Fragen und Antworten am Abgrund

von InaLiss 7
GeschichteAllgemein / P12 Slash
30.06.2020
30.06.2020
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Ich kann es nicht glauben, dass wir hier stehen, ich kann es einfach nicht glauben.
Ja ich will es auch nicht glauben. Wir waren uns doch immer einig, dass wir das nie machen wollten. Wie konnte es so weit kommen. Wir stehen direkt an diesem verdammten Abgrund, nur noch Millimeter davon entfernt zu fallen und keiner macht etwas dagegen. Alle schauen sie uns nur fröhlich zu wie wir auf unser Ende zusteuern. Warum sagt denn keiner was? Warum sage ich eigentlich nichts? Noch besser warum Flippe ich nicht endlich aus und bereite dem ganzen Drama hier ein Ende und bringe unser Leben wieder zurück in geregelte Bahnen? Ich mag unser gemeinsames Leben in mehr oder geregelten Bahnen nämlich ganz gerne, ich will nicht dass das gleich vorbei ist.

Jetzt fängt meine Sicht auch noch an zu verschwimmen. Hören kann ich schon seit Minuten nichts mehr klar, nur noch Rauschen. Wahrscheinlich auch der Grund warum ich nicht sprechen kann. Geht während einer Panikattacke wahrscheinlich nicht, ich kann wohl froh sein, dass garnichts aus meinem Mund kommt und sich zu den Tränen nicht noch Schluchzer gesellen.

Ich fühle mich sie eingeschnürt und gefesselt. Als ob mich jemand zwischen deinen Händen zermalmen würde. Hände und Arme die mich ganz fest halten und gleichzeitig beruhigend meine Arme streicheln. Eine Brust an die ich mich lehnen könnte wäre ich nicht so stocksteif. Lippen die zwischen meinem Halsansatz und meinem Ohr hin und her streichen und summen. Ein Gurt ist da auch, nicht wirklich einengend. Fest und sicher, wie die Arme.

Das Summen hört auf als ich mich entspanne, die Hände streicheln jedoch weiter bis ich mich beruhig habe und meine Sicht wieder klar wird. "Wieder da?"
"Ja, wieder da und ja wir werden das weiterhin durchziehen, das haben wir bisher immer. Ich weiß selber nicht was los ist." Der Blick des Angestellten sieht ziemlich skeptisch aus, als ich mich in Johannes Armen vorsichtig zu ihm herum drehe. Mein Freund schaut ruhig und doch stolz. "Ich hab nichts anderes erwartet, Dani. Wir haben die Schwänze noch nie eingezogen." Selbst in solchen Momenten bringt er mich noch zum Lachen.

Wir nicken dem Angestellten der Bungee-Anlage zu und der positioniert und, Gurte und Seile nach bestem Wissen und Gewissen. "Also machen wir es wie immer. Wir schreien zusammen wie Mädchen und klammern uns aneinander fest." Meine Wange liegt an seiner Schulter, seine an meinem Kopf. "Wie immer Hannes, lieb dich."

Und wie immer ist es ab der Sekunde des freien Falls der Hammer. Wir schreien und lachen und sind vollgepumpt mit Adrenalin. Wir lieben es und doch ist es anders. Diesen Sprung wollten wir beide eigentlich wirklich niemals machen. Wir haben ihn unseren Freunden zu verdanken die uns so uns so für verrückt halten und keinen Unterschied mehr darin sehen sich von Klippen einen Wasserfall herunter oder mit einem Seil in einen See zu stürzen.

Als der Sprung schon längst vorbei und wir die ganzen Gurte los sind, sind wir immer noch vollkommen berauscht. Können nicht sprechen und nicht stehen, daher sitze ich in Johannes Schoß auf dem Boden und wir drücken uns aneinander. Es war so ähnlich und doch so anders zu unseren bisherigen Sprüngen. Es fühlt sich wie die dreifach Menge Adrenalin an. Die muss man erstmal abbauen bevor man noch mehr Dummheiten macht.

"Daniel Föhrenbach, wirst du mich heiraten?"
"Hannes. Ja, werde ich!"
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