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Exklusiv - weil es verdammt nochmal keine Rolle spielt

GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
06.07.2020
01.03.2021
31
56.352
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Dieses Kapitel
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23.02.2021 1.772
 
Wieso zum Teufel musste er sich nur so zieren? Er wollte mich doch genau so sehr! Das sah ich ihm an. Was brachte es, nein zu sagen, wenn sein Körper, seine Augen, sein ganzes Handeln ja schrien? Ich war doch nicht blind!
Er schloss die Augen und sah weg, wieder einmal. Was erhoffte er sich davon? Bescheuert war ich übrigens auch nicht! Auch wenn er sich versteckte, konnte ich seine Gefühle, seine Gedanken lesen. Dazu gehörte aber auch nicht viel. Selbst wenn er mir hier eine heile Welt auf dieser Insel vorspielen wollte, war mir klar, dass das hier ein Abschied war. Und ich war verdammt nochmal nicht bereit Abschied zu nehmen.
„Ich nenn dir am Ende dieser Woche einen Grund...“, murmelte er und ich stöhnte genervt aus, löste meine Arme von seinem Hals und erhob mich von ihm. „Idiot!“, fauchte ich, strich mir die immer noch nassen Haare nach hinten und hätte am liebsten laut geschrien vor Frust. Auch Dima erhob sich und klopfte etwas den nassen Sand von seinen Sachen.
Ihn ignorierend fing ich an, im Sand hin und her zu tigern. Was konnte ich tun? Wie konnte ich ihn umstimmen? Wie ihn vom Gegenteil überzeugen? Das hier war doch schon wieder nichts anderes, als ein Hinhalten, bis er eine Lösung fand, mich loszuwerden.
„Emilio bitte...“, flüsterte er in die Stille hinein und steckte seine Hand nach mir aus. „Nein!“, erwiderte ich und schüttelte den Kopf. Darauf würde ich mich nicht einlassen. „Ich gebe dir keine Woche Zeit, nur damit du am Ende, still und heimlich, verschwindest und Mischa beauftragst mich heim zu bringen...“, keifte ich weiter und merkte grade noch aus dem Augenwinkel, wie seine Gesichtszüge mal wieder entglitten. Wie gesagt, ich musste kein gottverdammter Hellseher sein, wenn ihm alles quasi wortwörtlich ins Gesicht geschrieben stand.
Langsam drehte ich mich zu ihm und verschränkte meine Arme vor der Brust. „Das ist dein Masterplan?“, fragte ich mit bebender Stimme und verstand auf einmal, warum Pärchen gerne in der Küche stritten. Ich hätte ihm jetzt am liebsten auch einen Teller an den Kopf geworfen. Oder zwei oder drei! Oder noch besser, diese verdammt schwere, hässliche Terrine von Oma Hildegard, dann musste ich sie auch irgendwann nicht mehr erben. „Mich eine Woche lang vögeln und dann sitzen lassen?“, meine Stimme brach und ich musste wirklich an mich halten, die Distanz nicht kurzerhand zu überwinden und ihm tatsächlich den Hals umzudrehen. „Behandelt man so Menschen die man liebt?“, spukte ich ihm entgegen. Gott, war ich böse! Jetzt hatte ich doch tatsächlich schon wieder dieses L-Wort in den Raum gestellt. Und siehe an, sein Gesichtsausdruck verhärtete sich, er biss dass Kiefer aufeinander und erdolchte mich mit seinem sturen Blick.
„Ich weiß! Ich weiß! Du liebst mich nicht! Ich bin dir völlig egal! Außerdem hab ich es mit einem gefährlichen Mafiaboss zu tun und werde sofort sterben, wenn ich auch nur eine Minute länger an deiner Seite bin, als das du es gestattest.“, platzte es aus mir raus, während ich bitter auflachte. „Alles Lügen...“, setzte ich fauchend hinterher. Ich hatte dieses herumgeeiert und dieses Blabla so satt. Er glaubte doch selbst nicht dran!

Nun wollte ich aber Klartext. Jetzt und nicht in einer Woche. Verflucht auch, ich war so wütend, so verzweifelt. Ich würde nicht gehen. Egal, was er tun und sagen würde, ich würde verdammt nochmal nicht gehen! Fertig mit der Welt hob ich meine Hände und fuhr mir übers Gesicht.
