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Eine (heile) Welt

von freexbird
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Draco Malfoy Hermine Granger
05.07.2020
01.11.2020
21
76.030
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Dieses Kapitel
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26.07.2020 3.357
 
~*~

Innerlich lachte sie bösartig, aber ihr Gesichtsausdruck war sauer, als sie ihm hinterherrief: „Lass du mich in Ruhe!“

Ein zorniger Mittelfinger seinerseits war das Letzte, das sie von ihm sehen sollte, ehe er die Ecke am Ende des Korridors umrundete. Mit noch immer aufgeregt schlagendem Herzen überkreuzte sie ihre Arme vor der Brust. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass das nicht ihre letzte Konfrontation bleiben würde.

~*~

In den darauffolgenden Tagen ignorierten sie sich geflissentlich. Sollte es doch zufällig dazu kommen, dass sich ihre Blicke trafen, dann verfinsterten sich ihre Mienen augenblicklich. Beispielsweise im Unterricht für alte Runen, in dem sie aus dem Fenster sah und er im Weg saß. Als er bemerkte, dass er sich in ihrer Blickrichtung befand, hatte sie im Augenwinkel gesehen, wie sich sein Kiefer anspannte, aber sie würde ihm nicht die Genugtuung geben und wegsehen. Vor allem nicht, weil sie durch den wiederkehrenden Kopfschmerz ohnehin zu angestrengt war.

(…)

Am nächsten Montagmorgen, es war nun mehr als eine Woche vergangen, saß die Brünette schließlich mit ihren Freunden am Frühstückstisch und ließ ihren Vertrauensschülerblick durch die Halle wandern. Einen Moment hing er an dem blonden Vertrauensschüler der Slytherins fest, der sich bei ihrem Anblick an seinem Müsli verschluckte und sie deshalb böse anstarrte.

„Hermine?“, fragte Harry, worauf sie sich ihm zuwandte. Auf seinem Teller befand sich ein Stapel Pfannkuchen und eine Scheibe Toast mit Marmelade. „Wir gehen am Wochenende nach Hogsmeade, kommst du mit?“

Überrascht hob sie eine Augenbraue: „Wer ist wir?“

„Na ich, Ron und Ginny.“

„Ich komme mit.“, antwortete sie lächelnd. Sie musste dem Buchladen eindeutig einen Besuch abstatten und ihre Tintenvorräte auffüllen. Nach diesem kleinen Wortwechsel sah Hermine zum Lehrertisch, an dem McGonagall einen äußerst seltsamen Gesichtsausdruck zur Schau trug. Sie war sich nicht sicher, ob es Sorge oder Zweifel war. Vielleicht auch eine Mischung aus beidem. Auf jeden Fall schien etwas nicht zu stimmen, das stellte sie auch bei sich selbst immer wieder fest.

(…)

Nach dem Frühstück machten sich Ron und Harry gemeinsam mit ihr auf den Weg zum Unterricht für Verwandlung. Sie näherten sich immer weiter dem ultimativen Schweregrad der magischen Verwandlung: dem Verändern menschlicher Körper. Wochenlang behandelten sie dieses Thema bereits, setzten sich mit dem Aufbau des Bewegungs- und Stützapparates, sowie dem Nervensystem und dem Blutkreislauf auseinander, damit es gelang, den jeweils anderen in ein Tier zu verwandeln. Hermine hatte erneut ein außergewöhnliches Talent bewiesen und die Theorie einwandfrei gelernt.

Professor McGonagall erklärte zur Wiederholung die Grundlagen, ging dabei vor den Schülern auf und ab, zeigte die notwendige Zauberstabbewegung und sprach die Zauberformel ‚Animanus‘.

„Ich denke, heute bedarf es einer praktischen Vorführung. Aber diese möchte ich unseren Kursbesten anvertrauen, da sie die technischen Grundlagen bisher am besten beherrschen.“, dann räusperte sie sich und musterte ihre Schüler über ihre Brille hinweg. „Mr. Malfoy, Miss Granger, würden Sie bitte nach vorn treten und den Zauber demonstrieren? Denken Sie an ein passendes Tier und nutzen Sie die jeweilige zweite Formel dafür.“, erklärte sie weiterhin.

Die Gryffindor seufzte leise, erhob sich dennoch und begab sich zielstrebig zur Tafel, an der sie mit überkreuzten Armen auf Malfoy wartete, der ebenfalls wenig begeistert wirkte. Den Blick voneinander abgewandt standen sie nebeneinander. McGonagall versuchte, etwas irritiert, zwischen ihnen zu vermitteln.

„Nun… Mr. Malfoy, würden Sie beginnen? Bitte kein zu großes Tier, wenn es Ihnen recht ist.“, damit spielte sie auf Neville an, der es im letzten Schuljahr geschafft hatte, seinen Kelch in einen Elefanten zu verwandeln, der wiederum das Klassenzimmer zerlegte. Mehrere Tage lang musste der Unterricht deshalb pausiert werden und um das Tier einzufangen, waren Professor Slughorn und Hagrid notwendig gewesen.

Mit angestrengten, dennoch leicht abweisenden Gesichtsausdrücken stellten sie sich voreinander. Hermine musterte ihn mit gereizt funkelnden Augen: „Verhau. Es. Ja. Nicht.“, zischte sie ihm zu, worauf sich sein Mund zu einem spöttischen Lächeln verzog. Seine müden Augen ließen es weniger gefährlich aussehen, als er wahrscheinlich hoffte.

„Keine Sorge, Granger.“, die Art, wie er ihren Namen betonte, hatte etwas Unangenehmes an sich, sie konnte es jedoch nicht genau beschreiben.

Malfoy schwang den Zauberstab in einer Acht und knurrte: „Animanus Aurumpitus Nasumia“ [a]

Ihre Augen weiteten sich vor Schreck: Sie wusste genau, was er da tat. Aber dafür war es zu spät, denn nur wenige Sekunden später saß an ihrer Stelle in kleines gold-gelbes Äffchen mit einem blauen Gesicht, das einem Totenschädel ähnlich sah. Wütend kreischte das Äffchen, also Hermine, auf und stürzte sich auf den Malfoy, der einen winzigen Panikschrei ausstieß und versuchte ihr auszuweichen. Da sie aber schneller war, krallte sie sich an sein Hosenbein. Er versuchte sie abzuschütteln, unterdessen brach die gesamte Klasse in Gelächter aus. Hermine krallte sich fester in die Haut seiner Wade und setzte noch einen oben drauf, indem sie in ebenjene hineinbiss.

„AUTSCH! GRANGER!“, zeterte er wütend, versuchte sie an ihrem Genick zu fassen, aber sie ließ von ihm ab und hüpfte mit den Armen wedelnd zu McGonagall, die den Zauber auflöste. In einer sanften Drehung saß Hermine schließlich neben den Füßen ihrer Professorin, die Haare wild von ihrem Kopf abstehend.

Sofort ruckte ihr Kopf zu ihm, der den Zorn in ihrem Gesicht richtig deutete und ein gleichermaßen unwohles aufsetzte. In einer einzigen Bewegung stand sie auf und schritt mit gezücktem Zauberstab auf ihn zu. Die Klasse schwieg.

„Miss Granger, nur in ein Tier verwandeln!“, mahnte sie die Professorin, worauf sie verbissen nickte, noch einen Schritt nähertrat, den er sich zusätzlich von ihr entfernte.

Fest sah sie in seine Augen, ein bösartiges Lächeln auf den Lippen: „Animanus Migale!“ [b]

Und aus Malfoy wurde ein schneeweißes Frettchen, dass seinerseits auf sie zuschoss. Mit einem spitzen Schrei wich sie ihm aus, lief vor ihm weg und um das Lehrerpult herum.

„Mister Malfoy, Miss Granger, bitte!“, polterte McGonagall, versuchte einzuschreiten und verwandelte Malfoy schließlich zurück, bevor er sie ebenfalls beißen konnte.

Hermine wusste nicht, woher ihr diese Idee kam, aber es erschien ihr so unendlich passend. Ein Wesen, dass auf seine Art putzig aussah, aber die Kabel des neuen PKWs anknabberte, wenn man nicht für entsprechende Vorkehrungen sorgte.

Wutentbrannt sprang er auf und stellte sich ihr gegenüber vor das Pult.

„Granger, das kann nicht dein Ernst sein!“, schimpfte er, sie hingegen blieb die Ruhe selbst, stemmte ihre Hände in ihre Seiten.

„Du hast angefangen und mich in dieses alberne Äffchen verwandelt!“, anklagend deutete sie mit ihrem Zauberstab auf ihn, er zuckte zusammen.

„Wie kann man nur so nachtragend sein?!“, setzte er hinterher. Wahrscheinlich hätte er sie am liebsten einen Kopf kürzer gemacht. Die Verwandlung in ein Frettchen schien also nicht nur in ihr etwas Unbewusstes zu rühren.

„Entschuldige, dass ich es dir übelnehme, dass du so ein arroganter Ignorant bist!“

„Du wolltest doch unbedingt, dass-“

„Jetzt halt aber mal deinen Mund! Ich werde nicht vor den anderen meine schmutzige Wäsche waschen.“, unterbrach sie ihn konsequent. Verständnislos und verwirrt blinzelte der Blonde, der das Sprichwort nicht kannte, nahm sie an. Sowohl ihre Mitschüler als auch McGonagall hatten den Wortwechsel stumm verfolgt, die Professorin hatte jedoch genug gesehen.

„Benehmen Sie sich nicht wie vorpubertäre Kinder! Setzen Sie sich, ich werde Ihren beiden Häusern für dieses unangemessene Verhalten 5 Punkte abziehen.“, moserte sie schmallippig. Ohne den vor Wut knisternden Blickkontakt zu unterbrechen, umrundete Hermine den Tisch und ging ihm voraus zu ihrem Sitzplatz, sich dann doch abwendend.

Im Vorbeigehen zischte er ihr zu: „Du hast angefangen!“, als sie sich jedoch zu ihm drehte, war er bereits weiter gegangen.

Ron und Harry musterten sie perplex, nachdem sie sich setzte, waren sich nicht sicher, was sie zu ihr sagen sollten. Hermine entschied sich dafür dem keine Aufmerksamkeit zu schenken und notierte ein paar Stichpunkte in ihren Unterlagen.

Weniger praktisch anmutend verlief der Rest der Stunde, bis sie von McGonagall entlassen wurden und die Schüler ihre Sachen packten. Hermine ließ sich dabei besonders Zeit, denn ihr war nicht danach vor den Augen der anderen den Raum zu verlassen, nachdem sie und Malfoy sich dermaßen lächerlich aufgeführt hatten. Eine Falte grub sich in ihren Mundwinkel, als sie selbigen verzog. Ein Goldstumpfnasenäffchen… Hätte es noch exotischer gehen können?

„Was stimmt denn mit Malfoy und dir nicht?“, argwöhnisch beugte sich Harry zu ihr, Rons Augen wanderten prüfend über sie. Mit einer festen, ruppigen Bewegung schloss sie ihre Tasche, die Schnalle schnalzte wütend.

„Nichts!“, fauchte sie, hing die Tasche über ihre Schulter und ging auf den Ausgang zu. Ihre Freunde tauschten noch einen vielsagenden Blick aus, ehe sie ebenfalls nach ihren Taschen griffen und ihr hinterhereilten.

„Es ist nicht nichts, sonst würdet ihr euch nicht so ankeifen. In der ersten Stunde Zaubertränke habt ihr euch noch geholfen. Also nicht, dass ich das befürworte, dass ihr euch verstanden habt, aber das Verhalten jetzt ist schon sehr merkwürdig.“, erklärte Harry weiterhin.

„Malfoy ist ein Slytherin. Mich wundert hier gar nichts mehr.“, grummelte Ron auf ihrer anderen Seite, da sie zwischen den jungen Männern ging.

„Es gab nur eine kleine Auseinandersetzung und seit dem bin ich der Meinung, dass er einer der schlechtesten Menschen ist, denen ich je begegnet bin.“, sagte sie nun doch, aber ohne die anderen anzusehen.

„Ist ja nicht so, als hätten wir das vorher gewusst.“, lachte Ron ironisch. „Was für eine Auseinandersetzung?“

„Sagen wir es so; wir haben verschiedene Meinungen zu einem bestimmten Thema und deshalb werden wir uns nicht mehr miteinander abgeben. Aber der Grund ist auch egal, es ändert nämlich nichts an der Sache selbst.“

„Hi, Harry!“, flötete Ginny, die der kleinen Gruppe gemeinsam mit Luna entgegen kam. Der Angesprochene lächelte seine Freundin an und küsste sie keusch auf den Mund, als er sie erreichte. „Hi Ron und Hermine.“

„Hallo ihr.“, mit einem leichten Winken grüßte auch die Ravenclaw den Rest der Gruppe, die den Mädchen ebenfalls ein Hallo zukommen ließen.

Bei dem unschuldigen Anblick ihrer Freunde wurde Hermine warm ums Herz, denn wenn sie jemandem diese zarte Liebe gönnte, dann Harry und Ginny. Die Rothaarige vergrub bereits ihre Finger zwischen Harrys und in dieser Konstellation gingen sie gemeinsam bis zu den Treppen, die in die höheren Etagen zur nächsten Unterrichtsstunde führten.

