Alle Legenden sind wahr…noch immer

von Mindy
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 Slash
Alexander "Alec" Lightwood Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane
06.07.2020
16.08.2020
10
43.490
20
Alle Kapitel
45 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
29.07.2020 5.354
 
Hallo werte Leserinnen und Leser, herzlich willkommen zu einem neuen Kapitel meiner "Serienfortsetzung". ^^

Wahnsinn, wie die Aufrufe und Favoeinträge wachsen, schade, dass sich das nicht in Kommis auszahlt. Nicht so schüchtern, lasst mich an euren Gedanken teilhaben, ich fiebere so gerne mit euch mit, während ihr euch meine verrückten Ideen zu Gemüte führt. XD

Jetzt ist es endlich soweit und Asmodeus tritt in Erscheinung. Ich wollte das Kapitel erst kürzer machen, aber dann dachte ich, wieso Alec ohne Leid davon kommen lassen?  *hust*

Na dann, viel Spaß!
_________________________________________________________________________


~*~


Obwohl Magnus wie gewohnt zur Arbeit gegangen war, vor allem Schutzzauber rund um Alicante erneuern oder modifizieren, damit Unterweltler nicht direkt geröstet wurden, konnte er sich nicht richtig konzentrieren. Ständig wanderten seine Gedanken zu Alec, der zweifellos ziemlich verletzt war. Zurecht, wie Magnus sich eingestehen musste. Er hatte ihm einmal vorgeworfen, verlogen zu sein und Dinge zu verheimlichen, wie der Rat es mit dem Seelenschwert getan hatte, und nun hatte er das Gleiche getan.
Es ärgere ihn, dass er sich vor einem Jahr so entschieden hatte, doch er hatte Clarys Geschenk eine Nacht nach ihrer Hochzeit gefunden…nachdem alle völlig aufgelöst über ihr Verschwinden und Schicksal gewesen waren und klar gewesen war, dass niemand, auch Magnus, ihr nicht würde helfen können, wieder in die Schattenwelt zurückzukehren. Magnus hatte die Schachtel aus einem Impuls heraus versteckt, um nicht in der ersten Woche Ehe direkt wieder mit Alexander streiten zu müssen. Dieser war ohnehin völlig damit beschäftigt gewesen, Jace über seinen Verlust hinweg zu trösten und hatte ganz andere Sorgen gehabt. Trotzdem…
,Du kannst es noch so sehr rechtfertigen, du hast Mist gebaut, Magnus‘, dachte der Hexenmeister missmutig.
In seiner Pause hielt er es nicht mehr aus und rief Alec mehrmals an, doch dieser nahm nicht ab…entweder hatte er keine Zeit oder er wollte schlicht nicht rangehen. Das hatten sie lange nicht gehabt und es erfüllte Magnus mit Schwermut. Er hoffte, dass Alec heute Abend zeitig nach Hause kam und sie sich aussprechen konnten. ,Ich will es wieder gut machen, Alexander…bitte gib mir die Chance dazu.‘

~*~


Nachdem Alec mit seinen Nachforschungen alleine nicht weiter gekommen war, hatte er Lorenzo ins Institut gebeten, um sich die Energieaufkommen anzusehen. Magnus‘ Idee von illegalen Unterweltlerkämpfen hatte sich nicht bestätigt, also hing es vielleicht doch mit einem Hexenmeister zusammen, was vor sich ging.
Während er gewartet hatte, hatte Magnus ihn einige Male angerufen, aber Alec hatte nicht abgenommen. Er war noch viel zu aufgewühlt und wusste nicht, was er noch zu dem Thema sagen sollte. Etwas Abstand zueinander tat ihnen vielleicht beiden gut.

Ein Klopfen erlöste Alec aus seinen Grübeleien. „Herein.“
Lorenzo Rey betrat sein Büro. „Sie haben um eine Audienz ersucht?“, fragte er grinsend, wobei es wie immer ziemlich selbstzufrieden wirkte.
„Lorenzo, danke, dass Sie so schnell gekommen sind.“ Alec gab dem Hexenmeister die Hand.
„Nun, normalerweise stehe ich nicht für die Shadowhunter auf Abruf bereit“, belehrte Lorenzo Alec mit tadelndem Lächeln. „Doch aufgrund meiner…persönlichen Verbindungen zu diesem Institut und Ihnen, Mr. Lightwood-Bane, mache ich eine Ausnahme.“
„Das weiß ich sehr zu schätzen. Und bitte, sagen Sie Alec.“ Sie waren schon einmal soweit gewesen, doch nach Alecs Berufung zum Inquisitor, war Lorenzo wieder zur Höflichkeitsformel zurückgekehrt. Alec hielt es nicht für nötig. Wenn man nicht von jenen vertraut angesprochen wurde, die mit einem in die Hölle herabgefahren waren, von dem dann?
Lorenzo hielt seinen Blick einen Moment. „Wie Sie möchten. Nun, wie kann ich helfen?“ Er rieb sich gespannt die Hände. Immerhin schien er motiviert.
Alec legte Lorenzo die Daten vor, die sie über die auffälligen Energieaufkommen gesammelt hatten.

