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La Vida es un Juego - Haus des Geldes

von Leo05nie
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Der Professor / Sergio Marquina Raquel Murillo
04.07.2020
04.07.2020
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Raquel's Sicht:
„Hände hinter den Kopf!"
Die Worte halten in meinen Ohren nach als ich mit erhobener Waffe durch diese verdammte Finka dem Mann folgte, von dem ich dachte ich könnte ihm vertrauen. Ich war verzweifelt, aber noch mehr spürte ich den Hass, welcher sich auf meine Brust legte und mich fast erdrückte. Schnell lief ich die knarzenden braunen Treppenstufen hinab und richtete mein Blick auf die fleckigen Wände. Wenige Schritte hinter ihm lief ich durch die, mit Absperrband versehene, große Holztür. „Nicht einem Schritt weiter!" rief ich. Meine Stimme klang sicherer als ich mich fühlte. Die Waffe in meinen Händen hatte ich auf Sergio gerichtet, der mit einem grauen Anzug gekleidet und meiner Tasche in der Hand stur weiter lief, in die Richtung meines rot lackierten Wagens. Ich hob die Arme und schoss in die Luft, um diesen Idioten nun endlich zum stehen zu bringen. Dies tat er auch, seine wundervollen braun-schwarzen Haare wehten im Wind, die Pistole die ich immer noch auf ihn gerichtet hatte zitterte in meinen Händen. Mein Atem ging ruckartig. Hass und Wut kontrollierten mich. Langsam drehte sich Sergio zu mir um und ich versuchte es zu vermeiden ihm in die braun-goldenen Augen zu blicken, um nicht darin zu versinken. „Raquel ich werde nicht stehen bleiben. Du wirst mich wohl erschießen müssen" erwiderte er ruhig. Die eisige Kälte in seiner Stimme ließ etwas in meinem Inneren zerbrechen. Mein langes Haar wehte mir in das Gesicht und ich stand da, reglos. Mit der Waffe auf den Mann gerichtet, von dem ich Gestern noch dachte er wäre meine Stütze, von dem ich dachte er würde mich lieben. Ich suchte in seinen Augen etwas ähnliches wie das was sich in meinen Augen vermutlich spiegelte, Hass und Verzweiflung. Doch da war nichts, nur kalte Leere. Er hob die Hände seitlich an und der Riemen meiner Tasche wehte im Wind als er sich umdrehte und die letzten Schritte zum Auto ging. Ich wollte abdrücken. Doch meine Finger die die Pistole umschlossen wollten und konnten sich nicht bewegen. Also lief ich ihm nach, meine Kehle war wie zugeschnürt. Er stieg ins Auto und warf mir einen letzten Blick zu, ich bildete mir ein darin Traurigkeit und Sehnsucht zu erkennen. Doch im Bruchteil einer Sekunde verschwand diese Emotion und seine Augen wurden wieder zu Eis. Mein Wagen rollte vom Gelände. Die Kieselsteine knirschten unter den Rädern und der kirschrote Lack spiegelte das Sonnenlicht. Mit gestreckten Armen hielt ich noch immer die Pistole auf das Auto gerichtet obwohl ich wusste, dass ich niemals abdrücken könnte. Als das Motorgeräusch in der Ferne verklungen war und der aufgewirbelte Staub sich gelegt hatte lies ich meine Arme sinken. Nun überkam mich die Wut. Warum verdammte Scheiße konnte ich nicht abdrücken?! „Scheiße! Mein Telefon verdammte Scheiße!" rief ich aus und strich mir die zerzausten Haare grob aus der Stirn. Wie um Gottes Namen sollte ich zurück nach Madrid kommen? Mir blieb wohl nichts anderes übrig als zu laufen. Voller Wut stapfte ich los als ich die Radspuren meines Wagens sah stieß ich einen Schrei aus, der meine eh schon trockene Kehle zum schmerzen brachte. Doch das ignorierte ich. Als jedoch die Erinnerungen der vergangenen fünf Tage auf mich einströmten, verwandelten sich meine wutentbrannten Schreie im klägliches Schluchzen. Ich hasste mich dafür einfach jemanden in mein Leben gelassen zu haben der so ein mieses Arschloch ist. Verdammte Scheiße er hatte es geschafft mich zu zertrümmern. War das sein Ziel gewesen? Mich zu manipulieren damit er das verdammte Geld in Ruhe aus dieser beschissenen Banknotendruckerei holen kann?! Damit seine Freunde mit ihren Dali-Masken und roten Overalls leichtes Spiel hatten?
Dieser Überfall ist kein normaler Fall, dieser Überfall ist ein verdammter Krieg! Und nun wusste ich das er mich mit in die Tiefe gestürzt hatte. Er der Professor, der Tagsüber für Hass und Wut sorgte und der mich Abends küsste und dem ich die dichten Haare aus dem Gesicht strich wenn er schlief, hatte sich in mein verdammtes Gehirn eingebrannt. „Ich lüge dich nicht an Raquel, es ist das was ich fühle" „Das ist nicht nur mir passiert, es ist dir auch passiert oder warum sind wir sonst hier?" „Ich habe mich in dich verliebt" „Du bist die einzige nicht bedachte Variable in diesem perfekten Plan". All diese Worte, von denen ich mir sicher war das sie gelogen waren, verhinderten, dass ich einen klaren Gedanken fassen konnte. Doch so leicht würde ich nicht aufgeben, so leicht kam er nicht davon. „Ich kriege dich du verdammter Mistkerl!!" schrie ich und wischte mir die Tränen von den Wangen und stapfte weiter durch das verdammte Niemandsland.

