Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Waffenbrüder Staffel 1 - 7. Klopfen an der Tür (P&A)

KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Aramis Porthos
03.07.2020
03.07.2020
1
2.007
8
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 
 
03.07.2020 2.007
 
Hallo, meine lieben Leser!

Heute kommt eine vielleicht für einige unerwartete Waffenbrüder-Geschichte, in deren Zentrum mal nicht Athos und d’Artagnan stehen – mit denen geht es nächste Woche weiter ;-).

Dies ist zugleich eine der ältesten Waffenbrüder-Geschichten; das, was Ihr hier lest, ist also schon fast von Anfang an fest in meinem Kopf etabliert, auch wenn es dazu bisher nie eine Andeutung gab. Deshalb sind viele von Euch vielleicht überrascht – außer Laila, die es sich erst vergangene Woche wünschte und ich lachend gestehen konnte, dass ich den Wunsch längst umgesetzt habe.

Inhaltlich befinden wir uns wie letzte Woche auch nach der Folge 1x09 Anschlag auf die Königin; und das hier spielt quasi parallel zum Gespräch zwischen Athos und d’Artagnan von letzter Woche. Macht es Euch nun bei Kaffee oder Tee mit leckeren Croissants samt Lachs oder frischer Erdbeermarmelade gemütlich und habt viel Vergnügen beim Lesen!

Ann

Klopfen an der Tür

geschrieben am 20.09.2019


Es war spät am Abend.

Porthos stand mitten in seiner Kammer in der Garnison der Musketiere und entkleidete sich mit langsamen, knappen Bewegungen.

Seine Waffengurte hatte er bereits abgelegt und der aufwändig gefertigten Lederrock hing über dem einfachen Holzstuhl. Nun zögerte er, in Gedanken versunken.

 

Es waren aufreibende und anstrengende achtundvierzig Stunden gewesen.

Genau wie ihr junger Freund d’Artagnan hatte er es aus tiefster Seele gehasst, Athos und Aramis mit der Königin zurückzulassen, damit diese sich im Kloster zum Schutz gegen ihre hartnäckigen Verfolger verschanzten, während sie eilends nach Paris ritten, um Hilfe zu holen. Und genau wie d’Artagnan brannte er darauf, zu den Freunden zurück zu kehren, ihnen zur Seite zu stehen, um Frankreichs Königin zu retten.

Es war gelungen.

Musketiere starben nicht so leicht.

Und die Freude, die beiden anderen unversehrt anzutreffen war groß gewesen, so groß, dass er erst eine ganze Weile später begriff, dass irgendetwas vorgefallen sein musste.

Die Blicke, die Aramis und Athos tauschten.

Sie teilten ein Geheimnis.

Etwas, das Athos Unbehagen bereitete und Aramis teils schuldig, teils trotzig - und teils glücklich aussehen ließ.

Seltsam.

Nun - Porthos vertraute beiden zutiefst, und so war er sich sicher, er würde erfahren, worum es ging, wenn es von Nöten war. Damit war die Sache für ihn erledigt...

...bis sie dem ersten Zusammentreffen Louis XIII. mit Königin Anne nach ihrer Rettung beiwohnen durften. Die ungewöhnlich emotionale Zuneigungsbekundung des Königs seiner Frau gegenüber berührte ihn, und er blickte lächelnd zu seinen Kameraden.

Wie erwartet beobachtete Athos die Szene mit stoischem Gleichmut, d’Artagnan mit freundlichem Interesse und Aramis...

Porthos stockte.

Der Blick des dritten Freundes lag wie gebannt auf der Königin - und zeigte einen kurzen Augenblick lang einen so tiefen Ausdruck des Leids, dass es Porthos schier den Atem raubte.

Und dann wusste er es...

Einen einzigen brennenden Moment lang durchzuckte Porthos die heftige Flamme der Eifersucht. Doch das stand ihm nicht zu.

Dieser Art war ihre Beziehung nicht. War sie niemals gewesen.

