Die neue Welt

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
30.06.2020
01.10.2020
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Kapitel 21: Ich hasse Überraschungen, dass weißt du doch mittlerweile. Danke das du es ignorierst.



Mittwoch – 21. August 2013





Wir saßen gemeinsam am Frühstückstisch, es wurde mittlerweile zur Gewohnheit. Sebastian bestellte uns das Essen in mein Zimmer und er kam immer zu mir. Ja wir hatten weiterhin getrennte Zimmer, sein lag direkt neben meinem und ja ich hatte mich bereits in ihn verknallt, aber musste er mich wie eine 6-jährige behandeln. Das Mittagessen plante ich während des Morgens und überlegte mir mögliche Reiserouten.

Auf seinen Rat hin, notierte ich mir bereits zu allen möglichen Mahlzeiten die Pros und Contras und lernte durch seine Hilfe, es in entsprechende Texte zu verfassen. „Sehe es als kleine Übung, man weiß nie wozu man schreiben einmal braucht.“

Denn dies geschah weiterhin alles in Englisch und ich versuchte mich an das schreiben zu gewöhnen, da es mir weiterhin viele Schwierigkeiten bereitete.  Dabei merkte ich, er hatte recht, nach zwei Wochen viel es mir bereits bedeutend leichter.

Dies war auch einer der Gründe, weshalb wir beim Frühstück auf das Thema Zukunft kamen. Er erhielt zwischenzeitliche Anrufe, für mögliche Artikel und dabei überlegte er sich, meine “Schreibübungen“ zu veröffentlichen. Mir ging das Ganze zu schnell und ich hatte den Eindruck, er hatte dies von Anfang an geplant.

„Wo ist dein Problem?“, fragte er, bereits genervt und fuhr sich mit seiner Hand durch die Haare. „Du machst das Super und du hast echt Talent dafür. Die Bewertungen sind ehrlich, direkt und nicht verletzend. Also wo liegt dein Problem? Ich weiß, dass du in deinem jetzigen Job nicht glücklich wirst und um deine derzeitige Miete musst du dir ja erst einmal keine Sorgen machen. Durch das Erbe hast du genügend Geldmittel vorhanden. Also wo ist dein Problem?“

Er wiederholte diese Fragen bereits mehrmals und mich nervte dieses ganze Thema mittlerweile sehr. Musste er diese Wunderschönen drei Wochen so zerstören. Reichte es nicht, dass mein Herz bereits nach ihm schrie, auch wenn er mehrere Jahre älter als ich war.

Wenn er diesen Ton anschlug, fühlte ich mich in meine Kindheit versetzt, als meine Mutter mir mit 7 Jahren eine Standpauke hielt. Es nagte gewaltig an meinem Selbstbewusstsein und das führte dazu, dass ich wieder auf meiner Unterlippe herum kaute. Und wenn dies passierte, fing er an zu fluchen.

Es war verrückt, wieviel ich in den Wochen bereits an Gewohnheiten von ihm erfuhr.

Er liebte am Morgen schwarzen Kaffee und milden Orangensaft, da er einmal sagte, er bekomme von zu viel Fruchtfleisch Sodbrennen. Zum Frühstück selbst aß er am liebsten etwas Süßes, auch wenn man es ihm nicht wirklich ansah. Am liebsten mochte er Honig und Marmelade. Er sagte einmal zu mir, die besten Marmeladen die er je gegessen hatte, stammten aus Frankreich und Deutschland. Daran wurde mir jedes Mal klar, wie wenig ich von der Welt kannte und die Erfahrungen mit ihm, mir sehr viel bedeuteten.

Doch wenn es nach seinem Plan ging, sollte es ja nicht dabeibleiben, was die wenige Erfahrung betrafen. Ich sollte wie er, durch Zeitungsartikel Geld verdienen.

Eigentlich fühlte ich mich dadurch geehrt, da mein Kindheitstraum zum greifen nah war, doch dies alles so leicht und schnell hin zu nehmen, war nun mal nicht meine Stärke.

War es denn richtig alles zu bekommen, was ich wollte? Dabei gingen meine Gedanken zurück an Sven.

Sebastian schnaufte und unterbrach meine Gedanken. Er wartete noch immer auf eine Antwort von mir.

