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Anonymous

von Ghuleh
Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Erotik / P18 / MaleSlash
Futaba Sakura Goro Akechi Protagonist Ryuji Sakamoto Sojiro Sakura Yusuke Kitagawa
04.07.2020
13.11.2020
10
48.516
6
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
04.07.2020 1.668
 
A/N: Beim Namen des Protagonisten halte ich mich an P5Dancing und benenne ihn als Ren Amamiya.


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Prolog




3:41 Uhr.
Ein Surren war das einzige, was in der stillen Dunkelheit zu hören war. In regelmäßigen Abständen vibrierte das Handy auf dem kleinen Nachtschrank und nach einigen Sekunden verstummte es wieder. Der Bildschirm hellte sich kurz auf, nur um sich Sekunden später wieder ungeachtet zu verdunkeln, bevor das Spiel von vorn begann.
Ungeachtet.
Ungehört.
Bis zu jenem Augenblick, in welchem das Handy durch die Vibrationen weit genug an den Rand des Nachtschrankes gerutscht war, um herunterzufallen. Das in jenem Augenblick doch wesentlich lautere Geräusch ließ Goro aufsehen, beinahe schon aufschrecken und gleich nach seinem Handy greifen. Immerhin musste er sicherstellen, dass der Bildschirm durch die Kollision mit dem Laminatboden nicht gesprungen war. Unglaublich müde – war er doch vor knappen zwei Stunden erst ins Bett gegangen – tastete er nach dem Lichtschalter der kleinen Tischlampe auf dem Nachtschrank, um diese einzuschalten und sein Handy zu betrachten. Passiert war nichts, bis es erneut vibrierte und somit den Blick auf seinen Sperrbildschirm freigab, auf welchem sich entgangene Anrufe und seit der letzten Benachrichtigung auch noch eine SMS finden ließen.
Wer versuchte denn um diese Uhrzeit noch, ihn zu erreichen und dann auch noch augenscheinlich derart dringend; auf seiner privaten Nummer?

Die Neugier siegte deutlich über die Müdigkeit als Goro sich im Bett aufsetzte, sein Handy entsperrte und erst einmal die Anrufliste öffnete; nur um zu bemerken, dass die Anrufe anscheinend anonym und ohne jegliche Rufnummer eingegangen waren. Die Option zurückzurufen fiel somit also schon einmal weg. Alles was blieb war die Nachricht, auf welche er gleich im Anschluss wechselte, doch auch diese konnte nicht mehr Aufschluss geben als die anonymen Anrufe, denn in ihr befand sich nicht mehr als ein Link. Wieder keine Nummer, kein Text, nichts, nur dieser farblich unterlegte Link zu irgendeiner Website, deren Name augenscheinlich nur aus einer Jahreszahl bestand. Das es irgendwelche Werbung war, blieb in jenem Moment also die logische Schlussfolgerung. Vielleicht sollte er sein Handy beim nächsten Mal doch auf Flugmodus umschalten, bevor er sich schlafen legte.

*


Der nächste Morgen ließ ihn nur noch vage an den Vorfall der letzten Nacht erinnern. All die Benachrichtigungen waren immerhin gelöscht und die Nachricht war geöffnet, wurde dementsprechend nicht mehr auf den Startbildschirm angezeigt. Es gab nichts mehr, was auf den ersten Blick darauf hindeuten konnte und wahrscheinlich war all dieses Theater in diesem Augenblick nicht einmal den Gedanken wert. Goro brauchte keinen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, seines Erachtens hatte er deutlich wichtigere Probleme, welche seine Aufmerksamkeit erforderten. Eines jener Probleme war immerhin nicht weniger als die Zwangsbeurlaubung in welcher er sich zu jenem Zeitpunkt gefangen fühlte. Man hatte ihm den letzten Fall entzogen, weil nahestehende Menschen beteiligt waren. All das würde wohl seine Objektivität trüben.
Schwachsinn.
Erneute, plötzliche Vibrationen seines Handys störten seine Gedanken in jenen Moment ein weiteres Mal. Allein aus Reflex griff er augenblicklich zu dem Smartphone, erwartete einen Anruf, auf gewisse Weise sogar von dieser anonymen Nummer, wurde jedoch auch bei diesem Versuch wieder einmal nur von einer Kurznachricht ohne Absender begrüßt. Wahrscheinlich erlaubte sich jemand einen Spaß, sein Name war immerhin nicht unbekannt. Es war nicht unmöglich, dass sich irgendwelche Kinder oder unreife Jugendliche einen Spaß erlaubten. Gefestigt wurde jener Gedanke nur dadurch, dass sowohl die Anrufe als auch die Nachrichten auf sein privates Handy geschickt wurden. Hätte man ihn wegen etwas Wichtigem erreichen wollen, hätte man es sicher mit der Nummer seines Diensthandys versucht.

