Was machst du mit mir?

OneshotDrama / P12
Aragorn Legolas
30.06.2020
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Was machst du mit mir?

Es war dieser Moment, in dem ihm alles klar wurde. Der Moment, in dem er seine Gefühle nicht länger verhindern, unterdrücken oder gar verstecken konnte. Er war schwach. Doch diese Schwäche machte ihn unbesiegbar. Für ihn würde er alles tun; ja, sogar in den Tod gehen!
Als er sah, wie der Troll ihn zu Boden warf und nach ihm trat, brannten alle seine Sicherungen durch. Ungeachtet der Gefahr, warf er sich durch die Gegner, schaltete einen Ork nach dem anderen aus, kämpfte mit verzweifelter Wut. Er musste ihn retten! Wenn nicht für sich selbst, dann wenigstens für Arwen. Sie brauchte ihn, ER brauchte ihn! Sein Herz brannte als er den leblosen Körper sah. Blind vor Wut und Verzweiflung schoss er mehrere Pfeile ab und warf seine Wurfmesser nach dem Troll. Alle trafen ihr Ziel. Der Troll trat einige Schritte nach hinten und stolperte über mehrere Orkleichen. Dann kippte das Ungetüm um.

Er stand da, völlig außer Atem, und versuchte seine Gefühle hinter der stetig präsenten, kühlen Maske, die er immer trug, zu verbergen. Doch genau das, was bei ihm für gewöhnlich zu den leichtesten Übungen zählte, gelang ihm dieses Mal nicht. Er trat an den Körper heran. Der Mensch lag auf dem Rücken, die Arme und Beine von sich gestreckt. Das Gesicht zierten einige tiefe Kratzer, ebenso die Seite. Blut quoll hervor und benetzte den Boden. Er kniete neben dem Menschen nieder und nahm dessen kühle Hand in seine. Er hatte seinen Schwur gebrochen! Tränen liefen dem sonst so kühlen Elben über die Wangen; Fassungslosigkeit flutete ihn. Er verstand es nicht. Warum war er tot? Was war geschehen, dass er so wenig Kraft gehabt hatte, den Troll zu bekämpfen und sich zu befreien? Er legte dem Menschen die Hand an die Wange, bei Elben ein Ausdruck der Zärtlichkeit und Liebe, und strich sanft über diese. Dann öffnete der Mann die Augen.

Aragorn spürte die sanfte Berührung an der Wange. Doch, anders als gewöhnlich, dachte er dieses Mal nicht an Arwen, sondern an jemand anderen. Jemanden, dessen verzweifelten Blick er schon mehrmals gesehen hatte, wenn derjenige glaubte, dass niemand ihn sah. Dieser Blick war ihm von dieser Person vor jeder gemeinsamen Schlacht zugeworfen worden und dieser Blick war es, den er zuletzt gesehen hatte, bevor der Troll ihn verletzt hatte. Er öffnete die Augen und blickte in traurige, blaue Augen. Das Gesicht glitzerte vor Tränen und die Person starrte ihn so liebevoll an, dass er erschauerte. Er hatte nie gewusst, dass er so schöne Augen hatte.

Er betrachtete das Gesicht des erwachenden Mannes. Dieser sah etwas verwirrt und gleichzeitig fast schon sehnsüchtig aus. Er erwiderte den Blick und legte all seine Liebe und Zuneigung für diesen Mann in seinen Blick. Dieser erschauerte sichtlich. Der Elb senkte den Blick und zog seine Hand zurück. Seine Gefühle verschwanden hinter der kühlen Fassade und der normale, freundschaftlich liebende Legolas war wieder da. Er erhob sich und wollte sich umdrehen, da spürte er, wie er am Arm gepackt und umgedreht wurde. Ein paar brauner Augen blickte in seine blauen und er versank förmlich in ihnen. Wie jedes Mal. Eine Stimme flüsterte: „Legolas... Mellon-nìn...“ Ihm stockte der Atem. Heiser murmelte er: „Aragorn... Mellon-nìn...“
Der Kampf schien mitten drin stehengeblieben zu sein.
Aragorn versank in den blauen Augen des Elben. Er hatte noch nie so etwas gefühlt. Es war unbeschreiblich! Sanft strich er Legolas einige widerspenstige Haare aus der Stirn. Der Elb schloss die Augen. Er atmete krampfhaft ein und zittrig wieder aus. Die Augen öffneten sich wieder. Aragorn strich mit beiden Händen über die Wangen des Elben. Dieser erschauerte unter der Berührung und schloss erneut die Augen. Der Waldläufer und neuer König Gondor‘s betrachtete den Elben liebevoll und trat näher an ihn heran. Er legte seine Arme auf dessen Schultern ab und schlang die Hände um dessen Hals. Dann zog er ihn näher an sich heran.

Der Prinz der Waldelben spürte ein leichtes Ziehen in seinem Lendenbereich, dass dort für gewöhnlich nicht war. Dann spürte er, wie Aragorn ihn näher zu sich zog. Er öffnete die Augen. Aragorn sah ihn an. Liebe und Zuneigung lag in diesem Blick und er ahnte, das auch Aragorn ihn mehr als nur freundschaftlich liebte. Dann beugten sie sich fast gleichzeitig vor. Ihre Lippen trafen aufeinander. Legolas spürte, wie Aragorn‘s Zunge sanft um Einlass in seinen Mund bat. Er gewährte ihr den Eintritt und ihre Zungen fochten einen schnellen Kampf aus, den seine Zunge klar gewann. Sie lösten sich schweratmend voneinander und sahen einander verblüfft und gleichzeitig besorgt an. Aragorn fand als Erster die Sprache wieder: „Legolas, mellon-nìn! Was tust du mir nur?“ Legolas sagte nichts, sondern starrte zu Boden. Ihm war die Angelegenheit sehr, sehr peinlich. Außerdem hatte er schon wieder die Kontrolle über seine Emotionen verloren und hatte Schwäche gezeigt. „Was tust du mit mir“, flüsterte er heiser und unfähig, in die Augen seines Gegenübers zu schauen.