Alle Legenden sind wahr…noch immer

von Mindy
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 Slash
Alexander "Alec" Lightwood Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane
06.07.2020
16.08.2020
10
43.490
20
Alle Kapitel
45 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
06.07.2020 4.696
 
Wow...meine erste FF seit 6 Jahren und dann ausgerechnet zu einer Serie, die ich beim ersten Mal schauen gar nicht so gut fand. Aber jetzt bin ich voll im Malec Fieber, die beiden sind einfach wundervoll und die Serie hat mir einige unvergessliche, epische Szenen geschenkt. Ich konnte nicht anders, als meine neu entdeckte Leidenschaft in eine FF umzusetzen. Das Ergebnis lest ihr hier.

Die FF setzt am Serienende an, wobei ich mir erlaubt habe, das "Ein Jahr später" als 361 Tage oder so zu interpretieren ;-)

Natürlich gehören mir die Charaktere nicht und ich erhalte keinerlei Gegenleistung für die FF, außer vielleicht eure Kommentare, über die ich mich sehr freuen würde^^ In diesem Sinne - viel Spaß!

Das erste Kapitel ist etwas lang geworden, aber ich wollte nicht nur mit Clary und Jace als Prolog starten und ansonsten erschien mir nirgends ein sinnvoller Cut, also, viel Vergnügen mit meiner Interpretation von...Staffel 4 Folge 1 bis...ich vermute mindestens 3 XD
___________________________________________________________________________

Es war längst dunkel, doch die Stadt wurde vom Licht unzähliger Straßenlaternen, Schaufenster und umherfahrender Autos erhellt. Clary hatte ihre Ausstellung verlassen, um einem blonden Mann in die Gasse hinter dem Gebäude zu folgen. So etwas tat sie sonst nicht, aber sie spürte einen inneren Drang, es zu tun…als wäre es sehr wichtig. Als er endlich stehen blieb, hielt sie ebenfalls an.    
„Du…kannst mich sehen?“ Jace wusste nicht, ob er das wirklich glauben konnte. In all den Monaten, die er Clary heimlich beobachtet und auf sie aufgepasst hatte, hatte sie ihn nicht gesehen. Wieso jetzt? Er hatte sich verborgen gehalten, wie all die Male davor.      
Clary lächelte halb verwirrt, halb belustigt. „Natürlich kann ich dich sehen.“ Eine merkwürdige Frage. Allerdings war da noch etwas anderes. Dieser Mann kam ihr so bekannt vor…so wichtig…
„Hey…kenne ich dich von irgendwoher?“    
Jace schluckte. Alles in ihm schrie danach, Clary die Wahrheit zu sagen, doch er wusste, dass er kein Recht dazu hatte. Die Engel hatten entschieden und sie mussten ihm wiedergeben, was sie ihm genommen hatten. Er durfte es nicht erzwingen. „Nein…ich denke nicht…“, antwortete er daher mit brüchiger Stimme.    
Clary musterte ihn eindringlich. „Doch, ich kenne dich…du…du bist Jace, richtig?“ Ihre Miene erhellte sich und Jace konnte nicht anders, als überrascht zu lächeln. Das Herz klopfte ihm bis zum Hals. „Ja…ich bin Jace.“    
„Hi…ich bin Clary.“ Wobei Clary nicht wusste, wieso sie das sagte. Sie war irgendwie überzeugt, dass ihr Gegenüber dies wusste. Aus einem Club in der Nähe wehte leise Musik zu ihnen hinüber.

This is where we come alive…out oft he shadows…“    

Sie sahen einander an, als Clary die Male auf seinem Hals bemerkte. „Was hast du denn da für ein Tattoo?“ Lächelnd streckte sie ihre Hand aus und berührte die Rune. Plötzlich schlug ihr Herz schneller. Blut rauschte in ihren Ohren und mit jeder Sekunde schien ihr Herzschlag lauter zu werden.

…and into the light, bringing the unknown…“

Alle anderen Geräusche des New Yorker Nachtlebens, die entfernte Musik, der Verkehr, Menschen, die irgendwo vorbeliefen, schienen von ihrem lauten Herzschlag übertönt zu werden, während Jace und sie sich tief in die Augen sahen.    
„Clary“, entfuhr es ihm leise, fast leidend.    
Clarys Augen weiteten sich, als eine Flut von Bildern vor ihrem inneren Auge über sie hereinbrach und sie mitriss. Ihr Mund öffnete sich vor Überraschung, als ihr Hirn all die Erinnerungen sortierte, die irgendwo tief in ihr geschlummert haben mussten, wartend, wieder an die Oberfläche geholt zu werden.      
„Jace!“, entfuhr es ihr nun atemlos. Ohne weiteres Zögern schlang sie die Arme um Jace‘ Hals und küsste ihn leidenschaftlich.
Jace erwiderte die Umarmung und hielt Clary so fest, als würde sie sich sonst in Luft auflösen, während er den Kuss sehnsüchtig erwiderte.      

This is where we come alive…“


~*~


Mit geschlossenen Augen drehte Alec den Kopf in beide Richtungen und ließ seine Halswirbel knacken. Es war ermüdend, so viel Zeit im Büro und vor allem am Schreibtisch zu verbringen, so wie im Moment. Plötzlich breitete sich ein merkwürdiges Gefühl in ihm aus. Er blickte zu seiner Hüfte hinunter, wo sich seine Parabatairune befand, doch es fühlte sich nicht an, als hätte Jace Schmerzen oder wäre in Schwierigkeiten. Eher…positiv. Er tat sein Gefühl als Einbildung ab und widmete sich wieder der Arbeit.    
,Hm, merkwürdig.‘ In letzter Zeit bekam Alec viele Berichte, in denen es um erhöhte Dämonenaktivität ging. Als Inquisitor des Rates hatte er zwar eine ganze Menge andere Aufgaben, dennoch ließ er sich von den verschiedenen Instituten regelmäßig eine Übersicht zusenden, um die Gesamtlage nicht aus dem Blick zu verlieren. Die letzten Monate hatte er sich eher diplomatisch betätigt und sich um die Annäherung von Unterweltlern und Schattenjägern bemüht, mit einigem Erfolg. Nicht umsonst durfte Magnus inzwischen sogar mit ihm in Alicante leben und als Hexenmeister hier arbeiten, trotz seines Dämonenblutes. Wenn Izzy zu Besuch kam, brachte sie Simon ebenfalls immer häufiger mit. Sie hatten zwar noch immer einen langen Weg vor sich, aber Alec war mit den bisherigen Erfolgen sehr zufrieden. Dennoch durfte man die Dämonenwelt nicht aus dem Blick verlieren.      
,Izzy meldet in New York erhöhte Energieaufkommen, Ursache unbekannt.‘ Ob da abtrünnige Hexenmeister ihr Unwesen trieben oder handelte es sich auch um Dämonenaktivität? Vielleicht würde er Lorenzo einmal fragen. Das Verhältnis zu dem hohen Hexenmeister von Brooklyn war seit ihrem Ausflug nach Edom vor knapp einem Jahr merklich besser geworden, was allerdings vor allem damit zusammenhing, dass er Magnus nicht mehr wie einen Untergebenen behandelte, sondern eher wie einen Freund…trotz gelegentlicher hitziger Diskussionen darüber, wer nun mit mehr beeindruckenden Anekdoten und Namen um sich werfen konnte. Eindeutig Magnus. Immer.    

Ein unstetes Klopfen riss Alec aus der gedanklichen Verteidigung seines Ehemannes.    
„Herein“, bat er, ohne die Aufzeichnungen auf seinem Schreibtisch aus dem Blick zu lassen. Er vermutete Magnus hinter dem unerwarteten Besuch, da sie später gemeinsam in einem schicken Restaurant zu Abend essen wollten. Da sie beide recht viel arbeiteten und in ihren neuen Positionen sehr eingespannt waren, nahmen sie sich mindestens einen Abend in der Woche, an dem sie ausgingen. So wollte Alec zudem verhindern, dass sich Langeweile in ihre Ehe einschlich, immerhin sollte Magnus‘ erste Ehe eine positive Erfahrung sein, für alle Zeit. Das war leider nicht so einfach, denn auch gerade machte Alec wieder Überstunden und hatte Magnus vorhin per SMS darüber informiert.    
„Hallo Alec.“    
Alec hob den Kopf und blinzelte überrascht. „Andrew. Was machst du denn hier?“ Alec erhob sich, um den blonden Shadowhunter Andrew Underhill zu begrüßen. Er arbeitete noch immer im Institut in New York, unter Izzys Leitung. Er hatte ihn einige Wochen nicht gesehen, zuletzt bei einem größeren Empfang des Rates, bei dem er überraschenderweise Lorenzo Reys Begleitung gewesen war. Diesen hatte er wohl auf ihrer Hochzeit kennengelernt.    
Sie gaben einander die Hand, doch Alec spürte sofort, dass etwas merkwürdig war.    
„Ich bin in Alicante auf Antrag…Anweisung deiner Schwester, Berichte abgeben und Meldung erstatten, in Vertretung“, erklärte Andrew gedehnt. „Im Moment gibt es bei uns viel Dämonenaktivität.“
„Ja, ich hörte davon.“ Edom war zwar vernichtet worden, doch Dämonen aus anderen Dimensionen hatten nicht lange gewartet, um sich in die Welt der Mundie vorzuwagen. Es gab einfach zu viele von ihnen. „Allerdings liegen mir die Berichte schon vor.“ Alec nickte zu dem Schreibtisch hinter sich.      
„Oh. Vielleicht habe ich die Anweisung falsch…verstanden.“ Andrew legte leicht den Kopf schief und lief etwas schwankend um Alecs Schreibtisch herum, während er sich im Büro umsah. „Schick hier…“
Die Flammen der zwei Dutzend Kerzen, die hinter Underhill im Leuchter standen, ließen Schatten auf seinem Gesicht tanzen.    
„Ja…durchaus. Andrew, ist…alles in Ordnung?“ Würde Alec es nicht besser wissen, würde er denken, der Schattenjäger wäre betrunken, denn den Tequila roch Alec bis zu sich. Das fühlte sich irgendwie nach einem emotionalen Problem an. Allerdings war er nicht besonders gut in dieser Art Situationen. Zwar hatte er in der Beziehung mit Magnus einiges zum Thema emotionales Verständnis und Einfühlungsvermögen dazugelernt, aber Andrew zählte nicht zu seinen engsten Freunden, eher zu einem…recht guten Bekannten.    
„Ja, fabelhaft.“ Schwungvoll drehte Andrew sich halb zu ihm und lächelte gezwungen. „Mit der Ausnahme, dass deine Beziehung mit Magnus so verdammt gut läuft.“    
„…?“ Verwirrt legte Alec den Kopf etwas schief. „Was soll das bedeuten?“      
Andrew schnaubte und warf die Arme in die Luft. „Ich habe es dir schon einmal gesagt, die Beziehung zwischen Magnus und dir war eine Inspiration für mich, in mehrfacher Hinsicht, und ich war wirklich beeindruckt, wie du…so viele Änderungen…Neuerungen vorgenommen hast in deinen Positionen, damit Shadowhunter und Unterweltler enger in Kontakt kommen und sich besser verstehen.“ Andrew lief ziellos in dem Büro herum, was Alec veranlasste, ab und zu ein paar Schritte auf ihn zuzugehen. Er wusste noch immer nicht, was dieser Auftritt sollte und fühlte sich etwas überfordert damit. Wenigstens musste er nicht nachfragen, denn Andrew fuhr mit aufgebrachter Stimme fort: „Darum war ich wohl auch so verrückt, Lorenzo Rey auf eurer Hochzeit anzusprechen, wir hatten Dates und…ich dachte, es läuft wirklich gut, aber er ist nicht wie Magnus, er ist so…“ Andrew wedelte mit den Händen, als suche er nach den richtigen Worten…vielleicht imitierte er auch Lorenzos oft dramatisch anmutende Handbewegungen. „…eingebildet und extravagant und…hat Wichtigeres zu tun, als mit mir ein Bier trinken zu gehen oder mit seiner Ansicht nach langweiligen Shadwohunter-Dingen zu befassen…“    

