Komm schon, trau' dich - better late than never

von airplanes
GeschichteAllgemein / P16 Slash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
05.07.2020
16.10.2020
10
27.105
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24.09.2020 2.007
 
Mal ganz vorweg, es tut mir wahnsinnig Leid für die Pause. Ein Monat ist eine lange Zeit, ich weiß, aber wir haben die Geschichte zusammen geschrieben und von daher wollten wir auch beide glücklich sein mit der Geschichte... Ist kompliziert zu erklären, sagen wir manchmal ist das reale Leben (leider) einfach wichtiger als Geschichten zu veröffentlichen.
Aber jetzt sind wir wieder hier und ich werde die Geschichte wieder regelmäßig fortsetzten. Da heute Donnerstag ist habe ich das "jeden Sonntag" Ding verpasst, aber egal;P (besser für euch, denn dann kann ich es hochladen wann ich möchte, was vermutlich häufiger der Fall sein wird!)
So und jetzt noch mal ein dickes Sorry, ich hoffe euch gefällt die Geschichte noch immer so gut und wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!


Kaum hatte Joko die Türe aufgeschlossen, hörte er Klaas aus dem Wohnzimmer rufen:

"Joko? Bist du's?" "Wer auch sonst?"

Joko schmiss die Post, die er vom Briefkasten mit nach oben gebracht hatte, achtlos in die Küche, streifte sich die Schuhe von den Füßen und ging, nachdem er die Jacke an und die Tasche unter der Garderobe angebracht hatte, ins Wohnzimmer, wo er beinahe vor Schreck einen Schritt zurück gemacht hätte.

Klaas hatte heute den Tag über definitiv nicht nur rumgesessen.

"Wenn es dir nicht gefällt, ich hab überall die Preisschilder drangelassen und den Kassenbon habe ich auch noch!", sagte Klaas schnell.

Joko ließ den Blick langsam durch den Raum schweifen:

Er hatte Gardinen. Weiße, ohne Spitze oder sonstige Verzierungen, aber dennoch Gardinen.

Als nächstes fiel sein Blick auf eine Lampe, die über dem Wohnzimmertisch von der Decke hing. Sie war mit einem hellgrauen Stoff bespannt, der haargenau zu seinem Sofa und dem Teppich, der heute Morgen noch nicht dort gelegen hatte, passte.

Der Teppich war nicht nur einfarbig grau, sondern hatte an beiden Enden mehrere orangene Streifen, deren Farbe sich in der neuen Tischdecke auf Jokos Wohnzimmertisch wiederfanden.

Den Abschluss bildete eine Fotoleinwand, die über dem Sofa an der Wand angebracht worden war. Es war eine schwarz-weiß Fotografie des Borussia-Parks.

Es waren nur Kleinigkeiten, die Klaas verändert hatte, doch sie machten einen unglaublichen Unterschied.

"Das... wow!"

So kannte Joko sein Wohnzimmer gar nicht. Geschweige denn war ihm bewusst gewesen, dass sowas überhaupt möglich war. Es schien fast so, als ob Klaas einfach das ganze Wohnzimmer in einem Katalog genauso bestellt hatte. Joko hätte das, auch wenn er sich wirklich angestrengt hätte, nie im Leben so hinbekommen. Nie.

"Und... und das hast du alles jetzt in den paar Stunden gemacht, in denen ich weg war?"

Mal abgesehen davon, dass Joko dafür nicht nur Stunden, sondern Wochen gebraucht hätte.

"Ja, also ich hab mir deinen Zweitschlüssel geliehen und auch ein bisschen Geld aus deiner Sparbüchse... Tut mir leid, ich hätte es ja von meinem eigenen Geld bezahlt, aber ich bin derzeit ziemlich pleite."

Er grinste schief und Joko sah sich noch einmal in seinem Wohnzimmer um. Klar war es nicht ok, dass sich Klaas einfach so das Geld genommen hatte. Und dass er das Versteck gefunden hatte bedeutete, dass er herumgestöbert haben musste.

"Gefällt es dir? Ich dachte ich mach mal nur das Wohnzimmer, für das Schlafzimmer kenn ich dich noch zu wenig."

Joko schob den Anflug von Ärger über das “geliehene” Geld beiseite und nickte. "Gefällt mir gut."

Komischerweise beunruhigte der Gedanke, dass Klaas das alles getan, allein in seiner Wohnung gewesen war und sich den Zweitschlüssel genommen hatte, überhaupt nicht. Joko vertraute Klaas.

Klaas Gesicht begann zu strahlen.

"Dann lassen wir es so."

Joko nickte. "Auf jeden Fall."

"Aber jetzt du! Was wolltest du mir denn so unbedingt erzählen?"

"Ich... Das geht besser bei einem Feierabendbier."

Joko stand auf und ging in die Küche.

Sein Blick fiel auf die Post, die ungeöffnet auf dem Tisch lagen. Er griff danach und überflog die Absender. Ein Brief kam von seinem Internet-Anbieter und enthielt vermutlich eine Rechnung. Ein zweiter war Werbung und der dritte rutschte Joko beinahe aus der Hand.

Als Absender war "Staatsanwaltschaft Stadt Köln" angegeben.

Joko legte die Post wieder zur Seite. Er wusste bereits, was in dem Brief stand, und darum wollte er sich heute keine Gedanken machen, es war sowieso schon genug los.

"Joko? Bist du auf dem Weg zur Küche verloren gegangen?"

Klaas Stimme riss Joko aus seinen Gedanken.

"Komme."

Er griff zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank und kehrte ins Wohnzimmer zurück.

"Also? Was Gutes oder was Schlechtes?"

Klaas saß auf dem Sofa, hatte die Beine angezogen und nahm mit einem Nicken die Flasche entgegen, die Joko ihm hinhielt.

"Weiß ich nicht... Also mein Vorgesetzter, der war Abteilungsleiter und ist vor längerer Zeit in Pension gegangen. Und mein Chef hat immer nach einem Passenden extern gesucht, aber nie gefunden. Und heute hat er mich dann zu sich ins Büro bestellt und jetzt bin ich Abteilungsleiter."

Klaas hatte noch immer die Flasche in der Hand, hatte keinen Schluck getrunken, sondern sah Joko mit gerunzelter Stirn fragend an.

"Versteh ich nicht."

Was war daran nicht zu verstehen?

"Man, ich bin jetzt Abteilungsleiter! Ich bin befördert worden!"

Klaas schüttelte den Kopf, er hatte anscheinend immer noch keine zufriedenstellende Antwort erhalten.

"Ja, aber einfach so? Und warum sagst du, dass du nicht weißt, ob das was Gutes oder Schlechtes ist?"

"Weil ich es nicht weiß?!"

Klaas hob in einer hilflosen Geste die Hände:

"Aber das ist doch gut? Beförderung? Besseres Gehalt? Anerkennung für deinen Einsatz? Das ist doch großartig?"

Joko stellte seine Flasche auf den Tisch und vergrub das Gesicht in den Händen.

"Na...", murmelte er zwischen den Fingern hindurch, "er meinte, dass ich... neuerdings Rückgrat beweise? Ich bin heute so richtig zu spät gekommen und habe einfach die Wahrheit gesagt, dass wir feiern waren und so weiter..."

Joko hob den Kopf,

"Ich weiß einfach echt nicht, ob ich das verdient habe?"

Klaas seufzte einmal, beugte sich dann zu Joko und legte ihm eine Hand auf den Rücken, strich damit auf und ab.

"Warum solltest du denn das nicht verdient haben? Ich glaub nicht, dass ein Chef, dem seine Firma am Herzen liegt, einfach so zufällig Leute befördert."

Ja, das dachte sich Joko auch schon. Sein Chef war die fünf Jahre, in denen er hier war, immer sehr professionell gewesen. Die Firma lag ihm wirklich am Herzen. Und trotzdem blieb das komische Gefühl in Joko.

"Aber in meinem jetzigen Job bin ich gut. Ich mag meine Kollegen und verstehe mich mit allen. Ich weiß was ich zu tun habe, und kann das auch. Das ist nie zu viel Arbeit und ich kann auch öfters Pausen machen, wenn ich will. Aber beim neuen Job... Ich bin dann nicht mehr ihr Kollege sondern ihr Vorgesetzter."

"Das muss aber an eurem Verhältnis zueinander nichts ändern. Du bist ihr Vorgesetzter, nicht ihr Offizier. Wenn du fair bist und bleibst, nichts Unmögliches oder Dinge verlangst, die du selbst nicht leistest und du dir die neue Position nicht zu Kopf steigen lässt, bleibt alles so wie es ist, nur dass du ab jetzt die Aufgaben zuteilst.", Klaas strich noch einmal über Jokos Rücken, "und ich bin sicher, deine Kollegen freuen sich für dich."

Jokos Zweifel waren nach Klaas' Worten zwar lange noch nicht gänzlich verflogen, aber er fühlte sich trotzdem etwas besser.

Klaas lächelte. "Gib dir ein bisschen Zeit, so große Veränderungen im Leben können ganz schön an den Kräften zehren."

Joko presste die Lippen zusammen. Klaas hatte ja keine Ahnung.

"Also wie ich das sehe, ist das eine gute Veränderung!"

Klaas lehnte sich zurück und griff wieder nach seiner Flasche.

"Das wird sehr sehr gut und ich bin stolz auf dich!"

