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Die Wilden Hühner - Erwachsen werden

von Leni398
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Melanie Klupsch Trudhild Bogolowski / Trude Wilma Irrling
05.07.2020
05.01.2021
5
5.129
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05.07.2020 1.080
 
Sprotte radelte auf ihrem Fahrrad zum Wohnwagen, ihrem Lieblingsort auf der ganzen Welt. Hoffentlich war Frieda auch da, oder irgendjemand, mit dem sie über ihr Herz reden konnte, dachte sie.

Gestern hatte sie nach 2 Wochen Funkstille Fred wieder gesehen.
Er hatte ihr das Grab von seinem Opa gezeigt. Sprotte hatte Blumen mitgebracht und sie und Fred hatten lange am Grabstein gesessen, Geschichten von früher erzählt, gelacht und auch ein bisschen geweint.
Es tat gut mit Fred zu reden. Einfach in seiner Nähe zusein.
Wenn Sprotte an ihn dachte schlug ihr Herz immer noch bis zum Hals.

Unwillkürlich wurde sie rot. Rotkäppchen hatte Fred sie dann immer genannt. Sprotte lächelte. Doch genauso schnell fiel ihr wieder ein, dass Fred und sie nicht mehr zusammen waren. Die Falte schlich sich wieder auf ihre Stirn, wie so oft in letzter Zeit.

Hatte er sie wirklich betrogen? War es ein Fehler Fred am Jahrestag zurückzuweisen? Sprotte seufzte laut und ein Mann mit einem Hund drehte sich zu ihr um.
Schnell fuhr sie an ihm vorbei und bog auf den Feldweg zum Wohnwagen ein.

Friedas Fahrrad stand zum Glück vor dem Tor. Und Willis.

Seit der Klassenfahrt, waren die beiden zusammen und ein Herz und eine Seele.
Sprotte freute sich für ihre allerbeste Freundin, dass sie glücklich war und endlich jemanden gefunden hatte.

„Hey ihr zwei!“, rief Sprotte, als sie durch das Tor zum Wohnwagen kam. Frieda und Willi lagen zusammen auf einer Decke im Gras. Willi hielt davon ab seine Freundin zu küssen und setzte sich schnell auf.

„Keine Panik, ich bin es nur und nicht Melli.“ Sprotte grinste ihn an und Willi schaute Frieda verlegen an. Ihm war es noch sichtlich unangenehm, dass er mit einer Freundin seiner Ex zusammen war.

Frieda gab ihm einen Kuss auf die Wange und stand auf um Sprotte zu begrüßen.

„Wie gehts dir?“, fragte die schwarzhaarige ihre beste Freundin und sah Sprotte prüfend an.

Wie Trude schon immer gesagt hatte, Frieda merkt sofort, wenn jemand etwas auf der Seele brannte.

„Gut.“, sagte Sprotte und versuchte ihre Stimme möglichst beiläufig klingen zulassen. Frieda hob ein Augenbraue und sah sie ungläubig an.

„Na gut. Ich bin verwirrt. Absolut verwirrt.“ Sprotte seufzte und ließ sich in einen Gartenstuhl fallen.

Frieda lächelte sie an und setzte sich zu ihr.

Sprotte sah zu Willi, der ihr zuzwinkerte, aufstand und in den Wohnwagen ging mit dem Auftrag Kaffee und Tee zu kochen.
Dankbar sah Frieda ihm nach und wand sich dann wieder Sprotte zu.

„Also, leg los.“ Frieda grinste und Sprotte begann vom gestrigen Tag zu erzählen.
„Ich liebe ihn immer noch, aber ich muss wissen, was wirklich passiert ist und ob ich ihm je wieder vertrauen kann. Und ob er mich noch liebt.“, schloss sie ihre Erzählung.

"Du solltest mit  Fred reden und seinen Sicht dazu hören. Habt ihr euch eigentlich nach der Sache jemals richtig darüber unterhalten?“ Frieda saß neben Sprotte an dem weißen Gartentisch.

Sprotte schüttelte den Kopf und nahm die Tasse Tee, die Willi ihr reichte dankend an.
Er ließ sich neben Frieda auf die Bank fallen und legt einen Arm um sie.
"Los, erzähl ihr von eurem Plan.", aufmunternd sah Frieda Willi an.
Willi kratzte sich an seinem Dreitage Bart, den er sich seit kurzem stehen ließ.