„Emilio...“, flüsterte er, trat zu mir, griff nach meinen Händen und drückte sie runter. Ich blieb stur, blickte Richtung Boden. Bei meinem Blick würde er wohl tatsächlich noch tot umfallen. Wusste gleichzeitig, dass das, was er zu sagen hatte, mir nicht gefallen würde.

Sanft legten sich Finger unter mein Kinn und er drückte es hoch, bis sich unsere Blicke begegneten. Dabei sah er so verzweifelt, so traurig, aber auch gleichzeitig resigniert drein, dass es mir das Herz zusammen zog. Beugte sich vor und legte seine Lippen, sachte auf die meinen. Wieso musste mein Herz stehen bleiben?
„Selbst wenn ich dich liebe, hat das mit uns keine Zukunft.“ Seine Stimme war so leise, rau, vibrierte bis in mein Innerstes und riss alles auseinander. „Warum?“, hauchte gegen seine Lippen, die süß und bitter zugleich schmeckten, konnte mich ihnen aber nicht entziehen. Eine Zukunft ohne ihn? Das würde nicht funktionieren. „Weil...“, noch einmal küsste er mich, bevor er auf Abstand ging. „... wenn ich nicht dafür sorge, dass meine Blutlinie fortgeführt wird, meine liebste, verrückte Tante mich von dem Thron stürzen will. Wenn das so kommen sollte, bin ich vogelfrei. Für die Familie, für alle. Und wenn ich vogelfrei bin, bist du es auch...“
Ich schluckte. Öffnete den Mund, nur um nicht zu wissen, was ich darauf sagen sollte. „Wie ... warum ...“, stammelte ich und schloss meinen Mund wieder. Zum Teufel! Das war ein verdammt guter Grund. Was sollte ich bitteschön dagegen sagen? Selbst ich wusste, was es in seinem Gewerbe bedeuten würde, vogelfrei zu sein. Man würde ihn jagen, man würde ihn finden und dafür sorgen, dass seine Blutlinie für immer verebben würde.
„Lass uns heim gehen ... und unsere verbliebene Zeit genießen.“, seufzte er schwer und streckte mir die Hand entgegen. Zögernd griff ich danach und ließ mich mit ziehen. Wortlos liefen wir am Wasser entlang. Vorbei an Palmen, an unserem Boot, von Mischa war weit und breit nichts zu sehen. Nur Fußspuren im Sand, die in den Dschungel hinein führten. Diesen schienen wir nun auch zu folgen.
„Woher weiß deine Tante von uns?“, fragte ich nach einer Weile und weil vor uns eine Hütte in Sicht kam. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, dieses Gespräch noch hier draußen zu beenden. All diesen Frust nicht mit hinein zu nehmen. Dort würde es uns erdrücken.
„Die Belinski Brüder...“, seufzte er, während seine Finger immer wieder über meinen Handrücken streichelten. „Okay...“, seufzte auch ich und hatte das Bild der beiden vor Augen. Kein Wunder, dass sie mir so unsympathisch vorkamen. Und mit dem Hintergrund, dass Dima nicht gerade das tat, was sie wollten, konnte ich mir das sehr gut vorstellen. „Und deine Tante?“ „Das ist eine lange Geschichte...“, erwiderte er und blickte weg. „Ich hab Zeit...“, murmelte ich und drückte seine Finger in meiner Hand. Ich musste alles wissen.
„Sie ist die Frau von meinem Onkel Michael. Er war der jüngere und einzige Bruder meines Vaters.“, fing Dima leise an zu erzählen. „Dadurch lebte seine Familie immer im Schatten der unseren.“ „Was ihnen wohl nicht gefällt.“, schlussfolgerte ich. „Nein ...“, seufzte er erneut. „Wieso gerade jetzt?“
„Weil ich dafür gesorgt habe, dass sie ihren ältesten Sohn ohne Finger, dafür friedlich schlafend zurück bekommen hatte.“
„Oh Fuck!“, fluchte ich, blieb stehen und musterte den Mann neben mir. „Du hast deinen eigenen Cousin umgebracht? Und die Leiche seiner Mutter geschickt? Was mit seinen Fingern passiert ist, will ich vermutlich gar nicht wissen.“
„Hmm...“, murmelte er und wollte seine Hand zurückziehen, aber ich ließ es nicht zu. „Wieso?“, stellte ich stattdessen die wichtigste Frage. Langsam fing alles an, einen Sinn zu ergeben. „Weil er meinen Waffen gestohlen hatte und sie an Drogen dealende Kinder verkauft hatte, die nun in irgendwelchen Gassen Krieg spielen und sich dabei erschießen.“, zischte Dima plötzlich. „Und das war nur die Krönung. Man kann vieles von unserer Familie, von meinem Vater, von meinem Großvater sagen, aber wir haben weder was mit Drogen noch mit Banden zu tun. Unsere Waffen werden in erster Linie für das Militär entwickelt und produziert. Sicher ich verkaufe an den Höchstbietenden und selten auf dem offiziellen und legalen Weg. Das kann heute Amerika sein, morgen China oder Russland selbst. Ich mach keine Kriege, ich beliefere nur den, der am meistens dafür bezahlt. Der Bruder meines Vaters wollte aber schon immer mehr. Zettelte Kleinkriege an, manipuliere Kleinbanden, machte sie zu seinen Marionetten und zu unseren Feinde. Sorgte dafür, das meine Mutter auf offener Straße erschossen wurde. Mit einer unserer eigenen Waffen. Lustig nicht wahr?“, spie er bitter hervor. „Von einem bis in die Spitzen vollgepumpten Kerl auf Heroin, der noch vor den Verhandlungen an einer Überdosis krepierte.“ Dima brach ab und rang nach Atem. Man konnte meinen, dass er das alles noch nie vor einem anderen laut ausgesprochen hatte. Aber so, wie ich ihn kannte, entsprach genau das wohl der Wahrheit. Also drückte ich lediglich wieder nur seine Finger. Worte waren überflüssig. Und so erzählte er, ohne aufzusehen, einfach weiter. „Als Mama starb, war ich dreizehn. Meinen Papa bekam man nicht so schnell tot, auch wenn sie es echt versucht hatten. Raubüberfälle, Autounfälle, Gift. Es erwischte ihn erst, kurz vor meinem achtzehn Geburtstag, während er versuchte, mich zu beschützen. Die Blutlinie wurde gesichert und ich bestieg den Thron. Man konnte es nicht nachzuweisen, aber es war wieder definitiv durch die Hintermänner meines Onkels. Mein Onkel war auch das erste Blut an meinen Händen. Und jetzt auch noch die meines Vetters, der nach dem Tod seines Vaters dort weiter gemacht hat, wo dieser aufgehört hatte. Nur war er strohdumm und überheblich und trieb es zu offensichtlich zu bunt.“, knurrte mein Gegenüber. „Als würde es mir Spaß machen, so ein Theater zu veranstalten. Aber nur so dachte ich, würde wieder Ruhe herrschen. Zumindest für eine Weile. Seine Leute wussten ganz genau, dass ich für seinen Tod verantwortlich war, und halten seit dem den Ball flach. Nur mit dem lieben Tantchen hatte ich nicht gerechnet. Mit ihr und meinem jüngsten Cousin, dessen Freundin ein Kind erwartet.“
„Wenn du ein Leben mit mir anfängst, bist du am Arsch...“, flüsterte ich und schluckte. „Sind wir beide am Arsch...“, korrigierte er.
„Denkst du nicht, dass sie mich eh schon auf dem Kicker haben?“, warf ich in dieses immer düster werdende Unterhaltung ein. Jetzt verstand ich auch, warum er so mies drauf war, als er des Nachts zu mir ins Zimmer kam.
„Sicher. Aber sie würde von dir absehen, wenn ich diese Frau heirate und ihr Kind als meinen Ältesten großziehe.“
Mein Mund klappte nach unten und ich starrte ihn geschlagene Minuten einfach nur an. „Was zum Teufel...?“, entkam es mir irgendwann fassungslos, weil mir einfach die Worte fehlten.
„Ich muss zugeben. Ich bin sogar beeindruckt.“, überging er meine Reaktion und setzte sich wieder in Bewegung. „Sie müssen mich nicht einmal töten, um zu bekommen, was sie wollen. Denn noch einen zufälligen Tod würde ihnen niemand mehr abkaufen, vor allem nach dem Ableben von Andrje. Aber so setzten sie einen der ihren auf den Thron und spielen mit mir.“
„Also hast du entschieden. Dein Leben für meines...“ Ich blieb stehen, zog meine Hand aus seiner und musterte ihn ausgiebig.
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, während er den rechten Mundwinkel schief hob. „Tut man nicht so Sachen für die, die man liebt?“
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