Zwischen dem

KurzgeschichteAllgemein / P12
30.06.2020
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In dieser Zerrissenheit leben. Ich sage, in dieser Zerrissenheit leben.
         
Da steht ein Fuß schon über der Türschwelle und der Kopf, der ganze Körper ist abgewandt, verdreht, weigert sich vorwärts zu gehen. Die Zweifel nagen an den Knochen, hinterlassen ihre Spuren im Skelett der lebenden Träume, die zunächst noch aufrecht, jedoch immer schwächer werden. Gib mir Mut, schreie ich. Werfe dem verkrüppelten Traum ein goldenes Gewand um, sodass er blenden und täuschen kann, in Gier endlich Wahrheit wird. Soll der Traum zerbrechen, soll er niedergeschmettert am Boden zucken und sich winden. Seine Seele muss siegen, nur Knochenmeer bleibt im Gewand verborgen. Ich warte auf Zeichen. Der Körper schmerzt in seiner unhaltbaren Lage. Schweiß rinnt aus allen Poren, entfacht ein bitteres Brennen der Wunden, die eine Todeslandschaft, gestückt von brennenden Leibern, bilden, deren schreiende Münder, jedes von einer andere Qual erzählen. Kaum zu glauben in diesem Schwindel noch atmen zu können. Verfluche das Material, sage ich. Dass es dir die Möglichkeit erweist, immer wieder neu mit der Sünde zu kokettieren, ihr zu verfallen, während man denkt, es sei Glück. Doch der Köper suhlt im Schlamm, nur der Verstand flieht in den Traum, küsst deren rosige Lippen und haucht Kraft in seinen Geist. Dieses Beben der Gefühle, dieses stumpfe Empfinden, es ist nur ein Echo, welches aus finsteren Höhlen schallt und den Klang einer Orgel trägt, die zu deiner Beerdigung eine tröstende Melodie anstimmt.

Ich liebe dich. Du bist bleich. Ich will dich fassen, dich fühlen, alles, alles schreie ich. Die Stimme bricht. Ein jammervoller Laut. Er schneidet in die Haut und hinterlässt ein schönes Gemälde. Seit du weg bist, kratz ich es immer wieder auf. Der Schorf lässt es sterblich erscheinen, lässt Lösung zu, wo Rätsel ins Unendliche verlaufen und sich selbst aufheben. Komm zu mir. Nachts, da stehst du neben der Wand, hebst beide Arme und reißt dir die Haare aus. Morgens, da tanzt du im Einklang meines Hohngelächters um süßen Sünden und versprichst ihnen deinen Körper, ohne diesen selbst zu besitzen. Du musst Acht geben, wir können einander nicht mehr einfach so die Wunden auslecken, um Anteilnahme zu zeigen und gleichzeitig die Gier zu befriedigen, sich des Leidens des Anderen zu bemächtigen. Du versteht doch, was ich dir sagen möchte? Die Worte sind undankbar gewählt, besitzen Ecken und Kanten, doch du warst schon immer gut im Ausweichen. Aber ich sagte, lass dich darauf ein. Stoß dich ruhig, die Wahrheit wird erst sichtbar, wenn du mir blind folgen kannst.

Der Wahnsinn kriecht aus meiner Kehle, röchelt im Todeskampf, verflucht deine heilende Wirkung. Lass die Finger von meiner Seele, ich flehe dich an, lass mich in den tausend sterbenden Nächten versinken, während der Sternenhimmel meine stumpfen Augen zum Glänzen bringt und die leisen Nachtgeräusche, wie leise Seufzer meinem Mund entweichen.

Ich sagte, du mit deiner Ignoranz. Da war ein minimaler Aussetzer in der Atemfrequenz, ein leichtes Zucken der Mundwinkel, meinerseits.                                                                                                                                                           Es war meine Verteidigung. Wenn ich auch sonst nichts hervorzubringen hatte.
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