„Gibt’s was Neues?“, begann Ginny interessiert und strahlte in die Runde. Hermine konnte aufgrund dieser Frage nur schnauben, verkniff sich aber ein Augenrollen.

„Hermine und Malfoy haben sich in Verwandlung gegenseitig in Tiere verwandeln müssen, es war zum Totlachen!“

„Ron-“, warnte die Brünette, er nahm ihren Einwurf jedoch nicht wahr.

„Zuerst hat er Hermine in ein Äffchen verwandelt, weshalb sie ihn in sein Bein gebissen hat und dann hat sie ihn zu einem weißen Frettchen gemacht. Er war total sauer!“, ein breites Grinsen begleitete seine Erzählung, worauf auch Ginny schmunzeln musste.

„Ron!“, rief sie ihm zu, der sie ertappt ansah und sich dann im Genick kratzte.

„Sorry, es ist so witzig gewesen, ich konnte es einfach nicht für mich behalten.“

Mit gesenkten Augenbrauen richtete sie ihren Blick auf den Boden: „Das kannst du doch nie.“

Wieder zuckte ein stechender Schmerz durch ihre Schläfe. Keuchend verharrte sie auf der letzten Stufe eines Treppenabschnitts, die Augen zusammengekniffen, eine Hand auf der Schmerzstelle.

„Alles okay?“, Ginny war die erste, die ihr Zurückbleiben bemerkte.

„Ist es ein Schlickschlupf?“, auch Luna sah sie, vorbei an den anderen, an, worauf sie müde den Kopf schüttelte.

„Ich hab Kopfschmerzen.“, antwortete sie leise. Ein erneuter Stich zuckte durch ihr Gehirn und zwang sie in die Hocke. Schwarze Punkte tanzten in ihrem Sichtfeld. Sie entschied sich dazu, sich die letzte Stufe nach oben zu schleppen und sich gegen die Brüstung sinken zu lassen, die die Treppe absicherte, damit niemand in den sicheren Tod stürzte. Sorgenvoll wurde sie von ihren Freunden gemustert, die sich um sie stellten, sich hinhockten und leise auf sie einredeten. Hermine versuchte ihren beschleunigten Herzschlag zu beruhigen, indem sie ihre Augen schloss, tief und langsam atmete.

„Sollen wir dich in den Krankenflügel bringen?“, fragte Harry, dessen Gesicht vor ihr auftauchte. Kurz schüttelte sie ihren Kopf, da sich die Punkte verringerten und lediglich der Schmerz blieb.

„Es geht schon, ich glaube, ich habe einfach zu wenig getrunken.“, schief lächelte sie und sah auf. Unsicherer Blickaustausch zwischen den Anwesenden fand statt, dann halfen sie ihr zurück auf die Beine.

„Das war sicher Malfoy! Bestimmt hat er bei seinem Zauber irgendetwas vergeigt.“, moserte Ron durch zusammengebissene Zähne. Die Brünette wusste, dass es ausgeschlossen war, war jedoch noch zu abwesend, um das Gesagte zu kommentieren. Also ging sie langsam zwischen den anderen her und bestritt schließlich die letzte Stunde vor dem Mittagessen.

(…)

Sie lag in ihrem Bett unter der roten Bettdecke und hatte das Gefühl, ihr Kopf würde platzen. Seitdem ihr schwindelig geworden war, hatte sich an den Kopfschmerzen nichts geändert, aber glücklicherweise musste sie an diesem Abend nicht in den Gängen patrouillieren, also konnte sie sich ausruhen.

Seufzend drehte sie sich auf die Seite, richtete ihren Blick nach draußen in die Nacht. Alles war ihr ein Rätsel. Dieses ungute Gefühl in ihrem Bauch, die zerstreuten Gedanken, Malfoy. Vor allem Malfoy, der sie wahnsinnig machte, allein weil er im selben Raum wie sie anwesend war. Und es strengte sie an, dass er sich immer mit ihr stritt, ihre Freunde ärgerte oder sie im Unterricht mit Papierkugeln bewarf, was seit neuestem zu seinem Nerv-Repertoire gehörte. Gleichzeitig weigerte sie sich vehement dagegen, sich mit ihm auszusprechen. Sollte er sie doch ärgern, sie würde es nicht mehr an sich heranlassen.

Ihr Kopfschmerz verstärkte sich weiter, als sie sich auf den Rücken drehte. Ungeachtet der Sperrstunde, entschied sie sich dafür, zu Madame Pomfrey zu gehen und sich helfen zu lassen. Nachdem sie sich einen Umhang über ihre bequeme Kleidung und ein paar Schuhe übergezogen hatte, ging sie nach unten.

„Wo willst du hin?“, Harry, der mit Ginny auf dem Sofa saß, drehte sich zu ihr und sah sie über die Lehne hinweg an, Ginny tat es ihm gleich.

„Ich gehe in den Krankenflügel, die Schmerzen gehen nicht weg.“, erklärte sie, blieb jedoch stehen. Sie dachte, Ron würde sich ebenfalls im Gemeinschaftsraum aufhalten, aber vielleicht war er bereits in seinem Bett.

„Soll dich jemand begleiten?“, setzte er hinterher. Hermine schüttelte ihren Kopf und setzte sich in Bewegung.

„Es geht schon. Bis gleich.“, Harry nickte es ab und wandte sich zum Feuer, worauf Hermine das Portrait öffnete und in die kühlen Gänge des Schlosses verschwand.

Sie verschloss den Umhang enger vor ihrer Brust, als sie die Treppen nach unten stieg und eine Hand an ihren pochenden Schädel presste. Nie zuvor hatte sie solch extremen Kopfschmerz verspürt, deshalb wunderte es sie umso mehr, dass es momentan so schlimm zu sein schien.

Im ersten Stock angelangt, bog sie nach links ab, umrundete die nächste Ecke und prallte gegen einen anderen Körper. Beinahe wäre sie gestolpert, hätte er sie nicht an den Schultern gehalten.

„Was machst du hier?“, zischte er ihr zu und nahm seine Hände augenblicklich von ihr.

Sie wusste sofort, wer vor ihr stand, dennoch hob sie ihren Kopf, um ihn anzusehen: „Malfoy, ich habe Kopfschmerzen, lass mich zu Madame Pomfrey gehen.“

„Dann leg dich doch ins Bett, man muss nicht bei jeder Kleinigkeit Tränke schlucken.“, moserte er und verschränkte die Arme vor seinem Oberkörper.

„Verschwinde, heute Morgen wäre ich bald zusammengebrochen. Aber das interessiert dich ja nicht, du verwandelst mich lieber in einen Affen.“, brummte sie und wollte sich an ihm vorbei schieben. Nur schien er das für eine schlechte Idee zu halten, da er sich wieder in ihren Weg stellte. Sie bemerkte, dass ausgeprägte Augenringe in seinem Gesicht lagen und ihn wie ein Gespenst aussehen ließen.

„Willst du jetzt sagen, dass das meine Schuld ist?“, leicht amüsiert und entrüstet musterte er sie, sie erwiderte seinen Blick angestrengt.

„Wer weiß das schon, oder? Und jetzt geh, ich habe weder Kraft noch Zeit für eine dieser dämlichen Diskussionen, in die du mich so gern verwickelst.“

„Moment, dafür habe ich zwei Anmerkungen: erstens, woher weiß ich, dass du nicht irgendetwas anderes vorhast? Ich werde dich begleiten. Zweitens: Würdest du nicht immer da auftauchen, wo ich gerade bin, würden wir nicht diskutieren müssen.“, beendete er knapp, legte eine Hand auf ihren Rücken, um sie grob in Richtung Krankenflügel zu schieben. Etwas zu hektisch stieß sie ihn an, damit er sie nicht mehr berührte. Neuer Schmerz resultierte aus der zu schnellen Bewegung, was sich in ihrem Gesicht abzuzeichnen schien. Sein Blick verdüsterte sich. „Geh schon.“, murmelte er.

Schweigend erreichten sie die Tür, hinter der die Krankenbetten standen. Malfoy öffnete sie und ließ ihr den Vortritt, allerdings hatte sie keine Zeit dazu, das wertzuschätzen. Madame Pomfrey erschien wie gerufen in einem langen Nachthemd. Besorgt fiel ihr Blick auf die beiden Personen, die sie noch nie gemeinsam gesehen hatte. Kurz wirkte ihre Miene zweifelnd, dann lächelte sie jedoch milde.

„Was ist los?“

„Können sie mir etwas gegen Kopfschmerzen geben? Es wird immer schlimmer.“, erklärte die Brünette. Die Heilerin nickte und machte sich auf den Weg. Augenkontakt vermeidend, also alles ansehend, nur nicht sich gegenseitig, standen sie im Mittelgang des hohen Raumes.

„Entschuldige.“, hörte sie ihn leise sagen, ruckartig wandte sie sich zu ihm, aber ehe sie etwas antworten konnte, kehrte die Schulmedizinerin zurück.

„Nimm davon zwei Tropfen. Wenn es morgen noch nicht weg ist, kannst du auch morgen früh noch zwei nehmen oder nach Bedarf. Aber nimm nicht mehr als 6 an einem Tag und auch nicht länger als eine Woche. In Ordnung?“, erklärte sie routiniert und drückte ihr eine kleine Flasche mit Pipette in die Hand, die sie dankend annahm. „Sonst noch etwas?“

„Ich hätte noch ein Anliegen. Granger, würdest du vor der Tür warten?“, warf der Blonde ein. Verständnislos hob sie eine Augenbraue.

„Ich kann auch allein zurück gehen.“

Er schob sie an der Schulter an: „Nein kannst du nicht. Warte draußen.“

Augenrollend tat sie, was er verlangte und verließ die Krankenstation, wartete neben der Tür. Innerlich gab sie ihm recht, es wäre wohl ein wenig fahrlässig sie nun allein zurückgehen zu lassen, vor allem da er selbst ein Vertrauensschüler war. Dennoch wunderte sie sich im selben Atemzug, weshalb er allein unterwegs war.

„Wir können gehen.“, leise trat er aus der Tür und bedeutete ihr mit einer Handbewegung ihm zu folgen.

„Sag mal, hast du dich vorhin entschuldigt?“, kam sie auf das zurück, dass sie anscheinend gehört haben musste, während sie auf Madame Pomfrey warteten.

„Mhm.“, machte er, kratzte sich im Genick und mied ihren Blick, der sich brennend in sein Profil bohrte.

„Darf ich fragen wofür?“, fuhr sie fort und blieb stehen. Gezwungenermaßen musste er nun auch mitten auf der Treppe innehalten und sich umdrehen.

Unwohl biss er auf seine Unterlippe: „Nein, darfst du nicht.“

„Dann entschuldige dich nicht, wenn du nicht einmal Stellung dazu beziehen willst.“, einen Moment lang vergaß sie, dass sie der Erholung wegen in ihr Bett musste, aber sein Verhalten ließ sie vermutlich genauso wenig schlafen, wenn sie nicht wusste, woher es rührte.

„Na gut.“, er atmete schneidend aus, „Für mein Verhalten in der letzten Zeit. Aber auch nicht mehr. Dass du mich heute unbedingt beißen musstest nehme ich dir übel.“

„Ich war so sauer auf dich. Dass du mich dann in ein Äffchen verwandeln musstest brachte wirklich das Fass zum Überlaufen.“, sie dachte nach. Schließlich überwand sie ihren Stolz, von seinem Worten angespornt: „Tut mir leid.“, Hermine lehnte sich mit einem Ellenbogen auf das Treppengeländer.

„Schaffst du es von hier allein bis zum Gryffindoof-Raum?“, scherzte der Blonde und sah sie an. Sein Mundwinkel zuckte.

„Ha ha, Malfoy. Ja schaffe ich.“, entschlossen richtete sie sich auf und stieg die Stufen empor, an ihm vorbei, nicht ohne ihre Hand anzuheben und ihm gegen sein Ohr zu schnipsen.

„Au! Wofür war das?“, er legte eine Hand auf sein schmerzendes Ohr und drehte sich zu der Brünetten um, die ihn aus ihrer erhabenen Position anlächelte.

„Dafür, dass du ein Idiot bist.“, ohne, dass sie erneut von seinen Worten aufgehalten wurde, setzte sie ihren Weg fort, wünschte ihren Freunden eine gute Nacht, nahm die Tropfen und konnte endlich in einen erholsamen Schlaf driften, der sie traumlos schweben ließ.



~*~

A.N.: Für die Zaubersprüche habe ich, aufgrund mangelnder Kenntnisse in Latein, nur frag-caesar.de benutzt und die erstbesten Übersetzungen eingebaut :D Wenn jemand von euch da bewandert ist und mir Hinweise geben kann/will, gern her damit!

[a] Neologismus aus: Animanus (abgewandelt von Tier animal - wegen fancy Endung á la Rowling), Aurum (Gold), Simia (Affe), Nasus (Nase), Stirpitus (Stumpf) → Goldstumpfnasenaffe

[b] Migale (Frettchen)
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