Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Wilden Hühner - Erwachsen werden

von Leni398
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Melanie Klupsch Trudhild Bogolowski / Trude Wilma Irrling
05.07.2020
09.07.2020
3
2.711
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
09.07.2020 1.433
 
Ihr rauchte der Kopf.
Seit drei Stunden saß Sprotte vor ihren Biologiemitschriften und versuchte sich die genauen Abläufe der Proteinbiosynthese einzuprägen.
Das Klingeln ihres Handy’s rettete sie.

„Mann Frieda, gut das du anrufst. Wenn ich noch einmal das Wort „Aminosäure“ lese, drehe ich durch.“
„Dann habe ich genau das richtige für dich. Ich hole dich in 5 Minuten ab, dann fahren wir zum Wohnwagen.“, lachte Frieda und legte auf.
Sprotte kramte ihre Sachen zusammen und überlegte noch, ob sie ihr Mathebuch einpacken sollte, damit sie noch ein bisschen lernen konnte. Sie schob den Gedanken zur Seite.
„Bis zur Prüfung sind es noch 3 Wochen.“, brummte sie und ging aus der Wohnungstür.
Unten erwartete sie Frieda auf dem Fahrrad und gemeinsam fuhren die beiden in Richtung Wohnwagen.
„Lass uns noch eben bei Oma vorbeifahren und Lotta abholen.“, meinte Sprotte zu Frieda und hielt ihr Gesicht in die wärmende Frühlingssonne. Das Wetter war schon so warm, dass man keine Jacke brauchte.
Lotta sprang vor Freude um die Fahrräder rum.
„Hast du mit Fred geredet?“
Sprotte sah Frieda nicht an. Das Lächeln in ihrem Gesicht war verschwunden und die Falte auf ihrer Stirn tauchte mal wieder auf.
„Ich weiß nicht, wie ich das Gespräch mit ihm überhaupt anfangen soll. Gerade ist es so wie damals, als wir noch nicht zusammen waren und es ist echt schön wieder so unbeschwert zu sein.“
„Ja aber du liebst ihn und wenn du wieder mehr willst, kommst du nicht drum herum. Ihr beide nicht und er drückt sich vermutlich noch mehr als du.“
Frieda sah Sprotte an. So glücklich wie mit Fred hatte sie sie noch nie erlebt. Frieda glaubte den Gerüchten auch nicht, dass Fred sie betrogen haben soll, wie sich alle erzählten. Klar, sie hatte auch gesehen, dass Fred und Sabrina auf der Klassenfahrt ziemlich dicke miteinander waren. Aber das konnte einfach nicht sein, so verrückt, wie Fred nach Sprotte war.
Am Wohnwagen angekommen hatte Sprotte nichts weiter dazu gesagt, aber der Dialog, der sich in ihr abspielte, war seitdem Frieda das Thema „Fred“ angesprochen hatte nicht abgerissen. Ohne auf Frieda zu achten ging sie in den Hühnerschlag und setzte sich auf einen umgedrehten Eimer.
Hier konnte sie schon immer am besten nachdenken.
‚Ich muss mit ihm reden.‘, dachte Sprotte und zog ihr Handy aus der Tasche.
„Hey Fred, ich glaube, wir müssen uns unterhalten. Lust heute Abend zum Wohnwagen zukommen? Sprotte“
Kurz und prägnant.
Sprotte schickte die Nachricht ab und steckte das Handy wieder ein.
Frieda hatte inzwischen Tee gekocht und trug nun die Kanne nach draußen. Sie blickte rüber zu Sprotte und wusste, was in ihr vorging.
Nach so langer Zeit verstanden sich die beiden blind.
Als Sprotte sich etwas später zu Frieda dazu setzte, hatte die ihr Mathe Buch aufgeschlagen und schrieb sich Formeln, Rechenwege und Herleitungen heraus.
Sprotte stöhnte.
Bewusst hatte sie ihr Buch vergessen, aber das Frieda ihres dabei hatte, konnte sie sich natürlich denken.
„Na los.“, sagte Frieda und klopfte auf den Stuhle neben sich. „Zu zweit sind wir schneller durch und dann können wir heute eine gemütlichen Abend hier machen.“
Sprotte wusste, dass sie recht hatte und ließ sich auf den Stuhl fallen.
Ihr Handy vibrierte in ihrer Tasche.
„Hi Sprotte, wie geht es dir? Klar, bis heute Abend. Fred“
Sprottes Herz schlug ihr bis zum Hals.
„Fred kommt heute Abend hier her.“ Sprotte räusperte sich, aber ihre eigene Stimme klang so fern.
Frieda schaute von ihrem Blatt auf.
„Redet ihr miteinander? Ich meine, über das, was passiert ist?“
„Ich denke schon. Wie du vorhin gesagt hast, irgendwann müssen wir es tun, wenn wir jemals wieder normal miteinander umgehen wollen.“ Sprotte seufzte.
Frieda nickte und schob ihr, ohne auf Sprotte weiter einzureden, das Buch zu.
‚Analysis, wie angenehm.‘, dachte sie mürrisch und schrieb die Seite ab.
Der Nachmittag war trotz Mathe nicht so schlimm, wie befürchtet und als Frieda und Sprotte ihre Schulsachen wegpackten, war es gerade mal halb fünf.
Melanies CD Player spielte Musik und nachdem die beiden ehemaligen Hühner den Abwasch gemacht hatten schauten sie sich die Fotos von früher und Trudes Jubiläumsalbum an.
Sprotte und Frieda merkten gar nicht, wie die Zeit verging, als es an der Wohnwagentür klopfte und ein roter Haarschopf in der Tür erschien.
„Ich geh dann mal. Ich muss noch Luki abholen.“, entschuldigte sich Friede, drückte Sprotte und schob sich an Fred vorbei.
„Hey Sprotte.“ Fred grinste sie an.
Dieses Grinsen. Sprottes Beine fühlten sich an wie Wackelpudding.
„Hi.“, sagte sie kurz und schaute auf ihre Hände. Sie spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg.
Fred setzte sich gegenüber von ihr hin.
„Worüber möchtest du dich mit mir unterhalten?“, fragte er, wohlwissend, was es mit diesem Treffen auf sich hatte.