Eine Weile betrachtete Lorenzo die Ergebnisse, darunter die Orte der Entstehung, die Stärke der Energie und die Dauer der Aufzeichnungen. „Hm, es könnte sich um sehr mächtige Beschwörungsversuche handeln“, sagte er schließlich. „Und es sieht tatsächlich aus, als sei ein Hexenmeister dafür verantwortlich, allerdings ohne meine Genehmigung. Wenn ich herausfinde, wer es ist, kann er sich auf etwas gefasst machen.“
„Seit wann erzeugt eine Beschwörung so auffällige Energien?“, fragte Alec.
„Das kann passieren, wenn ein Tor zu einer besonders energiegeladenen Welt geöffnet wird oder man ein besonders mächtiges Wesen beschwören will“, erwiderte Lorenzo und legte das Tablet auf den Tisch zurück.
„Sie meinen einen höheren Dämon?“
„Durchaus möglich.“
Das klang ernst. „Und Sie sind sicher, dass die Versuche bisher fehlgeschlagen sind?“, harkte Alec nach. Als sie den letzten übermächtigen Dämon hier gehabt hatten, hatte das fast Jace, Clary und ihn selbst das Leben gekostet, ganz zu schweigen von Magnus‘ Kräften.
„Das sagt mir die Länge der Energiewellen, sie erloschen, bevor sie ihren Höhepunkt erreichten“, erklärte Lorenzo in einem Ton, als würde er eine Vorlesung vor Erstsemestern halten. „Wäre etwas durchgekommen, hätte es eine Überlagerung geben müssen, einen zweiten Energiehöhepunkt, wenn Sie so wollen. Dieser fehlt bisher. Was mich aber weitaus mehr interessiert, als was jemand da zu beschwören versucht, ist zu ergründen, welcher Hexenmeister da hinter meinem Rücken Spielchen treibt.“ Ungehalten knetete Lorenzo die Faust, die er mit der rechten Hand gemacht hatte.
„Wir fürchten, dass es eine neue radikale Gruppe gibt, bestehend aus Shadowhuntern und Unterweltlern, die etwas im Schilde führt, um den neuen Kurs des Rates zu sabotieren“, gestand Alec, der nach wie vor um Transparenz bemüht war. „Wir konnten bereits einen abtrünnigen Shadowhunter und zwei Vampire verschiedener Clans identifizieren. Es ist möglich, dass dieser Hexenmeister ebenfalls Teil dieser Gruppierung ist.“
Lorenzos Lippen verzogen sich zu einem dünnen Strich. „Ja, diese neuen Entwicklungen sind noch für viele von uns ungewohnt.“

Es war mit viel Unglauben zur Kenntnis genommen worden, dass ausgerechnet er sich ebenfalls mit einem Shadowhunter eingelassen hatte, nachdem er sich oft so abfällig über Magnus‘ und Alecs Beziehung geäußert hatte. So eine Beziehung hemmte zweifelsohne die Objektivität. Die ersten Monate hatte er die Beziehung zu Andrew daher vor seinen Leuten streng geheim gehalten, damit sein Image nicht litt, doch irgendwann hatte der Shadowhunter dies nicht mehr akzeptiert…verständlicherweise. Inzwischen war ihm Andrew so wichtig geworden, dass Lorenzo sich nicht mehr um das Getuschel kümmerte. Er war der oberste Hexenmeister, er konnte daten, wen er wollte.

„Falls Sie recht haben, werde ich nichts unversucht lassen, den Schuldigen zu finden und persönlich ins Spirallabyrinth zu schicken. Vielleicht kann ich den Hexenmeister aufspüren und weitere Regelverstöße verhindern, wenn ich etwas seiner Energie ausfindig machen kann.“
„Wir könnten zu dem letzten Ort reisen, an dem es einen Ausschlag gab, es war hier in New York“, schlug Alec vor, was Lorenzo nicken ließ. „Fabelhaft. Ich öffne ein Portal.“
Alec schrieb ihm die entsprechenden Koordinaten heraus. „Geben Sie mir eine Minute, um Isabelle zu informieren. Wir treffen uns am Eingang.“
Lorenzo nickte und Alec suchte seine Schwester auf.

Während er erzählte, nickte Izzy immer mal wieder. „Wow, Lorenzo ist ja doch nützlich. Zwar noch kein Magnus, aber das können wir uns schon noch hin erziehen“, meinte sie schließlich frech. Nur gut, dass Lorenzo das nicht hören konnte. „Aber die Hinweise verdichten sich, dass es sich um mehrere Gegner als Teil einer größeren Gruppe handelt, das sollten wir ernst nehmen. Ich schicke dir jemanden mit, einfach als Rückendeckung.“
„In Ordnung.“ Zwar fühlte Alec sich mit einem mächtigen Hexenmeister wie Lorenzo an der Seite recht sicher, aber er würde seiner Schwester nicht in ihre Befehle hineinreden. Obwohl es kein Kampfeinsatz war, ging Alec zum Büro und holte seine Pfeile und seinen Bogen. Er trug seine Waffen immer noch bei sich, hatte sie aber einige Zeit nicht mehr benutzt, weil er sie in Alicante nicht gebraucht hatte.