Joko sah blicklos auf sein Bier hinab. Klaas war stolz auf ihn? Das hatte er schon sehr lange nicht mehr gehört...

"Klaas... Ich weiß nicht ob das..." "Jetzt komm schon. Joko, du bist gerade befördert worden! Das müssen wir feiern!"

Klaas ignorierte Jokos unsicheren Blick gänzlich.

"Auf dich!" Er hob sein Bier und Joko ließ seine Flasche dagegen klirren, trank dann einen Schluck.

Doch dann klopfte Klaas Joko auf den Schenkel. "Würde sagen das große Feiern verschieben wir, ich muss jetzt dann los."

Joko sah Klaas fragend an. Aber es stimmte, er hatte ja selbst geschrieben, dass er nur bis sechs Zeit hatte.

"Wohin eigentlich?"

Klaas lachte leise, stand vom Sofa auf.

"Nicht alle arbeiten von acht bis vier. Manche fangen später an."

Klaas ging in den Flur, ließ seine halbvolle Flasche auf dem Tisch stehen und zog sich seine Jacke an.

"Was arbeitest du eigentlich?"

Joko ging zu Klaas auf den Flur, Klaas stand schon vor der Türe und zog sich seine Schuhe an.

"Das Feiern holen wir am Wochenende nach. Bis dann."

Lachend hob er eine Hand, als er die Treppe runterging. Und ließ Joko genauso unwissend wie vorher zurück.

Er drehte sich um und ging zurück in die Küche, wo ihm der Brief vom Gericht wieder einfiel. Joko seufzte und blieb unschlüssig im Türrahmen stehen.

Er wusste, er musste den Brief irgendwann öffnen und den Termin, der ihm darin sicher mitgeteilt wurde, in seinen Terminkalender eintragen, doch noch zögerte er das alles ein wenig heraus.

Er hatte schon jetzt Angst vor der Situation in der Anhörung. In die Gesichter zu und den bitteren Zug um den Mund zu sehen, den Vorwurf in den Augen zu lesen und genau zu wissen, dass man ihn kein Wort glaubte.

Joko nahm lose den Brief in die linke und hatte ihn schon halb aufgerissen, als sein Handy in seiner Hosentasche piepste. Dankbar über die Ablenkung warf er den Brief auf den Tisch zurück und zog das Handy aus der Hosentasche.

Es war eine SMS und als er den Absender sah, verschluckte er sich fast an seiner eigenen Zunge:

Melissa / 16:37 Uhr:

Wenn du deinen Liebhaber zum Gerichtstermin mitbringst, gehe ich.

Er konnte den Ton in ihrer Stimme hören, obwohl es nur eine SMS war.

Joko legte das Handy zur Seite und sank kraftlos auf einem der Stühle nieder.

Er hätte sie anders einspeichern sollen. Natürlich hieß sie Melissa, aber sie war nicht mehr die Melissa von früher. Vielmehr hätte sie "Böse Furie" oder "Hexe" heißen müssen, nach alledem, was sie Joko an den Kopf geworfen hatte.

Aber nicht einmal das schaffte er, er hatte einfach keine Kraft dazu.

Und welcher Liebhaber denn überhaupt? Klar, sie hatte ihn mal mit Klaas gesehen, aber er war ja noch lange nicht sein Liebhaber.

Und er würde auch garantiert nicht mit vor Gericht erscheinen, Klaas wusste ja von rein gar nichts.

Und wenn Joko nicht müsste, wegen... naja wenn er nicht müsste, dann wäre er garantiert auch Zuhause geblieben. Es gab nichts mehr, was er von ihr wollte oder ihr noch zu sagen hatte. Eigentlich hätte er sie gerne nie wieder gesehen. Was sich aber leider nicht vermeiden ließ.

Joko verschränkte die Arme auf der Tischplatte und legte seinen Kopf darauf ab.

In den letzten 24 Stunden war so viel passiert: das verpatzte Date, der Ausflug in den Club, der erste Kater seit bestimmt zwanzig Jahren, eine Beförderung und ein komplett umgestaltetes Wohnzimmer.

Plötzlich brach die Müdigkeit über Joko herein wie eine Welle.

Er stand auf, schleppte sich ins Bad und danach in sein Schlafzimmer, wo er in sein Bett sank.

Mitten in der Nacht schreckte Joko plötzlich aus dem Schlaf.

Als er auf sein Handy sah, war da noch eine SMS.

Josh / 01:23 Uhr:

Ich freue mich schon, dich wieder zu sehen.

Joko sank zurück in sein Kissen und kniff die Augen zusammen, doch die Tränen flossen auch unter den geschlossenen Augenlidern hervor.

Warum war das alles so verdammt schwer?
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