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It must have been love

von Shatille
KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12 Slash
Taichi "Tai" Yagami und Agumon Yamato "Matt" Ishida und Gabumon
04.07.2020
04.07.2020
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~ It must have been love~


Wow. Das letzte Kapitel von meiner letzten Geschichte “Teachers Order” ist schon wieder vier Jahre alt. An so etwas merkt man immer wie schnell eigentlich die Zeit vergeht. Ich würde gern viel regelmäßiger schreiben, doch meine Prioritäten liegen an anderen Stellen und dann fehlen mir auch oft die Ideen für schöne Geschichten, erzwingen möchte ich es dann auch nicht. Umso mehr freue ich mich euch diese, wenn auch kleine Geschichte nach vier Jahren präsentieren zu dürfen.

Disclaimer: Die Figuren gehören TOEI Animation, ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld, ich schreibe lediglich zu meinem Vergnügen und zur hoffentlichen Freude meiner Leser.
Das Lied, einigen von euch vielleicht bekannt, ist von Roxette und war Titellied zu dem Film „Pretty Woman“ mit Richard Gere und Julia Roberts in den Hauptrollen.

Slash/Boys Love. Don’t like, don’t read.


Ich widme diese Geschichte meiner lieben Freundin SeeraaSataan, ihrerseits sehr talentierte Fanfiction-Schreiberin, v.a. im Digimon (Taito/Yamachi)-Bereich tätig, und wundervolle Cosplayerin, für mich aber vor allem Freundin. =) Hier mal wieder eine kleine Geschichte aus dem Hause Shatille für dich, wenn auch mit etwas traurigem Inhalt. Ich hoffe, sie gefällt dir trotzdem und euch anderen natürlich auch. Jetzt aber los!

~*~

„Yama!“
Deine ausgestreckte Hand, die nach mir greift, dein warmes Lachen, dass mich umhüllt. Es macht mich so glücklich.
„Komm schon, Yama, sie warten alle auf uns!“
Lachend nimmst du meine Hand und ziehst mich mit dir. Ich kann nicht anders als ebenfalls zu lachen und mich von dir mitziehen zu lassen. Warm. Es fühlt sich so warm an.

//It must have been love
But it's over now…//

„Yama…! Ich liebe dich, Yama!”

*

Ein vorwitziger Sonnenstrahl, der sich zwischen den Vorhängen hindurchgeschlichen hat, kitzelt mich an der Nase und lässt mich blinzeln. Noch immer liegt ein Lächeln auf meinen Lippen. Noch habe ich nicht richtig begriffen, dass ich zurück bin. Zurück aus den Träumen, zurück in der Realität. Halb im Schlaf taste ich zu dem Kissen neben mich, als ob dort das Flüstern deiner Stimme eingewebt ist.

//Lay a whisper on my pillow
Leave the winter on the ground//

Doch da ist nichts. Kein Flüstern, kein Lächeln, kein warmer Körper. Auch aus dem Rest meines Apartments hört man nichts… es ist alles still…so still.

//I wake up lonely, this air of silence
In the bedroom and all around//

Das Lächeln meiner Lippen ist längst verblasst, das angenehm warme und geborgene Gefühl in meinem Körper verschwunden, gewichen dem Schmerz und der Trauer, umwebt von Leere. Ich umschlinge das nahe Kissen neben mir, ziehe es eng an mich und krümme mich zusammen, schließe meine Augen wieder und wünschte, ich könnte zurückreisen, zurück zu dem Moment, da du bei mir warst, die Zeit, in der wir glücklich waren.

//Touch me now
I close my eyes
And dream away//

Ich sehe es immer noch vor mir. Dein Lächeln, deine wundervollen braunen Augen, die mich so voller Wärme ansehen, selbst wenn du wie so oft Unfug anstellst oder irgendwelche blöden Witze machst, die mich fast zur Weisglut bringen…

*

„Knife of Day? Was ist denn das für ein bescheuerter Name?“
Lachend verlässt du die Mensa und drehst dich zu mir um.
„Wie wärs mit „Knife of Ramen?“ [kleine Anspielung an dich, liebe SeeraaSataan :D]
„Hey, sei nicht so fies!“
Wie du, immer noch lachend, meiner Faust ausweichst und mich dann selber in den Schwitzkasten nimmst, meine Proteste ignorierend, nur um mich gegen die nächstbeste Wand zu drücken und stürmisch zu küssen.

*

Ich kann deine Lippen immer noch auf meinen schmecken. Deine Zunge, wie sie sanft meine hervorlockt, dein heißer Atem auf meiner Haut, dein fester Griff um meine Handgelenke. Ich dachte, so würde es ewig weitergehen… doch es sollte nicht für immer sein.

//It must have been love
But it's over now
It must have been good
But I lost it somehow
It must have been love
But it's over now
From the moment we touched
Till the time had run out//

Langsam erhebe ich mich aus dem Bett und verlasse das Schlafzimmer in Richtung Bad. Ich brauche dringend eine warme Dusche. Ich tapse durch die stille, einsame Wohnung, bis ich schließlich mein Ziel erreicht habe. In der Dusche lasse ich das warme Wasser über meinen Körper laufen, doch spüre ich es kaum. Immerzu denke ich an dich, an deine Wärme und Liebe, die mich Tag für Tag, Nacht für Nacht erfüllt hat. Ich hatte immer geglaubt, so etwas gibt es gar nicht, und wenn doch, dass mir so was niemals passieren würde, doch du belehrtest mich eines Besseren. In solchen Momenten wie diesen spüre ich immer noch deine Liebe, deine Geborgenheit, wie sie mich von außen umhüllt und von innen ausfüllt.

//Make believing
We're together
That I'm sheltered
By your heart//

Doch du bist nicht mehr da. Und ich bin allein.

//But in and outside
I turn to water
Like a teardrop
In your palm//

Aus dem Bad kommend suche ich mir etwas zum Anziehen, trockne meine Haare. Mein Körper handelt automatisch, wie einprogrammiert, denn eigentlich bin ich ganz weit weg, bin nicht hier mit meinen Gedanken, meiner Seele, meinem Herz.
Ich sollte etwas essen.
Meine tapsenden Schritte führen mich in die Küche. Ich öffne den Kühlschrank, der fast leer ist. Natürlich, wie sollte es auch anders sein. Auch gut, ich habe sowieso keinen Hunger. Einkaufen waren wir immer gemeinsam und ich habe für dich, für uns gekocht. Du sorgtest schon dafür, dass immer etwas zu essen im Hause war.

Ich verlasse die Küche und laufe ziellos in der Wohnung umher. Ich fühle mich unwohl. Alles ist so erdrückend. Die Wände, die Stille, die Leere.
Nein. Ich muss hier raus. Diese Wände engen mich ein, schnüren mir die Luft ab. Alles ist so voll von Erinnerungen an dich, überall die Fotos, die ich nicht wegstellen will und gleichzeitig nicht ertragen kann. Ich muss weg. Nachdem ich Mantel, Schal und Schuhe übergestreift habe, schnappe ich mir noch schnell meinen Schlüssel und haste förmlich aus der Wohnung, hinaus aus dem hohen, modernen Gebäude, vorbei am Portier, hinaus auf die Straße, nichts sehend und hörend. Ziellos laufe ich durch die kalten Straßen Odaibas, doch egal wohin ich gehe, überall sehe ich nur dich, und ich verfalle erneut in wehmütige Gedanken und Tagträume…

//And it's a hard
Winter's day
I dream away//

Die Straßen sind belebt von Autos und Menschen, die eilig von Geschäft zu Geschäft, von Straße zu Straße, von Haus zu Haus laufen, der aufkommenden Kälte entfliehend. Überall blinken bunte Lichter und man hört Weihnachtslieder aus den nahe liegenden Läden und Cafés, wenn die Türen sich öffnen. Bald ist Weihnachten. Eine deiner liebsten Zeiten im Jahr…

*„…gutes Essen und Geschenke. Was will man mehr?!!“
„Klar, dir geht’s natürlich nur darum!“
Etwas genervt, aber auch spöttisch lachend verdrehe ich die Augen, stecke die Hände in die Taschen und sehe dich wartend an.
„Komm schon, Tai, ich will nach Hause, mir ist kalt.“
„Ooooch, Yamaaaa, in dem Laden gibt es aber so tolle Sachen und ich brauche immer noch ein Geschenk für Hikari-chan.“
Ein schmollender Blick aus süßen, braunen Hundeaugen. Ich schließe die Augen und zucke mit meiner linken Augenbraue.
„Lass das, Taichi, du weißt genau, dass ich dir nichts abschlagen kann wenn du so bettelnd guckst. Die ganze Zeit schleifst du mich von einem Geschäft zum nächsten und dann auch noch der Weihnachtsmarkt. Ich dachte, ich kriege dich da gar nicht mehr weg, so viel Essen wie es dort gab! ‚Ich will Gyoza! Uuuuh, Yama, schau mal, dort gibt es französische Speisen, lass uns dahingehen! Yama, schau mal, dort haben sie Churros! Uuh, da hinten gibt es warme Suppen!’ Mir ist superkalt, meine Hände und meine Füße sind fast Eis, ich will heim. Jetzt komm schon.“
„Nur noch dieser Laden, Yama, ja? …“ , ein neuer Dackelblick und dann noch dieser Schmollmund, „ich wärm dich zu Hause schon auf, versprochen…“ gefolgt von einem süffisanten Grinsen.
Ich verdrehe die Augen.
„Na schön… aber wirklich nur noch hier rein. Wenn du dann immer noch nichts für Hikari hast, gehst du an einem anderen Tag noch mal alleine, klar?”
„JIPPIIIIIIE!“, jauchzt du vor dich hin und schlingst deine Arme um mich. Ich drücke dich etwas peinlich berührt weg.
„Sssh, ist ja gut, die Leute gucken schon. Jetzt lass uns schon in den blöden Laden gehen…“