Erneut befand sich kaum Inhalt in der Nachricht. Wieder konnte er den Link sehen – die gleiche Website – nur das sich dieses Mal auch noch eine Adresse in der Nachricht befand. Auf etwas dergleichen sollte er sich nicht einlassen, das wusste er genau, doch davon abhalten, wenigstens einmal nach der Adresse im Internet zu suchen, konnte ihn niemand. Der Standort jener Adresse führte jedoch lediglich zu einer Bar. Er konnte unweigerlich nur den Kopf schütteln, doch Vernunft und Interesse lagen in den meisten Fällen ziemlich weit voneinander entfernt. Auf jenen Fall traf wohl das Gleiche zu. Die Crossroads-Bar, zu welcher jene gesendete Adresse führte, öffnete erst am Abend und war im Zentrum von Shinjuku gelegen. Allmählich schlichen sich Gedanken in Akechis Kopf, er konnte es nicht abschalten, musste allein wegen seiner Berufung einfach darüber nachdenken und versuchen, einen Zusammenhang zu finden, warum man ausgerechnet ihm diese Adresse hatte zukommen lassen. Es handelte sich immerhin um einen Nachtclub und dabei spielte Illegalität immer eine Rolle, vor allem in Shinjuku.

Möglicherweise war es deswegen, dass er ein komisches Gefühl bei dieser ganzen Sache hatte. Dann lohnte es sich wahrscheinlich tatsächlich, einmal in die ganze Sache hineinzusehen, wenn man ihn eventuell sogar aus diesem Grund kontaktiert hatte. Die Möglichkeit bestand, doch trotzdem war all das nur eine These. Dass die Bar jedoch trotz der Präsenz in der Stadtmitte in einer Nische gelegen war, bestätigte die These immerhin keinesfalls. Wenn etwas Illegales vor sich gehen würde, passierte das mit Sicherheit hinter den Kulissen. Der Schein durfte dementsprechend nicht trügen. Wie erwartet war die Bar in recht dunklem Ambiente gehalten, das einzige, was augenblicklich ins Auge fiel waren die rotschwarzen Polsterungen der Sitzgelegenheiten. An den Wänden befanden sich bunte LED-Beleuchtungen, welche der Bar deutlich den Charme eines Nachtclubs gaben und auch die beiden Bardamen steuerten ihren Teil deutlich zu diesem Ambiente bei. Langsam ging Goro auf den Bartresen zu und setzte sich auf einen der Barhocker. Viele Gäste waren nicht anwesend, nur eine Frau, welche recht nah am Eingang der Bar saß, war ihm aufgefallen; jedoch auch nur weil sie betrunken wirkte und anscheinend auch schon leicht schwankte. Zudem lachte sie viel und redete laut, als würde sie selbst sich nur gedämpft wahrnehmen. In jenem Augenblick konnte Akechi ihr jedoch keine Weitere Aufmerksamkeit schenken, hatte wichtigere Anliegen zu verrichten. Seinen Koffer, welchen er grundsätzlich bei sich führte, stellte er also neben sich ab, bevor er sich den Mantel auszog und über seine Beine legte.

Die Wärme in der Bar war im Vergleich zu den kühlen Frühlingstemperaturen schon beinahe außergewöhnlich, dafür, dass nicht sonderlich viele Gäste anwesend waren. Bemerkt wurde er dementsprechend auch sehr schnell, was jedoch die Arbeit Undercover zweifellos erschwerte.
„Oh, ein neues Gesicht.“, wurde er sogleich von der Bardame begrüßt, welche sich als selbst Sekunden später auch schon als Lala Escargot, die Inhaberin der Bar, vorstellte.
Der Detektiv lächelte als Antwort nur leicht und nickte ihr zu.
„Was darf es denn für den jungen Mann sein?“, fragte Lala freundlich und betrachtete den Hellbraunhaarigen einen Moment lang.
„Etwas Alkoholfreies, wenn das möglich ist. Können sie etwas empfehlen?“, gab er gleich wieder.
Er hatte sich während seiner Arbeit einfach zu sehr daran gewöhnt, nicht zu trinken, damit man ihn nicht ungeahnt überraschen konnte. Alkohol trübte unweigerlich die Sinne, vor allem, wenn man es nicht gewohnt war. Dennoch war es in einem Job, in welchem man beinahe ausschließlich mit Erwachsenen umgehen musste, beinahe unmöglich, nicht damit in Berührung zu kommen.
„Ich kann einen Green Slipper sehr empfehlen.“, nickte Lala kurz und musste leise lachen, „Aber das Angebot des Abends ist ein Virgin Sunrise.“
„Das Angebot des Abends klingt gut.“, bestätigte er recht schnell und nickte noch einmal zur Verdeutlichung, als er die Inhaberin auch schon zu ihrer Aushilfe herübergehen sah.

