Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Alle Legenden sind wahr…noch immer

von Mindy
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 Slash
Alexander "Alec" Lightwood Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane
06.07.2020
16.08.2020
10
43.490
25
Alle Kapitel
46 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
16.07.2020 6.302
 
Hallo meine Lieben.
Wieder etwas früher als geplant, aber bei den netten Kommentaren konnte ich einfach nicht anders ;-) Zudem freue ich micht sehr über die wachsende Anzahl an Favoeinträgen, ist immer schön zu sehen, wenn jemand mag, was man sich so ausgedacht hat^^°
Das Kapitel ist länger als das Letzte und langsam nimmt die Handlung Fahrt auf.
In diesem Sinne, viel Spaß!
___________________________________________________________________________

„Freier Abend übernächsten Dienstag?“, wiederholte Izzy und blickte auf Underhills eingereichtes Ersuchen, das dieser ihr gerade vorgelegt hatte. Irgendwie wirkte der blonde Shadowhunter recht übernächtigt, als hätte er gestern zu viel gefeiert. Dies entsprach aber so gar nicht seiner Art, also tat Izzy diesen Eindruck als Einbildung ab.    
„Ja. Es gibt eine Ausstellung seltener Keramikartefakte, ich glaube, Lorenzo möchte hingehen, jedenfalls sah ich einen Flyer“, ergänzte Underhill, da Izzy auf eine genauere Begründung gewartet hatte. „Ich will mich anschließen.“    
„Klingt…spanend“, konnte Izzy sich nicht verkneifen und schmunzelte. Das wäre nicht ihre Idealvorstellung von einem heißen Date. Die von Underhill allem Anschein nach ebenso wenig.
Underhill zuckte die Schultern. „Man muss Opfer bringen, damit eine Beziehung funktioniert.“
„Das ist wahr“, stimmte sie zu, obwohl sie sich in der Beziehung mit Simon bislang kaum so gefühlt hatte. Zwar war es manchmal schwierig, dass er ein Vampir war, aber er war derart aufmerksam und fürsorglich, dass er Izzy eigentlich jeden Wunsch von den Augen ablas und im Gegenzug selten etwas verlangte. Sie hatte sich wahrlich noch nie so geliebt gefühlt und wollte sich weiterhin bemühen, Simon dieses Gefühl ebenso zu vermitteln. „Na gut, ist genehmigt, solange nichts dazwischen kommt.“ Das war in ihrem Beruf leider nie auszuschließen, wenn es einen Notfall gab, wurden alle Shadowhunter zum Dienst gerufen.    
„Danke“, lächelte Underhill und entfernte sich, blieb aber abrupt stehen, als jemand in ihre Richtung lief. Es war Alec.    
„Alec!“, quietschte Izzy begeistert und blickte von der Hologramübersicht auf, der sie sich just zugewandt hatte. Sie eilte auf ihren großen Bruder zu und umarmte ihn überschwänglich.
Sie hatten sich bestimmt sechs Wochen nicht gesehen, weil Alec in Alicante so viel Arbeit hatte. „Wie schön dich zu sehen, du hast dich gar nicht angekündigt! Schäm dich!“    
„Stimmt, entschuldige. Es war eine eher spontane Entscheidung.“ Alec sah kurz zu Underhill. „Andrew.“
„Alec.“
Sie nickten einander zu und Underhill lief weiter…mit recht viel Abstand zu Alec.    
Izzy zog die Augenbrauen hinauf. Feinfühlig, wie sie war, spürte sie sofort, dass da etwas im Busch war. „Okay…das war merkwürdig.“    
„Was meinst du?“    
„Tu nicht so unschuldig. Ihr beide. Was war da?“ Ihre dunklen Augen funkelten neugierig.
„Ich weiß nicht, was du meinst.“ Alec zuckte die Schultern und sah sich betont beiläufig um. „Sieht aus, als hättest du hier alles gut im Griff.“    
Izzy lächelte gutmütig und erlaubte ihrem Bruder, so offensichtlich vom Thema abzulenken. „Natürlich, hast du je daran gezweifelt? Nach Edoms Vernichtung war ja eine Weile Ruhe, aber die Höllenreiche Gula und Occid nutzen das Machtvakuum, um sich zu vergrößern“, erklärte die Dunkelhaarige und rief ein entsprechendes Hologramm auf dem Tisch in der Mitte der Kommandostation auf. „Aber wir haben das im Blick, unsere Einheiten sind zwar ausgelastet, aber die Verluste sind zum Glück sehr gering.“    
„Gut so.“ Alec ließ erneut seinen Blick schweifen. Er hatte nie daran gezweifelt, dass Isabelle das Institut vorbildlich würde leiten können, sie war in den letzten Jahren sehr erwachsen geworden.      
„Mir fällt gerade ein, Magnus und du habt bald Hochzeitstag“, wechselte sie das Thema. Das tat sie gerne, ohne dass Alec wirklich begriff, wie ihre Gedanken von der Ausbreitung von Dämonenwelten auf Hochzeitstage springen konnten. „Was macht ihr?“    
„Wir…haben noch keine festen Pläne“, gestand Alec, was ihm einen tadelnden Blick seitens seiner Schwester einbrachte. „Dann wird es aber mal Zeit.“    
Das stimmte. Kurz dachte Alec nach. Er sollte vielleicht etwas planen, falls Magnus es wider Erwarten doch nicht tat. „Vielleicht reserviere ich einen Tisch in unserem Lieblingsrestaurant.“
„Und was schenkst du Magnus, anlässlich dieses besonderen Tages?“    
Wieder zeichnete sich Ratlosigkeit auf Alecs Gesicht ab. Am liebsten hätte Izzy die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Ihr Bruder liebte Magnus so sehr, war aber doch manchmal noch unbeholfen wie ein kleines Kind. „Bruder, versau das nicht und lass dir etwas einfallen.“
„Das werde ich“, verteidigte Alec sich schnaubend. „Soweit ich weiß, hattest du erst Jahrestag, was habt ihr getan? Da fällt mir ein, wo ist der Vampir?“    
„He, mein Name ist Simon!“, erklang plötzlich Simons beleidigte Stimme hinter den Geschwistern. Er hatte sein heutiges Training gerade beendet und sich umgezogen. Nun trat er neben Izzy. „Oder hast du das schon wieder vergessen?“    
„Ich habe deinen Namen noch nie vergessen“, erwiderte Alec, obwohl er durchaus manchmal so getan hatte, um den Vampir zu ärgern…oder den Menschen, als er noch einer gewesen war.
„Seid nett, Jungs“, mahnte Isabelle und tätschelte kurz zärtlich Simons Schulter. „Und im Übrigen, ja, Simon und ich haben einige Pläne, wir feiern unseren Jahrestag die Tage nach, darunter mit trinken, tanzen, vielleicht ein Picknick im Mondlicht und eine Nacht voller Abenteuer.“
„Au ja, ich muss unbedingt meinen Anzug in die Reinigung bringen, den blauen, der dir so gut gefällt“, fiel es Simon ein und er sah wirklich aus, als wäre es ein Drama, wenn er sich an besagtem Abend anders würde kleiden müssen. Nachdem Raphael die Ausbildung zum Priester begonnen hatte, hatte er all die schicken Anzüge nicht mehr gebraucht und Simon einen beträchtlichen Teil geschenkt.    
„Du siehst in allem gut aus“, flirtete Izzy mit ihrem Liebsten, was Simon ein strahlendes Lächeln entlockte. Begeistert gab er Isabelle einen Kuss, wobei er die Hände erst an ihre Seiten legte und immer weiter zu ihren Hüften hinunter gleiten ließ.    
Alecs Augen verengten sich leicht. „Hey“, entkam es ihm streng, so dass Simon zusammenzuckte. „Mach das nicht vor mir.“ Er wusste ja, dass Izzy kein Kind von Unschuld war und war froh, dass sie in Simon offenbar endlich jemanden gefunden hatte, mit dem sie langfristig glücklich werden konnte, dennoch sah er nicht gerne, wie jemand seine kleine Schwester derart angrabschte.    
„Wirklich? Wir sind seit einem Jahr zusammen“, sagte Simon hilflos, nahm aber brav seine Hände zu sich. Alecs Blicke waren teilweise echt furchteinflößend.    
„Er macht Witze“, versicherte Izzy und stieß Alec gegen die Schulter.      
„Ach so.“ Simon lächelte erleichtert, doch Alec fixierte ihn nach wie vor wachsam.
„Ich bin sicher, er hat mit Magnus schon Sachen getrieben, von denen wir noch nicht einmal gehört haben“, sagte Izzy betont locker und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wobei, Simons Vampirkräfte ermöglichen wirklich einiges…“    
„Okay, das geht in eine ganz falsche Richtung“, unterbrach Alec seine Schwester. So etwas musste er wirklich nicht hören und über sein Sexleben wollte er noch weniger sprechen. Simon schien diesbezüglich einer Meinung mit ihm, denn er war ebenfalls verlegen geworden.      

„Ich bin eigentlich geschäftlich hier“, sagte Alec endlich und sah sich suchend um. „Wo ist Jace? Hat er einen Auftrag?“    
Izzy fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. „Um ehrlich zu sein…er hat sich gestern frei genommen, für ein paar Tage.“    
Alecs Augenbraue zuckte in die Höhe. „Freigenommen? Jace?“ Das klang überhaupt nicht nach ihrem Bruder. Jace hatte noch nie Urlaub genommen, seit…er Schattenjäger war.    
Izzy nickte. „Ja, mich hat es auch überrascht, aber ich habe es sofort gestattet. Seit Clary hat er sich nur in Missionen gestützt, tagsüber recherchiert und abends Dämonen niedergemetzelt. Eine Pause ist genau das, was er braucht, den Kopf frei kriegen, sich ablenken.“ Mitgefühl sprach aus ihren Worten. Simon neben ihr hatte den Blick gesenkt. Sie alle dachten noch mit Trauer an Clary zurück, obwohl es ihr als Mundie wirklich gut zu gehen schien und sie mangels ihrer Erinnerungen niemanden und nichts aus ihrem alten Leben vermisste.      
Die Erklärung für Jace‘ Urlaubswunsch leuchtete Alec zwar ein, dennoch erschien ihm das Timing merkwürdig. „Na gut…gib mir bitte eine detaillierte Auflistung über diese Energieschwankungen, die ihr die letzten Wochen registriert habt, der Rat hat sie auch in anderen Städten gefunden. Etwas scheint im Gange.“    
„Jawohl, Herr Inquisitor“, sagte Izzy mit übertriebenem Gehorsam in der Stimme und wandte sich ab.      
„Ich mache mich dann auch mal auf den Weg, so ein Buch zu veröffentlichen ist echt viel Arbeit. Ach ja, und Anzug reinigen lassen.“ Simon hob zum Abschied die Hand, gab Isabelle einen Kuss und verließ das Institut.    

Während Alec darauf wartete, dass Izzy die verlangten Daten abrief, nahm er sein Smartphone und rief Jace an. Es dauerte fast eine halbe Minute, bis sein Bruder abnahm.    
//Alec, was gibt’s?// Der Blonde klang irgendwie gehetzt.    
„Jace.“ Alec lief einige Meter von der Hauptkonsole weg. „Ich bin im Institut, etwas erledigen, und war sehr überrascht zu hören, dass du um Urlaub gebeten hast. Ist alles in Ordnung?“
//Ja, alles bestens, ich…muss nur einige Dinge erledigen, für die ich Zeit brauche. Schade, dass wir uns verpasst haben, aber das holen wir irgendwann nach.//    
„Sicher doch.“ Alec spürte, dass Jace nervös war. „Ist wirklich alles in Ordnung? Du weißt, du kannst mit mir reden, wenn etwas ist.“ Obwohl Alec wirklich nicht besonders gut in diesen Gesprächen war, gab er sich für Jace immer Mühe.    
Kurz war es still am Ende der Leitung. //Es geht mir gut, Alec. Eigentlich sogar sehr gut. Mach dir keine Sorgen. Wir reden ein anderes Mal.//    
„…wie du meinst“, gab Alec sich geschlagen, obwohl die Besorgnis nicht völlig aus seiner Stimme und seinem Herzen vertrieben war. „Dann erhole dich gut und melde dich regelmäßig.“ Immerhin mussten sie wissen, wenn etwas nicht stimmte.
//Das mache ich. Danke Alec. Bis dann.//    
„Bis da…“ Doch Jace hatte schon aufgelegt. Nachdenklich betrachtete Alec sein Handy. Er war überzeugt, dass irgendetwas vor sich ging, aber er wollte seinem Parabatai vertrauen und ihm den Freiraum geben, den er brauchte. Mit diesem Entschluss zufrieden kehrte er zu Izzy zurück.
                                                                                     ~*~

Mit schlechtem Gewissen blickte Jace auf sein Handy. Alec spürte wohl, dass er unruhig war, kein Wunder bei allem, was die letzten Stunden geschehen war. Doch noch war Jace nicht bereit, mit Alec oder sonst irgendjemandem darüber zu sprechen.    
„Alles in Ordnung?“, fragte Clary, als er zu ihr an den Tisch zurückging.

Sie hatten sich gestern innig geküsst und Clary hatte viele Frage gehabt, Jace ebenso, doch ein Mundie war aufgetaucht, um Clary zur Ausstellung zurückzuholen. Da es merkwürdig ausgesehen hätte, wie Clary mit jemandem sprach, der unsichtbar war, hatte Jace versprochen, nach der Ausstellung zurück zu kommen, damit sie reden konnten.    
Das hatten sie die halbe Nacht über getan, denn obwohl Clary sich an ihn erinnert hatte, gab es noch beträchtliche Lücken in ihren Erinnerungen, was vor allem die Schattenwelt sowie den Rest ihrer Freunde betraf. Er musste es also langsam angehen, weshalb er um Urlaub gebeten hatte. Er wollte sich jetzt nur auf Clary konzentrieren.    
Nun saßen sie in einem Mundie Café, mitten am Tag, und tranken Kaffee…einfach unwirklich. „Ja, alles in Ordnung“, meinte Jace und setzte sich wieder. „Ging um die Arbeit.“ Am liebsten würde er Clary zu Magnus schleppen, damit dieser dabei half, alle von Clarys Erinnerungen sofort zurückzuholen, doch er wollte sie keineswegs überfordern, indem er sie mit Hexenmeistern, Werwölfen und Dämonen konfrontierte. Während seiner Recherchen hatte er mehrfach gelesen, dass dies schwere geistige und seelische Schäden verursachen könnte.
„Wie fühlst du dich?“, fragte der Shadowhunter nun sanft und griff über den Tisch nach Clarys Hand. Sachte strich sein Daumen über ihren Handrücken.    
„Gut, denke ich…gestern hatte ich ziemliche Kopfschmerzen“, gestand sie und blickte auf ihre Hände. „Ich habe so viele Fragen und spüre, dass da so viel ist, das ich noch nicht richtig zuordnen kann…aber ich erinnere mich an uns…dass ich dich liebe und wir zusammen gekämpft haben, gegen…“ Sie zögerte und seufzte frustriert. „Argh! Ich verstehe das nicht, da ist nur Nebel in meinem Kopf! Ich muss mich doch erinnern können!“    
„Das wirst du, wir gehen das Ganze langsam an“, sagte Jace, obwohl das eigentlich gar nicht seine Vorgehensweise war. Sonst ging er eher mit dem Kopf durch die Wand und war stets ungeduldig, doch er wollte Clary keinesfalls gefährden, indem er übereilt handelte. „Ich weiß, du hast Fragen und willst am liebsten alles wissen, aber ich will das Wenige, das uns jetzt wieder geschenkt wurde, nicht zerstören. Lass uns…etwas Zeit miteinander verbringen und sehen, an was du dich erinnerst.“ Erst dann würde er die anderen dazu holen, vielleicht beginnend mit Luke, Simon oder Izzy. Es war möglich, dass mit jedem bekannten Gesicht mehr von Clarys Erinnerungen zurückkamen, ohne, dass er ihr das mit der Schattenwelt detailliert erklären musste. Es würde sie sonst nur verschrecken und Jace wollte sie um jeden Preis festhalten.
„Na gut.“ Clary lächelte und beugte sich vor. „Ich bin so froh, dass ich dich wieder habe…ich kann nicht begreifen, wie ich dich vergessen konnte. Du bist alles für mich, das fühle ich.“
Er nahm ihre Hand. „Du hast mir so sehr gefehlt, du kannst es dir nicht vorstellen…ich werde dich nie wieder verlassen.“ Schon so oft hatte man ihm Clary entrissen, er hoffte, dass ihre Wiedervereinigung dieses Mal für immer war.

                                                                                       ~*~

„Uff.“ Erschöpft ließ Magnus sich auf die Couch fallen. Lorenzo war endlich gegangen, nachdem sie sich tatsächlich fast zwei Stunden über die Höhen und Tiefen der Beziehungen zwischen Shadowhuntern und Hexenmeistern unterhalten hatten. Wobei Lorenzo meist geredet und Magnus nur zugehört hatte. Bedauerlich, dass es zu früh für Drinks gewesen war, denn Magnus hätte verdammt dringend einen gebraucht. Dennoch war er insgesamt zufrieden mit sich, weil er das Gefühl hatte, seinem Kameraden weitergeholfen zu haben.    
,Es wird wohl schon ein Fortschritt sein, wenn er mal eine normale Kneipe mit seinem Freund besucht, statt ihn nur in die Oper zu schleppen‘, befand Magnus und mixte sich nun doch einen Cocktail. Lorenzo und Underhill hatten da wirklich noch einiges zu lernen, aber Magnus wusste, dass es Alec und ihm ebenso gegangen war, daher wollte er sich ein Urteil verkneifen. Zumindest vor Lorenzo.

Da das ungeplante Gespräch so lange gedauert hatte, war Magnus in seinem Zeitplan ziemlich hinten dran, was die Hausbesuche am heutigen Tag ziemlich stressvoll gestaltete. Dennoch fand Magnus am Abend noch Zeit an seinem Hochzeitstaggeschenk für Alexander zu arbeiten. Er hatte lange darüber nachgedacht und sich schließlich für etwas Selbstgefertigtes entschieden…zumindest größtenteils, ein wenig Magie steckte natürlich dennoch darin.

Alec schien ebenfalls über diesen Tag nachzudenken, denn beim Abendessen sprach er das Thema an: „Magnus, hast du schon Pläne für unseren Hochzeitstag?“, fragte er.    
„Pläne? Nicht direkt, aber da wir beide frei haben und uns die Welt offen steht…“ Magnus lächelte und machte eine weitläufige Geste mit der Hand.    
„Ja…also, für den Abend habe ich uns einen Tisch in unserem Stammrestaurant in New York reserviert, falls das nicht zu langweilig ist.“    
„Keineswegs. Wir schlafen aus, brunchen, sehen vielleicht in Paris oder Rom vorbei und abends lassen wir den Tag bei einem gemütlichen Essen ausklingen“, sagte Magnus vergnügt. Eigentlich war ihm nicht wichtig, wo oder wie sie den Tag verbrachten, Hauptsache, er konnte ihn mit Alexander verbringen.    
„Das klingt gut“, lächelte Alec, der in diesem Moment ohne es zu ahnen genau den gleichen Gedanken hatte wie Magnus. „Wie war eigentlich dein Gespräch mit Lorenzo? Konntest du ihm diese Ausstellung ausreden oder muss ich irgendwann einen Shadowhunter-Notfall vortäuschen?“    
Sofort schüttelte Magnus den Kopf. „Nein, keine Sorge, das habe ich im Keim erstickt.“ Bei aller Freundschaft zu Lorenzo, in seiner Freizeit brauchte er diese Rechthaberei und Prahlerei nicht auch noch.    
„Gut.“    
„Und wie war es heute im Rat? Was Interessantes?“, erkundigte Magnus sich, während er ein Stück Kartoffel aufspießte.    
Kurz dachte Alec an das Wortgefecht mit Rosales, doch der Besuch in New York war deutlich präsenter. „Ich war heute im New Yorker Institut, weil es ungewöhnlich hohe Energie-aufkommen in und um die Stadt herum gibt. Und Jace hat sich Urlaub genommen.“    
„Was? Wirklich?“ Erstaunt ließ Magnus die Gabel sinken. Das war nun wirklich mal eine interessante Information. „Das ist…gesund, aber ungewöhnlich.“ Besonders seit Clary weg war, hatte man Jace eigentlich nur bei der Arbeit angetroffen. Seine Art der Bewältigung, zweifellos.
„Ich weiß, habe ich auch gesagt. Er meinte aber, es sei alles in Ordnung.“ Alec schob die grünen Bohnen auf seinem Teller hin und her. „Izzy geht es soweit auch gut, sie grüßt dich herzlich.“ Alec wollte nicht wieder über Jace ins Grübeln kommen, also kam er wieder auf die Arbeit zu sprechen. „Ich werde wohl die nächsten Tage im Institut verbringen, weil Izzy und ich heute noch keine Ursache für diese Energievorkommen haben ermitteln können. Ich wollte Lorenzo deswegen noch ansprechen. Denkst du, ein Hexenmeister hat damit zu tun?“    
„Schwer zu sagen, dafür müsste ich mir die Energiesignaturen ansehen“, antwortete Magnus, doch Alec winkte ab. „Nein, schon gut, du bist jetzt der hohe Hexenmeister von Alicante. Du hast deine eigenen Probleme und Projekte. Izzy soll jemand anderen finden, der sich damit befasst. Wir sehen nur kein System dahinter, kein Muster oder ein Motiv.“ Der Energieausstoß war meistens ähnlich, aber die Orte, an denen er stattfand, schienen wahllos…mal ein Park, ein Hochhaus, in einem Schwimmbad oder einer Schule.    
Magnus schwenkte sein Messer leicht im Kreis. Er half seinem Mann gerne und ein gutes Rätsel weckte automatisch sein Interesse. „Nun, das kann ganz viele Ursachen haben…eine versuchte Beschwörung, das Aufeinanderprallen starker Kräfte, durchaus auch Magie…vielleicht illegale Unterweltler-Kämpfe, eine Zeit lang waren die sehr in Mode. Ein Hexenmeister könnte die Energie nutzen, um die Kämpfe zu verstecken oder er mischt selbst mit.“    
Das waren allein schon einige sehr unterschiedliche Optionen. „Ich sehe schon, das klären wir vermutlich nicht so schnell auf.“ Doch Alec war nicht einmal undankbar darüber, denn so konnte er einige Tage im Institut verbringen. Dort hatte er immerhin sein halbes Leben verbracht, er war bei seiner Familie und fühlte sich dort noch immer Zuhause. Zudem war es einige Zeit her, dass er wirklich gegen Dämonen gekämpft hatte und es fehlte ihm manchmal, auf den Straßen unterwegs zu sein und jene zu beschützen, die er liebte oder den Schutz brauchten. Dennoch wusste er, dass die Arbeit, die er in Alicante tat, ebenso wichtig war und getan werden musste. Er würde also das beste aus seiner Zeit machen.    


