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Alle Legenden sind wahr…noch immer

von Mindy
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 Slash
Alexander "Alec" Lightwood Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane
06.07.2020
16.08.2020
10
43.490
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Dieses Kapitel
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23.07.2020 5.792
 
Hallo zusammen.
Die Woche ist so gut wie um und wieder kommt ein neues Kapitel. Dieses Mal wieder mit mehr Gesprächen, ehe es danach richtig zur Sache geht.
Ich fürchte, ich habe schon einige mit den langen Kapiteln vergrault, aber würde ich sie kürzer machen, hätte die FF am Ende 50 Kapitel und ich bin bis Dezember am Hochladen...XD
Ich habe viele verschiedene Ideen in der FF untergebracht, wie ihr gleich merken werdet, wenn Magnus und Alec zanken, aber hey, es muss immer erst schlimmer werden, ehe es - hoffentlich? - am Ende wieder gut wird ;-)

Viel Spaß beim Lesen!
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Obwohl Alec die Umgebung abgesucht hatte, hatte er den fremden Shadowhunter nicht mehr ausfindig machen können. Er war daher ins Institut gegangen und hatte die Datenbank nach seinem Aussehen und den wenigen Daten durchsucht, die er hatte. So hatte er herausgefunden, dass der Mann tatsächlich aus New York stammte und Connor Lloyd hieß. Er war allerdings seit Wochen nicht zum Dienst erschienen und nicht auffindbar. Alec gab eine verschärfte Suchmeldung nach ihm heraus. Als Izzy dies erfuhr und nachfragte, erklärte Alec ihr kurz, was im Restaurant vorgefallen war, allerdings ohne Details. Schon so regte seine Schwester sich furchtbar auf und versprach, Lloyd persönlich „in den Arsch zu treten“, sollten sie ihn aufspüren.

Die nächsten Stunden drückte Alec sich unnötigerweise im Institut herum, weil er vermeiden wollte, Magnus noch wach anzutreffen, wenn er nach Hause kam. Er wusste, dass er sich unreif verhielt und Magnus sich sicher sorgte, bei ihm sein und ihn trösten wollte, doch Alec wollte ihn nicht schon wieder mit diesen inneren Dämonen behelligen, die er mit sich herum trug. Er wusste schließlich, wie sein Mann darüber dachte, wie Izzy, Jace, sogar Clary darüber gedacht hatte – dass Jocelyns Tod nicht seine Schuld gewesen war. Alec fühlte sie dennoch. Immer wieder wanderten seine Gedanken an den Tag zurück, an dem er Clarys Mutter getötet hatte und die alten Selbstvorwürfe flammten wieder in ihm auf. Er wünschte, er könnte diese Bilder aus seinem Kopf entfernen, gleichzeitig würde er nie versuchen, die Erinnerung an seine Tat zu löschen. Es war richtig, dass er litt und Schuldgefühle hatte, denn er hatte sich dazu benutzen lassen, ein unschuldiges Leben auszulöschen. Diese Gefühle waren das Mindeste an Buße.

Es war fast zwei Uhr morgens, als Alec endlich wieder in Magnus‘ und seiner Wohnung ankam. Alle Lichter waren aus, also war Magnus wohl wirklich schon zu Bett gegangen. Leise schlüpfte Alec aus Jacke und Schuhen und lief durch die Dunkelheit ins Schlafzimmer. Die Lichter Alicantes erhellten den Raum durch das Fenster, so konnte er Magnus‘ Umrisse im Bett erkennen. Erschöpft trat er näher und sah, dass Magnus‘ Buch auf Alecs Nachtisch lag. Der Hexenmeister musste es mitgenommen und dort hingelegt haben. Kurz strich Alec sanft über den Einband, ehe er seine Hosen auszog und nur mit Boxershorts und Shirt bekleidet auf seiner Bettseite unter die Decke kroch. Er wollte Magnus nicht wecken, dennoch fühlte er sich gerade so verloren, dass er an ihn heranrutschte und den Kopf an seine Brust legte. Tief atmete er den Geruch seines Geliebten ein und schloss die Augen. Hier fühlte er sich am wohlsten, hier gehörte er hin. Kurz darauf war er eingeschlafen.

Ohne sich zu bewegen lauschte Magnus den gleichmäßigen Atemzügen seines Ehemannes. Er hatte lange auf Alexander gewartet, hatte jedoch irgendwann begriffen, dass dieser ihn nicht wach antreffen wollen würde. Also war er notgedrungen schlafen gegangen, jedoch beinahe sofort aufgewacht, als Alec ins Schlafzimmer gekommen war. Seine Sinne waren in dieser Hinsicht sehr scharf. Dennoch hatte er weiter den Schlafenden gemimt, um Alec nicht zu verschrecken, bis dieser sich fast schutzsuchend in seine Arme gekuschelt hatte und beinahe sofort eingeschlafen war. Sacht strich Magnus über Alecs verwuscheltes Haar und über seinen Hinterkopf. ,Ich weiß, dass du leidest, aber keine Angst…ich bin für dich da.‘ Das würde Magnus immer sein.

