Komm schon, trau' dich - better late than never

von airplanes
GeschichteAllgemein / P16 Slash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
05.07.2020
24.09.2020
7
17.111
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05.07.2020 2.200
 
Hallo:)
Ja, ich lebe noch. Und habe dazu noch eine neue Geschichte! Was für ein Wunder!
Diese Geschichte habe ich jedoch nicht alleine geschrieben, die wunderbare Vera (https://www.fanfiktion.de/u/vera-meleena) und ich haben uns vor einem Jahr "hingesetzt" und begonnen sie zusammen zu schreiben. Es hat zwar bis jetzt gedauert, aber dafür kann ich sagen, dass es die Geschichte allemann/allefrau wert ist.
Es hat unglaublich Spaß gemacht sie zu schreiben, deswegen hoffe ich dass ihr genauso viel Spaß habt, sie zu lesen. Und jetzt halte ich euch nicht länger mit einem ewig langen Vorwort auf:)
Have Fun!

(PS: ja, die Geschichte ist schon zu Ende geschrieben und ja, auch wenn es eine seeehr lange Pause bei Black Flamingo gibt, ist es trotzdem nur eine Pause und kein Ende, ich arbeite daran:D)



Joko sah zum zehnten Mal innerhalb von fünf Minuten auf seine Armbanduhr, seufzte, schüttelte den Ärmel zurück über das Handgelenk und sah sich unsicher um.

An der Bar standen Männer in Paaren oder Gruppen zusammen, unterhielten sich trotz der lauten Musik, lachten und tranken.

Die kleinen Tischen, die in der ganzen Kneipe verteilt waren, waren nur vereinzelt besetzt und ein Mann, wie er ihn erwartete, war nicht unter den Gästen.

Der Mann, der Joko vor nicht einmal einer Stunde angeschrieben hatte, sah nett aus auf seinem Profil: breites Grinsen, kurzer Vollbart, leicht welliges, braunes Haar.

Ein Selfie, ein Bild mit Zigarette, eines gemeinsam mit einem Freund, der eine Gitarre umhängen hatte.

Er schrieb Songs, ging gerne in die Kneipe, mochte Ausschlafen und den Abend lieber als den Morgen.

Mehr stand nicht in dem Profil, das Joko auf dem Weg hierher bis ins kleinste Detail analysiert hatte.

Jetzt saß er also alleine an einem Tisch in dieser Bar und fragte sich zum hundertsten Mal, ob das normal war, sein erstes Date spontan um neun Uhr am Abend in einer Kneipe zu haben.

In einer Schwulenkneipe, fügte eine leise Stimme in Jokos Hinterkopf hinzu, doch er schob den Gedanken beinahe schon ärgerlich von sich.

Seine Hände waren feucht gewesen, als er die Tür zur Bar geöffnet hatte und seine Knie zitterig, als er sich an den verlassenen Tisch beinahe ganz hinten im Raum gesetzt hatte.

Als ob er sich verstecken wollte.

Er pulte am Etikett seiner Bierflasche herum, sah jedes Mal auf, wenn das kleine Glöckchen an der Türe ankündigte, dass ein neuer Gast das Lokal betreten hatte.

Doch er war bisher nicht dabei.

War das überhaupt die richtige Entscheidung gewesen? Jetzt schon wieder nach etwas Festem zu suchen?

Joko seufzte leise und trank noch einen Schluck, spürte das prickelnde Bier seine Kehle herunterrinnen.

Wie immer, wenn er über seine derzeitige Situation nachdachte, machte seinen Magen einen kleinen Schlenker.

Vielleicht war es doch die falsche Entscheidung gewesen? Die Trennung und sich dann direkt bei einer Singlebörse anzumelden, keine drei Monate, nachdem er ausgezogen war, nachdem ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen worden war, nachdem ihm vorgeworfen worden war, dass er die ganze Zeit nur gelogen habe, ob er sich nicht schäme?

Energisch schob er auch diesen Gedanken weit von sich und nahm einen weiteren Schluck Bier.

Plötzlich stand ein Mann neben ihm, groß, breit, vollbärtig, rothaarig, und mit einem gewinnenden Lächeln auf dem Gesicht:

"Na? Du bist ganz alleine. Darf ich dir ein Getränk ausgeben?"

Eine Sekunde war Joko mehr als überrumpelt, doch als er seine Stimme einigermaßen wiedergefunden hatte, stotterte er:

"Ähm ich... also", Joko wollte nur sagen, dass er hier wartete, wenn auch wahrscheinlich vergebens, denn mittlerweile hatte sein Date schon fast fünfzehn Minuten Verspätung.

"Also ich... Naja ich bin auf einem Date hier. Ich warte noch."

Es herrschte kurz Stille.

Der rothaarige Mann sah ihn kurz verblüfft und stirnrunzelnd an, bevor er wissend nickte und sich mit einer kleinen Geste verabschiedete.

Er verschwand wieder in der Gruppe und Joko war abermals alleine.

Alleine mit seinen Gedanken.

Und wie es so seine Art war, begannen eben diese Gedanken, sich im Kreis zu drehen:

Wieso hatte der Mann so komisch geschaut, als er sagte, dass er auf sein Date wartete? Natürlich konnte er sich auch bessere Orte zum Kennenlernen vorstellen und auch bessere Uhrzeiten, aber vielleicht war das eben so, er hatte ja auch schon länger kein Date mehr gehabt.

Als die kleine Glocke wieder ertönte, hob er abermals den Kopf, doch der Gewünschte war immer noch nicht zu sehen.

Joko zog sein Handy aus der Hosentasche und öffnete wieder die Datingapp. Das erste Profil, das er sah, war gleich das seiner heutigen Verabredung.

Er prüfte die hochgeladenen Bilder und sah sich dann in der Bar um.

Es konnte ja sein, dass er ihn übersehen hatte, versuchte er sich einzureden.

Sie hatten kein Zeichen ausgemacht, keine klischeemäßige rote Rose, die sie beide mitnehmen sollten, sie hatten sich einfach nur den Ort des Treffens geschrieben und die Uhrzeit.

Als das Glöckchen das nächste Mal erschallte und wieder ein Unbekannter die Bar betrat, setzte sich Joko ein Limit. Wenn der Fremde nicht unter den nächsten fünf Gästen war, die die Bar betraten, dann konnte er auch gerne auf das Date verzichten.

Also ruckte Jokos Kopf weiterhin bei jedem Ton des Glöckchens hoch.

Noch fünf...

Ein sehr junger Mann, höchstens 20 Jahre alt, betrat die Bar und gesellte sich zu seinen Freunden.

Noch vier...

Zwei Männer um die fünfzig erschienen als nächstes auf der Bildfläche und bestellten sich zwei Whisky an der Bar.

Noch drei...

Drei Frauen öffneten die Tür, betraten die Bar, schauten sich einen Moment verwirrt um, wechselten ein paar getuschelte Worte, bevor sie auf dem Absatz kehrt machten und die Tür hinter sich schlossen.

Noch zwei...

Ein Mann mit Dutt und Lidstrich erschien als nächstes in der Tür und begrüßte einen anderen mit Küsschen links, Küsschen rechts und setzte sich zu ihm.

Noch einer...

Es vergingen mehrere Minuten, doch endlich öffnete sich die Tür erneut, doch als ein großer, zur Glatze neigender Mann, eine Zigarette im Mundwinkel, auftauchte, verließ Joko endgültig die Geduld.

Er stand auf, bezahlte sein Bier und steuerte auf die Tür zu, ärgerlich über sich selbst und dass er diesem seltsamen Treffen überhaupt zugestimmt hatte.

Er öffnete die Tür und wäre beinahe mit dem kleineren Mann zusammengestoßen, der soeben die Tür von außen hatte öffnen wollen.

Eine Sekunde musterten die beiden sich, dann erhellte ein Grinsen das Gesicht von Jokos Gegenüber:

"Hey, du bist Joko, oder?"

Die braunen Haare, die blauen Augen und auch der kurze Vollbart stimmten überein.

Das war ganz eindeutig sein Date.

Bevor Joko antworten konnte, sprach der andere schon weiter:

"Und wo wolltest du hin? Tut mir leid, dass ich zu spät war, musste da noch was klären. Und jetzt? Magst du ein Bier?"

Joko stand dem Kleineren noch immer gegenüber, sie hatten sich keinen Zentimeter bewegt.

Er hatte eigentlich keine Lust mehr und wollte gehen, denn er legte Wert auf Verlässlichkeit und wer schon beim ersten Date so viel zu spät kam...

Doch andererseits war er auch von den Augen des Fremden fasziniert. Auf den Fotos hatten sie einfach nur blau gewirkt, doch jetzt in dem spärlichen Licht der Bar erinnerten sie Joko ein bisschen an das Meer, sie wirkten tief und funkelten ihn frech an.

Er blinzelte noch einmal und gab sich dann doch einen Ruck.

Er konnte ja gehen, wenn es ihm nicht gefiel.

"Ja, Bier, gern."



Der andere nickte und ging an Joko vorbei zurück in die Bar, wo er an den Tresen herantrat und zwei Bier bestellte. Joko stand dabei zwei Schritte hinter seiner Verabredung und spürte plötzlich einen Blick auf sich ruhen. Er drehte sich nach rechts, wo der Mann mit den roten Haaren stand, der ihn vorhin angesprochen hatte. Der Rotschopf musterte zuerst Joko, doch seine Augen wanderten schnell zu Klaas weiter. Nach einigen Momenten schien er kaum merklich zu nicken und schenkte seine Aufmerksamkeit wieder seinem Gegenüber.

"So, hier ist dein Bier." Klaas überreichte Joko eine der beiden Flaschen und deutete auf den Tisch, an dem Joko bis vor einigen Minuten noch gesessen hatte.

"Hierher?"

Joko nickte und setzte sich gegenüber von ihm auf die Bank. Er war noch immer ein wenig verwundert über die Uhrzeit und auch den Treffpunkt, aber wenn er sich sein Gegenüber so anschaute, dann stimmte das alles überein.

"Na dann." Der Andere hob die Glasflasche, an der die Kondenstropfen herunter liefen, in die Höhe und Joko ließ seine Flasche sacht dagegen klirren.

Beide tranken einen Schluck, stellten dann ihre Flaschen zurück auf den Tisch und lächelten sich nur kurz an. Der Kleinere ließ seinen Blick durch die Bar schweifen, grüßte hier und da jemanden, den er anscheinend kannte. Joko wartete darauf, dass er etwas sagte, das Gespräch irgendwie ins Rollen brachte, denn er selbst hatte keine Ahnung mehr von Dates. Warum auch, in einer Beziehung datete man selten andere Menschen.

Doch nichts dergleichen geschah. Sein Date drehte sich zwar wieder zu Joko und lächelte ihn an, nahm dann aber nur einen weiteren Schluck und ließ seine Finger gegen das Glas trommeln.

"Ähm und du?" Joko schüttelte innerlich den Kopf, das war ein wirklich unverhältnismäßig schlechter Anfang um ein Gespräch zu beginnen. "Also du bist Klaas?"

Der andere Mann nickte:

"Genau."

"Ungewöhnlicher Name." rutschte es Joko heraus, bevor er es verhindern konnte, doch Klaas lächelte nur:

"Sagt einer, der Joko heißt?"

"Hmh. Eigentlich Joachim. Joko ist nur ein Spitzname.” Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu:

“Ist Klaas auch kurz für irgendwas? Klaus oder so?"

Klaas schüttelte den Kopf:

"Ne, ne. Obwohl mich in der Schule immer alle Klaus genannt haben, weil unser Klassenlehrer es zeitlebens nicht auf die Reihe gebracht hat, sich meinen Namen richtig zu merken mich jahrelang Klaus genannt hat."

"Und das hat dich nicht gestört?"

Sein Gegenüber nahm einen weiteren Schluck Bier und Joko fiel auf, dass er die Flasche mit der Linken zum Mund führte.

"Anfangs fand ich‘s furchtbar, irgendwann war‘s nur noch ein bisschen nervig und zuletzt war's mir dann egal."

Joko fiel auf, dass Klaas seinen Blick mit seinen Meeraugen fixierte und er konnte eine weiter Nuance in ihnen erkennen, als ob das Meer in seinen Augen aufgepeitscht wäre vom Wind und in Wellen an den Strand wogte.

Vielleicht lag es aber auch einfach nur am trüben Dämmerlicht, das in der Bar herrschte.

Klaas fuhr sich durch seine Haare, die für Jokos Geschmack etwas zu lang waren, trank dann noch einen Schluck und legte den Kopf ein wenig schief, grinste Joko an.

"Und jetzt? Noch ein Bier oder andere Pläne?"

Andere Pläne? Joko hatte keine Ahnung von was genau Klaas da redete, immerhin hatten sie ein Date und Joko wusste von Klaas genau seinen Vornamen.

"Ne, also... Was genau arbeitest du eigentlich? Da stand ja nichts auf deinem Profil." Klaas sah Joko kurz fragend an. Er holte Luft, zögerte dann aber, als ob er die Frage nicht richtig verstanden hatte.

"Mal hier und Mal da was. Kleinigkeiten. Kleinere Auftritte und so etwas. Je nachdem was sich ergibt."

Joko nickte, Klaas hatte ja auch ein Foto mit einer Gitarre in seinem Profil und in der kurzen Biographie stand auch, dass er sehr musikalisch war.

Joko nickte, nach Klaas’ Reaktion war er nicht mehr so sicher ob er überhaupt nachfragen sollte, immerhin hatte der Andere ziemlich zögernd geantwortet. Und außerdem hatte Klaas auch nicht nachgefragt, was Joko denn so mache. Es schien fast so, als ob es ihn nicht interessierte.

Die beiden lächelten sich wieder an, doch es herrschte ein weiteres Mal peinliche Stille zwischen ihnen.

Dieses Date lief überhaupt nicht nach Jokos Geschmack. Vielleicht lag es daran, dass er eingerostet war, was das Dating betraf, aber ihm gefiel der stockende Fortschritt des Gesprächs überhaupt nicht, genauso wenig wie die Umgebung, die er als zu ablenkend empfand.

Er hatte Mühe, sich auf sein Gegenüber zu konzentrieren.

Trotzdem unternahm er einen weiteren Versuch:

"Ich hab gelesen du magst den Abend mehr als den Morgen. Was machst du denn abends?"

Klaas zwinkerte:

"Mich mit attraktiven Männern treffen."

Joko schluckte. Dieses Kompliment hatte ihn eiskalt erwischt und er reagierte, aus purer Unsicherheit, ziemlich plump:

"Du bist auch nicht schlecht."

Er schüttelte den Kopf:

"Das klang falsch. Also, ich meine, du bist... Also du siehst gut aus” beendete er seinen Satz lahm und ließ die Schultern heruntersinken.

Doch Klaas schien das nicht zu stören. Im Gegenteil. Er nahm einen tiefen Zug aus seiner Flasche und zwinkerte erneut:

"Na, dann sind wir uns ja einig. Wie sieht das aus, wohnst du in der Nähe?"

"Ähm, ja, schon, ich bin mit dem Rad da aber man kann theoretisch auch laufen, so eine Viertelstunde vielleicht?"

Joko war sich nicht sicher, was diese Frage sollte, doch er wollte auch nicht nachfragen, wollte sich nicht blamieren und zugeben müssen, dass er seit Jahren kein Date mehr gehabt hatte.

"Das Bier ist bezahlt und..." Klaas setzte die Flasche an und leerte den Rest des Bieres in einem Zug. "...leer. Also von mir aus können wir."
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