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Von Baumhäusern zu Emos

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 Slash
03.07.2020
07.11.2020
11
16.131
2
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Dieses Kapitel
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01.08.2020 1.581
 
Hey :)
Danke für alle Favoriteneinträge und Reviews und viel Spaß mit dem neuen Kapitel!
Liebe Grüße,
spruehgehirn
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Die Straßen waren an diesem Abend natürlich recht leer. Es war wohl einfach zu kalt, um ordentlich draußen zu feiern. Ab und zu gingen aus unterschiedlichen Richtungen schon die ersten Silvesterknaller hoch, vermutlich von Leuten, die auch sonst immer zu früh kommen. Kurz darauf kam ich bei seinen Eltern an und klingelte. Hoffentlich waren sie nicht selbst auf einer Feier. Ungeduldig stapfte ich von einem Fuß auf den anderen, bis seine Mutter mir öffnete.

„Ach hallo Yannik. Finn und Konstantin sind nicht da, sie sind schon auf der Feier“, begrüßte mich seine Mutter lächelnd.
„Das weiß ich, aber es gibt ein Problem“, begann ich und erklärte ihr alles, was geschehen war. Ihr Gesichtsausdruck verändert sich zunächst von fröhlich, zu besorgt und zu schockiert. Zum Schluss war es eine Mischung aus den letzten Beiden. Das ging schnell.
„Ohje, das ist schrecklich. Ich werde meinen Mann sofort losschicken, damit er ihn sucht. Geh du zurück zur Feier. Wenn wir sie haben, wird Finn sich melden. Versprochen! Aber du musst dir damit jetzt nicht dein Silvester versauen!“
„Danke, ich hoffe, es ist alles gut. Konstantin wird sicherlich fertig sein.“
„Das kriegen wir wieder hin. Notfalls hilft ein bisschen Alkohol und Feuerwerk“, meinte sie verschwörerisch und grinste, wirkte jedoch weiterhin eher besorgt.

Wir verabschiedeten uns und ich lief zurück zur Feier. Jenny fing mich gleich an der Tür ab und fragte, wie es gelaufen war. Ich erzählte ihr, was seine Mutter gesagt hatte und Jenny lachte nur. Sie meinte daraufhin, dass sie das Gespräch mit Florian meinte. Diese doofe Hellseherin.

„Wie soll das gelaufen sein? Er hat was mitbekommen, aber weiß nur, dass alles gut ist und er sich keine Sorgen machen muss.“
„Er ist aufmerksamer, als ich dachte“, stellte sie leise fest und zog mich in das Wohnzimmer, wo Ina, Vince und Toni saßen. Jenny hatte soeben zugegeben, dass sie etwas nicht bemerkt hatte. Können wir mal ganz kurz eine Zeitung informieren? Wir haben es doch nicht mit einem übernatürlichen Wesen zu tun, sondern mit einer jungen Dame, die nur viel beobachtet! Ich möchte nochmal betonen: Sie. Hat. Etwas. Nicht. Bemerkt. Habe ich noch nie erlebt.

Während wir im Wohnzimmer waren, fingen wir sofort ein Gespräch an und bemerkten nicht, wie die Zeit verrann. Ich sah nur ab und zu auf mein Handy und behielt es in der Hand, damit ich den Vibrationsalarm bei einer Nachricht merkte. Insgesamt hielten sich unsere Sorgen in Grenzen, weil Finn schneller als Kostas war- immerhin joggte er auch jetzt in der Kälte noch täglich- und er brauchte seinen Orientierungssinn nicht, um ihn zu finden, sondern sah ihn. Sonst wäre sein Freund verloren. Ihn zu beruhigen war eine seiner leichtesten Aufgaben. Außerdem war bei den Beiden schon schlimmeres passiert als dieser winzige Nervenzusammenbruch. Gegen 22 Uhr traf die Nachricht ein, dass alles gut war, was ich den anderen sofort mitteilte.

So wurde es ein Abend, wie bevor Finn und Kon das erste Mal aufgetaucht waren. Wir tranken Alkohol, erzählten alte Geschichten und spielten ein paar Trinkspiele. Nüchtern war ich kurz vor Mitternacht definitiv nicht mehr. Als ich meine Jacke anzog, weil wir alle rausgingen, schwankte ich schon etwas. Klar geradeaus blicken war auch ziemlich schwierig, weil nichts mehr klar war. Immerhin war ich noch nicht sturzbesoffen. Den Weg nach Hause schaffte ich so auf jeden Fall noch locker. Draußen zählten wir auch dann schon den Countdown und es war Neujahr. Ich hatte niemanden zum Knutschen so wie Vince Toni oder Ina Jenny, also stand ich da und sah mir das Feuerwerk an. Plötzlich stand Florian vor mir.

„Frohes Neues Jahr“, rief er mir ins Ohr, da es draußen recht laut geworden war.
„Wünsche ich dir auch“, brüllte ich zurück.
„ Alles okay mit den Beiden?“

Ich nickte nur und er sah etwas erleichtert aus. Dann blickte er zu Jenny und Ina und riss klischeehafterweise einen seiner Lesbensprüche und verschwand wieder. Was war nur mit diesem Typen los? Normal war definitiv etwas anderes. Er tat wieder einen auf dumm. Vorhin war er es nicht. Was ist nur mit ihm los? Multiple Persönlichkeit, Psychopath… Es gab so viele Möglichkeiten und alle waren spannend.

Egal. Ich stieß mit allen meinen Freunden an, als das große Gesabber vorbei war. Wir wünschten uns gegenseitig alles Gute für das neue Jahr und kommentierten das Feuerwerk. Zum Glück wurde dieses Jahr nichts abgeschossen, weil die Flasche einer Rakete umfiel. Irgendwer hatte es wohl stabiler hinbekommen als sonst. Zumindest setzten wir nicht Pias Villa oder die Nachbarprotzhäuser in Brand. Ein Anfang. Die bunten Lichter waren sehr unterhaltsam und lenkten mich gut von allem ab, was mich beschäftigte. Finn und Kon waren eine Nummer für sich, wie sie ihre eigenen Probleme so gut managten war mir ein Rätsel. Dann gab es da Flo, der komisch war. Das Gespräch zwischen uns hatte keiner außer Jenny mitbekommen, also konnte ich das gekonnt unter den Tisch fallen lassen und so tun, als wäre das nie passiert.

Zwei Stunden später lief ich angeheitert nach Hause. Der Weg war irgendwie endlos, aber das war kein Problem. Ich war ihn schon öfter besoffen gelaufen und hatte es jedes Mal geschafft- mehr oder weniger gut.  Meine Eltern waren zum Glück selbst unterwegs und würden nicht da sein. Somit hatte ich vollkommen meine Ruhe, wenn ich an getorkelt kam.

Im Bett angekommen, dachte ich noch kurz an Florian und wie er mich vorhin so verletzt angesehen hatte, als ich ihm was Doofes an den Kopf geworfen hatte. Ich habe bisher immer gedacht, ihm wäre sowas egal oder würde ihm nichts ausmachen, jedoch wirkte das heute mal ganz anders. Was hatte das denn jetzt wieder zu bedeuten?

So vergingen die Weihnachtsferien auch sehr schnell und es wurde wieder Zeit für die Schule. Die anderen sahen Konstantin das erste Mal seit seinem Abgang wieder. Wer weiß, was das werden würde. Viele waren viel zu neugierig- besonders Pia. Ich hoffte nur, dass er das aushielt und uns nicht vor allen nochmal so panisch wurde.
Er meisterte es ganz gut, bis zu dem Zeitpunkt als ein Reporter kam und ihn ausfragen wollte. Da mussten wir als seine Freunde mithelfen und ihn beschützen. Wir schafften es auch, dass Finn und Kosta bis zum Auto kamen und erstmal wegfahren konnten. Ich würde später erfahren, ob sie irgendwo anders abgefangen wurden. Hoffentlich ging es gut. Aber jetzt war mal wieder warten angesagt.

Florian sah mich neugierig an, als ich zurück zur Bushaltestelle lief und zog eine Braue hoch. Er war vermutlich verwirrt, dass wir in der Situation so schnell reagiert hatten. Konstantin hätte keine Befragung durchgehalten, also mussten wir sofort etwas unternehmen. Auch wenn es übertrieben wirkte, ein Journalist könnte ja Dinge ans Tageslicht bringen, die man nicht unbedingt wissen sollte.

„Yannik?“
„Florian“, äffte ich ihn nach.
„Lass das. Ich hab dir nichts getan. Ich hab noch eine Frage.“
„Was willst du“, wollte ich leicht genervt wissen.
„Können wir uns mal treffen?“
„Wie bitte“, meinte ich entgeistert.
„Ich will das nicht besprechen, wenn alle in der Nähe sind“, erklärte er mir.
„Okay. Du hast meine Nummer, schreib mir.“

Ich ging schnell weiter zur Bushaltestelle und war weiterhin verwirrt. Was wollte er denn plötzlich von mir? Er war so fixiert auf mich seit Silvester. Vielleicht lag es daran, dass ich Finns Freund war. Ich hatte somit ja wohl am meisten Ahnung von der Story. Flo wusste zumindest, dass ich was weiß. Das könnte ja schon ausreichen. Ein paar Minuten später vibrierte mein Handy.

Heute 17 Uhr am Sportplatz?

Flo hatte aber schnell geschrieben, da war ja mal sowas von jemand neugierig. Ich antwortete, dass ich da sein würde und steckte mein Handy wieder weg. Die anderen würden sonst fragen, mit wem ich schreibe. Sie warteten gemeinsam an derselben Bushaltestelle mit mir.

Die Zeit verging eigentlich recht schnell bis zum Treffen. Die Schule ging bis 15 Uhr und ich war erst eine dreiviertel Stunde später zuhause. So war es halt, wenn man mitten in der Pampa wohnte und die nächste Schule elendig weit entfernt war. Also hatte ich nur Zeit etwas zu essen und mich fertig zu machen. Ich schminkte mich kurz nach, sodass meine Augen auch wirklich komplett schwarz waren. Schon musste ich loslaufen zum Sportplatz. Wieso auch immer dort. Das war fast außerhalb unserer Kleinstadt und lag in Nähe des Waldes.
Vielleicht ermordet er mich ja und vergräbt mich da. Trauriges Ende für den kleinen Emo.

Draußen war es nicht mehr so kühl, obwohl ja gerade Januar war.  Es waren immerhin über null Grad. Meine Springerstiefel und mein schwarzer Mantel hielten mich gut warm. Ich hatte mir eine schwarze Beanie über meine schwarzen Haare gezogen und meinen schwarzen Schal ergänzte das Outfit perfekt. Ich trage nur schwarz, ist das aufgefallen? Schwarz, schwarz, schwarz sind alle meine Kleider…

Ich lief durch die Straßen und sah mich um. Es waren noch einige unterwegs. Die meisten waren auf dem Heimweg, weil sie gerade von Arbeit kamen. Kinder waren sicher nur draußen, um zur Sporthalle zu kommen, um ihren Hobby nachzugehen. Immer diese sportlichen Zwerge…
Florian stand schon am Sportplatz und sah sich um. Als er mich sah, wandte er sich mir komplett zu und lächelte, soweit ich erkennen konnte. Zügig lief ich ihm entgegen.

„Hey“, grinste er.
„Hallo, also was machen wir hier?“
„Vielleicht spazieren wir ein bisschen, um zu reden“, fragte er mich und sah mich außergewöhnlich unsicher an.
„Ja, klar. Dann mal los. Was ist?“
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Uh... was wollte der liebe Flo nur vom Yannik? Mord?
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