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Die Wilden Hühner - Erwachsen werden

von Leni398
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Melanie Klupsch Trudhild Bogolowski / Trude Wilma Irrling
05.07.2020
18.04.2021
6
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18.04.2021 1.332
 
Sprotte stand nervös vor dem Spiegel in ihrem Zimmer.
Sie hatte sich für ein leichtes Sommerkleid und ein bisschen Wimperntusche entschieden. Ihre roten Haare hatte sie zurückgeflochten.
„Sprotte?“ Sybille Slättberg rief ihre Tochter aus der Küche, als es geklingelt hatte.
„Ach hier steckst du.“, ihr Kopf lugte in Sprottes Zimmer.
„Du siehst echt toll aus. Für wen hast du dich denn so schick gemacht?“
„Mam, es ist eine Abschlussfete. Ich hab mich nur partyschick gemacht und nicht für irgendwen.“ Sprotte zog die Stirn kraus und ihre Mutter verschwand mit einer hochgezogenen Augenbraue aus ihrem Zimmer.
Noch einmal atmete Sprotte tief durch, zog ihre weißen Sneaker an und warf eine Lederjacke für den Heimweg über.
„Ich bin dann weg Mam!“, rief sie über die Schulter und zog die Wohnungstür zu. Im Treppenhaus warf sie einen Blick nach unten auf den Gehweg und sah dort einen ziemlich bekannten Rotschopf lässig an seinem Fahrrad lehnen.
Sprotte grinste und hüpfte die Treppe runter.
„Na Oberhuhn. Wieder mal zu spät?“, grinste Fred sie an und zupfte an seinem Pygmäenohrring.
Sprotte streckte ihm die Zunge raus und ging dann auf den jungen Mann zu.
Nervös umarmten sie sich zur Begrüßung.
„So, wollen wir dann los?“ Sprotte räusperte sich. ‚Jetzt reiß dich zusammen, du bist keine 13 mehr‘, dachte sie wütend und unbewusst zog sie wieder ihre Stirn kraus.
Fred hatte sie beobachtet.
Für ihn war Sprotte quasi ein offenes Buch und er wusste, was sie dachte, dachte aber nicht im Traum daran sie jetzt damit aufzuziehen. Ihm ging es nicht anders, wenn er sie sah.
Auf dem Weg zum Baumhaus der Pygmäen sprachen sie viel. Sie schmiedeten Pläne für den Sommer und was sie alles in Amerika unternehmen wollten. Sprotte hatte ihrem Vater heute nach der Notenvergabe eine Email geschrieben und ihm erzählt, dass sie und Fred nächsten Monat nach Amerika fliegen wollen.
„Mam hat es meinem Vater immer noch nichts gesagt. Dass sie schwanger ist, meine ich. So langsam lässt es sich aber nicht mehr verbergen.“
„Aber so lange sie sich nicht sehen, hat sie ja eher nicht das Bedürfnis deinem Vater das von dem Baby zu erzählen oder?“, fragte Fred.
„Jap.“, nickte Sprotte, „und genau deshalb werde ich es ihm erzählen. Vielleicht kommt er dann ja nach Hause. Wäre zumindest für alle beteiligten gut.“
„Also auch für dich?“ Fred sah das rothaarige Mädchen von der Seite an.
Sprotte zuckte mit den Schultern.
Sie wusste immer noch nicht genau, wie sie zu Christian stand. Klar war aber, dass sie ihrem Geschwisterchen gönnte eine Erfahrung gemacht zu haben, die sie nie hatte und das war mit einer Vaterfigur aufzuwachsen. Auch wenn Sprotte nicht wusste, was ihr fehlte, mittlerweile hatte sie festgestellt, dass ihr etwas gefehlt hat.
Fred stieg vom Fahrrad ab, stellte es hinter einen Busch am Baumhaus und schloss seins und Sprottes zusammen.
„Und bereit für unser Date?“ Fred zwinkerte ihr zu und legte ihr eine Hand auf den Rücken. Hier hinter dem Busch sah keiner der ankommenden Partygäste die beiden.
Sprotte nickte, wirkte jedoch unsicher.

Mit einem Finger hob er ihr Kinn und zwang sie somit ihn anzugucken.
„Ich weiß, dass du mir gerade nicht vertraust, aber ich versichere dir, ich würde nie etwas tun, dass das mit uns gefährdet oder zerstört. Du bist mir wichtig. Egal was du für Ängste hast, ob es das ist, was andere sagen, oder ob du Angst vor uns hast, wir werden das schaffen, weil wir uns haben.“
Freds braune Augen funkelten sie an und da war es wieder.
Das Feuerwerk in Sprottes Brust und sie konnte gar nicht anders, als ihm zu glauben.
Fred küsste Sprotte noch auf den Scheitel, bevor er ihre kurze Umarmung löste und die beiden auf die Lichtung traten.
„Du siehst übrigens klasse aus Oberhuhn.“, raunte Fred ihr zu, als sie auf die Gruppe der Hühner und Pygmäen zugingen. Sprotte grinste und Fred zwinkerte ihr zu.
Der Abend verlief mehr als gut. Der ganze Jahrgang feierte ausgelassen und freute sich auf den Abschluss und die anstehende offizielle Abifeier in zwei Wochen.
Frieda und Willi tanzten bereits den ganzen Abend miteinander und waren so mit sich selbst beschäftigt, dass niemand es jemals gewagt hätte die beiden auseinander zu bringen.
„Die beiden passen toll zusammen oder?“, fragte Trude Sprotte. Die beiden saßen mit Wilma auf einer Bierbank abseits der Tanzfläche.
Sprotte nickte nur und beobachtete Fred, der sich mit einem Jungen aus der Parallelklasse unterhielt.
Fred schaute zu ihr rüber und grinste, als er merkte, dass Sprotte ihn, wie so oft gedankenverloren ansah.
Fred ging zu ihr rüber, ließ sich auf die Bierbank fallen und legte ihre einen Arm um die Schulter.
„Na Oberhuhn. Du könntest mir noch n bisschen auffälliger hinterher gucken.“, raunte er ihr ins Ohr. Sprotte zog die ertappt die Stirn kraus.
„Tanz mit mir.“ Fred stand auf und hielt ihr übertrieben galant die Hand hin.
„Komm schon na los. Ich kann auch nicht tanzen.“
Fred lächelte sein Fredlächeln, und machte einen sehr wackeligen Knicks als Sprotte lachend seine Hand nahm und sich von ihm auf die Tanzfläche ziehen ließ.
Die vielsagenden Blicke von Wilma und Trude bekamen sie nicht mit.

Spät in der Nacht, der Mond und die Partybeleuchtung zwischen den Bäumen waren die einzige Lichtquelle, hatten Sprotte und Fred sich auf eine Picknickdecke oben im Bauhaus gelegt guckten in die Sterne und unterhielten sich.
Es war wie früher zwischen den beiden und Sprotte wusste, das nichts die Freundschaft zwischen ihr und Fred zerstören konnte.

„Sag mal Fred, erinnerst du dich noch an die erste Baumhausparty?“, fragte Sprotte.
Fred lachte leise. „Klar, wie könnte ich die jemals vergessen. Und mein Gesicht übrigens auch nicht.“
Sprotte lächelte schief und fuhr mit dem Finger über die feine Narbe, die Fred seit der Nacht über seiner Augenbraue trug.
„Das meinte ich nicht. Ich meinte die Nacht im Wohnwagen, weil meine Mam nicht an ihr Handy gegangen ist. Ich fand es echt schön, neben dir zu schlafen.“
Sprotte sah Fred in die Augen.
„Vielleicht können wir das heute wieder machen, der alten Zeiten wegen.“, sagt Fred heiser und Sprotte nickte nur.
Fred griff nach ihrer Hand und verschränkte seine Finger mit ihren.
„Ich will, dass es zwischen uns klappt Oberhuhn und ich möchte so viel mit dir erleben, angefangen mit der USA Reise in 2 Wochen.“
Statt einer Antwort beugte sie sich zu Fred vor und küsste ihn sanft.
Als sie sich lösten lehnte sie ihre Stirn an seine und ließ ihre Augen geschlossen.
„Das will ich auch.“, flüsterte sie.

„Hey ihr zwei, es ist 3 Uhr. Macht ihr das Licht aus?“, rief plötzlich Steve von unten hoch.
Fred sprang auf und sah nach unten. Alle Gäste, bis auf die Hühner und Pygmäen waren gegangen. Sprotte und Fred waren so vertieft in einander gewesen, dass sie die Zeit völlig vergessen hatten.
„Ja klar. Wir treffen uns morgen alle hier zum Aufräumen. Sagen wir 15 Uhr?“
Fred wartete keine Antwort ab, sondern verschwand wieder auf der Baumhausplattform.
Unten hörte Sprotte leise die Stimmen der andern hochwehen, welche sich dann zusammen mit ihren Schritten entfernten.
„Da haben wir wohl die Party verpasst.“, sagte Fred, der sich wieder zu Sprotte gesetzt hatte. Sprotte richtete sich auf und legte ihren Kopf auf seine Schulter.
„Ist doch nicht schlimm.“, murmelte sie und gähnte.
„Lass uns zum Wohnwagen gehen und schlafen.“
Fred zog sie hoch und beide kletterten die Baumhausleiter runter.
Fred schaltete den Sicherungskasten aus und in der Dunkelheit schoben sie ihre Fahrräder Richtung Wohnwagen.

Sprotte und Fred lagen sich gegenüber auf der Liegefläche im Wohnwagen und schauten sich an.
„Ich fand den Abend echt schön mit dir. Es ist wie früher zwischen uns und das finde ich gut. Ich will es langsam an gehen und ich will dich nicht vergraulen oder sonst etwas.“ Fred zog Sprotte an sich und und sie genoss es ihn einfach zu spüren. Die Wärme und Geborgenheit, die von ihm ausgingen hatten sich kein bisschen verändert und sie wusste in diesem Augenblick, dass die Geschichte von Fred und ihr keinesfalls vorbei war, sondern gerade erst begann.
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