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Hinter den Kornblüten

von Lumay
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character)
02.07.2020
03.01.2021
11
21.058
3
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02.07.2020 815
 
Hinter den Kornblüten


Ein Vogel flog über die hohen Gipfel bedeckt mit Schnee
Aus seinem Schnabel ertönte ein zarter Klang
Eine romantische Art von Gesang
Denn die kalte Luft der Freiheit tat nicht mehr weh
In seiner Kehle
Es war Balsam für seine Seele

Sein neues Leben lag vor ihm in der Ferne
Ein Weg ihn dort hinzuführen
Am Himmel standen tausend Sterne
Er würde jeden einzelnen mit den Flügeln berühren

Hinter ihm die Schatten der Stadt
Er war fast da
Seinem Ziel so nah
Rasch flog er durch die funkelnde Nacht
Wo Himmelslichter sprühten
Hinter den aufgehenden Kornblüten



Gerüchten zufolge existierte eine andere Welt. Hinter Panem. Hinter den Kornblüten, den Rapsfeldern und der gerade untergehenden Sonne. Da, wo das Licht den Horizont berührte, der sonst so unantastbar in der Ferne lag. Kein Schatten würde ihn mehr der Freiheit berauben.
Man wusste nicht viel darüber. Es gab Geschichten, die man sich am knisternden Lagerfeuer erzählte, von denen manche wahr waren und manche unwahr. Ein großes Rätsel, das im Untergrund stets gegenwärtig blieb und unter der Oberfläche brodelte.
Einige Menschen hatten versucht, das Land zu verlassen – aus diversen Gründen, doch das Ziel war immer dasselbe gewesen: Sie wollten in eine andere Welt. Und alle, die geflohen waren, teilten die gleiche Meinung, dass dort ein besserer Ort wartete als hier in den ärmlichen Distrikten, die unterdrückt wurden, in denen man so hart arbeitete und dennoch täglich Hunger litt. Es war strengstens verboten, die Heimat zu verlassen. Im Kapitol wurde dies als Verbrechen angesehen und bitter bestraft, was zur Abschreckung dienen sollte. Angeblich wurden die Menschen, die sich den Gesetzen widersetzten als Sklaven im Kapitol festgehalten, gefoltert, gequält oder getötet. Trotzdem unternahmen immer wieder Menschen den Versuch, ihrem Elend zu entkommen und die Frage zu lösen, was hinter Panem lag, auch wenn ihr Leben dabei auf dem Spiel stand.

Auch sie war eine unter den Geflohenen. Das einzige Mädchen, das sein Herz je berührt hatte. An das er jede Nacht denken musste. Auch heute noch trugen ihn seine Träume zu ihr. Er fragte sich ständig, was aus ihr geworden war. Ob sie es geschafft hatte und nun an einem anderen, fernen Ort verweilte. Dinge sah, die er nie sehen würde. Oder, ob sie im Kapitol gefangen war oder gar tot war. Er wollte sich jedoch gar nicht vorstellen, dass sie vielleicht längst nicht mehr am Leben war, denn das ließ ihn bitterlich erschaudern. So oder so könnte er es nicht herausfinden und er würde sie nie wiedersehen, denn niemand, der die Distrikte verlassen hatte, kehrte je wieder zurück. Doch er hoffte, es ginge ihr gut und sie war glücklich. Obwohl sie ihn damals mit ihrem Verschwinden sehr verletzt hatte und er geglaubt hatte, es würde ihm nie wieder besser gehen. Doch das war lange her.
Inzwischen hegte auch er den grenzenlosen Wunsch, zu fliehen; einfach zu verschwinden. Er hatte schon lange darüber nachgedacht, doch hatte er es nie ausgesprochen und es sich selbst eingestanden. Da er wusste, was auf dem Spiel stand und er wollte unter keinen Umständen jemanden zurücklassen, so wie sie es damals getan hatte. Er konnte nicht freiwillig gehen, denn da wo seine Familie war, war seine Heimat. Dennoch blieb die ewige Sehnsucht, das Fernweh in seinem Inneren und sprudelte, schäumte und drohte ihn manchmal zu besiegen.

Stundenlang betrachtete er die gezackte Linie, die den Horizont malte und stellte sich die absurdesten Sachen vor, die dahinter auf ihn warteten und ihm still und heimlich zuwinkten. Irgendwann würde er es vielleicht doch herausfinden, das hatte er im Gefühl, das war ein Impuls, das war sein Wunsch. Sein Hunger, der von keinem Brot der Welt gestillt werden konnte. Ein Bedürfnis seiner Seele, eine Begierde seines Herzens. Der Drang, wie ein Vogel davon zu fliegen und die Gier alles hinter sich zu lassen, nur nach vorn zu blicken. Die Hoffnung, ein besseres Leben zu finden. Eine Illusion, die sich in eine Bestimmung zu verwandeln drohte. Denn die Gefahr war allgegenwärtig und wachsam mit ihren hungrigen, roten Augen, die jeden seiner Gedanken einfangen konnte.
Die Zukunft lag vor ihm und wie ein leeres Blatt Papier wartete sie darauf beschrieben zu werden. Entschlossen nahm er einen Bleistift zur Hand, warf noch einen langen Blick aus dem Fenster zu der roten Sonne, die die Getreidefelder in einem feurigen Rot leuchten ließ und den Himmel in warmes Licht versetzte; und malte.





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Herzlich Willkommen zu meiner neuen Geschichte! :D
Ich hoffe der Prolog hat euch gefallen und ich konnte euch für diese Story etwas begeistern :)
Betaleserin war Mer, lieben Dank dafür an dieser Stelle nochmal!
Ich bin bereits fleißig am Schreiben und versuche mich so gut es geht zu verbessern und weiter zu entwickeln. Also ich hoffe euch hat der Anfang schon mal zugesagt und bleibt dran ;)

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