Sie spendeten einander Trost und Nähe in allzu kalten, allzu einsamen Nächten; teilten im Felde das Lager, um die allzu brennende Leidenschaft zu lindern. Niemals hatte ihre innige Freundschaft daran Schaden genommen. Und wenn einer von ihnen sich dann wieder einer Frau zuwandte, nahm der andere es mit einem wohlmeinenden freundschaftlichen Schulterklopfen und einem amüsierten Hochziehen der Augenbrauen hin.

Denn das Band, das sie teilten, ging weit darüber hinaus.

Porthos, Aramis, Athos - und seit einigen Monaten auch d’Artagnan.

Waffenbrüder.

Loyal und treu - und untrennbar miteinander verbunden...

...und die Flamme der Eifersucht erlosch, ließ nur das tiefe Mitgefühl für den Kameraden übrig, der offenkundig sein Herz an die falsche Frau verloren hatte.

 

Den kaum wahrnehmbaren und doch zutiefst sehnsüchtigen Blick vor Augen, den Aramis der Königin zugeworfen hatte, seufzte Porthos schwer und wollte gerade in einer entschlossenen Geste das Hemd über den Kopf ziehen, als es an seiner Zimmertür klopfte.

Leise, aber unüberhörbar.

Zweimal - Pause - einmal.

Er erstarrte kurz, zog dann das Hemd wieder herunter und rief unterdrückt: „Komm herein.“

Nur einer klopfte auf diese Art zu nächtlicher Stunde an seine Zimmertür.

Und so erstaunte es Porthos nicht im Geringsten, als Aramis durch die Tür trat. Den Kopf gesenkt, ein leises Flehen im Blick, das ihm mit Sicherheit selbst nicht einmal bewusst war, das aber sofort Porthos‘ Herz traf.

Er wusste, weshalb der Freund hier war. Um Beistand zu suchen in seiner Verzweiflung, um Trost zu finden bei einem Freund - um zu vergessen und ein wenig zur Ruhe zu kommen. So, wie er es schon seit Jahren tat - und wie Porthos es umgekehrt auch jederzeit bei Aramis fand.

Und so war es das Natürlichste auf der Welt für ihn, den Freund mit einem leisen Lächeln und einem Kopfnicken hereinzubitten.

„Wein?“, fragte er, mehr, um dem anderen die Möglichkeit zu geben, etwas Unbefangenes zu erwidern als weil er die Antwort nicht kannte.

An solchen Abenden benötigten sie immer Wein.

Es lockerte ihre Zunge - und sorgte dafür, dass gewisse anerzogene Hemmungen abgebaut wurden.

„Gerne!“, erwidert Aramis also auch, mit hörbarer Erleichterung in der Stimme, schloss die Tür und trat zu Porthos an den kleinen Tisch.

Dieser holte zwei Becher und eine noch fast volle Flasche hervor und goss ihnen ein. Sie prosteten sich stumm zu, bevor sie beide in wenigen Zügen austranken. Ohne zu fragen schenkte Porthos nach, zog dann den einzigen Stuhl im Raum nahe an sein Bett, wies Aramis mit einer Geste an, darauf Platz zu nehmen, während er selbst sich auf sein Bett setzte und die Flasche in greifbare Nähe auf seinem Nachttisch abstellte.

Er wusste instinktiv, dass Aramis seine Nähe suchte - brauchte, doch er würde noch etwas Zeit benötigen - und Wein, um den Konventionen, dem Gesetz und der Kirche zum Trotz diesem Bedürfnis auch nachzugeben.

Also begann Porthos mit mitfühlender Stimme: „Zwei verdammt harte Tage, oder?“

Gewichtig nickte Aramis und wiederholte düster: „Zwei verdammt harte Tage...“ Er nahm einen Schluck Wein, starrte vor sich hin und begann endlich: „Ich weiß, dass es falsch ist, Porthos. Ich weiß, dass sie nicht nur verheiratet, sondern unsere Königin ist!“

Aramis hatte zuvor kein Wort darüber verloren, dass es um Anne von Österreich ging. Und mit Sicherheit wusste er, dass auch Athos sein Geheimnis nicht verraten hatte - Porthos und er vertrauten blind auf dessen Loyalität und Verschwiegenheit. Und doch sprach Aramis offen, denn er war sich sicher, dass Porthos längst erkannt hatte, was ihn umtrieb. Vielleicht nicht die Details - aber sein Freund wusste, wie es in seiner Seele aussah... Sie kannten sich zu lange und viel zu gut, als dass es Porthos entgangen wäre.

Aramis stürzte den Rest des Weins in einem Zug hinunter, und wieder goss Porthos ihm ungefragt nach. Er selbst hielt sich zurück - wenigstens einer von ihnen sollte einen halbwegs klaren Kopf bewahren.

„Aber - niemand kann doch etwas für seine Gefühle, oder?“, fuhr Aramis verzweifelt fort und trank erneut.

„Nein - natürlich nicht“, beschwichtigte Porthos. „Nur dafür, wie er mit diesen Gefühlen umgeht...“

Aramis‘ Blick huschte nach oben, musterte Porthos kurz, bevor er sich hastig wieder hinter dem Becher verschanzte und ihn erneut leerte.

Porthos runzelte die Stirn.

Hatte Aramis vielleicht mehr getan, als sich nur unglücklich zu verlieben?

Hatte er sich der Königin genähert? Etwas von seinen Gefühlen preis gegeben?

Einmal mehr fand ihn Aramis‘ Blick, und das Schuldbewusstsein darin ließ ihn für einen Moment fast nach Luft schnappen: Hatte sein Freund die Königin etwa geküsst?

Verdammt - das war Hochverrat! Dafür konnte Aramis hängen!

Porthos schluckte hart - und erklärte mit einem Mal ruhig: „Ich will es nicht wissen, Aramis, in Ordnung? Du bist hier - und du bist in Sicherheit. Das ist alles, was zählt, Und wir werden dich vor weiteren Dummheiten bewahren, die dich den Hals kosten könnten!“

Endlich wagte Aramis, den Freund wieder offen anzusehen, und die erneute tiefe Erleichterung sandte ein schiefes Lächeln über Porthos‘ Gesicht.

„Danke!“, erklärte Aramis aus tiefstem Herzen, und Porthos schüttelte leicht den Kopf, als wollte er damit sagen: Dafür nicht.

„Noch etwas Wein?“, fragte er stattdessen laut, und Aramis schüttelte mit einem sanften Lächeln den Kopf. Es war genug. Stattdessen stand er von seinem Stuhl auf, um wie nebenbei Waffengurte und die Jacke abzulegen, und unwillkürlich schluckte Porthos, was ein leises Funkeln in Aramis Augen aufblitzen ließ.

Ja - diese Nächte dienten vor allem dem Trost, der Gewissheit, nicht allein auf dieser Welt zu sein, doch unbestreitbar bereiteten sie beiden Männern auch eine ganz besondere Art der Lust und der Befriedigung, wie sie sie ausschließlich beieinander fanden. Und so wurde Porthos‘ Lächeln dunkel vor Verlangen als er zusah, wie Aramis sich nun auch seiner Stiefel entledigte und nun mit den Händen in die Hüften gestützt vor ihm stand.

„Wenn du bei ihr sein könntest - würdest du dann noch hierher kommen?“ Die Frage war heraus, bevor Porthos nachdenken konnte. Und wie schon so oft, wenn sein Mund schneller als sein Verstand war, verfluchte er sich innerlich. Doch es war Aramis, der ihm gegenüber stand, und so redegewandt und nie um Ausflüchte verlegen er sonst nach außen hin auftrat - er respektierte ihre Freundschaft viel zu sehr, um nun zu lügen. Auch wenn er sich damit die Chance auf eine Nacht des Trostes verspielte.