Am nächsten Tag kam Alec im Institut nicht wirklich weiter, jede Hypothese, der er nachging, erwies sich als falsch und sonst wurde er kaum gebraucht, da Izzy alle Angriffe von Dämonen oder Unterweltlern, die während seiner Anwesenheit gemeldet wurden, souverän zu handhaben wusste.      

Er nutzte seine Mittagspause daher, um ein Geschenk für Magnus zu besorgen. Er hatte sich die halbe Nacht den Kopf darüber zerbrochen und hatte sich schließlich für etwas entschieden, das er bei einem Juwelier, unter einem Aufpreis, noch fertigen lassen konnte. Er verpackte das Schmuckstück in eine hübsche Schatulle aus blauem Samt und war zuversichtlich, dass Magnus das Geschenk gefallen würde. Darum konnte er den morgigen Tag gar nicht mehr erwarten.

                                                                                       ~*~

„Das Essen war vorzüglich“, lobte Magnus und lehnte sich zurück, wobei er sich den Mund vornehm mit der weißen Serviette abtupfte. „Ein wundervoller Abschluss eines noch wundervolleren Tages.“      
Sie hatten ihren Hochzeitstag verbracht wie geplant; sie hatten ausgeschlafen, den Morgen leidenschaftlich mit einer gemeinsamen Dusche begonnen und hatten in Paris gefrühstückt. Nach einem ausgiebigen Mittagsspaziergang durch die Wälder Irlands hatten sie in Rom zu Mittag gegessen und sich danach im Kino in New York einen Film angesehen, ehe sie ins Restaurant gegangen waren. Sie waren schon zu Beginn ihrer Beziehung oft hergekommen und obwohl es ein Restaurant für Mundies war, fühlten sie sich wohl. Vielleicht gerade weil dem so war, denn hier waren sie anonym und wenn sie jemand anstarrte, dann höchstens wegen Alecs Runen oder Magnus‘ geschminktem Gesicht.
„Das finde ich auch.“ Alec lächelte. Zwar war der Tag recht lang gewesen, aber abwechs-lungsreich, friedlich und voller schöner, intimer Momente. Genau, wie er es sich gewünscht hatte.
„Tja, noch ist der Tag aber nicht vorbei, immerhin schulde ich dir noch ein Geschenk.“ Vergnügt machte Magnus eine halbkreisförmige Bewegung mit der Hand und ein in braunes Leder gebundenes Buch erschien darin. Natürlich hatte er sich zuvor kurz umgesehen, um sicher zu stellen, dass niemand gerade zu ihnen sah. „Hier, für dich.“    
„Ein Buch?“ Alec nahm es ein wenig irritiert an, weil das nicht die Art von Geschenk war, die Magnus ihm sonst machte. Bane-Geschenke waren meist teuer…und manchmal glitzerten sie. „Willst du mir durch die Blume sagen, ich sollte mich doch besser mit Keramik auskennen?“, fragte Alec mit argwöhnischem Halblächeln, weil er keine Idee hatte, was der Inhalt des Buches sein könnte.      
Magnus schmunzelte. „Sieh hinein.“    
Immer noch verwundert schlug Alec das Buch auf und blinzelte, als er den Titel las. „Die Chroniken des Magnus Bane?“ Er legte leicht den Kopf schief. „Ist das…?“    
„Meine Lebensgeschichte, sozusagen“, sagte Magnus lächelnd. „Ich weiß, dass es manchmal ein Ungleichgewicht zwischen uns gibt, weil ich so viel über dich weiß und du nicht über mich. Also dachte ich, ich schreibe es dir auf.“    
Mit leicht geöffnetem Mund durchblätterte Alec das recht dicke Buch. Es schien wirklich von Reisen und Abenteuern zu handeln, die Magnus in seinem langen Leben unternommen hatte, aber ebenso von vielen der Wesen, die er in dieser Zeit kennengelernt und begleitet hatte. Dieses Buch kam Alec unendlich kostbar vor, denn es würde ihm einen großen Teil von Magnus‘ Leben offenbaren. Er wollte all dies zwar gerne mit jedem weiteren Tag selbst herausfinden, dennoch war dieses Geschenk nicht nur sehr weitsichtig, es war ebenfalls ein großer Vertrauensbeweis und so intim, dass Alec keine Worte fand, um darauf zu reagieren.    
„Gefällt es dir nicht? Zu selbstdarstellerisch?“, fürchtete Magnus, der Sorge hatte, sein Mann könnte es albern finden, dass er von ihm praktisch eine Biographie geschenkt bekam.    
„Nein, ganz und gar nicht“, sagte Alec schnell, schloss das Buch und drückte es gegen seine Brust. „Das ist ein wunderbares Geschenk…sicher hat es dich viel Arbeit gekostet und es wird mir helfen, dich noch besser kennenzulernen.“ Genau das, was Alec wollte, denn er wollte alles von Magnus wissen und alles mit ihm teilen, gute wie schlechte Erinnerungen.
„Mein Geschenk kommt mir dagegen nur so…wenig vor“, beschrieb Alec es lahm.    
„Ach Unsinn! Du weißt, du musst mir gar nichts schenken, du bist schon das größte Geschenk“, lächelte Magnus und meinte es sehr ernst, so kitschig diese Worte klingen mochten. „Doch was es auch ist, ich bin sicher, ich werde es lieben, weil ich dich liebe. Außer es ist eine Jeans mit Löchern, diese neue Mode, überall muss es in Fetzen herunter hängen…“ Er schüttelte sich vor Abscheu.    
Alec rollte leicht die Augen, weil er diese Litanei auf heutige Mode bereits kannte, und holte die Schatulle hervor.
Nervös schob er sie über den Tisch vor Magnus, der sie sofort neugierig musterte. „Uh, Schmuck? Alexander, du verwöhnst mich.“ Wobei Magnus hoffte, dass es kein Ring war, denn an seinen Fingern war nicht mehr viel Platz. Er öffnete die Schatulle und fand darin ein silbernes Amulett vor. Runen waren auf die Vorderseite graviert, ansonst war es schlicht gehalten und von ovaler Form. Durch seine Ehe mit einem Schattenjäger erkannte Magnus natürlich sofort die Rune für Stärke, Gesundheit und die für Schutz.    
„Es ist ein Amulett“, erklärte Alec intelligent, klang dabei wirklich nervös. „Ich…habe es gravieren lassen…und du kannst es aufklappen.“    
Magnus drehte das Amulett um und war gerührt, als er auf der Rückseite die indonesischen Worte für „Für immer. In Liebe Alec“ vorfand. Als er es öffnete, fand er ein Foto darin vor, das Alec und ihn zeigte. Es war an ihrem Hochzeitstag entstanden und zeigte sie eng umschlungen tanzend. Damals hatte Magnus sich gefühlt, als würde er schweben.    
„Ich habe den Platz links frei gelassen, falls du noch ein Foto rein machen willst, von mir oder…eben ein anderes Foto“, sprach Alec weiter, während Magnus nur weiter das Amulett betrachtete. Es war ein wunderbares Geschenk, auf so vielen Ebenen.    
„Nicht gut? Ich dachte, weil du Schmuck magst…und du kannst es unter der Kleidung verstecken, wenn du es um den Hals trägst oder…“    
„Alexander“, unterbrach Magnus seinen so niedlich-nervösen Ehemann liebevoll. „Es gefällt mir, es ist wirklich wundervoll, bis ins Detail. Und natürlich werde ich es tragen. Vielen Dank.“ Zum Beweis hängte Magnus sich die Kette um den Hals, wobei das Amulett in der Nähe seines Herzens zum Liegen kam.    
Nun lächelte Alec erleichtert und vor allem glücklich, dass er Magnus eine Freude gemacht hatte. Sie beugten sich über den Tisch und küssten sich zärtlich. „Ich liebe dich“, sagte Alec leise. Er wusste nicht, ob er das zu oft sagte, aber irgendwie konnte er es nicht oft genug sagen. „Ich liebe dich auch.“ Magnus nahm sein Weinglas und erhob es. „Auf viele weitere glückliche Jahre.“    