Sie hatten kaum eine Stunde so da gelegen, als Magnus erneut aufwachte. Er spürte sofort, dass es mit Alec zusammenhing. Der Schattenjäger murmelte im Schlaf vor sich hin und bewegte sich sehr unruhig. Zweifellos träumte er schlecht…kein Wunder, nachdem dieser Mistkerl diese schlimmen Erinnerungen wieder präsent hatte werden lassen. Sonst ließ Magnus diesen Prozess zu, denn Alpträume waren ein wichtiger Verarbeitungsmechanismus des Hirns und der Seele, doch heute wollte er, dass sein Ehemann Ruhe bekam. Also hob er die Hand, rief seine Magie und schickte ein wenig davon mit kreisenden Bewegungen in Alecs Körper. Es zeigte fast sofort Wirkung; Alecs Gesichtszüge glätten sich und sein Atem wurde wieder ruhiger. ,Träum schön. Am besten von mir, mein Liebster.‘

~*~


Als Alec am Morgen zu sich kam, war er verwundert, wie ausgeruht er sich fühlte. Er hätte erwartet, dass er Alpträume haben würde, aber wenn dem so gewesen war, erinnerte er sich nicht daran. Er drehte den Kopf, doch Magnus‘ Bettseite war leer. Alec spürte einen Kloß in seinem Hals, der mit jedem Atemzug weiter seinen Körper hinunter zu rutschen und bleischwer in seinem Magen liegen zu bleiben schien. Hatte Lloyd ihnen den gestrigen Abend nicht ruiniert, hatte spätestens Alec es mit seinem Verhalten getan. Er konnte nur hoffen, dass Magnus Verständnis dafür hatte. Da er nicht ewig liegen bleiben und sich vor der Konfrontation drücken konnte, erhob Alec sich seufzend und ging ins Bad.

Nachdem er geduscht und umgezogen war, betrat er ihr Esszimmer. Der Tisch war bereits liebevoll mit allerlei Leckereien gedeckt und Alec fand sogar eine Rose auf seinem Teller vor. Er presste die Lippen zusammen und strich vorsichtig über die Blütenblätter.
„Guten Morgen, Prinzessin“, wünschte Magnus fröhlich, als er mit der Kaffeekanne aus der Küche kam. „Du bist ein wenig spät dran, aber für ein ausgewogenes Frühstück wird Zeit sein.“ Magnus setzte sich und deutete auf den Stuhl vor Alec. „Na los, setz dich.“
Folgsam nahm Alec Platz, ließ sogar den neusten Spitznamen ausnahmsweise unkommentiert. Er öffnete den Mund, wusste aber nicht, wie er am besten anfangen sollte. Ein Jahr Ehe und entschuldigen war immer noch keine seiner Stärken…manchmal könnte er sich wirklich ohrfeigen. „Magnus…“ Das war kein glanzvoller Anfang, aber immerhin ein Anfang. Das Wort blieb allerdings alleine in der Luft hängen.
Mehrere Sekunden, die Alec wie eine Ewigkeit vorkamen.
„Es tut dir leid, dass du deinen Mann am Hochzeitstag hast sitzen lassen und dann auch noch die Hochzeitstagsnacht verpasst hast?“, half Magnus ihm aus und sah ihn freundlich von der Seite an, wobei er noch nicht einmal vorwurfsvoll klang.
„…“ Vielleicht sollte er den Kopf besser gegen die nächste Wand schlagen. „Nein. Ich meine, ja, natürlich und…“ Alec senkte den Blick. „Ich brauchte Zeit, um den Kopf frei zu kriegen, aber ich habe mich falsch verhalten…und kindisch…und dann bereitest du noch dieses wunderbare Frühstück zu. Ich habe es nicht verdient. Bitte entschuldige.“
„Ach, mein süßer Alexander“, seufzte Magnus und griff über den Tisch nach Alecs Hand, weil dieser die Hände sonst in seinem Schoß vergraben hätte. „Rede bitte keinen Unsinn, natürlich hast du das. Was du nicht verdient hattest, waren die widerlichen Dinge, die dieser Kerl dir gestern an den Kopf geworfen hat. Uns, um genau zu sein. Ebenso wenig hast du verdient mit dieser…nagenden Schuld gebeutelt zu sein, aber ich verstehe, dass du sie empfindet.“ Magnus hatte selbst in der Vergangenheit Dinge getan, für die andere Verständnis hatten oder für die sie ihn nicht verurteilten, wie den Mord an seinem Stiefvater, dennoch empfand Magnus Schuld. „Du weißt, ich bin immer für dich da, in guten und schlechten Zeiten“, rezitierte Magnus ihr Eheversprechen. „Es gefällt mir aber nicht, wenn du dich zurückziehst. Denk bitte an das Versprechen, das du mir damals auf dem Balkon gegeben hast. Wenn die Dinge…zu schwer werden, rede mit mir.“ Aufrichtig besorgt blickte Magnus Alec an. Er wusste, Alec würde sich niemals einfach das Leben nehmen, doch Gefühle trieben einen oft zu Dingen, die man sonst nie tun würde.
Alec nickte bedächtig und drückte Magnus‘ Hand. „Ich habe es nicht vergessen. Ich will nicht, dass du dir diese Sorgen machst, es geht mir…“ Alec erinnerte sich an ihre Abmachung bezüglich der Kommunikation. „…im Moment nicht gut, aber mit der Zeit wird es wieder besser werden, wie immer. Auch dank dir.“ Alec fühlte sich schon jetzt viel besser, als könne er wieder freier atmen.
„Das ist alles, was ich will“, entgegnete Magnus, führte Alecs Hand zu seinen Lippen und küsste sie. Alec errötete leicht, was bei Magnus jedes Mal aufs Neue Herzklopfen verursachte. „Und jetzt iss, ich will ja nicht, dass du zerbrichst, wenn wir unsere Erster-Hochzeitstag-Nacht heute Abend nachholen.“ Vergnügt nahm Magnus sich einige Pfannkuchen und übergoss sie mit Sirup. Heute war ihm nach süß.
„Ich zerbreche doch nicht“, schnaubte Alec pikiert, legte die Rose neben seinen Teller und nahm sich einen Apfel. Sein Mann musste wirklich immer übertreiben.
„Hast du den Kerl eigentlich gefunden? Ich will gerne verstehen, wieso er es so auf uns abgesehen hatte“, sagte Magnus und schob sich die ersten Stücke Pfannkuchen in den Mund.
„Das ist wohl eher gegen mich gerichtet gewesen.“ Alec legte dar, was er über Connor Lloyd herausgefunden hatte und dass nach ihm gefahndet wurde. „Direkt habe ich ihm nichts getan, aber es gibt viele Shadowhunter, die es als persönliche Beleidigung betrachten, wie kameradschaftlich die Beziehung zwischen uns und den Unterweltlern geworden ist. Als er uns im Restaurant gesehen hat, hat er wohl die Chance genutzt, seine Wut an uns auszulassen.“
„Ach, urgs.“ Magnus rollte die Augen. Immer diese Angst vor Kontrollverlust bei den Nephilim. Genau so war es auch bis vor einem knappen Jahr im Rat zugegangen, ehe einige der Mitglieder ersetzt worden waren. „Na, wenn Izzy nach ihm suchen lässt, wird er sicher bald in einer Zelle sitzen“, sagte Magnus zuversichtlich. „Wobei ich sie bestimmt überreden kann, ihn mir zu überlassen…es gibt da einige Flüche und Tränke, die ich an ihm ausprobieren könnte…“
Kurz gab Magnus sich diesen Fantasien hin, doch er spürte bereits den tadelnden Blick seines regelgetreuen Gatten auf sich ruhen. „Ja, schon gut, wir halten uns an das Protokoll.“
„Richtig.“ Alec biss in seinen Apfel und dachte einen Moment nach. „Und falls nicht müsste darauf geachtet werden, am Ende keinerlei Beweise zu hinterlassen.“
Magnus öffnete überrascht den Mund und strahlte. „Alexander! Dass ich solche Worte je aus deinem Mund vernehmen würde! Hach, ich bin so stolz auf dich. Nein, warte, das ist nicht gut, ich fürchte, ich habe dich verdorben.“ Gespielt dramatisch schüttelte Magnus den Kopf.
Nun war es an Alec zu lachen. „Jetzt stell mich nicht so hin, immerhin hat er dich geschlagen.“ Das reichte Alec schon, um Lloyd persönlich zur Rechenschaft ziehen zu wollen. „Was hast du denn für ein Bild von mir?“
„Im Moment eines von unserer Hochzeit“, antwortete Magnus fröhlich und klopfte sich kurz gegen die Brust, wo das Amulett sachte hin und her schwang. Nebenbei ließ er zwei Pfannkuchen auf Alecs Teller schweben. Er musste ja dafür sorgen, dass dieser nicht vom Fleisch fiel. Zudem hatte Magnus in ihrer Ehe vielleicht zwei bis drei Kilo zugenommen…und falls das so weiter ging und er dick werden sollte, wollte er das wenigstens nicht alleine werden!


„Wie geht es eigentlich deiner Nase?“, fragte Alec, als sie das Frühstück beendet hatten und vom Tisch aufgestanden waren. Immerhin hatte Lloyd ziemlich fest zugeschlagen. Er hob die Hand und berührte behutsam Magnus‘ Nasenspitze.
„Ach schon wie…das heißt“, besann Magnus sich, als er Alecs zärtlichen Blick bemerkte. Er machte ein bemitleidenswertes Gesicht. „Ich denke, sie braucht immens viel Pflege. Fällt dir da…jemand ein, der für diese Aufgabe geeignet wäre?“, fragte er leise.
Alec legte die Arme an Magnus‘ Hüften, um ihn näher zu sich zu ziehen. „Vielleicht.“ Er beugte sich vor und küsste Magnus‘ Nase voller Vorsicht. „Schon besser?“
„Hm…noch nicht.“
Alec küsste die Nase erneut. „Und jetzt?“
„Ein wenig…aber du wirst die Behandlung wiederholen müssen. Oft.“ Magnus‘ Augen funkelten vielsagend. Es machte ihm noch immer Spaß, mit Alec zu flirten, obwohl ihre Interaktion mit der Zeit eher an Tiefe und Intimität gewonnen hatte, wodurch der verspielte Charakter abgenommen hatte.
„Das lässt sich einrichten“, murmelte Alec und küsste Magnus verlangend auf die Lippen. Ihr Kuss wurde intensiver und obwohl Alec zur Arbeit musste, glitten seine Hände unter Magnus‘ Oberteil, um sanft über den flachen Bauch zu streichen. Vermutlich wären sie geradewegs im Schlafzimmer gelandet, doch Magnus‘ Telefon klingelte und unterbrach den Moment.
„Argh, ich muss das Ding lautlos schalten, solange du im Haus bist“, fluchte der Hexer und ging ins Wohnzimmer, um zu sehen, wer da so penetrant anrief.
Alec leckte sich über die geröteten Lippen. „Schon gut, ich muss sowieso gleich los.“ Besser, er kam ohne ausgebeulte Hose im Institut an.