Als er durch die Halle lief, um Lorenzo zu treffen, hielt er inne. Andrew Underhill stand bei ihm, in Kampfmontur. Die beiden Männer unterhielten sich.
,Oh nein.‘
Alec ging einige Schritte zu Izzy zurück. „Du schickst Underhill mit?“, fragte er mit böser Vorahnung, ohne die zwei Männer aus den Augen zu lassen.
„Ja, er hat Dienst, Zeit und ich dachte, Lorenzo freut sich, wenn er seinen Liebsten ein wenig in Action sehen kann“, erklärte Izzy lächelnd. „Ein wenig Zeit zusammen verbringen ist gut für die Beziehung.“ Offenbar hatte sie den beiden was Gutes tun wollen.
Alec gab ihr Recht, allerdings wollte er kein Teil dieser Pärchen-Zeit sein, vor allem nach diesem blöden Zwischenfall vor wenigen Tagen.
„Ist es ein Problem, wenn er mitgeht?“, fragte Izzy nun misstrauisch, da sich Alecs Missfallen wohl in seinem Gesicht zeigte.
Er schob den Tragegurt seines Köchers zurecht. „Nein, kein Problem.“
Alec wusste, dass Underhill keine Gefühle für ihn hatte, daher hatte er über dessen Annäherung auch nicht weiter nachgedacht. Offenbar ging es Andrew ähnlich, denn Lorenzo hatte er es wohl nicht erzählt. Er irrte sich bestimmt und die Situation würde nicht merkwürdig werden. Es war einfach Arbeit.
„Bis später.“ Alec verabschiedete sich und trat zu Lorenzo und Andrew.
Der Blonde sah Alec kurz betreten an. Alec erwiderte den Blick schweigend.
Er hatte sich geirrt, das war schon jetzt merkwürdig.
„Dann sind wir wohl komplett.“ Vergnügt klatschte Lorenzo in die Hände und öffnete ihnen ein Portal. Er schien die seltsame Stimmung nicht als solche wahrzunehmen. Lautlos seufzend ging Alec durch das Tor.

~*~


Schweigend bildeten Drago und seine Anhänger einen Kreis um das Pentagramm. Eine salbungsvolle Stille hatte sich über die heruntergekommene Lagerhalle gelegt, als die letzten Vorbereitungen abgeschlossen waren und Drago Banes Blut an die Hexenmeisterin weitergegeben hatte.
Tilda Hill war mit ihren 109 Lebensjahren noch recht jung, aber ihre Kräfte waren beeindruckend. Schweigend nahm die Frau mit den langen braunen Locken die Serviette entgegen und hob kurz die Hand darüber. „Ja…ich spüre die Verbindung. Vater und Sohn teilen das gleiche Blut. So kann ich Asmodeus finden.“ Sie hatte die Augen geschlossen und begann die entsprechenden Formeln zu rezitieren.
„Wie stellen wir sicher, dass er uns helfen wird?“, fragte Pietro, der an Dragos Seite stand. „Sein Sohn hat ihn verraten und verbannt, sicher ist er ebenso zornig und will Rache“, erwiderte Drago, dessen helle Augen voller Begierde funkelten. Endlich waren sie am Ziel…er war am Ziel. „Zudem ist Tilda mächtig, sie wird ihn im Zaum halten können.“ Das hatten sie zuvor natürlich eingehend besprochen.

Dragos Plan, Lightwood und Bane irgendwie in Verruf zu bringen, war bereits am Tag von deren Hochzeit gefallen, die sie, dreist und selbstgefällig wie sie waren, in den heiligen Hallen des Instituts gefeiert hatten. Drago hatte nicht fassen können, dass der Rat so etwas zugelassen hatte. Erst hatte Drago nur nebenbei recherchiert und dabei Aufzeichnungen gefunden, in denen dokumentiert worden war, dass Bane seinen Vater – ausgerechnet den mächtigen Dämon Asmodeus – in den Limbus verbannt hatte, kurz bevor er geholfen hatte, den Riss zu schließen, der Alicante bedroht hatte. Ein Medium war getötet worden, als Asmodeus sich Zutritt in die Welt verschafft hatte, offenbar provoziert durch die Taten von Lightwood und Bane, aber niemand hatte sie deswegen belangt oder näher recherchiert. Drago hatte es getan.
Mit jeder neuen Verordnung und jedem Zugeständnis für Unterweltler war er zorniger geworden. Niemand schien zu sehen, dass diese neue Politik sie weich machte, zu vertrauensselig, und irgendwann würden die Unterweltler sie überrennen. Das würde er nicht zulassen. Er wusste, sein Tun war drastisch, doch wenn sie eines von Valentine gelernt hatten, dann, dass man Risiken eingehen musste, um zu tun, woran man glaubte. Drago Fomin glaubte an die Shadowhunter, ihren Auftrag und ihre Überlegenheit. Nur so konnten sie die Welt beschützen.
Sobald Asmodeus seine Aufgabe erfüllt hatte, würde er ihn töten und als Held gefeiert werden, vielleicht erhielt er sogar einen Ratsposten. Danach konnte er ihre Welt endlich wieder in die richtigen Bahnen lenken, so wie es ehrenwerte Ratsmitglieder wie Rosales bereits versuchten.

