Komm schon, trau' dich - better late than never

von airplanes
GeschichteAllgemein / P16 Slash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
05.07.2020
16.10.2020
10
27.105
17
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25 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
09.08.2020 2.110
 
Na ihr süßen Süßmäuse? (Bitte mit viel Sarkasmus und in Klaas' Stimme lesen)
Es ist wieder Sonntag, das heißt neues Kapitel! Ich hab derzeit super wenig Zeit um Kommentare zu beantworten, aber ich verspreche euch ich werde es machen. Hoch und heilig! (Vor allem weil ich mich wirklich über jedes einzelne super freue und dann immer gleich fett grinse;D)
So und jetzt viel Spaß beim Lesen:)

PS: Naa? Wer ist denn Jokos Chef in dem Kapitel? Erkennt ihn jemand? :)



Das erste, das Joko nach seinem übermäßigen Alkoholkonsum wahrnahm, war die Sonne, die durch einen schmalen Spalt zwischen seinen Gardinen fiel. Dem Sonnenstrahl folgten, nicht Mal eine Sekunde später, die schlimmsten Kopfschmerzen, die er jemals erlebt hatte.

Er stöhnte und dreht sich zur Seite und sein Blick fiel auf seinen Wecker.

11 Uhr.

Joko schloss die Augen, wollte gerade wieder einschlafen, als ihm bewusst wurde, dass es Freitag war.

Freitagvormittag, 11 Uhr.

Er sprang fluchend auf die Füße und bereute diese Entscheidung prompt, denn alles um ihn herum begann sich zu drehen, sein Kopf hämmerte im Takt der Musik von gestern Abend und sein Magen drehte sich um.

Er stürmte ins Bad und schaffte es gerade noch rechtzeitig zur Toilettenschüssel.

Nachdem er seinen Magen mehr als gründlich entleert hatte, setzte er sich auf und ließ sich erschöpft gegen die kalten Badezimmerfliesen sinken. Er wollte sich nur einen Moment Ruhe gönnen, bevor sich wieder stöhnend aufsetzte.

'Wer sich die Nächte um die Ohren schlagen kann, der kann auch am nächsten Tag arbeiten gehen.' Das hatte er schon als Kind von seiner Oma gehört. Und deswegen musste er sich jetzt dringend ein bisschen frisch machen und dann auf dem schnellsten Weg zur Arbeit fahren.

Mit zugekniffenen Augen tapste er in sein Schlafzimmer, schaffte es irgendwie sich ein Hemd überzuziehen und in eine der neuen Hosen zu schlüpfen. Er torkelte zurück ins Bad und durchwühlte seinen Spiegelschrank nach einer Schmerztablette. Ohne die würde es heute definitiv nicht gehen.

Als er sich ein wenig kaltes Wasser ins Gesicht gespritzt und die Tablette geschluckt hatte, ging er in den Flur. Er hatte zum Glück schon am Vortag seine Tasche für die Arbeit gepackt. Und so zog er sich seine Lederschuhe an und wollte nach seinen Schlüsseln greifen, als ihm plötzlich eine Jacke auffiel, die an der Garderobe hing.

Hatte er gestern eine fremde Jacke mitgenommen? Daran konnte er sich beim besten Willen nicht mehr erinnern.

Er wollte in eine der Taschen greifen um Genaueres herauszufinden, als er über ein fremdes, viel zu kleines Paar Schuhe stolperte.

Doch die Schuhe und die Jacke... Joko sah von den Schuhen hoch, betrachtete die Jacke und hatte plötzlich eine Idee, wem die Dinge gehören könnten.

Er schlich auf Zehenspitzen ins Wohnzimmer und tatsächlich lag dort, bis auf Jacke und Schuhe komplett angezogen, ein schlafender Klaas auf Jokos ausziehbarer Couch.

Klaas schnarchte leise und Joko schüttelte schmunzelnd den Kopf, bevor er die Wohnzimmertür wieder schloss und zurück zur Garderobe schlich.

