Die neue Welt

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
30.06.2020
18.09.2020
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Kapitel 18: Die Aufregung packte mich wieder. Amerika ich komme wieder.

Freitag – 02. August 2013

Die nächste Frage brannte mir förmlich auf der Zunge. Doch er ließ mir nicht die Möglichkeit dazu. Er zehrte mich nach der Umkleide zum Auto und fuhr mit mir zurück zu meiner Wohnung. Im Auto war mir wieder so schlecht, dass ich nicht reden konnte. Doch diesmal sah er mir meine Übelkeit oder wenigstens mein Unwohlsein an und fuhr etwas langsamer. Vor der Wohnung angekommen, fand er sofort einen Parkplatz, kein Wunder, da sich die meisten gerade auf Arbeit befanden.Er parkte ohne Schwierigkeiten ein und sprang aus dem Auto, um mir die Türe zu öffnen. Dies alles tat er mit einer Leichtigkeit und Grazie, die mich erstaunen ließ.

„Ich hätte da noch ein paar Fragen", versuchte ich es erneut, als er das Auto schloss, mich bereits zur Haustüre drängte und ich meine Schlüssel in der Tasche suchte. „Solange du nebenbei weiterlaufen kannst und deine Schlüssel aus der Tasche holst, gerne."

Ich zog sie aus der Tasche und überlegte mir die wichtigsten Fragen. Das Aktuellste war das beste: „Wie hast du das geschafft, dass ich einfach so Frei bekomme? Und warum war mein Chef so freundlich zu dir?" Sein Atemzug neben mir, hörte sich tief und schwer an. Ich stecke den Schlüssel ins Schloss und sperrte auf, danach liefen wir zusammen die Treppe hoch. Mein Blick sah seitlich auf ihn, er war tief in Gedanken versunken und sah die ganze Zeit nur auf den Boden. Es dauerte bis nach oben, bis er mir antwortete und ich bereits meinen Haustürenschlüssen in der Hand hielt. „Ich kenne ihn, von den letzten Umplanungen des Cafés. Es wunderte mich, dass dir Herr Maginus nicht erzählt hat, dass du für ihn arbeitest." „Ich tue was?!", kreischend entfuhr es mir und natürlich viel mir der Schlüssel aus der Hand. Ich sah ihn an und er lächelte nur. Was sollte das schon wieder? „Das Café gehört ihm?" „Das Café und noch viele andere auch, da kommen noch einige Lebensmittel Unternehmen dazu und auch ein paar andere Konzerne. Er hat fast überall seine Hände im Spiel." Er bückte sich, hob den Schlüssel auf und gab ihn mir wieder zurück. Sein Blick nahm einen Überlegenden an. „Ich glaube Kaffee, Parfüm und Hausgeschirr hat er auch noch." Mir blieb der Mund offenstehen. „Das war jetzt ein Witz oder? Hausgeschirr?" „Ja, Porzellan, Pfannen und so etwas. Das ist der Teil von Tante Elliot ihrem Erbe. Beide waren in der Firma sehr agil, sie mehr im Hausfrauenbedarf und er der Rest, immer das worauf sie gerade Lust hatten.“ Das war einfach verrückt. Er erzählte mir das so seelenruhig, als ob er bloß die Tageszeitung in der Hand hielt und mir die aktuellen Börsen-News mitteilte.

Ich wusste nicht wie mein Blick war, doch er sah mich mit diesem halben lächeln an, dass fast schon in ein grinsen über ging. Dann zeigte er mit seinem Finger auf die Türe. „Könntest du bitte aufsperren? Ich wollte nicht bis heute Abend hier stehen bleiben.“ Kopfschüttelnd und noch immer mit einem Steinsäulengesicht sperrte ich meine Wohnungstüre auf und legte meinen Schlüssel in seine Schale.

Bei mir lief das alles in halber Trance ab, er dagegen lief zielsicher ins Wohnzimmer und suchte sich ein Plätzchen auf dem Sofa, er schien sich bei mir wohl zu fühlen.

Ich lief in mein Schlafzimmer holte meinen neuen Reisekoffer aus dem Schrank, da ich ihn bis jetzt nur einmal benutzt hatte um nach New York zu fliegen war er ja neu. Ich zog ihn schwerfällig aufs Bett, öffnete seine Hartschale und versuchte mir Gedanklich einen Plan zu festigen, was ich einzupacken hatte, dabei stieß ich bereits auf das erste Problem.

„Wie lange bleiben wir in Las Vegas?“, rief ich ins Wohnzimmer. Er kam zu mir herüber und stellte sich in die Schlafzimmertür, eigentlich lehnte er sich mehr in die Türe. Seine Beine standen leicht überkreuzt, so dass er nur noch auf einem Bein stand, der andere Fuß tippte mit der Fußspitze in einem gleichmäßigen ruhigen Rhythmus auf den Rand und sein Oberköper war nach links gebeugt und lehnte am Türrahmen. Er sah einfach sexy aus in dieser entspannenden Haltung.

Sein Anzug spannte an den richtigen Körperstellen, schien aber nicht einzuengen. Ich musste seufzen, dass dunkelblau stand im wirklich gut und passte perfekt zu seiner Augenfarbe.

„Vor zwei Wochen brauchen wir nicht wieder zurückzufliegen.“ Ich schluckte und wollte schon eine Antwort los werden. „Aber abgemeldet habe ich dich komplett für diesen Monat.“ Jetzt blieb mir wortwörtlich der Mund offenstehen und der Kiefer klappte mir herunter. Das war jetzt nicht sein Ernst. „Ich bin doch gerade erst nach Hause gekommen und kann doch jetzt nicht schon wieder so lange Weg gehen.“ Er hielt seinen Kopf noch schiefer und hörte auf dem Fuß zu tippen. „Erwartest du in nächster Zeit besuch?“ Ich dachte an meine Mum und Sven. Meine Mama werde ich einfach in der nächsten Woche anrufen und Sven? Ich dachte darüber nach, wie wir an dem Abend auseinander gegangen sind. In Gedanken war ich mir bereits seit gestern im Klaren gewesen, erst einmal möchte ich ihn nicht wiedersehen. Vielleicht würde er sich noch einmal melden, doch er musste erst einmal sein Leben selbst in den Griff bekommen. Es würde ihm nichts bringen, wenn ich ihm eine Menge Geld gab und er es danach nicht sinnvoll einsetzen würde. Er war ein guter Kerl und ich möchte ihm noch immer.

Mein Blick viel noch auf den leeren Koffer. OK!

Ich lief ins Bad packte meine Kulturtasche, dann zurück ins Schlafzimmer. In meinem Schrank fand sich eine leichte Unordnung, doch in nahm das wichtigste heraus und fand es irgendwie beruhigt, dass Sebastian seinen leichten Rhythmus wieder aufnahm. So behielt ich den Überblick und verfiel nicht in Panik, auch wenn mein Gefühl nicht die Ruhe behielt.

Die Aufregung packte mich wieder. Amerika ich komme wieder.

Der Rest verlief noch schneller als mein Gedankenablauf.

Sebastian nahm alle Koffer, ich packte meine Schlüssel wieder ein. Er erinnerte mich freundlich Weise daran, Reisepass und den speziellen Schlüssel mitzunehmen, auch falls ich keine Geschenke mehr annehmen sollte.

Das Flugzeug erreichten wir gerade so und dabei war ich sehr schnell mit Koffer packen gewesen. Wie Sebastian mir erklärte, hätten sie wohl sowieso auf uns gewartet, er kenne die Flugbegleiter des heutigen Fluges… Na super.

Die ganze Show mit dem morgendlichen auf Arbeit gehen, hätte er mir auch sparen können. Aber wahrscheinlich wäre ich so nicht in den Flieger eingestiegen und lieber zu Hause geblieben. Verflucht, er hatte mich einfach überrummelt und war wieder viel zu schnell gewesen.