Die Linien des Pentagramms begannen rot zu leuchten. Tilda riss die Arme nach oben und öffnete ein Portal. Wie die Male zuvor sah man einen goldenen Strudel undefinierbarer Formen und Energie.
Tilda hatte noch nie jemanden aus dem Limbus beschworen, es galt als unmöglich, doch sie war ehrgeizig, also hatte sie alle Zauberbücher durchsucht. Tatsächlich war es komplizierter als bei einer Beschwörung aus dem Höllenreich; sonst zwang man den Dämon, wo immer er sich befand, in das Pentagramm. Im Limbus musste man jedoch nahezu präzise den Ort finden, an dem sich der Dämon aufhielt, damit er durch die Beschwörung in ihre Welt kommen konnte. Sie hatte verschiedene Orte entlang der Ley-Linien ausprobiert, in und außerhalb New Yorks, doch nie hatte sie Asmodeus aufspüren können. Dank Banes Blut hatte sie nun allerdings eine konkretere Signatur, der sie folgen konnte, jetzt würde es mit Sicherheit gelingen.
Wie würden dieser arrogante Rey und die anderen Hexenmeister schauen, wenn einer der mächtigsten Dämonen von ihr, Tilda Hill, beschworen worden war? Ein Dämon, der ihrem Willen gehorchte. Die Geringschätzung, die sie bisher aufgrund ihrer Jugend und auch ihres Geschlechts erfahren hatte, würde sich in Respekt verwandeln.

Konzentriert sprach sie die letzten Teile der Beschwörung und riss erneut die Arme in die Luft. „Asmodeus!“
Gleißendes Licht flutete die Halle, was die Vampire fauchen ließ, ihnen aber keinen Schaden zufügte. Gebannt starrten alle auf das Portal.
„Es hat wieder nicht geklappt!“, rief einer der Shadowhunter.
„Wartet!“ Herrisch hob Drago die Hand.

Einige Sekunden verstrichen, da trat plötzlich ein in schwarz gekleideter Mann aus dem Portal und blieb in der Mitte des Pentagramms stehen, während das Portal sich wieder schloss. Er hatte schulterlanges schwarzes Haar und wachsame, dunkle Augen, mit denen er sie musterte.
Eine Gänsehaut krabbelte wie unzählige Spinnen über Tildas Haut. Der Dämon trug ein Muttermal an der Lippe, das seinem Mund einen kalten und gleichzeitig spöttischen Zug verlieh.
„Dämon, wir haben dich beschworen, damit du uns dienst“, sagte Drago gebieterisch. „Du bist der Vater des Warlocks Magnus Lightwood-Bane und…“
„Lightwood-Bane?“, wiederholte Asmodeus mit weicher Stimme, die gleichzeitig schneidend klang. „Hm. Er hat es also wirklich durchgezogen und diesen Shadowhunter geheiratet, dieses undankbare Balg.“
Tilda wich einen Schritt zurück und kontrollierte die Bannzauber, die sie über das Pentagramm gelegt hatte, damit der Dämon nicht ausbrechen konnte.
Noch nie war sie einem so mächtigen Wesen gegenübergestanden; Asmodeus‘ Kraft war deutlich spürbar, sie schien sich über den ganzen Raum zu legen, ohne, dass der Dämon sich bewegte.
„Ja und die beiden sind für tiefgreifende Veränderungen verantwortlich, die nicht unsere Zustimmung finden“, erklärte Drago ungeduldig. „Wir haben dich aus der Verbannung gerettet, damit du uns zu Diensten bist!“
Asmodeus blickte zu Drago, legte dabei leicht den Kopf schräg. Er wirkte belustigt. „So? Welche Art Dienst habt ihr euch denn vorgestellt?“
„Wir wollen, dass du die Chance auf Rache an deinem Sohn erhältst! Alle sollen glauben, er habe dich gerufen. Wenn du in seinem Namen Chaos und Tod über die Mundies bringst, werden er und Lightwood an Macht verlieren – zudem kannst du ihn töten, wie du es sicher willst.“
„Ihr beschwört mich also, damit ich mich gegen meinen Sohn stelle?“, rekapitulierte Asmodeus und lief einige Schritte innerhalb des Pentagramms im Kreis. „Ihr, die ihr in der irdischen Welt euer Dasein fristet, seid so arrogant und gleichzeitig so herrlich dumm.“ Asmodeus trat an den Rand des Pentagramms und berührte ihn mit seiner Schuhspitze. Sein Blick fuhr auf und fixierte Tilda.
Er ging ihr durch Mark und Bein.
„Du glaubst, das hier kann mich aufhalten? Du hast keine Vorstellung davon, wie mächtig ich bin.“
Ehe Tilda reagieren konnte, begann der Boden zu beben. Kisten, die an den Seiten gelagert waren, fielen herunter, Staub rieselte von der Decke und sie alle verloren fast den Halt, so sehr begann der Beton sich unter ihnen zu bewegen.
„Was soll das?!“, schrie Pietro.
Tilda begriff schneller, was vor sich ging; erste Risse zogen sich durch den Boden und durchzogen das Pentagramm. „Er zerstört das Pentagramm!“, rief sie entsetzt und schleuderte mehrere Zauber auf den Dämon, doch Asmodeus hob nur eine Hand. Die Zauber prallten einfach an ihm ab und wurden auf Tilda zurückgeworfen. Schreiend wurde sie nach hinten geschleudert und kollidierte mit einer Wand.
„Hm, Edom ist nicht mehr, es nährt nicht mehr meine Kräfte“, sinnierte Asmodeus und trat ohne Eile aus dem Pentagramm heraus. „Aber es gibt andere Welten…Occid zum Beispiel ist schmutziger, aber hat Potenzial. Ich wollte zwar nie expandieren, aber mir steht ein Königreich zu und wenn es nicht Edom ist, dann eben woanders.“ Er schnippte mit dem Finger und ein Gehstock erschien in seiner Hand. Kurz strich er gedankenversunken über den silbernen Knauf.