Langsam dämmerte Alec, was hier los war, obwohl er nicht alles begriff, was Andrew da mit belegter Stimme von sich gab. „Dann…hattest du Streit mit Lorenzo?“      
„Lorenzo hat immer Recht, man kann nicht mit ihm streiten“, schnaubte Andrew resigniert. Alec fühlte sich an seinen Streit mit Magnus erinnert, als er sich in einer Bar betrunken und mit Underhill ohne Unterlass über Magnus geredet hatte, ehe er in ein Taxi gestiegen war. Vielleicht tauchte der Blonde deswegen unter einem Vorwand bei ihm auf…Alec wusste, wie es war, mit einem unsterblichen und sehr mächtigen Hexenmeister mit erlesenem Geschmack zusammen zu sein. „Hör mal, ich bin sicher, was auch immer ihr für Differenzen habt, es renkt sich wieder ein“, versuchte Alec es, wünschte sich aber, Izzy oder Magnus wären hier. Er war wirklich ein guter Shadowhunter, ebenfalls ein fähiger Inquisitor, aber beileibe nicht gut als Beziehungsratgeber. „Lorenzo ist eigenwillig, beim Engel, aber wenn zwischen euch etwas ist…“    
„Er ist eben kein Shadowhunter“, unterbrach Andrew ihn brummig und seine Stimme war getränkt von Schmerz und den zwei bis drei Promille, die er haben musste. „Er versteht viel nicht und ich verstehe viel nicht…bei Magnus und dir sieht es so einfach aus.“    
Diese Worte hätten Alec fast lachen lassen. „Mag sein, aber das ist es nicht immer“, sagte er ehrlich und trat neben Underhill. Das fühlte sich seltsam an…er sollte wohl irgendwie Mitgefühl zeigen. Nach einem Moment legte er eine Hand auf dessen Schulter, das tat Izzy oft bei ihm, wenn er schlecht gelaunt war…half meistens. „Wir haben viel durchgemacht, um so weit zu kommen.“ Sie hatten wirklich oft gestritten und doch hatten sie immer wieder zueinander gefunden. In den letzten Monaten hatte es allerdings kaum Konflikte zwischen ihnen gegeben, Alec war einfach nur glücklich. „Wenn es euch bestimmt ist, werdet ihr das auch“, schob Alec seine liebevollen Gedanken an Magnus beiseite und konzentrierte sich wieder auf das blonde Häufchen Elend vor sich.    
„Wenn…vielleicht habe ich mir da aber auch zu viel vorgenommen. Ich bin auch nicht Alec Lightwood“, sagte Andrew bitter und sah plötzlich zu Alec auf.      
Alec blinzelte leicht, weil er nicht einordnen konnte, ob das eine Beleidigung oder ein Kompliment gewesen war.    
„Du hast so viel geopfert und das nur für die Liebe. Es ist wohl leicht, mit dir glücklich zu sein.“
Gerade wollte Alec Andrew belehren, dass er es war, der Glück gehabt hatte, weil Magnus wesentlich mehr für ihn getan und geopfert hatte, als Alec je zurückgeben könnte, als Andrew plötzlich die Arme hob und seine Hände auf Alecs Wangen legte. Einen irrwitzigen Moment lang glaubte Alec, sein Gegenüber wolle ihn angreifen…das wäre ihm viel lieber gewesen als das, was Underhill tatsächlich tat.

Er zog Alec zu sich und presste seine Lippen auf Alecs.

Alec hatte bis auf Magnus noch nie jemanden geküsst und vielleicht sollte er es aufregend finden, andere Erfahrungen zu machen…er tat es nicht. Er war entsetzt und es gefiel ihm nicht, was seine aufgerissenen Augen deutlich zeigten. Gerade, als er Andrew weg stoßen und ihn zur Besinnung schütteln – und oder anschreien – wollte, gab es einen lauten Knall.    
Andrew und Alec fuhren herum und starrten zur Tür, in der Magnus stand. Er sah ungewohnt zornig aus, was durch die knisternde Luft um ihn herum ziemlich dramatisch betont wurde.
„Überstunden, ja?“, fragte er wütend und hob die Hand, aus der rote Funken stoben. Ein Schwall roter Magie fuhr hervor und traf Underhill. Der Blonde keuchte überrascht, wurde von den Füßen gerissen und gegen das Bücherregal am Ende des Zimmers geschleudert. Bücher regneten auf ihn herab, als er zu Boden ging.    
„Magnus“, entfuhr es Alec atemlos, als er ein Stück auf seinen Ehemann zutrat, auch, weil dieser aussah, als wolle er Underhill weiter attackieren. „Es ist nicht, wie es aussieht.“    
Magnus stieß ein Lachen aus, das alles andere als belustigt klang. „Nicht zu glauben, ich blicke auf achthundert Jahre Feldforschung zurück und euch Sterblichen fällt verdammt nochmal immer noch keine bessere Ausrede ein?!“    
„Ich meine es ernst“, sagte Alec, dessen Herz sich angstvoll zusammenzog, weil er natürlich wusste, wie das ausgesehen hatte. Hilflos stellte er sich Magnus in den Weg, der mit seinen Blicken immer noch Andrew erdolchte und kaum eine Notiz von Alec zu nehmen schien.
„Ich höre mir deine Beteuerungen später an, jetzt geh aus dem Weg, damit ich diesen Kerl aus dem Fenster befördern kann!“, verlange Magnus mit grollender Stimme und wollte an Alec vorbei, doch dieser folgte seiner Bewegung und hielt den Hexenmeister an den Armen fest.
Er musste all dies schnell erklären, damit Magnus sich beruhigte, obwohl seine eigenen Gedanken noch rasten.
„Magnus, bitte, es ist nichts passiert.“

Es hätte vielleicht einen Satz gegeben, um die Situation zu entschärfen.