Und so antwortete er ehrlich: „Ich weiß es nicht, mein Freund...“

Porthos sah einen Moment lang gedankenversunken an ihm vorbei, bevor er nickte, erneut Aramis´ Blick suchte und mit einem Lächeln, das jedoch nicht ganz seine Augen erreichte beide Arme öffnete...

Aramis sah ihn zweifelnd, schuldbewusst an, doch als Porthos nun mit einem echten Lächeln voller Zuneigung seinen Kopf in einer auffordernden Geste neigte, überbrückte Aramis den Raum zwischen ihnen, und ihre Lippen prallten aufeinander. Schenkten und nahmen, was sie beide benötigten...

 

Die Tiefe der Nacht fand sie lose umschlungen in Porthos‘ Bett.

Aramis´ Atem ging langsam und ruhig, doch Porthos lag wach.

Es war gut so, wie es war.

Er liebte Aramis - nicht mehr und nicht weniger als Athos und d’Artagnan auch, aber manchmal eben auch auf eine andere, ganz besondere Art und Weise. Und wenn er dem Freund mit einer Nacht wie dieser beistehen konnte, tat er es mit Freuden. Und diese Erkenntnis schickte ein sanftes Lächeln über sein Gesicht und ließ ihn leise zufrieden brummen, bevor er nun endgültig die Augen schloss.

Er war schon beinahe in den Schlaf geglitten, als er mit einem Mal Aramis‘ Stimme hörte, leise, aber voll ruhiger Gewissheit: „Niemand kennt mich, wie du mich kennst, Porthos, und nirgends kann ich sein, wer ich wirklich bin, außer bei dir. Ich werde also immer wieder zu dir zurückkehren, mein Freund... Egal, was geschieht...“

Porthos hatte nicht gemerkt, dass er unwillkürlich den Atem angehalten hatte - bis er ihn jetzt mit einem Stoßseufzer ausstieß.

Er spürte den sanften Druck von Aramis‘ linkem Arm, der um seine Brust lag und erwiderte ihn.

Ein Versprechen - und ein Dank.

Mehr war nicht nötig...

 

 

Ein zweites Pairing, wenn auch lose...

Ich gestehe, inspiriert hierzu wurde ich durch wirklich unzählige wundervolle Geschichten zu „Portamis“ auf AO3. Ich hatte bald eine eigene, sehr deutliche Vorstellung davon, wie diese Beziehung aussehen muss. Beide, aber vor allen Dingen Aramis, haben immer wieder Beziehungen zu Frauen, die nicht oberflächlich sind. Sie passen zu ihnen, sind z.T. für die Serie unabdingbar (Aramis und die Königin) – und sind dem Zeitgeist geschuldet, in dem eine offen homosexuelle Beziehung ja unmöglich war. Trotzdem spüre ich auch in der Serie eine besondere Verbindung zwischen gerade den beiden. Es gibt mehrere Hinweise, dass sie sich besonders eng verbunden fühlen.

Um beidem also gerecht zu werden fand ich diese lockere und doch innige Beziehung zwischen ihnen passend. Sozusagen „friends with benefits“, die als Musketiere und Soldaten, die bereits im Krieg waren, Dinge und Erlebnisse teilen, die keine der „zivilisierten“ Frauen verstehen könnte...

Nun bin ich natürlich brennend gespannt, wie Ihr das findet!

Später im Verlauf der Waffenbrüder wird es noch 2-3 Geschichten geben, die sich nochmal explizit auf dieses Pairing beziehen. Nächste Woche aber beginnen wir, die Ereignisse aus 1x10 aufzuarbeiten – eine sehr emotionale Folge, in der sich gerade zwischen Athos und d’Artagnan viel abspielt, was wunderbar zu meinen Plänen mit den beiden passt :-)!

Für heute wünsche ich ein erholsames Wochenende und eine angenehme Woche!

GLG

Ann
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast