You're Mine - The Beginning

von JoKey
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Gavin Reed RK800-51-59 Connor
01.07.2020
26.08.2020
6
15.473
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01.07.2020 3.195
 
Hallo und Willkommen zu You're Mine – The Beginning !

Diese Geschichte bildet den Vorgänger zu meiner Geschichte You're Mine und erzählt, wie es dazu kam, dass sich Gavin Reed und Connor gegenseitig überhaupt jemals so nahe an sich heran gelassen haben.

Der erste Teil: https://www.fanfiktion.de/s/5eba79fa00048b7f3228b5e6/1/You-039-re-Mine

Viel Spaß beim Lesen, bleibt gesund und liebe Grüße,
JoKey





You're Mine – The Beginning


Kapitel 1: The moment Gavin Reed fell in love with Connor



Es begann ziemlich harmlos. Geradezu schleichend.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick und es gab auch keine romantischen Dates, in denen man sich umgarnende Komplimente machte und am Ende zusammen im Bett landete.

Es hatte lange gedauert, bis Gavin Reed sich eingestehen konnte, dass er vielleicht doch etwas anderes als Abneigung gegenüber diesem nervtötenden Androiden namens Connor empfand. Doch dass es das genaue Gegenteil von Abneigung war, wurde ihm erst sehr spät klar und natürlich hatte er mehr als nur Probleme damit, sich diesen Gefühlen auch zu stellen und sie vor allem zu akzeptieren.

Ein Jahr lang tänzelten sie umeinander herum, verbargen ihre Gefühle hinter Sprüchen und Seitenhieben und versuchten sich aus dem Weg zu gehen. Nur, dass das letztere so nicht wirklich funktionieren wollte.

Je mehr Gavin dafür sorgen wollte, den Androiden nicht ständig um sich haben, desto öfter fand er sich in dessen Gesellschaft wieder.

Und das Schlimmste daran war...es machte ihm nichts aus. Natürlich tat er weiterhin so, als könne er ihn nicht ausstehen und als wäre seine Anwesenheit eine bloße Belastung für ihn. Aber immer häufiger ertappte er sich dabei, wie er bereits beim Betreten des DPDs Ausschau nach dem Androiden hielt.

Selbst jetzt, zwei Jahre später, konnte sich Gavin noch sehr gut daran erinnern, wie er Connor zum ersten Mal mit anderen Augen wahrgenommen hatte.



„Gott, ich kann nicht fassen, dass ich das hier machen muss“, brummte Gavin, rollte mit den Augen und parkte den Wagen in einer verlassenen Seitenstraße am Rand.

Connor, der neben ihm auf dem Beifahrersitz saß, hob die Augenbrauen, sagte jedoch nichts. Anscheinend hatte er mittlerweile gelernt, wann es ratsam war, in Gavins Gegenwart den Mund zu halten.

Vor ihnen erstreckte sich eines der größten Fabrikgebäuden in ganz Detroit. Allerdings stand es seit über sechs Jahren still. Über die Hälfte der schmalen Fenster waren zerbrochen oder fehlten ganz und Gavin bezweifelte, dass auch nur eine einzige Lampe da drinnen funktionierte.

„Wieso muss ich diesen Scheiß machen?“, wiederholte Gavin stöhnend.

„Weil du dich bereits vor den letzten drei nächtlichen Observationen gedrückt hast und Captain Fowler dich wohl sonst entlassen würde“, antwortete Connor schlicht.

Gavin warf ihm einen kalten Blick zu und verließ dann den Wagen. Connor folgte ihm.

„Wenn ich nach deiner Meinung frage, Plastikbüchse, lass ich es dich wissen, ja? Ansonsten tu mir den Gefallen und halt den Rand“, sagte er und schlug die Tür betont laut hinter sich zu.

Connor zog unbeeindruckt eine Augenbraue in die Höhe.

„Dann solltest du aufhören, andauernd Selbstgespräche zu führen, Gavin“, sagte er.

Gavin stöhnte und überquerte die Straße, um zum Fabrikgebäude zu laufen. Natürlich folgte ihm Connor auf den Fuß, der Android hatte keine Probleme, mit dem Detective Schritt zu halten.

„Ich führe keine Selbstgespräche“, zischte Gavin.

„Fünf.“

„Was?“

„Allein auf der Fahrt hierher hast du fünf Mal mit dir selber gesprochen.“

Gavin blieb abrupt stehen und drehte sich zu Connor um. Sein Blick sprach Bände und jeder andere wäre unter diesem zornigen Ausdruck in sich zusammengesunken, doch Connor legte nur fragend den Kopf schief.

„Zählst du das etwa mit, du Freak?“, spie Gavin aus.

„Nicht bewusst. Mein Programm -“

„Oh nein, damit fängst du gar nicht erst an. Heute Nacht will ich kein Wort von irgendwelchen Analysen oder programmiertem Schnick-Schnack hören, kapiert?“, unterbrach er Connor.

Connor zuckte mit den Schultern. Gavin musterte ihn noch einmal prüfend, bevor er sich umdrehte und endlich das Fabrikgebäude betrat.

Natürlich musste Fowler ihn zusammen mit dieser sprechenden Konservendose zur Observation schicken. Wieso konnte das nicht Chris machen? Oder Tina? Wieso musste das Schicksal wieder so ungerecht zu ihm sein?

Schweigend stiegen die beiden die Stahlstufen bis zum obersten Stockwerk hinauf. Wie Gavin schon prophezeit hatte, war es nicht nur dunkel im Inneren, sondern auch noch eiskalt. Er zog seine Lederjacke fester um sich und begann die Sprossen Richtung Dach empor zu klettern. Connor folgte ihm und Gavin konnte nicht anders, als zu bewundern, wie leise sich der Android doch fortbewegen konnte.

Gavin hatte noch nie ein Problem mit Höhe gehabt, doch als er nun auf dem Dach ankam, musste er zugeben, dass das hier definitiv kein Ausblick für schwache Nerven war. Es schien, als könne er von hier oben über die gesamte Stadt blicken. Obwohl es bereits nach Mitternacht war, brannten hinter einigen der unzähligen Fenster noch Licht, unter ihnen bewegten sich die Autos wie Miniaturfiguren und in der Ferne spiegelte sich das weiße Mondlicht im Fluss wider.

Gavin stieß einen beeindruckten Pfiff aus und stemmte die Hände in die Seiten. Connor rauschte an ihm vorbei, ohne dem Ausblick eines Blickes zu würdigen, lief bis nach vorne zur Dachkante und starrte hinunter.

Gavin verdrehte die Augen und näherte sich dem Androiden. Als er neben ihm stand, sah auch er, worauf der Android starrte. Im Haus gegenüber brannte noch das Licht und Gavin konnte hinter dem größten Fenster ein Wohnzimmer erkennen. Auf der alten Ledercouch saß ein älterer Mann, der nur einen Bademantel trug und eine Whiskey-Flasche in den Händen hielt.

Das war er also. Der Mann, weswegen er sich jetzt die ganze Nacht den Arsch auf diesem Dach abfrieren konnte. Wenn er ehrlich war, sah der Kerl nicht gerade nach einem Kriminellen aus, der seit Monaten Autos knackte.

„Und jetzt? Wie sieht dein Plan aus, Supercop?“, murmelte Gavin leise.

„Wir werden warten, bis er das Haus verlässt und ihm dann folgen“, sagte Connor sofort, als hätte er nur auf diese Frage gewartet.

„Und wenn er das Haus nicht verlässt? Er könnte auch einfach schlafen gehen, wie jeder normale Mensch es um diese Uhrzeit auch tun würde“, warf Gavin ein.

Da erntete er einen Seitenblick von Connor und für einen Moment wanderten dessen Augen zu seinen dunklen Augenringen.

„Du gehst nicht um diese Uhrzeit schlafen“, sagte er so unerwartet und schlicht, dass Gavin der Mund aufklappte.

