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Mediatores – Frieden oder Tod

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Harry Potter Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Severus Snape
02.07.2020
29.04.2021
23
39.586
32
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70 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
08.04.2021 2.810
 
Das war das letzte Kapitel mit dem Titel Gefühle, versprochen :D
Ich hab tatsächlich beim Schreiben eine Träne verdrücken müssen, vielleicht hätte ich nicht gerade traurige Musik an der Stelle hören sollen^^
Ich würde mich super freuen, wenn ihr mir einen Kommentar da lasst. Lest ihr noch interessiert an der Geschichte mit, oder wartet ihr nur darauf, dass endlich Snape auftaucht?
Heute gibt es auf jeden Fall schon mal ein kleines bisschen über Snape zu lesen.
Viel Freude!


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Sie fanden sich am nächsten Morgen wieder auf der Wiese ein und nach den üblichen Wiederholungen konzentrierte sich Harry besonders stark um Voldemort nur die Bilder von Snape zu zeigen, die er diesen auch sehen lassen wollte.

Zunächst war ein Moment aus einer Stunde Verteidigung gegen die dunklen Künste zu sehen.
~ Snape hatte Harry für eine Demonstration nach vorne geholt und ihn einen Schildzauber errichten lassen, auf den er einen mächtigen Angriffszauber abfeuerte. Harry musste mit seiner ganzen Kraft dagegen halten und doch kam ein Strom von Snapes Magie bis zum ihm. Sie fühlte sich warm und kraftvoll an, legte sich um ihn, als ob sie ihn schützen würde und durchdrang ihn. Und Harry merkte schlagartig, wie sehr ihn diese pulsierende Magie erregte und sah Snape unumwunden mit schnell schlagendem Herzen an.
~  Es war Nacht und Harry wanderte durch die Gänge Hogwarts, als plötzlich Snape am Ende des Korridors erschien. Harry drückte sich in eine dunkle Nische und seine Augen waren fest auf den Mann gerichtet, der ihm zielstrebig entgegen kam. Halb hoffte er der andere würde ihn trotz des Tarnumhangs bemerken, würde ihn sehen, würde mit ihm reden müssen. Doch Snape bemerkte ihn nicht und Harry sah ihm noch lange sehnsüchtig hinterher.
~  Harry saß im Zelt und starrte auf die Karte des Rumtreibers. Die anderen beiden schliefen schon, doch er sah wie gebannt auf die Fußspuren neben dem Namen Severus Snape, die unruhig Kreise im Schulleiterbüro liefen und Harry fühlte wie ihn ein warmes Gefühl durchströmte.
~  Harry saß beim Nachsitzen und erneuerte Karteikarten an Snapes Schreibtisch. Als er mit der aktuellen Karte fertig war, blickte er hoch und betrachtete Snape, wie dieser einen Aufsatz korrigierte. Eine jähe Welle von Zuneigung durchströmte ihn, als ihm klar wurde, dass er es diesem Mann zu verdanken hatte, dass er kein Mörder geworden war. Dass dieser nicht nur ein starker Zauberer war, sondern zum Glück auch heilen konnte, wo andere wahrscheinlich nur noch hilflos neben dem verblutenden Draco gestanden hätten. Harry würde eigentlich nach Askaban gehören, stattdessen ließ Snape ihn nur diese lächerliche Strafarbeit machen, bei der er sogar noch mehr über seine Eltern und deren Freunde erfuhr.

Der Moment, als er traurig auf dem Astronomieturm saß und Snape ihn entdeckte, spielte sich nun weiter ab.
~  Harry hatte nicht auf Snapes Frage geantwortet, was er denn hier machen würde. Es war ihm egal gewesen, was mit ihm passieren würde. Er hielt sich sowieso für eine Belastung und eine Gefahr für andere. Es wäre das beste, wenn Snape ihn einfach erledigen würde. Doch Snape tat nichts dergleichen. Er setzte sich neben Harry, so nah, dass sich ihre Schultern berührten und Harry lehnte sich unwillkürlich leicht an ihn. Snape sagte nichts, sondern war einfach nur da und Harry konnte seinen Tränen zum ersten Mal freien Lauf lassen, ohne das Gefühl zu haben, für irgendwen stark sein zu müssen. Sie hatten ewig schweigend zusammen dort gesessen, bis die Dämmerung anbrach und es brachte Harry dazu, alles zu überdenken, was er über den Mann zu wissen glaubte.

Die Szene war zu Ende und Harrys Gedanken schweiften ab, so dass sie sich zu seinem Entsetzen in einem seiner schlimmsten Momente wiederfanden.
~  Harry rappelte sich halb blind vor Schmerzen vom Boden auf. Die flackernden Flammen von Hagrids Hütte erleuchteten die Silhouetten der fliehenden Todesser. Die spitzen Schreie von Seidenschnabel übertönten Fangs verzweifeltes Bellen. Harry war hin und hergerissen. Er wollte Snape dafür leiden lassen, was er Dumbledore angetan hatte, aber er wollte ihn gleichzeitig auch vor Seidenschnabel schützen. Er wollte ihn aufhalten, ihn packen und schütteln um zu erfahren warum er es getan hatte. Er war sich so sicher gewesen, dass Snape auf ihrer Seite war. Doch dann hatte er mit ansehen müssen, wie Snape eigenhändig Dumbledore umgebracht hatte. Und der gefühlt genauso große Verrat war, dass Snape der Halbblutprinz war, zu dem Harry so eine enorme Verbundenheit gespürt hatte. Es war als hätten ihn schon wieder zwei Menschen im Stich gelassen, auf die er sein Vertrauen gesetzt hatte.

Schwer atmend brach Harry die Verbindung ab und ließ sich nach hinten ins Gras fallen. Der helle Himmel schmerzte in den Augen, doch er wagte es nicht die Augen zu schließen, aus Angst diese Bilder noch einmal sehen zu müssen.

„Liebe…“ sagte Voldemort mit einem verächtlichen Unterton, nachdem er Harry einige Minuten Zeit gelassen hatte, sich zu sortieren.
Harry seufzte und sagte, „Ich hab gesagt, dass es kompliziert ist. Man kann sich schwer aussuchen, wen man liebt.“
„Wie kannst du ihn lieben, wo er doch Dumbledore getötet hat?“

Harry wandte Voldemort den Kopf zu und antwortete „Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Und ich glaube, dass mehr dahinter steckt, als ich sehen konnte. Wusstest du, dass Dumbledore eh nur noch wenige Monate zu leben hatte? Er hat es mir zwei Wochen vor seinem Tod anvertraut. Und als ich mit ihm wieder nach Hogwarts kam, war er so geschwächt, dass ich befürchtete, er stirbt mir direkt dort unter der Hand weg. Und er hat ganz eindeutig nach Snape verlangt. Nicht nach der Krankenschwester. Und dann hat er Snape geradezu angefleht. Aber wer weiß worum. Dumbledore hat mich die ganze Zeit magisch festgehalten, obwohl ich ihm hätte helfen können. Manchmal glaube ich, er wollte, dass Snape ihn tötet.“

„Oder du redest dir das nur ein, damit du ihn weiter auf ein Podest stellen kannst. Ich wusste zwar nicht, dass Dumbledore sowieso sterben würde, aber das ändert nichts daran, dass ich dem jungen Malfoy den Auftrag erteilt hatte Dumbledore zu töten. Und Severus sollte für ihn einspringen, falls er es nicht schafft. Am Ende ist es egal, wie es gelaufen ist, das Ergebnis war wie gewünscht.“
„Für mich macht es einen großen Unterschied, weil ich mich seit Jahren gefragt habe, auf welcher Seite Snape wirklich steht.“, sagte Harry nachdenklich.
„Ich mich auch.“ gab Voldemort mit einem amüsierten Grinsen zu.

Ihre Trainingseinheiten waren immer noch körperlich und mental sehr anstrengend, so dass sie sich nach dem Mittagessen noch etwas Erholung gönnten, bevor Harry schließlich darauf bestand, dass Voldemort seinen Teil der Abmachung einhalten würde.

Voldemort schien nicht wirklich erpicht darauf, aber er hielt Harry seine Hand hin, der sie ergriff und kurz darauf seiner Verbindung zu Voldemort folgte und sich in einer Erinnerung von Hogwarts vor über 50 Jahren wiederfand.
~  Da stand der junge Tom Riddle im Alter von ungefähr 16 Jahren. Sein Gesicht war bildhübsch und er strahlte eine gewisse charmante Selbstsicherheit aus, die durchaus attraktiv wirkte. Sie standen in Slughorns Räumen und um sie herum schnatterten die anwesenden Schüler aufgeregt, während sie sich langsam erhoben, um hinaus zu gehen. Offenbar handelte es sich um ein Treffen des Slugclubs, das gerade zu Ende gegangen war. Toms Augen lagen auf einer jungen Hexe, die ihre Bücher zusammensammelte, die nicht mehr in ihre volle Tasche passten. Harry fühlte das warme Gefühl, das Tom bei ihrem Anblick gefühlt hatte und kurz darauf Überraschung, als er den Mund geöffnet hatte und „Minerva?“ gesagt hatte.
Die Hexe drehte sich mit wehenden Haaren um und schenkte ihm ein warmes Lächeln. „Ja, Tom?“
Harry wäre fast die Kinnlade heruntergefallen, als er ihr Gesicht sah. Sie war wunderschön, hatte kluge, stechende Augen, die von einer Entschlossenheit zeugten, die nur wenige in diesem Alter schon zeigten.  Aber der verspielte Zug um ihren Mund machte deutlich, dass sie auch für die lustigeren Seiten des Lebens etwas übrig hatte.
Harry fühlte den leichten Anflug von Panik, die mutiger Entschlossenheit Platz machte, als Tom sich traute zu fragen: „Ich wollte fragen, ob du mit mir zum Ball gehen möchtest?“
Minerva sah ihn überrascht an, aber schien nicht von vornherein abgeneigt zu sein.
„Ich wusste gar nicht, dass du etwas für Bälle übrig hast.“, neckte ihn Minerva.
„Vielleicht hat mir nur die richtige Begleitung gefehlt.“ gab Tom zurück.
Minerva errötete und sagte lächelnd, „Dann danke ich dir für die Einladung. Ich würde gerne darüber nachdenken, bevor ich dir meine Antwort gebe. Ich muss jetzt los zu Professor Dumbledore. Aber ich sag dir dann Bescheid, okay?“
Mit hoffnungsvoll klopfendem Herzen sah Tom dem Mädchen hinterher und fragte sich, was nur in ihn gefahren war, dass er sie ernsthaft gefragt hatte.

~  Die Szene veränderte sich und Harry sah Minerva, die auf dem Gang mit gesenktem Kopf an Tom vorbeiging, als ob sie ihn nicht bemerkt hatte. Er spürte Toms Unsicherheit als dieser schließlich rief „Warte, Minerva.“
Widerwillig blieb sie stehen und drehte sich nervös um. Diesmal war kein Lächeln auf ihrem Gesicht und sie sah Tom nur mit einem leichten Stirnrunzeln an.
„Hallo Tom“ sagte sie angespannt. „Es tut mir leid, falls du noch auf eine Antwort gewartet hast. Ich muss deine Einladung ablehnen. Ich muss mich auf meine Prüfungen vorbereiten und Dumbledore hat mir angeboten, dass ich noch mehr Trainingsstunden bei ihm nehmen kann. Da habe ich keine Zeit für einen Ball. Deswegen werde ich auch keine Zeit mehr für den Slugclub haben. Ich muss leider auch gleich weiter. Sorry.“ Bei ihrem letzten Wort trat tatsächlich etwas wie Bedauern in ihre Augen, doch dann hatte sie sich schon umgedreht und war davon geeilt. Tom blieb alleine im Korridor zurück in einem Gefühlschaos zwischen Enttäuschung, Eifersucht und Wut
Naja, würde er halt nicht zu dem Ball gehen, sondern in der Zeit seinem räudigen Vater einen Besuch abstatten…

Harry betrachtete Voldemort, der einen traurigen Gesichtsausdruck hatte.
„Du glaubst, dass Dumbledore zu ihrem Sinneswandel geführt hat?“
„Ich bin mir absolut sicher. Oder hast du eine bessere Erklärung dafür? Er wusste wo ich herkomme und hatte schon immer Vorbehalte mir gegenüber.“, sagte Voldemort frustriert.
„Tut mir leid“, sagte Harry mitfühlend und dieses Mal schien Voldemort es annehmen zu können.

Als Harry am nächsten Tag nach der Auffrischungsübung vorschlug, dass sie als nächstes das Gefühl der Angst ansehen sollten, schlug Voldemort stattdessen einen Tag Pause zur Erholung vor. Nicht, dass Harry da groß etwas dagegen einzuwenden hatte, aber er musste es sich arg verkneifen einen Spruch zum Thema „Angst vor der Angst“ zu machen.

Also willigte Harry ein und sie nutzen den restlichen Tag dazu gemütlich am Strand zu liegen und ab und zu schwimmen zu gehen. Harry, der noch nie am Wasser Urlaub machen konnte geschweige denn überhaupt Urlaub, genoss diese Gelegenheit und konnte sich gut vorstellen, später mal ein Haus am Meer zu haben. Als er Voldemort davon erzählte, sagte dieser, dass er ein geheimes Anwesen in der Nähe von einem Muggledorf erworben hatte, das direkt am Meer liegt.
„Wie kam es dazu?“, fragte Harry neugierig.
„Ich brauchte einen Rückzugsort, wo mich keiner erkennen würde, wenn ich untertauchen müsste. Und wer würde Lord Voldemort schon in einem Muggledorf suchen?“ fragte Voldemort sarkastisch.
Harry musste lachen. „Stimmt. Und wie ist es so?“
„Ich war noch nie dort.“, gab Voldemort zu.
„Oh. Zeigst du es mir mal, wenn wir hier rauskommen?“ fragte Harry.
„Klar. Warum nicht.“ willigte Voldemort ein.

Am nächsten Tag stellten sie sich dann endlich dem Gefühl der Angst, was auch für Harry alles andere als angenehm war, als er gezwungen war die angsteinflößenden Szenen nochmal zu erleben.
~  Wie die Kälte langsam die Glieder empor kroch und Harry schließlich die grausige Gestalt der  Dementoren sehen konnte, die ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ.
~  Der Verbotene Wald, mitten in der Nacht. Von überall Geräusche, die potentiell tödlich sein konnten. Und schließlich er und Ron inmitten einer Horde hungriger Riesenspinnen.
~  Der Raum der Wünsche erfüllt vom wild lodernden Dämonenfeuer, der Ausgang kaum noch zu sehen. Draco, wie er in Todesangst vor den Flammen stand und Harry nicht noch jemanden sterben sehen wollte.
~  Die Greifer, die sie trotz aller ihrer Vorsichtsmaßnahmen aufgespürt und überwältigt hatten. Wie ausgeliefert sie gewesen waren und nicht wussten, ob das das Ende ihrer Reise sein würde.
~  Wie Ron von einem großen Ungetier mit gebrochenem Bein unter die peitschende Weide gezogen wurde.
~  Wie sich später am gleichen Abend Remus Lupin in einen Werwolf verwandelt hatte und sein Heulen ihnen durch Mark und Bein ging.

Widerwillig gab Voldemort zu, dass er dieses Gefühl durchaus kannte. Vor allem im Bezug auf seine eigene Bedeutung und Unsterblichkeit. Er wollte immer die Oberhand behalten, da er Angst davor hatte, seinen eigenen Erwartungen und denen der anderen nicht gerecht zu werden. Die Vernichtung seiner Horkruxe, das Näherrücken der Sterblichkeit ängstigte ihn, genauso wie dieser Weg, den sie eingeschlagen hatten, da auch an seinem Ende seine Sterblichkeit stehen sollte, wenn es nach Harry ging.

Sie fuhren die nächsten Tage damit fort sich gegenseitig Szenen aus ihrer Erinnerung zu zeigen und dem Erlebten die Gefühle zuzuordnen, wobei es am Anfang noch etwas verwirrend war, da selten nur ein Gefühl vorherrschend war, sondern man oft gemischte Gefühle hatte oder sie sich ineinander umwandelten.

Doch nach und nach schien Voldemort sich besser mit den Gefühlen identifizieren zu können und auch Harry konnte über ihre Gespräche einiges mehr über sich selbst und seinen Gegenüber lernen.

Schließlich machten sie ein Spiel daraus, abwechselnd dem anderen eine Szene zu zeigen und der andere musste raten, welches Gefühl gesucht war. Und ohne, dass die beiden ehemaligen Feinde es merkten, führten ihre Gespräche und gegenseitigen Einblicke in ihre Leben nach und nach dazu, dass sie auf dem besten Weg waren Freunde zu werden.

Als die große Ziffer über der Uhr schließlich eine 20 zeigte, hatte Harry das Gefühl, dass es so weit war. Voldemort war bereit dafür, beziehungsweise sie beide waren bereit dafür, dass sie zusammen ins schwerste Gefühl eintauchten, dass sie noch erwartete:

Und so setzten sie sich mit einem ernsten Gesichtsausdruck in die gewohnten Positionen und Harry ließ die Trauer zu, die er oft beiseite schob, um im Alltag funktionieren zu können.
~  Sirius, der durch den Schleier fiel. Wie Harry verstand, was es bedeutete. Wie die ganze Welt einfach aufhören sollte sich zu drehen. Wie er seine Verzweiflung hinaus geschrien hatte.
~  Dumbledore, der über die Brüstung fiel, Harry der es nicht glauben wollte. Harry der über seinen Leichnam gebeugt war. Wie er bemerkte, dass das Medaillon kein Horkrux gewesen war. Dass Dumbledore umsonst gestorben war.
~  Wie seine treue Hedwig gestorben war und Harry nicht verstand, was jetzt noch an der Zaubererwelt von Wert sein sollte. Wie es ihm jedes Mal weh tat, wenn er eine weiße Eule sah. Wie er manchmal ein Geräusch hörte und dachte, dass sie gleich zum Fenster hineingeschwebt kommen würde, bis ihm einfiel, dass sie das nie wieder tun würde.
~  Wie Dobby sie alle gerettet hatte und dafür mit dem Leben bezahlt hatte. Wie Harry das Gefühl hatte, dass dieser Elf für ihn mehr getan hatte als ein Großteil der Zaubererwelt. Wie er mit seinen eigenen Händen das Grab aushob, bis seine Hände voller Abschürfungen waren. Wie er mit schmerzendem Herzen auf die Inschrift „Hier liegt Dobby, ein freier Elf“ blickte.
~  Wie er Cedric Diggory gegriffen hatte und wieder mit zurück nach Hogwarts gebracht hatte. Wie seine Eltern schreiend zusammen gebrochen waren, als sie nicht verstehen konnten, dass ihr Sohn seine Teilnahme am Turnier mit dem Leben bezahlen musste.
~  Wie sie erfuhren, dass Mad-Eye Moody es nicht geschafft hatte. Wie Harry sich fragte, wie er überleben sollte, wenn selbst so ein erfahrener und kampferprobter Auror es nicht geschafft hatte. Wie schuldig er sich fühlte, dass auch Moody sein Leben gelassen hatte um ihn, Harry zu schützen.
~  Und schließlich seine Eltern. Wie er weinend über dem Fotoalbum saß, das er von Hagrid geschenkt bekommen hatte und zum ersten Mal einen Einblick in das Leben seiner Eltern erhielt. Wie er sich fragte, ob sie ihn wohl geliebt hätten. Ob sie eine richtige Familie hätten sein können.

Das Durchleben dieser tiefen Trauer war für beide sehr schmerzhaft, so dass sie danach kraftlos im Gras lagen und keiner von beiden sprechen wollte oder konnte. Harry konnte seine Tränen nicht zurückhalten und fühlte den Schmerz des Verlustes wieder so stark, wie an den Tagen aus seiner Erinnerung.

Gerade jetzt fiel es ihm unglaublich schwer, Voldemort nicht dafür verantwortlich zu machen. Rachegelüste vernebelten ihm die Sinne, doch dann fühlte er eine Hand auf der seinen. Und durch ihre gefestigte Verbindung spürte er das Mitgefühl, das Voldemort für ihn empfand.

Tief in sich drin spürte Harry, dass Voldemort kurz davor stand wenigstens das Leid, das er Harry zugefügt hatte, aufrichtig zu bereuen.
Und diese Hoffnung brach durch seine düsteren Gedanken, wie ein Sonnenstrahl und er erwiderte stumm den Händedruck.
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