Weißer Nebel

von Calayera
GeschichteAbenteuer, Tragödie / P18 Slash
Megatron OC (Own Character) Optimus Prime Predaking Ultra Magnus Unicron
01.07.2020
01.08.2020
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01.08.2020 3.281
 
So... Hier das erste Kapitel. :)
Die ersten vier bis fünf Kapitel werden eine Art Introduction sein. Die FF unterteilt sich in mehrere "Arcs" - in welcher wir uns gerade bewegen, seht ihr am Kapitelnamen. Damit es nicht so langweilig wird, gebe ich ihnen auch noch Namen. ;)
Der Aktualisierung zufolge, die ich neulich durchgenommen habe bitte ich alle Leser, noch einmal zum Vowort in den Prolog zurückzublättern. Seit dem letzten Update sind noch neue Geschichts-Aspekte dazugekommen, die ich euch nicht vorenthalten möchte!
Da dann alles soweit geklärt wäre... Let the party begin. :3
✯ ✯ ✯ ✯


1 n. Pr.
Cybertron


Cybertron.
Ein toter und gespaltener Planet, der nichts weiter als ein Schandfleck für das Universum war. Der dennoch einst das Gegenteil gewesen war; zu einer Zeit, in der die Sternenkonstellationen am Himmelszelt noch anders gewesen waren, sich das Licht, welches sie dem Gotteskörper schenkten, hell und klar auf seiner strahlenden Oberfläche ergossen hatte. Eine Ära, in der man seinen goldenen Umriss schon in weiter Ferne vor dem Hintergrund des pechschwarzen Weltraumes erkannt hatte, und ein Geschichtsabschnitt, in dem sich noch niemand erhoben hatte, um gegen Ungerechtigkeit und Ungleichheit auf ihm zu kämpfen. Eine Epoche in der Geschichte, bei der man den Zeitabschnitt, den das Damals und Heute trennte, schon zu zählen aufgehört, beziehungsweise längst vergessen hatte.
Vergangenheit.
Dieses Cybertron gehörte der Vergangenheit an, und mit ihm all das Leben, dessen Schöpfer es dort einst beherbergt hatte. Denn was nun herrschte war die Dunkelheit unter der wolkenverhangenen Atmosphäre, Finsternis inmitten der Zivilisationsüberreste, Zerstörung und Krankheit, wohin man auch in den dunkelfarbenen Horizont blickte. Es gab keine Primes und keinen Gott mehr, keine Städte oder Paläste, weder Ruhm noch Stolz, keinen dröhnenden Applaus mehr in den Kampfarenen, kein herzliches Lachen auf den überfüllten Straßen; nicht einmal das Schreien eines Neugeborenen. Es gab nichts. Nur beklemmende Todstille, ewige Grabesruhe, bis die schwarzen Sandstürme wieder über die ungeschützten Einöden herfielen, die das erneute Ende dieses lebensfeindlichen Zyklus ankündigten, der dort in all den Äonen der Abwesenheit und Einsamkeit emporgewachsen war. Bei dem man nicht wusste, wann er eigentlich angefangen hatte, und ob er je wieder enden würde.
Wandel.
Cybertron befand sich in einem Wandelprozess, einer Metamorphose oder einer Umformung, die nun nicht mehr dem Wille und der Einflussnahme seines Schöpfers unterlag, sondern einzig und allein der Natur. Primus war erloschen. Der metallene Planet namens Cybertron hatte begonnen, den Regeln der Naturgegebenheiten zu unterliegen, Eins mit ihnen zu werden, sich mit ihnen zu fusionieren und eigene, neue Formen herauszukristallisieren, die bis dato nie möglich gewesen waren. Er tat es alleine, und nur für sich alleine, und dabei nahm er keine Rücksicht auf die, die er seine Kinder nannte. Auf ihm gab es keinen Platz mehr, an dem sie hätten zurückkehren können.
Tod.
Cybertron war tot, und doch war es auf seltsame Art und Weise noch immer am Leben. Cybertron war verpestet, vergiftet, geschwärzt wie ein abgebrannter Kerzendocht und nie mehr in der Lage, noch einmal so wie früher zu werden. Für seine einstigen Bewohner, die die Umwandlung nicht mitgemacht und stattdessen in die Weiten des Alls geflohen waren, war das Leben beschwerlich. Es gab nichts auf dieser brüchigen Kugel, das sie an das Cybertron von früher erinnerte, und das war etwas, was viele von ihnen beunruhigte. Beängstigte. Verzweifeln ließ.
Strafe.
Manche nannten es ein Mahnmal für andere Zivilisationen, einen Schicksalsschlag, andere eine Katastrophe. Ein Gegenangriff des Schöpfers der sie auslöschen sollte, eine Strafe oder ein Wille der Natur, die sich zurückholte, was ihr gehörte. Eine Abstoßreaktion um diejenigen zu vertreiben, die ihn so werden hatten lassen, für immer und ewig und ohne eine Rückkehr in Betracht zu ziehen. Eine Hinrichtung. Die Meinungen gingen auseinander, und auch wenn es so vieles gab, das für das Abbild dieses gespaltenen Planeten sprach, auf dem sie standen und um ihr Überleben kämpften, so war es in Wahrheit doch nur eines:
Die rechtmäßige Konsequenz ihres Krieges.


Sand.
Sand, der wie Regen auf ihn hinabregnete. Überall nur Sand, so schwarz und dicht, dass selbst die eigenen Servos nicht mehr als verschwommene Silhouetten zu erkennen waren. Knistern des Untergrundes. Rasseln aufgewühlten Schuttes. Rauschen, als er sich durch die über ihn hereinbrechenden Winde kämpfte. Prickeln auf seiner Rüstung, als die Sandkörner daran abprallten, und das verwirrte Surren seiner Kurzstreckensensoren, die nur bedingt mit der Fülle an Widerstand zurechtkamen.
Das alles wäre jetzt nicht, wäre er nur fünf Minuten früher zurückgeflogen.
Seine Tribulen schmerzten, doch er lief weiter. Das Fliegen hatte er längst aufgegeben – die ganze Welt war in knisternde Schwärze gehüllt. Mit beiden Servos versuchte er, die empfindliche Hydraulik seiner Optiken abzuschirmen und vor dem wehenden Sand zu schützen; dennoch glitten sie ihm immer wieder wie flüssiges Energon durch die Digits. Er war ungeschützt, ausgeliefert.
Kurz stand er davor, sich den Gegebenheiten zu beugen und auf dem Boden zusammenzurollen, als seine Sensoren Alarm schlugen. Da. Da war es. Das Tor nach Innen...
»Schrott, Schrott, Schrott! Verdammter Schrott!«
Fluchend und die eigene Unaufmerksamkeit verdammend hinkte Megatron durch das Eingangsschott der Nemesis Station, als die nächste tobende Böe an schwarzem Sand wie eine Welle über ihn hinwegspülte. Heulend und zischend pfiff ihm die kalte Außenluft um die Audiorezeptoren, kroch ihm unter die Rückenplatten, ein Gefühl, welches er seit dem ersten Solarzyklus, an dem er wieder Fuß auf diesem verdammten Planeten gesetzt hatte, hasste, und trotz dessen immer wieder in Kauf nahm, wenn er draußen unterwegs war. Er elendiger Narr.
Genervt verzog er die Gesichtsplatten und schlug mit der geballten Faust auf das Bedienfeld an der Wand, ehe sich das Schott verschloss und seine blauen Optiken erstmals das Ausmaß an Verunstaltung auf sich wirken lassen konnten, das die erbarmungslose Naturgewalt auf und vor allem in ihm hinterlassen hatte.
Er war wieder viel zu lange bei Rovers Grab gewesen. Es würde Solarzyklen dauern, bis er diese Pest von Sand aus seinen Getrieben bekäme, und da halfen auch keine ausgiebigen Duschen oder Bäder, nur verbissenes und stundenlanges Schrubben. Alles, weil er sich nicht losreißen hatte können - wie auch jedes andere Mal, wenn er mit dem verstorbenen Prime redete. Und Prisma hatte es auch langsam satt, ihm jeden vierten Tag von Kopf bis Fuß in sämtliche Rillen und Ritzen greifen zu müssen.
Megatron konnte einfach nicht anders. Entgegen seiner Vorstellungen, mit denen er jedes Mal in die Einöde vor Iacon auf das ehemalige Schlachtfeld zurückkehrte, gab es so viel, das er zu erzählen hatte. Selbst, wenn er nichts zu erzählen hatte – ein paar Worte schafften es immer aus seinem Mund in die Freiheit. Selbst wenn sie nicht von Bedeutung waren, selbst wenn sie nur das Wetter betrafen, an dem er sich ausließ.
Mit auf Hochtouren arbeitenden Gebläsen glitt sein Blick kurz über die weitläufige Eingangshalle, die er soeben betreten hatte – eine der vielen neuen Dinge, die zu dem früheren Schlachtschiff dazugekommen waren.
Die Nemesis hatte sich in vielen Dingen nützlich erwiesen, seien es Kämpfe oder einfach nur Unterkünfte, doch sie war alt und in Zeiten des Friedens mehr hinderlich als nützlich. Viele etliche Äonen hatte sie Megatron zur Seite gestanden und war das Wahrzeichen der Decepticonfraktion gewesen, doch nun war die Zeit gekommen, ihr ihren wohlverdienten Ruhestand zu gönnen. Und als ein Gebäude machte sie sich immerhin nicht schlecht – dort, wo früher der Primepalast in Iacon gestanden hatte, thronte nun das silbrig-schimmernde Antlitz der Nemesis Station, Verwaltungshauptsitz und Zentrum von New Cybertron.
Und darin, befand Megatron, machte sie sich wirklich verdammt gut.
Dort, wo einmal das Luftdeck gesessen hatte waren nun großflächige Fenster eingefasst, umrahmt von den zwei Haupttrageflächen und den kleineren Nebentrageflächen, die sich wie majestätische Kronenspitzen gen Firmament streckten. Die Nemesis war praktisch aufgestellt worden – mit dem Heck hatte man sie in die unterirdischen Fundamente des Primepalastes eingefasst, sodass sie mit der Schnauze nach oben zeigte. Zwar war sie nicht das, was man mit dem Wiederaufbau einer königlichen Hauptstadt wie Iacon in Verbindung brachte, doch ihre Ressourcen waren endlich und die Zeit ein wichtiger Faktor, den es zu beachten gab.
Die Nemesis war kein architektisches Meisterwerk und Iacon der Inbegriff von Ruhm und Glanz, doch das musste sie auch nicht. Sie war ein farbenloser Schandfleck, und sie würde sie auf ewig erinnern, was hier einmal geschehen war. Damit sich diese Geschichte nie wieder wiederholte.
Sie war der erste Schritt und Grundstein in eine neue Zukunft. Und aller Anfang war wie bekanntlich immer klein.
Nemesis Station war nicht das Einzige, das beizeiten wieder stand. Das Archiv des Primepalastes, die hexadiagonale Kuppel vor der Baute, einige umstehende Gebäudeteile mit den ersten fertiggestellten Stockwerken darin – Iacon wuchs langsam, doch es wuchs, und das war die Hauptsache.
Als Megatron sich aufrappelte und durch die unspektakuläre Halle auf das gegenüberliegende Ende zu hinkte, drifteten seine Gedanken zurück zu seinem heutigen Ausflug in die Einöde. In gewisser Hinsicht ärgerte es ihn wahnsinnig, dass er noch immer nicht über den Tod des blauen Primes hinweg war, nicht einmal nach einem Orbitalzyklus. Wer wusste schon: Vielleicht würde er es auch nie. Vielleicht war es Megatrons Schicksal, auf ewig in dem quälenden Gedanken gefangen zu sein, was gewesen wäre, hätte er sich in jenem verheißungsvollen Moment mehr auf Airachnid konzentriert.
Er verbiss sich regelrecht in diesem Gedanken, nicht bereit, den Griff darum auch im Geringsten zu lockern.
Hätte er besser aufgepasst, wären Rover und Nautilus und alle anderen Gefallenen vielleicht noch am Leben? Der Mech wusste, dass es nichts gab und geben würde, dass die Geschehnisse an diesem Solarzyklus je wieder rückgängig machen konnte, und doch sah er sich immer wieder in dem Dilemma gefangen, nachzudenken und zu grübeln. Es war eine Malaise, ein Spinnennetz, in das er sich wissentlich begab, und er das kleine Insekt, das dabei laut um sein Leben schrie.
Wortlos blickte der silberne Mech auf die Mitte seiner verstaubten Chassis hinab, auf der einmal das Decepticonzeichen in kräftigem Magenta geprangt hatte. Lange das wuterfüllte Gesicht einer ebenso blutigen Revolutionsbewegung war es jetzt nur ein weiterer, schmuckloser nackter Teil seiner Rüstung, und er fragte sich: Hätte er damals keinen Krieg begonnen, wäre es dann anders gekommen?
Megatron wusste mehr als gut, dass er sich mit diesen Vorwürfen nur selbst vergiftete. Anfangs waren sie so unerträglich gewesen, dass er fast daran zugrunde gegangen wäre. Als die ersten Aufräumarbeiten begonnen hatten, mit denen sie Iacons zerschüttete Verbleibsel wieder instand hatten bringen wollen, die ersten Solarzyklen nach der Schlacht gegen die Insecticons, die ihm heute noch in der Rüstung saß. Mit der Zeit waren sie besser geworden, die Gedankentürme, die Frage nach dem Was wäre wenn, die Schuldgefühle, doch vollständig verschwinden oder verblassen würden sie wohl sie.
Wie lange Widerhaken stachen sie ihm in den Spark, lange Eisenketten, gifttropfende Dornen. Es dauerte nie lange, bis er unter ihrem Einfluss in Panik verfiel, und das Einzige, was ihn dann aus seinen lähmenden Angstphantasma rettete war entweder ein kräftiger Kinnhaken oder die beruhigende Stimme von Prisma oder Optimus. In beidem hatte er mittlerweile Erfahrung.
Er nahm deswegen Therapiestunden bei Ratchet, auch wegen anderen Dingen, doch Verbesserung zeigte sich bei ihm nur schleppend.
Das hier war kein Traum, wie er manchmal befürchtete, der fort sein würde, sobald er seine Optiken aufschlug und aus der Stasis glitt. Nein, es war Realität, und die hatte ihre Spuren auf dem ehemaligen Decepticonanführer hinterlassen; äußerlich wie auch innerlich: Furchen, die auf seinem Körper saßen, Verletzungen, die jeder sehen konnte und Narben in seinem Spark, die für jeden außer ihm selbst unsichtbar waren.
Gedanken und Ängste von abstruser Fürchterlichkeit, die nur in Megatrons Prozessor existierten und dort wie die Sandstürme draußen herumwüteten, allein ihm vorbehalten waren. Vor denen er nicht flüchten konnte, weil sie auch ein Teil seiner Selbst waren.
Oft wusste er nicht, wie er damit umzugehen hatte. Es war etwas Neues, etwas, dessen Wurzeln noch nicht tief saßen, das er noch nicht kannte. Er war jemand Neues.
Früher hatte er gewusst, wer er war. Wo er stand - an der Spitze. Heute konnte er das nicht; seit die Prophezeiung ihn geklärt und er erstmals an Dinge gedacht hatte, die nicht mit Hass und Tod und Krieg in Verbindung standen. Es ging nicht um seinen Namen oder was er in der Vergangenheit angerichtet hatte, sondern darum, wer er heute war. Nicht, was Megatron getan hatte, sondern, wer Megatron jetzt war, wo der Krieg nicht mehr existierte. Jetzt, wo ihm für das alles unrechtmäßig vergeben worden war. Wer war er in dieser trostlosen und verpesteten Welt, die sich Heimat nannte, in der Sieg und Kampfstärke nicht mehr von Bedeutung waren; und was für eine Rolle wollte er darin spielen?
Sein Selbstfindungsprozess – mit dem er nicht der Einzige war, da die Meisten nichts mehr außer Krieg kannten – hatte gerade erst angefangen.
Kopfschüttelnd stieg er in einen Elevator, der dort mitunter weiteren in die Wand gebaut war. Mit seinem geschundenen Knie war das Treppensteigen eine schmerzhafte Angelegenheit, an die er sich noch nicht wagte. Kurz blickte er auf das künstliche Scharnier hinab. Seit dem Vorfall in Rhyolite auf der Erde saß es dort. Ihm war versichert worden, dass es restlos verheile, er aber solange hinken würde, bis sich seine Protoform vollständig regeneriert hatte. Bei einem ständig aktivem Körperteil wie dem Kniescharnier eine langfristige Sache.
»--Megatron? Bist du es?--«, meldete sich plötzlich jemand via Kommlink und schreckte den besagten Mech so sehr auf, dass der erschrocken herumfuhr. Dieser vorwurfsvolle Unterton. Das konnte nur...
»Optimus!« Megatron betonte den Namen des rot-blauen Primes so überschwänglich und enthusiastisch, wie es ihm die Rezeptoren in seiner Voicebox erlaubten. Hauptsächlich, um seine schlechte Laune zu verbergen, die ausnahmsweise mal nicht dem Wetter, sondern sich selbst galt. Optimus war wie eine lästige Trägerin, die ihm immer und überall im Nacken saß, wohin er auch ging. Und dass er sich heute schon wieder von dem Sturm überraschen ließ war etwas, das dem Prime mit den Mutterinstinkten gewaltig auf die Schaltkreise ging. Im Grunde sorgte er sich nur um ihn, aber Megatron war groß und stark genug, die Konsequenzen seiner Unachtsamkeit alleine auszubaden. Auch wenn es ihm dann fürchterlich in den Hinterblechen juckte. »Was für eine Überraschung. Kaum setzt man einen Fuß in dieses Gebäude, empfängt einen der Boss höchstpersönlich. Worum geht es?«
Der heutige Tag war ein besonderer, weil heute vor einem Orbitalzyklus der schwarze Regen zum ersten Mal gefallen war. Ein Orbitalzyklus, seitdem sie mit New Cybertrons Wiederaufbau begonnen hatten, und etwas mehr als ein Orbitalzyklus, in dem bereits Frieden zwischen Autobots und Decepticons herrschte.
Die meisten hatte es zur Vorbereitung in den Aufenthaltsraum gezogen, wo nach Sonnenuntergang eine kleine Feier bezüglich der bisher überstandenen Hindernisse und Aufgaben stattfinden sollte. Megatron hatte am Morgen geholfen – auf Wunsch von Prisma, die ihn schon vor Sonnenaufgang aus der Stasis gerissen und in den großen Raum gezogen hatte, wo er mehr herumgestanden als tatsächlich geholfen hatte. Doch es sollte ihm recht sein. Bis zum Start blieben ihm noch einige Stunden, in denen er hoffentlich allen Sand aus seinen Getrieben bekäme, denn so dreckig und verstaubt wie jetzt wollte er ehrlich gesagt nicht aufkreuzen.
Früher hätte es ihn nicht gestört, in so einem Zustand vor versammelter Mannschaft zu stehen. Es war eine Gegebenheit des Krieges gewesen, das Energon seiner niedergestreckten Feinde nicht von der Rüstung zu waschen, als Andenken an den eigenen Triumph, doch seit er Prisma kannte hatte sich das seltsamerweise verändert. Er konnte sich nur allzu gut daran erinnern, wie oft er sich im Waschraum auf der damals noch Nemesis blankgeputzt hatte, nur weil er wusste, der weißen Femme am nächsten Solarzyklus wieder über den Weg zu laufen, gar mit ihr zu reden oder ihr nahe zu sein.
Vielleicht lag es daran, dass er begonnen hatte, anders über die Dinge und seine Kameraden zu denken; vielleicht aber auch, weil er seit ihrer ersten Begegnung unsterblich in sie verliebt war und wollte, dass eine Schönheit wie sie Notiz von einem alten Mech wie ihm nahm. Was sie – innerlich warf er sich Primus deswegen noch immer vor die Füße – auch getan hatte.
Allein, wenn er an den Moment zurückdachte, wie sie nach der Schlacht vor ihm auf die Knie gegangen war und ihn geküsst hatte, schlugen seine Parameter wieder schlotternd Alarm auf Hitze in seinem Inneren. Und dann, wenn er daran dachte, wie viele Küsse und Nächte nach diesem ersten schon vergangen waren, da sprangen ihm die Kühlungsmechanismen wie heulende Schiffsturbinen an.
»--Die Versammlung?--«, riss ihn Optimus aus den schmutzig gewordenen Gedanken. »--Wir warten auf dich.--«
Es waren nur diese Wörter, die der Prime ihm übermittelte, doch sie reichten aus, um den silbernen Mech einen hastigen Blick auf seine Chronometer werfen zu lassen. Die Truppenversammlung, fiel ihm siedend heiß ein. Schrott! Wie hatte er die als Anführer von einem nur vergessen können?
»Schrott.«, presste er hervor. »Ich komme sofort.«
Sie, die letzten Überlebenden ihrer in alle Winde verstreute Rasse, sie mussten einander vergeben, gegenseitig und auch sich selbst. Sie mussten diesem Teufelskreis aus Hass und Diskriminierung endlich ein Ende setzen, und bis jetzt war ihnen das auch gut gelungen. Die drei Truppen, in die sie sich aufgeteilt hatten, bezeugten es. Optimus und er als Anführer der gesamten Gruppe erwarteten nicht, dass es perfekt lief – denn das tat es definitiv nicht -, sie erwarteten nur, dass die vielen ehemaligen ‘Cons und ‘Bots sich Mühe gaben.
Cybertron aufzubauen, eine Lösung für das was es befiel zu finden und andere Überlebende hierher zurückzurufen war ein Prozess, der viele etliche Orbitalzyklen in Anspruch nehmen würde, und bis jetzt waren sie noch nicht weiter als der Aufbau eines winzig kleinen Teils von Iacon gekommen. Wer wusste schon: Vielleicht würde es Äonen dauern, bis die erste Metropole wieder in altbekanntem Glanz erschien; vielleicht würde niemand jemals mehr nach Cybertron zurückkehren, weil sie alle schon ein neues Zuhause gefunden und sich woanders niedergelassen hatten.
Vielleicht war das, was sie hier taten, stures nach vorne blicken, eine aussichtslose und zum Scheitern verurteilte Mission. Ein Wunsch von Optimus und ihm, der sich niemals erfüllen würde. Eine Vision ohne Zukunft, ein Schritt in die falsche Richtung. Vielleicht war Cybertron auf ewig verloren. Vielleicht brachte es nichts, hier eine Stadt wiederaufzubauen, doch solange sie es nicht wussten, würden sie weitermachen.
Einfach immer weitermachen. Rovers letzte Worte, die er Megatron zugerufen hatte, bevor seine Optiken erloschen und sein Körper erschlafft war, das Leben in ihm wie Wasser aus einem löchrigen Behältnis geflossen war, und Megatron hatte nicht vor, jemals gegen diese Devise zu handeln.
Niemals, niemals wieder würde er den Glauben in das eigene Tun verlieren, solange es dem Guten zuteilwürde. Niemals würde er daran glauben, dass das Rätsel und die Prophezeiung ein Weg in die Irre gewesen war, dass sie auf verlorenem Boden standen und es keine Zukunft mehr für Cybertron gäbe. Niemals wieder würde er die eigenen Grenzen so niedrig halten wie damals. Denn sie waren das Einzige, das ihn hielten.
Einen gespaltenen Planeten wiederaufzubauen. Seine Bewohner wieder zu einer Einheit zusammenzufügen. Megatron war kein Gott, und er war auch niemand, dem der Titel eines Helden gerecht käme. Megatron und Optimus, sie waren keine Visionäre, keine Friedensbringer, die die Probleme ihrer Welt auf einen Schlag beseitigen würden. Optimus und er, sie waren nur zwei kriegsmüde Narren, und zu zweit waren selbst sie schwach und mittellos.
Alleine würden sie diesen Schritt nicht schaffen, aber dafür war Familie ja auch da: Damit man nicht alleine war.
Hinkend und eine feine Spur aus schwarzem Sand hinterlassend trat der ehemalige Decepticon aus dem haltenden Elevator und in den ehemaligen Thronsaal, der nun zum Treffpunkt und Versammlungsort geworden war. Die Besprechung über ihr weiteres Vorgehen würde gleich beginnen, und er wollte nicht zu spät kommen.  
Es gab noch so viel zu tun.



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"..." n. Pr.: Datierung für Zeitgeschehnisse. Ausgeschrieben "nach Primus (Tod)".
Tribulen: Oberschenkel
Digits: Finger
Chassis: Brust
Rhyolite: Geisterstadt in Nevada, USA. Anspielung auf Kapitel 37-41 in "Schwarzer Regen".

Vielen Dank für's Lesen!
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