Die Vampire und der Werwolf ergriffen bereits die Flucht, doch Asmodeus beeilte sich nicht, sie zu verfolgen. Das musste er nicht.
Er hob die freie Hand und schnippte mit den Fingern. Die Vampire verwandelten sich in Fledermäuse. Asmodeus hatte Sinn für Humor, da die Irdischen so gerne mit dieser Metamorphose spielten, fühlten sich die Vampire sicher geehrt, den Rest ihres Lebens als Fledermäuse verbringen zu dürfen.
Als nächstes glitt sein Blick zu dem Werwolf. Er klopfte mit dem Stock zwei Mal auf den Boden, was von ihm ausgehend einen Riss produzierte, der sich schnell zu einem Graben wandelte und den Wolf sowie zwei der Shadowhunter verschluckte und zerquetschte. Die übrigen Shadowhunter begannen ihn anzugreifen.
Asmodeus bekam zwei Klingen in den Rücken, was ihn kurz zusammenzucken ließ. Er drehte sich zu den Shadowhuntern um, die sie nach ihm geworfen hatten. „Ich habe schon genug Messer in meinem Rücken, dank meines undankbaren Sohnes. Ich verzichte auf weitere.“ Erbarmungslos hob er die Hand und brach den Männern mit seiner Magie das Genick.

„Tilda, tu etwas!“, schrie Drago, der entsetzt mitansehen musste, wie seine Mitstreiter getötet wurden. „Du sagtest, du kannst ihn kontrollieren!“
„Ich habe mich geirrt!“, rief die Braunhaarige verzweifelt und rappelte sich auf. Was hatte sie getan…einen so mächtigen Dämon auf die Welt loslassen, man würde sie in Spirallabyrinth verbannen, wenn sie denn überlebte. Sie musste schnell hier weg. Panisch öffnete sie ein Portal und sprang hindurch.
„Nein, Verräterin!“, brüllte Drago, als Asmodeus plötzlich vor ihm stand. Entsetzt keuchte Drago und wich zurück. „Bitte…ich habe Euch geholfen, in diese Welt zu kommen, das war mein Verdienst! Ich…ich habe Euch aus dem Limbus befreit, Ihr könnt mich nicht töten!“
Mit einem grausamen Lächeln legte Asmodeus den Kopf schief. „Ich kann. Doch es stimmt wohl, dass ich dir zu Dank verpflichtet bin.“ Langsam lief er ein paar Schritte von Drago weg. „Aus diesem Grund, werde ich so gnädig sein, dir einen schnellen Tod zu ermöglichen.“
„W…“ Die Worte blieben Drago im Halse stecken, als die Klingen aus Asmodeus‘ Rücken heraus geschleudert wurden und Drago in der Brust trafen. Röchelnd ging er zu Boden.
Kurz blickte Asmodeus sich in der Halle um. Bedauerlich, es war niemand mehr übrig. Allerdings musste er sich sowieso um wichtigere Dinge kümmern – er musste seinen Sohn finden.

~*~


„Alec? Alec, kann ich kurz mit dir reden?“
„Was?“ Alec war mit Lorenzo und Underhill in einem Bürogebäude unterwegs, das bereits geschlossen hatte. Hier war der letzte Beschwörungsversuch unternommen worden und Lorenzo tastete sich gerade mit seiner Magie zwischen den Schreibtischen hindurch, um die Energiesignatur des verantwortlichen Hexers zu finden.
Underhill und Alec standen etwas abseits, um den Hexenmeister nicht zu stören.
„Ich…na ja, ich habe Lorenzo nichts erzählt von meinem…meinem betrunkenen Unsinn und…“ Andrew presste nervös die Lippen zusammen.
Alec unterdrückte den Impuls die Augen zu verdrehen. Er hatte gewusst, dass das hier seltsam werden würde! Er hatte absolut keine Lust noch einmal über dieses Thema zu reden, er hatte genug eigene Sorgen. Alec drehte sich zu Andrew und sah ihn streng an. „Es ist vergessen, okay? Können wir das lassen und uns auf unseren Job konzentrieren?“
„Ja…natürlich.“ Andrew nickte und Alec wandte sich um, um ebenfalls nach Spuren zu suchen.
Vielleicht hatten die Eindringlinge hier etwas hinterlassen, das auf ihre Pläne oder ihren Aufenthaltsort schließen ließ oder das…
„Ich meine, du sollst jetzt nicht denken, da wäre meinerseits Interesse da“, kam es wieder unsicher von Andrew. „Ich…stehe wirklich überhaupt nicht auf dich, wir sind nur Freunde und ich…das heißt nicht, dass du nicht ein attraktiver Mann wärst, aber ich weiß, dass du glücklich mit Magnus verheiratet bist und ich würde mich nie an jemanden in einer Beziehung heran machen, außerdem bin ich ja selbst vergeben. Ich war einfach so…“
„…“ Wieso? Wieso sagten die Menschen eigentlich ja, wenn sie dann doch nicht einhielten, was man ausgemacht hatte? Doch Alec kam wohl nicht darum herum, das mit Andrew zu klären…am besten bevor dieser sich um Kopf und Kragen redete.
„Andrew, es ist alles in Ordnung“, sagt Alec mit Ungeduld in der Stimme und sah den Blonden beschwörend an. „Ich weiß, dass du nichts für mich empfindest, es war ein dummer Ausrutscher, der nichts zu bedeuten hatte. Du warst damals für mich da, als ich eine schwere Zeit mit Magnus hatte und ich war dankbar, dass ich mit jemandem reden konnte.“
Andrew hatte ihm das Gefühl gegeben, ihn zu verstehen, er hatte sich nicht verstellen müssen. Nach all dem Aufsehen, das er mit Magnus und diesem Kuss auf der Hochzeit erregt hatte, war es ihm schwer gefallen, seiner Familie gegenüber zuzugeben, dass es mit Magnus zu dieser Zeit nicht gut gelaufen war. Gegenüber Underhill war es leichter gewesen. „Du kannst ebenfalls immer mit mir reden und ich verspreche, ich werde Lorenzo nichts von dem Kuss erzählen.“
„Kuss?“

„…“ Alec schloss kurz die Augen und drehte sich herum. Lorenzo hatte seine Nachforschungen offenbar plötzlich beendet und war unbemerkt näher gekommen. Andrew wirkte so entsetzt, als stünde Luzifer persönlich vor ihm.
„Ihr habt euch geküsst?“, wiederholte Lorenzo und starrte erst Alec, dann Andrew an. Alec hätte am liebsten den Kopf hängen gelassen. Jetzt musste er diese leidige Angelegenheit noch einmal erklären. „Lorenzo, so war das nicht“, sagte er daher, fragte sich dabei, ob er in einer dieser bescheuerten Mundie-Seifenopern gefangen war, die Simon mit Izzy so gerne schaute. „Es war ein Ausrutscher und hat keinem von uns etwas bedeutet.“
„Es stimmt“, beeilte Andrew sich zu versichern. „Ich war betrunken und wütend und…“
„Ach, auf mich?“, sagte Lorenzo schnippisch. „Und da dachtest du, ein Shadowhunter ist bestimmt eine unkompliziertere Wahl. Ich bitte dich, er ist vielleicht groß und sieht ganz gut aus, aber er weiß noch nicht einmal, was der Unterschied zwischen Marmor und Quarz ist! Abgesehen von seinem Kleidungsstil, bei allem Respekt, es gibt mehr als nur eine Farbe auf der Welt!“
„…“ Alec blickte an sich herunter. Was stimmte bitte nicht mit Schwarz?
„Ich brauchte eben mal jemand, der mir zuhört, statt einen, der immer nur über sich redet!“, fauchte Andrew, der Lorenzo inzwischen gegenüber stand.
Alec kam sich sowas von fehl am Platz vor, aber es war sicher besser, er verhielt sich ruhig, ehe er noch in den Streit hineingezogen wurde. Langsam trat er einen halben Schritt zurück.
„Ich rede zu viel?! Na fabelhaft, wirklich fabelhaft, so zu erfahren, dass ich mit einem Schuft zusammen bin!“ Lorenzo warf in einer theatralischen Geste die Arme in die Luft.
„Ich bin kein Schuft und es war nur ein Mal! Und es tut mir leid, ich wollte gar nicht, dass du es erfährst, weil es unbedeutend war und er im Vergleich zu dir ganz miserabel küsst!“
„Entschuldigung?“, sagte Alec und starrte Andrew an. Also, das ging ja jetzt wohl zu weit. Er hatte nichts getan, dennoch warf man ihm ständig Beleidigungen an den Kopf.
Plötzlich starrte Lorenzo ihn an. „Sie…ich komme zu Ihnen nach Hause und Sie sehen mir in die Augen und verheimlichen mir so etwas. Sie…“ Lorenzos Augen funkelten wütend.
Vielleicht hätte Alec nun zum zweiten Mal an diesem Tag eine magische Ohrfeige bekommen, doch plötzlich zuckte Lorenzo zusammen und fuhr herum. Es schien etwas zu passieren, das nur er wahrnehmen konnte. „Ich kann sie spüren…die gleiche Energie, die ich hier gefunden habe, was ich euch eigentlich hatte mitteilen wollen. Sie ist gerade im Einsatz…ich glaube, die Beschwörung war erfolgreich.“
„Was?“, fragte Alec alarmiert. „Wo? Wir müssen sofort dorthin.“
Lorenzo musterte ihn kurz abschätzend, ehe er schnaubte und die Augen schloss. Mit wenigen Handbewegungen hatte er ein Portal erschaffen. „Das müsste uns hinbringen…irgendwie kommt mir diese dunkle Kraft bekannt vor…“
„Wir werden nachsehen“, bestimmte Alec. „Alles andere klären wir später.“ Oder am besten niemals.
Fakt war, sie mussten all dem auf den Grund gehen, das hatte Vorrang vor diesen ganzen Zickereien, also nickte Alec Andrew zu und trat mit ihm durch das Portal, gefolgt von Lorenzo.


Sie kamen in einer alten Lagerhalle heraus, die offenbar nur noch wenig genutzt wurde. Was allerdings viel auffälliger war, als der staubige und verkommende Zustand der Halle, war das, was sich ihren Augen sonst bot. Der Boden war von tiefen Furchen durchdrungen, zerstörte Holzkisten und deren Einzelteile lagen herum…und Leichen.
„Beim Engel, was ist hier passiert?“ Andrew eilte zu zwei Männern mit gebrochenem Genick und suchte nach Lebenszeichen. „Das sind Enno und Karl…sie sind aus unserem Institut.“
„Offenbar gehörten sie zu den Verrätern“, sagte Alec, den Bogen erhoben. Wachsam sah er sich um, stimmte aber in Andrews leises „Ave atque vale“ ein, das er den toten Gefährten wünschte.
Etwas Furchtbares musste hier geschehen sein.
Eine Fledermaus flog an der Hallendecke aufgeregt hin und her. Alec trat zu einem am Boden gezeichneten Pentagramm, das allerdings nicht mehr intakt war. „Offenbar haben sie etwas beschworen, das sie nicht kontrollieren konnten.“ Besorgt betrachtete er die zerstörte Umgebung und musterte einen langen Moment einen blonden Shadowhunter, in dessen Körper Seraphklingen steckten. Die Augen waren noch vor Entsetzen aufgerissen. Welcher Dämon war nur so mächtig, dass er so einfach so viele Shadowhunter töten konnte?

„Wie überaus angenehm“, erklang plötzlich eine schmeichelnde Stimme, die Alecs Eingeweide gefrieren ließ.
Er griff hinter sich und nahm sich einen Pfeil, den er sofort an die Sehne legte, um mit gespanntem Bogen herumzufahren.
Aus einer offenbar angrenzenden Halle war Asmodeus getreten. Er sah genauso aus, wie Alec ihn bei der Beschwörung durch das Medium in Erinnerung hatte. „Ich dachte, ich muss euch suchen, aber ihr kommt zu mir.“
„Im Ernst?!“, sagte Lorenzo fassungslos, der Asmodeus natürlich ebenfalls wieder erkannte. „Asmodeus. Von allen Dämonen…ich dachte, Magnus hätte dich in den Limbus geschickt!“ Das hatte der Hexenmeister auf Nachfrage jedenfalls erklärt.
Andrew wich einige Meter zurück. Der Name Asmodeus war ähnlich gefürchtet wie der von Lilith. Einen so mächtigen Dämon hatte er noch nie vor sich gehabt.
„Das hat er“, stimmte Asmodeus zu und lief gemächlich näher, als mache er einen Spaziergang durch den Park. „Diese Gruppierung, was für Ziele sie auch verfolgte, war so nett mich zu befreien. Ich war im Gegenzug so nett, sie von ihrer jämmerlichen Existenz zu erlösen.“ Er stieg über einen der toten Körper. „In meiner Abwesenheit ist einiges passiert, denn Edom gibt es offenbar nicht mehr und mein Sohn…“ Sein Blick glitt zu Alec. „…hat geheiratet.“
„Was?“, fragte Underhill verwirrt.
Alec sagte nichts. Seine Gedanken rasten, weil er nicht wusste, wie sie Asmodeus verbannen konnten. Schon bei Azazel war es nur gelungen, weil er genau gewusst hatte, wo er ihn treffen musste. Falls Asmodeus ebenfalls eine Schwachstelle hatte, kannte er sie nicht.
„Hat es Ihnen etwa die Sprache verschlagen, Mr. Lightwood-Bane?“ Asmodeus dehnte die letzten Worte voller Verachtung.
Alec antwortete, indem er einen Pfeil auf Asmodeus schoss und nach dem nächsten griff, der kaum eine Sekunde später dem ersten folgte.
Asmodeus hob die Hand und fuhr damit durch die Luft, als schlage er nach einem Insekt. Alecs Pfeile zerfielen noch im Flug zu Staub. Mit einer weiteren Bewegung fegte er Alec von den Füßen und in einen Stapel Kisten, der über Alec zusammenkrachte. „Keine nette Begrüßung, die du deinem Schwiegervater da zukommen lässt. Und du…“ Asmodeus grinste und blickte zu Lorenzo. „In welches Tier soll ich dich dieses Mal verwandeln? Vielleicht in eine Schabe?“ Er trat näher auf Lorenzo zu, der die Hände erhob, obwohl er wusste, dass seine Magie nicht ausreichte, um diesen Dämon zu Fall zu bringen. Asmodeus hob die Hand und feuerte einen Ball aus roter Energie auf Lorenzo ab, den dieser mit Mühe abwehrte. Fest grub er die Fersen in den Boden, als weitere Angriffe folgten.

Andrew war noch immer voller Furcht, aber er konnte nicht zusehen, wie Lorenzo angegriffen wurde. Die Reflexe seiner Ausbildung übernahmen die Kontrolle. Er zog seine Klinge und stürmte auf den Dämon zu, allerdings hatte er ihn noch nicht erreicht, da fuhr Asmodeus urplötzlich herum und feuerte die Attacke in seiner Hand auf Andrew. Erschrocken blieb er stehen, konnte aber nicht mehr ausweichen.
Der Blonde spürte flammenden Schmerz in seiner rechten Schulter und wurde mehrere Meter nach hinten katapultiert. Stöhnend schlug er auf dem Rücken auf. Seine Schulter brannte wie Feuer, der Geruch von Blut lag in der Luft.
„Nein!“, rief Lorenzo panisch und sammelte weitere Magie in seinen Händen. „Lass ihn in Frieden!“ Vergessen waren die Unstimmigkeiten der letzten Minuten und alles, was ihn so manches Mal von Andrew getrennt hatte. Er hatte noch nie Angst um ihn haben müssen, weil er sich selten über dessen Missionen Gedanken gemacht hatte…vielleicht schockierte ihn am meisten, wie groß seine Angst nun war, da er ihn so schlimm blutend am Boden liegen sah.
„Meine Güte, ihr seid alle so schwach“, stöhnte Asmodeus augenrollend, als wäre ihre Hilflosigkeit eine persönliche Beleidigung gegen ihn. Er wehrte Lorenzos Angriff abermals mit einer lockeren Handbewegung ab und ging in Andrews Richtung, wohl, um ihm den Rest zu geben.
„Hör auf!“ Alec hatte sich wieder aufgerappelt und griff erneut nach einem Pfeil, als Asmodeus sich ohne Vorwarnung blitzschnell zu ihm bewegte, sodass er plötzlich genau vor ihm stand. Er packte Alec am Hals und drückte so fest zu, dass Alec keuchend seinen Bogen fallen ließ und mit beiden Händen Asmodeus‘ Handgelenk und Unterarm umklammerte. Der Köcher samt Pfeilen rutschte ihm von der Schulter. Obwohl er etwas größer war als Asmodeus in dieser Form, hob der Dämon ihn problemlos ein Stück in die Luft.
„Alec!“ Underhill schaffte es nur mühsam in eine sitzende Position. Seine Schulter schien eine einzige Wunde zu sein.
Offenbar hatte Asmodeus das Interesse an Lorenzo und ihm verloren, was Lorenzo nutzte, um zu Andrew zu eilen und sich neben ihn zu knien.
„Ich habe jetzt genug von diesem Unsinn.“ Die Worte krochen bedrohlich leise von Asmodeus‘ Lippen. „Ich habe Angelegenheiten mit meinem Sohn zu klären. Er wird dafür büßen, dass er mich verbannt hat…zwei Mal…wieder und wieder meine väterliche Hand ausgeschlagen hat. Es wird wohl Zeit, etwas strengere Erziehungsmethoden anzuwenden.“ Wütend fixierte er Alec. „Ich spüre ihn nicht in der Stadt. Wo ist er?“
Alec antwortete nicht. Er wusste, wie Magnus unter seinem Vater gelitten hatte und immer noch litt, niemals würde er diesem Monster helfen, an Magnus heranzukommen.
„Ich habe keine Geduld mehr“, sagte Asmodeus und verstärkte den Druck um Alecs Hals, was diesen vor Schmerz auf keuchen ließ. „Wo ist Magnus? WO IST ER?!“, fragte er mit donnernder Stimme und fuhr zu Andrew und Lorenzo herum.
„Bitte!“, rief Andrew verzweifelt, der nicht wusste, wie er Alec helfen sollte. „Magnus ist in Alicante! Er wohnt dort, er ist nicht mehr hier in New York!“
„Es stimmt“, sagte Lorenzo, der die Hände wieder erhoben hatte, bereit, Andrew zu verteidigen.
„Alicante?“ Die Heimat der Shadowhunter.
„Viel Glück…da…wirst du ihn…nie kriegen“, krächzte Alec und brachte sogar ein Lächeln zustande. Kein Dämon, nicht einmal Asmodeus, konnte einfach nach Alicante gelangen, er würde Magnus niemals erreichen können.
Asmodeus schien zu demselben Schluss zu kommen, doch plötzlich grinste er wieder. „Ich muss ihn dort nicht kriegen, denn ich muss nicht zu ihm gehen.“ Er betrachtete Alec und dessen Hände, wobei er vor allem den Ehering musterte. „Er wird zu mir kommen.“Mit diesen Worten hob er die andere Hand, den Gehstock darin nur mit zwei Finger hebend, und öffnete ein Portal.

Alec wurde klar, was vor sich ging…Asmodeus würde ihn mitnehmen und versuchen, Magnus so zu sich zu locken. Er konnte es nicht verhindern. Alec wand sich, doch Asmodeus‘ Griff war gnadenlos. Seine Hände zerrten an Asmodeus Arm, als er einen der Manschettenknöpfe zu fassen bekam. Mit letzter Kraft riss er ihn ab und ließ ihn zu Boden fallen.
„Alec!“, schrie Andrew, als Asmodeus mit ihm durch das Portal ging und Lorenzo und Underhill alleine in der verwüsteten Halle zurückblieben.

~*~


________________________________________________________________________

So, here we are. Eigentlich schade, dass ich all meine mühsam konstruierten Verschwörer direkt abgemurkst habe, aber ich dachte mir, das ist für Asmodeus realistisch, ich meine, er muss ziemlich sauer sein, nachdem er über ein Jahr weggesperrt war XD Nächste Woche erfahrt ihr, ob sein Plan aufgeht.

LG Mindy
Review schreiben