Shingetsu

von Misarku
GeschichteAllgemein / P18
Izuna Uchiha Madara Uchiha OC (Own Character)
30.06.2020
04.07.2020
4
8.415
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1. Kapitel - Regen und Blut

Schwer prasselte der Regen aus den schwarzen Gewitterwolken herab, wurde von der staubtrockenen, mit tiefen Rissen durchzogenen Erde gierig aufgesogen und vermischte sich mit dem Blut zu einer dicken, tückischen Schlammschicht.
Ein falscher Schritt, eine falsche Gewichtsverteilung, ein einziges, falsches Aufsetzen des Fußes - und man würde das Gleichgewicht verlieren, was den sicheren Tod auf dem Schlachtfeld bedeutete.
Donner grollte dunkel über ihnen, kaum zu hören durch das laute Prasseln der Regentropfen auf durchnässten Stoff und metallenen Rüstungen. Das Geräusch vermischte sich mit dem Getöse des Kampfes: Erde brach krachend, wenn sich Schutzwälle erhoben und im selben Moment wieder zerfielen, mit knarzendem Holz schlängelten sich schnell wachsende Äste wie ein lebendiges Tier durch die Erde. Kurz wurde das Schlachtfeld von einem tosenden, zischenden Feuersturm erhellt, bevor er genauso abrupt erlosch wie er aufgeflammt war. Und über all diesem Lärm hörte man das helle, stählerne Klirren von Schwertern die aufeinanderprallten, und die schmerzerfüllten Schreie der Verletzen und Sterbenden.
Die Luft roch feucht, doch der unverkennbar metallische Geruch von Blut hing wie ein schwerer Schleier über dem Schlachtfeld. Eine Windböe trug den Gestank von verbranntem Fleisch mit sich, und die qualvollen Schreie erstarben in einer weiteren, hell aufleuchtenden Flammenwand.
Es roch nach Tod.
Madara war erschöpft. Sein Blut vermischte sich mit Schweiß und Regen, floss an seinen Beinen herab und sickerte in den schlammigen Boden. Beständig tropfe das Wasser von seinen durchnässten Haaren, von seiner Nase und dem Kinn herab. Die Muskeln schmerzten, und dennoch schonte er sie nicht sondern zwang sie, seinem Willen zu gehorchen, als er schnell zurückwich und das Schwert seines Gegners nur durch leere Luft schnitt.
Seine Augen sahen es, noch bevor es sein Gegenüber bemerkte: Durch den fehlenden Aufprall des Katanas hatte sein Gegner das Gleichgewicht verloren. Der Fuß kam etwas zu weit vorne auf, mit zu viel Gewicht um schnell Ausweichen zu können.
Madara trat einen wohlüberlegten Schritt auf ihn zu, fand in dem knöcheltiefen, rutschigen Schlamm halt und ließ seinen Körper vorschnellen. Seine Klinge schlitze die Kehle des Gegners auf, der noch versuchte, sein Schwert abwehrend hochzureißen - doch ohne einen festen Stand, waren seine Bemühungen zum Scheitern verurteilt. Ein gurgelndes Geräusch drang aus seiner Kehle, als er mit weit aufgerissenen, angsterfüllten Augen niedersackte und starb.
Madaras Augen verweilten für den Bruchteil einer Sekunde auf dem toten Körper im Schlamm, der nur Einer von so vielen war, die das Schlachtfeld übersäten.
Er hatte schon viele dieser Schlachtfelder gesehen, zu viele für sein jugendliches Alter. Er kannte den Ausdruck in den Augen der Menschen, kurz bevor das Lebenslicht in ihnen erlosch und die stumme Panik in den Gesichtszügen, kurz bevor diese erschlafften. In solchen Momenten verwandelt sich ein Lebewesen mit Gefühlen, Erinnerungen, Hoffnungen und Träume in nichts weiter als ein lebloser Körper aus Knochen, Fleisch und Blut.
Seine Kleidung klebte schwer und nass an seinem Körper, und die Wunden brannten vom Schlamm, Schweiß und Regen. Mit einem kleinen Schritt suchte Madara sich auf dem schlüpfrigen Untergrund neuen Halt, vermied es dabei, auf die im Schlamm liegenden Körper zu treten, was sich jedoch mit dem fortschreitenden Kampfgeschehen als zunehmend schwierig erwies.

Ihre Gegner, der Senju-Clan, war stark und taktisch nicht zu unterschätzen. Doch auch sein eigener Clan war über die Grenzen dieses zerstörte, von Krieg zerrüttete Land hinaus bekannt und gefürchtet. Und so trafen diese beiden stärksten Clans, Senju und Uchiha, immer und immer wieder aufeinander. Wie Leben und Tod, wie Yin und Yang. Wie das Zentrum eines Wirbelsturm aus Krieg und Zerstörung, der dieses Zeitalter beherrschte.
Und immer dort, wo sie sich auf Schlachtfeldern begegneten und verbissen um die Oberhand in einem Krieg kämpften, den niemand außer der Tod gewinnen konnte, sog die Erde das Blut der Gefallenen auf, und die Gefallenen auf beiden Seiten waren zu zahlreich, um noch bestattet und beweint werden zu können. Die tiefe Abneigung der beiden Clans war auch in diesem Kampf deutlich zu spüren: beide Seiten standen sich erbarmungslos gegenüber, jeder Tote schürte den Hass nur noch mehr, ließ die noch lebenden Krieger grausamer werden.
Madara kämpfte seit Stunden an vorderster Front, und würde notfalls noch weitere Stunden hier im Regen und Schlamm stand halten, nicht einen Meter zurückweichen, den feindlichen Linien keinen einzigen Schritt an Boden gewinnen lassen. Dafür hatte er trainiert, sein Leben lang. Das war das Einzige, was er wirklich konnte. Und hinter ihm wusste er seinen Clan, schon in zweiter und dritter Reihe standen Krieger, die noch nicht den zehnten Winter erlebt hatten - beinahe noch Kinder. Doch auch sie mussten in den Krieg, mussten den Clan schützen oder mit ihm untergehen. Das Einzige, was er tun konnte, ist hier Stand zu halten und so seine jüngeren Clanmitglieder zu schützen.  
Eigentlich spürte er seinen Bruder neben sich, wusste, dass es ihm gut ging und dieser seine Flanke schützte, damit Madara ungehindert in den Reihen der Gegner wüten konnte -  und dennoch schaffte er es nicht einen kurzen Blick zur Seite zu verhindern, der ihn davon überzeugte, dass es Izuna noch gut ging. Dieser zog sein Katana mit einem feuchten, widerlich flatschenden Geräusch gerade aus dem Körper eines Gegners, bemerkte die Kopfbewegung seines älteren Bruders und nickte ihm knapp zu, mit ernstem aber gefasstem Gesichtsausdruck. Auch er war bis auf die Knochen durchnässt und mit Schlamm und Blut bedeckt, das jedoch hauptsächlich nicht sein Eigenes zu sein schien.
Dieses Nicken erfüllte Madara mit neuer Kraft, mit Zuversicht. Solange sein kleiner Bruder - der Letzte, dem ihm blieb von seinen Geschwistern - durchhielt, würde auch diese regnerische, blutige Nacht vorübergehen. Izuna war ein hervorragender Kämpfer, und gemeinsam würden sie dieses Schlachtfeld überstehen. Dafür würde er, Madara, sorgen.
Doch er hatte nicht die Zeit, sich weiter zu erholen: Dort, wo sein Gegner gefallen war, rückten im nächsten Moment zwei Neue vor, mit grimmigen Blicken und weitaus zurückhaltender, als ihr totes Clanmitglied im Schlamm. Diese beiden Krieger waren älter, erfahrener, und würden nicht den Fehler machen, Madara zu unterschätzen.
Beide Brüder: Izuna und er, hatten trotz ihres jugendlichen Alters bereits den Ruf von hervorragenden, außergewöhnlich talentierten Kriegern, die den blutigen Weg der Shinobi schon so früh beschritten hatten, dass es ihnen vorkam, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Und das Alter wurde zwar in Winter und somit in Jahren gezählt, doch ob man als erwachsener Mann im Clan angesehen beziehungsweise als solcher respektiert wurde, war vor allem eine Sache der kämpferischen Fähigkeiten - schon heute war die Meinung der Brüder bei taktischen Besprechungen und für das Clanoberhaupt von großer Bedeutung: Ihre Meinung hatte Gewicht, und ihnen wurde größter Respekt entgegengebracht, den sonst nur die Familie des Oberhaupts und die mächtigsten Männer des Clans erfuhren.
Und auch wenn sie noch jung waren, eilte ihnen ihr Ruf als die „Dämonen des Schlachtfeldes“ und die „Schwarzen Krähen mit blutroten Augen“ voraus, sodass die beiden Gegner genau wussten, wen sie da vor sich hatten:
Ihn zu töten, würde große Ehre und Ruhm bedeuten - Madara Uchiha, einen der zwei Dämonenbrüder.
 
Dieser konzentrierte sich auf seine Atmung, die aus dem Rhythmus geraten war, sog tief die Luft ein und formte mit der freien Hand ein Fingerzeichen. Langsam und gleichmäßig atmete er aus, spürte die Hitze der Flammen, die sich züngelnd und tödlich aus seiner ausgestoßenen Luft erhoben. Er wusste genauso gut wie seine zwei Gegner, dass dieser Angriff nur zum Schein stattfand: verriet das Handzeichen doch schon seine Absichten im Voraus. Doch auch wenn dieser Angriff leicht zu durchschauen war, mussten die beiden Krieger ausweichen - und somit gewann Madara einige Sekunden. Sekunden, die auf dem Schlachtfeld so entscheidend waren, Sekunden, die über die ganze Lebenszeit eines Menschen bestimmen konnten.
Noch bevor der Feuerstrahl verebbte, nutze Madara dessen Eigenschaften voll und ganz aus: Das Feuer zwischen ihm uns seinen Gegnern verdeckten ihn, sodass er für einen kurzen Moment ungesehen agieren konnte. Mit den letzten Flammen aus seinem Mund schickte er - versteckt in ebendiesen - zwei Kunais in die Richtung, wo er seine Gegner vermutete.
Gleich darauf formte er mit beiden Händen schnell einige Fingerzeichen, bereitete sein nächstes Jutsu vor. Er spürte, wie das Chakra aus ihm gesogen wurde und in die schlammige Erde floss.
Ein feines, dünnes Sirren drang an sein Ohr. Es war so leicht zu überhören, im Getöse der Schlacht - und daher umso tödlicher: Es war die Luft, die von einer scharfen Klinge zerschnitten wurde.
Eine abgetrennte Strähne schwarzer Haare flog durch die Luft, als Madara sich im allerletzten Moment - eher aus Reflex als aus einer bewussten Reaktion heraus - duckte und der Angreifer von Hinten über ihn hinweg sprang, das Katana nur Zentimeter über das Ziel hinweg sausend.
Dies war der Preis seines eigenen Jutsus: Durch den Feueratem waren auch seine Gegner vor ihm verborgen gewesen. Eine zweischneidige Klinge. Doch das zweite Jutsu von Madara war vorbereitet, gewirkt: er musste es nur entfesseln, um seine Gegner in die Erde unter ihnen zu ziehen - nun wartete er nur auf den richtigen Moment der Unachtsamkeit.
Sein Gegner landete geschickt im Schlamm, nutze den Schwung des Sprunges in einer Drehung, und wieder standen sich die Kämpfer gegenüber, der erste Schlagabtausch war vollendet. Lauernd beobachteten sie gegenseitig ihre Körperhaltung, das Zucken eines Fingers, das Anspannen eines Muskels - all diese Hinweise würden den nächsten Angriff verraten.
Izuna trat neben seinen älteren Bruder, das blutige Katana fest in den Händen und seine tödlichen, rot glühenden Augen auf einen der Kämpfer gerichtet: Anscheinend missfiel es ihm, dass er Madara den Rücken nicht hatte freihalten können und einer der Senjus durch seine Deckung gelangt war.
Und so begann der Tanz des Todes erneut.
Der Tanz, den alle Krieger auf dem Schlachtfeld tanzen mussten, im Takt des eigenen Herzschlags. Ein falscher Schritt, einmal aus dem Takt geraten, würde der Tanz seinen Tribut fordern:

In Regen und Blut.




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Ähm... Also ein Review oder eine Rückmeldung (egal welcher Art) würde mir wirklich sehr helfen. Vielen Dank!





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