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Die Wilden Hühner und die Türen der Welt

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred Melanie Klupsch Trudhild Bogolowski / Trude Wilma Irrling
29.06.2020
20.08.2020
11
25.120
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10.08.2020 5.033
 
Sprotte hatte mehrmals versucht Fred zu erreichen. Doch sobald sie eine Telefonnummer gewählt hatte legte sie wieder auf, jede fertig geschriebene Nachricht wurde gelöscht. Was genau sollte sie denn auch sage, immerhin war er auf einmal abgehauen. Jedesmal wenn Sprottes Handy vibrierte hoffte sie es würde Fred sein. Meistens war es jedoch nur Basti, der anrief um Sprotte zu erzählen wie toll doch Berlin war. Sie hörte nur halbherzig zu. Auf der einen Seite fand sie Politik langweilig, auf der anderen Seite hatten sie und Basti auch noch unterschiedliche politische Einstellungen und Sprotte wollte sich nicht per Telefon mit Basti darüber streiten.

“Bist du immer noch sauer weil ich in Berlin bin?” fragte Basti sie.

Sprotte fühlte sich ertappt. Vielleicht war sie wirklich etwas zu kaltherzig zu Basti momentan. Was dachte sie auch an Fred, wenn sie mit Basti telefonierte.

“Sorry,” sagte sie, “ich bin gerade etwas neben der Spur.”

“Willst du darüber reden?”


“Eher nicht.”

“Okay.”

Das war eines der besten Dinge an Basti, er gab Sprotte Platz. Wenn sie nicht reden wollte musste sie es auch nicht und trotzdem war er für sie da. Sprotte fühlte sich schon fast schlecht, dass sie so viel an Fred in letzter Zeit gedacht hatte. Nur weil er sich so komisch verhalten hatte. Eigentlich hätte Basti etwas besseres verdient. Sprotte versuchte Basti besser zuzuhören, aber ihre Gedanken schweiften immer wieder ab.

Es dauerte drei Tage bis Fred ein Lebenszeichen von sich gab in Form einer Whatsapp Nachricht. Sprotte war gerade am am heiße Schokolade trinken mit Wilma und Frieda, die sich von ihrer Theaterprobe sowie Willi und Wilmas Mutter losgeeist hatten.

Sorry, dass ich so schnell weg bin am Samstag. Vera zu sehen hat mich aus der Bahn geworfen.

Kann ich verstehen. Geht’s dir jetzt besser?


Fred laß zwar Sprottes Nachricht, machte aber keine Anstalten ihr zu antworten.

Sprotte runzelte ihre Stirn und stöhnte genervt.

“Ich hab das Gefühl, dass er mir etwas nicht sagt,” grummelte sie.

“Also normal verhält er sich jedenfalls nicht,” stimmte Wilma zu. Frieda nickte zwar, blieb aber eigenartig still. Sprotte hatte das Gefühl, dass Frieda mehr wusste als sie zugab. Wilma schien das gleiche Gefühl zu haben und zog eine Augenbraue hoch.

“Frieda? Willst du uns was sagen?” fragte Wilma halb scherzend halb ernst.

Frieda biss sich auf die Lippe und wurde rot. Sie rang kurz mit sich und sagte dann,
“Okay, ihr dürft aber Willi oder Fred nicht erzählen, dass ich das euch gesagt habe.”
Sprotte und Wilma nickten überrascht und rückten näher an Frieda heran als könnten sie somit die Außenwelt von Friedas Gerücht abschirmen. Frieda holte tief Luft.

“Willi hat mir erzählt, dass Vera mit Fred Schluss gemacht hat, weil sie glaubt, dass...dass,” Frieda stockte und sah Sprotte verlegen an.

“Dass was?” fragen Sprotte und Wilma gleichzeitig.

“Dass er immer noch Gefühle für Sprotte hat,” stieß Frieda hervor.

Das überraschte sowohl Wilma als auch Sprotte. Frieda war inzwischen so rot wie der Früchtetee, den sie trank. Sprotte hingegen wurde leicht blass.

“Und, hat er?” frage Wilma.

“So ein Quatsch,” sagte Sprotte fast zu schnell. Aber es war ja auch Quatsch. Fred hatte schon lange keine Gefühle mehr für sie gehabt. Sonst hätte er sie nicht betrogen. Oder er hätte um sie gekämpft. Oder er hätte nicht angefangen Vera überhaupt zu daten. Dennoch musste Sprotte auch daran denken, wie sie sich langsam wieder näher gekommen waren. Rein platonisch natürlich. Und das auch erst nachdem Vera mit Fred Schluss gemacht hatte.

“Wir haben doch kaum miteinander gesprochen, als die beiden noch zusammen waren,” sagte Sprotte. “Das Schreit ja förmlich, dass Fred Gefühle für mich hat.” Ihre Stimme triefte vor Sarkasmus und sie rollte mit den Augen.

“Aber immerhin erklärt es was Vera mit ‘ich wusste es’ gemeint hat,” sagte Wilma.

“Und Fred war das ganz vermutlich einfach nur peinlich und war wütend darüber, dass Vera denkt, dass sie recht hat,” stimme Sprotte Wilma zu.

Frieda nickte wieder nur. Sie schien nicht ganz überzeugt, wollte aber auch scheinbar nichts mehr zu dem Thema hinzufügen.

“Wie war’s überhaupt mit Fred im Kino? So ganz allein?” fragte Wilma mit einem frechen Grinsen.

Sprotte rollte erneut mit den Augen. So langsam wurde ihr schwindelig davon.
“Wessen Schuld war denn das?” fragte sie vorwurfsvoll. “Außerdem, falls du es vergessen haben solltest bin ich immer noch glücklich mit Basti zusammen!”

Wilma wurde ebenfalls rot und sah betreten zu Boden. Sprotte wusste, dass Wilma eigentlich nur einen Scherz machen wollte, aber Sprotte war gereizt. Der Gedanke, dass Fred Gefühle für sie hatte, so abwegig er auch war, schlug ihr auf den Magen und ihr Herz schlug schneller. Nicht, dass Sprotte das jemals zugeben würde.

“Gibt’s was neues von Maya?” fragte Frieda schnell um die angespannte Stimmung zu lösen. Sprotte und Wilma warn ihr beide dankbar.

“Ich werde aus ihr einfach nicht schlau,” gab Wilma zu und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. “Ich kann ja verstehen, wenn sie mit mir befreundet sein möchte, aber dann gibt es Momente wo ich schon fast denke, dass sie mit mir flirtet? Es ist sehr verwirrend. Sie umarmt mich oft oder streift meinen Arm und ich...ich kann das einfach bald nicht mehr.”

Sprotte und Frieda wussten auch keinen Rat. Aber sie konnten sich vorstellen, dass es nicht schön war in jemanden verknallt zu sein, mit dem man nie eine Chance haben konnte. Und dann wollte dieser jemand auch noch mit einem befreundet sein? Sprotte beneidete Wilma wirklich nicht.

“Warum sagst du ihr nicht, dass du sie magst?” schlug Sprotte vor doch Wilma lachte nur bitter.

“Weil ja auch die meisten hetero Mädchen super darauf reagieren, wenn eine Lesbe in sie verliebt ist.”

Frieda tätschelte mitfühlend Wilmas Arm. Sprotte dachte daran wie sie und Frieda zuerst reagiert hatten, nachdem sie herausgefunden hatten, dass Wilma lesbisch war. Sie hatten sich auch beide gefragt, ob Wilma in sie schon mal verliebt gewesen war. In Retroperspektive schämte sich Sprotte für ihr verhalten damals leicht. Es wäre doch überhaupt nicht schlimm gewesen, wenn Wilma in eine von ihnene verliebt gewesen wäre. Höchstens für Wilma wäre es schlimm gewesen, unerwiderte Liebe war nie schön.

“Das wird schon irgendwie werden,” tröstete Frieda Wilma. “Kommt sie auf die Baumhaushalloweenparty?”

Wilma zuckte nur mit den Schultern. Seit drei Jahren war es jetzt Tradition, dass die Pygmäen am Baumhaus eine Halloweenparty gaben. Und dieses Jahr viel Halloween auch noch auf den vorletzten Ferientag. Trude und Melanie würden aus dem Urlaub zurück seien und da die Herbstferien in Dänemark später losgingen würde auch Torte kommen können. Es war also der perfekte Zeitpunkt für eine Party.

“Wisst ihr schon als was ihr euch verkleidet?” versuchte Sprotte das Thema zu wechseln. Die Frage heiterte Wilma auf. Als Schauspielerin liebte sie es sich zu verkleiden und übertraf sich jedes Jahr an Halloween selbst.

“Ich gehe dieses Jahr als Jack Sparrow,” strahlte Wilma, sie liebte Piraten.

“Willi und ich gehen als Frankensteins Monster und Frankensteins Braut, wir dachten, das passt,” sagte Frieda “Und du?” fragte sie Sprotte.

“Ich hab bei meiner Ma im Kleiderschrank neulich so ein altes grünes Kleid gefunden,” sagte Sprotte, “und mit meinen roten Locken kombiniert sehe ich aus wie Merida.”

“Fehlt nur noch der schottische Akzent,” witzelte Wilma und brachte alle damit zum Lachen. Die gute Laune der Mädchen hielt sich den ganzen Nachmittag über, bis sich Frieda verabschiedete weil sie am nächsten Tag mit Willi an die Ostsee wollte und Wilma los musste um noch mehr Text zu lernen.


Fred meldete sich bei Sprotte nicht mehr und auch, wenn sie sich auf dem Wochenmarkt trafen sprach er kaum mit ihr. Sprotte wurde aus seinem Verhalten auch nicht schlau, nahm aber an, dass Fred einfach etwas Zeit für sich brauchte.

Und so zogen Sprottes Herbstferien vor sich hin. Mal telefonierte sie mit Basti, oder half OS im Garten. Weder Frieda noch Wilma hatten noch einmal Zeit sich zu treffen und Sprottes Mutter musste ein paar extra Schichten fahren und war kaum da. Sprotte fühlte sich einsam. Herbst war ihre lieblings Jahreszeit und sie musste sie ganz alleine verbringen. Sprotte freute sich schon fast wieder auf die Schule, aber nur weil ihre Freundinnen dann endlich wieder mehr Zeit für sie hatten und Basti wieder da sein würde. Auch die bevorstehende Party sorgte bei Sprotte für gute Laune.

Es war erstaunlich warm für das letzte Oktoberwochenende, Sprotte sah toll in ihrem Kostüm aus und Sprotte hatte aus zuverlässiger Quelle (Frieda) erfahren, dass die Pygmäen jede Menge Marshmallows besorgt hatten und mehrer Feuerkörbe haben würden. Na und, dann sprach halt Fred kaum mit ihr, Sprotte würde trotzdem auf der Party Spaß haben. Sie würde mit ihren Freundinnen quatschen, mit Basti tanzen, Tortes viel zu süßen und etwas zu alkoholischen Punsch trinken.  

Zu mindestens war das der Plan gewesen, bis ihr ein beschämter Basti mitteilte, dass sein Zug so spät aus Berlin kommen würde, dass er es nicht mehr zur Party schaffen würde. Sprotte war sauer.

“Erst machst du unsere Urlaubspläne kaputt, dann bist du die ganzen Herbstferien nicht da und jetzt kommst du noch nicht mal zur Party?,” schrie sie in ihr Handy.

“Es tut mir ja auch Leid Charlie,” versuchte sich Basti zu entschuldigen, “aber du weißt doch auch, dass ich Halloween kindisch finde.”

Mehr und mehr stieg die Wut kochend in Sprotte hoch. Alles war Basti immer zu kindisch, er konnte eine dermaßende Spaß bremse sein. Was konnte man schon anderes erwarten von einem zukünftigen Politiker.

“Viel Spaß noch in Berlin,” zischte Sprotte und legte auf. Sie wollte Basti tausend Dinge an den Kopf werfen, aber sie war so erzürnt, dass ihr in diesem Moment Basti den Aufwand einfach nicht wert war. Wütend schmiss sie zuerst  ihr Handy und dann sich auf ihr Bett. Sie verstand ja, dass dieses Praktikum wichtig für Basti war, aber es machte sie einfach sauer. Alles an Basti störte sie einfach in diesem Moment. Vielleicht ist es ganz gut, dass Basti nicht kommt, sagte die fiese, kleine Stimme in Sprottes Kopf. Dann können wir mehr Spaß haben. Sprotte dachte nach. Normalerweise hörte sie nie auf die kleine, fiese Stimme, aber irgendwo hatte sie auch recht. Basti würde ihr eine Vorlesung über den Zuckergehalt von Marshmallows geben, ihr sagen sie solle nicht so viel vom Punsch trinken, und quengeln, wann sie denn endlich nach Hause gehen könnten. Nein, beschloss Sprotte, sie würde sich nicht den Spaß von Basti verderben lassen und auch nicht von Fred.

Mit neuem Schwung stand Sprotte von ihrem Bett auf und fing an sich zu verkleiden. Das grüne Kleid ihrer Mutter saß wie für Sprotte designed und ihr rote Locken schimmerten besonders feurig heute. Aus einem Karnevalsladen hatte Sprotte noch einen Bogen und einen Köcher mit Spielzeug Pfeilen besorgt, der ebenfalls auch praktisch als Handtasche diente. Zufrieden betrachtete siche Sprotte vor dem Spiegel und machte sich auf den Weg zur Party.


Es war schon fast stockduster als Sprotte am Wald ankam. Sprotte war froh, dass sie den Weg zum Baumhaus auch hätte blind finden können, der Weg war kaum noch zu erkennen. Zu ihrem Glück war der Wald nur relativ klein, denn etwas mulmig war Sprotte schon zumute alleine zwischen den dunklen Bäumen. Als Sprotte tiefer in den Wald hineinging hörte sie schon bald, dass die Party im vollem Gange war. Und als sie näher an das Baumhaus heran kam fiel ihr Blick auf hier und da aufflackernde Lichter. Alle Wege, die zum Baumhaus führten, waren gesäumt von geschnitzten Kürbissen, die mit Kerzen gefüllt waren. Manche schnitten schaurige Fratzen, andere hatten lustige Gesichter. Sprotte erkannte sofort Steves und Tortes künstlerische Fähigkeiten. Es sah wunderschön aus und war sehr praktisch, da es die Gäste abhielt über hochragende Wurzeln zu stolpern. Unten um das Baumhaus herum standen mehrere Feuerkörbe und kleine Grüppchen von Leuten um sie herum gedrängt. Oben auf der Plattform schien die Party ebenfalls schon gut besucht  zu sein.

Als Sprotte endlich die Leiter des Baumhaus erreicht hatte, traf sie auf Maya, die gerade die Leiter herunter geklettert kam. Maya hatte einen roten Jumpsuit an, trug eine braune Perücke aus der Katzenohren hervor schauten und falsche Krallen schmückten ihre Finger. Sprotte erkannte sofort, dass Maya sich als Catra aus der Serie She-Ra verkleidet hatte, aber auch nur weil Wilma seit Wochen über nichts anderes mehr sprach.

“Hey Maya, cooles Kostüm,” begrüßte Sprotte sie.

“Danke,” grinste Maya. “Deins ist auch cool, hast du dich mit Fred abgesprochen?”

Sprotte, die gerade ihre Hand auf die erste Sprosse der Baumhausleiter gepackt hatte, hielt erstaunt inne.

“Was?” fragte sie verwirrt. Wieso sollte sie sich mit Fred abgesprochen haben? Alles was sie zu Fred gesagt hatte war, dass sie sich auf die Party freute. Aber abgesprochen hatten sie nichts.

“Na, weil er auch grün angezogen ist und Pfeil und Bogen hat” erklärte Maya. “Ich glaube er soll Robin Hood sein und da du auch grün bist und Pfeil und Bogen hast dachte ich ihr hättet euch abgesprochen.”

Sprotte wurde blass. Es gab zwei Arten von Leuten, die ihre Halloweenkostüme koordinierten: Geschwister oder Paare. Wenn Fred fast das gleiche Kostüm anhatte wie Sprotte, Basti nicht da war und alle wussten, dass Fred wieder single war, dann würde das bestimmt zu Geflüster führen.

“Ne, das ist bloß Zufall,” stammelte Sprotte. Maya schien nicht aufzufallen wie sehr ihre Bemerkung Sprotte aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Wortwörtlich, für Sprotte, die eh schon an Höhenangst litt, schien es unmöglich die Steile leiter zum Baumhaus zu erklimmen. Von oben drangen Musik, Gelächter und Stimmengewirr nach unten.

“Oh echt? Witzig,” sagte Maya und holte ihr Handy heraus. “Sag mal, hast du auf deinem Weg Wilma gesehen? Sie hat mir geschrieben sie hätte sich leicht verlaufen und ob ich sie abholen könnte?”

Sprotte zog eine Augenbraue hoch. Wilma kannte den Wald besser als die wilden Hühner und Pygmäen zusammen. Egal wie hell oder dunkel es war, Sprotte fand zwar blind zum Baumhaus, Wilma aber konnte den gesamten Wald navigieren ohne ihre Augen öffnen zu müssen.

“Hab ich leider nicht,” sagte sie amüsiert. “Aber ich bin sicher du findest sie schon. Der Wald ist ja nicht so groß.”

Maya nickte, schien aber dennoch etwas besorgt zu sein. “Dann gehe ich sie mal suchen,” verabschiedete sich von Sprotte.

Sprotte schaute ihr kurz nach und wunderte sich was Wilma wohl vorhatte. Vielleicht wollte sie vor der Party einfach alles mit Maya abklären, denn Alkohol, verknallt sein, Parties und ganz besonders Halloween waren keine gute Mischung.

Sprotte atmete tief ein und begann die schwindelerregende Leiter hinauf zu klettern. Was sonst schon für Sprotte eine Herausforderung war gestaltete sich in ihrem langem Kleid mit Pfeil und Bogen auf dem Rücken als fast unmöglich. Dankbar griff Sprotte nach der Hand, die sich ihr von der Plattform entgegen streckte und sie hoch zog als sie auf den letzten paar Sprossen angekommen war.

“Danke schö-....”, das danke blieb Sprotte im Hals stecken als sie sah, wer sie hochgezogen hatte. Zentimeter von ihr entfernt stand Fred, seine Hand noch fest um ihre geschlungen, sein Gesicht so rot wie seine Haare. Ihm war scheinbar auch nicht bewusst gewesen wen er da hochgezogen hatte.

“Hi,” hauchte er.

“Hi,” hauchte Sprotte zurück. Sie hatte Freds Hand noch immer nicht losgelassen. Wie immer durchbohrten seine grünen Auge ihre, und Sprotte konnte keinen Muskel bewegen. Ihr Herz klopfte wie verrückt. Vermutlich vom klettern, wollte sie sich einreden, aber eine Handbreite entfernt von Fred war es unmöglich sich irgendetwas ein zu reden.

“Du siehst…,” fing Fred an wurde jedoch sofort von einer quietschenden Frieda unterbrochen.

“Sprotte, da bist du ja!” rief sie und zog Sprotte in eine Umarmung. Frieda hatte ein weißes Kleid mit Cape an, bleich geschminkte Haut und ihr schwarzes Haar war kunstvoll hoch drapiert. Sie passte mit ihrem Kostüm perfekt zu Willi, den Sprotte auf deren anderen Seite der Plattform erspähte. Als Frieda sie wieder losließ, hatte sie den Bann zwischen Fred und Sprotte gebrochen.

“Toll siehst du aus,” sagte sie zu Sprotte, “wo ist denn Basti?”

“Kommt nicht. Noch in Berlin,” murmelte Sprotte, die sich immer noch nicht wieder erholt hatte von was das auch immer mit Fred gerade gewesen war. Fred schien sich inzwischen wieder gefangen zu haben und grinste.

“Dann hat das Oberhuhn ja mehr Zeit für ihren Hühnerhaufen,” sagte er. “Punsch und andere Getränke sind da drüben,” Fred deute auf das andere ende der Plattform, “wenn du Musikwünsche hast musst du noch eine Etage höher klettern und Torte an seinem DJ Tisch besuchen.”

Sprotte nickte nur. Und wenn davon das Schicksal der Welt abhängen würde, Sprotte würde niemals noch eine Etage höher im Baumhaus klettern.

“Na dann viel Spaß,” sagte Fred und wand sich seinen anderen Gästen zu. Er schien sehr beschwingt zu sein, dafür, dass jedesmal wenn ihn Sprotte in den Herbstferien gesehn hatte, Fred vorsichhin gegrummelt hatte. Sprottes rechte Hand kribbelte immer noch leicht.

“Komm,” sagte Frieda und zog Sprotte an ihrem Arm. “Trude und Melanie sind auch schon da. Nur Wilma fehlt noch.”

“Die versucht gerade Maya im Wald zu verführen,” scherzte Sprotte und trottete Frieda hinterher.


***


Ganz unrecht hatte Sprotte tatsächlich nicht. Wilma hatte sich nicht verlaufen. Selbst wenn sie sich anstrengen würde, könnte sie sich im Wald nicht verlaufen. Nervös ging sie auf und ab. Wilma hatte den Entschluss gefasst, Maya ihre Gefühle zu gestehen. Es war unmöglich ansonsten für Wilma auf die Party zu gehen. Was wenn Maya mit ihr tanzen wollte? Oder Maya die Art Mädchen war, die zum Spaß oder für die Aufmerksamkeit von Jungs andere Mädchen küsste? Maya schien zwar überhaupt nicht diese Art Mensch zu sein, aber Wilma konnte einfach nicht mehr. Sie war sich sicher, wenn Maya sie noch einmal umarmen würde, würde Wilma implodieren. Nein, Wilma musste es beenden, hier und jetzt.

“Hab dich gefunden,” sagte eine Stimme hinter ihr plötzlich und Wilma zuckte zusammen.

“Sorry, wollte dich nicht erschrecken,” lachte Maya und strahlte Wilma an. “Happy Halloween!”

“Happy Halloween,” stotterte Wilma zurück. Maya ihre Gefühle zu gestehen war eine Sache, aber musste sich Maya ausgerechnet auch noch als Wilmas Lieblingscharakter verkleiden?

“Komm, gehen wir zur Party,” sagte Maya und streckte ihr Hand aus als wollte sie, dass Wilma ihre Hand ergriff. Wilma fühlte wie die Panik in ihr hochstieg, sie war so nervös, dass sie sich hätte übergeben können. Jetzt oder nie.

“Ich mag Mädchen!” platze es aus ihr heraus. Maya blieb stehen und schaute Wilma verwundert an.

“Ich mag Mädchen,” wiederholte Wilma mit zittriger Stimme. Maya machte einen Schritt auf Wilma zu. Wilma spürte wie sie Gänsehaut bekam.

“Okay,” sage Maya ruhig und machte einen weiteren Schritt in Richtung Wilma. Sie stand inzwischen verdammt nah und Wilmas Herz klopfte als würde sie einen Marathon laufen. Aber Wilma stand komplett still.

“Und...und ich mag dich!” fügte Wilma leise hinzu. So jetzt war es raus. Niedergeschlagen schaute Wilma auf den Boden. Jede Sekunde würde Maya angewidert sagen, dass sie Wilma nie wiedersehen wollte. Dass Wilma ja ekelhaft war. Wie konnte sie es wagen, sich auch nur ein zu bilden, dass…

Maya legte ihren Zeigefinger sanft unter Wilmas Kinn und brachte Wilma dazu sie anzusehen. Das ander Mädchen stand direkt vor ihr, Wilma konnte jede einzelne Sommersprosse in Mayas Gesicht sehen. Zu Wilmas Überraschung schien Maya nicht sauer zu sein.

“Das will ich aber auch schwer hoffen,” sagte Maya, ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Und dann küsste sie auf einmal Wilma. Für eine Sekunde war Wilma zu überrumpelt um den Kuss zu erwidern, doch dann trafen ihre Lippen perfekt die Lippen von Maya, Wilmas Hand befand sich plötzlich in Mayas Haar und Maya schlang ihren Arm um Wilma und zog sie näher an sich heran. Wilma fühlte sich als würde sich jedes Atom ihres Körpers in einen glühenden Funken verwandeln und in den Sternenhimmel schweben.

Für Wilmas Geschmack war der Kuss viel zu schnell vorbei. Mayas Hände vielen von Wilmas Hüfte ab nur um sich in Wilmas Händen wieder zu finden. Maya sah sie sanft an.

“Aber du stehst doch auf Jungs?” war das erste was Wilma wieder sagen konnte und wollte sich gleich dafür hauen. Wie wäre es gewesen mit, das war toll, können wir das noch mal wiederholen, oder wow du bist der Wahnsinn. Zum Glück lachte Maya nur.

“Ja, ich steh auf Jungs,” sagte sie und Wilmas Herz sank. “Genauso wie ich auf Mädchen oder nicht binäre Menschen stehe.” Wilma schaute sie erstaunt an.

“Mann, man könnte meinen ihr Dorfkinder habt noch nie was von Bisexualität gehört,” zog sie Maya auf.

Oh. Wilma kam sich schon fast dumm vor. Sie war so fest davon ausgegangen, dass sie die einzige nicht heterosexuelle Person an der Schule war, dass sie es überhaupt nicht in betracht gezogen hatte, dass Maya bi hätte sein können.

“Das heißt du magst mich auch?” brachte sie schließlich hervor und Maya lachte wieder.

“Nein, ich hab dich gerade geküsst und seit Wochen mit dir geflirtet, weil ich dich so doof finde,” neckte sie Wilma. Wilma wurde rot.  

“Hey,” sagte Maya und strich Wilma eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. “Ich kann dich gerne nochmal küssen, wenn dich das besser überzeugt.” Als Antwort war es diesmal Wilma, die Maya küsste.

***


Sprotte lehnte gerade an der Reling neben Melanie und nippte an ihrem Punsch als Wilma und Maya zurück auf die Party kamen. Melanie, inzwischen braun gebrannt von ihrem Urlaub und als Elle Woods von Natürlich Blond verleidet, stieß Sprotte aufgeregt an und Sprotte folgte ihrem Blick.  

“Oh mein Gott, die beiden halten Händchen, wie süß,” quietsche Melanie. Wilma warf den beiden ein schüchternes Lächeln zu und ging mit Maya auf die Tanzfläche wo bereits Frieda mit Willi und Trude mit Steve tanzten.  

Sprotte schmunzelte und nahm noch einen weiteren Schluck von ihrem Punsch. Torte hatte wirklich verdammt viel Zucker reingepackt. Sprotte konnte den Alkohol kaum schmecken, aber wie sie Sprotte kannt war das Verhältnis Alkohol zu Zucker vermutlich 1:1. Zumindestens merkte Sprotte wie sie sich deutlich entspannte. Ein angenehmes Kribbeln breitete sich in ihrem Körper aus.

“Da geht dann wohl dein Abiballdate,” sagte sie zu Melanie und Melanie nickte.

“Das stimmt wohl, aber ich freu mich echt für die beiden,” meinte Melanie. “Wilma muss uns alles ganz genau Montag erzählen!”

Auch Sprotte war neugierig wie es dazu gekommen war, dass Maya jetzt mit Wilma tanzte.

“Ich glaube ich mache mir mal einen Marshmallow,” sagte Melanie, “kommst du mit?”

Sprotte schüttelte ihren Kopf. Die Leiter hinunter klettern war doppelt so schlimm sie rauf zu klettern. Vor allem müsste Sprotte ja nach dem Marshmellow auch wieder auf die Plattform zurück klettern. Nein danke.

“Ich bring dir einen mit,” sagte Melanie, die wusste wie sehr Sprotte Marshmallows liebte und verschwand. Melanie war echt eine gute Freundin. Sprotte hielt sich weiterhin an ihrem Becher fest und schaute den anderen beim Tanzen zu.

“Na, sind die anderen Hühner alle ausgeflogen,” Fred ließ sich plötzlich neben sie fallen. Seine Ellbogen stützen ihn auf der Reling ab und genau wie Sprotte betrachtete er die Tanzfläche. Das Kribbeln in Sprottes Körper wurde plötzlich viel stärker.

“Haha,” sagte sie und rollte mit den Augen. Natürlich hatte Fred mal wieder einen dummen Spruch auf Lager. Sie standen beide still nebeneinander für eine Weile. Dann brach Fred endlich das Schweigen.

“Tut mir Leid, dass ich in letzter Zeit so abwesend gewesen bin,” entschuldigte er sich. “Ich hatte einfach viel um die Ohren und war gestresst. Und es tut mir wirklich leid, dass wir nicht mehr dazu gekommen sind über Parasite zu diskutieren.”

“Schon gut,” sagte Sprotte und schenkte ihm ein Lächeln. Fred rieb sich nervös mit der Hand über den Nacken. Das Erstaunliche war, Sprotte meinte es tatsächlich so. Auch wenn sie am Anfang des Tages noch schlecht auf Fred zusprechen war, hatte sie das Gefühl, dass es ihm wirklich Leid tat. Bei einer aufrichtigen Entschuldigung fiel es Sprotte schwer länger genervt von Fred zu sein.

“Aber, dass du meine Kostümidee geklaut hast, verzeihe ich dir nicht so einfach,” scherzte sie und Fred lachte. Sprottes Herz setzte einen Schlag aus. Verdammt, dachte sie, warum musste er nur so ein tolles Lachen haben!

“Tja wir können nur froh sein, dass ich mich gegen das Kleid entschieden habe,” witzelte Fred. “Das hätte mir nämlich viel besser gestanden als dir.”

Mit gespielter Empörung haute Sprotte Fred auf den Arm und die beiden kicherten. Vielleicht war es der Alkohol, vielleicht auch die alberne Stimmung zwischen den beiden, aber Fred fragte plötzlich, “Möchtest du Tanzen?”

Sprotte hörte schlagartig auf zu lachen. Tanzen? Mit Fred? Das letzte mal zusammen getanzt hatten sie….auf der Klassenfahrt. Bevor alles schief ging. Sprotte war hin und hergerissen. Auf der einen Seite kniff ihr Magen an die Erinnerungen an die Klassenfahrt und sie war schon fast wieder sauer auf Fred. Auf der anderen Seite wollte sie mit Fred tanzen. So verlegen wie er vor ihr stand, ihrem Blick ausweichend. Ach verdammt.

“Okay,” sagte sie. Fred schaute erstaunt auf und fing an zu lächeln.

“Okay,” sagte er. Beide bewegten sich zögerlich auf die Tanzfläche.
Kaum hatten sie diese erreicht verklang das letzte, schmissige Lied. Statt einem tanzbaren Popsong mit schnellem Beat, erklang eine langsame, melancholische Melodie. Die Paare um Fred und Sprotte rückten näher zusammen und fingen an zu schunkeln. Aus ihrem Augenwinkel sah Sprotte wie Wilma und Maya sich küssten. Frieda schmiegte ihren Kopf an Willis Brust, und auch Trude und Steve waren eng umschlungen. Sprotte stieg die röte wieder ins Gesicht, Fred ging es ähnlich.

“Wir müssen nicht…” fing er an.

“Schon gut,” unterbrach ihn Sprotte und legte zögerlich ihre Arme um seinen Hals, seine Hände fanden ihre Hüfte. Sie passten perfekt zusammen. Sprotte musste sich nicht auf ihre Zehenspitzen stellen und Fred sich nicht verkrümmen. Langsam schwankten sie im Takt hin und her. Sprotte wusste nicht genau wo sie hinsehen sollte. Sie wusste, dass sie nicht die Kraft hatte in Freds Augen zu schauen. Dann würde sie entweder anfangen zu weinen, oder schlimmer vielleicht in versuchung kommen ihn zu küssen. Fred schien es ähnlich zu gehen. Beide starrten sie auf ihre Füße. Sprotte versuchte sich auf den Text des Liedes zu konzentrieren.

“But if I just showed up at your party
Would you have me? Would you want me?
Would you tell me to go fuck myself
Or lead me to the garden?
In the garden, would you trust me
If I told you it was just a summer thing?
I'm only seventeen, I don't know anything
But I know I miss you”


Ein schwerwiegender Fehler. Sprotte fühlte sich nur noch unbehaglicher. Warum musste der Liedtext so verdammt genau auf ihre Situation passen. Freds Griff auf ihren Hüften wurde fester, aber nicht schmerzhaft. Er schien mit etwas zu kämpfen.
“Sprotte,” sagte er schließlich und Sprotte zwang sich in anzusehen. In dem Moment in dem sich ihre Blicke trafen hatte Sprotte das Gefühl, sie würde vom Baumhaus fallen.

“Betty, I know where it all went wrong
Your favorite song was playing”



“Ich…,” setzte Fred wieder an.

“Ja?” fragte sie.

“Ich...ich,” plötzlich änderte sich Freds Gesicht ausdruck. Statt nervös sah er nur noch enttäuscht aus.

“Ich glaube da ist jemand für dich,” sagte er und ließ von Sprotte ab.

Sprotte war verwirrt und wollte protestieren, als ihr jemand auf die Schulter tippte.

“Überraschung,” sagte Basti, der auf einmal hinter Sprotte aufgetaucht war.

“Oh, hi,” Sprotte konnte nur schwer die Enttäuschung in ihrer Stimme verbergen. Basti fiel es scheinbar nicht auf. Warum war sie überhaupt enttäuscht. Sie sollte sich eigentlich freuen, dass Basti hier war. Ja, warum war er denn eigentlich hier? Als hätte er ihre Gedanken gelesen (Sprotte hoffte sehr, dass er ihre Gedanken nicht lesen konnte), sagte Basti, “Ich habe einen Zug früher genommen.” Er drückte ihr einen Kuss auf die Wange und legte seine Arme ebenfalls um ihre Hüfte.


“Danke, dass du mit ihr getanzt hast Fred, aber jetzt ist Partnerwechsel,” grinste Basti und Fred machte einen Schritt nach hinten. Sprotte hatte das starke Bedürfnis ihre Hand nach ihm auszustrecken, doch Basti fing bereits an zu schunkeln, war aber überhaupt nicht im Takt der Musik.

“From the far side of the gym
I was nowhere to be found”


“Aw, Basti, das ist aber süß von dir,” zwang sich Sprotte zu sagen und legte ihre Hände sanft auf seine Schultern. Es war ja auch süß, warum freute sie sich dann nicht. Basti zog Sprotte näher an sich heran und legte seinen Kopf auf ihre Schulter. Er musste sich ziemlich nach unten beugen und irgendwie lag sein Kopf nicht besonders bequem auf Sprottes Schulter.

“I hate the crowds, you know that
Plus, I saw you dance with him”


Sprotte konnte fühlen wie ihr schlecht wurde. Basti hörte auf zu tanzen, hatte seine Hände aber immer noch auf Sprottes Hüfte. Zumindest versuchte er Sprotte weiterhin fest zu halten, doch seine Hände rutschen immer wieder von dem Samtstoff ihres Kleides ab.

“Ugh, ich hasse Taylor Swift,” sagte Basti und gab endlich auf seine Hände auf Sprottes Hüfte zu lassen. Stattdessen nahme er ihre Hand in seine. Sprotte zuckte nur mit den Schultern. Eigentlich mochte sie Taylor Swift ganz gerne, aber hatte nicht die Energie eine Diskussion darüber anzufangen.

“Ich bin echt müde Charlie” sagte Basti. “Wollen wir nach Hause?”

Sprotte nickte, sie war dankbar, dass sie von der Party weg konnte. “Aber nur, wenn wir uns unten noch einen Marshmallow holen,” fügte sie hinzu.

Basti seufzte. “Weißt du wie ungesund die für dich sind?” fragte er. Aber als er Sprottes sah sagte er, “Na gut, einer kann ja nicht schaden.”

Als Sprotte Basti zur Leiter folgte, spürte sie Freds Blick in ihrem Nacken. Was wäre passiert, wenn Basti nicht aufgetaucht wäre, fragte sich Sprotte. Was hatte ihr Fred sagen wollen? Sprotte schüttelte ihren Kopf und konzentrierte sich auf die Leiter. Es war egal, sagte sie sich. Fred wollte nichts von ihr, sie hatte ihm den Seitensprung nie verziehen und sie hatte Basti. Es war egal, dass ihre Knie weich wurden wenn Fred sie ansah. Oder dass sie in seiner Nähe Herzrhythmusstörungen hatte. Und es war total egal, dass sie nichts lieber wollte als wieder mit Fred auf der Tanzfläche zu stehen.

Unten angekommen, nahm Basti Sprottes Hand wieder in seine. Bastis Hand war leicht klamm und auf einmal kam sie Sprotte viel zu groß und schwer vor. Es ist mir egal, sagte sie sich wieder. Wenn dich das besser heute Nacht schlafen lässt, flüsterte die kleine, fiese Stimme. Nein, tut es nicht, dachte Sprotte.
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