*

Ein kaum merkliches Schmunzeln, dass kurz meine Lippen umspielte, während ich in das Schaufenster des Ladens schaue, vor dem wir vor einem Jahr standen und diskutierten, weicht einem erneuten traurigen Blick. Dieses Jahr scheint so lange her, so fern zu sein. Seitdem ist so viel passiert. Kaum zwei Monate nach diesem Tag wurdest du ganz plötzlich krank. Von heute auf morgen ging es dir so schlecht. Du hattest davor schon einige Male gesundheitliche Probleme gehabt, doch es war nie andauernd und du beteuertest immer, es wäre nichts und wolltest nicht zum Arzt gehen. Du konntest manchmal wirklich stur sein. Und dann der Schlag ins Gesicht…

Meine Füße tragen mich weiter, fern von den blinkenden Reklametafeln, fern von den Weihnachtsdüften und Menschenmengen, die Stille und deine Nähe suchend, in Richtung Strand.

//It must have been love
But it's over now
It was all that I wanted
Now I'm living without
It must have been love
But it's over now//

Die Ärzte konnten dir nicht mehr helfen. Es war zuviel Zeit vergangen und ehe wir einen passenden Knochenmarkspender für dich gefunden hatten, warst du auch schon tot. Dabei hast du so gekämpft. Du wolltest noch nicht gehen. Doch der Krebs war stärker als du.

//It's where the water flows…//

Mein Blick, die ganze Zeit gesenkt, richtet sich nun nach oben. Ich bin angekommen. Vermutlich wollte ich die ganze Zeit schon hierher, ohne es zu wissen, doch letztendlich bin ich hier gelandet.
Im roten Licht sehe ich die Bewegungen der Wellen, höre ihr leises Rauschen. Ich schließe meine Augen und lasse meine Gedanken schweifen, zurück an diesen Tag, diesen schmerzhaften Tag Anfang März.

*
„…Verdammt, Taichi… Du hattest mir doch versprochen wieder gesund zu werden. Wir wollten doch zum Kirschblütenfest gemeinsam mit den Anderen ein Picknick im Park machen. Du hast versprochen, dass du bis dahin wieder gesund bist oder dich zumindest fit genug fühlst.“
Die Tränen nicht mehr zurückhalten könnend sinke ich auf die Knie, direkt zu dem weißen Stein mit deinen Initialen. Ich spüre eine zarte Hand auf meiner Schulter, die mich drückt. Sora.
„Matt…komm schon… wir müssen gehen. Die Trauerfeier beginnt gleich. Hikari und die Anderen warten alle auf uns… Ich denke, Tai hätte gewollt, dass wir…“ Sie bricht ab. Ihre Stimme brüchig.
Ich erhebe mich, drehe mich mit tränenverströmtem Gesicht zu ihr um. Sie sieht mich traurig an.
„Matt… es tut mir so Leid. Er war für uns alle etwas besonderes, doch ich weiß, wie sehr du ihn geliebt hast.“
Sie zieht mich in eine warme Umarmung und ich lasse es geschehen, starre vor mich hin. Ich kann nicht begreifen, dass du nicht mehr da bist.

*

Ich blicke in den kommenden Sonnenuntergang, der das Meer in orange-rote Farben hüllt, deine Farben. Die Farben deines Wappens. Stärke und Wärme. Ich fühle, wie der Wind meine Haare durchfährt und sie mit sanfter, doch kalter Meeresbrise umhüllt.

//It’s where the wind blows…//

Es ist neun Monate her und doch kommt es mir so vor als ob es erst gestern passiert ist. Die Zeit steht für mich still. Manchmal wünschte ich, es wäre vorbei und ich könnte dir folgen, doch dann fehlt mir der Mut dazu. Tk und die Anderen wären wieder traurig, das würde ich nicht wollen, und tief in mir drin weiß ich auch, dass du mir das niemals verzeihen könntest. Also lebe ich weiter, tagein, tagaus, und irgendwie geht es weiter, doch in mir drin ist nichts als Leere und Schmerz.

//It must have been love
But it's over now
It must have been good
But I lost it somehow
It must have been love
But it's over now
From the moment we touched
Till the time had run out

It must have been love
But it's over now
It was all that I wanted
Now I'm living without
It must have been love
But it's over now

It’s where the water falls…

It’s where the wind blows…//


Die Sonne ist schon fast untergegangen und ich fröstle, als eine kalte Brise mich durchfährt.
Es ist Zeit heimzugehen.

~Ende~

 
 
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