Darauf erhob Alec sein Glas nur zu gerne. Sie prosteten sich zu, doch als Alec trinken wollte, trat plötzlich ein dunkelhaariger Mann im Anzug zu ihnen und schob einen Stuhl heran. Schwungvoll setzte er sich zu ihnen an den Tisch, während er Alec das Glas abnahm und selbst daraus trank. „Lecker. Ihr habt einen wirklich guten Geschmack.“    
„Entschuldigen Sie mal…“ Die Verwirrung stand Alec ebenso ins Gesicht geschrieben wie Magnus.      
„Alexander, kennt ihr euch?“, fragte der Hexenmeister, doch der Fremde kam Alec bei der Antwort zuvor.    
„Persönlich kennt ihr mich nicht, nein, aber ich kenne euch.“ Er stellte das Glas ab und musterte Alec. „Der große Inquisitor von Alicante und der große, wobei einzige Hexenmeister von Alicante. Wundert mich, dass ihr euch noch dazu herablasst, ein Mundie Restaurant zu besuchen.“ Zweifellos gehörte dieser Mann der Schattenwelt an. Als er den Kopf zu Alec drehte, sah dieser an seinem Hals Ansätze von Runen. Also handelte es sich wohl um einen Shadowhunter.
„Wer sind Sie bitte?“, fragte Magnus mit einem Anflug von Ungeduld.    
„Was ich schon immer wissen wollte“, fuhr der Mann ungerührt Richtung Alec fort, ohne sich an Magnus‘ und Alecs verwirrten Mienen zu stören. „Wieso datest du eigentlich diese übertrieben geschminkten Hexer? Eine 16-Jährige hat weniger Zeug im Gesicht. Ich meine, es heißt doch, du stehst auf Männer.“      
Alecs Augenbrauen ruckten hinauf. „Passen Sie mal gut auf“, sagte er bedrohlich leise, weil die Wut wie Feuer in ihm aufstieg und sich zu einem alles verzehrenden Flächenbrand auszubreiten drohte. Nicht nur, dass dieser Fremde sie an ihrem Hochzeitstag störte, Alec akzeptierte nicht, dass Magnus beleidigt wurde. „Ich will sofort Ihren Namen und Ihr Institut wissen und dann können Sie froh sein, wenn ich Sie nicht auf ewig in die Stadt der Stille verbannen lasse!“ Alecs Kieferknochen knackten, so fest biss er die Zähne zusammen vor Zorn.    
„Alexander, lass dich nicht provozieren“, sagte Magnus, der sich von diesem Spinner nicht den Abend ruinieren lassen wollte. Er hob den Arm, um einen Kellner zu rufen, damit er diesen Kerl aus dem Restaurant warf. Das könnte er zwar mit Magie schneller erledigen, dies ging aber nicht in einem voll besetzten Restaurant. Zudem musste dieser Mann schwerwiegende geistige oder seelische Probleme haben, wenn er offenbar wusste, wen er da vor sich hatte, und sie dennoch so offen provozierte.
Magnus fürchtete, dass diese Szene politisch motiviert war, vielleicht wollte jemand, dass Alexander in aller Öffentlichkeit jemanden verprügelte, um etwas gegen ihn in der Hand zu haben. Magnus wusste, dass so etwas mit unbequemen Anführern manchmal gemacht wurde und Alec war sicher nicht der beliebteste Inquisitor.
„Es wundert mich, dass Sie es mit Ihrem Ruf so lange bei einem Mann ausgehalten haben“, wandte der Fremde sich nun unbeeindruckt an Magnus. „Vor allem dann noch mit so einem. Bei seiner Vergangenheit. Ich meine, es ist allseits bekannt, dass er sich vor knapp einem Jahr von einem Dämon hat besetzen lassen und Jocelyn Fairchild kaltblütig abgeschlachtet hat. Schockiert Sie das gar nicht?“

Alec, der sich schon halb erhoben hatte, um den Kerl von ihrem Tisch zu entfernen, hielt schlagartig inne. Die Erinnerungen an diese Tat hatte ihn nie ganz los gelassen und noch weniger die Schuldgefühle, die er deswegen verspürte, ob es nun seine Schuld gewesen war oder nicht. Sein Magen verkrampfte sich, ebenso sein Herz.    
„Ich meine, er hat ihr mit bloßen Händen das Herz herausgerissen, war das nicht so? Die Bilder der Aufzeichnungen existieren noch in den Datenbanken der Institute, alles war voller Blut und sicher hat sie um ihr Leben gefleht und zwei Stunden später war er wieder bei der Arbeit…das nenne ich mal eiskalt. So einen Kerl wollte ich nicht einmal als Feind, geschweige denn als Ehemann.“ Der Fremde verzog angewidert das Gesicht.    
Magnus konnte förmlich sehen, wie Alexanders Augen glasig wurden und er immer mehr in sich zusammensackte. Es gab Nächte, da wachte sein Mann plötzlich auf, weil ihn Alpträume plagten. Magnus wusste, dass dies immer mit Jocelyns Tod zusammenhing. Alec konnte sich das nicht verzeihen, obwohl es nach außen schien, als läge dieses Ereignis in ferner Vergangenheit. Mit Schmerz dachte Magnus an die Party zurück, in der Alec sich fast vom Balkon seines Appartements gestürzt hätte, weil Iris‘ Magie seine Schuldgefühle verstärkt hatten. Der gleiche Schmerz spiegelte sich nun erneut in Alexanders schönen Augen.    
„Ob nun besetzt oder nicht, die Schreie, das Blut, das muss doch hängen geblieben…“    
Jetzt war es genug. Obwohl der Kellner schon auf dem Weg zu ihnen war und Magnus sich seit Jahrzehnten nicht wirklich geprügelt hatte, hob er die Hand und schlug dem Fremden einfach ins Gesicht. Zaubern mochte keine Option sein, aber im Moment verlangte es Magnus sogar danach, diesen Menschen mit seinen bloßen Händen zu verletzen.      
„Magnus!“, entfuhr es Alec entsetzt, als der Fremde fast von seinem Stuhl geschleudert wurde und der Tisch so sehr wackelte, dass die Gläser und das Besteck laut klirrten.    
Viele Leute drehten sich zu ihnen um, als der Mann sich nach vorne stürzte und nun Magnus ins Gesicht schlug. Eigentlich hätte Magnus die Attacke kommen sehen müssen, aber er war zu zornig, um rational zu denken. Blut schoss aus seiner Nase, doch er ignorierte es und sprang auf die Beine. Es reichte, er würde diesen Kerl mit einem Zauber bei lebendigem Leibe verbrennen…löschte er eben das Gedächtnis aller Anwesenden hier!    
„Was ist hier los?!“    
Drei Kellner sowie der Geschäftsführer eilten herbei und schoben Magnus und den Fremden mit viel Mühe auseinander.    
„Dieser Mann hat uns belästigt“, erklärte Alec, der ebenfalls aufgesprungen war und nun die Hände an Magnus‘ Arme legte, die dieser erhoben hatte, bereit eine Attacke auszuführen. „Lass los, ich werde diesen Kerl in den Limbus schicken!“, zischte Magnus aufgebracht.
All seine Bedenken und Mahnungen, sich lieber zurückzuhalten, statt eine Szene zu machen, waren wie weggeblasen.      
„Ihr beide habt alles ruiniert!“, schrie der Mann und trat um sich, als zwei der Kellner ihn weg schleiften. „Ihr habt alles verraten, woran wir glauben, wofür wir stehen! Das ist nur eure Schuld, ihr und eure Perversion! Mit euch hat das angefangen in unserer Welt um sich zu greifen!“
Die Gäste dachten wohl, der Fremde bezog sich darauf, dass sie homosexuell waren, Alec war jedoch ziemlich sicher, dass der Mann damit die Beziehung zwischen einem Shadowhunter und einem Hexenmeister meinte. Tatsächlich hatten alle Annäherungen mit ihrem Kuss auf Alecs erster Hochzeit begonnen. Offenbar war dieser Mann einer der abtrünnigen Shadowhunter, von denen er bei der Ratssitzung gehört hatte.    
„Es tut uns wirklich leid“, sagte der Geschäftsführer, während ein Kellner etwas ungeschickt eine Serviette gegen Magnus‘ Nase drückte, um die Blutung zu stillen.    
„Schon gut, lassen Sie mich…“    
„Nein, ich mache das, bitte! Sie sind Stammgäste, wir sind untröstlich.“ Er tupfte Magnus über die Nase und einen Teil der Wange, bis Magnus ihn endlich zur Seite schieben konnte.    
„Wirklich, es geht mir gut“, sagte er ungehalten und berührte kurz seine gerötete Nase. Sie würde wohl anschwellen, aber nichts, was er mit dem richtigen Trank nicht sofort wieder beheben konnte. Sein Stolz war viel mehr verletzt, denn er wollte nicht akzeptieren, dass dieser Mistkerl mit seinen Beleidigungen einfach davonkam…zudem bereute er nun, dass er auf diese niederträchtigen Provokationen eingegangen war. Wären sie nur gegen ihn gerichtet gewe-sen, hätte er wohl gleichgültig darüber hinweggesehen, aber wie dieser Strolch Alexander beleidigt hatte, das hatte er einfach nicht schlucken können.    
„Das Essen geht natürlich aufs Haus, wir heißen Paare jedweden Geschlechts und Glaubens hier jederzeit willkommen“, versicherte der Geschäftsführer reuevoll und entschuldigte sich erneut. „Der Kerl kriegt Hausverbot. Pietro, bring ein Dessert an diesen Tisch und noch eine Flasche Wein, los! Bitte, genießen Sie weiterhin Ihren Aufenthalt“ Eilig wuselte der Mann davon, um bei den anderen Tischen Abbitte zu leisten.    

