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Zurück ins Leben 2.0

von Kerstin72
GeschichteDrama, Romanze / P18
Hanna Becker OC (Own Character) Paul Richter Stephan Sindera
03.07.2020
19.09.2020
18
35.290
6
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
03.07.2020 2.307
 
Hallo zusammen,
dies ist meine erste Fanfiction. Da ich großer "Auf Streife" Fan bin und auch die anderen Geschichten hier schon fast alle gelesen habe, dachte ich, ich probier das auch mal. Ich hab meiner Phantasie freien Lauf gelassen und das kam dabei heraus. Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen. Über Reviews würde ich mich freuen.

Zurück ins Leben 2.0

Kapitel 1

Was für ein Alptraum. Nur, dass es kein Alptraum war, sondern die pure Realität. Dr. Frederik Seehauser kam auf ihn zu und sagte: „Du kannst jetzt noch einmal zu ihr. Lass dir alle Zeit, die du brauchst. Wenn du soweit bist stellen wir die Geräte ab.“  Leise betrat er das Krankenzimmer von Lara. Sie lag in Ihrem Bett und sah aus als ob sie schliefe. Er setzte sich auf den Stuhl neben dem Bett und nahm Laras Hand in seine. Sie war angenehm warm und weich. Er schluchzte auf. Zum tausendsten Mal stellte er sich dieselben Fragen: Warum Lara? Warum musste sich dieses Arschloch besoffen und zugekifft ans Steuer setzen? Sie hatten doch noch so viele Pläne und Träume. Er legte seinen Kopf auf ihre Brust und hörte ihren regelmäßigen Herzschlag. Aber Lara war hirntot. Nur die Maschinen hielten sie noch am Leben. „Baby, ich vermisse dich so sehr“, flüsterte er unter Tränen. Nach einiger Zeit drückte er den Rufknopf für die Ärzte und Schwestern. Jetzt war der Augenblick gekommen, er musste sich verabschieden. Abschied von der Liebe seines Lebens nehmen.

Kurz darauf kam Frederik ins Zimmer. Dieser Fall ging dem sonst so routinierten Arzt sehr nahe. Lara Sindera war nicht nur einfach eine Patientin. Sie kannten sich von gemeinsamen Einsätzen. Lara war, wie ihr Mann Stephan, bei der Polizei. Auf Betriebsfeiern der Einsatzkräfte hatte er das Paar auch privat näher kennengelernt. Außerdem wohnten sie seit kurzem im gleichen Haus. Er legte Stephan eine Hand auf die Schulter und sagte leise: „Ich entferne jetzt den Tubus und dann stellen wir die Geräte ab. Ok?“ Stephan rutschte mit seinem Stuhl nach hinten und nickte stumm. Er schlug die Hände vors Gesicht und wartete. Frederik trat zu Lara, entfernte den Beatmungsschlauch und stellte danach die Maschinen, die sie am Leben gehalten hatten, ab. Als die Null-Linie zu sehen und ein endloses Piepen zu hören war, stieß Stephan ein gequältes „Neiiiiiin!“ aus und brach weinend zusammen. Der junge Arzt strich seinem verzweifelten Freund über den Rücken und sagte leise: „Ich lass euch noch ein paar Minuten allein.“ Dann verließ er leise mit Tränen in den Augen das Zimmer.

Auf dem Gang warteten die Eltern von Lara, Stephans Eltern und seine Schwester. Sie hatten sich schon vorher von Lara verabschiedet. Zu den Anwesenden sagte der Arzt: „Lassen sie ihm noch ein paar Minuten.“ Dann ging er in sein Büro. Auch er brauchte etwas Zeit um sich wieder zu sammeln.
Stephan stand wieder bei Lara am Bett. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände, beugte sich zu ihr und küsste sie ein letztes Mal. „Machs gut mein Engel“, flüsterte er. Dann verließ auch er das Zimmer.
Draußen nahm seine Schwester Katharina ihn in den Arm. Seiner Mutter brach es das Herz, ihren Sohn so leiden zu sehen. Gemeinsam verließen sie die Klinik am Südring.

