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Geboren um ein Held zu sein

GeschichteAllgemein / P16
05.07.2020
05.07.2020
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Kiara hasste Umzüge. Man kam in eine neue Stadt wo man niemand kannte und egal, wohin man wollte, ohne Karte kam man nicht zurecht. Seufzend schaute Kiara aus dem Fenster. Warum mussten sich ihre Eltern ausgerechnet für dieses Kuhdorf entscheiden. Gerade in so einem Kuhdorf war es so schwer, Freunde zu finden, weil die Einwohner Fremden gegenüber ziemlich misstrauisch waren. "Was ist los, Kiara? Heute ist so ein schöner Tag und du machst ein Gesicht wie 7 Tage Regenwetter!" "Wieso musstet ihr ausgerechnet in so ein Kuhdorf ziehen! Hier werde ich nie Freunde finden! Und es ist so langweilig hier! Hier kann man nichts machen, nicht mal ein Kino gibt es hier! Vor allem wird auf dem Dorf so rum getratscht! Hier kennt jeder jeden! Das kann ich überhaupt nicht leiden!" "Ach Schatz! Auf dem Dorf ist es doch auch interessant! Es gibt hier so viel zu entdecken und hier sind so viele Tiere! Und du hast doch auch noch beim Schulsanitätsdienst mitgemacht, als wir noch in der Stadt wohnten. Hier gibt es auch ein Ortsverein vom roten Kreuz. Melde dich da doch mal an, da findest du bestimmt Freunde! Du wirst sehen, in ein paar Wochen willst du hier nicht mehr weg!" Kiara verschränkte die Arme. Sie glaubte kaum, dass sie hier je Spaß haben würde. Aber beim DRK konnte sie sich ja trotzdem anmelden.

Endlich war es soweit. Heute fand der erste Dienstabend beim DRK statt. Kiara war froh, endlich ein wenig Abwechslung zu haben. In Wolfshausen konnte man wirklich nicht viel unternehmen und sonst war sie eigentlich viel daheim. Kiara fragte sich, wie die anderen so drauf waren. Konnte man mit ihnen feiern gehen oder waren das eher Landmenschen, die mit Ausflügen in die Großstadt nicht viel am Hut hatten?


Der DRK-Leiter wollte gerade mit dem Dienstabend beginnen, als die Tür aufging. In der Tür stand eine junge Frau, die bunte Strähnen in den schulterlangen Haaren hatte, eine Jeans Weste über ein Totenkopf-T-Shirt und dazu eine löchrige Jeans sowie halboffene Schuhe trug. An ihren Ohren hingen mehrere Ohrringe, ihre Arme und der Hals waren mit Tattoos verziert, an ihrer Nase hatte Kiara Piercings. Kiara lehnte mit verschränkten Armen am Türrahmen und kaute Kaugummi. Der DRK- Leiter kam auf Kiara zu. "Hallo! Du musst Kiara sein, stimmts?" "Korrekt." "Wir fangen gleich mit dem Dienstabend an, dann kannst du dich der Gruppe gleich mal vorstellen." "Alles klar." "So die Herrschaften, darf ich mal um eure Aufmerksamkeit bitten? Ich möchte euch jemanden vorstellen, das ist Kiara, sie möchte bei unserem Vereinsleben gerne mal reinschnuppern." "Hi, ich bin gerade erst hierher gezogen, habe vorher in Stuttgart gewohnt und gehe in Heilbronn auf ein kfm. Berufskolleg. Ich bin 21 und habe schon in meiner Realschulzeit beim SSD und beim JRK mitgemacht. Ich möchte gerne eine Ausbildung zum Sanitäter machen, deshalb bin ich hier." "Super. Das heißt, du hast schon eine erste Hilfe-Ausbildung?" kiara hob den Daumen hoch. "Perfekt. Dann herzlich willkommen, Kiara. Ich hoffe, dass es dir hier gefällt und dass wir dich noch öfter sehen werden. Dann fangen wir jetzt mal mit dem Dienstabend an. Bevor wir zum praktischen Teil übergehen, müssen wir erst einmal den Dienstplan besprechen…"
Während Adrian, so hieß der DRK- Leiter, mit den anderen Sanitätern den Dienstplan besprach, bemerkte Kiara, wie einige sie kritisch beäugten. Das lag sicherlich an ihrem sonderbaren Erscheinungsbild. Aber das war Kiara egal. Sie passte sich nicht gerne an und hatte ihren eigenen  Stil. Sie war sozusagen eine Großstadt- Rebellin, machte gerne ihr eigenes Ding. Da kümmerte es sie nicht, was die anderen von ihr dachten.

Kiara beobachtete Adrian. Er war übergewichtig, war ungefähr so groß wie sie, hatte kurzes, schwarzes Haar und blaue Augen. Er trat selbstbewusst auf, mit einer lauten Stimme und einem sympathischen Lächeln. Seine Qualifikation war Notfallsanitäter. Kiara hing ihm an den Lippen. Sie hatte ihn kaum kennen gelernt, da fiel sie schon ins Schwärmen. Sie würde definitiv heute Nacht von ihm träumen.

Später, als sie im Bett lag, dachte sie über den Dienstabend nach. Die anderen haben eher zögerlich Kontakt zu ihr aufgenommen, eine Frau schien besonders große Stücke auf sich zu halten, sie hieß isabell und erzählte, dass sie mit Adrian befreundet war und mit ihm und anderen Kollegen öfter mal was unternahm. Mit dem Team ist Kiara insgesamt nicht so gut zurecht gekommen, aber sie würde trotzdem bleiben, dafür gab es nur einen Grund: Adrian.
Irgendwann würde sie Isabells Platz an der Seite von Adrian einnehmen, da war sie sich sicher. Sie würde Isabell von ihrem Thron stoßen und Adrian hätte nur noch Augen für sie. Mit diesem Gedanken schlief Kiara ein.

Die Tage vergingen wie im Flug. Bei den Dienstabenden wurde Kiara immer noch nicht richtig warm mit den OV- Mitgliedern, der einzige, mit dem sie sich wirklich gut verstand, war Adrian. Aber sie konnte sich nie alleine mit ihm unterhalten, jedes Mal funkte Isabell dazwischen. Adrian hatte wohl auch mitbekommen, dass Kiara in der Gruppe aufgrund ihrer eigensinnigen Art schwer Anschluss fand. Aber er nahm sie trotzdem in den OV auf, weil er glaubte, dass sich in dem rebellischen Kokon ein wunderschöner Schmetterling verbarg, bei dem es nur eine Frage der Zeit war, bis er seine volle Schönheit entfaltete.

Es war Ostern. An diesem Wochenende besuchte Kiara ihre Verwandten, die auf Grund des Umzugs jetzt ganz in der Nähe wohnten. Auch ein Kumpel ihres Cousins war zu Besuch. Er war vom Typ her so ähnlich wie sie, gekleidet im Bikerstil und er fuhr eine Harley. Sein Name war Rokko. Als er Kiara sah, war er gleich angetan von ihr. Er legte den Arm um sie und pustete ihr den Rauch seiner Zigarette ins Gesicht. "Hey Süße! Du bist echt heiß! Willst du mal ne Runde mit mir auf meiner Harley drehen? Das ist echt 'n geiles Teil, Wenn du so  auf einem Ding sitzt, hast du das Gefühl, zu fliegen!" "Nein danke, Motorräder sind nicht so ganz mein Ding." Kiara schob seinen Arm beiseite. Na super. Das fing ja gut an. Sie wollte eigentlich von Adrian angehimmelt werden und jetzt wurde sie von einem Biker angebaggert. Sie hatte echt Glück. Kiara entschuldigte sich und ging ins Bad. Sobald sie die Tür hinter sich schloss, sackte sie zu Boden und begann zu weinen.
In den nächsten Tagen sah Kiara den Rocker öfter mit Jan, ihrem Cousin zusammen. Rokko ließ nichts unversucht, um mit Kiara zu flirten. Doch Kiara blockte seine Flirtversuche jedesmal ab. Eines Abends ging Kiara auf einem Feldweg spazieren. Bevor sie um die Ecke bog, hörte sie wie Rokko mit jemanden telefonierte. Dabei fiel das Wort Drogen. Kiara stutzte und versteckte sich hinter einem Baum. Sie konnte es kaum glauben. War Jans Kumpel tatsächlich in den Drogenhandel verwickelt? "Du, das ist mir scheiss egal, wie du das Zeug ranschafst. ich brauche das bis morgen, hörst du? Wenn ich das Zeug bis dahin nicht habe, mache ich dich kalt, verstanden?" Dann stieg Rokko auf sein Motorrad und brauste davon. Kiara wurde heiß und kalt. Sie musste herausfinden, was da lief. Jan musste erfahren, was für ein feiner Kumpel Rokko war. Dafür brauchte sie aber Beweise. Also beschloss Kiara, Rokko auszuspionieren. Da Rokko immer auf einem Motorrad unterwegs war, war es schwer, ihn zu beschatten. Außer, sie verwendete einen peilsender. Kiara machte sich gleich daran, einen peilsender zu besorgen. Das Schwierige war nur, den Peilsender unbemerkt an das Motorrad zu bringen. Da musste sie sich noch was einfallen lassen.
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