Kurz tippte Lala der Schwarzhaarigen auf die Schulter und deutete auf Goro, gab ihr die Bestellung durch und lächelte leicht als ein Nicken von der dunkelhaarigen Schönheit kam.
„Rin wird ihnen ihren Drink zubereiten.“, nickte die Inhaberin der Bar leicht.
Auch eben jene Anmerkung wurde von dem Privatdetektiv nur kurz benickt, während er seine behandschuhten Hände für einen Augenblick auf dem Tresen faltete und seinen Blick noch einmal durch die Bar schweifen ließ. Ein weiterer Gast trat in jenem Augenblick ein, setzte sich ebenfalls an den Tresen. Seinem Auftreten nach zu urteilen, musste er ein Geschäftsmann sein. Ein exakteres Urteil ließ die Situation vorerst nicht zu, zumal beinahe im gleichen Atemzug auch schon wieder nach der Inhaberin verlangt wurde. Die angetrunkene Frau nahe dem Eingang schien mit ihr sprechen zu wollen, doch dies war in jenem Moment sicher nicht das Wichtigste. Immerhin war er sicher nicht in diese Bar gekommen, um sich während seiner Suspendierung zu vergnügen, viel mehr ging es in seinen Gedanken noch immer einzig und allein um jene Kurznachrichten und die fragwürdigen Anrufe. Das auch die Zeit der eingegangenen Anrufe vielleicht eine Rolle spielte, konnte er ebenfalls nicht außer Acht lassen, doch... Sich bis drei Uhr nachts aufzuhalten wäre ebenfalls zu auffällig, wenn jemand ihn tatsächlich erkennen sollte.

Eben jene Person, welche in kontaktiert hatte, musste einen Grund besessen haben, anonym bleiben zu wollen. Anderenfalls hätte sie auch auf seiner geschäftlichen Handynummer anrufen können – ohne die eigene Nummer zu unterdrücken. Die Schwarzhaarige stellte schließlich ein Longdrinkglas auf den Tisch und schob es, zusammen mit einem kleinen Pappdeckel, stumm zu dem Hellbrünetten herüber. Nur ein leichtes Lächeln schenkte Rin dem Mann und kümmerte sich danach um den Mann, welcher erst vor wenigen Augenblicken in die Bar getreten war. Der Drink selbst roch unvergleichlich gut, fruchtig und süß, jedoch konnte man auch einen leichten Duft von Zitrone wahrnehmen. Kurzerhand nahm Goro das Glas zur Hand und nutzte die Gelegenheit, noch einmal daran zu riechen, bevor er den ersten Schluck probierte. Das etwas an dieser ganzen Situation merkwürdig war, bemerkte er erst als er seinen Blick noch einmal zu den anderen beiden Gästen wendete und bemerkte, dass die Schwarzhaarige nur ihm einen Pappdeckel als Unterlage gegeben hatte. Auch das dieser Pappdeckel wahrscheinlich nicht zu der Bar gehörte, fiel ihm in jenem Augenblick auf, denn das Logo darauf hatte er noch nie gesehen. Langsam strich er mit seinem linken Zeigefinger darüber, sein Glas noch immer in der rechten, freien Hand haltend, bevor er den Pappdeckel umdrehte und sofort Handschrift darauf erkennen konnte. Viel war es nicht, was dort stand, nur eine Telefonnummer und 10.000¥. Das Erste, was er sich dazu ableiten konnte, war, dass die schwarzhaarige Bedienung anscheinend auch für die anonymen Anrufe zuständig war. Derart viele Zufälle konnten nicht aufeinandertreffen.
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