Er zog seine Schuhe an und ging ins Schlafzimmer, um sein eigenes Handy zu holen, als sein Blick erneut auf Magnus‘ Geschenk fiel. Er würde gleich heute mit dem Lesen beginnen. Ein Lesezeichen wäre praktisch. Sicher hatte Magnus einige. Alec lief zum Bücherregal im Wohnzimmer und tastete über die teilweise verstaubten Bücher, um eines zu finden.
„Alexander, was tust du da?“, fragte Magnus plötzlich und klang seltsamerweise alarmiert. Sein Telefonat schien beendet.
„Ich suche ein Lesezeichen. So spannend dein Leben zweifellos bisher war, ich vermute, ich werde das Buch nicht in einem Durchgang schaffen.“ Alec tastete weiter über die Bücher nach hinten, in der Hoffnung, ein Lesezeichen zu ertasten. Die meisten Bücher gehörten Magnus, daher war Alec eigentlich so gut wie nie an diesem Regal. Ein Stück Papier hätte den Zweck natürlich ebenso erfüllt, aber für dieses wertvolle Geschenk wollte Alec einfach etwas von entsprechender Qualität.
„Warte, lass mich das machen. Ich hole dir eines.“ Magnus wuselte davon.
„Ich schaffe das schon, Magnus“, sagte Alec mit einem Halblächeln, weil er nicht wusste, wieso Magnus so nervös klang. Plötzlich ertastete er auf den Büchern des obersten Regals etwas, das sich wie ein Behältnis anfühlte. Alec runzelte die Stirn und zog es nach vorne ins Licht. Es war tatsächlich ein langes schmales Kästchen von weißer Farbe, wie zur Aufbewahrung von Stiften, allerdings sah es dafür viel zu edel aus. Alec hatte es noch nie gesehen.
Als er es öffnete, fand er darin einen Brief vor, der an Magnus und ihn adressiert war. Von Clary. „…?“
Vollends irritiert entfaltete Alec den Brief und fühlte sich mit jeder Zeile, die er las, als hätte man ihm in den Magen geschlagen.

Lieber Magnus, lieber Alec,
eurer Hochzeit beizuwohnen ist vermutlich das Letzte, das ich in der Schattenwelt erleben werde. Wenn ihr das lest, bin ich kein Teil eurer Welt mehr und sicher hat Jace euch erzählt, welche Strafe die Engel mir zugedacht haben, weil ich eine Rune erschaffen habe, um Jonathan aufzuhalten. Auch ihm habe ich nur einen Brief geschrieben, ich habe es nicht über mich gebracht, es ihm zu erzählen.
Bevor ich jedoch alles vergesse und die Runen-Fähigkeit verliere, habe ich euch ein Geschenk machen wollen. Die Rune am Ende des Briefes ist dafür gedacht, das Leben auf unbestimmte Zeit zu verlängern, falls Alec je entscheiden sollte, für immer bei Magnus bleiben zu wollen. Da mir der Verlust von Jace erneut bevorsteht und allein der Gedanke daran so unendlich schmerzt, würde ich mich freuen, wenn ich euch diesen Schmerz ersparen könntevor allem dir, Magnus, der du zwangsläufig ertragen müsstest, Alec eines Tages sterben zu sehen. Das hast du nicht verdient, nachdem du so viel für uns alle riskiert hast. Ich weiß nicht, ob die Rune funktioniert, wenn nicht ich sie einbrenne, ob sie mit der Zeit verblasst und erneuert werden muss oder ob die Engel es als Verrat betrachten, wenn erneut eine meiner Runen genutzt wird, selbst, wenn es nicht ich bin, die sie nutzt…ich will dich nicht in Gefahr bringen, Alec, darum entscheide bitte mit Vorsicht, ob du mein Geschenk je nutzen möchtest. Doch zumindest will ich euch einen Weg ermöglichen, auf ewig zusammen glücklich sein zu können.
Ihr seid ein wunderschönes Paar und ich wünsche euch nur das Beste.
Dieses Geschenk ist mein Dank an euch, für all eure Hilfe und alles, was ihr für mich getan habt. Ihr werdet immer ein Teil meiner Familie sein.
In Liebe
Clary.“