Eine Woche war vergangen seitdem die Geräte abgestellt wurden. Eine Woche in der er neben seiner Trauer, Behördengänge erledigt und die Beisetzung organisiert hatte. Alleine war er so gut wie nie. Meist wechselten seine Schwester, seine Mutter und Paul, sein bester Freund sich ab. Er war total genervt von der vielen Fürsorge. Er wollte einfach mal alleine sein.  Gerade machte er mit Paul einen Spaziergang. Ihn konnte er noch am ehesten ertragen. „Paul“, fing er an, „bitte tu mir einen Gefallen und schlaf heute Nacht zuhause. Ich brauch mal ein bisschen Zeit für mich. Außerdem solltest du auch wieder mal Zeit mit Julia verbringen.“ Paul konnte Stephan ja irgendwie verstehen. Aber seine Mutter und Katharina hatten Angst, dass sich Stephan was antun würde. Paul antwortete: „Du weißt was deine Mutter und Katharina davon halten?“ „Paul, ich bring mich nicht um. Wenn ich das wollen würde, würde ich mich bestimmt nicht von euch davon abhalten lassen.“ Schweigsam gingen sie nebeneinander her. Jeder hing seinen Gedanken nach. Als sie wieder vor dem Haus von Stephan ankamen sagte Paul: „Ok. Ich geh jetzt. Bitte mach keinen Scheiß.“ „Versprochen!“, erwiderte Stephan. „Ach und noch was. Ich hätte dich morgen bei der Trauerfeier gerne an meiner Seite. Bitte Paul, ich schaff das nicht allein.“, setzte er noch hinzu. Paul drückte seinen Freund noch einmal kurz an sich und sagte: „Geht klar. Ich bin für dich da – immer.“ Danach verabschiedeten sich die Freunde voneinander.

Endlich allein dachte sich Stephan als er die Wohnungstür hinter sich schloss. Morgen Nachmittag würde die Trauerfeier sein. Er hatte eine Scheißangst davor – nach vielen Menschen war ihm zurzeit überhaupt nicht – und die würden definitiv morgen kommen um auch von Lara Abschied zu nehmen. Er legte sich ins Wohnzimmer auf die Couch, schloss die Augen und ließ die letzten Jahre Revue passieren. Er war kein Kind von Traurigkeit und war sich seiner Wirkung auf Frauen sehr wohl bewusst – besonders auch in Polizeiuniform.  Er konnte sich noch genau an den Tag erinnern, als Lara ihren ersten Tag auf der Wache hatte. Schon als sie sich ihm vorstellte wusste er, diese Frau musste er haben. Es dauerte nicht lange und sie waren ein Paar. Als er daran dachte wie sie ihren Dienstgruppenleiter Klaus Wiebel manchmal fast in den Wahnsinn trieben, musste er grinsen. Bald zogen sie zusammen in eine kleine Wohnung, dann die Hochzeit vor eineinhalb Jahren. Der Traumurlaub auf Mauritius. Sie hatten sich geliebt im weißen Sand unter Palmen. Vor ca. 3 Monaten hatte ihn Lara, nachdem sie sich ausgiebig geliebt hatten und aneinander gekuschelt im Bett lagen, gefragt: „Schatz, was hältst du davon, wenn ich die Pille absetze?“  Er hatte sie lächelnd angeschaut und gemeint: „Ich bin dabei. Lass uns gleich mit üben anfangen.“ Sie hatte gekichert und gemeint: „Du wirst bestimmt mal ein toller Papi.“ …….. Und dann kam die Nachricht vom Unfall …..

Es war Anfang Februar. Lara hatte an diesem Tag frei und ihre Eltern besucht. Auf dem Heimweg passierte es dann. Ein 23-jähriger war mit seinem Wagen auf der Bundesstraße 59 in Richtung Pulheim unterwegs. Bei einem Überholvorgang übersah er das Auto von Lara und stieß frontal mit ihr zusammen. Lara war im Auto eingeklemmt und schwerstverletzt. Der Unfallfahrer hatte nur leichte Verletzungen davongetragen. Er stand unter Drogen- und Alkoholeinfluss. Den Einsatzkräften an der Unfallstelle bot sich ein Bild des Grauens. Der RTW mit Besatzung Kevin Lippert und Justin Weis kam gleichzeitig mit der NEF Besatzung mit Notarzt Alexander Hetkamp und seinem Fahrer Franco Fabiano an der Unfallstelle an. Fast zeitgleich trafen die Polizeistreife 15/32 mit Marc Westerhoven und Michael Weber und die Feuerwehr ein. Als Marc das völlig zerstörte Auto sah und es erkannte geriet er in Panik. „Michael, das ist das Auto von Lara.“ Er rannte los, Michael hinterher. Auch Notarzt Alexander Hetkamp war mit Stephan und Lara befreundet. Wohnten sie doch im selben Haus. Nachdem er den ersten Schock überwunden hatte, spulte er seine gewohnte Routine ab. Er musste Lara retten. Er gab Kommandos und übernahm die Erstversorgung von Lara. „Scheiße, es sieht nicht gut aus. Sie muss so schnell wie möglich in den RTW. Kammerflimmern – Defi – schnell!“ Marc und Michael waren mit diesem Einsatz total überfordert. Kämpfte doch dort eine Kollegin gerade mit dem Tod. Es war gut, dass noch 2 weitere Streifen von einer anderen Wache an der Unfallstelle waren. „Wir müssen Stephan Bescheid sagen.“, meinte ein völlig geschockter Michael. Schließlich war es Marc der das Funkgerät nahm und „Arnold für die 15/32 bitte kommen“ hineinsprach. Arnold meldete sich. Marc sagte nur: „Hol mir Klaus an den Funk.“ Seine aufgeregte Stimme alleine veranlasste Alina Klaus sofort zu holen. „Arnold für die 15/32 bitte kommen“ sprach Klaus ins Micro. Sofort meldete sich Marc: „Klaus, Lara hatte einen Unfall. Es sieht glaub ich nicht gut aus. Du musst es dem Stephan irgendwie beibringen.“ Michael hatte in der Zwischenzeit in Erfahrung gebracht in welches Krankenhaus der RTW sie bringen würde. Marc ergänzte noch: „Sie fahren in die Klinik am Südring. Er soll sich beeilen.“ Klaus war total geschockt. Wie sagt man einem Kollegen, dass seine Frau gerade nach einem Unfall mit dem Tode ringt?“ Er stand auf und lief auf das Büro von Stephan und Paul zu. Die beiden fertigten gerade ihre Berichte an. „Stephan kommst du bitte mal sofort in mein Büro!?“, sagte er nur und ging in Richtung seines Büros – so hatte er noch ein paar Augenblicke Aufschub und konnte sich sammeln, bevor er die schreckliche Nachricht überbringen musste. „Das klang irgendwie komisch. Was hast du angestellt?“, fragte Paul seinen Freund. „Keine Ahnung. Bin gleich wieder da.“, meinte der Dunkelhaarige und verließ das Büro. Klaus saß hinter seinem Schreibtisch als Stephan das Büro betrat. „Setz dich bitte!“, sagte er. Stephan bemerkte die angespannte Situation sofort. „Was ist los?“, fragte er. Als er saß fing Klaus an: „Stephan …………… Lara hatte einen Unfall.“ Alle Farbe wich Stephan aus dem Gesicht. „Was?“, fragte er. „Wo?“ Klaus stand auf und kam um den Schreibtisch herum. „Sie bringen sie in die Klinik am Südring. Paul fährt dich hin.“, sagte er.

Die Fahrt zur Klinik war der Horror. Auch Paul war total fertig mit den Nerven. Doch er musste sich auf den Verkehr konzentrieren und seinen Freund Stephan nebenbei am Durchdrehen hindern. Als sie an der Klinik ankamen sprang Stephan sofort aus dem Auto und rannte Richtung Notaufnahme. Die Schwester am Empfang, zeigte sofort als er hereingestürmt kam, Richtung OP. Sie kannte Stephan und Lara auch, wenn auch nur vom Sehen. Als Stephan vor den OPs ankam saßen dort auf den Stühlen davor Notarzt Alexander Hetkamp und Franco Fabiano. Der junge Notarzt hatte die Arme auf die Beine gestützt und die Hände vors Gesicht geschlagen. Notfallsanitäter Franco starrte einfach vor sich hin. Als Stephan die beiden erkannte, eilte er auf sie zu. „Was ist mit Lara? Wie geht es ihr? Was ist passiert?“ Alex sprang erschrocken auf und bugsierte Stephan erstmal auf den nächstbesten Stuhl. „Alex, was ist mit Lara?“ Stephan war außer sich vor Angst. In der Zwischenzeit war auch Paul vor dem OP-Trakt angekommen. Alex setzte sich neben Stephan und versuchte zu ihm durchzudringen. „Stephan, hör mir zu.“ Es war nicht leicht was er seinem Freund jetzt sagen musste.  „Wir mussten sie zwei Mal reanimieren. Die Ärzte da drin tun alles für sie. Aber es sieht nicht so gut aus.“ Stephan sprang wieder auf. „Ich will sofort zu ihr!“ Paul war neben Stephan getreten und sprach ihn scharf an. „Stephan, du beruhigst dich jetzt sofort. Setz dich wieder hin.“ Er drückte in auf den Stuhl zurück. Zu viert saßen sie vor dem OP und warteten auf Informationen. Stephan war in sich zusammengesunken, nur ab und zu kam ein Schluchzen von ihm.

Als endlich die Tür zum OP aufging und Frederik Seehauser herauskam, sprang er wieder auf. Die anderen fünf, inzwischen waren auch Michael und Marc da, hinterher. „Freddy, was ist mit Lara?“ „Stephan“, fing der junge Arzt an und sah Stephan dabei in die Augen. „es tut mir so leid!“ Stephan sah ihn fassungslos an. „Was ist mit Lara?“, fragte er wieder. Doch Frederik schüttelte den Kopf und sagte leise: „Wir haben alles versucht  ….….“ Langsam drangen diese Worte zu Stephan durch. Seine Kollegen und Freunde standen geschockt und hilflos neben ihm, als er plötzlich mit einem verzweifelten „NEIN!!!!!“ zusammensackte. Paul und Marc konnten ihn gerade noch so auffangen. Das war zu viel für den jungen Polizeioberkommissar. Als er wieder zu sich kam lag er auf einer Liege und Frederik saß neben ihm. Paul saß, die Hände vors Gesicht geschlagen, in der Ecke des Raumes auf einem Stuhl. „Na da bist du ja wieder.“, sprach Frederik Stephan an. „Was ist passiert?“, fragte Stephan. „Stephan, du bist zusammengebrochen…. Lara hatte einen Unfall ….. wir konnten sie nicht retten ….. ich hab dir was zur Beruhigung gespritzt.“, redete der Arzt ruhig mit Stephan. Stephan setzte sich auf. Er befand sich wie im Autopilot-Modus. „Kann ich bitte zu ihr?“ „Natürlich, ich bring dich zu ihr. Komm.“, sagte Freddy. Er blickte zu Paul und dieser stand ebenfalls auf. Sie nahmen Stephan in die Mitte und machten sich auf den Weg zur Intensivstation. Auf dem Weg dorthin klärte Frederik in seiner Funktion als Arzt Stephan darüber auf was ihn dort erwartete. „Sie hängt noch an den Maschinen, nur dadurch schlägt das Herz noch. Das Gehirn arbeitet nicht mehr. Die Verletzungen waren zu schwer.“ Er machte eine Pause um das Gesagte sacken zu lassen. „Stephan, ich weiß, dass das jetzt nebensächlich für dich ist, aber hatte Lara einen Organspendeausweis?“ Immer noch wie ferngesteuert antwortete er: „Ja, wir haben beide eine Verfügung. Da steht alles drin für den Fall der Fälle. Auch welche Organe sie spenden würde.“ „Gut. Die bräuchten wir.“, sagte Freddy. Die nächsten gut eineinhalb Stunden saß Stephan an Laras Bett, weinte und versuchte zu verstehen was hier für ein Film ablief. Paul blieb bei ihm, hielt sich aber im Hintergrund. Auch er war geschockt und Tränen liefen ihm übers Gesicht. Aber er wollte seinen Freund jetzt nicht allein lassen.  Frederik hatte den Raum verlassen war aber rufbereit falls Stephan ihn brauchte. Irgendwann drehte sich Stephan zu Paul und meinte: „Ich muss meine und Laras Eltern anrufen. Sie müssen doch wissen was passiert ist.“ Paul stand auf und ging vor seinem Freund in die Hocke. „Komm, ich bring dich nach Hause. Das kannst du von zuhause aus erledigen.“

Nachdem sie noch kurz bei Frederik Seehauser gewesen waren und Stephan ihm zugesichert hatte am nächsten Morgen die Verfügung vorbei zu bringen fuhr Paul Stephan nach Hause. In dieser Nacht ließ Paul Stephan nicht alleine. Wozu, wenn nicht gerade in solchen Situationen, waren beste Freunde da. …….
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