Das war er nicht gewesen.    

„Nichts passiert?!“, wiederholte Magnus schrill. Sein Blick schnellte zu Alec hoch und zum ersten Mal musterten ihn diese wunderschönen goldenen Augen nicht voller Liebe, sondern Zorn. „Du gibst vor zu arbeiten und machst währenddessen mit diesem Abriss eines Don Juan herum?! Das ist nichts?!“ Er spuckte das letzte Wort regelrecht.    
„Wir haben nicht rumgemacht“, entgegnete Alec aufgebracht. „Es war nur ein Kuss!“

Uunnndd schon wieder falsch.      

„Also gibst du es doch zu?!“    

Ein Stöhnen hinter ihnen unterbrach die hitzige Diskussion. Andrew hatte sich mühevoll unter den Büchern hervorgearbeitet und hielt sich den Kopf.    
„Bitte“, sagte er, als Magnus erneut in seine Richtung drängte. „Es war meine Schuld…ich bin völlig betrunken…und ein Idiot…es ging von mir aus und war ein Fehler. Es tut mir leid.“
„Das wird es noch, Freundchen“, knurrte Magnus, in dessen Händen schon wieder rote Energie pulsierte. Dafür würde Magnus sorgen.      
„Magnus“, sagte Alec sanft und legte seine Hand an Magnus‘ rechten Unterarm. Vielleicht klappte ja sein dritter Versuch, Magnus zu beruhigen, statt ihn noch wütender zu machen. „Er kam, weil es wohl Probleme mit Lorenzo gibt.“    
Magnus runzelte die Stirn und blickte von Alec zurück zu Underhill. „Probleme? Beziehungsprobleme?“
Andrew sagte nichts, sondern blieb zwischen dem zerstörten Regal und den Büchern einfach sitzen, die Lippen zusammengepresst und den Blick zu Boden gewandt. Wenigstens schien der Aufprall ihn etwas nüchterner gemacht zu haben. „Ich wollte eigentlich nur wissen, was ihr zwei habt, was uns beiden fehlt, dass es nicht so recht funktioniert…“    
Obwohl Magnus wirklich wütend war und schon überlegt hatte, diesen Kerl in ein Höllenreich zu verbannen, regte sich nun Mitleid in seinem Herzen. Schnaubend ließ er die Magie in seiner Hand verpuffen. Seine Augen nahmen wieder die gewohnt dunkle Farbe ab. „Das gäbe eine lange Liste, beginnend damit, dass Lorenzo Rey ein furchtbarer Pfau von einem Mann ist, ganz anders, als meine bescheidene, unauffällige Person.“    
Alexander musste zur Tür, weil Sicherheitspersonal gekommen war, um die Ursache des Krachs zu ergründen. Das hatte für Magnus Empfinden recht lange gedauert, wäre Alec hier wahrhaft  angegriffen worden, sollte schneller Hilfe kommen. Doch das war eine Baustelle, um die er sich ein anderes Mal kümmern würde.          
Magnus trat auf Underhill zu und richtete ihn mit einer Fingerbewegung nach oben und etwas Magie wieder auf. „Na schön, ich werde Sie nicht in den Limbus schicken. Vorerst.“
Er deutete auffordernd auf einen der Stühle. Underhill setzte sich wie ein geprügelter Hund.
Alec trat wieder zu ihnen. „Magnus, ich muss das hier kurz irgendwie erklären“, sagte er und sah zwischen ihnen beiden hin und her. „Kann ich…“    
„Uns alleine lassen, ohne, dass ich seine Existenz zu einem furchtbar schrecklichen Ende führe? Vorerst ja“, sagte Magnus und zauberte sich einen Drink in die Hand. Den hatte er jetzt bitter nötig.      
Ein wenig Zweifel lag in Alexanders schönen Augen, dennoch nickte er und ging aus dem Zimmer.