Sprotte atmete tief durch und sah ihm in seine brauen Augen.
Fred schluckte.
„Es ist schön dich zu sehen.“ Seine Stimme war rau.
Zwar hatten sich Fred und Sprotte gestern schon gesehen, aber diesmal war es anders.
Da war wieder das Knistern zwischen ihnen. Wie Melli schon öfter bemerkt hatte, ein Feuerwerk, dass jedes Chinesische Neujahrsfest alt aussehen lassen würde.

Sprotte räusperte sich.
„Ich will endlich wissen, was passiert ist und einfach die Wahrheit hören. Von dir.“
Sprotte senkte wieder den Blick.

Fred sah sie lange an.
„Ich weiß. Du hast auch nur die Wahrheit verdient. Ich würde dich niemals anlügen. Ich hoffe du weißt das.“

Sprotte nickte, stand auf um Fred eine Tasse zu holen und setzte sich wieder hin.
Fordernd sah sie ihn an und der Rotschopf fing an zu erzählen.
Er erzählte, wie alles angefangen hatte, dass er das Angebot mit dem Handy nur angenommen hatte, weil er Kontakt zu seinem Opa halten wollte, der zu der Zeit im Krankenhaus war und dem es Tag zu Tag schlechter ging.

„Nach dem wir uns an unserem Jahrestag gestritten hatten, war ich einfach enttäuscht und hab an uns gezweifelt. Dass du einfach noch nicht bereit warst, habe ich nicht gesehen. Sabrina war ein Ersatz. Ich war Nachts einmal im Waldbad, mit ihr und ihren Freunden. Da haben wir uns geküsst, aber mehr auch nicht. Glaub mir Sprotte, als sie mich am nächsten Tag gefragt hatte, ob ich wieder kommen würde habe ich nein gesagt. Ich hab einen Fehler gemacht und es war auch ein Fehler sauer auf dich zu sein, als du mir an unserem Jahrestag eine Abfuhr erteilt hast. Ich hab dir das nie gesagt, aber ich liebe dich und nur dich. Es tut mir leid.“
Fred endete und eine Träne lief ihm die Wange hinunter. Er wischte sie weg.
Fred sah Sprotte an, die ihn die ganze Zeit nicht unterbrochen, sonder nur zugehört hatte. Auch sie weinte.
„Fred, ich liebe dich auch.“, sagte sie mit belegter Stimme.

Fred lächelte und griff nach ihrer Hand, doch Sprotte zog sie weg.
„Ich muss über das nachdenken, was du erzählt hast und ich finde es besser, wenn wir erstmal Freunde bleiben. Ich brauche Zeit.“
Sprotte sah Fred wieder in die Augen.
Im Gegensatz zum letzen Mal, als sie Fred abgeblockt hatte, schaute er sie verständnisvoll an. Er nickte und lächelte sie an.
„Wenigstens hast du mich nicht angeschrien, obwohl ich das verdient hätte. Ich hätte es auch verdient, dass du nie wieder ein Wort mit mir sprichst.“

Sprotte erwiderte das Lächeln. „Das könnte ich nicht. Wie gesagt, ich liebe dich. Trotz allem, aber das alles muss ruhen und ich muss nachdenken.“

Eine Weile sagte keiner von beiden etwas. Sie genossen einfach die Nähe des anderen. „Sag mal, hast du schon einen Termin, wann du nach Amerika fliegst?“, fragte Sprotte plötzlich.
Überrascht schüttelte Fred den Kopf.
„Würdest du mit mir zusammen nach Amerika fliegen wollen? Als Freunde natürlich.“, fragte Sprotte und sah Fred verlegen an.
Fred lächelte sein Fred-Lächeln.
„Klar, das Oberhuhn ist Fliegen ja nicht gewohnt und muss beschützt werden.“
„Haha!“ Sprotte hob eine Augenbraue hoch. Dass sie ein bisschen Flugangst hatte, wusste Fred natürlich.

„Aber Spaß beiseite. Klar komme ich mit. Als Freunde natürlich. Sollen wir uns morgen wieder treffen um die Flüge zu buchen und einen Plan zu machen?“ Fred fuhr sich durch seine Haare.
Gemeinsam radelten sie nach Hause. Da Fred nur zwei Straßen weiter wohnte, hatten sie den gleichen Weg.
An der Kreuzung, wo sich ihre Wege trennten hielten sie an.
Fred nahm Sprotte zum Abschied kurz in den Arm.
Er roch nach Wald und Sprottes Herz schlug schneller. Wie sie seinen Duft liebte und vermisste.
Sprotte schlief an diesem Abend mit dem Gedanken an Fred und seine Worte ein.
Sie freute sich ihn morgen wieder zusehen.
Vielleicht wurde alles wieder gut, aber um sich wieder ganz auf ihn einlassen zu können brauchte Sprotte einfach Zeit.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast