Dienststellenblues

GeschichteDrama, Freundschaft / P12 Slash
04.07.2020
14.09.2020
33
71.036
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Dieses Kapitel
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04.07.2020 1.501
 
Hallo und Herzlich Willkommen bei meiner neuen Geschichte :-) Mittlerweile meine dritte....ich kann es selbst kaum glauben!

Mir gehört nichts, die Personen sich selbst und sämtliche Geschenisse sind frei erfunden.

Viel Spaß und genießt es!


Tom fährt mit seinen Fingern durch die kurzen blonden Haare, deren zugehöriger Kopf entspannt auf seiner Brust lagert. Der Körper seines Partners liegt entspannt zwischen seinen Beinen, beide genießen den seit langem ersten gemeinsamen freien Abend. Nachdenklich massiert er den Schädel, weiß, dass seinem Freund dadurch Ruhe und Entspannung durch den ganzen Körper fließt. Er hatte ihm am Anfang ihrer Beziehung mal erzählt, dass schon kleine Berührungen ungeheure Auswirkungen auf ihn haben. Über die fünf Jahre, die ihre Beziehung nun schon dauerte, konnte Tom feststellen, dass sein Partner aus einer kleinen Geste, wie dem streicheln seiner Wange mit nur so etwas wenigem wie einem Zeigefinger, unendlich viele Emotionen ablesen kann.

Deshalb war er auch so wichtig im Team der Inspektion 5. Sein Freund  war der “Emotionsfühler”, wenn man es so ausdrücken wollte. Er wurde häufig zu Vernehmungen dazu gerufen, damit er die Emotionen eines Opfers oder Täters einschätzen konnte. Auf diese Art und Weise hatte er erstaunlicherweise schon zu vielen Klärungen beigetragen. Innerlich seufzend erinnert sich Tom an die negativen Aspekte, die so eine Fähigkeit ebenfalls mit sich brachte. Die eigenen Emotionen prägten sich deutlicher aus, als bei anderen Menschen. Das konnte in manchen Situationen sehr anstrengend, wenn nicht sogar hinderlich sein.

Seine Gedanken schweiften träge weiter, wanderten zu seinen Kollegen auf der Wache und ihren Eigenheiten, die jeder Mensch wohl irgendwo besaß. Merkwürdigerweise waren sie bei einigen Menschen auf ihrer Wache deutlicher ausgeprägt als anderswo. Warum das so war, kann Tom nicht sagen. Außer das es, soweit er sich zurückerinnern konnte, schon immer so war. Seine Finger fahren weiterhin durch die weichen Haare. Was im Fernseher läuft bekommt er schon lange nicht mehr mit.

Erik, der schüchterne Ehemann von Ben Decker zum Beispiel, ist der Ruhepol ihrer Dienstgruppe. Ohne ihn und seine beruhigende Wirkung auf jeden im gleichen Raum, hätte es wohl schon so einige schwere Handgemenge gegeben. Auch unter den Kollegen. Der Nachteil war: Erik sprach kaum. Er konnte es, keine Frage. Und wenn es nötig war fand er auch die richtigen und angebrachten Worte. Aber insgesamt war er für den Streifendienst zu ruhig. Das war auch der Grund, warum er den größten Teil seiner Schichten als Funker in der Leitstelle verbrachte. Er war bei Unruhen innerhalb der Wache verfügbar und der mit einem ausgeprägten Beschützerinstinkt ausgestattete Ben konnte in Ruhe seiner Tätigkeit nachgehen, ohne ständig vom Gedanken an Erik vom Dienst abgelenkt zu sein. Das Erik alles andere als begeistert von dieser Einteilung war, konnte Tom irgendwo nachvollziehen. Aber Klaus blieb hart. “Manchmal muss man zum Wohle des Teams eben seine persönlichen Vorlieben zurückstecken” war die Devise ihres Dienstgruppenleiters. Und eigentlich, so hatte es Erik ihm bei einem Feierabendbierchen unter Kollegen einst erzählt, war er ganz froh, sich nicht mit Schnackern und sonstigen uneinsichtigen Menschen herumschlagen zu müssen. Da blieb er doch lieber am Funk, auch wenn er die spannenden und aufregenden Einsätze draußen auf der Straße vermisst.

Tom krault weiter gedankenverloren mit seinen Fingern durch das weiche, blonde Haar. Kann hier und dort sogar noch eine Verknotung lösen.

Der junge Mann in seinem Schoß brummelt leise vor sich hin, döst schon völlig zufrieden und sicher zwischen den Beinen seines Mannes ein. Diese Minuten am Abend waren ihm am Liebsten. Gefangen und sicher in den starken Armen seines Partners, für den er immer tiefere Gefühle entwickelt hatte. Entspannt konnte er sich vom Tag erholen und seine inneren Akkus wieder aufladen. Er wusste, dass Tom diese Zeit genauso liebte. Da hatte ihn der große Oberkommissar nur für sich.
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Am anderen Ende des Viertels zog gerade eine Wirbelsturm der Emotionen durch die Wohngemeinschaft zweier Beamter. Florian sitzt auf dem durchgeleierten Sofa im Wohnzimmer und weiß langsam nicht mehr weiter. Sein Mitbewohner und gleichzeitig bester Kumpel hatte einen anstrengenden Tag hinter sich. Er selbst hatte zwar frei, aber Robin fuhr vier Einsätze, die es jeweils ganz schön in sich hatten. Zusätzlich waren diese Einsätze mit Oberkommissar Sindera, der seine Augen nicht vom Hinterteil eines gewissen Kommissar Sturms lassen konnte. Und das war eine verzwickte Situation für den jungen Beamten, der gerade frisch aus dem Studium bei ihnen auf der Wache zum Dienst eingeteilt wurde. Alle auf der Wache wussten, dass Sindera glücklich mit einer Frau verheiratet war, aber hin und wieder das Abenteuer mit anderen Männern suchte. Robin war jung, drahtig und gut aussehend. Und nicht interessiert. Damit traf er leider genau Stephans Beuteschema. Aber der junge Kommissar war zu neu, zu unerfahren, um dem großen Spanier seine Meinung zu sagen. Zu groß war der Respekt vor dem älteren und ranghöheren Kollegen.

