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Die Wilden Hühner und die Türen der Welt

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred Melanie Klupsch Trudhild Bogolowski / Trude Wilma Irrling
29.06.2020
20.08.2020
11
25.120
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20.08.2020 2.631
 
Sprotte starrte unruhig auf ihr Handy. Hätte sie Fred früher auf seine Nachricht geantwortet, wüsste sie jetzt vielleicht wo er war. Das Schlimmste war, dass niemand sonst sich Sorgen machte. Steve und Willi schienen entspannt in den Pausen bei Trude und Frieda stehen. Die Lehrer hatte auch nicht danach gefragt, wo Fred denn war. Es fühlte sich so an als hätte Fred nie existiert.

Sprotte musst jeglichen Drang unterdrücken nicht zu Willi und Steve rüber stürzen, sie zu packen, zu schütteln und zu verlangen, dass sie ihr sagen würden wo Fred war. Sprotte hielt es nicht mehr aus. Sie hasste Telefonieren, es gab fast nichts schlimmeres für sie, aber entschlossen wählte sie Freds Telefonnummer. Sie war schon fast beruhigt als der normale Klingelton ertönte und nicht eine mechanische Stimme ihr mitteilte kein Anschluss unter dieser Nummer. Das Tuten kam Sprotte wie eine halbe Ewigkeit vor, dann endlich nahm jemand ab.

“Sprotte?” fragte Fred am anderen Ende der Leitung und Sprotte atmete aus.

“Wo zur Hölle bist du und warum hast du mir nicht auf meine Whatsapp geantwortet?” fauchte sie. Zu ihrer Überraschung fing Fred an zu lachen.

“Ich wusste du würdest es vergessen,” sagte er. “Ich bin doch zum Schüleraustausch in Manchester.”

Schüleraustausch? In Manchester? Sprotte erinnerte sich vage daran, dass Frau Rose vor den Sommerferien so etwas erwähnt hatte. Sie hatte nicht gewusst, dass sich Fred dafür beworben hatte.

“Oh,” war alles was sie antworten konnte. Fred lachte nur noch mehr.

“Das wollte ich dir auf der Party noch sagen, weil ich ganz sicher war, dass du es vergessen hattest,” Sprotte konnte förmlich hören wie er in den Hörer grinste.

“Oh,” war schon wieder alles was sie heraus bekam, fast wie eine kaputte Schallplatte. Das hatte ihr Fred auf der Party sagen wollen? Sprotte spürte wie die Enttäuschung ihren ganzen Körper überkam. Warum war sie bloß enttäuscht? Was sonst hätte Fred ihr denn bitte sagen sollen.

“Und das Gemüse?” flüsterte sie fast.

“Bringt mein Großvater noch heute bei deiner Oma vorb-...Fred are you coming?” Fred wurde von einer Mädchenstimme unterbrochen. “Sorry, Sprotte ich muss los,” ohne sich weiter zu verabschieden hatte Fred aufgelegt. Sprotte hatte das Gefühl ihr hatte jemand in den Magen geschlagen und gleichzeitig ihre Venen in Brand gesteckt. Dieses Gefühl kannte Sprotte nur allzu gut, auch wenn es ewig her war, dass sie es zuletzt gespürt hatte. Sie war eifersüchtig.

Eifersüchtig auf die Stimme eines Mädchens, dass sie noch nie gesehn hatte. Eifersüchtig weil diese fremde Stimme mit Fred gesprochen hatte. Ihrem Ex-Freund, mit dem sie seit drei Jahren nicht mehr zusammen war. Obwohl sie gerade einen festen Freund hatte. Ein fester Freund, der seine Arme um andere, wunderschöne Mädchen legen konnte und Sprotte spürte nichts. Nicht mal den kleinsten Hauch von Eifersucht.  

Sprotte hätte sich am liebsten geohrfeigt. Bloß nicht zu viel darüber nachdenken. Einfach die Gefühle nehmen, in eine eine Kiste packen, Kiste vergraben, Beton drüber gießen und ein 13 Stöckiges Hochhaus drüber bauen. Das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte, war eine Tiefenanalyse über ihre Gefühle für Basti und ihre Beziehung.

Schnell huschte Sprotte hinüber zu dem kleinen Grüppchen das ihre Freunde geformt hatten. Während Sprotte telefoniert hatte, hatten sich auch Basti Wilma und Maya da zu gesellt. Sprotte ignorierte Basti direkt und sprach Frieda an.

“Hey, kannst du mir am Samstag auf dem Markt helfen, da Fred ja in Manchester ist?” fragte Sprotte. Dass Fred in Manchester war scheinbar allen anderen bekannt zu sein, niemand sah überrascht aus.

“Oh sorry Sprotte, aber ich hab diesen Samstag Kostümprobe,” sagte Frieda entschuldigend.

Basti legte seinen Arm um Sprottes Schulter. Sprotte bekam Gänsehaut, aber nicht die angenehme Sorte.
“Ich kann dir gerne helfen,” sagte er und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.
“Hast du nicht auch Kostümprobe?” fragte Sprotte schnell. Aber Basti schüttelte nur seinen Kopf. “Ne, ich bin am Sonntag dran.”

Es wäre mal wieder ein perfekter Moment umich liebe dich zu sagen, aber Sprotte wurde schon wieder schlecht. Sie zwang sich zu lächeln und nickte.  Sprotte hätte es wirklich gebrauchen können mit Frieda alleine zu reden. Aber wenn sie jetzt einen Aufstand machte, würde Basti wissen, dass etwas nicht stimmte. Und Sprotte war sich noch nicht einmal sicher ober wirklich etwas nicht stimmte. Mit der Ausnahme natürlich, dass sie immer noch nicht ich liebe dich zurück gesagt hatte. Vielleicht reagierte sie auch einfach nur über. Sanft lehnte sich Sprotte an Basti an, aber irgendwie fühlte es sich falsch an. Einfach alles fühlte sich momentan falsch an.

Es fühlte sich auch falsch an am Samstag mit Basti auf dem Markt zu stehen. Er war zwar ein guter Verkäufer, aber irgendwie gehörte er hier nicht hin. Selbst, als sich Fred und Sprotte nur angeschwiegen hatten und ignoriert hatten, der Markt war immer ihre Sache gewesen. Und Basti gehörte einfach nicht hierher. Er gehörte nicht auf den Marktplatz und vielleicht gehörte er auch einfach nicht zu Sprotte. Sprotte biss sich auf die Zunge. Seit Halloween hatte sie immer öfter solche Gedanken. Es musste schließlich einen Grund geben, warum sie nicht ich liebe dich, sagen konnte. Aber sie liebte Basti doch. Oder? Wieso war sie so verunsichert? Ein kurzer Tanz mit Fred und plötzlich wackelte das gesamte Fundament ihrer Beziehung. Sprotte wollte es nicht zugeben, aber auchs schon bevor der Halloweenparty hatte sie das Gefühl, dass etwas zwischen Basti und ihr nicht stimmte. Sie war froh, als der Markt vorbei war und Basti zu den Theaterproben musste.

***


Fred war am Montag immer noch nicht da. Sprotte beugte sich zu Frieda rüber unter flüsterte, “Sag mal geht der Austausch zwei Wochen?”

Frieda schüttelte ihren Kopf ohne ihre Augen von der Tafel zu nehmen.

“Nein, vier.”

“VIER?”

“Shhh!” zischte Frieda. Die anderen Schüler warfen Sprotte neugierige Blicke zu. Zum Glück war Herr Grünbaum gerade los um noch ein paar Seiten zu kopieren. Basti nahm Sprottes Hand instinktiv in seine um sie zu beruhigen, auch wenn er scheinbar nicht an ihrer Unterhaltung mit Frieda interessiert war.  

“Vier Wochen?” wiederholte Sprotte diesmal leiser. Der Gedanke daran, Fred einen ganzen Monat nicht zu sehen war...schmerzhaft. Warum sie Fred auf einmal so vermisste, konnte sie sich auch nicht erklären. Vor allem aber, bedeutete das noch mindestens dreimal mit Basti zusammen auf dem Wochenmarkt zu verkaufen. Sprotte wurde blass. Langsam zog sie ihre Hand aus Bastis.

“Na ja, zwei Wochen in Manchester und dann zwei Wochen mit den Austauschschülern hier,” erklärte Frieda.

“Oh,” Erleichterung überkam Sprotte. Das heißt nächsten Montag würde Fred wieder da sein. Fred und sein Austauschschüler. Sprotte hoffte nur mit aller Kraft, dass Freds Austauschschüler nicht das Mädchen vom Telefonat war. Sprotte seufzte und versuchte sich wieder auf die Tafel zu konzentrieren. Aber ihre Gedanken schweiften immer wieder zu Fred und der Baumhausparty ab. Hatte er ihr wirklich nur sagen wollen, dass er nach Manchester gehen würde?

Die Wocher kroch förmlich vor sich hin. Sprotte schmiss sich in ihre Hausaufgaben, den Unterricht und alles was sie sowohl von Basti als auch Fred abgelenkte. Es zahlte sich aus. Am Ende des Englischunterrichts lobte Frau Rose Sprotte sogar und sagte, dass wenn sie weiter so machte Sprotte vielleicht sogar noch 10 Punkte bekommen konnte.

Immer wenn Basti etwas mit ihr unternehmen wollte, schob Sprotte die Schule vor. Zum Glück war Basti auch sehr mit dem Theaterkurs beschäftigt und so viel es Sprotte nicht schwer ihm aus dem Weg zu gehen. Jedesmal wenn sie Basti sah, sang die kleine fiese Stimme in ihrem Kopf du liebest ihn nicht, du liebst ihn nicht. Sprotte versuchte die Stimme so gut wie möglich zu ignorieren, aber es wurde immer schwerer.

Den Höhepunkt erreicht das ganze am Samstag auf dem Markt. Eine alte Dame hatte gerade eine große Menge Kartoffeln gekauft und Basti half ihr diese in ihren Rollatorkorb zu packen. Sie lächelte ihn Dankbar an.

“Ich muss los zur Probe, die letzte Stunde schaffst du doch auch ohne mich oder?” fragte Basti und Sprotte nickte. Sie war froh, dass er heute früher los musste.

“Bist ein Schatz”, sagte er ihr und schnappte sich seine Sachen. “Ich bring dir heute Abend dafür auch selbstgebackene Kekse mit!” Sprotte wollte keine Kekse. Sie wollte auch gar nicht, dass Basti nach seiner Probe überhaupt vorbei kam.

“Halten Sie sich den bloß warm,” sagte sie zu Sprotte. “So ein feiner junger Mann ist heute immer seltener.”

Basti gab Sprotte noch einen schnellen Kuss auf die Wange und war weg. Diealte Frau seufzte, “Ach, junge Liebe.”

Sprotte wurde schon wieder schlecht. Nein, keine junge Liebe, wollte sie rufen. Sie fühlte sich verdammt verloren und verwirrt.

Sprotte traf eine Entscheidung.

***


Sonntag morgen fanden sich die Wilden Hühner wie immer bei Trude beim Frühstück. Es war verdammt kalt, und Sprotte umklammerte dankbar ihr dampfende Tasse Kakao. Trude, Wilma, und Frieda hatten alle dunkle Ringe unter ihren Augen und hielten sich nur mit der Hilfe von sehr, sehr, sehr viel Kaffee wach. Die drei hatten bis spät in die Nacht geprobt. Nur Melanie schien wirklich munter zu sein. Fröhlich plapperte sie vor sich hin.

“Ich freu mich ja schon so auf die Abiparty nächste Woche,” sagte sie und nahm einen großen Bissen von ihrem Brötchen. “Vor allem, weil dann auch die Austauschschüler da sind. Englische Jungs sind ja immer so süß.”

Sprotte war froh, dass Melanie wieder ganz sie selbst zu seinen schien. Sie war in letzter Zeit gedanklich so abwesend gewesen, so still. Die anderen hatten sich schon Sorgen gemacht. Aber jetzt wo Melanie von Jungs schwärmte, schien sie wieder ganz die Alte.

“Schade, dass nur statistisch gesehen eher Mädchen auf einen Sprachaustausch gehen,” sagte Wilma. Frieda legte Müde ihren Kopf auf Sprottes Schulter und Trude gähnte.

“Ach wirklich?” fragte Melanie, ihre Stimme leicht zittrig. Auch Sprotte spürte einen leichten Knoten im ihrem Magen. Sie dachte an die Stimme an Freds Telefon.

Trude nickte, “war bei meinem Austausch nach Frankreich nicht anders.”

Melanie wurde seltsam blass und sah angespannt aus. Irgendetwas stimmte mit ihr nicht. Aber wenn sie noch nicht bereit war den anderen zu erzählen, was mit ihr los war, würden sie sie auch nicht unter Druck setzen. Apropos bereit zu erzählen. Sprotte holte tief Luft.

“Ich hab mit Basti Schluss gemacht,” sagte Sprotte und versuchte so beiläufig wie möglich zu klingen.

“Was?”

“Oh mein Gott, wann?”

“Wieso?”

Die wilden Hühner sprachen aufgeregt durcheinander. Sprotte versuchte sie zu beruhigen.

“Ich habe ihn gestern Abend angerufen, und dann haben wir uns getrennt. Die Gefühle waren einfach ausgewaschen,” erklärte Sprotte. “Er hat mir einfach kein Herzrasen gegeben.”

“Nicht mehr, oder hat er dir noch nie Herzrasen geben,” fragte Trude nach. Sprotte seufzte.

“Noch nie,” gab sie zu. Sprotte war die ganze Sache ziemlich unangenehm. Ein Grund warum sie mit Basti übers Telefon Schluss gemacht hatte. Es war ziemlich feige gewesen, aber Sprotte wollte es hinter sich bringen, wie das Abziehen eines Pflasters. Das Sprichwort war zwar schnell und schmerzlos, aber Sprotte fand immer, dass das Pflaster schnell abzuziehen immer mehr weh tat. Es hielt nur nicht so lange an. Sie hatte lange genug einfach nur neben Basti her existiert. Er hatte zu ersten nur ihren Schmerz über Fred gelindert aber langsam und sicher hatte er Sprotte ganz betäubt, bis sie fast nichts mehr gefühlt hatte. Vielleicht wäre es ihr nie aufgefallen, hätte sie nicht ihre Tiegerhose zufällig gefunden und sich erinnert, wie es vor Basti gewesen war. Nicht, dass sie Basti irgendetwas übel genommen hatte. Er hatte keine Schuld getragen, aber auch er hatte etwas besseres verdient. Auch er hatte jemanden verdient, der ihn liebt und nicht nur als Sicherung benutzt.

Sprotte wollte kein großes Ding daraus machen. Genau deswegen hatte sie es ja nur beiläufig erwähnt. Doch etwas ruhig angehen zu lassen war ein Fremdwort für die wilden Hühner. Trude standen bereits die Tränen in den Augen, weil es ja soooo tragisch für Sprotte war. Melanie überlegte sich schon wie sie Sprotte zur Ablenkung das perfekte Umstyling geben könnte und Wilma dachte an Rache. Frieda legte tröstend ihren Arm um Sprotte und Sprotte fühlte sich als würde sie ersticken. Schnell striff sie Friedas Arm ab.

“Mir geht es gut,” sagte sie eindringlich. “Können wir da vielleicht nicht so ein Ding draus machen? Und bitte erzählt es nicht weiter.”

Die anderen hielten erstaunt inne, doch nickten alle.

“Das betrifft auch Steve und Willi,” fügte Sprotte hinzu und sah Frieda und Trude verschärft an. Denn wenn es Steve und Willi wüsste, wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis Fred es wusste. Und der würde sich vermutlich noch einbilden, dass sich Sprotte seinetwegen von Basti getrennt hatte. Und dann würde er denken, dass Sprotte wieder mit ihm zusammen sein wollte. Aber Sprotte hatte sich fest vorgenommen, egal wie weich ihre Knie wurden und wie schnell ihr Herz klopfte, der Zug war abgefahren. Und zwar genau vor drei Jahren.

Es war schon dunkel als Sprotte Trudes Haus verließ und eisig kalt. Das Wetter war sehr schnell umgesprungen und Sprotte merkte richtig, dass sie nicht mehr im goldenen Oktober war, sondern im grauen November.

Der Weg von Trude zu Sprotte war nicht lang, trotzdem fühlte sich Sprotte halb erfroren. Zu allem Überfluss fing es auch noch an zu schneien. Der Schnee blieb zwar nicht liegen, machte es aber unmöglich auch nur irgendetwas weiter als zwei Meter entfernt zu erkennen

“Was machst du denn hier?” Sprotte fühlte sich unwohl, dass Basti auf sie im Schnee gewartet hatte. Nicht, dass Basti ein Stalker war, aber mulmig war ihr schon zu mute.

“Ich wollte zu dir, aber du warst nicht da,” antwortete Basti. Seine Stimme klang seltsam heißer und seine Augen waren leicht gerötet. Hatte er geweint?

“Ich wollte zu dir, weil ich dir sagen wollte, dass ich für dich Kämpfen werde,” teilte Basti ihr mit und Sprotte musste ein Stöhnen unterdrücken. Sie hatte erwartet, dass Basti, so erwachsen wie er war, sich nicht so dramatisch verhalten würde.

“Ich will aber nicht, dass du für mich kämpfst, Basti,” sagte Sprotte. “Alles was ich will ist, dass wir Freunde bleiben können.”

Doch noch als Sprotte die Worte aussprach, merkte sie, dass sie nicht das geringste Bedürfnis hatte mit Basti weiterhin befreundet zu sein. Es klang vielleicht kaltherzig, aber Basti war wirklich nur ihre Kindersicherung für Fred gewesen. Sprotte war reif genug. Vielleicht waren anfänglich auch Gefühle im Spiel gewesen, aber ihre wurde bewusst, dass sie die letzten Jahre einfach nur neben Basti her existiert hatte. Er war kein schlechter Mensch, ganz im Gegenteil. Aber er war einfach kein Mensch mehr, der in Sprottes Leben passte.

Basti sah das scheinbar anders.

“Aber wir sind perfekt füreinander, Charlie,” sagte er kläglich. Sprotte fühlte sich grauenvoll. Ihr war inzwischen eiskalt.  Sie wunderte sich ob es der Schnee oder  ihre eigene Kaltherzigkeit war. Aber sie konnte sich nicht zwingen Gefühle zu haben. Oder so tun als ob. Das wäre weder fair für sie noch für Basti.

“Ich will aber nicht perfekt, Basti,” antwortete sie mitleidig, “ich will Liebe.”  

Basti schnaubte, sah aber, dass er keine Chance bei Sprotte mehr hatte. Er sah so verbittert aus auf einmal, dass jegliches Mitleid, das Sprotte gehabt für ihn gehabt hatte, verflog. Ärgerlich ließ er Sprotte stehen und stapfte durch den fallenden Schnee. Sprotte dachte, dass es endlich vorbei war, doch Basti drehte sich noch einmal um.

“Er hat dich betrogen Charlotte und er wird es wieder tun!” warnte Basti sie. Es klang fast wie eine Drohung. Sprotte schüttelte nur ihren Kopf. Auch wenn Fred seinen Einfluss gehabt hatte, Sprotte hatte lediglich für sich selbst mit Basti Schluss gemacht. Sie konnte nicht mit jemandem zusammen sein, für den sie keine Gefühle hatte. Das gleiche galt für Fred. Sprotte hatte keinerlei Gefühle für ihn, außer vielleicht ein Hauch Nostalgie. Sie selber brauchte einfach die Freiheit. Sie selber hatte etwas besser verdient. Sie liebte sich selber. Aber Männer würden es nie verstehen, dass sich nicht die ganze Welt um sie drehte.
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