„Sebastian. Ich… ich…“, mein Selbstbewusstsein war noch an seinem Tiefpunkt. Mein Blick viel nach dem Gestotter auf meine Knie. Was sollte ich ihm nur sagen?

Ich hörte den Stuhl über den Boden schaben und ihn ein paar Schritte gehen. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie er sich neben mir nieder hockte und seine Hand auf mein Knie legte. Sie war so warm und ein leichter Schauder durchfuhr mich.

Seine andere Hand erhob sich und schob sich unter mein Kinn. Er hatte genügend Kraft, seine Hand drehte meinen Kopf mit Leichtigkeit in seine Richtung. „Trixie, bitte Antworte mir ehrlich. Würdest du gerne als Restaurantkritikerin dein Geld verdienen wollen?“ Seine Stimme war um einiges Sanfter, sie streichelte wie samt über meine angekratzte Seele.

Ich sah ihm direkt in die Augen und sein Blick wurde weicher und zärtlich. „Fühlst du dich in deinem derzeitigen Job wohl?“ Ich seufzte und er lies mein Kinn los. Durch das Schütteln meines Kopfes signalisierte ich ihm ein Nein. Ich konnte noch nicht reden, doch er zeigte mir ein Lächeln auf seinem Gesicht.

Wie konnte dieses Gesicht noch schöner werden und weicher? Mit jedem Wort schien es an Freundlichkeit mehr zuzulegen. „Dachte ich es mir doch.“, sagte er dann. „Macht dir das Bewerten und schreiben Spaß?“ Ich nickte diesmal und sein Gesicht schien fast zu strahlen, seine blauen Augen leuchteten wie kleine Sterne.

„OK“, sagte er dann ganz kurz, stand auf und lief zu seinem Platz zurück.

Er erwähnte kein Wort weiter und signalisierte mir, dass ich in Ruhe Frühstücken konnte. Es viel mir schwer, ich hatte einen echten Kloß im Hals. Doch ein Brötchen mit Marmelade ließ ich mir schmecken.

Nach unserer gemeinsamen Mahlzeit, wollte ich in die Hotellobby und unseren gemeinsamen Nachmittag zu Planen und vorzubereiten. Er entschuldigte sich, da er noch ein paar Leute zurückrufen musste. Das war für mich nichts neues, er bekam in letzter Zeit viele Anrufe und somit verabschiedete ich mich.

Die Situation vom Frühstück ging mir dabei aber nicht aus dem Kopf. Es erdrückte mich fast, als ich darüber nachdachte wie weich und zärtlich sein Blick war. Doch ich hatte auch eine innerliche Unruhe, die ich mir im gerade nicht erklären konnte. Meine Vermutung lag darin, dass ich auf dem Flug hierher, bereits eine Entscheidung getroffen hatte und sie gerade ins Wanken geriet.

Was wünschte ich mir? Es gab nur eins, was ich mir derzeitig wünschte. Ich wollte Wiedergutmachung und denjenigen Glücklich zu sehen. Dieser jemand war nicht ich, es war…

Meine Tasche fing an zu vibrieren und das Alte Lied zu spielen, was ich seit meinem großen Glücke darauf hatte. Sido-Bilder im Kopf. Ich zog es aus meiner kleinen Handtasche, die ich immer bei mir trug und in der sich alle wichtigen Papiere befanden.

Eine unbekannte Nummer rief mich an. Ich drückte auf das gründe Symbol und nahm an. „Maginus?“ „Es ist schön sie mit meinem Namen zu hören.“ Er antwortete auf Deutsch und die verfiel ebenso in die Antwort. Aber nach diesen wenigen Worten, war ich plötzlich wieder am Flughafen, der Anfang meines großen Glückes. Das Gesicht viel mir ein, die weißen Haare, die dunkel-braunen Augen und die zu jener Zeit noch ein schmerzvolles Gesicht zeigten. „Herr Maginus?“ Mein Herz machte einen Aussetzer. „Sag doch bitte August und lass das Sie weg.“ Ich nickte und mir viel ein, dass er am Telefon war und es ja nicht sah. „Gerne. Wie komme zu der Ehre?“ Er räusperte sich kurz am anderen Ende der Leitung und fuhr fort. „Ich hatte von Sebastian vor längerer Zeit gehört, dass du eine Leidenschaft hast und das du mein Geld verschmähst.“ „Aber…“, ich wollte ihm sofort widersprechen. Doch er lies es nicht zu. „Bitte mein liebes Kind, mache einen alten Herren wenigstens glücklich und lass ihn ausreden.“ Ich schwieg und ich kam mir vor, als wenn er wirklich als Vater zu mir sprach, dieser Ton war die eines strengen aber gerechten Richters. „Ich kann dich in vieler Hinsicht verstehen, auch wenn wir nicht wirklich miteinander Verwandt sind. Du erinnerst mich doch viel am meine liebe Elliot. Viele Eigenschaften von dir, hatte sie auch.“

Ein kleines Lachen entfuhr ihm.

„Du muss damals gedacht haben, ich war herzlos solange zu warten, um meiner Frau etwas zu schenken…“ er schwieg und ich antwortete ihm darauf. „Ich habe es damals wirklich nicht verstanden“, gab ich zu. „Sie war dir deshalb auch so ähnlich. Ihr Plan war es immer sich etwas eigenes Aufzubauen, selber zu Arbeiten. Natürlich unterstütze ich sie dabei, meistens so, dass sie es nicht mitbekam.“ Und wieder entfuhr ihn ein leichtes, aber trauriges Lachen. „Wie gerne wollte ich sie einfach nur verwöhnen., sie lies mich aber nie.“ Seine Stimme schien etwas rauer zu werden. Es klang so als ob er kurz davor war, zu weinen. „Als du damals aus New York abgereist warst, rief mich Sebastian empört an. Da ich aber den Hintergrund versuchte zu erahnen, führte ich deshalb keine Stornierung durch. Du sahst so Jung aus am Flughafen, doch dein Blick war immer zielsicher. Einen Blick, denn ich nur zu gut kannte.“ Er wurde leiser und auch ich musste schlucken, als ich auf das Bild im Reisepass dachte. Das Bild das damals im Geschenk bereit lag. Grüne, sanfte Augen und weiche Gesichtszüge, trotz einem erhöhten Alter. Ein Gesicht einer Frau, die viel Respekt zeigte, aber auch viel Liebe abzugeben hatte.

Nach seinen Aussagen fühlte ich mich etwas hintergangen, aber auch geehrt. Zum einen, da Sebastian hinter meinem Rücken mit ihm zu telefonieren schien und alles über mich berichtete. Zum anderen, er hatte mich nicht einfach so zurückgelassen und im, wie man so schön sagt, im Regen stehen lassen. Er kam in meine Wohnung, schickte mir die Kleidung und versuchte noch einmal mir Amerika schmackhaft zu machen.

Meine Antwort zögerte ich etwas hinaus, doch ihm viel es nicht auf. Wahrscheinlich war er genauso in Gedanken versunken wie ich. Nach einem tiefen Seufzer äußerte ich ihm meinen Plan, der Plan den ich auf dem Weg nach Las Vegas im Flugzeug beschlossen hatte. „Würde es Ihnen… dir etwas ausmachen, wenn ich das Geld für etwas… anderes benutzen würde, als für mich? Ich mein, also…“ Mein stottern nervte mittlerweile, doch am anderen Ende schwieg er und ich nahm den Mut zusammen und versuchte es erneut. „Ich würde gerne als erstes etwas tun, was mir sehr am Herzen liegt und es wäre nicht direkt für mich.“ „Mmmhh... und… was wäre das?“, fragte er vorsichtig nach. Ich sammelte mich kurz: „Mein Wunsch ist meine Mutter erst glücklich zu machen. Ich möchte ihr gerne ein Haus kaufen, mit kleinem Garten und es einrichten, dass was sie sich immer gewünscht hat. Vielleicht auch mit einziehen, ich weiß es noch nicht.“ Ich dachte kurz über sie nach, wieviel sie mir bedeutete und was sie alles mit mir durchgemacht hatte. „Wissen sie… du…, ich habe ihr viel zu verdanken und möchte ihr deshalb helfen.“ Dann erzählte ich ihm von meinen Eltern und meiner schweren Zeit.
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