Komm schon, trau' dich - better late than never

von airplanes
GeschichteAllgemein / P16 Slash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
05.07.2020
16.10.2020
10
27.105
18
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
12.07.2020 2.463
 
Welcome back:)
Ich habe leider vergessen beim ersten Mal hinzuzufügen, dass neue Kapitel JEDEN SONNTAG kommen. Und jetzt viel Spaß mit dem weiteren Verlauf ihres Dates, das sich als ein bisschen anders als erwartet herausstellt;D
(PS, ich bzw wir freuen uns immer über Reviews, damit ich/wir wissen ob euch unsere Geschichte gefällt)




Joko war sich zwar nicht sicher, was genau Klaas bei ihm zu Hause wollte, es war immerhin ihr erstes Date. Aber vielleicht wollte er auch einfach einen ruhigen Platz finden, um Joko näher kennen lernen zu können.

Also trank er ebenfalls seine Flasche aus und folgte dem kleineren Mann auf die Straße. Nachdem er hinter ihm ging, kam Joko nicht darum herum, Klaas ein wenig zu beobachten:

Klaas war ganz in schwarz gekleidet, hatte eine eng anliegende Hose und ein ebenso enges schwarzes Shirt an. Sport schien er nicht zu machen, zumindest hatte er keine auffallenden Muskeln, die sich unter dem Shirt abzeichneten.

Am Fahrradständer angekommen öffnete Joko das Schloss seines Rades, Klaas griff in seine Hosentasche und holte etwas raus. Fragend hielt er Joko auch die Packung Zigaretten hin.

“Nee.” Joko schlang das Schloss um den Gepäckträger. “Ich bin seit Jahren Nichtraucher. Aber Danke.”

Klaas zuckte die Schultern:

"Aber es stört dich nicht, wenn ich nach Rauch rieche? Ich kann dann auch einen Kaugummi kauen oder so."

"Ne, das passt schon."

'Seltsames Angebot' dachte Joko, als er seine Schritte in Richtung seiner Wohnung lenkte.

Als sie eine Weile die Straße hinunter gegangen waren und Klaas schweigend geraucht hatte, drehte Joko seinen Kopf zu ihm:

"Kommst du ursprünglich aus Köln?"

"Ne. Ich komme aus Oldenburg."

Klaas schnippte die Kippe weg.

"Und du?"

"Mönchengladbach. Ich war noch nie in Oldenburg."

"Lohnt sich auch nicht wirklich. Also Oldenburg ist schon nicht schlecht, aber halt auch nicht so wirklich besonders. Ich komme nicht direkt aus der Innenstadt, sondern aus einem nördlichen Stadtteil."

"Ich komme auch nicht direkt aus Gladbach."

Klaas nickte nur und wieder gingen sie schweigend nebeneinander her, bis sie kurze Zeit später vor Jokos Wohnung standen. Er war nach seiner Trennung in eine einfache Zwei-Zimmer-Wohnung gezogen, denn er brauchte ja nicht viel Platz und die Wohnung reichte allemal, vor allem, weil er meistens sowieso so lange bei der Arbeit war, dass er Zuhause quasi nur schlief.

"Ja, also da wären wir." Klaas sah an dem einfachen Plattenbau hoch, der durch ein paar Straßenlaternen spärlich beleuchtet wurde.

Es war keine schlechte Gegend in der Joko wohnte. Meistens traf man hier alte Leute oder junge Familien. Die Mieten hier waren überschaubar, weshalb das Viertel auch schnell wuchs.

Joko bedeutete Klaas kurz zu warten und ließ ihn alleine stehen, um sein Rad in den Keller zu bringen. Jeder Mieter hatte dort seine eigene kleine Zelle, in der er verstauen konnte, was er wollte.

Joko brachte sein Rad hier immer unter, er hatte einfach zu viel Angst davor, dass es ihm gestohlen wurde, wenn er es draußen abschloss.

Als er den Lichtschalter betätigte, flammte eine kleine Glühbirne flackernd auf und spende ihr spärliches, kühles Licht. Sofort fiel sein Blick auf die Kisten und Umzugskartons, die unberührt und bereits leicht angestaubt in einer Ecke standen.

Er hatte es bis jetzt nicht geschafft, sie auszupacken, hatte sie nach seinem Umzug einfach in den Keller gestellt und sie seitdem nicht mehr beachtet.

Natürlich war alles Lebensnotwendige wie Küchengeschirr, Handtücher und ähnliches bereits in der Wohnung, doch die Kiste, die ganz obenauf stand, hatte die Aufschrift "Fotoalben" auf dem Deckel.

Es waren Fotoalben voller Erinnerungen, die er momentan lieber im Keller aufbewahrte.

Zu frisch waren die Erinnerungen und zu neu die Erkenntnis, warum er ihnen beiden diese Schmerzen hatte zufügen müssen.

Joko schüttelte den Kopf und lenkte seine Gedanken auf Klaas, der auf dem ersten Treppenabsatz stand und ein Bild an der Wand musterte:

"Wer hängt denn Bilder im Treppenhaus auf?" fragte er, als sie drei weitere Bilder passierten, während sie die Stufen in den dritten Stock erklommen.

"Der Sohn vom Eigentümer wohnt im Erdgeschoss und seine Frau malt hobbymäßig."

"So."

Sie erreichten Jokos Wohnungstür, vor der sich einige Paar Schuhe unordentlich stapelten.

"Schuhe bitte draußen ausziehen, wenn das geht."

"Ich hab sie ja sowieso nicht mehr lange an." murmelte Klaas, während er mit der Schuhspitze des einen den Schuh von der Ferse des anderen Fußes schob.

Joko, der gerade damit beschäftigt war, die Tür aufzuschließen, drehte sich halb zu Klaas um:

"Hmh? Was sagst du?"

"Ach, nicht so wichtig. Schön hast du es hier."

fügte Klaas hinzu, als er hinter Joko den schmalen Flur und danach das Wohnzimmer betrat.

Klaas blieb in der Tür des Wohnzimmers stehen und sah sich einmal um.

Es war Joko schon klar, dass man seinen Stil ganz leicht als 'minimalistisch' bezeichnen konnte, immerhin besaß er keine einzige Pflanze und Bilder hingen auch nicht an seinen Wänden. Doch er kam einfach nicht dazu Dinge zu kaufen und mittlerweile hatte er sich an die kahlen, weißen Wände gewöhnt.

Joko stand ein wenig verloren vor dem Sofa und sah zu Klaas, der immer noch im Türrahmen stand. Er wusste nicht genau, wie das ganze jetzt weiterlaufen sollte.

Denn immer wenn Joko eine Frage stellte, die Klaas’ Leben betraf, dann beantwortete der Andere diese zwar, doch es kam keine Frage zurück. Jokos Vermutung, dass es Klaas einfach nicht interessierte, wuchs. Aber wieso war er dann hier?

"Und wo ist dein Schlafzimmer?" Klaas hatte seine Unterlippe zwischen seine Zähne gesogen und biss sich leicht darauf, funkelte Joko an während er langsam auf ihn zuging.

Schlafzimmer? Wieso denn Schlafzimmer? Sollte er Klaas jetzt eine kleine Führung geben? Dafür kannten sie sich doch eindeutig zu wenig...

"Ähm, also du kannst dich auch hier hinsetzen." Joko deutete zum Sofa und Klaas sah ihn wieder kurz fragend an, bevor er nickte und sich auf das Sofa fallen ließ. "Ok, dann eben hier."

Joko wusste wirklich absolut nicht was Klaas wollte, er sprach nur in Rätseln.

"Ich geh mal schnell aufs Klo. Wartest du hier?"

Klaas hob seinen Kopf und grinste nach oben. Seine Augen funkelten trotz des wenigen Lichts, sahen sie immer so aus?

"Hey, ich lauf dir sicher nicht weg."

Joko nickte und verließ den Raum.

Während er auf der Toilette saß, dachte er über die seltsame Situation nach, in der er sich gerade befand.

Und plötzlich beschlich ihn eine furchtbare Idee.

Was, wenn Klaas...

Joko zog die Augenbrauen zusammen, stand auf und spülte.

Nein. Klaas war kein Krimineller, der Joko an einen unbeobachteten Ort gelotst hatte, um ihm etwas anzutun.

Dann hätte er niemals eingewilligt, sich zunächst an einem öffentlichen Ort zu treffen, wo eine ganze Bar voller Menschen sie zusammen gesehen hatte, wo vielleicht sogar eine Überwachungskamera hing.

Während er sich die Hände wusch, betrachtete Joko sich selbst im Spiegel.

Seine Brille war leicht verbogen. Er musste dringend zum Optiker, doch seine Haare saßen ausnahmsweise sehr ordentlich und keine Strähne machte Anstalten, ein eigenen Willen zu entwickeln, wie sie es sonst so oft taten.

Als Joko das Wohnzimmer wieder betrat, saß Klaas immer noch an Ort und Stelle.

Kaum trafen sich ihre Blicke, streckte Klaas seine Hand aus:

"Komm mal her."

Er zwinkerte zum hundertsten Mal an diesem Abend, zumindest kam es Joko so vor, und reichlich verwirrt ob der Einladung auf seine eigene Couch setzte sich Joko neben Klaas.

"Möchtest du was trinken? Ich habe Bier, Leitungswasser... Tee... Da war's."

Er machte Anstalten sich sofort wieder zu erheben, doch Klaas schüttelte den Kopf und griff nach Jokos Handgelenk:

"Ich möchte jetzt nichts trinken."

Er rutschte auf Joko zu, der immer noch dabei war, diese ganze Situation einzuschätzen, doch bevor ihm dies möglich war, lag schon unvermittelt eine Hand auf seinem Oberschenkel. Er sah verwundert runter, denn er hatte niemals erwartet, dass so etwas beim ersten Date üblich war.

Joko hob seinen Blick wieder und sah Klaas in die Augen. Der biss sich erneut in die Unterlippe, bevor der Abstand zwischen ihren Köpfen immer geringer wurde. Er würde doch nicht... Wollte er Joko jetzt küssen?

Eine Hand, die sich in seinen Nacken legte, schien genau das zu beweisen. Joko bekam eine leichte Gänsehaut am ganzen Körper, als er Klaas Lippen ganz zart auf seinen spürte.

Viel zu lange hatte er schon niemanden mehr geküsst. Die Hand in seinem Nacken begann ihn ein wenig zu kraulen, gleichzeitig drückte Klaas Joko aber auch näher an sich.

Was war das für ein Date? Klaas wusste doch fast gar nichts über Joko und trotzdem küsste er ihn schon? Es war kein schlechter Kuss, ganz und gar nicht. Doch Joko konnte den Kopf nicht ganz ausschalten.

Doch Klaas schien sehr genau zu wissen, was er wollte. Er hatte mittlerweile seinen Mund ein bisschen geöffnet, gerade so, dass er mit seiner Zunge über Jokos Unterlippe lecken konnte. Joko schmeckte Zigarette und Bier, aber seltsamerweise störte ihn das nicht.

Je intensiver der Kuss wurde, desto mehr schaltete sich Jokos Kopf aus, bis er irgendwann nur noch fühlte und intuitiv handelte.

Er legte seinerseits die Hände um Klaas' Körper und genoss die Nähe, wenn sie auch etwas plötzlich gekommen war.

Doch Klaas war ihm definitiv nicht unsympathisch und sah zudem gut aus, also beschloss Joko, den Kuss einfach zu genießen.

Er wurde jedoch sehr abrupt aus dem wohligen Gefühl, das der Kuss in ihm ausgelöste, gerissen, als Klaas’ Hand unter unmissverständlichen Absichten zu Jokos Hosenknopf wanderte.

Joko zuckte zurück und blinzelte den Schleier, der sich über seine Augen gelegt hatte, energisch weg:

"Was... was machst du denn da?"

Klaas blinzelte Joko zu. "Nur ein bisschen Spaß. Lass mich mal machen, ich weiß was ich tue."

Joko griff nach Klaas’ Handgelenk, hielt seine Hand fest, als er Anstalten machte, Jokos Hosenknopf endgültig zu öffnen.

"Und was genau machst du?"

Klaas grinste dreckig, leckte sich über die Unterlippe und nickte.

"Du willst darüber reden? Ok, kann ich gerne machen. Ich werde jetzt in deine Hose fahren und dann wirst du ein bisschen Spaß haben."

Bitte was? Was wollte Klaas? Joko sprang schnell vom Sofa auf, das ging ihm definitiv zu schnell.

"Was denn? Ich dachte das war der Sinn des Treffens?"

"Das..."

Es dauerte noch den Bruchteil einer Sekunde, bis Joko Begriff.

Urplötzlich machte dieser ganze, seltsame Abend Sinn:

Die Uhrzeit und der Ort des Treffens, dass Klaas direkt zu ihm hatte kommen wollen, wieso er keine Anstalten gemacht hatte, Joko näher kennen lernen zu wollen und schlussendlich warum er nach Jokos Schlafzimmer gefragt hatte:

Sie hatten gerade kein erstes Date, sondern ein Sexdate.

"Ich... Nein, das tut mir leid, da gab es wohl ein Missverständnis!"

Klaas schien verblüfft, fasste sich aber sehr schnell wieder:

"Du dachtest, wir haben hier ein... Date?" Er grinste. "Das haben wir ja gerade noch rechtzeitig herausgefunden."

Jokos Hals war wahrscheinlich rot wie eine Tomate, wie immer wenn er nervös oder ihm etwas peinlich war.

"Ich... das..." Joko hatte keine Worte für diese Situation, er wollte sich einfach nur in Luft auflösen.

Doch Klaas lächelte nur.

"Ist doch nicht schlimm. Aber... heißt das, dass da heute Abend trotzdem nichts läuft? Wir könnten ja ein bisschen Spaß haben und du suchst an nem anderen Tag deine große Liebe?"

Doch Joko schüttelte den Kopf und setzte sich zu Klaas aufs Sofa.

"Das tut mir so Leid, wirklich. Du denkst, dass da was läuft und dann..."

Klaas lachte nur wieder, er schien das Ganze mit Humor zu nehmen.

"Ist wirklich nicht schlimm. Und du bist also auf der Suche nach was Festem? Gar kein Interesse an einem One Night Stand?"

"Ich..."

Es gab keinen Zweifel mehr. Joko konnte spüren, dass sein Hals mittlerweile feuerrot war.

"Ich... also nein. Ich will echt kein... also... Ich hab noch nie..."

Klaas schien genau zu bemerken, dass Joko das ganze Thema wahnsinnig unangenehm war, denn er unterbrach ihn:

"...einen One Night stand gehabt, alles gut. Das muss dir ehrlich nicht peinlich sein. Nichts beim Sex muss einem jemals peinlich sein. Auch nicht, wenn‘s gar nicht so weit kommt. Man kann doch über alles reden. Keine Sorge."

Sein Lächeln war dabei so ehrlich und aufrichtig, dass Joko im Bruchteil einer Sekunde entschied, die Wahrheit zu sagen:

"Nee, ich hab... noch nie... also, gar nicht."

Doch auch diese Neuigkeit schien Klaas keinesfalls aus der Ruhe zu bringen.

Im Gegenteil, er klopfte auf die Couch neben sich.

"Komm her, ich falle schon nicht über dich her!"

Als Joko mit gebührendem Abstand neben seinem Gast Platz genommen hatte, fuhr Klaas fort:

"Das kann ich verstehen. Mein erstes Mal war ein One Night Stand und im Nachhinein betrachtet hätte ich es gerne geändert. Nicht, weil was Schlimmes passiert ist, sondern eher weil ich mittlerweile Sex mit und ohne Gefühle kenne und der mit natürlich was Besonderes ist, und für ein erstes Mal eher angemessen. Ist ja auch ziemlich aufregend. Und hör schon auf dich zu schämen!"

Er legte kurz seine Hand auf Jokos.

"Es gibt nichts, wofür du dich schämen müsstest. Alles gut. Kleines Missverständnis."

Joko seufzte, unendlich erleichtert darüber, dass Klaas’ so verständnisvoll und nett reagierte.

"Aber darf ich dich was fragen? Warum meldest du dich bei Grindr an, wenn du nicht auf Sex aus bist?"

Joko seufzte wieder, das war alles so neu. Aber wo meldete man sich denn sonst an, wenn man andere Männer kennen lernen wollte? Denn die Bar sah auch nicht so aus, als ob man sich dort richtig unterhalten konnte.

"Ja tut mir leid, ich... naja ich komm aus einer langen Beziehung und..."

Klaas lächelte:

"Und weißt nicht wie und was. Ich muss zugeben, ich finde das schon etwas süß."

Er sah auf seine Armbanduhr.

"Aber wenn es dir nichts ausmacht, würde ich dann auch los. Vielleicht kann zumindest ich mein Ziel des heutigen Abends noch erreichen."

Joko konnte sich nicht zurückhalten, er musste lachen:

"Klar, mach du nur. Und ich werde mich wohl künftig von dieser App fernhalten."

Er begleitete seinen Gast noch zur Tür und nahm ihn zum Abschied in den Arm.

Nach ihrem Kuss schien das das Mindeste zu sein.

"Danke, dass du so verständnisvoll warst."

"Keine Ursache. Dir noch einen schönen Abend!"

Joko schloss die Tür und ging zurück in sein Wohnzimmer.

Er hat definitiv ein Hühnchen mit seinem besten Freund zu rupfen, immerhin hatte dieser ihm die App empfohlen.
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