Jetzt gäbe es keine Zeugen mehr…aber Magnus wollte gesittet bleiben.      
„Na schön“, begann er, nachdem er den ersten Schluck seines Martinis getrunken hatte. „Ich würde Ihnen ja auch einen anbieten, aber Sie riechen bereits, als hätten Sie in Schnaps gebadet. Billigem Schnaps, wie ich ergänzen möchte.“ Offensichtlich war das ein Teil der Erklärung für diese absurde Situation.      
Underhill stieß ein freudloses Lachen aus. „Nicht einmal davon habe ich Ahnung, trotz all der Monate, in denen ich versuche mir zu merken, welche die teuersten Weinsorten sind und wie erlesen die Kunst des Mixens mit den richtigen Zutaten ist.“    
Magnus schlug die Beine übereinander. „Gewöhnlich bin ich ein Freund von ausführlichem Tratsch, aber mein Geduldsfaden ist heute extrem kurz, also…“ Magnus machte eine ausladende Geste mit seinem Drink. „Was stimmt nicht mit Lorenzo und Ihnen?“ Magnus wusste, dass Lorenzo und dieser Schattenjäger sich trafen. Er erinnerte sich gut an Lorenzos Worte über Familie und vielleicht hatten die beiden sich Alexander und ihn ein wenig zum Vorbild genommen. Allerdings schien es nicht so gut zu funktionieren wie bei Magnus und seinem Ehemann.    
„Ich weiß es nicht“, murmelte Underhill und zuckte hilflos die Schultern. „Ich wollte damit auch gar nicht hausieren gehen, aber ich…ich wollte wirklich, dass es funktioniert, wie bei Alec und Ihnen, doch…ich glaube einfach, dass ich Lorenzo nicht gewachsen bin. Er hat einen so exquisiten Geschmack und ich kann mit all der Kunst, der Musik, den Möbeln und der Kleidung einfach nichts anfangen…ich gebe mir Mühe, aber das ist nicht meine Welt, ebenso wenig wie die Welt der Schattenjäger seine ist.“ Underhill blickte beim Sprechen auf den Teppich, als gäbe es in dessen Muster etwas besonders Spannendes zu sehen.    

Dessen Ausführungen klangen sogar sinnvoll in Magnus‘ Ohren. „Tja, wir Hexenmeister leben lange und haben viel Zeit, einen hervorragenden Geschmack zu entwickeln. Wir machen viele Erfahrungen.“
„Ja. Was bin ich da schon?“    
Etwas belustigt legte Magnus den Kopf schief. „Der Mann, den Lorenzo liebt?“    
Underhill hob den Blick. „Ich weiß nicht, ob dem so ist…ob das genug ist. Ich habe viel zu geben, aber…wenig zu bieten.“ Diese Sache schien ihn wirklich zu belasten und langsam verstand der Hexenmeister, wieso er sich ausgerechnet bei seinem Ehemann Beziehungstipps hatte holen wollen. In Sachen Shadowhunter-Hexenmeister-Beziehungen waren sie Pioniere und Experten. Magnus beugte sich etwas vor, während er sich Underhills Worte durch den Kopf gehen ließ. Alexander hatte sich in dieser Hinsicht nie klein gefühlt, was Magnus rückblickend beeindruckte. Er hatte es den Schattenjäger allerdings umgekehrt nie spüren lassen, dass es ihn irgendwie störte, dass Alec keinerlei Ahnung von Kunst, Architektur oder Antiquitäten hatte. Und die hatte er so gar nicht. „Lorenzo Rey hat einen wirklich erlesenen Geschmack“, stimmte Magnus zu.
„Das gilt aber ebenso für Menschen. Wenn er sich für Sie entschieden hat – aus welchen Gründen auch immer – dann wird so etwas Lapidares wie Ihr mangelnder Sinn für Kunst oder Wein das sicher nicht ändern.“ Magnus sah, dass der Mann vor ihm noch immer zweifelnd schaute, daher fügte er hinzu: „Vielleicht gibt Lorenzo auch nur mit all seinen Reichtümern und Erfahrungen an, um Sie zu beeindrucken?“ Magnus jedenfalls ertappte sich öfter einmal, wie er mit Namen berühmter Bekanntschaften um sich warf, um Alexander zu beeindrucken. Sein Liebster wertete dies aber wohl meist eher als Angeberei.    
„Meinen Sie wirklich?“ Hoffnung glomm in den blauen Augen des Schattenjägers. „Aber er hat so viel erlebt, besitzt so viele Reichtümer und ist so mächtig, wieso sollte er sich da noch über so etwas sorgen?“ Oh man, da war wohl wirklich jemand verliebt.    
Magnus zuckte die Schultern. „Wir sind zwar reich und mächtig, aber auch Hexenmeister haben Gefühle und sind verletzlich. So schlecht sehen Sie ja nicht aus und vielleicht ist Lorenzo nur zu unbeholfen, seine Gefühle anderweitig auszudrücken.“ Besonders sensibel war der Herr jedenfalls noch nie gewesen, das wusste Magnus aus eigener Erfahrung. „Das finden Sie aber nur heraus, wenn Sie mit Lorenzo darüber reden. Wir Hexenmeister sind zwar unsterblich, aber wir können keine Gedanken lesen. Der Gute ist schwierig…“ Wie großzügig er sich heute ausdrückte. „…aber lernwillig.“ Zumindest hatte Lorenzo sich in der Vergangenheit so gezeigt.    
Endlich schlich sich eine Art Lächeln auf Underhills Gesicht. „Danke. Entschuldigen Sie all das Chaos, das ich verursacht habe. Ich wollte wirklich nur mit Alec reden, aber dann…“
„Tun Sie das das nächste Mal nüchtern“, unterbrach Magnus ihn ungehalten. „Und mit zwei Metern Abstand zu ihm. Und…die nächsten Monate am besten gar nicht.“ Magnus lächelte, aber Underhill sah ihm den Ernst seiner Worte an.    

Nach einer kurzen, recht peinlichen Pause, räusperte Underhill sich. „Ich…sollte jetzt gehen.“
„Gute Idee.“ Magnus nippte erneut an seinem Drink.    
Als Underhill sich erhob und neben ihn ankam, hob Magnus die freie Hand. „Damit wir uns richtig verstehen.“ Magnus‘ Stimme war ruhig, aber von fast feierlicher Ernsthaftigkeit durchzogen, die ihr eine gewisse Bedrohlichkeit verlieh. „Ich glaube Ihnen und harke diesen Vorfall als unglückliches Missverständnis ab. Wenn Sie meinem Mann aber jemals wieder auf diese Weise näher kommen, wird man nichts mehr von Ihnen finden.“ Magnus drehte sich um und lächelte Underhill charmant an. „Niemals.“    
„…verstehe…“ Underhill lächelte nervös, nickte und ging zur Tür, wobei er gegen die Lehne des Sessels stieß, weil er Magnus nicht aus den Augen ließ, als fürchte er, Magnus würde seine Worte direkt wahr machen.    
Zufrieden trank Magnus sein Glas aus und schnippte mit dem Finger, um nebenbei das kaputte Regal wieder ganz zu zaubern und die Bücher an ihren Platz zurückfliegen zu lassen. Er war nicht sadistisch veranlagt, aber das hatte ihm jetzt doch Spaß gemacht.    


Wenige Minuten später kam Alexander ins Büro zurück.    
„Wo ist er?“, fragte er, nachdem er sich kurz umgesehen hatte und Underhill nicht sah. Sein Blick glitt sogar zum Fenster, aber dieses war noch intakt und schien verschlossen.    
„Er ist gegangen. Lebend und mit allen Körperteilen“, fügte Magnus hinzu und verdrehte die Augen, weil Alec ihm einen skeptischen Blick zugeworfen hatte.      
„Oh…gut.“ Langsam trat der Schwarzhaarige näher und setzte sich auf den Platz, an dem kurz zuvor Underhill gesessen hatte. Alec saß recht weit vorne auf dem Stuhl, wie häufig, wenn er nervös war. Eine unangenehme Spannung lag in der Luft. Einen Moment knetete Alec unruhig seine Finger, ehe er anfing zu sprechen. „Okay, Magnus, ich weiß, wie das aussah, aber ich schwöre dir, er hat mich geküsst und ich…“ Als Magnus die Hand hob, damit er aufhörte zu reden, machte Alecs Herz einen angstvollen Sprung.      
„Ich glaube dir“, zerstreute Magnus seine Sorgen jedoch im nächsten Moment. „Du bist einfach so unschuldig und naiv, dass du erst erkennst, wenn sich jemand an dich heran macht, wenn er seine Zunge schon in deinem Hals hat.“    
„Ich bin nicht naiv“, gab Alec etwas beleidigt zurück, obwohl es in dieser Hinsicht wohl leider stimmte. Er hatte Andrews Annäherung erst im letzten Moment kommen sehen und seinen Gesamtzustand wohl unterschätzt. „Und seine Zunge war nicht…“    
„Ich will ohnehin keine Details“, wehrte Magnus ab und stellte das leere Glas auf den Beistelltisch neben seinem Platz. Er beugte sich vor und legte eine Hand auf Alecs Wange. Sofort schmiegte dieser sich dagegen. „Ich weiß, dass du mich nie hintergehen würdest. Ich vertraue dir, Alexander.“    
Alec lächelte mit einer Mischung aus Dankbarkeit, Verlegenheit und Liebe. „Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch.“ Magnus überbrückte den Abstand zwischen ihnen und küsste Alec sanft. Alec war so erleichtert, dass er in den Kuss lächelte.    
„Offenkundig“, fügte Magnus hinzu, als sie sich wieder lösten. „Nur deinetwegen habe ich keinen meiner Zerteilungsflüche an ihm ausprobiert.“    
„Dafür bin ich dir dankbar“, versicherte Alec ernst. „Das wäre keine gute Werbung für die Beziehung zwischen Unterweltlern und Shadowhuntern gewesen.“    
Möglich, aber das wäre es Magnus wohl wert gewesen.      
Sie erhoben sich. Magnus schnippte mit den Fingern und ließ sein leeres Glas verschwinden. „Und, wer von uns küsst besser?“    
Alexanders Blick verdunkelte sich. „Ernsthaft?“ So charmant und wortgewandt Magnus auch war, manchmal hatte er wirklich kein Gespür dafür, wann der richtige Zeitpunkt für Scherze war. Im Moment war er nicht.    
„Nun, ich hatte zuvor keine Konkurrenz, ich meine, ich muss doch ausloten…“, begann Magnus zu erklären, als Alec ihn am Kragen zu sich zog und erneut küsste, dieses Mal leidenschaftlicher. Es war eine angenehme Erfahrung, dass ihre Anziehungskraft zueinander nach einem Jahr Ehe nicht nachgelassen hatte.
„Ich will nur dich küssen, niemanden sonst“, unterstrich Alexander seinen stürmischen Kuss leise und lehnte seine Stirn gegen die von Magnus.      
Dieser lächelte zufrieden. Das war Musik in seinen Ohren.

Allerdings…

„Was ist?“ Das breite Lächeln seines Mannes ließ Magnus misstrauisch werden.    
„Du bist ganz schön heiß, wenn du so eifersüchtig bist“, gestand Alec. Der Schalk glitzerte in seinen Augen. Hatte er sich zuvor noch recht elend gefühlt, konnte er dem Ganzen nun etwas Positives abgewinnen.      
„Tss.“ Magnus verdrehte gespielt beleidigt die Augen, während er sich in einer schwungvollen Geste abwandte. „Eifersüchtig? Ich bitte dich, der Kerl sieht zwar immer noch verflucht gut aus, aber ist doch keine Konkurrenz für mich!“ Obwohl er ein Schattenjäger war und damit Alecs Beruf und vor allem Sterblichkeit teilte. Vielleicht hatte er sich doch etwas mehr bedroht gefühlt, als er zugeben wollte. ,Wenn ich mich beeile, kann ich ihn immer noch durch ein Portal in die Arktis schicken.‘
„Da hast du Recht“, lenkte Alecs tiefe Stimme ihn ab, was Magnus bewog, sich wieder umzudrehen. „Er ist keine Konkurrenz für dich. Niemand ist das.“ Es lag ein andachtsvoller Ernst in seiner Stimme, der Magnus lächeln ließ. Dieses Gefühl besonders und bedeutsam zu sein, das vermittelte nur Alexander ihm auf diese Weise. Er trat näher und legte seine Hände auf die Brust seines Geliebten. „Na dann, wenn ich mich recht entsinne, haben wir einen Tisch reserviert.“    
„Wir können das Essen auch auslassen und direkt nach Hause. Ins Schlafzimmer“, schlug Alec vor. Verlangen sprach aus seiner Stimme, was eine Gänsehaut über Magnus‘ Haut schickte. „Nun, ich vermute, wir können auch später essen“, murmelte der Hexenmeister und öffnete ein Portal hinter ihnen, während sich ihre Lippen erneut in einem Kuss vereinten.
„Magnus, Protokoll“, murmelte Alec halbherzig.      
Portale innerhalb der Ratshallen waren verboten, doch Magnus war zuversichtlich, dass er einen Inquisitor fand, der ihm diese Abkürzung nachträglich genehmigte.

Gemeinsam traten sie durch das Portal, um ihre Versöhnung in ihrem Zuhause weiter zu vollziehen.

~*~
Review schreiben