Magnus und Alec setzten sich wieder, allerdings war es undenkbar, den Abend jetzt noch zu genießen. Alec ergriff als erster wieder das Wort. „Ich sollte… hinterher und herausfinden, wer er ist“, sagte er mit belegter Stimme. Die Worte des Fremden hatten alte Wunden aufgerissen. Alec fühlte sich merkwürdig, als wäre sein Inneres zu Eis gefroren. Er wolle so schnell wie möglich weg hier.    
„Stimmt, schon damit ich weiß, welchen Namen ich in meinen Flüchen verwenden muss“, knurrte Magnus mit unheilvoller Stimme, konzentrierte sich dann jedoch auf seinen Ehemann. „Aber…wir sollten vielleicht erst reden. Die Sachen, die er gesagt hat…“    
„Schon gut…“ Alec hob abwehrend eine Hand. Er wollte jetzt nicht darüber reden oder wie immer hören, dass kein Blut an seinen Händen klebte und er sich nicht schuldig fühlen sollte. „Ich…es geht mir gut. Ich werde hinterher gehen und…seine Identität in Erfahrung bringen. Lass dir das Dessert einpacken, wir treffen uns Zuhause, ja?“    
Magnus sah, dass Alec sich schlecht fühlte, doch er wollte ihn nicht bedrängen. „In Ordnung. Wir sehen uns später.“    
„Ja.“ Alec schluckte und erhob sich, ohne Magnus richtig anzusehen. Ohne ein weiteres Wort eilte er aus dem Restaurant. Magnus‘ Buch blieb auf dem Tisch liegen.    
Magnus betrachtete es bedrückt und hörte dem Kellner, der kurz danach wieder zum Tisch kam, nur mit einem Ohr zu. „Hier, zwei Mal warmer Pflaumencrumble nach Art des Hauses und unsere beste Flasche Wein, nur für sie“, sagte Pietro zuvorkommend und stellte alles ab.    

Der Hexenmeister nickte nur abwesend, was Pietro recht war. Er entfernte sich vom Tisch und ging langsam in die Küche zurück. Unauffällig zog er sich in eine Abstellkammer zurück, wo er bereits erwartet wurde.      
„Hast du es?“    
„Ja. Lief alles glatt, obwohl Connor sich verdammt viel Zeit gelassen hat. Ich dachte schon, er kriegt den Hexer nie dazu, ihm eine reinzuhauen.“    
„Zur Not hätte er die Prügelei anfangen müssen. Diese Gelegenheit war zu günstig, als dass wir sie uns hätten entgehen lassen dürfen. In Alicante ist es so gut wie unmöglich, an Bane heranzukommen.“ Drago trat aus dem Schatten und streckte die Hand aus. Folgsam holte Pietro die blutgetränkte Serviette hervor und reichte sie dem blonden Schattenjäger, der sie in einem Beutel sicher verschloss und fast ehrfürchtig betrachtete. „Endlich.“ Seine raue Stimme war leise, voller Erwartung.    
„Wird es damit klappen?“, fragte Pietro. „Lightwood ist gegangen. Wenn er Connor erwischt, wird man ihn für diesen Auftritt garantiert in den Gard schicken.“      
„Er kannte das Risiko“, gab Drago erbarmungslos zurück. Man musste manchmal Opfer bringen, um das Richtige zu tun.
Seit Monaten arbeitete er mit seinen Leuten an diesem Plan und endlich waren sie ihrem Ziel einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Dies war nötig, ehe man ihnen auf die Schliche kam, denn der Rat stellte bereits Untersuchungen an. „Bald stellen wir die ursprüngliche Ordnung wieder her. Es ist nur noch eine Frage der Zeit.“ Jetzt würde Drago sich nicht mehr aufhalten lassen.
                                                                                          ~*~

_________________________________________________________________________

So lang, ich weiß, aber hey, wir sind erst auf Seite 24 von 73 XD Ich weiß dank dem Internet Bruchstücke von dem, was in den Büchern passiert, wie das mit der Biographie, aber ich erlaube mir in den FFS diese Fakten etwas anders unterzubringen^^°
Hoffe, es hat euch gefallen und ihr fiebert weiterhin mit!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast