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Tutto è capovolto   due

von Juliaa
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Alec Aro Caius Jane Marcus OC (Own Character)
01.07.2020
27.11.2020
13
26.380
10
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Dieses Kapitel
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22.11.2020 3.474
 
яıƨκαптε ɢεƨcнäғтε ραят 3



Zugegeben, ich war geschockt. Wie lange war ich schon bei den Volturi? Mehrere Wochen jedenfalls. Dachte ich. Monate?
Ich hatte den Überblick verloren, was mir ein flaues Gefühl im Magen verursachte.
Bis her hatte ich meine Neugierde immer in Zaum halten können, aber ich begann die Dinge zu überdenken. Mehrmals.

Welche Teile hatte Alec ausgelassen?

Irgendwie fühlte ich mich schlecht. Er wusste einiges über mich, ich hingegen… beinahe nichts über ihn.
Zu meiner Verteidigung, ich hatte schwerlich Möglichkeiten, ihn dazu zu zwingen, mir etwas zu erzählen, so wie er es bei mir getan hatte.

Er genoss eben mehr Freiheiten und Möglichkeiten.

Aber jeder meiner Gedanken fühlte sich mehr nach einer Ausrede an.

Diego hatte mich ruhig beobachtet, als ich in Gedanken versunken war. Ich räusperte mich etwas und sah wieder zu ihm hinauf.
„War deine Frage auf die mein Wissen von der Existenz anderer… kurioser Lebewesen bezogen?“
„Weniger…lebend.“, grinste er. Ich rollte nur leicht mit den Augen.
Ich spürte leichte Aufregung durch meine Adern schießen. Von was wusste ich noch nicht?
„Zentauren, die armen Meerjungfrauen und kleinen Feen mussten ja kaltblütig von Caius ausgerottet worden sein. Wenn ich mich recht erinnere, war Aro für die Einhörner verantwortlich?“, ich versuchte ein Lachen zu unterdrücken, um meine Worte möglichst serös präsentieren zu können.

Kurz war Stille eingetreten und er blickte mich voller Ernst an. Plötzlich entglitten mir alle Gesichtszüge. Einmal, nur einmal auf dieser Welt wünschte ich mir, nicht recht zu haben.  
„Ni-nicht wirklich, oder?“, fragte ich etwas sprachlos.
Diego fing plötzlich an verräterisch zu grinsen und begann zu lachen. Natürlich nicht, vielen Dank auch. Er fuhr sich durch sein schokoladenbraunes Haar und legte den Kopf in den Nacken.
„Ich weiß nicht, ob ich Alec damit etwas vorwegnehme, aber ich denke ich muss dich für heute Abend in die Welt der Werwölfe und Gestaltwandler einweihen.“
Jetzt war ich völlig sprachlos. Er wirkte nicht, als hätte er Witze gemacht, keineswegs. Ich schluckte einmal hart und versuchte nicht, mein Kinn fallen zu lassen. Es war tatsächlich sein voller Ernst. Glücklicherweise half mir mein Körper aus meiner spontanen Kurzschlussaktion und ich fing mich wieder. Ich musste nicht hinterfragen, ob er die Wahrheit gesagt hatte, die Antwort wusste ich bereits.

Er konnte leicht an meinem Gesicht ablesen, dass mir das neu war. Aber irgendwie war ich mehr neugierig als beängstigt.

Er bot mir seinen Arm an und ich hing mich ein. Diego warf einen kurzen Blick zu Alec und deutete mit seinem Kopf zum Ausgang, Alec nickte nur stumm und war wenige später wieder in sein Gespräch vertieft. Der junge Mann von vorher saß neben ihm und auf dem Schoss des Mannes eine dunkelhaarige Schönheit, die den zweiten Blick, dem ich ihr zuwarf, wert war. Im Gegensatz zum Raum, indem wir vorher waren, warf mir, als wir hinter dem Vorhang waren, niemand mehr undeutliche Blicke zu. Schade, ich hatte die Aufmerksamkeit genossen.

Er führte mich bis zum Gelände und deute mir an, nach unten zu sehen. Um ehrlich zu sein konnte ich im ersten Moment nicht viel erkennen, da sich die Wesen unter mir zu schnell bewegten.

Ich erkannte den riesigen… Boxring von vorher und unterhalb des Innenbalkons waren mehrere Zellen zu sein. Mit dicken Eisenstäben. Zumindest ging ich davon aus. Und ich hörte Fauchen, Kratzen und leises Gejaule. Einer der Tiere traute sich näher heran, sodass ich es zu Gesicht bekam. Zu meiner Überraschung sah es ebenfalls nach oben und mir direkt in die Augen, ich brach sofort Blickkontakt ab, als es begann, sich über die Zähne zu lecken. Das Fell war strubbelig und strohig und sah ungepflegt aus. Die Augen waren Braun aber sahen rot angeschwollen aus. Man konnte am Rücken die Wirbelsäule erkennen. Diegos Lachen holte mich aus meinen Gedanken.
„Falls du den Tieren jemals in der freien Wildnis begegnest, würde ich dir empfehlen, zu beten. Sie fressen kleine Mädchen wie dich.“
Ich sah ihn kurz fragend an. „Sie fressen Menschen?“
Er nickte kurz und sah zu dem wütenden Tier hinab. „Im Gegensatz zu Gestaltwandlern, die sehen gepflegter aus, etwas zivilisierter, nur den unerträglichen Gestank tragen beide Wesen.“, er rümpfte gespielt die Nase. Ich zog scharf die Luft ein, aber nahm keinen Geruch war. „Ich rieche nichts.“, stellte ich fest. Diego grinste wieder. „Davon bin ich ausgegangen.“, beinahe als würde er mich auslachen. Nett.

Nach mehreren gezielten Blicken nahm ich zwei dunkle Augenpaare wahr, die nach vorne gerichtet waren. Der Mann hinter Gittern war an den Armen, Fußknöcheln und am Hals angekettet. Ich konnte selbst von der Distanz erkennen, dass er kein Mensch sein konnte. Diego folgte meinem Blick und wurde etwas ernster. „Wir lassen sie hungern, damit sie ehrgeiziger sind und für ihre Beute gewinnen wollen.“
„Das ist ihre Belohnung? Versorgung?“, ich war überrascht.
„Meistens ja.“ Ich überdachte seine Worte. Wir.
„Warte, du bist mitverantwortlich für das alles?“, beinahe überschlugen sich meine Wörter und ich war etwas enttäuscht, dass ich nicht früher darauf gekommen war.
Er lächelte wieder nur. „Wir bereisen die ganze Welt und geben jedem Unsterblichen mit einem wohlgefüllten Portemonnaie die Chance, die Kämpfe zu sehen. Wir haben die besten Sklaven ausgewählt oder trainiert und mit Kampfgeist gefüllt. Ebenfalls, Werwölfe zu finden ist schwer. An Vollmond zu gefährlich und als Menschen beinahe unmöglich. Die Gestaltwandler sind das schlimmste Problem, weil sie noch seltener sind und nicht verwandelt werden können. Unser Markt ist ausgeprägt und weltbekannt.“, erzählte er stolz.
Ich musste Grinsen. „Ich bin nicht davon ausgegangen, dass die Mythe der Werwölfe stimmt. Und das mit dem Vollmond? Ich meine, Aro hat mit seinen Einflüssen dafür gesorgt, dass jeder ein falsches Bild von Vampiren hat, aber Werwölfe waren ihm egal?“
Diego zuckte mit den Schultern. „Nicht mein Zirkel. Aber ich denke, er fühlt sich nur zum Schutz der Vampirwelt verantwortlich.“
Innerlich vertiefte ich mich wieder in meine Rätsel. Hatten beide Wesen zu viel Angst vor dem jeweils anderem, sodass sie nie wagen würden, etwas zu offenbaren? Waren die Werwölfe eine genau so geregelte Gemeinschaft wie die Volturi? Denn wie ich heute an einem Beispiel betrachten konnte, musste sich nicht jeder Vampir zivilisiert verhalten.
Mein Blick wanderte durch die restlichen Gefangenen und den Wächtern, die jeweils vor der Zelle standen. Einige fein gekleidete Vampire standen ebenfalls unten und schienen einige davon genauer zu betrachten. „Was machen die da unten?“, fragte ich verwirrt nach.
Diego lachte leise auf. „Sie informieren sich persönlich Julia, das ist empfehlenswert, weil es bei den Wetten um eine hohe Menge Geld geht.“
Meine Augen weiteten sich. „Wie funktioniert das ganze System?“
Er hatte eindeutig meine Neugierde gehört und änderte seine Position. „Es ist immer eins gegen eins. Die Zuschauer setzten darauf, wer gewinnt und wie viele Runden es dauern wird. Derjenige, der richtig schätzt oder nächsten liegt, bekommt einen Teil davon, was eingezahlt wurde.“
„Wenn man teilnehmen will, muss man also vorher einzahlen?“
„Für jede Setzung, die man einreicht, muss man zahlen.“
„Wie viel Prozent behaltet ihr?“
„Ach, du gehst ins Detail?“, lächelte er amüsiert. Ich bis mir auf die Lippe. Er hatte Interesse in mir geweckt. „Ich meine, so wie ich gehört habe, bekommen wir ebenfalls einen Teil ausgezahlt. Und somit sind wir doch ebenfalls in die Geschäfte involviert. Also, bloß keine Scheu.“, mein Grinsen war so spielerisch mit einem Hauch von Verführung, dass ich mich am liebsten selbst ausgelacht hätte.
„Es ist genug, dass Caius auch Jahrtausende später trotz seiner reihenweise anderen laufenden Einkommensquellen immer noch gerne Teil unserer Geschäfte ist. Reicht das als Antwort?“ Ich musste mich wohl damit zufriedengeben, dass ich heute nicht mehr als Antwort bekommen würde. Ich lächelte leicht und nickte.
„Nun erlaube mir ebenfalls ins Detail zu gehen.“ Ich hob meinen Kopf an und war gespannt, was er mich fragen wollte. „Was hast du Alec angetan, dass er sich für dich entschieden hat? Ich kenne ihn schon beinahe sein ganzes Leben. Er hatte nie das Verlangen, sich zu binden. Und ich wäre nicht davon ausgegangen, dass er es mit einem Menschen tuen würde.“
„Du klingst ja beinahe so, als wären wir verheiratet. Und um deine Frage zu beantworten, ich habe selbst nicht den leisesten Anschein einer Ahnung.“
„Ich meine, ich kann seine Entscheidung durchaus verstehen, aber trotzdem wirkt es unerwartet.“
Nun, ich schätze, das war die zweite Bestätigung, dass Alec nicht Aros Befehl ausführte. Diego hätte mich niemals so direkt darauf angesprochen, wenn er eine Vermutung gehabt hätte. Aro hätte ihn höchstwahrscheinlich töten lassen. Er war ziemlich empfindlich und pingelig, was seine Befehle anging.

„Wir haben viel miteinander gesprochen, als ich ins Schloss gekommen bin. Er schien der einzige zu sein, der keine bösen Hintergedanken hatte, wenn er mit mir sprach, im Gegensatz zu jeder anderen erdenklichen Person in diesem verwirrten Schloss.“
„Und was ist jetzt?“
„Was meinst du?“, fragte ich überrascht nach.
„Du meintest, ihr hättet viel gesprochen, was ist nun?“
„Jetzt ist es anders. Angespannter. Verklemmter. Seit ich von seiner Inanspruchnahme weiß, lässt er keinen Moment aus, mich auf mein Fehlverhalten hinzuweisen.“
„Vielleicht ist es besser so.“ Mein Blick ging ungläubig zu ihm. „Wie bitte? Weshalb?“
Er verlagerte seine Position erneut und strahlte Ruhe aus, welche sich angenehm auf mich auswirkte. „Bei euch gibt es eine deutliche Rangordnung, so wie bei vielen anderen Zirkeln. Es ist also von extremem Vorteil, wenn du weißt, was du tun darfst und was nicht. Ansonsten kann das ziemlich schnell unseriös wirken und euren Namen in den Dreck ziehen.“
„Als ob das so schnell auffallen würde.“
Mich empfing ein sanftes Lächeln seinerseits. „Schon vergessen? Du präsentierst Caius Tochter. Viele Augen sind auf dich gerichtet.“
Richtig, da war ja was. „Es muss eine ziemliche Ehre sein. Ich denke du bist ein ziemlich talentiertes Prachtexemplar, wenn er dich in der Öffentlichkeit als sein eigen Fleisch und Blut präsentiert.“
Ich musste grinsen. Ich wusste nicht, woher das kam, aber es füllte mich in kleinen Mengen mit Stolz, wenn eine so unschlagbare Person wie Caius mich als geeignet für diesen Platz ansah.
Unser Gespräch wurde von einem Läuten einer Glocke unterbrochen, das durch den Saal hallte. Diegos Augen schienen aufzuleuchten und er grinste beinahe aufgeregt, als er nach meiner Hand griff. „Wir setzten uns nach unten, da sind bessere Sichtplätze und es wird lustig, mitanzusehen, wie du die Tiere verwirrst.“
Ein Schauer lief mir über den Rücken, aber meine Neugierde gewann wie immer Überhand.

Eine Menge Vampire saß bereits in zu meiner Überraschung ziemlich hochwertig aussehenden Sitzecken, genau wie oben. Diego zog mich zu einem unbesetzten, ruhigen Platz und setzte sich. Ich mich ihm gegenüber. Wir saßen direkt in der Ecke des Saals, auf der hinter uns ein Bildschirm an der Wand hing und live übertrug, wie viele Stimmen abgegeben wurden. Die Lichter bewegten sich und fokussierten sich auf den Mittelpunkt des Saales, den mittlerweile bewachten Boxring. Denn darin stand der Mann von vorher, der, mit dem Alec und ich gesprochen hatten. Er war eindeutig der Anführer hier. Er hatte den Kopf gesenkt und wartete, bis alle Aufmerksamkeit auf ihm lag. Stille war eingekehrt und jeder wartete ungeduldig auf den Beginn. Er hatte kein Mikrofon in der Hand, sondern sprach einfach so. Ich musste mich extrem anstrengen, überhaupt etwas wahrzunehmen. Aber ich verzweifelte, als er nach meiner Vermutung griechisch sprach. Einige, darunter auch Diego fingen an zu lachen, nachdem er etwas gesprochen hatte. Ich fühlte mich etwas hilflos und blickte mich versteckt nach Alec in den Reihen der Vampire um. Zu meiner Verzweiflung konnte ich ihn nicht sehen, weswegen ich anfing, mich unwohl zu fühlen. Nach einer Weile hörte er auf zu sprechen und verließ den Ring. Ich hörte das erste laute Knurren und wurde nervös. Um abzulenken, drehte ich mich zu Diego, der direkt vor mir saß und mich amüsiert anlächelte. „War das griechisch?“, fragte ich unsicher. „Altgriechisch.“ „Warum?“ Er schien kurz zu Rätseln, was ich gemeint haben könnte und faltete die Hände. „Beinahe jeder hier ist sehr alt meine Liebe.“

Wieder wurden wir von Kratzen, Fauchen und Knurren unterbrochen. Der erste Wolf würde an mehreren Drahtseilen mit kleinen Klingen daran befestigt umschlungen und somit festgehalten. Er versuchte sich verzweifelt zu befreien, was ihm allerdings nur Schmerzen bereitete und ihn somit noch aggressiver machte. Einige begannen amüsiert zu Jubeln. Ich ließ mich noch etwas tiefer in den Sitz senken und beobachtete das Geschehnis skeptisch. Ich hatte so ein Tier noch nie gesehen und ein kalter Schauer lief meinen Rücken hinunter. Ein weiterer, ebenso wildgewordener Wolf würde aus den hinteren Zellen geholt. Ein Fell war etwas heller, aber er wirkte nicht weniger aggressiv. Die Klingen Schnitten grob in die pelzige Haut und hin und wieder quoll Blut aus den frisch geöffneten Wunden. Glücklicherweise hatte ich damit kein Problem. Das Gitter wurde geschlossen, als alle Beteiligten sich und die Drahtseile entfernt hatten. Das Knurren war laut zu hören und die Zuschauer warteten gespannt auf erste Reaktionen. Diego lehnte sich erneut etwas zu mir. „Sie sind aus verschiedenen Stämmen, was sie automatisch antreibt, machtstrebend zu kämpfen.“
Ich nickte nur, verstand allerdings nicht ganz.

Plötzlich ging es los. Die niedrige Distanz, die vor wenigen Momenten noch herrschte, wurde völlig aufgelöst, als sie aufeinander zusprangen. Die Zähne des helleren Tieres drückten sich gewaltsam in den Hals des anderen, während dieses begann, den Rücken des Tieres mit ihren scharfen Krallen zu öffnen. Sie lösten sich für einen kurzen Moment voneinander und ich konnte beobachten, wie das Fell des anderen Tieres im Mund des helleren klebte. Ich war kurzzeitig geschockt über die plötzliche Gewalt und bis meine Zähne zusammen.
Sie stürzten sich erneut aufeinander und knurrten laut.
Erneut holte das hellere Tier aus und kratze dem Wolf ins Gesicht, was diesen jämmerlich aufheulen ließ. Diese kurze Pause nutze es und biss fest in ein Bein des Gegners. Ich konnte es leise knacken hören und sehen, wie das helle Tier ein blutendes Stück Fleisch im Maul hielt. Das Blut tropfte sanft zu Boden. Sie stürzte sich erneut auf das Tier und machte sich brutal mit ihren Krallen am Hals des Tieres zu schaffen. Sie holte mehrmals hart mit der Pfote aus und man konnte sehen, wie immer mehr Fell ausgerissen wurde. Das andere Tier krächzte überlebenswillig, was aber niemanden zu kümmern schien. Lange dauerte es nicht mehr. Das Jaulen war schwach und hilflos, eine Spur von Verzweiflung. Es versuchte ebenso zuzuschnappen und knurrte erneut laut auf. Letztendlich schaffte es sogar, in die Schnauze des anderen Tieres zu beißen, wodurch durch den derben Biss des Tieres, der Wolf ebenfalls anfing, zu bluten. Es Knurrte ebenfalls verächtlich auf, was dem hellen Tier allerdings genug Adrenalin ins Blut schoss, das Leben des anderen nun völlig zu beenden. Es stütze sich mit der Pfote auf dem Kopf des Tieres ab und drückte die Kehle somit zum Vorschein. Als es das Maul etwas öffnete, um die Zähne zu zeigen, konnte ich den Speichel des Tieres hinauslaufen sehen. Es steuerte auf den Hals des Tieres zu und öffnete den Mund angsteinflößend. Ich drehte meinen Kopf weg, als es zubiss. Das wollte ich nicht sehen. Ich hatte nie ein Problem mit Blut, aber das waren Unmengen, und ich hatte gute Lust, mich zu übergeben. Die Menge jubelte belustigt. Der andere Teil schien protestieren zu wollen. Wahrscheinlich hatten sie auf etwas anderes gewettet.

Einiges an ähnlich gekleidetem vampirischem Personal schlang geschickt die Klingenseile um das lebende Tier und zog es von der Kampffläche, während die Reste des toten Tieres weggebracht wurden. Als der Boden gereinigt wurde, war plötzlich Alec in meinem Blickfeld, was mich aufschrecken ließ. Ich fasste mir an mein Herz. „Oh Gott.“, prustete ich.
„Alec reicht vollkommen.“, verbesserte er mich amüsiert.  Ich rutschte etwas mehr in die Ecke hinein, sodass er sich setzten konnte. „Die Rumänin hat gewonnen.“, hauchte er spöttisch zu Diego, der nur belustigt grinste. „Aber verdient, sie war wirklich gut.“
Ich wurde etwas aus meinen Tagesträumen geweckt und sah auf. „Es war eine Wölfin?“, fragte ich ungläubig. Diego nickte nur leicht. „Warum überrascht dich das?“, fragte mich Alec. Um ehrlich zu sein wusste ich darauf keine Antwort. Warum überraschte mich das eigentlich? Ich zuckte mit den Schultern, woraufhin er mich etwas mit dem Ellenbogen anstupste. Das war ihm wohl nicht Antwort genug. „Keine Ahnung, ich war nur von etwas anderem ausgegangen.“ Erst jetzt nickte er mir bestätigend zu. Sein Blick ging wieder auf die Kampffläche, weswegen ich mit den Augen rollte. „ "Molesto.",formte ich mit den Lippen, weil Alec alles andere sowieso gehört hätte. Diego hatte mich beobachtet und lächelte leicht, während er mit dem Kopf schüttelte. Als nächstes wurde tatsächlich ein Mensch hineingeführt. Er wirkte panisch und ziemlich aufgelöst. Der Mann war mittleren Alters und sein Blick wirkte ebenso hilflos. Ich blickte auf die andere Seite, auf der ein ziemlich durchgedrehter Vampir stand, der so wirkte, als würde er sich jeden Moment auf seine Beute stürzen. Alec verzog sein Gesicht. „Ein Neugeborener, das könnte unschön werden.“ „Ich bin mir nicht sicher, ob deine Gefährtin zu viel Angst vor dir hat oder nur zu höflich ist, um zuzugeben, dass sie das nicht beobachten möchte.“, sein Blick ging von Alec zu mir und ich wirkte überrascht. Hatte man es mir so sehr angesehen? „Ich schlage vor, wir sehen uns den Vollmond an, nicht?“, fragte er an mich gerichtet. Ich fühlte mich sofort besser und lächelte zurück. „Gerne ja.“, lieber Diego, hätte ich die Erlaubnis gehabt, würde ich dich jetzt am liebsten Abknutschen.
Ich war erleichtert, dass er meine innere Stimme erhört hatte. Alec war überrascht von meiner plötzlichen Euphorie und nickte nur leicht. „In Ordnung, seit nicht zu lange weg.“, der letzte Teil seines Satzes war wohl eher an mich gerichtet, als könnte ich das geringste hier auch nur mitbestimmen. Als ich gerade nach meiner schwarzen Strickjacke greifen wollte, nahm er mir diese aus der Hand und half mir hinein. Seine Hände lagen schwer auf meinen Schultern, als ich angezogen war und wirkten verurteilend. Er zog mich etwas näher zu sich und flüsterte leise in mein Ohr. „Und bitte, tu mir einen Gefallen, nimm dich etwas zusammen. Du bist und bleibst mein.“ Er hauchte mir einen sanften Kuss auf die Wange und lehnte sich wieder zurück, um den Kampf zu betrachten. Ein ungutes Gefühl braute sich in meinem Magen zusammen, welches ich zu ignorieren versuchte. Diego nahm meine Hand, als ich aus der Sitzbank rutschte und zu ihm trat. Alec kniff nur für einen kurzen Moment seine Augen zusammen, als er uns betrachtete. Ich ließ mich wie zum Öfteren an diesem Abend von Diego leiten, hinaus zu einer Hintertür, die von mehreren stämmigen, großen Männern bewacht wurde. Welche mich sehr an Felix und Santiago erinnerten. Sie traten sofort zur Seite, als sie Diego erblickten. Es war ein lustiges und angenehmes Gefühl, dass immer zu Seite getreten wurde, wenn man erschien. Was wohl wenig an meinem Dasein lag.

Irgendwann wollte ich mir meinen eigenen Namen machen, der die Leute dazu brachte, zur Seite zu treten. Ich wollte mich mit Sicherheit nicht an Alecs gefürchteten Namen und Erfolg klammern, um zu überleben. Ich wollte so etwas selbst erreichen, selbst, als ich noch menschlichere Pläne hatte. Aber wer weiß, möglicherweise hat das Vampirgift Mitleid mit mir und tötet mich. Diegos gezielte und schnelle Schritte ließen meine Gedanken etwas schwinden. Wir gingen nicht weit, dann waren wir an der frischen Luft, welche sich angenehm um mich schmiegte. Es war nicht mehr warm, aber nicht unangenehm. Meine hohen Schuhe traten auf den weichen Boden des Grases unter mir. Weit und breit war es wirklich still. Niemand der Menschen wusste, was hier unter ihnen stattfand. Unter diesem alten, randalierten Geschäft. „Vielen Dank.“, unterbrach ich die Stille. „Wofür?“, fragte er mich ruhig. „Für das mehrmalige Retten von mir heute.“, lächelte ich. Ich war mit Sicherheit kein wirklich emotionaler Mensch, zumindest zeigte ich es nicht oft oder gerne. „Gerne doch, Süße.“ Eine erneute Stille entstand, aber nichts unangenehmes. Wir genossen es beide.

Ich dachte immer, Alecs Verhalten lag an seinem Alter, aber wenn Diego und er beide ungefähr gleichalt waren, musste ich mich wohl täuschen. Er schaffte es doch auch, warum Alec dann nicht?...

Mein Blick wanderte erneut zum Mond hinauf. Mittlerweile war es stockdunkel und der Mond hatte bereits seinen höchsten Punkt erreicht und das wenige Licht strahlte zurückhaltend auf uns hinab. „Alec wirkte nicht so, als würde er noch lange bleiben wollen. Ich möchte mich im Voraus verabschieden meine Kleine.“, lächelte er. Er trat näher und legte eine Hand in meinen Nacken und zog mich etwas näher. Feinfühlig drückte er mir einen Kuss auf die Stirn und ich genoss das intensive Gefühl, das durch beide von uns floss. Ich musste gestehen, ich war etwas enttäuscht, als die Berührung nachließ.

Plötzlich nahm ich hinter mir ein Geräusch wahr. Es war Alec, der sein Sako über den Unterarm hängen hatte. Sein Blick suchte mich und er kam näher. Jetzt wurde mir auch klar, warum Diego sich bereits jetzt verabschieden wollte. Er wusste es. Vampirwahrnehmung.

„Wir gehen. Alles geschäftliche ist geklärt.“, klärte er mich kurz auf. „Diego, bis auf ein andermal.“
„Wir sehen uns sicher bald wieder.“, grinste er zynisch.
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