Dann seufzte er, kramte sein Fernglas hervor und warf einen Blick hindurch, um die Schärfe einzustellen.

„Erstens geht dich das nichts an und zweitens ist es nicht wahr, Plastikbüchse“, raunte er.

„Deine Augenringe sagen was anderes“, entgegnete Connor unbeeindruckt.

Gavin senkte das Fernglas und starrte Connor perplex an, doch der drehte sich um und ließ sich mit dem Rücken gegen den nächsten Lüftungsschacht sinken. Seine LED leuchtete in einem gleichmäßigen Blau und für einen Moment schloss der Android seine Augen.

Gavin nutzte den Moment, um ihn zu mustern. Seine Haare wehten leicht im milden Wind, unter seiner dunkelblauen Jacke trug er ein weinrotes Shirt und seine Beine steckten in einer dunklen Jeans. Das Mondlicht fiel aus sein Gesicht und Gavin fielen zum ersten Mal die winzigen Sommersprossen aus Connors Nase und Wangen auf.

Connor schlug die Augen auf und Gavin wandte seinen Blick so abrupt ab, dass er sich sicher war, er habe es mitbekommen. Rasch warf er noch einen Blick durchs Fernglas, dann drehte er sich um und setzte sich langsam neben Connor.

Er winkelte ein Bein an, streckte das andere aus und fischte dann eine Zigarette aus seiner Jackentasche hervor. Connors skeptischer Blick brannte in seinem Nacken, als er sie gegen die Flamme seines Feuerzeuges hielt und den ersten Zug nahm.

„Du weißt, dass das nicht gut für dich ist, oder?“, durchbrach der Android die Stille.

Gavin verdrehte die Augen, wandte ihm sein Gesicht zu und blies ihm den Rauch entgegen. Connor zuckte nicht einmal mit der Wimper.

„Pall Mall?“, sagte Connor mit hochgezogener Augenbraue.

Gavin schüttelte sprachlos über ihn den Kopf. Jetzt hatte dieser Android auch noch ein Problem mit seiner Zigarettenmarken-Auswahl?

„Problem?“, brummte er und nahm demonstrativ einen tiefen Zug.

„Du weißt, wie ich zu diesem Thema stehe. Aber ich hätte dich eher für einen Lucky Strike Raucher gehalten“, sagte Connor achselzuckend.

Gavin schüttelte schnaubend den Kopf und blies den Rauch vor sich in die Luft. Dann verfielen sie beide in Schweigen. Zu Gavins Überraschung war es kein unangenehmes Schweigen. Um ehrlich zu sein tat es sogar ganz gut, einfach nur mitten in der Nacht auf diesem verlassenen Dach zu sitzen, die Sterne über sich und weit, weit unten das Treiben von Detroit.

Als er Connor einen unauffälligen Blick von der Seite zuwarf, blickte dieser hinunter auf das Fenster ihres Verdächtigen. Gavin wusste, dass der Android unglaubliche Reflexe besaß und von einer Sekunde auf die andere einfach aufspringen und zuschlagen könnte. Und doch wirkte er in diesem Moment nahezu tiefenentspannt.

Eine kalte Brise wehte über das Dach und Gavin zog rasch seine Jacke noch fester um sich. Connor hingegen saß in seiner dünnen Jacke da und schien sich am Wetter kein bisschen zu stören. Gavin runzelte die Stirn und blies den dunstigen Rauch aus, während er den Androiden prüfend musterte.

„Wie läuft das bei euch Zinnsoldaten eigentlich? Friert ihr nie?“, sagte er mit einem schiefen Grinsen.

Connor sah ihn leicht überrascht an. Es kam nicht gerade oft vor, dass Gavin eine Frage bezüglich der Technik von Androiden stellte.

„Das Material, aus dem wir gebaut sind, hält einigen Extrem-Temperaturen stand. Allerdings sind unsere Körper dennoch in der Lage bei einer zu hohen Temperatur zu verbrennen und im Umkehrschluss auch zu erfrieren“, erklärte er.

„Das heißt also, solltest du mir mal wieder auf den Sack gehen, kann ich dich in den nächstbesten Ofen schubsen und hab dann endlich meine Ruhe?“, grinste Gavin.

Connor hob abschätzend eine Augenbraue.

„Dazu würde es gar nicht erst kommen. Vorher würde ich dir mit einer einzigen Handbewegung beide Beine und mindestens fünf Finger brechen“, sagte er so nüchtern, als würde er sich mit ihm über das Wetter unterhalten.

Kurz war Gavin sprachlos, dann stieß er ein abfälliges Schnauben aus und nahm einen Zug von seiner Zigarette. Der kratzige Geschmack breitete sich binnen weniger Sekunden in seinem Mund und schließlich auch in seinem Rachen aus. Ein äußerst befriedigendes Gefühl, in seinen Augen.

„Wir wissen doch beide, dass du mir niemals ein Haar krümmen würdest, Robocop“, murmelte Gavin leise.

Connor antwortete nicht, doch Gavin konnte dessen Blick auf sich spüren. Seine Mundwinkel zuckten und er ließ seinen Kopf gegen das Metall hinter sich sinken, um den Nachthimmel besser sehen zu können.

„Es stimmt“, sagte Connor plötzlich sehr leise.

Überrascht wandte Gavin seinen Kopf und stellte verwundert fest, dass Connors LED zwischen einem blauen und gelben Ton hin und her sprang.

„Es stimmt“, wiederholte der Android und schien von dieser Aussage selber irritiert. „Ich würde dir niemals weh tun.“

Gavin starrte Connor an und auf einmal fühlte sich sein Mund ganz trocken an. Rasch schob er das auf den Zigarettenrauch, den er vor Verwunderung vergaß, auszupusten. Connor ließ seinen Blick über Gavins Gesicht schweifen, als würde er ihn zum ersten Mal wirklich wahrnehmen und für einen Moment färbte sich seine LED sogar rot.

Dann blinzelte er, wandte sich ab und starrte angestrengt auf das erleuchtete Fenster ihnen gegenüber. Seine LED leuchtete wieder blau, doch das war nicht das Einzige. Gavin klappte der Mund auf und beinahe verlor er seine Zigarette, als er den zarten Blauschimmer auf den Wangen des Anderes sah.

„Ich fass es nicht. Ich fass es einfach nicht“, stieß er ungläubig hervor.

Connor sah ihn fragend an. Gavin nahm einen letzten Zug von seiner Zigarette und zerdrückte sie dann neben sich auf dem Boden.

„Ich wusste nicht, dass Androiden das können“, rief er.

Im Mondlicht sah er, wie der Blauton an Connors Wangen dunkler wurde.

„Ich weiß nicht, wovon du redest, Gavin“, sagte Connor mit zusammengepressten Zähnen.

Da richtete sich Gavin etwas weiter auf und konnte das Grinsen nicht länger zurückhalten.

„Oh doch, das weißt du ganz genau, Schlaumeier! Du errötest. Nur, dass du dabei nicht wie eine Tomate aussiehst, sondern wie ne verdammte Blaubeere“, lachte er.

Connor schwieg, doch seine LED leuchtete nun gelb und er wandte den Blick von Gavin ab. Dann winkelte er ein Bein an und stützte seinen Arm darauf ab.

„Ach, Blechbüchse, das muss dir nicht peinlich sein. Passt doch super zu deinem schicken Lämpchen da oben“, grinste Gavin.

Noch immer antwortete Connor nicht. Verbissen starrte er auf den Mann im Bademantel, dessen Kopf inzwischen nach hinten auf die Sofalehne gekippt war.

„Jetzt sag mir bloß nicht, dass du auch noch an anderen Stellen so blau leuchten kannst“, fuhr Gavin unbeirrt fort.

„Halt den Mund!“

Gavin blinzelte erstaunt. Noch nie hatte er Connor so erlebt. Seine LED leuchtete rot und seine dunklen Augen wirkten fast schwarz, als er ihn nun ansah. Verwirrt runzelte Gavin die Stirn. Connor räusperte sich und lehnte sich langsam wieder zurück. Gavin wartete, bis sich seine LED wieder beruhigt hatte, dann begann er, mit dem Finger irgendwelche Muster auf den Stein neben sich zu zeichnen.

„Kannst du es denn?“, fragte er leise.

„Nein. Kannst du denn an einer anderen Stelle außer deinem Gesicht erröten?“, erwiderte Connor augenrollend.

„Punkt für dich, Supercop“, sagte Gavin.

Dann schwiegen sie. Doch diesmal war es kein beruhigendes Schweigen. Gavin fühlte sich unruhig seit Connors kleinem Ausbruch und er wusste, dass es diesem genauso ging. Schließlich durchbrach Connor die Stille.

„Manchmal frage ich mich, wieso CyberLife uns Androiden solche Möglichkeiten gegeben hat. Die Möglichkeit zu erröten. Ich meine, wenn wir nicht von unserem Programm abweichen sollten, wieso gibt es diese Funktion dann?“, sagte er und klang dabei frustriert, was Gavin stutzen ließ.

„Was stört dich daran so? Es lässt dich einfach...naja...menschlicher erscheinen“, meinte er.

„Eben nicht! Das ist es ja! Es unterscheidet mich von den Menschen, es zeichnet mich als einen Androiden aus. Oder hast du schon mal einen Menschen gesehen, der vor Verlegenheit blau anläuft?“, konterte Connor gereizt.

Gavin lachte leise auf und schüttelte den Kopf. Irgendwo in der Ferne hörte er das Rattern eines Hubschraubers.

„Ich dachte, du hast kein Problem damit“, sagte er leise.

„Womit?“

„Einer deinesgleichen zu sein eben. Ein Android.“

„Habe ich auch nicht. Meistens jedenfalls. Aber es gibt Situationen, in denen ich wünschte, ich könnte ein bisschen mehr wie ein Mensch sein“, erwiderte Connor achselzuckend.

„Und in was für einer Situation wäre das?“, sagte Gavin gespielt lässig.

In Wahrheit interessierte ihn Connors Antwort tatsächlich mehr als alles andere in diesem Moment. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wann Connor, ausgerechnet Connor, unzufrieden mit sich selber war.

„In Situationen, in denen man anderen gefallen möchte. In denen man möchte, dass die andere Person einen...einen mag“, sagte Connor leise.

Gavins Augen weiteten sich und plötzlich begann sein Herz schneller zu schlagen. Wieso um alles in der Welt schlug es auf einmal so schnell?

„Du meinst auf Dates?“, hakte er zögernd nach.

Langsam nickte Connor.

Du hattest ein Date, Blechbüchse?“, neckte Gavin ihn.

Vor seinem inneren Auge tauchten Bilder auf von einem Connor im schwarzen Hemd, der ihm gegenüber an einem reichlich gedeckten Tisch saß und ihn mit einem sanften Lächeln und diesem tiefen Blick ansah. Ein Connor, dessen Augen im Schein der Kerzen viel zu dunkel wirkten, um real zu sein.

Gavin wollte über diese Vorstellungen lachen und den Kopf schütteln, doch es ging nicht. So sehr er sich auch bemühte, er fand diese Vorstellung alles andere als abstoßend. Und was zur Hölle bedeutete dieser kleine Stich in seiner Brust bei dem Gedanken, dass dieses sanfte Lächeln und dieser dunkle Blick nicht ihm galt?

„Ich weiß nicht, ob man dieses Treffen wirklich als Date bezeichnen würde. Eigentlich hat Hank dieses Treffen organisiert, sie ist eine alte Klassenkameradin von ihm und er wollte wohl, dass ich sie besser kennenlerne“, meinte Connor.

„Und wo daran ist der Punkt, an dem alles den Bach runterlief?“, sagte Gavin.

„Hank hat mir im Vorhinein geraten, mich nicht sofort zu Beginn als Androiden zu erkennen zu geben, da sie...nun ja...da sie anscheinend Schwierigkeiten hat, sich mit uns abzufinden. Also habe ich meine LED verdeckt und versucht, mich wie ein ganz normaler Mensch zu verhalten.“

„Du bist nicht mal ein normaler Android, wie sollst du dann den normalen Menschen mimen? Außerdem gibt es so etwas wie normal nicht“, meinte Gavin sofort.

„Es lief sogar ganz gut, denke ich. Wir haben uns unterhalten, wir haben uns gut verstanden. Sie war wirklich nett und ich mochte ihre Art, wie sie lacht“, erzählte Connor weiter.

Wieder war da dieser nervige Stich in Gavins Brust.

„Aber dann hat sie etwas über meine Augen gesagt. Und ich...ich bekam dieselbe Reaktion wie gerade eben“, sagte Connor.

Gavin konnte es sich nur zu gut vorstellen. Connors Wangen liefen nicht rot, sondern blau an und verrieten somit, dass er gar kein Mensch, sondern ein Android war.

„Als ich es bemerkt habe, war es schon zu spät. Sie hat es auch gesehen. Naja, seitdem meide ich die Gesellschaft von Personen, die etwas gegen Androiden und ihre technischen Funktionsweisen haben.“

Dann warf er Gavin einen kurzen Blick zu und seine LED flimmerte.

„Wobei ich mich auch noch mit dir rumtreibe, also ist das dann wohl nicht so ganz richtig“, fügte er hinzu.

Gavins Mundwinkel zuckten, doch schnell wurde er wieder ernst.

„Ich habe nichts gegen Androiden“, sagte er.

Connor blickte ihn überrascht an.

„Nur etwas gegen nervige Androiden, die nicht wissen, wann sie den Mund halten sollen“, fügte er hinzu.

Connor hob eine Augenbraue und wieder zuckten Gavins Mundwinkel.

„Kannst dich also geehrt fühlen, Robocop, denn du bist der nervigste Android, den ich kenne.“

Da bildete sich auch ein schmales Lächeln auf Connors Lippen und seine LED leuchtete wieder in einem gleichmäßigen Blau, als er sich diesmal zurücklehnte und zu den Sternen aufsah.
Für eine Weile schwiegen sie und Gavin genoss es. Doch ein Gedanke wollte ihn einfach nicht mehr loslassen.

„Was auch immer diese Frau über deine Augen gesagt hat...es war sicher eine Lüge.“

„Wie kommst du darauf?“, fragte Connor überrascht.

„Auf dem ersten Date macht man keine Komplimente über die Augen. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz“, sagte Gavin gespielt empört.

„Ich kann mich in deinen Augen verlieren. Das hat sie gesagt“, sagte Connor.

Gavin stieß ein Schnauben aus und streckte nun beide Beine aus.

„Bullshit“, sagte er. „Das ist ja wohl das Klischee schlechthin. Hätte sie besser hingesehen, hätte sie gewusst, dass deine Augen einem eher Halt und...und Sicherheit spenden.“

Fünf Sekunden verstrichen, bis sich Gavin bewusst wurde, was er da soeben gesagt hatte. Sein Gesicht glühte und auf einmal hatte er den bitteren Wunsch, einfach im Erdboden zu versinken. Doch Connor lachte ihn nicht aus oder sprach ihn darauf an. Er legte seine Hand neben sich auf den Boden und stützte sich dort etwas ab.

„Ich werd's ihr ausrichten, wenn ich sie wiedersehen sollte“, hauchte er.

Gavin schluckte, musterte den Androiden von der Seite und sein Herz machte einen Hüpfer, als er das sanfte Lächeln auf seinen Lippen sah. Vorsichtig legte er seine Hand neben Connors und blickte dann wieder zurück in den Himmel.

„Denk nicht mal daran, Robocop“, murmelte er leise.

Und als er Connors leises Lachen vernahm, nicht viel mehr als nur ein Brummen, berührte sein kleiner Finger den von Connor.
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