Es war schon merkwürdig, wieder zurück zum Flughafen zu kommen, ohne ins Café zu laufen, sondern direkt zum Schalter.

Die Koffer übernahm Sebastian, dass ging bei ihm alles viel schneller. Er flog, auf meine Nachfrage hin, sehr oft zwischen Deutschland und Amerika. Aus reiner Neugier fragte ich, was er beruflich noch so mache, außer studieren. Er lächelte dabei und äußerte sich über seinen Traumberuf als freier Journalist. Derzeitig arbeitete er an einem Artikel über die Washington Post. Er dürfe mir aber noch keine Details dazu äußern, da es noch offiziell war und noch keine Details vorlagen, es gehe da gerade um eine Menge Geld. Ich nickte nur ab und verstand im Augenblick kein Wort. Aber schien bei den Erzählungen über seine Arbeit viel Freude zu haben. Deshalb würde er auch soviel umherreisen, um aktuelle Themen zu bearbeiten. Er erzählter mir auch, dass er noch am 22. Juli in London war, um dort von der bevorstehenden Geburt des neuen Thronerbens zu berichten, als er einen Anruf erhielt, worauf er am 23.Juli zurück nach New York flog um mich in Empfang zu nehmen.

Ich fühlte mich geehrt, er hatte für mich seinen Artikel sausen lassen. „Ganz umsonst mache ich es ja natürlich auch nicht. Onkel Augustin zahlt mir sämtliche Unterhaltskosten, auch die Flüge. Wenn ich fliegen will, tue ich es einfach.“ Um ehrlich zu sein, beneide ich diese finanzielle Ruhe etwas. Meine Finanzlage war nie so entspannt gewesen, doch auch mit mangelte es an nichts. Außer Freizeit, doch die verbrachte ich bisher immer mit Büchern.

Wir fanden durch den langen Flug genügend Zeit, um uns auch darüber zu unterhalten. Ich erzählte ihm von der Trennung meiner Eltern, die schwere finanzielle Lage, meine Arbeit und meine wenigen Hobbys die ich hatte.

Am meisten schockierte ihn, dass ich kaum Freunde hatte und wenn, diese kaum sah. Auch hier erklärte ich das ihm, mit dem Geld. In meiner Jugendzeit bin ich wenig ausgegangen und konnte mir auch keine Clubs leisten, wie auch, wenn ich mir nicht einmal eine Klassenfahrt leisten konnte. Er fand meine Geschichte sehr traurig und bat mich darum, ihm irgendwann alles genau zu erzählen, damit er diese irgendwann zu einem Buch zusammenfassen konnte. Was ich auch gar nicht verstand. „Was ist an meinem Leben so Interessantes?“ er schüttelte darauf mit dem Kopf und meinte nur: „Nicht dein Leben, wie du damit umgegangen bist. So etwas lesen Leute gerne. Wenn man es Schaft aus einer tragischen Situation, etwas Positives entstehen zu lassen.“ Ich sah darin kein Happy End, mein Leben war ein reines Chaos. Doch ihn schien es mit jedem Satz mehr zu interessieren und so erzählte ich ihm auch die ganze Story von Sven. Jedenfalls was meine heimliche Vergötterung anging. Zu meinem Übel musste ich auch noch einmal die Story vom Café erzählen, wie wir uns getroffen haben, bis es immer später wurde und ich in meinem Sitz langsam einschlief.

Mitten in der Nacht weckte er mich, der Flug setzte zur Landung an, unser nächster Flug nach Las Vegas sollte am morgen weiter gehen. Deshalb organisierte er, wenn ich das richtig verstanden hatte, über die Stewardess ein Hotel in der Nähe des Flughafens. Im Taxi musste ich bereits wieder eingeschlafen sein, denn ab da fehlt mir meine Erinnerung.

Nur noch an seine weiche Schulter und sein warmer Arm, der um mich gelegt war, lassen mich noch heute wie im siebten Himmel fühlen.
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