Er verließ die Wohnung und ignorierte tapfer seine Kopfschmerzen, bis die Wirkung der Tablette einsetzte, was kurz bevor er im Büro ankam der Fall war.

Als er den Aufzug in den elften Stock nahm begann sein Herz vor Aufregung zu klopfen.

Er war noch nie in seinem ganzen Leben zu spät in der Schule, bei der Arbeit oder zu einer Verabredung gewesen. Noch nie.

Hätte es ein Donnerwetter gegeben?

Der Aufzug machte ein leises Geräusch und eine ruhige Frauenstimme verkündete "Elfter Stock".

Die Türen glitten auseinander und Joko ging zuerst den breiten Gang entlang, dann durch die Glastür zum eigentlichen Büro.

Am Empfang warf ihm Daniel, der Portier, einen verwirrten Blick zu.

Joko grüßte mit einem Nicken und begab sich schnurstracks zu seinem Büro, das er sich mit drei anderen Kollegen teilte, die aber wie durch eine glückliche Fügung alle nicht da waren.

Auch wenn sein Körper förmlich nach einer Tasse Kaffee schrie, ging er trotzdem zuerst zu seinem Schreibtisch um den Computer hochzufahren.

Sein Blick glitt über die Tischplatte, auf der ein Computer, mehrere Ordner mit Unterlagen und ein paar wenige Bilder standen. Teilweise standen dort noch die gleichen wie vor einem halben Jahr, aber die meisten waren seit der Trennung in der untersten Schreibtischlade verschwunden und wären da auch nicht mehr so schnell wieder rausgekommen.

Er wollte gerade aufstehen, um sich eine Tasse Kaffee zu holen, denn anders schaffte er den Tag garantiert nicht, als er plötzlich spürte wie jemand hinter ihm stand.

"Winterscheidt."

Diese Stimme er kannte Joko sofort. An normalen Tagen, da war sie ihm egal. Er wusste, er war gut in seinem Beruf und es machte ihm auch Spaß, was er machte. Doch heute, nachdem er viel, wirklich viel zu spät war, da wollte er seinem Chef lieber nicht begegnen.

"Ähm, Guten Morgen Herr Hennegan."

Seine Stimme zitterte ein wenig, er hatte immer schon gehörigen Respekt vor Autoritätspersonen und vermied so ziemlich jeden Konflikt mit ihnen.

"Warum waren Sie bis jetzt nicht hier? Die Akte sollte bis heute neun Uhr bei mir sein!"

Sollte Joko die Wahrheit sagen? Er hasste nichts mehr als Lügen, vor allem nachdem ihm genau das an den Kopf geworfen war. Und außerdem warf ihn sein Chef sicher nicht raus, dafür war er zu gut in seinem Job.

Und so stand Joko aus seinem Drehbürostuhl auf und stellte sich vor seinen Chef hin, sah ihm in die Augen.

"Es tut mir leid und es wird auch nicht mehr vorkommen. Ich war gestern zu lange feiern, ein Freund hat mich davon überzeugt. Und heute hat dann mein Wecker nicht geklingelt. Wie gesagt, es wird nicht wieder vorkommen."

Herr Hennegan hob eine seiner buschigen Augenbrauen, stampfte davon und Joko fiel ein Stein vom Herzen.

Das Stampfen beunruhigte jeden, der den Chef noch nicht kannte, doch er stampfte eigentlich immer.

Sein schwerer Gang mochte daran liegen, dass er so groß und muskulös war, doch wenn man erst einmal eine Weile hier arbeitete, gewöhnte man sich daran, die donnernden Schritte nicht als Zeichen der Wut zu interpretieren.

Als die Schritte seines Chefs verklungen waren, stand Joko auf und holte sich endlich seine ersehnte Tasse Kaffee.

Mit ausreichend Koffein bewaffnet kehrte er an seinen Schreibtisch zurück und machte sich mit Feuereifer daran, die Akte nachzuliefern, die Herr Hennegan von ihm verlangt hatte.

#

"Joachim? Herr Hennegan möchte dich sprechen. Jetzt gleich."

Es war inzwischen Nachmittag. Joko hatte seit seiner Ankunft ununterbrochen gearbeitet, um die versäumte Zeit aufzuholen.

Doch jetzt riss ihn diese Stimme aus seiner Konzentration.

Er blickte auf und sah in die Augen des Chefsekretärs, Jakob.

Oh nein. War Herr Hennegan doch sauer auf ihn? Wollte er ihn zur Rede stellen, ihn vielleicht sogar kündigen?

"Weißt du..." Er räusperte sich einmal, die Nacht machte sich vor allem an seiner Stimme bemerkbar. "... weißt vielleicht warum?"

Jakob schüttelte den Kopf.

"Er sagte es sei wichtig."

Was wollte denn sein Chef so dringend? Er hatte ihn noch nie einfach so in sein Büro zitiert. Das musste sicher an heute Morgen liegen...

Wenn er seinen Job jetzt verlor, dann hätte er Klaas umgebracht, sobald er ihn in die Finger bekommen hätte.



Artig blieb er vor der Türe stehen als Jakob anklopfte und dann den Kopf durch die Tür steckte.

"Herr Winterscheidt ist jetzt hier. Soll er... ok."

Er drehte sich zu Joko um und deutet ihm einzutreten, schloss dann die Türe hinter ihm, als Joko das Büro betreten hatte.

"Ich hab die Akte schon fertig, ich hab sie Ihnen schon vor ein paar Stunden geschickt! Und ich schwöre Ihnen, dass das nicht noch einmal vorkommen wird."

Er klang nicht bettelnd, er sagte einfach nur die Wahrheit. Denn das hier und auch sein Auftreten in der Früh waren ihm so peinlich, dass er sich zur Sicherheit ab jetzt fünf Wecker stellte.

"Herr Winterscheidt. Please, setzen Sie sich."

Jokos Chef kam aus Amerika. Er hatte den Posten übernommen, als sein alter Chef in Pension gegangen war und seit dem einige Änderungen in Gang gesetzt. Früher hatten Sie beispielsweise immer alleine oder auch mal zu zweit ein kleines Büro gehabt, aber er hatte das gesamte Stockwerk mit ein paar wenigen Ausnahmen zu einem Großraumbüro ganz nach dem amerikanischen Vorbild umbauen lassen.

"Lassen Sie uns über Ihr Job sprechen. Sie arbeiten hier schon lange. Sie machen Ihr Job gut, aber... mir hat da immer gefehlt etwas. Etwas... something special, you know?"

Joko hatte keinen Schimmer, was sein Chef von ihm wollte, also lächelte er unverbindlich und wartete darauf, dass Herr Hennegan weitersprach.

"Your work was good, verstehen Sie mich nicht falsch. Nur in letzter Zeit Sie haben etwas mehr Bienen im Hintern. Und jetzt. You show backbone now, Herr Winterscheidt, und mir gefällt das! Sie waren ehrlich als Sie sagen warum Sie nicht da waren this morning. Das war gut! Keine Lüge. I like it!"

Herr Hennegan lachte dröhnend.

"Ich haben ein bisschen nachgedacht und ich will Sie befördern. Die Position von Ihren head of department ist unbesetzt gerade, weil ich warte auf den richtigen Bewerber.“

Er wollte was? Ihn Befördern? Joko machte also jahrelang ganz brav seine Arbeit, dann machte er einen Fehler und wurde befördert?

Und wollte er das überhaupt? Er fühlte sich wohl an seinem Arbeitsplatz, er hatte nette Kollegen...

"Head of department?"

Herr Hennegan nickte. "Yes, was ist das deutsche Wort? Ähm… Abteilungsleiter? That's a complicated word, wow. Aber ja, das ist Ihr neue Job. Sie bekommen mehr Gehalt und ein eigenes Office. Also, dann..."

Er stand auf und streckte Joko seine Hand hin. "Congratulations! Sie sind befördert worden!"

Joko schüttelte geistesabwesend die Hand seines Chefs und musste sich zusammenreißen, sein Gesicht nicht zu verziehen, als sein Chef seine Hand mit dem Händedruck förmlich zerquetschte.

Er zwinkerte ihm zu. "Sie müssen arbeiten daran, ist like a lady! Und jetzt packen sie Ihr Sachen in eine Karton und dann Sie haben morgen eine neue Office! Die IT wird Ihren Computer umbauen, ja."

"Ja, dann... vielen Dank."

Und bevor er richtig realisiert hatte, was hier gerade passiert war, stand er auch schon vor dem Büro seines Chefs, wo Jakob bereits grinsend auf ihn wartete.

"Glückwunsch, Joachim!"

"Du... wusstest was er will?"

"Klar. Gibt wenig das ich nicht über diese Firma weiß."

"Dann hast du gelogen!"

Wieder grinste Jakob:

"Klar. Ich wollte dir die Überraschung nicht verderben. Und jetzt ab mit dir. Dein neues Büro ist Raum 2209. Du kannst nachher umziehen und morgen direkt dort anfangen."

Als Joko in seinem alten Büro ankam, ließ er sich in seinen Bürostuhl sinken und starrte einen Moment einfach nur die Wand an.

Abteilungsleiter? Er?

Konnte er das überhaupt?

Er zog sein Handy aus der Hosentasche und suchte Klaas' Kontakt:

Joko / 15:01 Uhr:

Es ist was Verrücktes passiert. Ich muss es dir erzählen. Sehen wir uns heute Abend?

Es dauerte einen Moment, doch dann piepste Jokos Handy einmal leise. Er hatte eine neue Nachricht.

Klaas / 15:09 Uhr:

Rate mal, wo ich noch bin...

Es folgte ein Bild von Klaas, viel mehr ein Selfie. Von ihm, breit grinsend und auf einem Kissen, das Joko sehr bekannt vorkam. War Klaas noch immer in seiner Wohnung? Hatte er denn keinen Job, zu dem er musste? Es fiel Joko auf, dass er zwar ganz viel Zeit mit dem Kleineren verbrachte und ihm auch wirklich oft schrieb, doch so wirklich viel wusste er nicht über ihn.

Klaas / 15:11 Uhr:

Aber ja, können gerne reden, muss nur um 6 weg.

Hatte er heute wieder ein Date? Wenn man seine Bettgeschichten denn überhaupt so nennen konnte...

Das war etwas, das Joko nie verstanden hatte. Er zeigte mit Sex und Zuneigung, dass er eine Person liebte und ihr vertraute. Er sagte sowas nicht, er drückte es damit aus.

Darum verstand er ja auch seinen besten Freund Matthi nicht. Eigentlich war er wie Klaas, nur eben hetero. Er hatte eine Bettgeschichte nach der anderen, war zwar sehr wählerisch, doch trotzdem bekam er jede Frau, die er wollte. Was natürlich auch an seinem Aussehen lag. Joko hatte keine Ahnung wie er das schaffte, doch er war selbst in seinem Alter noch ziemlich gut durchtrainiert, ging mehrmals die Woche laufen und ins Fitnessstudio. Das letzte Mal, dass Joko ein Fitnessstudio betreten hatte, das war sicher schon mehrere Jahrzehnte her.

Doch zwischen Matthi und Klaas gab es einen großen Unterschied: Klaas war nicht verheiratet. Und hatte auch keine Kinder, denen er immer eine heile Welt vorspielte. Oder hatte er vielleicht doch Kinder, doch Joko wusste es einfach nicht?
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