„Hier ist eines, das kannst du…“ Magnus unterbrach sich und stoppte, als er sah, was Alec da in den Händen hielt. Er hatte ewig nicht daran gedacht und nun verfluchte Magnus sich, dass er das Kästchen nicht besser versteckt oder unsichtbar gemacht hatte. Alec war nie an seinen Büchern, darum war Magnus erst eben wieder eingefallen, was er dort vor vielen Monaten in den hintersten Winkel des Regals geschoben hatte. Er wünschte, er hätte Alec von dem Regal weggezogen, als er noch die Chance gehabt hatte. Jetzt war es zu spät.
„Magnus“, sagte Alec und drehte sich zu seinem Ehemann herum. „Was ist das?“ Er hielt den Brief hoch. Deutlich sah man die gezeichnete Rune am Ende des Briefes.
Magnus ließ das Lesezeichen sinken und schloss kurz die Augen. „Das ist…war Clarys Hochzeitsgeschenk an uns.“
„Wieso wusste ich nichts davon?“
Magnus schwieg.
„Antworte mir“, verlangte Alec und trat auf Magnus zu. „Du hast hiervor gewusst und es absichtlich vor mir versteckt. Wie konntest du mir das vorenthalten? Das hier wäre eine Chance für mich, unsterblich zu werden.“ Dies war ein schmerzhaftes Thema für sie beide, schon in der Vergangenheit hatten sie sich deswegen gestritten und beinahe sogar getrennt.
„Alexander…“ Magnus verschränkte unruhig die Hände ineinander. Er hatte gewusst, dass sie irgendwann erneut über all das würden sprechen müssen, aber heute war er nicht darauf vorbereitet gewesen. „Du hast doch gelesen, was Clary geschrieben hat. Niemand weiß, ob und wie die Rune wirkt und ob du damit nicht den Zorn der Engel auf dich ziehst und es dir am Ende ergeht wie ihr…“ Allein diese Gefahr war schon bedenklich genug, um nicht einmal in Erwägung zu ziehen, die Rune je auszuprobieren.
Alec schien dies wie erwartet anders zu sehen. „Aber es wäre einen Versuch wert“, ereiferte er sich. „Ich meine, es wäre die Lösung all unserer Probleme. Wir könnten für immer zusammen sein, ich würde wohl nicht altern und eine Last für dich werden…und irgendwann sterben.“
„Ich weiß, aber ich bin…nicht sicher, ob du das wirklich willst“, versuchte Magnus zu erklären. „Abgesehen von den anderen Risiken, die Clary erwähnt hat.“
Alec runzelte verständnislos die Stirn. „Wieso sollte ich es nicht wollen? Ich liebe dich.“
„Das weiß ich und ich weiß, was du alles tun würdest, um bei mir zu bleiben.“ Magnus lief zwei Schritte auf Alec zu. „Aber du bist noch sehr jung und du musst dir vor Augen führen was es bedeutet, unsterblich zu sein. Du könntest für immer bei mir sein, ja, aber du würdest jeden sterben sehen, den du liebst. Deine Eltern, Isabelle, Jace, Max…du würdest jedes Mal wieder jeden verlieren, der dir etwas bedeutet. Glaub mir, das ist kein erstrebenswerter Zustand.“ Magnus sprach aus eigener Erfahrung. In all den Jahrhunderten war es nie leichter geworden, geliebte Menschen zu verlieren, an so etwas konnte man sich einfach nicht gewöhnen.
Alec betrachtete den Brief. „Ich verstehe deine Besorgnis, aber…“
„Noch dazu müsstest du irgendwie deine plötzliche Unsterblichkeit erklären“, fuhr Magnus erhitzt fort. „Man würde bestimmt versuchen, diese Rune auszunutzen, vielleicht würde man dich angreifen oder jeder Shadowhunter würde sie plötzlich haben wollen. Das würde viele Dinge aus dem Gleichgewicht bringen.“
„Ja, man müsste vorsichtig sein, aber…“
„Zudem wissen wir nicht, wie dein Körper auf so eine Belastung reagieren würde, vielleicht würde dich das Anbringen der Rune direkt töten“, sagte Magnus, dem all diese Bedenken immer und immer wieder durch den Kopf gegangen waren, als er Clarys Brief kurz nach ihrer Hochzeit gelesen hatte. Darum hatte er sich dagegen entschieden, Alec davon zu erzählen, er hatte verhindern wollen, dass der Shadowhunter sich dieser unkalkulierbaren Gefahr aussetzte.
„Wieso hast du den Brief behalten, wenn du so dagegen bist?!“, entfuhr es Alec zunehmend verdrossen, weil Magnus ihn gar nicht zu Wort kommen ließ.
„Ich weiß es nicht…vermutlich, weil ich egoistisch bin und mir in einigen Jahren noch weniger vorstellen kann, ohne dich zu leben…“, gab Magnus gefrustet zu und lief auf und ab. Das Lesezeichen hatte er achtlos auf die Couch geworfen. „Ich wollte einen Ausweg, eine Hintertür, aber jetzt, da ich mit dir darüber rede, komme ich erneut zu dem Schluss, dass es die falsche Entscheidung wäre. Es wäre das Risiko einfach nicht wert...“
„Nicht wert?!“, wiederholte Alec fassungslos und lief hinter Magnus her. „Wie kannst du das sagen? Wie kannst du das nicht für mich wollen, für uns?! Ich meine, du redest, als könntest du gar nicht abwarten in 60 oder 70 Jahren, wenn ich tot bin, den Ehering in deine…deine Erinnerungsbox zu legen und weiter zu machen, als wäre nichts gewesen! Als hätte es mich nicht gegeben, als…“
„Alexander!“, entfuhr es Magnus derart laut, dass seine Stimme in der ganzen Wohnung widerzuhallen schien. Wie konnte sein Mann so etwas auch nur denken?! Er müsste es so viel besser wissen und auch, wenn er wütend war…das war zu viel für Magnus.
Wären sie Mundie, hätte Magnus ihm wohl eine Ohrfeige gegeben oder mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Er hob tatsächlich die Hand, allerdings schoss eine Welle Magie hervor, die Alec unvorbereitet traf, einen guten Meter nach hinten schleuderte und rittlings auf den Teppich warf.
Obwohl der Sturz an sich nicht weh tat, biss er sich dabei ausversehen auf die Lippe, die dadurch leicht zu bluten begann.
Entsetzt ließ Magnus die Hände sinken. Er war so zornig gewesen, doch das hatte er ganz bestimmt nicht gewollt. „Alexander…beim Engel, es tut mir leid, das war nicht meine Absicht.“ Er eilte näher, doch Alec hob abwehrend die Hand. Wie angewurzelt blieb Magnus stehen.
Schweigend berührte der Shadowhunter seine Lippe und betrachtete kurz das Blut, das auf seinen Fingern glänzte. „Verstehe.“ Langsam rappelte Alec sich auf.
„Alexander bitte, ich…“ Magnus‘ Wut verwandelte sich in Verzweiflung. Ihr friedliches Frühstück und ihre neckende Konversation schienen Jahre zurückzuliegen.
„Ich verstehe deine Wut, es war ein Fehler, dir diesen Brief vorzuenthalten und nicht ehrlich mit dir darüber zu reden…“
„Tja, das haben wir ja jetzt getan.“ Ausdruckslos blickte Alec den Hexenmeister an und fühlte sich, als hätte er einen Fremden vor sich. „Ich war ein Narr.“ Alec legte Clarys Brief auf den Beistelltisch neben der Couch. Durch den Sturz war er zerknittert worden.
Schuld brannte in Magnus‘ Adern, weil er sehen konnte, wie viel Traurigkeit im Blick seines Mannes lag. Er wusste, er hatte sich falsch verhalten…nicht nur, weil er Alec belogen, sondern auch, weil er die Kontrolle verloren hatte. Dies war ihm noch nie passiert, dabei hatten sie schon häufiger heftig gestritten. „Alexander…“ Er hob die Hand, um Alecs zu ergreifen, doch Alec schüttelte den Kopf und wandte sich ab.
Ohne ein weiteres Wort nahm er seine Jacke und verließ die Wohnung.

