magnus zu quälen oder zu Ihnen zu bringen. Lieber sterbe ich.“
Asmodeus lächelte grausam, als wäre er nur allzu gerne bereit, Alec diesen Wunsch zu erfüllen. „Geduld, Mr. Lightwood. Soweit sind wir noch lange nicht. Wenn ich richtig liege, müssten Ihre Kameraden inzwischen meinem Sohn und Ihren Geschwistern von Ihrem Verschwinden berichtet haben. Sicher suchen sie verzweifelt nach einem Weg uns zu finden und Sie zu retten.“
Asmodeus ließ Alec los und griff nach seinem Oberteil, um es an der Hüfte ein Stück nach oben zu ziehen. Interessiert betrachtete er die Parabatairune, die Alec dort trug.
Erneut riss Alec an den roten Energiefesseln, aber er schnitt sich nur in die Haut, so sehr er die Arme auch anspannte. „Noch will ich nicht, dass mein Sohn uns findet, er soll sich ruhig noch ein wenig in seinen Sorgen suhlen und erkennen, was für ein Fehler es war, mich zu hintergehen. In dieser Zeit schicken wir ihm und Ihren Freunden eine Nachricht.“ Asmodeus hob die Hand und legte sie auf Alecs Haut, genau auf die Rune.
„Was hei…“ Alec blieben die Worte im Hals stecken, als ein rotes Glühen von Asmodeus’ Hand ausging. Augenblicklich fuhr sengend heißer Schmerz durch Alecs gesamten Körper, als hätte man sein Blut in Flammen gesetzt.
Sein lauter Schmerzensschrei hallte von den reich verzierten und bunt bemalten Decken nieder.

~*~


„Ihr Name ist Tilda Hill“, erklärte Lorenzo, als Jace und er in das Institut zurückgekehrt waren.
Zusammen mit Magnus und Izzy standen sie um den großen Bildschirm in der Kommandozentrale versammelt, wo Izzy nun die Daten der entsprechenden Hexe aufrief. Das Bild einer hübschen Frau mit langen braunen Locken und Stupsnase erschien.
„Sie ist jung, aber schon sehr mächtig, überschätzt sich aber kolossal. Sie wollte damals ebenfalls Magnus‘ Nachfolge als oberster Hexenmeister antreten, natürlich hatte sie keine Chance gegen mich.“ Lorenzo schüttelte abfällig den Kopf. „Es war ihre Energiesignatur, die ich in der Halle wahrgenommen habe. Sie muss es gewesen sein, die für diese Abtrünnigen ein Portal in den Limbus geöffnet und Asmodeus beschworen hat. Ich habe Spuren verschiedener Bann- und Schutzzauber gefunden, offenbar glaubte sie, ihn so unter Kontrolle halten zu können. Dummes Ding.“ Daran merkte man, wie wenig Erfahrung Tilda mit Dämonen dieser Größenordnung hatte.
Magnus enthielt sich eines Urteils, er hatte immerhin selbst einmal geglaubt, Azazel im Zaum halten zu können…er hatte dafür gebüßt.
Kummervoll fiel sein Blick etwas entfernt auf einen Tisch, auf dem Alecs‘ Bogen und Köcher lagen. Underhill hatte sie wohl bei der Rückkehr mitgebracht. Er wusste, dass Alec ein sehr starker Kämpfer war, aber seinem Vater war er in diesem Zustand, alleine und waffenlos, hilflos ausgeliefert.
„Sie wird und schon sagen, wie und warum sie das getan hat“, sagte Jace mit Blick auf Tildas Bild, die Arme vor der Brust verschränkt. Dafür würde er persönlich sorgen.
„Ich habe die Namen der mutmaßlichen Verräter in unsere Datenbank eingegeben“, ergriff Izzy das Wort und zeigte die Bilder von Drago, Enno, Karl und weiteren Shadowhuntern. „Soweit ich das beurteilen kann, war Drago der Kopf des Ganzen. Er hat beispielsweise damals Beschwerde dagegen eingereicht, dass Alec und Magnus im Institut heiraten. Dazu kommen mehrere Tadel wegen unverhältnismäßiger Gewalt gegen Unterweltler. Seine Motive liegen aber wohl weiter zurück; er und sein Parabatai waren ganz zu Anfang ihrer Ausbildung auf einer Mission, bei der es einen Aufstand mehrerer Unterweltler gegen den Rat gab. Man konnte den Aufstand zwar niederkämpfen, aber Dragos Parabatai wurde dabei getötet und er schwer verletzt, daher auch die Narben in seinem Gesicht. Eine Welt, in der Shadowhunter und Unterweltler auf Augenhöhe existieren, war für ihn wohl einfach undenkbar.“

Obwohl Jace noch zornig war, weil dieser Kerl der Auslöser dieser ganzen Angelegenheit war, konnte er sogar nachvollziehen, dass der Verlust seines Parabatai Drago ein Stück weit in den Wahnsinn getrieben hatte. Er würde Alec allerdings nicht verlieren, auf keinen Fall.
„Magnus, kannst du Asmodeus mit dem Manschettenknopf aufspüren?“, wandte er sich an den Hexer. Über Runen hatten sie es bereits versucht, doch sie hatten Alec nicht orten können.
„Ich habe alles dafür vorbereitet. Allerdings hat mein Vater sicher dafür gesorgt, dass sein Standort nicht so einfach zu finden ist, trotz dieses Gegenstandes.“
„Wir müssen es versuchen“, beharrte Jace. Sie mussten diesem Dämon einen Schritt voraussein, sonst waren Alec und sie ihm und seinen Plänen hilflos ausgeliefert. „Vielleicht kann ich dir helfen, ich…“ Jace brach ab, als ein blitzartiger Schmerz durch seinen Körper fuhr und ihn zusammenzucken ließ. „AH!“ Er fasste sich reflexartig mit beiden Händen an die Seite.
„Jace!“, rief Izzy entsetzt und eilte zu ihrem Bruder. „Was hast du?!“
„Ich…ah! Verd…!“ Der Schmerz kam so heftig, dass Jace einen Schritt zur Seite torkelte und in die Knie sank.
Izzy folgte seinen Händen und spürte Übelkeit in sich aufsteigen, als Jace sein Shirt hochkrempelte und die Hände gegen seine Parabatairune presste. „Es ist nicht er…es ist Alec.“ Alec war es, der Schmerzen hatte…und Jace spürte sie.
Auch Magnus begriff und alle Farbe wich aus seinem Gesicht.
„Alec!“, stöhnte Jace und kniff die Augen zusammen. „Es…sollte nicht so wehtun…“ Unterschwellig spürten Parabatai einander, ihre Gefühle, Stimmungen und teilweise auch Leiden, aber diese reißenden, glühenden Schmerzen hatte er noch nie verspürt, egal, wie schwer Alec verletzt worden war. „Er leidet furchtbar…als würde sein Blut kochen…es…“ Jace atmete schwer.
Er konnte nicht unterscheiden, ob es Alecs Schmerz war oder der Gedanke daran, wie sehr sein Bruder gerade leiden musste, der ihn so malträtierte.
„Magnus, bitte tu etwas“, bat Izzy und hielt Jace weiter an der Schulter fest, wobei sie ebenfalls in die Knie gesunken war. Jace‘ Körper bebte. „Magnus!“
Magnus brauchte einen Moment, um sich aus der Schockstarre zu befreien. Er kniete sich neben Jace und hob die Hände. „Ich…werde dafür sorgen, dass du den Schmerz nicht mehr so sehr spürst. Vermutlich manipuliert mein Vater absichtlich die Rune, damit du Alecs Qualen intensiver fühlst…“
„Aber wieso?“, rief Izzy und blinzelte die Tränen weg. Wenn Jace aus der Ferne schon solche Schmerzen verspürte, musste es Alec noch viel schlimmer gehen.
„…damit wir es sehen…“ Magnus verstand die Botschaft genau. Asmodeus wollte, dass sie wussten, dass er wusste, wie sehr Alexander litt.
„Nein“, entkam es Jace. „Geh weg…Alec muss…muss das auch spüren, er sollte es nicht alleine durchmachen müssen.“ Das kam Jace falsch vor. Solange er den Schmerz spürte und die Rune sehen konnte wusste Jace, dass Alec noch lebte…litt, aber lebte.
„Das ehrt dich, Jace, aber es ist völlig sinnlos“, sagte Izzy entschieden und schluckte. „Mit solchen Schmerzen bist du weder uns noch Alec eine Hilfe. Mach schon, Magnus.“
Der Hexenmeister nickte und ließ die Hände vorsichtig über Jace‘ Rune gleiten, wobei goldene Magie über Jace‘ Haut waberte.

Wenige Augenblicke später war der Schmerz fast gänzlich verschwunden, nur ein leichtes Pochen erinnerte Jace noch daran. Dennoch hatte er einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen.
„Ich bringe ihn um“, waren Jace‘ erste Worte, als er wieder bei Atem war. Selten hatte er einen Dämon so sehr gehasst, wie er es in diesem Moment tat. Alec hatte nichts falsch gemacht, er wurde nur benutzt, wie Jace damals von Lilith. Er wollte Asmodeus Qualen zufügen und ihn auslöschen.
„Jace, bleib du am besten hier bei Magnus“, bestimmte Izzy und erhob sich wieder, nachdem sie alle einen Moment betreten geschwiegen hatten. „Tut euer Bestes, um Alec zu finden, aber handelt nicht überstürzt. Ich will nicht noch mehr Opfer. Lorenzo und ich werden diese Tilda aufspüren.“ Izzy wollte dem Miststück persönlich den Hals umdrehen.
Magnus nickte und half Jace wieder hoch, wobei der Blonde ähnlich blass war wie er selbst. Er wusste, dass dies nur der Anfang war und sein Herz brach förmlich bei dem Gedanken daran, wie sehr Alexander leiden musste, ohne, dass Magnus etwas daran ändern konnte.
Er hatte seinen Vater schon immer verabscheut, doch ihn hatte immer etwas mit ihm verbunden. Jetzt wünschte er sich, er hätte damals den Mut gehabt, ihn zu vernichten. Dieses Mal würde er nicht zögern.

~*~


__________________________________________________________________________________

Asmodeus: Wie überaus pathetisch.
Magnus: Du wirst schon sehen…
Jace: Und ob.
Asmodeus: Kommt nur her. Ich erwarte euch^^
Mindy: Nächste Woche dann vielleicht XD

Übrigens bin ich bei meinem Malec-Sucht-Marathon auf eine FF gestoßen, in der Asmodeus ebenfalls zurückkommt und sich Alec krallt, um Magnus zu quälen.
Wenn ihr die Grundidee also gut findet, könnte euch „Blinder Hass“ von diamond99 auch gut gefallen.^^ Sie bettet das in einen anderen, größeren Rahmen und erfindet sogar neue Runen zum Quälen, wobei Alec es bei ihr wirklich richtig kriegt (und ich meine richtig, von allen Seiten, der Arme). Soll keine Werbung sein, ich kenne die Dame nicht, aber ich wollte euch die Empfehlung nicht vorenthalten. XD
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast