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In dein Herz...

von Swaany
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
05.07.2020
25.11.2020
13
21.882
10
Alle Kapitel
52 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
10.07.2020 1.488
 
Hallo ihr Lieben,

danke schon für eure bisher stille Teilnahme und auch schon ein paar Herzchen. Ich würde mich natürlich auch sehr über Reviews freuen. Wenn ihr Anregungen habt, bin ich dafür natürlich auch offen.

LG

Swaany

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Es war ein paar Tage später, als sie ihren Fall gelöst hatten, dass Ellen in der Küche stand und plötzlich ein Zelt in ihrem Garten stehen sah. Unwillkürlich musste sie lächeln, hatte sie doch so eine Ahnung, wer dahinter steckte. Sie hörte Nikolas Stimme und sah, dass ihre Tochter weinend in seinen Armen lag. Ein wenig erleichtert war sie darüber, dass das Mädchen die Trauer über den Verlust seines Vaters endlich zuließ. Es hatte ihr Sorgen gemacht. Emily hatte in der vergangenen Zeit plötzlich sehr hart und erwachsen gewirkt. Es war als wollte sie ihrer Mutter beweisen, dass sie stark war, dabei brauchte sie das doch gar nicht. Ellen hatte alles Mögliche versucht, aber Nikolas schien es endlich gelungen, den Panzer des Teenagers zu durchbrechen.

„Weißt du, wenn man traurig ist, dann muss man weinen, sonst sammeln sich die ganzen aufgestauten Tränen zu einem riesigen See, in dem man innerlich ertrinkt und dann kannst du gar keine mehr von diesen leckeren Mampfinchen hier essen.“ Ellen atmete tief durch und merkte, wie ihr selbst Tränen in die Augen stiegen. Der Kommissar hatte die Anwesenheit der Staatsanwältin bemerkt und verließ das Zelt nun. Sie lächelte, trotz der Tränen, die in ihren Augen schimmerten und die Dankbarkeit war in ihren Augen kaum zu übersehen. Als er im Begriff war zu gehen, legte sie ihm leicht die Hand auf den Arm und streichelte kurz darüber. Ohne ein weiteres Wort ging er und sie setzte sich zu ihrer Tochter in das Zelt. Gemeinsam weinten die zwei, bis Emmi irgendwann im Arm ihrer Mutter einschlief. Ellen schaute sich in dem kleinen Zelt um. Sie schätzte die Geste des Polizisten sehr und es ließ ihr Herz ein kleines Stückchen höher schlagen. Doch diesen Gedanken schüttelte sie gleich ab. Es konnte und durfte einfach nicht sein.

Sie weckte ihre Tochter vorsichtig.

„Komm Schätzchen. Gehen wir rein. Hier draußen wird es zu kalt.“, sagte sie leise und streichelte ihr zärtlich über den Kopf. Emily rieb sich über die Augen und stand dann auf.
„Mama? Kannst du Nikolas morgen ein großes Danke ausrichten? Der Keller ist super.“ Ellen wusste zwar nicht genau, was mit Keller gemeint war, versprach es Emily aber und drückte sie noch ein weiteres Mal fest.

Zur gleichen Zeit saß Nikolas im Carlos und hatte ein Bier vor sich stehen.
„Sag schon, Nikolas… was ist los?“, wollte Carlo wissen, nachdem er nun schon seit einigen Minuten vergeblich versucht hatte, die Aufmerksamkeit seines Freundes zu erhaschen. Der Angesprochene zuckte leicht zusammen.
„Will nicht drüber reden.“, murmelte er mürrisch.
„Deine Staatsanwältin?“, hakte Carlo trotzdem weiter nach. Der Polizist deutete ein Nicken an.
„Ich liebe sie, Carlo. Aber sie hat gesagt, dass es ein Fehler war und es zu nah ist.“ Er hatte Carlo bisher nichts von seinem One-Night-Stand erzählt. Deshalb verzog dieser auch fragend das Gesicht.
„Was war ein Fehler?“
„Wir haben miteinander geschlafen.“ Nun war der Barbesitzer sichtlich irritiert.
„Was? Wann?“
„Vor drei Wochen. Aber hinterher hat sie gesagt, dass es ein Fehler war. Und heute hat sie es wiederholt.“
„Das sagst du mir erst jetzt?“

Normalerweise redete Nikolas über alles mit ihm, aber dass er gerade das verschwiegen hatte, erstaunte ihn doch. Das zeigte Carlo aber auch, wie viel ihm die schöne blonde Staatsanwältin bedeutete. Nikolas zuckte nur mit den Schultern.
„Was mache ich denn jetzt, Carlo?“

Mittlerweile wusste der Kommissar, dass es ein Fehler gewesen war, Hals über Kopf Bochum zu verlassen, um auf Mallorca weiter nach dem Mörder seiner Eltern zu suchen. Damit hatte er seine Chance bei Ellen verspielt. Und trotzdem hätte er es wahrscheinlich wieder getan, wenn auch nicht ganz so abrupt und sicher nicht ohne Erklärung ihr gegenüber.
„Tja Nikolas… ich würde sagen, erstmal Füße still halten. Sie liebt dich. Aber jetzt musst du ihr Zeit geben.“, sagte Carlo mitfühlend und stellte ein weiteres Bier vor seinem besten Kumpel ab. Dieser winkte jedoch ab.
„Was denn? Kein Bier mehr? Man, dich hat es ja echt erwischt.“ Beide konnten sich ein leichtes Lachen nicht verkneifen.
„Sie ist einfach umwerfend, Carlo. Ich meine… hast du mal ihre Augen gesehen? Dieses Blau… und überhaupt ist sie einfach perfekt.“, schwärmte der Kommissar weiter und war sich sicher, dass er selber noch nie so dermaßen schnulzig gewesen war. Aber bisher hatte ihm auch noch nie eine Frau so viel bedeutet. Carlo grinste nun. So verklärt kannte er den sonst so kantigen Polizisten gar nicht. Und doch gefiel ihm diese Seite an Nikolas gut. Es machte ihn etwas weicher.
„Das wird schon.“

Am nächsten Tag war Nikolas früh im Präsidium, hatte zwei Kaffee in der Hand und klopfte an Ellens Tür. Er wartete auf ein Zeichen von ihr und trat dann ein.
„Guten Morgen, Heldt.“, grüßte sie förmlich, lächelte aber, als sie den Kaffee sah.
„Ist der für mich?“, fragte sie. Nikolas war leicht verwirrt. Die letzten Tage war sie kühl gewesen. Jetzt plötzlich so warmherzig. Nicht, dass er es nicht schätzte, aber überraschend war es doch.
„Eigentlich wollte ich den Frau Dr. Holle geben. Aber meiner Lieblingsstaatsanwältin kann ich doch den besten Kaffee von ganz Bochum nicht verwehren.“ Da waren sie wieder. Kleines Geplänkel zwischen ihnen und Ellen lachte sogar über seinen kleinen Spaß. Beide wussten, dass er den Kaffee nur für sie besorgt hatte. Sie nippte daran.

„Mhm Haselnuss… meine Lieblingssorte.“ Es überraschte sie nicht mal mehr, dass der Kommissar wusste, wie sie ihren Kaffee mochte. Er war aufmerksam und zudem ziemlich gut in seinem Job. Beobachtungen und Details gehörten zu seinem täglich Brot. Außerdem schien er wahrlich an ihr interessiert zu sein.
„Wie geht es Emmi?“, fragte er dann besorgt und auch Ellens Blick wurde ernst.
„Sie hat noch einige Zeit geweint. Aber es hat ihr gut getan. Ich soll dir einen großen Dank für den Keller ausrichten. Was meint sie damit?“, fragte Ellen neugierig. Sie war unbeabsichtigt in die vertraute Anrede gefallen und Nikolas nahm dies überrascht zur Kenntnis. Er lächelte leicht. Er mochte es, wenn sie ihn nicht förmlich anredete. Es machte Ellen gleich viel weicher. Schließlich zuckte er mit den Schultern.
„Das ist ein Geheimnis zwischen Emily und mir.“, sagte er augenzwinkernd. Ellen lächelte milde und gleichzeitig sah sie plötzlich sehr müde aus. Die letzten Tage forderten ihren Tribut.
„Es war wirklich lieb von dir, dass du dich um sie gekümmert hast. Sie war plötzlich so erwachsen, nachdem ihr Vater gestorben ist. Es fällt mir schwer, sie so zu sehen.“ Ellen hatte überhaupt nicht die Absicht gehabt, Nikolas ihr Herz auszuschütten, aber sie musste es einfach rauslassen. Heiser atmete sie ein und spürte die Tränen, die bereits in ihren Augen und auch ihrer Kehle brannten. Eigentlich wollte die Staatsanwältin nicht weinen. Aber gerade hinter dieser geschlossenen Tür, nur mit Nikolas in einem Raum konnte sie für einen Moment die starke Mutter und Frau beiseite schieben. Auch wenn sie den Kommissar eigentlich gar nicht so dicht an sich ranlassen wollte, aber er hatte sie schon in dem Moment gesehen, als sie am verletzlichsten und verzweifeltsten war. Er kannte sie und urteilte nicht.

Nikolas war ihr Wandel nicht entgangen. Besorgt beobachtete er, wie die schöne Frau vor ihm langsam in sich kehrte und ihre Unterlippe leicht zu zucken begann. Zögerlich trat er an sie heran, kniete neben ihrem Stuhl nieder und streichelte ihr sanft über den Rücken. Schließlich ließ sie es sogar zu, dass Nikolas sie mit sich in eine stehende Position zog und sie umarmte. Es war Balsam für ihre angegriffene Seele. Weinend legte sie ihren Kopf an seine Brust. Sein vertrauter Geruch, der sie dabei umfing, sorgte dafür, dass sie sich wieder beruhigte. Selbst nachdem Ellen ihre Gefühle wieder unter Kontrolle hatte, verharrte sie noch in der Position. Sie genoss das Gefühl seiner beruhigenden Hände, die über ihren Rücken streichelten und seine geflüsterten Worte.
„Alles okay?“, fragte er schließlich. Sie schaute in seine Augen, was sich jedoch als Fehler herausstellte. Sie konnte so viel darin lesen. Sie konnte sehen, was er fühlte und ihr ging es doch nicht anders und dennoch wehrte sie sich noch immer vehement gegen diese Gefühle. Es war zu gefährlich. Sie konnte nicht ein zweites Mal riskieren, dass ihr Herz zerbrach. Aber würde sie das überhaupt? Bevor sie diese Frage mit sich ausdiskutieren konnte, bemerkte sie, wie er ihr einen Finger unters Kinn legte und seinen Kopf ihr langsam entgegen neigte. Er war im Begriff, sie zu küssen. Aber noch bevor sie eine Entscheidung treffen konnte, ob sie es zuließ oder ihn abwies, wurde ihr diese abgenommen.
Eine Welle der Erleichterung und zugleich der Enttäuschung durchströmte sie, als es an ihrer Bürotür klopfte. Die beiden nahmen Abstand voneinander und Ellen räusperte sich verlegen und strich sich ein paar unsichtbare Falten aus ihrer Kleidung. Es war schließlich Herr Grün, der für die allmorgendliche Besprechung das Büro betrat.

TBC
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