Florian knurrte bei den Gedanken ärgerlich auf, wie oft hatte er dieses Gespräch mit Stephan schon geführt. Er seufzt leise auf, denn er weiß, dass Robin eigentlich nur erschöpft ist und Ruhe braucht. Aber der kleine, zierliche Mann kommt einfach nicht zur Ruhe, läuft unruhig durch die verschiedenen Räume der Wohnung um Dinge zu tun, die völlig unnötig sind. Als der junge Kommissar zum dritten Mal hastig an ihm vorbei rennt und Florian einfach spüren kann, dass Robin kurz vor dem Nervenzusammenbruch steht, greift er durch. Er lässt ein leises grollen seine Kehle hinab wandern, steht gleichzeitig vom Sofa auf und stellt sich seinem Kumpel in den Weg. Der bleibt wie erfroren stehen, als er die Bewegung und die Blockierung seines Weges wahrnimmt.

Zitternd wartet er, dass sein bester Kumpel ihn in die Arme nimmt, leise versichert, dass alles gut werden wird. Robin lässt seine Stirn langsam auf dessen Schulter sinken, entspannt sich mit jedem Zentimeter mehr. Schließlich hängt er völlig schlaff in den Armen seines besten Kumpels, lässt sich von diesem widerstandslos in sein Schlafzimmer ziehen. Er spürt noch, wie Florian ihm eine Decke überlegt, dann sinkt er in einen traumlosen, aber erholsamen Schlaf.
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Im Haus nebenan knurrt Ben ungeduldig und wippt genervt mit dem Fuß auf und ab. Sein Ehemann sollte schon vor gut einer halben Stunde zu Hause sein, aber er war weit und breit nicht zu sehen. Nichtmal eine Nachricht hat Erik ihm zukommen lassen, nicht mal ein Telefonat geführt. Und dafür war jawohl immer Zeit, oder?

Langsam macht sich der blonde Oberkommissar Sorgen, ob nicht doch etwas passiert ist. Sich so gar nicht zu melden ist überhaupt nicht Eriks Art. Er greift zum Handy - immer noch kein Lebenszeichen. Soll er auf der Wache anrufen? Nachfragen ob Erik von irgendwas aufgehalten wurde?

Nachdem weitere zwanzig Minuten vergangen waren und Bens Sorgen sich allmählich ins Unermessliche steigern, greift er erneut und entschlossener zum Handy. Zuerst wählt er die Nummer seines Partners. Als hier erneut die Mailbox anspringt schüttelt er wütend den Kopf, lässt dann das Telefon der Wache klingeln.
"Ben? Was ist..." erklingt die müde Stimme von Oberkommissar Richter, der heute mit seinem Streifenpartner Sindera die Nachtschicht fährt. "Ist Erik noch bei euch?" fragt Ben so neutral wie möglich, will sich seine tiefen Sorgen nicht anhören lassen.

"warte...." kommt nur am anderen Ende. Dann hört er wie eine Tür aufgestoßen wird, Pauls Schritte ertönen. Es klingt, als würde der Oberkommissar eine Treppe hinabgehen, wahrscheinlich zu ihrem Aufenthaltsraum, indem sich gleichzeitig ihre jeweiligen Spinde befinden. Kurz darauf raschelt es, eine weitere, schwere Tür wird aufgestoßen "Erik?" klingt Pauls Stimme von weiter weg "Hallo? Erik? Bist du hier?" Kurz Stille am anderen Ende. Dann: "Hier ist er nicht" nuschelt Paul in den Hörer, Ben vernimmt wie er wieder zu den Büros zurückkehrt.

"Ah, Stephan. Sag mal, hast du Erik gesehen?" klingt kurz darauf wieder etwas gedämpft eine tiefe Stimme durch die Leitung.
"Nee, der ist doch schon lange weg" antwortet Stephan von weiter weg, kaum für Ben zu verstehen. Dennoch hört er die Erschöpfung einer Doppelschicht deutlich heraus. "Ist er nicht zu Hause?" fragt Paul in den Hörer.

Ben verdreht die Augen, hier sieht ihn ja keiner bei dieser Beleidigung seinem Kollegen gegenüber. Würde er anrufen und nachfragen, wenn Erik sicher bei ihm wäre?

Auch Paul scheint seine Frage nun zu realisieren "nee, macht ja keinen Sinn wenn du hier anrufst. Stephan meint er ist schon länger weg und seine Sachen sind auch nicht mehr hier. Der müsste doch längst bei dir sein?" wundert sich Paul.

"Aber das ist er nicht, verdammt!" schreit Ben plötzlich heftig ins Telefon. Paul hält das Handy schnell weit von seinem Ohr weg, kneift kurz geschockt die Augen zusammen. Ben kann echt laut werden.

Stephan taucht mit neugierigen Blick neben ihm auf, blickt dann etwas bedrückt drein. "Melde dich bitte, wenn er aufgetaucht ist" sagt Paul in den Hörer, muss dann auflegen, da eine Frau in der Wache auftaucht. Die Bevölkerung geht vor, da kann er leider keine Ausnahme machen.

"Ja ist gut. Passt auf euch auf" brummt Ben noch, steht hörbar neben sich.

Wo ist Erik?
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