Sergio's Sicht:
Mein ganzer Körper war wie betäubt als ich zu ihrem Wagen lief. Ich wollte nicht fahren. Aber ich musste, sonst würde ich meinen jahrelang erarbeiteten Plan mit nur einer Handbewegung zerstören und meinen Bruder in die Hölle schicken und mit ihm alle Anderen. Ich warf ihr einen letzten Blick zu, ich sah wie sie versuchte zu schießen, ich sah wie verzweifelt sie war. Meine Beherrschung entglitt mir für den Bruchteil einer Sekunde, doch ehe ich etwas tun konnte was mich ins Gefängnis bringen würde, stieg ich wie betäubt in den Wagen und fuhr los. Ich bog auf die Straße und schlug mit den Händen auf das Lenkrad ein. Wer bin ich ? Ich habe meine eigenen Regeln gebrochen, ich empfand nichts als Verachtung für mich selbst. Ich hatte Tokio im Gefahr gebracht, den Fluchtplan zerstört. Aber noch schlimmer war, dass ich Raquel gebrochen hatte. Ich habe sie auf die schlimmste Weise hintergangen. Doch alles was ich gesagt habe habe ich ernst gemeint. Ich habe mich in sie verliebt, aber stellt sie nun für mich die größte Gefahr da. Ich muss so schnell wie möglich zurück nach Madrid, denn auch wenn ich sie noch nicht lange kenne, weiß ich, dass sie mich suchen wird und auch wenn ich mir es nicht eingestehen will, sie wird mich finden.
Stumm fahre ich die Landstraße entlang, niemand kam mir entgegen, vermutlich haben sie die komplette Stadt abgesperrt. Ich versuchte an Tokio zu denken, versuchte einen Ersatzplan zu finden. Doch in meinen Kopf war nur Leere. Die Worte von meinem Bruder Andrès spukten in meinem Kopf: „Die Liebe ist nicht planbar". Sie hinterließen einen Echo in meinem Kopf und brannten sich hinein.



(Die Vorlage und Inspiration des Kapitels gab mir Staffel 2 Folge 7 Haus des Geldes)
 
 
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