~*~


„Alec? Hey, Alec.“
Alec brauchte einen Moment, bis er registrierte, dass Izzy ihn angesprochen hatte. Er blickte auf und sah in das besorgte Gesicht seiner Schwester. „Ist alles in Ordnung? Du wirkst abwesend.“ Sie musterte ihn aus ihren tiefen, dunklen Augen.
„Ja, alles bestens.“ Das war eine himmelschreiende Lüge. Rein gar nichts war in Ordnung. Er hatte erfahren, dass Magnus ihre Ehe nicht nur mit einem Geheimnis begonnen hatte, sondern zudem nicht besonders von der Idee angetan zu sein schien, seine gesamte Existenz mit ihm zu verbringen. Zuvor hatte Alec sich einigermaßen damit arrangieren können, weil er wusste, dass Magnus als Sterblicher und ohne Kräfte nie würde glücklich sein können.
Nun war die Lage jedoch anders.
Alec könnte sich verändern, ohne dafür ein Vampir oder anderes dämonisches Wesen werden zu müssen. Dennoch schien Magnus diesen Weg für sie beide nicht einmal in Erwägung gezogen zu haben. Alec zweifelte nicht an Magnus‘ Liebe, das hatte er nie getan, dennoch beschlich ihn das Gefühl, dass ein unsterbliches Wesen einfach nicht für eine einzige große Liebe und nur eine Beziehung geschaffen war. Er berührte kurz seine wunde Lippe. Noch nie hatte Magnus seine Magie gegen ihn gerichtet, doch Alec wusste, dass es dem Moment geschuldet gewesen war. Der Schlag mit der Magie hatte ihn weniger verletzt als Magnus‘ Worte. ,Das ist es einfach nicht wert…‘
Viel weniger.
„Okay“, sagte Isabelle, obwohl sie Alec ansehen konnte, dass er log. Vielleicht hing dies noch immer mit der Konfrontation mit Lloyd zusammen, daher war es umso wichtiger, dass sie dieses Ekel fanden. „Wir haben eine Spur zu Lloyd“, wiederholte sie, da sie überzeugt war, dass Alec ihre letzten Worte gar nicht registriert hatte. „Nachdem die Suche verschärft wurde, gab es eine Sichtung in der Nähe eines Parks in einer ziemlich herunter gekommenen Gegend. Er ist der Truppe entkommen, aber wir kreisen ihn ein.“
„Gut. Ich will informiert werden, wenn ihr ihn gefunden habt“, sagte Alec, nachdem er kurz auf das Hologramm der Karte geblickt hatte.
„Geht klar.“ Izzy legte den Kopf schief. Alec grübelte so stark, dass sie den Rauch förmlich sehen konnte, der aus seinem Kopf stieg. Sie machte einen zweiten Versuch. „Alec, ist wirklich alles in Ordnung?“ Die Miene ihres Bruders mochte unbewegt sein, doch Izzy hatte schon lange gelernt, hinter diese Fassade zu blicken.
„Ja“, wiederholte Alec. „Ich werde mich jetzt weiter mit diesen Energieauffälligkeiten befassen. Vielleicht kann Lorenzo weiterhelfen.“ Alec wandte sich ab und ging in das Büro, das er während seines Aufenthalts in New York nutzte.
Isabelle sah ihm hinterher und seufzte tief. In solchen Momenten fehlte ihr Clary ganz besonders. ,Männer…‘


Wenigstens war ihre Suchmaßnahme von Erfolg gekrönt, denn kaum zwei Stunden später brachten Raj und Sandra Lloyd in Fesseln in das Institut. Seltsam war, dass sie berichteten, er habe sich mit Vampiren in einem leerstehenden Haus versteckt gehalten. Sie hatten die Vampire im Kampf töten müssen. Diese Art Bündnis kam Izzy merkwürdig vor, doch Lloyd weigerte sich etwas darüber zu verraten. Zwar hatte sie schon davor etwas gegen ihn gehabt, weil er Magnus und Alec beleidigt hatte, doch auch so empfand sie den Kerl als Kotzbrocken. Während ihrer Leitung war ihr der erst vor Kurzem her versetzte Schattenjäger allerdings nie aufgefallen, aber dies war kein Wunder, bei all den Mitarbeitern hier.
„Aus dem kriege ich nichts raus, am besten, du versuchst mal dein Glück“, sagte Izzy frustriert zu Alec, als sie das Verhör nach einer halben Stunde abgebrochen hatte. Sie hatte wirklich andere Probleme, Dämonen zum Beispiel, um die sie sich kümmern musste.
Alec erhob sich und legte sein Tablet auf den Schreibtisch. „Nichts lieber als das.“ Er hatte immerhin noch eine Rechnung mit dem Mann offen und ihn in Fesseln zu sehen wäre eine angemessene Genugtuung.
Gemeinsam gingen sie zu der Arrestzelle, in der Lloyd untergebracht war. Er war an einen Tisch gekettet, also konnten Izzy und Alec gefahrlos auf der anderen Seite Platz nehmen. Alec erkannte ihn sofort wieder. Er grinste genauso herablassend, wie er es im Restaurant getan hatte.
„So schnell sieht man sich wieder“, begrüßte Lloyd ihn höhnisch. „Wo ist denn die schwulere Hälfte?“
„Als Inquisitor darfst du doch sicher die Agonierune benutzen“, sagte Izzy zu ihrem Bruder, ohne aufzuhören, Lloyd mit ihrem Blick zu erdolchen. „Ich brenne sie ihm persönlich auf die Zunge.“
„Später vielleicht.“ Alec faltete die Hände. Er würde sich nicht so aus der Bahn werfen lassen wie am Vortag. „Warum haben Sie dem Institut den Rücken gekehrt?“ Darum ging es, nicht um Lloyds Beleidigungen gegen Magnus oder ihn.
„Ihm den Rücken gekehrt? Dass ich nicht lache!“ Lloyd verzog das Gesicht zu einer wütenden Grimasse. „Ich war Jahrzehnte über ein treuer Shadowhunter, erst in L.A. und dann hier, und obwohl mir Valentines Methoden, alle Unterweltler zu ermorden, zu drastisch waren, ist dieser neue Weg ebenso extrem und nicht richtig! Kooperation, Zusammenarbeit…Shadowhunter, die sich mit Hexenmeistern und Vampiren einlassen, mit ihnen rummachen, als wäre es das Normalste der Welt.“ Er sah Alec und Izzy voller Abscheu an und bezog sich wohl auf Magnus und Simon. „Sie sind unsere Feinde! Sie haben unsere Familien und Freunde abgeschlachtet! Unsere Aufgabe ist es, diese Wesen im Zaum zu halten und zu kontrollieren, nicht, uns mit ihnen zu verbrüdern! IHR habt euch abgewandt, von unseren Werten und Traditionen…“
„Beim Engel, ich fühle mich wie bei den Vorlesungen über Schattenweltlehre damals“, stöhnte Izzy augenrollend. Wie konnte es noch immer Wesen geben, die derart borniert waren und jeden Fortschritt sofort als Rückschritt und Affront gegen Traditionen betrachteten? Obwohl Izzy in vielen Bereichen reifer geworden war, würde sie diese Weltsicht nie nachvollziehen können…sie verschloss sich einfach zu vielen Wundern.
„Ihnen gefällt also der neue Kurs des Rates nicht.“ Das hörte Alec nicht zum ersten Mal, dennoch schien es, als sei das noch nicht alles. „Warum waren Vampire bei Ihnen?“, fragte Alec, ignorierte dabei den Unmut, den Lloyds Worte in ihm auslösten. „Warum haben die Ihnen geholfen, obwohl Sie diese Wesen doch nach eigener Aussage verabscheuen?“
Lloyd grinste überheblich. „Auch vielen Unterweltlern gefällt dieser Kuschelkurs der Kooperation und Verständigung nicht. Sie fühlen sich ebenso bevormundet und wollen zur alten Ordnung zurück. Für ein gemeinsames Ziel bringt man auch mal Opfer.“
Kopfschüttelnd lehnte Alec sich zurück. Das klang alles sehr beunruhigend und ähnlich fanatisch wie das, was im Kreis von sich gegeben worden war. Gut, dass er davon erfahren hatte, er würde den Rat informieren. „Ich habe genug von diesem Geschwätz“, sagte Alec und erhob sich. Sie hatten genug gehört, um Lloyd vor Gericht zu stellen und zu bestrafen.
„Ganz deiner Meinung.“ Izzy erhob sich ebenfalls und ging mit Alec zur Tür.
Lloyds Lachen ließ sie inne halten. „Ihr haltet euch für so schlau und überlegen, aber ihr wisst gar nichts…ihr wisst nicht, wie viele wir schon sind und wie groß das ist, wie viel Energie schon freigesetzt wurde…es hat mit Bane und dir angefangen, Lightwood, und wird mit euch enden, verlass dich darauf.“
Ungnädig drehte Alec sich herum. „Ich hoffe, Sie werden sich an diese Worte erinnern, wenn die Brüder der Stille mit Ihnen fertig sind“, sagte er in eisigem Ton und öffnete die Tür.
Ohne Lloyd noch eines Blickes zu würdigen, verließen die Geschwister die Zelle.

„Was denkst du, was er damit meint?“, fragte Izzy, während sie zur Kommandohalle zurückliefen. Eine Sorgenfalte hatte sich in ihre Stirn gegraben. Diese Worte hatten nach einer Drohung gegen Alec persönlich geklungen und das gefiel ihr ganz und gar nicht.
Alec ging Ähnliches durch den Kopf, wenn auch in Bezug auf Magnus. Zudem war ihm etwas aufgefallen. „Ich weiß nicht. Aber hast du gehört, was er am Ende gesagt hat? Über Energie?“
Kurz brauchte Izzy, um den Gedanken ihres Bruders zu folgen. „Energie, die freigesetzt wurde…denkst du, er meinte das wörtlich? Ob er und seine Leute mit all den Energieaufkommen zu tun haben, die wir registriert haben?“ Vermutlich hatte Lloyd gar nicht gemerkt, dass er sich verplappert hatte.
„Ja, das könnte gut sein. Ich werde es jedenfalls herausfinden“, sagte Alec entschieden.

~*~


Schweigend lief Pietro hinter Drago her. Die Vorbereitungen für die Beschwörung waren abgeschlossen und nach vielen vergeblichen Versuchen in den letzten Monaten schien es heute soweit zu sein. Abgesehen von Pietro, seines Zeichens Werwolf, und einigen Schattenjägern, waren noch drei Vampire in der großen Lagerhalle zugegen, die sie ansteuerten.
„Sollen wir nicht warten, bis es dunkel ist?“, fragte Pietro. Er bekam ein ungutes Gefühl. Als Drago ihn zuerst angeworben hatte, war er misstrauisch gewesen, denn der Shadowhunter war groß, ziemlich breit gebaut und sein vernarbtes Gesicht war auf eigentümliche Weise respekteinflößend.
Außerdem hatte Pietro nicht geglaubt, dass die Shadowhunter einander in den Rücken fielen, doch wie es immer gewesen war, gab es auch gegen diesen neuen Weg des Rates Widerstand. Offenbar hatte Drago ihn ausgewählt, weil er im Stammrestaurant von Bane und Lightwood kellnerte. Eines Tages, so hatte Drago gesagt, könne dies nützlich sein.
Pietro hatte noch einige Wochen gezögert sein Rudel so zu hintergehen, aber er hatte seine Schwester an Shadowhunter verloren und nun mitansehen zu müssen, wir ihr Alpha mit diesen Mördern kooperierte, als seien sie ihre Haustiere, konnte Pietro nicht unterstützen. Zuvor waren sie zwar eher unterdrückt, aber gleichsam gefürchtet gewesen. Daher hatte er sich Drago angeschlossen, der ihnen einen Plan versprochen hatte, um all das zu beenden und wieder zu der althergebrachten Beziehung des Misstrauens und der gegenseitigen Kontrolle über Furcht zurückkehren zu können. Je länger Pietro sich diesen Plan jedoch durch den Kopf gehen ließ, desto weniger überzeugt war er, dass sie das Richtige taten.
„Wir brauchen die Dunkelheit nicht, hier wird uns niemand beobachten und die Mundie werden nichts mitbekommen“, antwortete Drago und trat in eine der großen Hallen. In die Mitte war bereits ein Pentagramm gezeichnet worden.
„Du willst also einen Dämon beschwören, der in der Lage ist, Magnus Bane zu töten?“, fragte Pietro nachdenklich. „Das würde Alicante zwar einen Schlag versetzen, aber inwiefern hilft uns das, diese neue Politik zu stürzen?“
„Es handelt sich nicht um irgendeinen Dämon, er ist sehr mächtig“, belehrte Drago ihn. „Er wird uns nicht nur Bane vom Hals schaffen, sondern ebenso Lightwood in Verruf bringen. Mit ihnen begann alles. Wenn Alec Lightwood kein Teil des Rates mehr ist, werden andere Kräfte dort wieder an Stärke und Einfluss gewinnen. Alles ist so präpariert, dass man glauben wird, Bane habe diesen Dämon gerufen und auf die Mundie losgelassen. Es wird Opfer geben, unvermeidlich, doch nach so einem Skandal wird jeder Befürworter sich eingestehen müssen, den falschen Anführern und Vorbildern gefolgt zu sein.“
Pietro nickte langsam. Das ergab sogar Sinn und die Mundie waren ihm ohnehin nicht besonders wichtig. „Und wie bringen wir den Dämon das zu tun, was wir wollen?“
Unwillig winkte Drago ab und blieb vor dem Pentagramm stehen. Er schien von fast fanatischer Entschlossenheit getrieben. Pietro hatte ihn nie nach seinen Gründen für sein Handeln gefragt. Sie interessierten ihn nicht sonderlich, zudem glaubte er, es war besser, wenn er nicht alles wusste.
„Dazu habe ich uns eine Hexe besorgt“, sagte der Blonde. „Sieh hilft uns, um Lorenzo Rey loszuwerden, offenbar hat er sie bei der Wahl zum obersten Hexenmeister von Brooklyn vor einem Jahr ausgestochen und wenn Bane fällt, fallen ebenso seine Unterstützer. Sie wird uns das Portal öffnen, wie die Male zuvor, nur dieses Mal wird es nicht wieder eine Fehlzündung sein. Dieses Mal werden wir finden, wen wir seit Monaten suchen – dank dir.“ Drago holte den Beutel hervor, in dem er die Serviette mit Banes Blut verstaut hatte.
Nervös strich Pietro sich eine seiner braunen Locken aus der Stirn. „Was macht dich eigentlich so sicher, dass man sofort glauben wird, Bane hätte etwas mit der Beschwörung des Dämons zu tun?“ Noch sah Pietro die Verbindung nicht.
Drago grinste diabolisch. „Weil dieser Dämon sein Vater ist.“

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So, alle Handlungsstränge sind ausgerichtet, nächste Woche gehts dann ordentlich los XD
DIese Sache mit der Unsterblichkeitsrune als Hochzeitsgeschenk habe ich irgendwo mal gelesen, ich glaube in einem Youtube Video oder Kommentar...denn wenn Magnus nicht sterblich werden kann, bleibt als einzige Lösung, um Malec forever zu haben, dass Alec sich verändert. Fand den Gedanken interessant, wie es aussehen würde, wenn diese Option bestünde und klar, ohne Drama gehts nicht ;-)

LG Mindy
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