„Also wir wollen nach den Abschlussprüfungen nochmal ein Fest am Baumhaus machen um das Ende der Schulzeit zu feiern. Ihr seid natürlich herzlich Willkommen. Wir wollen die ganze Stufe einladen.“

Zu dritt verbrachten sie noch einen schönen Tag am Wohnwagen.
Als Sprotte abends die Eier von den Hühnern einsammelte und einige in einen Eierkarton für zuhause packte, dämmerte es schon.
Es war ein warmer Abend und die Tatsache, dass erst Mitte April war, war nicht zu merken. Bald würde die Prüfungszeit beginnen und sie musste lernen, um wenigstens ein halbwegs gutes Abi hinzubekommen. Das Tiermedizinstudium war ihr immer weiter in den Hinterkopf gerückt, aber nach der Ausbildung zur Tiermedizinischenfachangestellten könne sie ja immer noch studieren. Sprotte war richtig froh darum, dass sie mit Frieda im Bio und Mathe Leistungskurs war. Sie wusste, dass ihr Mathe noch nie lag, aber mit Friedas Hilfe, war sie um 2 Noten besser geworden.

Sprotte schloss die Tür zu der Wohnung auf, in der sie mit ihrer Mutter wohnte. Noch 2 Jahre zuvor war hier der Klugscheißer noch regelmäßig ein und ausgegangen, aber dann war ihr Vater auf einmal wieder in ihr Leben getreten. Seitdem war er, wenn er nicht auf Reisen war, immer bei ihnen.

Sprotte hatte ihre Mutter öfter gefragt, ob sie und ihr Vater jetzt wieder zusammen wären, aber das konnte ihre Mam nicht beantworten.
Sie wusste es selber nicht.

„Hi Mam.“ Sprotte lief in die Küche und setzte sich zu ihrer Mutter an den Tisch.
Sybille Slättberg schaute auf.

„Hi Sprotte. Wie war dein Tag?“

„Schön. Ich hab noch Eier von den Hühnern mitgebracht. Was schaust du dir da an?“ Sprotte trank einen Schluck Milch und sah auf das, was ihre Mutter vor sich auf dem Tisch liegen hatte.
Es war ein Ultraschallbild. Viel erkennen, außer ein kleines Böhnchen, konnte man nicht.

„Hast du es ihm inzwischen mal gesagt?“, fragte Sprotte ihre Mutter, die stöhnend das Gesicht in ihren Händen verbarg.

Also nicht, dachte Sprotte.

„Ich kann es ihm doch nicht einfach so am Telefon sagen, Sprotte.“, sagte ihre Mutter, das Gesicht immer noch in den Händen.

„Könntest du schon, oder du wartest, bis er wieder da ist, aber dann bist du wahrscheinlich schon so dick, dass du nichts mehr sagen musst.“


Bis zu der Zeugnisvergabe waren es noch 3 Monate und dann würde Christian wieder nach Deutschland kommen und hoffentlich mit dabei sein.

Wann war alles so kompliziert geworden. Konnte es nicht immer so einfach sein, wie damals, als sie noch Hühner gerettet hatten, den Pygmäen die Leiter vom Baumhaus geklaut hatten, oder als der Klugscheißer noch seine Autozeitschriften auf der Toilette gelagert hatte.

Sprotte stand auf, stellte ihr leeres Glas in die Spüle und ging in ihr Zimmer.

Irgendwas musste sie tun, denn so lange, sie sich dagegen gesträubt hatte, sie hatte ihren Vater lieb gewonnen.
Zugeben würde sie es niemals, aber ihr gefiel der Gedanke, dass sie wieder eine richtige Familie werden würden und mit einem kleinen Bruder oder einer kleinen Schwester war das in Richtung des Möglichen gerückt.

Sprotte hatte Fred von ihrem verrückten Plan erzählt ihrem Vater nach der Prüfungsphase nach Amerika hinterher zufliegen und ihm von der Schwangerschaft ihrer Mutter zu erzählen.
Insgeheim hoffte sie, dass Fred sie begleiten würde.
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